Die Macht um Acht (17)

Tagesschau: Setzen, sechs!

Über acht Milliarden Euro jährlich für die ARD

In der ersten Ausgabe der MACHT UM ACHT des Jahres 2019 kontrolliert der Journalist Uli Gellermann, ob die Redaktion der Tagesschau aus den bisherigen Folgen der Tagesschau-Kritik im Format von KenFM etwas gelernt hat. Das Lernziel, so Gellermann, wären saubere, objektive Nachrichten. Und nach den 16 Folgen, die das MACHT-UM-ACHT-Team bisher als Beispiele hergestellt hat, hatte sich Gellermann eigentlich gewisse Fortschritte versprochen.

Doch schon bei der ersten untersuchten Meldung musste Gellermann im Wording, in der Sprachgestaltung, eine manipulative Einfärbung feststellen. Unter der durchaus positiven Überschrift „Japans Pazifismus geht in die Offensive“ erzählt die Tagesschau in Wahrheit Negatives: Die japanische Regierung will mehr Geld für das Militär ausgeben und mehr offensive Waffen anschaffen. Obwohl der Artikel 9 der japanischen Verfassung von 1946 kriegerische Aktivitäten sowie den Unterhalt von Streitkräften verbietet. Das verschweigt die Tagesschau-Redaktion. Stattdessen verkauft sie die neue Militarisierung als „Offensive des Pazifismus“. Da muss Gellermann die Redaktion einfach schlecht benoten.

Noch schlechter – Setzen sechs! – gerät der Tagesschau eine Nachricht über Libyen: In der kann die Redaktion – nach einem Anschlag auf das libysche Außenministerium – zwar Chaos in dem nordafrikanischen Land erkennen, mag aber nicht erzählen woher das Chaos kommt. Dabei hätte sie einfach in ihr eigenes Archiv schauen sollen. Da gibt es vom 20.10.2011 die folgende Meldung: „Eine Koalition unter Führung von Frankreich, Großbritannien und den USA bereiten Luftangriffe auf Libyen vor.“ Diese internationale Einmischung in die inneren Angelegenheiten Libyens hatte ein bis heute kaputtes Land und rund 50.000 Tote zur Folge. Hier verschweigt die Tagesschau offenkundig den Anlass und die Verantwortlichen für das „Chaos“.

Nach dieser Meldung sucht man bei der Tagesschau vergebens: „ARD-Chef Ulrich Wilhelm will vor das Verfassungsgericht ziehen. Für einen höheren Rundfunkbeitrag.“ Eine Information, die man in anderen Medien mühelos lesen erfahren kann. Obwohl die ARD, das Mutterschiff der Tagesschau, jährlich über acht Milliarden Euro einsammelt, will ihr Chef mal wieder mehr Geld. Gellermann fragt die Zuschauer, ob man denn für diese gigantische Summe nicht auch bessere Leistungen, zum Beispiel objektive, professionelle Nachrichten, verlangen dürfe. Für Gellermann ist es typisch, dass eine solche Nachricht unter den Tisch der Nachrichtensendung fällt: Die ARD will einfach mit den Zuschauern nicht über das Preis-Leistungs-Verhältnis reden. Gellermann ist sich allerdings sicher, dass die Redaktion durch Verschweigen keine Fortschritte machen kann.

Der Journalist und Filmemacher Uli Gellermann beschäftigt sich seit Jahren mit der Dauermanipulation der Tagesschau. Gemeinsam mit den Co-Autoren, Volker Bräutigam und Friedhelm Klinkhammer, schrieb er das Buch „Die Macht um Acht: der Faktor Tagesschau“. Eine herausragende Lektüre über die tägliche Nachrichtensendung der ARD.

Bei KenFM nimmt er mit dem gleichnamigen Format die subtile Gehirnwäsche der Tagesschau alle zwei Wochen unter die Lupe.

+++

KenFM jetzt auch als kostenlose App für Android- und iOS-Geräte verfügbar! Über unsere Homepage kommt Ihr zu den Stores von Apple und Google. Hier der Link: https://kenfm.de/kenfm-app/

+++

Dir gefällt unser Programm? Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten hier: https://kenfm.de/support/kenfm-unterstuetzen/

Jetzt kannst Du uns auch mit Bitcoins unterstützen.

BitCoin Adresse: 18FpEnH1Dh83GXXGpRNqSoW5TL1z1PZgZK

22 Kommentare zu: “Die Macht um Acht (17)

  1. „Pazifismus geht in die Offensive“ wäre vermutlich wieder ein Patina-Strategem, Nr. 25, eine Mogelpackung. Hinter der Scheinenden Fassade verbirgt sich der Krieg gegen China.

    Die Tagesschau-Meldung über die „Internationale Anerkennung“ der „Einheitsregierung“ entspricht Strategem Nr. 29 dem Strategem der Scheinblüte, dem Imponierstrategem, „jemanden vor den Karren spannen“, in diesem Fall eine „internationale Gemeinschaft“ die diese „Einheitsregierung“ „anerkennt“, gleich zwei Scheinblüten erscheinen in der Tagesschau-Reportage, die angebliche „internationale Anerkennung“. Der Baum auf dem diese Blüten wachsen ist in Wirklichkeit dürr denn mit Lybien wurde auch die Internationale Ordnung zerstört. Darüber schweigt sich der Artikel aus. Beide Strategeme, Nr. 25 und 29 gelten als Strategeme unter Kriegsallierten, proximate-Strategeme. Strategem Nr. 29 hat Ähnlichkeit mit Strategem Nr. 7, „Aus einem Nichts etwas erzeugen“. Was bei Strategem Nr. 29 erzeugt wird ist jedoch immer positiv, Ausgangspunkt ist ein mageres Etwas.

    Natürlich geht es um den Raub des Lybischen Erdöls, wie unbeteiligt wird die Feuerbrunst am gegenüberliegenden Ufer beobachtet (Strategem Nr. 9 einem Strategem für Konfrontation/ Umgang mit dem Feind) um dann die Feuerbrunst als günstige Gelegenheit für einen Raub auszunützen (Strategem Nr. 5 einem Strategem aus überlegener Position heraus).

    Die gelben Westen handeln meiner Meinung nach unstrategemisch. Die Äusserungen der Tagesschau entsprechen dem Spaltpilz-Strategem, des Strategems des Zwietracht-Sähens und natürlich – dem Raub des Volkseigenturms.

  2. Ich habe mir den Text auf Tagesschau.de (Wie stabil ist der Euro?) durchgelesen und konnte aber nichts daran verwerflich finden.
    Sie meinten die Autorin zeigt mit dem Finger auf die „Gelbwesten“ und gibt ihnen die Schuld den Euro zu gefährden.
    Dies konnte ich nicht aus diesem Text herauslesen.
    Schwer zu finden war er aber:
    www.tagesschau.de/wirtschaft/boerse/20-jahre-euro-101.html

  3. Danke für die Sendung Herr Gellermann.

    Doch es gibt etwas was mich an der ersten Meldung stört die sie kritisieren, „Japans Pazifismus geht in die Offensive“.
    Die Überschrift kann falsch interpretiert werden, okay, stimme ich zu. Nur soll man einen Artikel nicht nach der Überschrift bewerten, denn ich finde alles was sie bemängeln und kritisieren was nicht erwähnt wird, wird doch in dem Artikel aufgeführt, erklärt und berichtet. Können Sie mir bitter erklären was in dem speziellem Fall die Tageschau falsch berichtet oder unterschlagen hat? Oder jemand hier aus der Cummunity, bitte mir mit einem Kommtar Licht ins Dunkel zu bringen, danke im Voraus.

  4. Wieder ein guter Beitrag. Aber Uli Gellermann wird nicht im Ernst erwarten, daß die Tagesschau sich aufgrund seiner freundlichen Hilfestellung „bessert“. Die Tagesschau ist eine Propagandasendung, die ihren Auftrag erfüllen muß. Selbst wenn einzelne Redakteure, die sich dieses Auftrages vielleicht gar nicht bewußt sind, eine objektivere Nachrichtendarstellung anstreben, sie könnten es gar nicht, sie würden schnell ihren Job verlieren.

    So gut Uli Gellermanns Sendungen auch sind, sie erreichen doch nur einen kleinen Teil der Bevölkerung. Die allermeisten sind und bleiben der Propaganda völlig ahnungslos ausgeliefert. Zu Goebbels‘ Zeit war der Begriff „Propaganda“ positiv besetzt, wobei man allerdings nicht zugab (außer manchmal im kleinen Kreis), daß damit Lügen verbreitet wurden. Aber heute kommt die Propaganda als scheinbar „seriöse Nachricht“ daher und eine demokratische Vielfalt wird uns vorgegaukelt. Die Methoden sind viel raffinierter geworden, für die meisten Menschen undurchschaubar. Hinzu kommt noch, daß viele Menschen – vor allem Intellektuelle – nicht gerne erkennen möchten, daß sie sich jahrelang haben betrügen lassen. Da gibt es eine unbewußte Hemmschwelle und Denkblockade.

    Ich sehe nicht, wie wir aus der Nummer rauskommen. Zumal es ja nicht nur um die Propaganda geht, sondern um das ganze Herrschaftssystem, dem diese Propaganda dient.

  5. Ich warte bei der Tagesschau (wenigstens bei tagesschau.de) seit Tagen auf irgendeine Erwähnung der „Integrity Initiative“, jenes aus NATO-Kreisen gelenkte Meinungs-Manipulationsprogramms, das bei vielen alternativen Medien entsprechend der ungeheuren Bedeutung thematisiert wurde, bei Tagesschau & Co aber komplett ignoriert wird. Seit gestern gibt es auf tagesschau.de dazu einen Suchtreffer, der aber rein gar nichts mit der Sache zu tun hat. Im Artikel (in dem es um Tennis-Wettmanipulationen in Spanien geht) taucht der Begriff nicht auf (lediglich der Begriff „Initiative“ – komisch, das ist kein seltener Begriff, warum gibt es dann nicht viel mehr Treffer?).

    Danke an Uli Gellermann für die unermüdliche Arbeit, die aber wirklich nur die Spitze der Spitze des Eisbergs zeigt (und für einen Einzelnen ist mehr auch gar nicht machbar).

  6. Mit „international anerkannt“ meinen Tagesschau & Co nichts anderes als „vom Westen anerkannt“, was in der Regel wiederum bedeutet: von den USA und EU (oder einigen EU-Staaten) anerkannt. Das ist so eine Floskel wie „umstritten“ oder „Experten meinen“, „Kritiker bemängeln“ usw. Immer dann, wenn keine konkreten Namen, wenn nicht Ross und Reiter benannt werden, muss man nicht nur skeptisch sein, sondern darf getrost davon ausgehen, dass es um pure Propaganda geht.

    Man muss ja nur den Wikipedia-Eintrag über Libyen lesen, um zu erkennen, wie innerlich zerstritten das Land idt, wie rudimentär das Rechtssystem usw. Und Wikipedia ist bei solchen Sachen, wie wir alle hier wissen, schon pro-westlich getrimmt. Irgendwo mitten drin findet sich ein verräterischer Satz: „Seit dem Sturz Gaddafis beginnt unter der Übergangsregierung eine außenpolitische Öffnung des Landes, insbesondere gegenüber den westlichen Staaten, da diese beim Sturz des Regimes geholfen hatten.“ Alleine der deutet an, wie es um die „internationale Anerkennung“ bestellt ist.

    Sehr erhellend ist dazu auch, was die „Wissenschaftlichen Dienste“ des Bundestags schreiben (https://www.bundestag.de/blob/433602/d7d9058f267bff1d273e0b7ffd088bde/wd-2-061-16-pdf-data.pdf):

    „Bedeutung der Zustimmung der libyschen Regierung für den Fortgang der Operation
    EUNAVFOR MED in Libyen
    Die Völkerrechtskonformität der EUNAVFOR MED Operation SOPHIA1 zur Bekämpfung von
    Schleuserstrukturen in libyschen Hoheitsgewässern (Phase 2b und 3)2 hängt vom Vorliegen einer
    entsprechenden autorisierenden Resolution des VN-Sicherheitsrates oder von einer entsprechenden Zustimmung der libyschen Regierung (das wäre dann ein Eingreifen auf Einladung) ab.“

    Aha, das also wird von der libyschen Regierung erwartet. Wenn sie da liefert, ist alles ok, sonst muss der Westen halt nochmal nachhelfen. Weiter:

    „Die „Regierung der nationalen Einheit“ hat mittlerweile in Tripolis ihre Arbeit aufgenommen, kämpft aber weiterhin um eine effektive Kontrolle und Anerkennung im Land. So hat das libysche Parlament (Repräsentantenhaus) in Tobruk, das im Januar 2016 seine Anerkennung des VNPlans zur Bildung einer Einheitsregierung zunächst verweigert hatte, sein Vertrauensvotum zugunsten der Einheitsregierung weiter verschoben. Auch Teile der Bevölkerung stehen der neuen Regierung kritisch gegenüber. Fehlende staatliche Strukturen, eine verarmte Bevölkerung, eine marode Wirtschaft und der sich in der Gegend um Sirte ausbreitende „Islamische Staat“ erschweren die staatliche Konsolidierung Libyens.“

    Aha, aha. Hier wird bestätigt, was Gellermann sagt. Und zur „internationalen Anerkennung heißt es dann sinngemäß, die „Einheitsregierung habe vom VN-Sicherheitsrat Vorschusslorbeeren erhalten („Ungeachtet der (noch) fehlenden effektiven Herrschaftsgewalt „) und sei vor allem von der EU anerkannt. Hier wird vor allem auf das Prinzip Hoffnung gesetzt. Das ganze Anerkennungskonstrukt scheint mir auf tönernen Füßen zu stehen. Aber wer würde denn von der Tagesschau ernsthaft solche Hintergrundinformationen erwarten?

  7. Welche Tages-Sau rockt heute wieder nachgerichtete Wahrheiten?
    Heißt es heute: Notruf von der Tagesschau: Wir stehen kurz vor der Rente, füllt unsere Pensionskassen?
    Nein, so offen sichtlich arbeiten wir nicht.
    Wir haben unser Handwerk gelernt, es gilt nicht, die Wahrheit aufzudecken, sondern zu verschleiern.
    Wer das nicht kapiert, wird gar nicht erst eingestellt.
    Also, passt euch an. Wir nehmen die Unterschicht aus, wie vor Tagen die Weihnachtsgans.
    Aber unauffällig und skrupellos. Wer korrupt ist, kann bei uns was werden….
    Ein gewissenloses Ar…..ch, wie alle hier…

  8. Die Macht um Acht…ist doch nicht alles! Da liegt sicher einiges im Argen, allerdings gehöhrt auch der Rundfunk zu den „öffentlich rechtlichen“ mit GEZ-Gebühren und da möchte ich doch mal auf den WDR und seine Tischgespräche oder die Features z. B. DOK5 hinweisen!

    • Das, finde ich, sollte man aber schon etwas kritischer sehen. Ich lebe im „Sektor“ und höre zumindest im Auto regelmäßig 1Live, einst ein wirklich erfrischender und frecher Sender. Was dort mittlerweile zwischen den Zeilen an politischer Manipulation abläuft, ist mitunter haarsträubend und macht mich in so fern sauer, weil auf diesem Kanal die Heranwachsenden geschickt „auf Spur“ gebracht werden. Der WDR – WDR 2, 3 und 5 – war sicher mal ein starker Sender, aber wirklich Mutiges, das aufhorchen lässt, hat auch dort mittlerweile absoluten Seltenheitswert.
      Ein weiterer Punkt, weshalb ich eine Erhöhung der Gebühren dreist fände, ist der, dass auf beiden Programmen Wiederholungen in Endlosschleife laufen und die Schauspieler von dem Geld nur einen Bruchteil sehen. Bjarne Mädel hat sich deshalb vor einiger Zeit überlegt, ob er aus „Mord mit Aussicht“ aussteigt. Für eine Folge-Staffel wurden die Drehzeiten pro Folge deutlich verkürzt. Er konnte für mich nachvollziehbar begründen, warum er das inakzeptabel fand. Sehr viele Fernsehfilme sind heute mit Drittmitteln von z. B. der BMW-Group finanziert. Bleibt bei aller Langeweile und Desinformation die Frage, wo das viele Geld versickert.

    • @ Lily

      Wo das ganze Geld „versickert“? Tom Buhrow als Intendant „verdient“ >40.000 Euro. Im Monat. Und entsprechend ist die nachgeordnete Gehaltsstruktur der Festangestellten im ÖRR. Neuanwerbungen zum Sprecher beim NDR werden mit dem Versprechen eines „Gehaltes wie ein Studienrat“ gelockt, wohl gemerkt als Anfänger nach abgeschlossenem Volontariat..
      Pensionsansprüche belaufen sich im dreistelligen Millionenbereich. Jährlich.
      Vom Einkommen der im Abnickclub der Rundfunkräte Kassierenden, deren Aufwandsentschädigungen und Bezüge bei 4-6 Sitzungen jährlich ebenfalls phantastische Höhen erreichen, ganz zu schweigen.
      Kurzgefasst: Unsere Gebühren versickern nicht, sondern halten einen traditionsreichen Selbstbedienungsladen am Laufen.

  9. Danke Herr Gellerman, Sie machen auch 2019 weiter und das ist gut so.
    Schon allein deshalb, das Die Macht um acht – Tagesschau eben nicht mehr durch die Macht der Gewohnheit finanziert wird und die braven Michel -Lämmer auch weiterhin 8 Mrd. pro Jahr zahlen, sondern vielleicht mal darüber nachdenken, das Angebot des Beitragsservice, den Rundfunkbeitrag zu zahlen, ab sofort abzulehnen! Und ja ich schreibe es auch unter die Folge 17. Wer das bezahlt, ist selber Schuld. Die Bettelbriefe des Beitragsservice wandern ungeöffnet, sofern denn überhaupt noch welche kommen, zurück in den gelben Kasten.
    keine Werbung, keine Angebote, zurück zum Absender, Danke.

  10. Wieder eine gelungene Sendung „der Macht um Acht“. Uli Gellermann kritisiert zurecht Meldungen auf Tagesschau.de. Ich sehe mir die Tagesschau zwar nicht mehr an, gehe aber davon aus, dass auch in der Tagesschau um 20.00 Uhr einiges zu kritisieren wäre. Da wohl die überwiegende Zahl der Nutzer wohl eher diese Sendung sieht und nicht die Internetseite Tagesschau.de liest, sollte man die Live-Sendung mehr ins Visier nehmen. Das würde die Verantwortlichen bei der ARD sicher mehr wurmen als Kritik an ihren Internetauftritten.

Hinterlasse eine Antwort