Die im Dunkeln sieht man nicht | Von Albrecht Müller

Ein Standpunkt von Albrecht Müller.

Das Buch „Die im Dunkeln sieht man nicht“ gehört auf den Tisch der über Corona-Maßnahmen entscheidenden Politikerinnen und Politiker und der einschlägigen Wissenschaft. Sie haben im März, im Oktober und November 2020 wenig umsichtig, geradezu engstirnig entschieden. Diese Dokumentation soll deshalb ans Licht holen, was bisher von den Offiziellen der Corona-Politik höchst selten erwähnt und schon gar nicht beachtet wird: Die Corona-Maßnahmen haben für viele Menschen böse, bisweilen sogar tödliche Folgen – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch menschlich, seelisch und gesellschaftlich.

In der öffentlichen Debatte um das neue Virus wird vor allem diskutiert, welche gesundheitlichen Gefahren von ihm ausgehen und was die Politik dagegen tun sollte. Als sogenannte Experten werden Fachleute aus dem Bereich der Medizin und der Gesundheitspolitik herangezogen. Ihre Gesichtspunkte, ihr Wissen und ihre Gedanken gehen dann in die politischen Entscheidungen ein.

Weil die Folgen, die Risiken und Nebenwirkungen der Corona-Politik von Anfang an viel zu wenig beachtet wurden, hat die Redaktion der NachDenkSeiten am 22. Oktober 2020 ihre Leserinnen und Leser in einem Aufruf darum gebeten, von ihren Erfahrungen mit der Corona-Politik zu berichten.

Darin hieß es, man müsse die Folgen dieser Politik bei “einflusslosen Kreisen” dokumentieren. Diese Formulierung war bewusst gewählt und sie ist berechtigt. Was die Corona-Maßnahmen bei Menschen anrichten, die nicht im Scheinwerferlicht des öffentlichen Lebens stehen, ist so bemerkenswert wie bedrückend. Besonders betroffen und meist nicht beachtet sind zum Beispiel (in zufälliger Reihenfolge):

  • Kleinkinder, Kinder, Jugendliche: Die Langzeitwirkung der Einschränkungen, die man den jungen Menschen zumutet, wird von den politisch Verantwortlichen weder erkundet noch berücksichtigt.
  • Pflegebedürftige und Menschen in Altenheimen
  • Psychisch Belastete und Kranke
  • Künstler, Musiker, Kabarettisten
  • Einsame Menschen
  • Inhaber von Kinos und Theatern
  • Schauspieler
  • Chorleiter und -sänger
  • Honorarkräfte in der Erwachsenenbildung
  • Psychosoziale Fachkräfte
  • Menschen, die in der Gastronomie arbeiten
  • Gastwirte, Inhaber von Kneipen und Clubs
  • Leiter und Teilnehmer von Tanzkursen und Tanzveranstaltungen
  • Menschen, die sich in ihrer Freizeit kreativ betätigen
  • Veranstaltungsschaffende
  • Menschen ohne finanzielle Reserven
  • Alleinerziehende
  • Geschiedene ohne Sorgerecht
  • Menschen, deren Lebensqualität von Nebeneinkommen abhängt
  • Familien, die in engen Wohnungen hausen müssen
  • Unternehmen ohne finanzielles Polster
  • Menschen, die keine Maske tragen dürfen (COPD = chronisch obstruktive pulmonale Dyspnoe, Asthmatiker etc.)
  • Autistische Kinder und deren Eltern
  • Menschen mit Schulden
  • Gehörlose und andere Menschen, die kommunikativ auf Mimik und Lippenlesen angewiesen sind
  • Flüchtlinge und Menschen, die sich um diese kümmern
  • Angestellte in der Tourismusbranche
  • Studienanfänger, Azubis, Praktikanten, Abiturienten: Die Berufsfindung wird jungen Leuten aktuell massiv erschwert! Hat das irgendjemand in Berlin im Blick?
  • Usw.

Diese Liste ist lang und dennoch vermutlich nicht einmal annähernd vollständig. Wir begegnen heute überall viel Leid, Traurigkeit und Ausweglosigkeit. Die zu befürchtenden Langzeitfolgen sind noch nicht einmal einbezogen, weil das nur schwer möglich ist. Aber eine ordentliche, eine gute Politik müsste sich auch darüber Gedanken machen. Unsere Dokumentation soll wenigstens helfen, bei neuen Entscheidungen etwas umsichtiger vorzugehen.

Die NachDenkSeiten hatten die Antworten ihrer Leserinnen und Leser in zwei Dokumentationen – am 26. Oktober und am 12. November – ins Netz gestellt. Da werden spannende und bedrückende Geschichten erzählt. Ein Leser schlug vor, die Dokumentation der Stimmen jener, die im Dunkeln leben, sollte auch als kleines Buch veröffentlicht werden, damit diese bewegenden Erkenntnisse auch von Menschen gelesen werden können, die den üblichen Zugang zum Netz nicht haben.

Wir haben diesen Vorschlag aufgegriffen. Diese Dokumentation enthält 70 Berichte betroffener Personen und zusätzlich ein Interview des NachDenkSeiten-Redakteurs Jens Berger mit dem DJ Benny Ruess.

Außerdem sind vier Artikel aus den NachDenkSeiten wiedergegeben. Drei davon stammen vom April 2020, einer vom Juni. Schon am 1. April, also eine Woche nach dem Beschluss unserer Regierungen zum Lockdown, hatten wir eindringlich und im Einzelnen auf die Folgen der am 22. März beschlossenen Corona-Maßnahmen aufmerksam gemacht. Die politisch entscheidenden Personen in Berlin und in den Landeshauptstädten hätten damals schon wissen können und wissen müssen, dass es nicht nur die medizinischen Belange, sondern auch die gesellschaftlichen und persönlichen Folgen der Corona-Politik gibt.

Der Buchtitel “Die im Dunkeln sieht man nicht” ist der Dreigroschenoper von Bert Brecht entnommen. Das passt auch dem Inhalt nach. Es soll aufklären. Intervenieren. Dass die uns alle umtreibende Politik, die uns in unserem Alltag und in unserer Freizeit, in unseren Familien, in unseren persönlichen Beziehungen und im Beruf betrifft, so einseitig von medizinischen Überlegungen ausgeht und so wenig die menschlichen, sozialen und existenziellen Folgen ihres Tuns mit einbezieht, muss ein großes Thema der zwischenmenschlichen und öffentlichen Debatte werden. Das ist die Grundvoraussetzung dafür, dass es uns dann vielleicht allen ein bisschen besser geht, dann nämlich, wenn wir die politisch Verantwortlichen gezwungen haben, umsichtiger und damit menschlicher zu werden, nicht so gesundheitspolitisch schematisch, wie wir das seit März des Jahres 2020 erleben.

Eine Politikerin hat zur Kennzeichnung von Menschen, die nicht alles mitmachen wollen, was die Bundesregierung und die Landesregierungen verfügt haben, und deshalb protestieren, einen hochgradig unpassenden Ausdruck gebraucht: Sie seien “Covidioten”. Dieses Wort ist schrecklich. Aber es passt eigentlich ganz gut zur Kennzeichnung jener, die sich nur von Virologen beraten lassen und die gesamten menschlichen Bezüge außer Acht lassen, unbewusst oder bewusst missachten. Am deutlichsten wird das bei dem in der Dokumentation der Zeitzeugen sichtbaren schlimmen Umgang mit Kindern und mit alten Menschen.

Sorgen wir dafür, dass wieder Vernunft in die Politik einkehrt. Mehr Weitsicht und mehr Umsicht – zwei Tugenden, die man der Politik von Herzen wünschen muss.

Das Buch ist hier erhältlich.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle: Oleg Elkov / shutterstock; NachDenkSeiten

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5 Kommentare zu: “Die im Dunkeln sieht man nicht | Von Albrecht Müller

  1. Wolfgang Altpeter sagt:

    Die Politikerin, welche den Covidioten-Ausdruck gebraucht hat, ist die Parteivorsitzende der Partei, der der Autor bis heute angehört.

  2. Peter Lau sagt:

    Es sind in diesem Buch zum Teil herzzerreißende Leserzuschriften abgedruckt, die mehr als lesenswert sind:

    https://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/201026-Endf-Die-im-Dunkeln-sieht-man-nicht.pdf
    https://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/201109-Endf-Die-im-Dunkeln-%20Leserzuschriften-Teil-2-tr-AM.pdf

    Bitte weitere Betroffenenberichte in Buchform zu bringen, bitte.

  3. wasserader sagt:

    " wenig umsichtig, geradezu engstirnig entschieden."

    Diese Analyse verharmlost die Politik um Corona .
    Es läuft ein globaler faschistischer Putsch, in dem Merkel ein Zentrum bildet .
    Es steht die Freiheit des Menschen bis in jede Zelle und jeden Gedanken am Spiel .

  4. UrImpuls sagt:

    Ein widerliches Kotzsystem, das sog. "westliche Wertesystem". Es ist so krank wie wir, dessen Bewohner, auch rott sind. Innerlich verfault, Parasiten geworden als Untertanen parasitaerer mafiaaehnlicher Verbrecherkreise, evolutionaere Fehlentwicklung. Krebsbefall menschlicher Population. Apoptoseprogramm.
    Mir wird schon schlecht bei der Wortverdrehung "Wertsystem".

  5. Wildenfelser sagt:

    "Die im Dunkeln sieht man nicht!" ist auch die Handlungsmaxime der uns Beherrschenden und ihrer Medien – täglich darum bemüht, man könnte auch sagen kämpfend – mehr DUNKEL und mehr NICHTSEHEN zu schaffen und immer mehr Menschen in diesem Dunkel verschwinden zu lassen.
    Da ist leider auch dieses Buch nur eine kleine Taschenlampe, denn die das lesen, werden wiederum im Sinne des "den Bekehrten predigen" nur die Leute lesen, die bereits ein gewisses Bewusstsein erreicht und sich informiert haben. Doch diese Zahl ist begrenzt und scheint nicht zu wachsen, siehe die ständige Zunahmen von Maskenträgern im öffentlichen Raum. Und das sind zugleich die, die nicht mit sich reden lassen und die ihre Sicherheit aus dem Glauben an das offizielle Narrativ beziehen. Diesen Glauben wollen sie gewiss nicht durch kritische Einwände erschüttert sehen.

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