Die Macht um Acht (16)

Stille Nacht allerseits!

Bescherung für die Tagesschau-Redaktion

In der neuesten Ausgabe der MACHT UM ACHT bastelt der Journalist Uli Gellermann eine wirklich echte Nachricht und schenkt sie der Tagesschau-Redaktion zum Lernen. Vorher aber weist Gellermann nach, dass schon kurz vor der Tagesschau die Propaganda beginnt: Mit der Sendung „Börse vor acht“ – die börsentäglich um 19:55 Uhr im Ersten ausgestrahlt wird – kommt statt Nachricht pure Ideologie über den Sender. Denn die Mehrheit der ARD-Konsumenten dürfte wohl kaum im Besitz von Aktienpaketen sein. Für wen ist denn dann wohl dieser exklusive Sendeplatz reserviert, der im freien Verkauf als TV-Spot etwa eine Million Euro einbringen würde. Bezahlt wird diese prima  Werbung für den Finanz-Kapitalismus nicht von der Frankfurter Börse, sondern vom Zuschauer und seinen Gebühren.

Wenn Gellermann die Tagesschau-Meldung „Konflikt um Iran-Sanktionen – Huawei-Finanzchefin festgenommen“ auseinandernimmt, muss er erneut feststellen, dass die Redaktion Tendenz und Meinung liefert, statt Informationen zu senden. Und Tendenz statt Nachricht setzt sich bei der ARD fort, wenn sie an vielen Tagen hintereinander in der Berichterstattung noch vor dem CDU-Parteitag geradezu CDU-Festspiele feiert. Als ob der öffentlich-rechtliche Sender eine Partei-Gliederung wäre, die den Parteitag pflichtgemäß vorbereiten müsste. Als dann die neue Parteichefin der CDU unter heftiger Anteilnahme der Tagesschau gewählt worden war, leistete sich die Reaktion ein Interview, in dem keine einzige inhaltliche Frage auftauchte.

Einen neuen Höhepunkt tendenziöser Berichterstattung produzierte die angebliche Nachrichten-Sendung unter der Überschrift „Macrons Pläne – Das wird teuer“. Die Redaktion macht sich viele Sorgen um die „Verschuldung Frankreichs“, als ob es sich um ihr eigenes Geld handeln würde. Ralph Sina vom ARD-Studio Brüssel versteigt sich gar zu dieser Behauptung: „Unter dem Druck der Gelbwesten-Proteste wendet sich Macron von seinem Haushaltssanierungskurs ab. Frankreich erlange mit diesem Sanierungskurs die Glaubwürdigkeit, um die angestrebte Neugründung Europas vorantreiben zu können, hatte er noch bei seinem Amtsantritt betont.“ Welche „Neugründung“ könnte Ralph Sina meinen? Die Vergrößerung des EU-Militärapparates? Noch mehr EU-Bürokratie als bisher? Schweigen im Sender-Wald. Statt dessen dieser Satz: „Doch die Zusagen von Präsident Emmanuel Macron bedeuten eine noch höhere Verschuldung Frankreichs.“ Das kommentiert ein Tagesschau-Zuschauer mit diesem klugen Satz: „Wie wär’s, einfach mal aufhören mit militärischen Abenteuern und weniger in die Rüstung stecken, Steuerbetrügern das Handwerk legen, dann klappt das auch ohne Neuverschuldung.“ So viel Klugheit ist von der Tagesschau-Redaktion offenkundig zu viel verlangt.

Auch die letzte Meldung handelt von Geld. Sie kommt nicht von der Redaktion, sondern sie wird von Gellermann geliefert: „ARD-Redakteure der höchsten Vergütungsgruppe verfügen im Schnitt nach 20 Jahren über ein Gehalt von 9.900 Euro im Monat.“ Und weiter: „Lutz Marmor, der Intendant des Norddeutschen Rundfunks, bei dem die Tagesschau produziert wird, nahm im Jahr 2013 mehr als 300.000 Euro mit nach Hause.“ Gellermann plädiert dafür, dass sich die sehr ordentlichen Gehälter der Tagesschau-Leute doch bitte auch in ordentliche Nachrichten umsetzen sollten.

Schließlich schenkt der Journalist Gellermann der Tagesschau-Redaktion noch eine Muster-Nachricht zum Üben. Kostenlos.

Der Journalist und Filmemacher Uli Gellermann beschäftigt sich seit Jahren mit der Dauermanipulation der Tagesschau. Gemeinsam mit den Co-Autoren, Volker Bräutigam und Friedhelm Klinkhammer, schrieb er das Buch „Die Macht um Acht: der Faktor Tagesschau“. Eine herausragende Lektüre über die tägliche Nachrichtensendung der ARD.

Bei KenFM nimmt er mit dem gleichnamigen Format die subtile Gehirnwäsche der Tagesschau alle zwei Wochen unter die Lupe.

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14 Kommentare zu: “Die Macht um Acht (16)

  1. Die „Börse vor Acht“ verstehe ich auch in derselben Richtung. Die Formatierung der letzten viertel Stunde vor der Tagesschau hat schon seltsame Züge angenommen. Zwischen zwei dicken Werbeblöcken und Wetter wirkt die Börsesendung auch nur wie ein exklusives Werbeblöckchen für den Finanzkapitalismus, fehlt nur noch ein fett gedruckter Sponsor im Hintergrund. Der Moderator ist der Erklärbär für die, die vielleicht doch über Aktienhandel nachdenken, und so vergleiche ich das Format auch ein wenig wie die „Sendung mit der Maus“ oder „Löwenzahn“.

    Was die Tagesschau angeht, verstehe ich das eh nicht als fundierten Journalismus. Das ist eher wie ein Appetithäppchen für diejenigen, die sich nicht die Blöße geben möchten, sich im Freundeskreis mit Sätzen wie „hab ich in der BILD gelesen“ zu blamieren. Die eigentlichen Hintergründe quetscht man auch nicht in 15 Minuten Sendung geschweige denn in 1-3 Minuten Einzelberichte, da muss man sich schon anderen Sendungen zuwenden. Dort kann man eher fundiert informiert werden oder kann Tendenzen in der Berichterstattung herausfiltern. Deswegen würde ich mich eher am Sendeprogramm der ARD allgemein festbeißen als am Format Tagesschau.

  2. „…die Zuschauer bezahlen die Werbung für die Frankfurter Börse mit ihren Gebühren…“
    Ich nicht! Ich bin kein Zuschauer und habe keinen Fernseher! Die Bettelbriefe wandern zurück in den gelben Kasten, also zum Absender….. Gibt es denn hier „Zuschauer“ die bezahlen? Ich hoffe nicht…….

    • Was passiert nachdem die ganzen Bettelbriefe zurückgeschickt wurden? Bitte etwas mehr Aufklärung statt starker Sprüche.

    • Hallo Rautenkönig, wenn Dir meine Sprüche zu stark sind, dann lässt Du Dir sicher vor Angst diese „Gebühr“ noch abbuchen. Hör einfach auf Dir in die Hose zu machen. Bettelbriefe in den gelben Kasten…was soll dann passieren?
      NICHTS !!!

  3. Hurra, Jetzt war ich schneller als Gellermann!!! Die Gesetzmäßigkeit der Gefangennahme der Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou habe ich von Anbeginn bezweifelt, nein nicht be-2-felt sondern ich war 1-deutig überzeugt, dass es Willkür war. Ich hab’s also gleich gemerkt! ich weiß nicht wieviele andere auch noch. Liegt das nun an meinem hohen IQ oder hat Gellermann so gute Arbeit geleistet, dass man auf solche Dreistigkeiten nicht mehr reinfällt, oder war es nur Zufall? 😉

    freu mich schon auf die „Macht um Acht“ (17)

  4. Herr Gellermann, Sie haben meine vollste Hochachtung!
    Wie kann es einem denkenden (und fühlenden!!!) Menschen nur möglich sein,
    immer wieder aufs Neue in diesem Drecksumpf zu wühlen,
    sich durch dieses Gift und diesen Geifer zu kämpfen um dann,
    schlussendlich, mit schleimverschmierter, triefender Faust,
    Dinge ans Licht der denkenden Menschheit zu befördern,
    deren alleinige Wahrnehmung, selbst aufbereitet hier von ihnen,
    einem schon den Geist verätzt?!
    Stetig lassen Sie mich zurück,
    meine brennenden Wunden leckend,
    ob der Giftigkeit und Niedertracht dieses Staatsfunkes,
    dieser Wochenschau,
    dieser aktuellen, aktuellen Kamera.
    Welch rückgradloses Gewürm
    gibt sich her für diese Art der intellektuellen Minderleistung?
    Jeden Abend aufs Neue,
    mit Fanfaren und Trompeten,
    Konfetti – Konfetti,
    „in einem Land in dem wir gut und gerne leben“ zischelnd
    „Wir schaffen das“ vor sich hinseiernd.
    AMEN
    – und meinen aufrichtigen Dank an Sie! Was für ein Journalismus!

  5. Lieber Herr Gellermann dafür zünd ich ne Kerze an.
    Vielen Dank, für den Kommentar zur Börse. Stößt mir schon lange auf.
    Was soll das? Machtdemonstration unseres kranken Wirtschaftssystems?
    Öffentlich rechtlicher Propagandafunk ist für mich nur noch selten zu ertragen.
    Und wenn, dann benötige ich im Anschluß das Gegengift aus alternativen Quellen um einen Gesamteindruck zu bekommen.

  6. Ich weiß auch nicht was die Sendung „Börse vor acht“ soll. Wer Aktien oder sonstige an der Börse gehandelte Produkte besitzt informiert sich doch nicht in 5 Minuten vor der Tagesschau, sondern verfolgt das Geschehen auf den entsprechenden Kanälen. Aber mir kann das ja auch egal sein, ich schaue kein Fernsehen, abgesehen von Fußball, sondern informiere mich bei den alternativen Medien, wie auf KenFM.

    • Kann mir kaum vorstellen, dass da irgendjemand zusieht. Früher lief das im Radio ewig vor den 12 Uhr Nachrichten. War SWF oder DLF.
      Geht wohl darum, dass man Zeit totschlägt, um nur nix von Belang bringen zu müssen. Deshalb auch stundenlang Verkehrsfunk und Wetter. Alle halbe Stunde…
      Da man aber nicht hinweg oder durch hören kann, würde es schon etwas mit einem machen.
      Das alles hat in meinem Leben schon lange keinen Platz mehr.

      Würde mir auch wünschen, dass sich die ALternativen nicht ewig wie eine verschmähte und achtlos zurückgelassene Liebschaft am Staatsfunk abarbeiten. Da schenkt man dem Affentheater viel zu viel Bedeutung.

    • Sehe das genauso. Ein Kurzformat mit anderen Kurzformaten zu alternativisieren, bringt auch nichts (Sorry, Herr Gellermann). Man müsste schon die Themen selbst exklusiv ausarbeiten, und das verschieben die Sender gerne weiter nach hinten in der Sendezeit. Die Häppchen der Tagesschau haben nur Lückenfüllercharakter, um sich selbst den Informationsauftrag schönzureden, außerdem wird jeder Informationsschnipsel gleich über den Äther geschickt und je nach Sensationsfaktor in einen ARD-Brennpunkt gepackt (oder wie die Formate alle heißen). Zusehen wird man eher so nebenbei, so ähnlich wie sich eine Hausperson (Hausfrau/Hausmann) irgendwelche Kreischformate bei den Privaten einschaltet, um sich „berieseln zu lassen“, wie viele sagen.

  7. Als Randnotiz zur erwähnten Konkurrenz zu China. Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz beim EU-Afrika-Forum in Wien:

    „Wir dürfen den afrikanischen Kontinent nicht den Chinesen überlassen.“

    Sie sehen, nichts Neues, mit den neuen alten National-Domestiken. Plündern bis die Schwarte kracht. Dieser Wein ist mittlerweile Essig.

    • Wie bei der Mafia wecken vernachlässigte Geldquellen dann Interesse, wenn plötzlich die Konkurrenz dort auftaucht.

  8. Es gab mal eine Zeit, da waren Journalisten sich des Problems der Einfalt in der Vielfalt bewußt. Und man schämte sich, wenn sich diese Einfalt in die Vielfalt einschlich. Heute ist die Vielfalt der Einfalt Program: das Herzstück der Propaganda.

    „Vervielfältigung ist insofern ein Fortschritt, als sie die Verbreitung des Einfältigen ermöglicht.“ (Karl Kraus)

    Als noch zwischen Kommentaren und Nachrichten unterschieden wurde, diente dies offensichtlich dazu, die Fähigkeit zur Differenzierung zu schärfen.

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