Die Macht im Schatten

Geheimdienste untergraben jene Demokratie, die sie zu schützen vorgeben.

Hinweis zum Rubikon-Beitrag: Der nachfolgende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Rainer Mausfeld aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt KenFM diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

von Rolf Gössner.

Wir gedenken heute der Opfer eines der schwersten Verbrechen in der Geschichte der Republik: des Solinger Brand- und Mordanschlags vom 29. Mai 1993, bei dem fünf junge Angehörige der Familie Genç ums Leben kamen. Nur drei Tage vor dem rassistisch motivierten Anschlag hatte – nach einer verantwortungslosen Debatte um „Asylantenflut“ und „Überfremdung“ – eine große Koalition aus CDU, FDP und SPD das Grundrecht auf Asyl demontiert. „Erst stirbt das Recht – dann sterben Menschen“. Klarer kann man den Zusammenhang dieser beiden Ereignisse kaum formulieren, wie er seinerzeit auf einer Mauer entlang der Unteren Wernerstraße nahe des Anschlagsorts zu lesen war.

Auf diesen Zusammenhang hatte ich bereits in meiner Rede anlässlich des Gedenkens zum 20. Jahrestag vor fünf Jahren hier in Solingen aufmerksam gemacht. Derzeit befinden wir uns wieder in einer äußerst prekären Phase, in der eine rechtspopulistische Debatte bis hinein in die Mitte der Gesellschaft stattfindet – eine Debatte um Überfremdung, Asylmissbrauch und kriminelle Ausländer, um Asyl- und Abschiebezentren und beschleunigte Abschiebungen. Es ist eine unheilvolle Angstdebatte, die von Seiten der Politik, insbesondere von CSU-„Heimatschutzminister“ Horst Seehofer und anderen, befeuert wird und die geeignet ist, die Situation hierzulande gefährlich aufzuheizen.

Seit 2015 ist angesichts der zu Hunderttausenden in die Bundesrepublik geflüchteten Menschen zwar viel von „Wir schaffen das“ und von „Willkommenskultur“ die Rede, die in der Tat auch in weiten Teilen der Republik anzutreffen ist und die die allermeisten Betroffenen zu schätzen wissen. Doch diese weitgehend zivilgesellschaftliche Unterstützungsarbeit wird zunehmend begleitet und konterkariert – zum einen von einem weiter verschärften Ausländer- und Asylrecht nach dem Motto: „Grenzen dicht, sichere Herkunftsländer küren, massenhaft schneller abschieben“, zum anderen von alltäglicher rassistischer Hetze, Ausgrenzung und Gewalt. Dies ist eine besorgniserregende Entwicklung, die trotz ihrer blutigen Bilanz gegenüber der so medienwirksamen und angstbesetzten islamistischen Terrorgefahr mehr und mehr aus dem öffentlichen Blick gerät.

Doch die Terrorangriffe gegen Migranten, Asylbewerber und andere Geflüchtete gehen weiter und die Täter sind mitten unter uns.

Immer wieder brennen Flüchtlingsheime; die rassistischen Übergriffe auf Geflüchtete, ehrenamtliche Helfer, auch auf Moscheen reißen nicht ab – und die Angriffe kommen mehr und mehr aus der Mitte einer nach rechts driftenden und sozial gespaltenen Gesellschaft: 2015 kam es zu fast 1.500 einschlägigen Gewalttaten, darunter über 1.000 Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte – das sind fünfmal mehr als 2014. 2016 kam es nach Angaben der Bundesregierung zu mehr als 3.500 Übergriffen auf Flüchtlingsheime sowie auf Geflüchtete – also zu fast zehn pro Tag. 2017 waren es noch über 1.500 Übergriffe. Das heißt: Menschen, die Schutz vor Verfolgung, Ausbeutung und Tod suchen, müssen hierzulande um Leib und Leben fürchten.

In der Bundesrepublik sind allein seit 1990 fast 200 Menschen von rassistisch und fremdenfeindlich eingestellten Tätern umgebracht worden. Der Mordanschlag von Solingen war der vorläufige „Höhepunkt“ – besser: Tiefpunkt – einer Serie weiterer fremdenfeindlicher Attentate: Hoyerswerda, Hünxe, Rostock, Quedlinburg, Cottbus, Lübeck und Mölln sind zu traurigen Fanalen geworden für diesen gewalttätigen, menschenverachtenden Rassismus. Nach den NSU-Morden mussten wir zehn und nach dem Münchener Amoklauf vom Juli 2016 neun weitere Tote hinzurechnen. Wir müssen also konstatieren: Nach dem Solinger Brandanschlag ist hierzulande nicht etwa Besinnung eingekehrt, sondern viel Entsetzliches passiert.

Dabei haben uns die langjährige Nichtaufklärung der NSU-Mordserie, sowie die Ausblendung ihres rassistischen Hintergrunds, drastisch vor Augen geführt, dass „Verfassungsschutz“ und Polizei im Bereich „Rechtsextremismus/ Neonazismus“ grandios versagt haben, was vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte besonders schockierend ist. Das waren nicht nur Pannen und Unfähigkeit, wie gerne kolportiert.

Nein, da waren ideologische Scheuklappen und struktureller Rassismus im Spiel, die zu Ignoranz und systematischer Verharmlosung des Nazispektrums führten und damit zu einem beispiellosen Staatsversagen – begünstigt übrigens auch durch eine jahrzehntelang einseitig gegen sogenannten Linksextremismus, Ausländerextremismus und Islamismus ausgerichtete „Sicherheitspolitik“.

Hier werden bekanntlich alle Register gezogen, die den Sicherheitsbehörden zur Verfügung stehen und die im Zuge eines exzessiven „Antiterrorkampfes“, besonders nach 9/11, erheblich verschärft und ausgeweitet wurden.

Lassen Sie mich – einem Wunsch der Organisatoren dieser Gedenkveranstaltung folgend – noch auf ein besonders brisantes Problem eingehen: Es geht um die verhängnisvolle Rolle des Inlandsgeheimdienstes „Verfassungsschutz“ und sein V-Leute-System, das sich als unkontrollierbar und erhebliches Gefahrenpotential für Demokratie, Bürgerrechte und Rechtsstaat herausgestellt hat. Im Laufe der 1990er Jahre ist in Neonazi-Szenen und -Parteien ein regelrechtes Netzwerk aus V-Leuten, verdeckten Ermittlern und Lockspitzeln entstanden, das den Kabarettisten Jürgen Becker zu dem bösen Scherz verleitete: Bei Nazi-Aufmärschen sei er sich oft nicht mehr ganz so sicher, ob es sich um echte Nazis handelt oder um einen „Betriebsausflug des Verfassungsschutzes“. In dieser kabarettistischen Überspitzung liegt ein wahrer Kern.

Dabei muss man sich vergegenwärtigen, dass in Neonaziszenen rekrutierte V-Leute nicht etwa „Agenten“ des demokratischen Rechtsstaates sind, sondern staatlich alimentierte Nazi-Aktivisten – also meist gnadenlose Rassisten und Gewalttäter, über die sich der Verfassungsschutz heillos in kriminelle Machenschaften verstrickt. Brandstiftung, Körperverletzung, Totschlag, Mordaufrufe, Waffenhandel, Gründung terroristischer Vereinigungen – das sind nur einige der Straftaten, die V-Leute im und zum Schutz ihrer Tarnung begehen.

Erinnert sei etwa an den V-Mann Lepzien, der in den 80er Jahren als Sprengstoff-Lieferant für die Nazi-Szene tätig war und dafür auch verurteilt, allerdings recht bald begnadigt wurde. Erinnert sei gerade hier in Solingen an den V-Mann Bernd Schmitt, dessen Kampfsportverein “Hak Pao” Treffpunkt und Trainingscenter der militanten Neonazi-Szene in Solingen war; aus diesem Kreis stammten drei jener jungen Männer, die für den Solinger Brandanschlag verurteilt wurden. Aus heutiger Sicht stellt sich diese Kampfsportschule als Gemeinschaftsprojekt des Verfassungsschutzes und seines V-Manns dar – als braune Kontaktbörse unter den Augen des Geheimdienstes, als Schulungszentrum für die Nazi-Szene, in dem gewaltbereite Neonazis zusammen mit Orientierung suchenden Jugendlichen zum Nahkampf ausgebildet worden sind.

Da versuchen Sozialarbeiter, junge Menschen mühsam aus der rechten Szene herauszubrechen – und hier gab ein Geheimdienst Steuergelder für einen V-Mann aus, der exakt das Gegenteil betrieben hat.

Im Fall des Nichtermittlungsskandals rund um die NSU-Mordserie waren Geheimdienste mit Dutzenden V-Leuten – etwa Tino Brandt, alias „Otto“ – auch in dem Neonazi-Sammelbecken „Thüringer Heimatschutz“ aktiv, in dem die späteren mutmaßlichen Mörder organisiert waren und aus dem heraus sich der NSU und sein Unterstützerumfeld unter den Augen der Geheimdienste entwickeln konnten. Der „Verfassungsschutz“, wie wir inzwischen wissen, war mit vielen seiner bezahlten und hochkriminellen V-Leute hautnah dran an den späteren mutmaßlichen Mördern, ihren Kontaktpersonen und Unterstützern; sie mordeten quasi unter staatlicher Aufsicht.

Trotzdem – oder muss man sagen: deswegen? – wollen die Inlandsgeheimdienste so gut wie nichts mitbekommen haben, haben sie die NSU-Mordserie über lange Jahre hinweg weder verhindert noch zu ihrer Aufdeckung beitragen können oder wollen. Diese Mordserie hätte, so viel ist inzwischen klar geworden, wohl verhindert werden können, wenn der Verfassungsschutz seine strafrechtsrelevanten Erkenntnisse über die Untergetauchten und ihre Unterstützer rechtzeitig an die Polizei weitergegeben hätte, wozu er gesetzlich verpflichtet war.

Auf der Anklagebank des Oberlandesgerichts München müssten jedenfalls weit mehr Angeklagte sitzen als Zschäpe, Wohlleben & Co.: Hier fehlen die involvierten V-Leute, ihre V-Mann-Führer und alle für Versagen, Unterlassungen und Vertuschen Verantwortlichen aus „Verfassungsschutz“, Polizei und Sicherheitspolitik.

Das Erschreckendste, was ich bei meinen Recherchen zu meinem Buch „Geheime Informanten. V-Leute des Verfassungsschutzes: Neonazis im Dienst des Staates“(1) selbst erfahren musste, ist, dass der „Verfassungsschutz“ seine kriminellen V-Leute regelrecht deckt und systematisch gegen polizeiliche und justitielle Ermittlungen abschirmt, um sie vor Enttarnung zu schützen und weiter abschöpfen zu können – anstatt sie unverzüglich abzuschalten. So war es auch im Umfeld des NSU: Auch hier hat er Fahndungsmaßnahmen torpediert, Akten und Beweise vernichtet, seinen braunen V-Leuten polizeiliche Observationen verraten oder Kontaktpersonen vor polizeilichen Abhöraktionen gewarnt. Das ist strafbare Strafvereitelung im Amt, psychische Unterstützung und Beihilfe zu Straftaten – doch die Verantwortlichen sind dafür nie zur Rechenschaft gezogen worden, selbst wenn Unbeteiligte schwer geschädigt wurden.

Seit Aufdeckung der NSU-Mordserie sind die „Verfassungsschutzbehörden“ mit geradezu krimineller Energie damit beschäftigt, die Spuren ihres Versagens, ihrer ideologischen Verblendung und Verflechtungen in das NSU-Umfeld zu verdunkeln und zu vernichten. Auch die Behinderungen der polizeilichen Ermittlungen im Fall des V-Mann-Führers Andreas Temme, alias „Klein-Adolf“, der am Tatort eines NSU-Mordes anwesend war, sind symptomatisch für diese systematische Abschottung.

Zusammenfassend kann man sagen:

Der „Verfassungsschutz“ hat nicht nur im NSU-Komplex, sondern insgesamt Neonazi-Szenen und -Parteien über seine bezahlten Spitzel mitfinanziert, rassistisch geprägt, gegen polizeiliche Ermittlungen geschützt und gestärkt, anstatt sie zu schwächen.

Über sein kriminelles und unkontrollierbares V-Leute-System verstrickt er sich heillos in kriminelle und mörderische Machenschaften der Naziszenen. Auf diese Weise, so mein Fazit, ist er selbst integraler Bestandteil des Neonazi-Problems geworden, jedenfalls konnte er kaum etwas zu dessen Lösung oder Bekämpfung beitragen. Denn trotz der hohen Zahl an V-Leuten im Nazi-Spektrum haben sich die Erkenntnisse des „Verfassungsschutzes“ kaum gesteigert, jedenfalls hat er als „Frühwarnsystem“, das er sein soll, insgesamt system- und ideologiebedingt versagt.

Doch ausgerechnet solche skandalträchtigen und letztlich demokratiewidrigen Geheiminstitutionen erhalten im Zuge des Antiterrorkampfs wieder unverdienten Auftrieb. Statt ernsthafte Konsequenzen aus ihren skandalreichen Karrieren und Desastern zu ziehen, wird der „Verfassungsschutz“ – geschichtsvergessen – weiter aufgerüstet und massenüberwachungstauglicher gemacht – anstatt die Bevölkerung endlich wirksam vor seinen Machenschaften zu schützen. Ja, er darf sich inzwischen sogar ganz legal krimineller V-Leute bedienen und diese gegen Ermittlungen der Polizei abschirmen – ein rechtsstaatswidriger Freibrief für kriminelles Handeln in staatlicher Mission. So unglaublich es klingen mag: Bisherige Skandale und illegale Praktiken werden praktisch legalisiert – und damit die obszönen Verflechtungen des VS in gewalttätige Naziszenen.

Und all dies, obwohl Geheimdienste ohnehin Fremdkörper sind in der Demokratie. Warum? Weil diese Institutionen, die Verfassung und Demokratie eigentlich schützen sollen, selbst demokratischen Prinzipien der Transparenz und Kontrollierbarkeit widersprechen. Die reguläre parlamentarische Kontrolle geheimdienstlicher Arbeit erfolgt ihrerseits geheim, also wenig demokratisch; und Gerichtsprozesse, in denen etwa V-Leute eine Rolle spielen, werden tendenziell zu Geheimverfahren, in denen Akten geschreddert, manipuliert und geschwärzt, sowie Zeugen ganz oder teilweise gesperrt werden. Dieses Verdunkelungssystem frisst sich weit hinein in Justiz und Parlamente, die Geheimdienste kontrollieren sollen – und meist daran scheitern.

Deshalb neigen Geheimdienste auch in Demokratien zu Verselbständigung und Machtmissbrauch, wie ihre Geschichte eindrucksvoll belegt.

Wer solche Geheimdienste weiter aufrüstet, statt sie rechtsstaatlich wirksam zu zügeln, schädigt Demokratie, Bürgerrechte und Rechtsstaatlichkeit.

Letztlich wird sich nur dann etwas grundlegend ändern, wenn die Verfassungsschutzbehörden als Geheimdienste aufgelöst, ihnen die Lizenz zur Gesinnungskontrolle, zum Führen von V-Leuten und zum Infiltrieren von politischen Szenen und Gruppen grundsätzlich versagt werden. Dieser Forderung namhafter Bürgerrechtsorganisationen steht nicht etwa das Grundgesetz entgegen und auch keine Landesverfassung. Denn danach muss der Verfassungsschutz keineswegs Geheimdienst sein.

Und wir fordern darüber hinaus eine rückhaltlose Aufklärung und konsequente Ahndung aller Neonazi-Verbrechen und aller staatlichen Verstrickungen in gewaltbereite Neonazi-Szenen. Wir fordern ernsthafte Anstrengungen gegen strukturellen und institutionellen Rassismus in Staat und Gesellschaft, eine humane Asyl- und Migrationspolitik, unabhängige Stellen zur Kontrolle der Polizei, die Stärkung zivilgesellschaftlicher Projekte gegen Rechts und bessere Unterstützung von Opfern rechter Gewalt und von deren Angehörigen.

Und nicht zuletzt: Auch nach der bevorstehenden Urteilsverkündung im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München darf es keinen Schlussstrich unter Aufarbeitung und Aufklärung des NSU-Komplexes geben. Denn es ist noch allzu viel im Dunkeln.

Redebeiträge während der Gedenkveranstaltung am 23. Mai 2018 in Solingen, an der über 300 Menschen teilgenommen haben:
• Ali Dogan vom Türkischen Volksverein; Dietmar Gaida vom Solinger Appell
• Ibrahim Arslan, Opfer und Überlebender des rassistischen Brandanschlags vom 23.11.1992 in Mölln
• Mitat Özdemir, Geschäftsmann auf der Keupstraße, Initiative „Keupstraße ist überall“
• Dr. Rolf Gössner, Rechtsanwalt, Kuratoriumsmitglied der Internationalen Liga für Menschenrechte
• Doğan Akhanlı, Autor; Vertreter der Alevitischen Gemeinde zum Massaker in Sivas
Moderation und Schlusswort: Berivan Aymaz, MdL NRW
Musik: Uli Klan und Asli Dila Kaya


Quellen und Anmerkungen:

(1) Gössner, Geheime Informanten. V-Leute des Verfassungsschutzes: Neonazis im Dienst des Staates, München 2003; akt. Neuauflage als e-book 2012 bei Knaur-Verlag, München. Download-Direktlink: www.droemer-knaur.de/ebooks/7781709/geheime-informanten

• Gössner, Menschenrechte in Zeiten des Terrors. Kollateralschäden an der „Heimatfront“, Hamburg 2007.
• Gössner/Schuhler: Terror – wo er herrührt, wozu er missbraucht wird, wie er zu überwinden ist, isw-spezial 29, München, Dez. 2016 (www.isw-muenchen.de).
• Gössner (Hrsg.), Mutige Lebensretter und Aufklärer in Zeiten von Flucht und Abschottung. Carl-von-Ossietzky-Medaillen an SOS Méditerranée und Kai Wiedenhöfer, Ossietzky Verlag GmbH, Dähre 2017.

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Dieser Beitrag erschien am 13.06.2018 bei Rubikon – Magazin für die kritische Masse.

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9 Kommentare zu: “Die Macht im Schatten

  1. Ich muss mich doch schon sehr wundern über diesen Artikel, denn er scheint inhaltlich konträr zu dem zu stehen, was die meisten hier quasi täglich wahrnehmen.
    Das der Verfassungsschutz Beziehungen zur rechten Szene pflegt, ist ja ein Sachverhalt, der schon länger bekannt ist. Die Frage aber ist doch, zu welchem Zweck? Wenn das rechte Lager in Form einer gemeinsamen Gesinnung mit dem Verfassungsschutz zusammenarbeiten würde, wie hier quasi behauptet wird, dann wären die sogenannten Neonazis mit Sicherheit weiter in ihrer Entwicklung und präsenter in der Öffentlichkeit.
    Tatsächlich aber ist die klassische Neonazi-Szene im Alltag überhaupt nicht wahrnehmbar, wenn man das mal mit den 80er Jahren vergleicht. Genau das Gegenteil wird aber immer behauptet. Wo sind die ganzen gefährlichen Glatzköpfe mit Springerstiefeln vor denen die Bevölkerung so eine Angst haben muss laut vieler Medienberichte? Wo ist diese Bedrohung von Rechts?

    Es ist doch eher wahrscheinlich, dass der Verfassungsschutz den gewünschten Prototyp des rechten Gewalttäters vermehrt erzeugen und aktiv werden lassen muss, damit es belegbare Beweise dieser Rechtsbewegung überhaupt gibt!

    Und warum braucht man diese vermeidlich gefährliche Szene?
    Weil man mit ihrer Existenz andere Gruppierungen (im Sinne von Mausfelds treffend geformten Begriff) „verklammern“ kann. Und genau das geschieht und das vermehrt mit Hilfe linker Organisationen z.B. der Antifa.
    Gestern habe ich gesehen, dass es jetzt neben Seiten wie „esowatch“, „psiram“ und vielen anderen dieser Art auch eine Hetzseite mit dem Namen „friedensdemowatch“ gibt. Selbst Menschengruppen, die sich aktiv für den Frieden einsetzen, werden dort mittlerweile als Rechte abgestempelt.

    Und, das scheint genauso zu funktionieren, wie man die Autoren und den Seitenbetreiber Ken Jebsen öffentlich in diese Kategorie eingliedern kann.

    Alle sind heute Antisemiten, Rechte, Verschwörer, Hetzer, die in irgendeiner Form wiederständig sind. Dieses System hat keine Antworten und/oder will keine geben bei Fragen nach den Ursachen gesellschaftlicher Fehlentwicklungen und ihrer politischen Hintergründe. Deshalb braucht man immer eine Schublade für die Fragenden.

    Und, ich muss es leider sagen, der Autor dieses Artikels trägt nicht gerade dazu bei, den Verantwortlichen dieses perfide Instrument der Diffamierung aus der Hand zu schlagen.

    • Ich hatte mich auch sehr über diesen Artikel gewundert – war nahezu sprachlos. Aber Außerkontrolle bringt es ganz gut auf den Punkt. Der Autor wärmt alte Ereignisse – sogar aus dem letzten Jahrhundert- noch einmal kräftig auf, um damit die heutige Gegenwartszenerie mit der vergangenen zu übertünchen. So kommt mir das vor.

    • Wenn man allerdings sich die Vita von Rolf Gössner auf Wikipedia ansieht, wie er z.B. 38 Jahre lang wegen angeblicher „Kontaktschuld“ in Bezug auf linksradikale Organisationen überwacht wurde, versteht man wenigstens seine hier im Artikel eingeflossene berechtigte Wut auf diesen. Aber diese immer und ewig neu aufgewärmte Nazi-Glatzengefahr kann ich beim besten Willen heutzutage nicht mehr als die vordringlichste erkennen. Was uns allen heute hier in Europa von innen und von außen droht, überschwemmt doch geradezu alle vorhergegangenen Gefahren und Probleme.
      Man liest jetzt aktuell fast jeden Tag etwas über Messerattacken mit Verletzten oder Toten und über Einzel- oder Massenvergewaltigungen von kleinen Mädchen mit oder ohne Todesfolge. Dass der Verfassungsschutz die Bevölkerung dagegen nicht schützt, darüber verliert der Autor dieses Artikels kein Wort. Aber da geht es ja auch nicht um das Feindbild Nazis.

  2. Obwohl dieser Artikel schlußendlich zur richtigen Erkenntnis kommt, nämlich der, dass staatliche Organe, dazu gehört aus meiner Sicht auch die Politik, in mehr als zweifelhafte Aktivitäten eingebunden sind, halte ich ihn jedoch für recht suspekt, er bereitet mir auf eine bestimmte Art Magenschmerzen.
    Warum ist ganz einfach gesagt. Das Ergebnis wird auf Grund einer absolut einseitigen Sichtweise hergeleitet, nämlich der, dass alles „Böse“ von Rechts/Rechtsextrem/Nazi kommt und organisch gefördert wurde, und das halte ich für höchst gefährlich. Mit der richtigen Agenda und der entsprechenden Ableitung würden diese Taten auch sehr gut in das linksextreme Lager, durchsetzt mit Antideutschen/Deutschland verrecke Lager, passen. Die sind auch ganz oben in der etablierten Politik zu finden und unterstützen die linken Randalebrüder nach Kräften.
    Weiterhin wird auf Untersuchungen bzw. auf die Zahlen der Bundesregierung hingewiesen. Seit wann entsprechen diese Zahlen und Grundlagen, die da vermittelt werden sollen, der Realität? Sie sind anhand der vorgegebenen Agenda so zurechtgebogen, dass sie ins gewünschte Bild passen und damit eine realistische Abbildung der Gegebenheiten bezweifeln lassen, siehe dazu auch den vorherigen Abschnitt. Auf solchen Zahlen, Daten, Fakten eine seriöse Herleitung aufzubauen, würde ich mich nicht trauen. Für mich wäre sie zu einseitig und im wahrsten Sinne blind auf einem Auge, weil die eine Seite bis zum Gehtnichtmehr verrissen wird und die andere Seite durch Nichterwähnung in Höhen katapultiert werden, die ihr nicht einmal ansatzweise zustehen, obwohl beide Seiten von den Selben protegiert werden.
    Mit diesen sog. bösen Rechten habe ich um einiges geringere Probleme gehabt, als mit den sog. Linken, ob meiner Aussagen, dass das höchste Gut unserer Zeit der Frieden zwischen den Völkern ist und dass mit es diesem Frieden niemanden geben würde, der seine Familie in seinem Heimatland alleine lässt, um in das „Schlaraffenland EU“ zu kommen. Auch wenn ihr es nicht glauben wollt, das sind die Aussagen, die ich vor Jahren von Kriegsflüchtlingen bekommen habe und mir erlaube in die heutige Situation zu spiegeln.
    Hätten wir diesen Frieden, würden wohl sogar die meisten Wirtschaftsflüchtlinge bei ihren Familien bleiben.
    Aus meiner Sicht sollte sich im ersten Schritt jeder zueigen machen, die Menschen, egal wo sie beheimatet sind, zu achten, ganz besonders im Hinblick auf die dortige Kultur, Religion, Zusammenleben usw. und auch keine wie auch immer geartete Destabilisierung zu unterstützen. Wenn sich dann Menschen entscheiden in ein anderes Land zu gehen, um der dortigen Gesellschaft mit ihren Kenntnissen einen Mehrwert zu bringen, sich in die bestehenden Strukturen eingliedern, die andere Kultur achtend im wahrsten Sinne des Wortes mit ihren Kenntnissen zu bereichern und wachsen (nicht nur monetär) zu lassen, wäre für mich der richtige Weg eingeschlagen.
    Damit würde sich das Problem des wie auch immer gearteten Extremismus wohl in Gänze auflösen können, da es keine Nahrung mehr findet und eine wirkliche freie Weltgemeinschaft entstehen können.
    Das hat natürlich weitreichende Auswirkungen.
    Bestimmte Personalien wären dann im Grunde überflüssig, was sie nicht wollen und somit den Extremismus befeuern.
    Also…DEVIDE ET IMPERA…und alles bleibt beim Alten und da sehe ich den hier kommentierten Artikel leider auch, obwohl er zur richtigen Erkenntnis kommt.
    Vielleicht hat es Herr Gössner anders gemeint, aus meiner Sicht aber nicht entsprechend geschrieben.

    • “ Wenn sich dann Menschen entscheiden in ein anderes Land zu gehen, um der dortigen Gesellschaft mit ihren Kenntnissen einen Mehrwert zu bringen, sich in die bestehenden Strukturen eingliedern, die andere Kultur achtend im wahrsten Sinne des Wortes mit ihren Kenntnissen zu bereichern und wachsen (nicht nur monetär) zu lassen, wäre für mich der richtige Weg eingeschlagen. “

      Glauben sie nun wirklich dass es solche Migranten gibt ?
      Leute verlassen ihre Heimat für ein besseres Leben.
      Besseres Leben durch eigene Arbeit, oder durch sozial Leistungen.
      Meine Ängehörigen die etwa 1900 nach die USA gingen, Michigan, hatten nicht die Absicht die USA zu bereichern, sondern sich selbst.
      Es gelang, durch zu Arbeiten.
      Herbert J. Brinks, editor, ‘Dutch American Voices, Letters from the United States, 1850- 1930’, London 1995
      Niederländische Briefe aus die USA, nichts bereicherung von die USA.
      Harte Arbeit, mit oder ohne Erfolg

    • Ganz recht – es gibt nicht umsonst den Studiengang ‚Kulturgeographie‘, in dem man lernen kann, wie die regionale Landschaft, das regionale Klima, die regionalen Ressourcen, Flora und Fauna etc. erst ‚Kultur‘ ausformen und das eben regionalspezifisch.

      Versetzt man eine Äquator-Palme ins norwegische Bergen, kann sie dort nicht gedeihen.
      Versetzt man Neophyten in fremde Gebiete (z.B. Gelbes Teerkraut nach Chile, Argentinien), dann kommt es zur Verdrängung heimischer Arten.

      Natürlich gibt es auch friedliche Koexistenz, das erfordert aber gegenseitiges Gelten-lassen-können, weil keine Konkurrenz z.B.
      Aber auch hier muss sich dann Reproduktionsrate auf Augenhöhe begegnen, sonst wird das halt der friedliche Untergang für einen von beiden.

      Die leidige Frage darf also nicht lauten: ‚Heimatschutz’/ Tradition/ Nationen / Religionstrennung etc. – ja/nein,
      sondern MUSS lauten: führt die unkontrollierte Vermengung von Artfremden untereinander insgesamt zu etwas Besserem oder nicht?
      Im Zweifelsfalle ist davon Abstand zu nehmen oder ausreichend zu kontrollieren.
      Bei Pflanzen bringt manche Hybridisierung bessere Früchte – das gilt aber keineswegs als Standardregel!

      Heißt also: nur dort, wo testhalber positive Erfahrungen gemacht und die dazu notwendigen Voraussetzungen klar erkannt wurden, darf man solches fördern, wenn dies reproduzierbar in der eigenen Region gilt.

      Ertragsstärke von Wirtschaften (vom Bauern bis zur Großindustrie) beruhen auf Spezialisierungen und nicht Generalisierungen.
      Aber ohne Ertragsstärken ist eine Assimilation unterschiedlicher Kulturen, gleich welcher Art und Herkunft, nicht zu gewährleisten und somit ein nicht vertretbares Risiko, denn es gibt keinerlei Möglichkeit der Reversibilität eines solchen Vorganges!!!

    • Nick Mott:
      „Die leidige Frage darf also nicht lauten: ‚Heimatschutz’/ Tradition/ Nationen / Religionstrennung etc. – ja/nein,
      sondern MUSS lauten: führt die unkontrollierte Vermengung von Artfremden untereinander insgesamt zu etwas Besserem oder nicht?
      Im Zweifelsfalle ist davon Abstand zu nehmen oder ausreichend zu kontrollieren.
      Bei Pflanzen bringt manche Hybridisierung bessere Früchte – das gilt aber keineswegs als Standardregel!“

      Exakt richtig!

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