Die Idee, dass uns nichts erspart bleibt, hat etwas Tröstliches

Was unsere innere Stimme uns zu Bewusstsein bringen könnte.

Hinweis zum Rubikon-Beitrag: Der nachfolgende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Rainer Mausfeld aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt KenFM diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

von Dirk C. Fleck.

Ich weiß, solche Daten werden nicht erfasst, jedenfalls nicht von der weltweiten Schnüffelmaschine des Tiefen Staates. Aber rein theoretisch müsste sich der ökologische Fußabdruck, den wir während unserer irdischen Existenz hinterlassen, messen lassen.

Wenn am Ende abgerechnet wird, steht doch zweifelsfrei fest, was jeder Einzelne von uns im Laufe der ihm zugestandenen Jahre hier veranstaltet hat. Es steht fest, wie viel Liter Benzin wir verbraucht haben, um unseren Hintern von A nach B zu bewegen. Es steht fest, wie viel Kilo Fleisch wir verspeist haben, wie viel Wasser wir verbraucht haben, wie viel Waschmittel von uns in die Flüsse geleitet wurde und was wir der Umwelt an Plastikmüll zugeführt haben, um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Und wer weiß denn, ob die Daten, die über unser fahrlässiges Verhalten Aufschluss geben, nicht doch irgendwo gespeichert sind und somit entscheidenden Einfluss nehmen auf unsere zukünftige Existenz?

Zukünftige Existenz?! Nicht gleich aufregen, Leute! Mir ist schon klar, dass die meisten Menschen mit dem Begriff Reinkarnation nichts am Hut haben, dass sie schon die Erwähnung dieses Wortes für esoterisches Geschwurbel halten, was letztlich ihre Lebensweise erklärt, die der Satz „Nach mir die Sintflut!“ ja trefflich beschreibt.

Die Natur ist ein unendlich geteilter Gott

Aber jeder könnte zumindest einmal darüber nachdenken. Wenn die Idee von der Wiedergeburt einen Sinn ergibt, dann doch nur wegen der Vorstellung, dass sie uns nacheinander in jede denkbare materielle Form zwingt. So könnten wir zu einem übergreifenden Verständnis gelangen, das uns aus dem Leid erlöst, welches unabdingbar mit jeder menschlichen, an den Körper gebundenen Existenz verknüpft ist. Aus diesem Verständnis heraus werden wir also sowohl der Baum gewesen sein, den wir gefällt haben, als auch die Ameise, die wir unter unseren Füßen zertraten. Wir werden die Erfahrungen eines Silvesterkarpfens ebenso gemacht haben, wie die eines Tigers im Zoo. Wir werden den Autoreifen so wenig entkommen sein, wie die Kröten auf ihrer Wanderung zu eben jenem Ziel, das uns allen gemeinsam ist. Wir werden uns sowohl schuldig als auch unschuldig gefühlt haben. Wir werden Herrscher und Besiegte in uns vereinigen, jeder Schmerz, jede Freude, jeder Wahnsinn wird uns schließlich vertraut sein.

Die Idee, dass uns nichts erspart bleibt, hat auch etwas Tröstliches. Besagt sie doch letztlich: In all unserem Tun können wir uns nur ans uns selbst vergreifen. Um für diese Erkenntnis offen zu werden, gilt es, den Angstknoten in uns zu lösen, jenes Geschwür der Seele, das sich in vordergründigen Sicherheiten versteckt. Dessen Eiter ist die Ignoranz gegenüber der Tatsache, dass sich nichts, aber auch gar nichts an egoistischer Attitüde dem Leben gegenüber verteidigen lässt. Früher oder später müssen wir erkennen, dass wir Teil eines einzigen und einzigartigen Körpers sind. Wie hatte Friedrich Schiller so richtig gesagt: Die Natur ist ein unendlich geteilter Gott.

Okay, ich will Sie nicht länger mit meinem „Geschwurbel“ nerven. Eigentlich wollte ich mit Ihnen nur ein kleines Gedankenspiel spielen. Angenommen, nur mal angenommen, es gäbe eine Instanz, so eine Art innere Stimme, der wir total vertrauen, wenn sie sich meldet. Gesetzt den Fall, diese innere Stimme würde uns sagen, wann wir sterben werden. Nicht das Datum, das nicht. Die Stimme macht den Zeitpunkt unseres Ablebens an unserem Konsumverhalten fest.

So erfährt der eine, dass seine Zeit gekommen ist, wenn er die letzte der ihm noch zustehenden 35 Kilo Plastikmüll entsorgt hat. Ein anderer erfährt, dass er 2289 Liter Benzin zugebilligt bekommt, und wenn die verfahren sind, ist Schluss auf Erden. Einem Dritten werden noch 64 Kilo Fleisch zugestanden, bevor er stirbt. Und dem Vierten wird sein Ende vorausgesagt, sobald er auch nur eine Sekunde länger im Internet surft, als 3700 Stunden. Das Internet, so erführe er bei dieser Gelegenheit, ist nämlich weltweit der drittgrößte Energiefresser, Tendenz steigend.

Wie würden diese Menschen reagieren? Wie gesagt, sie zweifeln nicht im Geringsten an der Prophezeiung ihrer inneren Stimme. Ich vermute, jeder der vier hier Genannten würde extrem nachdenklich werden. Zumal ihnen schlagartig klar würde, dass sie einen Entzug zu durchlaufen hätten, gegen den sich das Abnabeln vom Heroin wie eine leichte Fingerübung ausnimmt. Der Autofahrer würde beginnen, seine Fahrten langsam einzuschränken, bis er sich irgendwann selbst ein Fahrverbot erteilt.

Das gleiche gilt vermutlich für den Internetsurfer: Er begänne, die Besuche im Netz nach Nützlichkeit und Notwendigkeit abzuwägen. Der Fleischesser täte sich mit dem Verzicht schon schwerer, er ist körperlich süchtig. Vermutlich würde er seinen Konsum nach der Prophezeiung rauschhaft steigern, um vor dem letzten Schnitzel eine Vollbremsung hinzulegen. Das letzte Schnitzel wäre so etwas wie die Pistole, die man unter der Wäsche versteckt hält – für den Fall, dass man unheilbar krank wird, pleite geht oder von der Frau verlassen wird. Das nennt man dann ein selbstbestimmtes Leben…

„Ich geh mal kurz zu Edeka“ ist nicht mehr

Am einfachsten scheint es die Person mit den 35 Kilo zugestandenem Plastikmüll zu haben. Aber das täuscht. Sie hat vermutlich die Arschkarte gezogen. Okay, Jute statt Plastik – null Problemo, sofort umsetzbar. Aber bereits beim Leeren der ersten Jutetasche stellte die Person fest, dass fast jedes Produkt aus dem Supermarkt eingeschweißt ist. Selbst die zwölf Himbeeren, die sie im Joghurt verrühren wollte, sind in Plastikfolie gewickelt. Aber hatte unsere Person nicht neulich von einem alternativen Supermarkt gelesen, der Waren pur verkauft, ganz ohne Verpackung? Also ab ins Internet. Gottseidank gab es in diesem Fall kein Stundenlimit. Und dann ab ins Auto. Zehn Kilometer hin zu der unverpackten Butter, zehn Kilometer zurück. Zum Glück sprach die innere Stimme auch nicht von einem begrenzten Benzinvorrat. Aber Vorsicht bei Möbeln und Kinderspielzeug, beim Autokauf und auch allen anderen Kaufaktionen. Arschkarte, sag ich doch.

Ich bin Anwohner und geh mal kurz zu Edeka ist nicht mehr. REWE, Penny, Netto und Konsorten stehen auch nicht zur Verfügung. Die großen Kaufhäuser ebenfalls nicht und auch nicht 99 Prozent der kleinen Läden. Wir stecken definitiv in der Plastikfalle. Und in ihr bezahlen wir mit Plastikkarten …

Während sich also drei von vier Menschen, denen ihre innere Stimme eine unumstößliche Wahrheit flüstert, durch Einsicht und Disziplin noch vor dem geweissagten Tod zu retten vermögen, scheinen wir als menschliche Gemeinschaft rettungslos verloren. Obwohl die Menetekel des Untergangs für uns alle unübersehbar geworden sind, obwohl sie an jeder Wand hängen und aus jedem Fernseher springen.

Der Ökozid ist nur deshalb überhaupt möglich, weil sich das Zerstörungswerk auf unendlich viele Schultern verteilt. Jeder einzelne von uns lädt von der Gesamtlast der alles niederwalzenden Zivilisationslawine allenfalls ein Mikrogramm auf seine Schulter. Diese „Minimenge“ kann er nach seinem Verständnis in keinen katastrophalen globalen Zusammenhang bringen. Warum also sollte jemand sein Auto verschrotten, wenn die Luft dünn wird? Wir kennen die Ausrede, mit der wir uns Absolution erteilen: Sie sind Schuld! Sie weigern sich, den Umweltschutz im Grundgesetz zu verankern. Sie setzen weiterhin auf Atomkraft. Neulich haben sie eine entsprechende Umfrage in Auftrag gegeben, aber im Grunde sind sie nur geldgeil. Wie wollen sie die Probleme jemals in den Griff kriegen? Nächste Woche sägen sie die Kastanien in meiner Straße ab, sie brauchen Parkplätze. Irgendwann ersticken sie noch mal in ihrem eigenen Dreck, aber feiern tun sie bis zum Ende. – He, Sie da! Haben Sie sie gesehen?

Was wir dringend bräuchten hat Wolf Bünting, Psychotherapeut und Gründer des ZIST (Zentrum für Individual- und Sozialtherapie), sehr treffend auf den Punkt gebracht. Und das, Herr Nachbar, ist machbar. Bünting sagt:

„Das Ziel ist, wieder dort anzuknüpfen, wo wir waren, bevor wir geprägt und konditioniert wurden. Das heißt, am Wesen der Person anzuknüpfen, an ihrem Dasein, an ihrem Interesse, an ihrer Wahrnehmung, an ihrer eigenen Würde, an ihrem Mitgefühl, am Gefühl für den eigenen Wert als Geschöpf, an der Aufrichtigkeit – so wie Kinder sind, bevor sie anfangen zu schauen, wem sie es recht machen können.“

Denn nicht nur was wir tun, sondern auch was wir denken und fühlen steht mit allen anderen Taten, Gedanken und Gefühlen sämtlicher Mitwesen auf diesem Planeten in ständiger Verbindung. Es bedingt einander, sodass aus diesem Konglomerat der jeweils augenblickliche Zustand der Welt erwächst.

Je mutiger unser Handeln, je klarer und gerechter unsere Gedanken und je tiefer unsere Gefühle, desto mehr tragen wir dazu bei, dass sich die „Gesamtlage“ zum positiven verändert.

Im Moment, das müssen wir wohl unumwunden zugeben, ist die Lage nicht berauschend. Ein Grund mehr, uns selbst und damit der Gemeinschaft aller Lebewesen etwas Gutes zu tun. Wer etwas Besseres vorhat, sollte sagen, was es ist. Dann wird er merken, dass er ganz schön alt aussieht.

„Wo materieller Fortschritt, wo Eroberungen von ganz äußerlicher Perfektion herrschen, an welcher weder unser Herz noch unser Menschenkörper teilhaben konnten, wo all das herrscht, was sich auf Bequemlichkeiten stützt und sich unter Ausschluss jedes inneren Fortschritts auf dieser Grundlage verfeinert, da hat sich echte Kultur nicht mehr entwickelt. Im Maße, wie wir Fortschritte machen und unser Einfluss auf die äußere Natur uns Wüsten beschert, die messbar sind, entgeht uns gleichsam der Himmel, und bei dieser Ausdrucksweise handelt es sich um ein Bild, das für die Realität nicht ohne Folgen ist“, schreibt Antonin Artaud (1896 – 1948), französischer Schauspieler, Dramatiker, Regisseur, Zeichner und Theater-Theoretiker.

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Dieser Beitrag erschien am 2.12.2017 bei Rubikon – Magazin für die kritische Masse.

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18 Kommentare zu: “Die Idee, dass uns nichts erspart bleibt, hat etwas Tröstliches

  1. Frieden kann nur aus uns selbst heraus entstehen. Die Innenschau hat natürlich nichts mit „Glauben“ (im Sinne von Kirchen- oder Vereinsanhängern etc.) zu tun. Sie ermöglicht uns, mehr Kraft zu entfalten, um eben genau den hier mehrfach erwähnten Manipulationen durch Glauben (Kirche, Feindbilder, Andersdenkende etc.) zu widerstehen, bei sich zu bleiben, ganz gleich, wie fortgeschritten dieser „Mainstream“ schon ist.

    Menschen, die so gelebt haben, so gedacht haben und vor allem: so gefühlt haben, sind zum Beispiel Hannah Arendt, Rosa Luxemburg, Geschwister Scholl, Mahatma Gandhi und viele, viele, die immer wieder versucht haben, ihre Mitmenschen mitzunehmen.

    Ich empfehle (als Anregung gemeint!) folgenden Vortrag (und überhaupt alle Vorträge) von Eugen Drewermann:

    https://www.youtube.com/watch?v=hRQofNP6BYk

    Mit Eugen Drewermann gibt es auch hier bei KenFM ein „Im Gespräch mit“.

    https://kenfm.de/eugen-drewermann/

    Ich möchte eine Veränderung.
    Ich möchte Frieden.
    Ich wünsche mir eine tolerante und reife Gesellschaft, die niemanden allein lässt und begreift, wie wichtig Umweltschutz ist, wie sehr wir miteinander und mit der Erde verbunden sind.

    Für mich ist die logische Konsequenz daher, bei mir diese Veränderungen zu verwirklichen, Stück für Stück, so gut ich eben kann.

    Ganz liebe Grüßen an Alle hier
    Brigitte Schneider

  2. liebe Brigitte,

    Wenn Glaube notwendig wird, um eine bessere Welt zu erreichen, dann bin ich der erste, der gläubig wird.

    Daß dies beim besten Willen nicht so ist, liegt auf der Hand: 

    Glaube wird dazu verwendet, um Ungereimtheiten in (gültige) Glaubenssätzen umzuwandeln (Bsp.: Monsanto, Bayer, …, VW, Audi, …, Miele, Bosch, …, Nestle, Milupa, …, … )
    Glaube wird dazu Verwendet um Macht zu Konzentrieren (Bsp.: Kirche, Staat, oder beinahe jede Organisation), das behaupte ich deswegen, weil überall, wo Struktur herrscht, ist dies (g)(h)ierarchisch aufgebaut.
    was braucht man noch, um Menschen zu unterdrücken? ich denke das reicht fürs Erste

    Glaube kann infolgedessen „bestenfalls“ als Instrument zur Unterdrückung aufgefaßt werden.

    • Ja das sehe ich auch so.

      Gäbe es eine Lösung unserer gesellschaftlichen Probleme mit Glaube, hätten wir schon lange die beste aller
      Welten, da die Menschheit seit Jahrtausenden mit Glaube, Religion, Spiritualität in irgendeiner Form lebt.
      Warum soll ausgerechnet heute Glaube zu einer besseren Welt führen, wenn das in tausenden Jahren nicht
      passiert ist? Schauen wir einfach mal in die Geschichte.

      Menschen werden in hierarchisch organisierten Pyramidensystemen meistens zum Glauben erzogen, was
      man in fast allen Bereichen dieser Gesellschaft auch feststellt. Schauen wir in die klassischen Medien und
      vor allem auch in die alternativen Medien, stellen wir fest, das Menschen die Lösungen im Glauben sehen,
      eher eine Bühne bekommen, als solche mit pragmatisch naturwissenschaftlichen Erklärungsversuchen.

      Was ist das Grundproblem beim Glaubensansatz?

      Wenn ich eine Meinung habe, die nur auf Glaube beruht, für die es im realen Leben keine Bestätigung gibt,
      und ich den Glaube zur Wahrheit oder zu Wissen erkläre, muss ich (meistens) Naturgesetze ausschließen
      bzw. ignorieren. Das entfernt mich dann von wirklichen Lösungen auch im gesellschaftlichen Bereich. Das
      wissen natürlich auch die Macht- und Besitzeliten in den Pyramidenspitzen.

      Falls sich jemand interessiert. Hier ist mein Erklärungsversuch aus physikalischer Sicht, um gesellschaftliche
      Entwicklungen zu verstehen und vielleicht Lösungsansätze zu entwickeln:

      https://dergrossezusammenhang.jimdo.com/

      Das Eine oder Andere müsste überarbeitet werden, aber mir fehlt die Zeit.

      LG Roland Dames

  3. Lieber Herr Fleck, liebe LeserInnen,

    der Glaube an die Wiedergeburt brächte sicher mehr Verantwortungsgefühl in die Gesellschaft. Aber was ist das für eine Verantwortung, die da „gelebt“ würde. Im Hinduismus beispielsweise unterliegt alles dem Karma, welcher leider auch als Angst einflößendes Druckmittel gegen die Bevölkerung benutzt wird. Noch heute gibt es überall auf der Welt so viel Hass, Neid und Gier. Diese sind – ob religiös begründet oder nicht – Energien, die destruktiv wirken und sich weder mit Verantwortung noch mit Empathie oder gar einem entwickelten Bewusstsein vereinbaren lassen. Ja, selbst der Begriff „Eigenverantwortung“ wurde in dieser westlichen Gesellschaft pervertiert, wird er doch lediglich – ähnlich dem Begriff Karma – dazu benutzt, die Bevölkerung auf eine perfide Art klein zu halten. Zum Beispiel sind „wir“ für unsere Gesundheit selbst verantwortlich. Klar, ich stimme dem zu, solange man mich nicht mit Giften verseucht, auf deren Existenz oder Nichtexistenz ich einfach keinen Einfluss habe. Trotzdem muss ich – müssen wir – verantwortlich damit umgehen, ohne uns jedoch einreden zu lassen wir trügen daran eine „Schuld“. Überhaupt ist Schuld ein Begriff, der – wie „Karma“ oder „Eigenverantwortung“ – gerne zur Lenkung der Masse missbraucht wird.

    Ich glaube, das ist es, was wir begreifen müssen: wir sind für unser Leben und das unserer Umwelt (Menschen, Tiere, Pflanzen – die Erde) unmittelbar und ohne jede Möglichkeit der Ausflüchte verantwortlich. Ein solches Verantwortungsgefühl – welches in diesen Zeiten kaum mehr zu ertragen, auszuhalten oder lebbar ist – kommt aus dem Inneren und nicht von außen. Daher ist die Innenschau für uns Menschen extrem wichtig, ja überlebensnotwendig, wie wir allmählich erfahren „dürfen“. Aus einer solchen „Einsicht“ in die eigene Seele werden uns wertvolle und unverzichtbare Erkenntnisse zuteil, die unser Fühlen, Denken und Handeln in eine „ganzheitliche“ Sichtweise verwandeln. Wir werden uns „bewusst“, dass wir alle miteinander verbunden sind. Die Hexenweisheit „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“ bringt diese Einsicht treffend auf den Punkt.

    Ein höheres Bewusstsein kann nur aus der Tiefe unserer Seelen kommen. Das wissen auch „sie“, diejenigen, die (vermeintlich!!) viel davon haben, „uns“ zu manipulieren.

    Natürlich bekommen „wir“ es mit der Angst zu tun, wird uns das ganze Ausmaß all dessen, was gerade und schon länger geschieht, „bewusst“. Es ist unmöglich, keine Angst zu bekommen!

    Eine sehr weise Frau sagte einmal zu mir: „Wo die Angst ist, da geht`s lang.“ Genau dies scheint mir ein Weg zu sein. Wir dürfen Angst haben. Das ist nicht verwerflich, sondern nur menschlich. Dann aber müssen wir mutig sein, unsere Angst akzeptieren und sie als Katalysator nutzen für die Entstehung eines Gefühls, das uns durchdringt und uns mit einer Wahrheit durchflutet, der wir dann nicht mehr entrinnen können. Es ist die Verbundenheit mit allem, die Erkenntnis von Einheit. So erschreckend solch eine Erkenntnis sein mag, genauso hoffnungsvoll kann sie auch wirken. Ganzheit ist rund, ist weit und ohne Grenzen. Also können wir Liebe, Einsicht, Frieden und konstruktive Verantwortung auch positiv einfließen lassen. Wir haben mehr Macht als wir gemeinhin glauben.

    Ich schreibe einmal die Hexenweisheit um: „Was du willst, das man dir tu, das füge auch den andern zu.“

    Unsere Gesellschaft ist so beschaffen, dass einer dem anderem etwas nimmt. Hier gibt niemand freiwillig, jedenfalls nicht ohne direkten oder indirekten Nutzen. Wer auf der Strecke bleibt, ist selber schuld. „Schließlich müssen wir alle sehen, dass wir mit dem Arsch an die Wand kommen.“

    Ja?

    Man stelle sich einmal vor, wir wären genau anders herum „gepolt“. Wir könnten nicht anders, als unsere Mitmenschen zu beschenken. Jeder gibt, was er kann. In einem solchen „Kreislauf“ können wir sicher sein, dass wir versorgt sind, weil immer von irgendwo im rechten Augenblick genau das kommt, was wir benötigen. „Geben ist seliger, denn Nehmen.“ Unsere Seele gibt gerne, denn sie hat ja gar nichts zu verlieren.

    Ja, es ist tröstlich zu wissen, dass diese endliche Welt nur eine Illusion ist. Trotzdem, so glaube ich, sollen wir uns für sie einsetzen, sollen uns so benehmen, dass sie als Paradies erfahrbar gemacht wird und nicht als Hölle (wie sie derzeit wohl eher wahrgenommen wird).

    Jede und Jeder von uns muss einfach nur anfangen, ohne sich gleich zu überfordern und ohne sich in Ausflüchten zu verstricken. Fang doch einfach an. Gib dem Nächsten Liebe, ein Stück Brot, ein Bett zum Schlafen, ein ehrliches Lächeln, einen Euro, eine Weisheit. Versuche, so wenig Müll zu produzieren wie möglich usw.

    Geöffnete Herzen – dagegen wird kein Neoliberalismus, kein Hass, kein Neid und keine Gier ankommen.

    Mag sein, dass wir leiden müssen – ja, bestimmt sogar. Aber leiden wir nicht ohnehin schon? Unser Herz zu öffnen bedeutet, Kraft zu entfalten, bedeutet, Licht zu erzeugen und somit auch so etwas wie Glück oder Zufriedenheit, was wiederum Kraft entfaltet und Licht.,,,

    Es grüßt
    Brigitte Schneider

    • „Gib dem Nächsten Liebe, ein Stück Brot, ein Bett zum Schlafen, ein ehrliches Lächeln, einen Euro, eine Weisheit. Versuche, so wenig Müll zu produzieren wie möglich usw.“

      Reichst du ihm den kleinen Finger, reißt er dir den Arm aus. Wir sollten uns nicht zu weit von der Realität entfernen – sie holt uns sowieso immer ein.

      Man muß das schon wörtlich nehmen – dem Nächsten – also der Mensch der dir nahe (am nächsten) steht. Das dürfte sich also auf einen Menschen bis zu einer sehr kleinen Gruppe beziehen.

    • @Koenig Ordnung

      Die „Realität“ ist so vielfältig, wie es Menschen gibt auf unserem Planeten. Besonders von den „Nächsten“ kommen oft schändliche, grausame, vernichtende Handlungen.

      Ich verstehe aber Ihre Angst. Genau das war meine Aussage: Diese Angst existiert, und sie existiert verständlicherweise! Mit dieser Angst spielen die „Mächtigen“ (wer auch immer „sie“ sein mögen…). Sie spielen uns gegeneinander aus. Die Arbeitgeber gegen die Arbeitnehmer. Die Flüchtlinge gegen die ALG II-Empfänger. Die Frauen gegen die Männer. Die Alten gegen die Jungen. Uns wird suggeriert, wir hätten Feinde.

      Ich persönlich weigere mich, diese Suggestion als meine Wahrheit anzunehmen. In meinem Leben gab es vereinzelte Menschen, die mir „den Arm ausgerissen haben“. Es waren ebenso Fremde wie Bekannte, und es waren auch die „Nächsten“. Aber die meisten Menschen sind schon ziemlich in Ordnung. Wir müssen nur aufeinander zugehen. Das jedenfalls ist meine ganz persönliche Erfahrung.

      Wie gesagt:

      „Geöffnete Herzen – dagegen wird kein Neoliberalismus, kein Hass, kein Neid und keine Gier ankommen.“

      Es grüßt
      Brigitte Schneider

    • Liebe Brigitte – ich habe aber gar keine Angst. Wie kommst Du überhaupt darauf mir Angst zu unterstellen/diagnostizieren? Ich bin Logiker und für die ist Angst unlogisch, da sie meist zu falschen Handlungen führt.

      Ich habe mehr Lebenserfahrung als die meisten Menschen auf der Welt. Gelebt wie fünf sozusagen. Daraus speist sich eben auch Menschenkenntnis und das Wissen um Menschliche Abgründe.

      Gibt es ein abartigeres, perverseres Lebewesen auf der Welt als den Mensch?

      Ich kann mit jedem gut auskommen, aber Vertrauen? Das muß Mensch sich verdienen und erarbeiten – da gibt es keinerlei Vorschuß (von mir).

      Ich gehe an keinem Bettler vorbei, ohne nicht mindestens 2 € dazulassen. Ich wechsele sogar die Straßenseite wenn ich auf gegenüberliegender Seite einen Bettler sehe. So manches mal – wenn ich Zeit habe – frage ich was er Essen möchte und hole es ihm.

      Aber ein offenes Herz gibbet nich – da würd ich eher mit offener Hose rumlaufen. Ein offenes Herz kann es nur für ganz ganz wenige Menschen geben, die ich extrem gut kenne. Herzlichkeit hingegen, kann ich weit mehr Menschen spenden.

    • @sogehts
      Du beschreibst sehr eindrücklich, was das Problem in uns allen selbst ist. Es ist der Vertrauensverlust in die Menschen.

      Basis dessen ist auch meines Erachtens nach Angst. Wenn Du schreibst, dass Du nicht mit offenem Herzen herumlaufen möchtest, hat das einen Grund. Der mag vielleicht auf schlechten Erfahrungen basieren. Letztlich sehe ich den Grund aber auch hier in Angst. Denn warum sonst solltest Du nicht mit offenem Herzen den anderen gegenüber auftreten wollen?

      Du hast recht damit, dass es bei dem Nächsten nicht um die Menschen in weiter Ferne geht. Dennoch ist die Frage, um wen Du den Kreis des Vertrauens ziehen willst und warum Dir die Menschen vorab erst beweisen müssen, dass sie es wert sind in diesen Kreis aufgenommen zu werden. Hier vermute ich mal schlechte Erfahrungen als Ursache.

      Dies ist das weitverbreitete Verhalten, welches durch unser Jeder-Gegen-Jeden was wir hier betreiben gefördert wird. Die Menschen müssen erstmal beweisen, dass sie zu den vermeindlich guten gehören und wir gehen davon aus, dass alle anderen schlecht sind. Wir selbst zählen natürlich nicht zu den schlechten Menschen.

      Wenn man allerdings mal davon ausgeht, dass erstmal alle drin sind im Kreis des Vertrauens, und man erst dann diejenigen aussortiert, die nicht hineingehören sollten, dann geht man den Weg mal andersherum, als es heute in den meisten Menschen drin zu stecken scheint.

      Ich denke, dass es Brigitte eben genau darum geht.

      Deine Unterscheidung in Herzlichkeit und mit offenem Herzen finde ich einen guten Ansatz um in der heutigen Zeit einen passablen Umgang mit den anderen zu leben, wenn man einfach schon schlechte Erfahrungen gemacht hat, so wie vermutlich sehr viele von uns.

      Dennoch möchte ich folgendes Gedankenspiel treiben:

      Angenommen Du magst Haselnüsse.
      Wenn Du eine Tüte Haselnüsse hast und diese verzehren möchtest, gehst Du doch, obschon Du womöglich schon die Erfahrung gemacht hast, dass einige schlechte Haselnüsse darin sein könnten, nicht erstmal davon aus, dass alle schlecht sind. Also ist doch das Vorgehen eher so rum, dass Du die schlechten Haselnüsse aussortierst, nachdem Du sie als solche identifiziert hast, anstatt erstmal alle Haselnüsse als schlecht anzusehen und dann die guten Haselnüsse zu identifizieren und rauszupicken. Hinzu kommt, dass die Identifizierung der schlechten Haselnüsse als solche auf unterschiedlichsten Merkmalen basieren kann. Du hast vielleicht die Erfahrung gemacht, dass die verschrumpelt ausehenden mitunter etwas bitter schmecken können. Dennoch können unter den verschrumpelt ausehenden Haselnüssen vereinzelt doch einige auch ganz gut schmecken. Der Ansatz zum Aussortieren wird allerdings trotzdem andersherum aussehen, weil Du davon ausgehst, dass der größere Anteil der Haselnüsse genießbar sein wird.

      Wenn Du also ein Haselnuss-Fan bist und hin und wieder eine schlechte Erfahrung mit einer Nuss machst, wirst doch nicht Dein Vertrauen in die Haselmüsse als leckeren Snack in Gänze aufgeben, oder?

      Jetzt haben wir über sieben Milliarden Menschen auf der Welt. Dein Erfahrungsschatz, auch wenn er für fünf Leben reichen sollte, wird auf einem verschwindend kleinen Anteil der Menschen dieses Planeten beruhen. Was hält Dich also davon ab, den anderen einen Vertrauensvorschuss zu gewähren und eben die sich als unpassend erweisenden Menschen nach Bedarf auszusortieren?

      Ich vermute mal, es ist die Angst davor enttäuscht oder verletzt zu werden.

      Und diese Angst ist heute auch berechtigt. Denn wie schon erwähnt, sorgt unser Jeder-Gegen-Jeden Prinzip hier nicht gerade für die Förderung von Vertrauen und Gemeinschaft.

      Es könnte sich natürlich herausstellen, dass durch den Vertrauensvorschuss eine ungewöhnliche Ausnahmesituation katastrophischen Ausmaßes eintritt und eben der Arm abgerissen wird. Oder, um das Haselnussbeispiel aufzugreifen, Du Dir beim Haselnusskauen alle Zähne herausbeißt. Das wäre natürlich fatal und wir wollen niemanden beiden Situationen aussetzen. Aber trotzdem könnte man sich aufgrund der geringen Wahrscheinlichkeit des Eintretens auf einen Vertrauensvorschuss einlassen, dass Haselnüsse essbar und genießbar sind oder eben nicht jeder einem den Arm abreißt. Es stellt sich also die Frage, wie häufig dieser Fall durch den Vertrauensvorschuss eintreten kann/wird. Ein einziger Fall ist sicher einer zuviel. Sollten wir daher aber unseren Vertrauensvorschuss aus Angst vor diesem Fall gänzlich einschränken?

      Wenn sich herausstellt, dass ein Arzt fälschlicher Weise das falsche Bein abgenommen hat, würdest Du dann niemals mehr einen Arzt aufsuchen, wenn du darauf angewiesen bist? Kann wohl nur jemand beantworten, dem mal das falsche Bein abgenommen wurde…

      Wir alle kommen auf die Welt und vertrauen blind den Menschen, die um uns herum sind. Es bleibt uns zu Beginn auch nichts anderes übrig. Unsere Erfahrungen lehren uns, dass wir diesen Vorschuss einschränken sollten, um nicht verletzt zu werden. Wir treiben das heute so weit, dass jeder heute bei nahezu allem Angst hat, beschissen zu werden. Und es reicht eine besonders schlechte Erfahrung aus, um auf diesen Zug aufzuspringen.

      Aber ist es erstrebenswert dies noch weiter auf die Spitze zu treiben? Im Gegenteil, wir sollten es tatsächlich mal andersherum probieren.
      Ich finde, die Menscheit hat eine zweite Chance verdient. Denn Menschen sind in der Lage Ihr Verhalten zu ändern. Es bedarf nur des passenden Verständnisses und der passenden Rahmenbedingungen.

      Und beides sollten wir alle selbst herstellen.

      Bleibt friedlich…

      Ich

    • Hans Dampf

      Zufall das ich Deinen Text noch lese. Ist an „@sogeths“ gerichtet und hatte ihn deshalb vor 2 Tagen nicht weiter beachtet.

      **“Basis dessen ist auch meines Erachtens nach Angst. Wenn Du schreibst, dass Du nicht mit offenem Herzen herumlaufen möchtest, hat das einen Grund. Der mag vielleicht auf schlechten Erfahrungen basieren. Letztlich sehe ich den Grund aber auch hier in Angst. Denn warum sonst solltest Du nicht mit offenem Herzen den anderen gegenüber auftreten wollen?**“

      Es handelt sich um Selbstschutz – mit Angst hat das nichts zu tun. Angst ist ein großes Gefühl, welches nicht mit Sorge, besorgt sein, oder Furcht gleichgesetzt werden sollte. Erfahrungsgeleiteter Selbstschutz – Sorge – Furcht – Angst könnte man vielleicht hierarchisieren.

      **“Wenn man allerdings mal davon ausgeht, dass erstmal alle drin sind im Kreis des Vertrauens, und man erst dann diejenigen aussortiert, die nicht hineingehören sollten, dann geht man den Weg mal andersherum, als es heute in den meisten Menschen drin zu stecken scheint.**“

      Sorry, das ist gleichermaßen unnatürlich und unlogisch. Auch die Haselnüsse hängen zunächst alle einzeln am Baum.

      **“Wenn Du also ein Haselnuss-Fan bist und hin und wieder eine schlechte Erfahrung mit einer Nuss machst, wirst doch nicht Dein Vertrauen in die Haselmüsse als leckeren Snack in Gänze aufgeben, oder?**“

      Ganz klar Oder! Es gab vor Jahrzehnten eine Zeit, da schmeckten Hühnereier nach Fisch! Als ich den ersten Bissen in so ein Fischhühnerei tat, spuckte ich ihn aus und warf das Ei weg. Am nächsten Tag, gleicher Eierkarton, gleiches Spiel. Also warf ich die restlichen 8 Eier auch weg. Beim nächsten Einkauf wieder Eier gekauft, gleicher Geschmack – Wegwurf. Beim nächsten Einkauf Eier woanders gekauft, gleicher Geschmack – Wegwurf. Ein Hühnerei das nach Fisch schmeckt – und das auch noch sehr intensiv – ist absolut ekelhaft. Und das war’s dann auch mit Eiern für die nächsten 2 Jahre. In der Zwischenzeit kam heraus, das Bauern die Hühner mit Fischmehl gefüttert hatten – war wohl billig-er… Irgendwann wagte ich mich dann wieder an ein Hühnerei. Da es normal schmeckte, aß ich fortan auch wieder Eier.

      Die Menschheit schmeckt nach Fisch. Und ich bin mir recht sicher, das sich der Geschmack/Geruch im laufe meiner Restlebenszeit intensivieren wird, bis hin zu unerträglichem Gestank und ich den natürlichen Geruch der Menschheit nicht erleben werde. Das sehe ich ebenso für unsere Kinder.

      **“Jetzt haben wir über sieben Milliarden Menschen auf der Welt. Dein Erfahrungsschatz, auch wenn er für fünf Leben reichen sollte, wird auf einem verschwindend kleinen Anteil der Menschen dieses Planeten beruhen. Was hält Dich also davon ab, den anderen einen Vertrauensvorschuss zu gewähren und eben die sich als unpassend erweisenden Menschen nach Bedarf auszusortieren?

      Ich vermute mal, es ist die Angst davor enttäuscht oder verletzt zu werden.

      Und diese Angst ist heute auch berechtigt. Denn wie schon erwähnt, sorgt unser Jeder-Gegen-Jeden Prinzip hier nicht gerade für die Förderung von Vertrauen und Gemeinschaft.**“

      Wie gesagt, mit Angst hat das in meinem Fall nicht das Geringste zu tun. Das mag vielleicht auch daran liegen, das ich generell nicht so einfach in Angst zu versetzen bin. Vor einem hieseigen Terroranschlag Angst zu haben, ist aus meiner Sicht schlicht lächerlich.
      Angst vor einem Atomkrieg finde ich absurd. Und jetzt werde ich mal deutlicher, aber keineswegs persönlich.

      Als Logiker ist man generell angstfreier. Man geht die Dinge (auch geistig) einfach anders an. Ich bin froh das ich mit „eurer“ diffusen, völlig unbegründeten Scheißangst nicht das geringste zu tun habe. Und „eure“ Ängste sind auf mich nicht übertragbar.

      **“Es stellt sich also die Frage, wie häufig dieser Fall durch den Vertrauensvorschuss eintreten kann/wird. Ein einziger Fall ist sicher einer zuviel. Sollten wir daher aber unseren Vertrauensvorschuss aus Angst vor diesem Fall gänzlich einschränken?**“

      Wenn du am Ende deines Lebens angekommen Resümee ziehst und sagen kannst ich hatte einen Freund, hattest du ein glückliches Leben. Wenn du sagen kannst ich hatte zwei Freunde, hattest du ein glückliches und erfülltes Leben.

      Warum zum Teufel denkt „ihr“ nicht mal BEWUSST UND INTENSIV darüber nach, was Menschen denen man ein gewisses Maß an Weisheit zugestehen muß, uns zu sagen haben/hatten?

      Ich jedenfalls neige überhaupt nicht dazu den gleichen Fehler 2 mal zu machen – geschweige denn immer wieder – und ein anderes Ergebnis zu erwarten. Deswegen gibt es bei und von mir keinen Vetrauensvorschuß – NIEMALS (mehr). Der ist auch gar nicht nötig. Warum auch? Warum sollte mein Gegenüber einen Vertrauensvorschuß erwarten oder gar verlangen? Warum sollte er nicht bereit sein sich vertrauen zu erarbeiten? Denkt mal drüber nach….

      **“Wir alle kommen auf die Welt und vertrauen blind den Menschen, die um uns herum sind. Es bleibt uns zu Beginn auch nichts anderes übrig. Unsere Erfahrungen lehren uns, dass wir diesen Vorschuss einschränken sollten, um nicht verletzt zu werden. Wir treiben das heute so weit, dass jeder heute bei nahezu allem Angst hat, beschissen zu werden. Und es reicht eine besonders schlechte Erfahrung aus, um auf diesen Zug aufzuspringen.**“

      Richtig, außer den automatischen Körperfunktionen muß Mensch alles lernen, erfahren. Das jeder „Angst“ hat beschiisen zu werden, liegt daran das jeder andauernd beschissen wird. Wir leben in einer beschissenen Welt und werden von oben, unten, kreuz und quer und von allen Seiten ständig beschissen. Deshalb müssen wir und ständig davor schützen. Das nervt ungemein und mindert die Lebensqualität erheblich. Im Grunde kann man das ständige beschissen werden nur auf ein halbwegs erträgliches Maß mildern, wenn man als autonomer Eremit oder zigfacher Millionär lebt. Alle anderen sind der ganzen Scheiße ständig mehr oder weniger hilflos ausgesetzt. Und jeder tut gut daran so früh wie möglich auf diesen Zug aufzuspringen (auf jeden Fall rechtzeitig und nicht den Zug verpassend) da er in diese Richtung fährt – mit rasant zunehmender Geschwindigkeit.

      **“Aber ist es erstrebenswert dies noch weiter auf die Spitze zu treiben? Im Gegenteil, wir sollten es tatsächlich mal andersherum probieren. Ich finde, die Menscheit hat eine zweite Chance verdient. Denn Menschen sind in der Lage Ihr Verhalten zu ändern. Es bedarf nur des passenden Verständnisses und der passenden Rahmenbedingungen.**“

      Tatsächlich gibt es nichts beständigeres als Veränderung. Ausnahmslos ALLES ist vergänglich – nur die Veränderung nicht. Sie existiert so lange als auch nur das kleinstmögliche Teilchen oder Energie – also die Basis der Zeit – vorhanden ist. Veränderung vollzieht sich gleichzeitig in unmessbar kurzem Zeitraum und unvorstellbar langem Zeitraum.

      Jeder Mensch kann sich nicht verändern, er WIRD sich verändern, ständig und in alle möglichen Richtungen. Das gilt für jeden einzelnen Menschen, aber nicht für die Menschheit. Die Menschheit kann in der Gesamtheit ihre Basis nicht verändern. Das klingt paradox, ist es aber nicht.
      Das liegt daran, das jeder Mensch in Individuum ist. Deshalb kann es nur EINEN, einen RICHTIGEN Weg, einen BASISWEG geben, der es der Menschheit ermöglicht gesamt friedlich und in Wohlstand zu leben. Piep piep piep, wir haben uns alle lieb, funktioniert nicht – ist nicht der richtige Weg (empirisch bewiesen).

  4. „Je mutiger unser Handeln, je klarer und gerechter unsere Gedanken und je tiefer unsere Gefühle, desto mehr tragen wir dazu bei, dass sich die „Gesamtlage“ zum positiven verändert.“

    Dankeschön Herr Fleck! Ich fand den Artikel im Rubikon schon so toll und treffend. Hab ihn mit Freude ein zweites Mal gelesen.

  5. „Die Natur ist ein unendlich geteilter Gott.“

    Nein, das ist sie nicht.
    Die Natur ist kein Gott.
    Die Natur ist ein Geschenk Gottes an alle Lebewesen.
    Sie ist das Geschenk des Lebens in dieser Welt.
    Doch das Leben in dieser Welt ist endlich.
    Das Leben im Reich und der Herrlichkeit Gottes jedoch währt unendlich.

  6. Lieber Dirk! Schon beim Lesen der Überschrift, habe ich an Sie gedacht und immer, wenn ich denke: Schade, jetzt kann man hier von dem Fleck nichts mehr lesen, erscheint dann doch noch wieder ein neuer Fleck-Artikel. Wie schön!
    Ja- was soll ich auch sonst zu diesem Text noch sagen? Hab es wieder gern gelesen und finde es auch so. Ihre Texte haben immer so was ungemein Entspannendes, Zeitloses, Beruhigendes. Sonst beruhige ich mich immer mit dem Gedanken, dass ich ja auch einfach aufhören könnte, zu essen und zu trinken und so völlig gewaltfrei diese Welt verlassen , wohin auch immer. Schlimmer wird es bestimmt nirgendwo anders mehr, wenigstens darüber bin ich mir sicher. Hoffentlich komme ich durch die dicke Käseglocke aus Chemtrails noch durch in meinen Lieblingsfarben -Himmel aus leuchtendem Blau und Gold-Apricot. Den gab es nämlich im letzten Jahrhundert noch z.B. überm Bodensee!:)

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