Die Neue Seidenstraße

Das größte Wachstumsprojekt der neueren Geschichte, das Deutschland verschlafen hat.

Von Wolfgang Bittner.

Namhafte Wirtschaftsanalysten beklagten schon vor mehreren Jahren, dass sich die deutsche Wirtschaft nicht an dem „größten Wachstumsprojekt der neueren Geschichte“ beteiligte: nämlich an dem Bau der Neuen Seidenstraße, auch One Belt, One Road (OBOR) oder Belt and Road Initiative (BRI) genannt.(1) Das hat jedoch erst mit großer Verzögerung in die Berliner Politik Eingang gefunden, nachdem sich die Mitglieder der Shanghai-Cooperation im Juni 2018 in Qingdao (China) getroffen und sich Ihrer Zusammenarbeit versichert haben, insbesondere Wladimir Putin und Xi Jinping. Worum geht es dabei?

Peking und Moskau planen im Rahmen der 2001 gegründeten Shanghai-Cooperation unter Einbeziehung der übrigen BRICS-Länder und weiterer Staaten den Aufbau eines interkontinentalen Infrastruktur-Netzes von China über Wladiwostok und Sibirien bis Moskau und Westeuropa, an das auch Indien, Afrika und der arabische Raum angeschlossen sind.(2) Dazu gehört die verkehrsmäßige und wirtschaftliche Erschließung bisher peripherer Regionen mit ihren Ressourcen.

Gelingt dies, würde unabhängig von den Flugzeugträgern der USA ein gigantischer Binnenmarkt auf der größten zusammenhängenden Landfläche der Welt entstehen, und zwar mit der Folge, dass die Vereinigten Staaten nur noch eine übermäßig hochgerüstete Regionalmacht zwischen Pazifik und Atlantik wären. Von China wurden für dieses Vorhaben, das auch den Ausbau der ursprünglichen Seidenstraße umfasst, mehr als 1.000 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt.

Die USA versuchen, dieses Neue Seidenstraße-Projekt mit allen Mitteln zu hintertreiben, unter anderem durch die allein dem eignen Vorteil dienende Abspaltung Westeuropas von Russland sowie durch die Entziehung von Wirtschaftskraft. Die Sanktionen, unter denen die deutsche Wirtschaft besonders leidet, sind eine von zahlreichen Maßnahmen.

Demgegenüber schlug Italien selbstbewusst einen eigenen Weg ein, indem es als erstes Mitglied der führenden sieben Industriestaaten aus dem von den USA vorgegebenen Boykott des Projekts ausgescherte. Am 23.3.2019 unterzeichneten der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte und der chinesische Präsident Xi Jinping einen Vertrag über die Beteiligung Italiens an dem „Infrastruktur- und Handelsprojekt Neue Seidenstraße“.(3) Einwendungen dagegen erhob im Sinne der USA unverzüglich Außenminister Heiko Maas. Mit scharfen Worten kritisierte er den Alleingang Italiens. China verfolge die eigenen wirtschaftlichen Interessen „global beinhart“, so Maas, und das könne für Italien bald zu einem „bitteren Beigeschmack“ führen.(4)

Außenminister Maas wird sich umorientieren müssen. Nachdem die deutsche Regierung das One-Belt-One-Road-Vorhaben jahrelang verschlafen hat,(5) vertrat Wirtschaftsminister Peter Altmaier Deutschland – in der zweiten Reihe – auf dem „Seidenstraßen-Gipfel“ Ende April 2019 in Peking zu diesem schon längst in der Realisierungsphase befindlichen Megaprojekt. Vertreter aus mehr als hundert Staaten waren angereist, darunter 38 Staats- und Regierungschefs (die USA schickten keinen Vertreter), Verträge über etwa 64 Milliarden Dollar wurden abgeschlossen.

Dem mochte nun selbst der Atlantiker Claus Kleber im ZDF-heute-journal seinen Respekt nicht versagen. wenn auch zurückhaltend mit den gebotenen („transatlantischen“) Einschränkungen. Der Untertitel lautete: „Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sieht die Neue Seidenstraße zwiegespalten. Zum einen begrüßt er die Investitionen in die Infrastruktur. Zum anderen warnt er aber vor der Gefahr, dass diese Investitionen politische Entscheidungen beeinflussen.“(6) Und während zuvor weitgehend Stillschweigen herrschte, tönte das Für und wider plötzlich von allen Seiten.

In der Süddeutschen Zeitung hieß es: „Kritikerinnen und Kritiker warnen davor, dass finanziell verwundbare Länder in eine Schuldenfalle und wachsende Abhängigkeit von China geraten könnten… Deutschland steht dem chinesischen Prestigeprojekt skeptisch gegenüber – wie auch andere große EU-Staaten. Ein Vorwurf lautet, dass China Sozial-, Umwelt- und Menschenrechtsstandards nicht einhalte. Auch wird kritisiert, es kämen vor allem chinesische Staatsfirmen beim Bau von Brücken oder Straßen zum Zug. Die Initiative, die eigentlich verbinden soll, dürfe keine Einbahnstraße sein, verlangt die deutsche Industrie.“(7)

Wirtschaftsminister Altmaier – von der chinesischen Initiative offensichtlich beeindruckt – hielt sich dennoch bedeckt, forderte China (berechtigt, aber heuchlerisch) auf „internationale Regeln wie Umwelt- und Sozialstandards einzuhalten“ und rief zu einer „geschossenen Haltung der EU“ auf.(8) Nach jahrelanger Ignoranz wurden auf einmal Forderungen gestellt, Mängel benannt und Standards angemahnt, aber immerhin bewegte sich etwas.

Natürlich ist die Dominanz der Chinesen mit ihrer Überproduktion, für die immer weitere Absatzmärkte benötigt werden, zu berücksichtigen, ebenso der militärisch-strategische Aspekt. Für Russland, das an dem Projekt beteiligt ist, dürfte es nach der Trennung von Westeuropa schwer sein, der chinesischen Imperialpolitik standzuhalten. Damit könnte im Osten Russlands eine – von den USA offenbar angestrebte – konfrontative Situation entstehen. Dem müsste eine Neuorientierung der europäischen Politik Rechnung tragen, was jedoch sträflicher Weise nicht geschieht. Insofern steht Wladimir Putin mit dem Rücken zur Wand. Da die Außenpolitik Deutschlands und der EU von Washington mitbestimmt wird, fehlt es an einer eigenen wirtschaftspolitischen Strategie. Das gilt nicht nur für die Beziehungen zu Russland, sondern auch hinsichtlich des Neue-Seidenstraße-Projekts.

Der Schriftsteller und Publizist Dr. jur. Wolfgang Bittner lebt in Göttingen. 2017 erschien von ihm im Westend Verlag das Sachbuch „Die Eroberung Europas durch die USA – eine Strategie der Destabilisierung, Eskalation und Militarisierung“ Soeben erschienen ist im zeitgeist Verlag der Roman „Die Heimat, der Krieg und der Goldene Westen“.

Quellennachweise:

(1) Vgl. Folker Hellmayer, interviewt von Thorsten Küfner, Der Aktionär, 5.4.2017, http://www.deraktionaer.de/aktie/chinas-mega-projekt—das-groesste-wirtschaftsprogramm-in-der-geschichte-der-menschheit–310350.htm.
(2) Das One-Belt-One-Road-Projekt, jetzt auch “Neue Seidenstraße” genannt, ist bereits seit Jahren unter Wirtschafts- und Finanzanalysten sowie in alternativen Medien im Gespräch. Siehe: Wolfgang Bittner, Die Eroberung Europas durch die USA, Westend, Frankfurt am Main 2017, S. 133 f.
(3) Zeit Online, Italien schließt sich Vertrag zur neuen Seidenstraße an, 23.3.2019, https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-03/italien-china-neue-seidenstrasse-vertrag.
(4) ARD-Tagesschau, Maas warnt vor „bitterem Beigeschmack“, 24.3.2019, https://www.tagesschau.de/inland/maas-china-italien-seidenstrasse-101.html.
(5) Dazu und zum Mangel an Weitsicht bei den europäischen Politikern bereits 2017: Wolfgang Bittner, Die Eroberung Europas durch die USA, S. 133 f.
(6) ZDF-heute-journal, 26.4.2019, https://www.zdf.de/nachrichten/heute-journal/heute-journal-vom-26-april-2019-100.html.
(7) Zeit Online, Konferenz zur Seidenstraße endet mit Milliardenverträgen, 27.4.2019, https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-04/neue-seidenstrasse-milliardenabschluesse-gipfel-xi-jinping.
(8) Vgl. Spiegel Online, Altmaier reagiert vorsichtig auf chinesisches Transparenzversprechen, 26.4.2019, https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/seidenstrassen-gipfel-altmaier-reagiert-vorsichtig-auf-chinas-transparenzversprechen-a-1264702.html.

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13 Kommentare zu: “Die Neue Seidenstraße

  1. @ Einstein
    Nichts Neues, „gar nichts Neues“?
    Im Gegenteil, ich habe Neues erfahren und finde die Analyse – z.B. die „übermäßig hochgerüstete“ USA mit ihren Flugzeugträgern als „Regionalmacht“ zwischen Pazifik und Atlantik – durchaus einleuchtend.
    Das habe ich vorher noch nicht gehört oder gelesen. Durch das Neue-Seidenstraße-Projekt, wie Wolfgang Bittner es sieht, ändert sich Grundlegendes in der Weltpolitik, wie immer man zu China und Russland stehen mag.

    • epochtimes.de/politik/welt/putin-unterzeichnet-umstrittenes-gesetz-fuer-souveraenes-russisches-internet-a2872916.html#

      „Russische Internetdienstleister müssen zudem sicherstellen, dass sie den Verkehr innerhalb ihrer Netze zentral kontrollieren können. So sollen sie angeblich potentielle Bedrohungen identifizieren und bekämpfen können. Für die Kontrolle sollen in erster Linie die Aufsichtsbehörde für Telekommunikation und russische Medien (Roskomnadsor) sowie der Inlandsgeheimdienst FSB zuständig sein.“

      Ich bin nicht sicher, was ich von Epochtimes zu halten habe, aber zentrale Kontrolle u.a. durch den Geheimdienst, das finde ich bedenklich. Wenn diese gesetzlichen Befignisse mal nicht in die falschen Hände gelangen.

      Ich finde, wenn Staaten zu Krake werden, dann haben wir Normalos nichts mehr zu erwarten.

      So wie wir vielleicht demnächst das BGE bekommen, aber nur wenn wir uns chippen lassen, uns sozial korrekt verhalten und unser CO2-Fußabdruck passend ist.

      Für mich riecht das alles nach umfassender Kontrolle, egal welche Regional- oder Pseudosupermacht am Werk ist.

    • > „ich habe Neues erfahren und finde die Analyse – z.B. die „übermäßig hochgerüstete“ USA mit ihren Flugzeugträgern als „Regionalmacht“ zwischen Pazifik und Atlantik“

      Was ist daran neu?
      Du solltest öfter KenFM sehen!

    • Insbesondere empfehle ich dir die Vorträge von Daniele Ganser über die Nato und das Imperium USA, die in fast jedem Land der Welt einen Militärstützpunkt haben, auf allen Meeren mit ihren Atomraketen-bestückten Flugzeugträgern unterwegs sind, in allen Ländern, die nicht nach ihrer Pfeife tanzen, einen Regimechange inszenieren und mit ihrem Dollar die ganze Welt kontrollieren.

  2. Dieser Beitrag sagt gar nichts Neues. Wer sich für das Thema und dessen Hintergründe interessiert, dem empfehle ich ein ausführliches Interview mit Dirk Müller, wo er unter Anderem auch seine Bedenken über die Seidenstraße ausspricht: https://www.youtube.com/watch?v=Ntu7E-k5z9Q

    • Glaube, es war Prof. Altvater in den 90ern, der den Spruch geprägt hat, dass das 20. Jhd. das der Nordhalbkugel war und das 21. das der Südhalbkugel werden würde.

      Möglicherweise ist das Duo RUS/China ein Tool, um den Umzug/Transfer des Imperiums nach Fernost einzuläuten/abzusichern.

      So, wie man von Rom nach Venedig, danach über die Schweiz nach Amsterdam, später London und die USA weitergezogen ist.
      Die Sidekicks mit Spanien und Sowjetrussland waren entweder Rohrkrepierer, die man wieder eingefangen hat oder eine Nebentaktik für Spezialziele.

      Big money war aber bisher immer federführend am Joystick.

      Mir leuchtet überhaupt nicht ein, warum ich nun mit Putin, Maduro oder dem Chinesen nun eine ganze Galerie an Heilanden anerkennen soll.

      Deren Institutionen versprechen mir nicht gerade so etwas wie Menschlichkeit. Von einem Bürokratiemonster zum nächsten, nur um sich als Stück Vieh, als Personal mit Personalausweis, als bürgender Bürger in einem anonymen Megasystem weiter verwalten zu lassen?

  3. „Für Russland, das an dem Projekt beteiligt ist, dürfte es nach der Trennung von Westeuropa schwer sein, der chinesischen Imperialpolitik standzuhalten.“

    Hm; im Vergleich zu den Ansprüchen der USA, die ja auch im Artikel erwähnt werden, muss die chinesische Politik nicht unbedingt imperial sein.
    Ob China imperiale Interessen hat oder es mit der multipolaren Weltordnung ernst meint, das kann man m.E. nur an Indizien erahnen.
    Imperien kamen und gingen und meistens blieb nach dem Zusammenbruch von Imperien vergleichsweise wenig übrig. Sollten die Chinesen so langfristig planen, wie oft gesagt wird, dann hätten sie gute Gründe zu vermeiden Imperium zu werden.
    Also könnte es sein, dass China durchaus Weltmacht sein und bleiben will – aber nicht alleinige, sondern Weltmacht neben anderen Weltmächten, eben „multipolar“.
    Und da wäre man auch schon bei Russland, denn momentan ist China das ökonomische Standbein und Russland das militärische Standbein der „strategischen Partnerschaft“.
    Das wird nicht ganz so bleiben, weil China auch viel Geld in Rüstungsforschung investieren kann.
    Aber je nachdem was aus der EU wird – aktuell ist die EU zusammen drittstärkste Wirtschaft der Welt – befindet sich die riesige Fläche Russlands zwischen den Polen China und EU und das muss nicht schlimm sein, sondern könnte auch nutzbare Vorteile für Russland haben.
    Jedenfalls bleibt es spannend. 🙂

    Und Deutschland, naja, hier steht fest, dass keinesfalls langfristig gedacht wird, sondern von zwölf bis mittag.
    USA ist unipolare Weltmacht, aber wie lange noch.
    Bislang sieht es so aus, als ob die USA-Strategen bis zuletzt versuchen, ihre Vormachtstellung zu halten.
    Das könnte aber auf eine harte Landung hinauslaufen und dann schauen alle, die jetzt stark auf den USA-Markt orientieren, auch dumm aus der Wäsche.

    • China’s New World Order
      theepochtimes.com/chinas-new-world-order_2895934.html

      Ich teile bei weitem nicht alles, was der Autor sagt, aber die Frage nach Arbeitnehmerrechten und -schutz, Arbeitssicherheit, Umweltaspekten stimmen mich nachdenklich.

      Wenn wir mit China als Partner in eine multipolare Welt gehen, dann müssen wir auch Forderungen stellen dürfen.

      Ist das unter den gegebenen Machtverhältnissen denn noch möglich?

      Wenn in China heutzutage ein Sack Reis umfällt, dann zucken aber alle mächtig zusammen.

      China beherrscht bereits den Seehandel und wenn es über OBOR auch noch die Landmasse zumindest (mit-)dominiert, dann können wir nur hoffen, dass der neue Herr der Welt mildtätiger ist als alle zuvor.

      Aber wer mit der Hoffnung fährt, hat (bereits) die Armut zum Kutscher.

    • @ D1
      “ Arbeitnehmerrechten und -schutz, Arbeitssicherheit, Umweltaspekten … Wenn wir mit China als Partner in eine multipolare Welt gehen, dann müssen wir auch Forderungen stellen dürfen.“

      Auf den Geschmack richtig guter Arbeitsbedingungen sind die Chinesen schon von alleine gekommen:
      https://www.kuka.com/de-de/investor-relations/aktie/aktion%C3%A4rsstruktur
      (Midea Group ist chinesisch)

      Und das läuft schon länger nicht entlang Nationalitäten:
      Die wenigen Deutschen, die bei Kuka (Name des Unternehmens stellvertretend) die geistige Arbeit leisten, die werden auch ausgebeutet, aber auf hohem Niveau, der Stundenlohn wird schon noch zum Leben reichen.
      Und wer tatsächlich geistige Arbeit leisten kann, der kann auch entsprechende Lohnforderungen stellen.
      Die Masse der Deutschen kann offensichtlich nicht mehr als chinesische Arbeiter mindestens können.
      (Hat da jemand „Bildungssystem“ gesagt?! ^^ )
      Wenn jetzt aber Kuka schon einen chinesischen Hauptaktionär hat, werden mittelfristig die chinesischen Arbeiter weitgehend überflüssig.
      Wie überflüssig dann die entsprechenden Deutschen werden, kann man sich ausmalen.
      Wenn aber die selbe Menge der Deutschen in der symptomatischen Angst vor Veränderung verharrt und nichts machen will, tja.

  4. Wenn China will, dann wird die Neue Seidenstraße kommen. Und zwar alleine nach deren Vorstellung, da können wir dann hoffen, dass es auch in unserem Sinn sein wird. Die Macht ist längst verschoben.
    Amerika ist bereits in deren Hand und wird den Teufel tun, sich China in den Weg zu stellen. Die Reste des deep state versuchen hier und da noch zu zucken, aber denen gelingt von ihrem Teufelswrk eigentlich kaun noch Nennenswertes.
    Wer sich darüber Klarheit verschaffen möchtem der betrachte nur den EInfluss, die Kontrolle, welche China bereits über die Seewege/Häfen hat. Zusätzlich ist der Goldbesitz derart eindeutig, dass dieser Globus in chinesischer Hand erscheint.

    Möglicherweise ist China ein rationaler Herr, mehr als es die USA zuletzt waren, aber es ist der neue Herr der Welt und wenn ich mir die Projekte rum um das Thema Social Credits so ansehe, dann schaudert mich vor dem neuen Dominator erheblich.

    • D1: Meines Erachtens sollte China nicht überbewertet und auch nicht derart negativ gesehen werden. Jedes Land hat seine positiven und negativen Seiten; besonders negative sehe ich in der Imperialpolitik der USA (dazu auch mein Buch „Die Eroberung Europas durch die USA“) Immerhin hat China keine Kriege geführt, und Xi Jinping und Wladimir Putin haben 2018 anlässlich eines Staatsbesuches Putins in Peking erklärt, dass sie keine Interventionskriege der USA mehr dulden wollen. Dass die USA Weltmacht Nr. 1 sind und erst einmal bleiben, hat der Herausgeber der NachDenkSeiten, Albrecht Müller, eindrucksvoll dargestellt, und zwar u.a. in seinem Artikel „Die USA im Niedergang’ – ein Gerede, das verdeckt, dass das Imperium nach wie vor weltweit agiert und uns voll im Griff hat.“ Hier der Link: https://www.nachdenkseiten.de/?p=50975
      Müller: „Weil China ökonomisch erfolgreich ist, hohe Forderungen gegenüber dem Ausland anhäuft und Milliarden dort investiert, weil Russland aufrüstet und Indien eigene Wege geht, ist doch das Ende des US-Imperiums nicht eingeläutet?! Die USA sind weltweit tätig und regieren in Europa bis ins Kleinste hinein. Hierzulande sind sie die offenkundigen Herren des Geschehens…“
      Freundliche Grüße
      WB

    • Vielen Dank für Ihre Antwort.
      Was mich betrifft, so sehe ich in China eine Macht. Und Mächten gegenüber pflege ich ein distanziertes Verhältnis. Ähnlich gilt das in meinem auch bei Russland, aber auch Länder/Mächte wie der Iran oder Venezuela, die ihrerseits durchaus positive Aspekte in der Gesellschaft haben mögen, wobei ich das Urteil darüber der jeweiligen Bevölkerung überlassen möchte und da gibt es wie eben fast überall nicht nur Profiteure, bin ich generell skeptisch eingestellt.
      Dort gibt es zumeist einen recht rigide handelnden autoritären Staat. Und das sollte niemand leichtfertig bejubeln, denn im Falle alle Fälle wird dieser auch handeln. Und dann wird es meist eher ruppig, was mir persönlich zuwider ist.

      Aber zurück zu China, das seit 40 Jahren alle Regeln missachtet und im den entwickelten Ökonomien des Westens sehr, sehr viele Arbeitsplätze niederkonkurriert hat. Das können Sie jetzt begrüßen, weil Sie den Westen ablehnen.

      Aber ich frage Sie als Menschen, ob Sie es gut finden, dass Arbeit unter hiesigem Sozialstaatsschutz jetzt in Fernost unter größtenteils schäbigen Bedingungen erbracht werden muss?

      Hier verschwinden geschützte Arbeitsplätze und dort entstehen prekärsten Zustände, die selbst in Manchester kaum denkbar gewesen wären?

      Ich heiße das nicht nur nicht gut, es ist eine mehr als schlechte Entwicklung.

      Ich halte nichts von einer Negativ-Kampagne, nicht gegen RU/China, aber auch nicht gegen uns selbst. Warum sollten wir uns die Arbeit „wegnehmen“ lassen, damit unsere Menschenkollegen am anderen Ende des Globus unter scheußlichsten Bedingungen am Existenzrande herumschufteln müssen?

      Und dass China zudem im Bereich der Industriespionage extrem „erfolgreich“ war und ist, das kann man nun ausblenden oder nicht, es bleibt ein bedrückender Fakt. Es unterscheidet sich kaum von den USA.

      Wenn ich Ihnen nun dazu einen Artikel der Epoch-Times empfehle, dann nicht, weil ich deren Meinung 1:1 übernehme, sondern weil es ein mahnender Impuls sein kann.

      epochtimes.de/meinung/gastkommentar/chinas-neue-weltordnung-vorbild-oder-untergang-a2870932.html

      Ich wünsche Ihnen einen sonnigen und fröhlichen ersten Mai

      D1

    • Das Fuer und Wider der einen globalen Macht gegen die andere ist zwar der derzeit bestimmende globale Macht-Denkrahmen.
      Und nur innerhalb dieses Denkrahmens bleiben die Argumente des Autors Herrn Bittner. Und vermutlich auch der derzeitigen internationalen Vertreter der Organisierten Kriminalitaet aus der Finanzmafia, egal ob in den Staaten, China oder Russland.
      Doch die Chose wird sich aendern binnen kurzem ueber 2 nur noch moegliche Szenarien.
      1. Szenario:
      irgend eine Gruppe verliert die Nerven und drueckt den Welttheater-Ausknopf. Wahscheinlichster Anwaerter zu diesem Tun: irgend ein US-Verbrecher, weil es dort eine Reihe solcher Typen gibt und das Militaeruebergewicht auf noch vermeintlich deren Seite ist.
      2. Szenario
      Es verliert kein Hooligan die Nerven aber das dann unvermeidlich andere geschieht binnen weniger Dezennien beim Weiterwirken des derzeitigen von allen Parteien praktizierten Oekonomie-Falschsystems: der Luftsauerstoff wird zu knapp. Nach Vorrausberechnungen von Ryder in rund 25 Jahren.

      Beide Szenarien wuerden zu abruptem Denkneurahmen fuehren: weg von der derzeitigen Profitoekonomie (Raubbau, Meeresvergiftung, Plankton weg) und hin zu einer Gemeinwohloekonomie, (Restressourcen retten und Wiederaufbau), die dann nur noch weltweit durchgefuehrt Sinn ergaebe.

      Nach beiden Szenarien wird es fraglich bis knapp oder fast unmoeglich, die Welt noch zu retten aber die Restbevoelkerungen werden es versuchen. Sie haben ja nur diese eine Chance.
      Dann wird es wenig Unterschied machen, ob diese Weltrettungsversuche von in den USA, China Europa oder sonstwo aus ginge. Es kann dann nur noch weltweit klappen oder eben nicht mehr.
      Es ist dann eben auch der neue Denkrahmen da. Nur ein anderer als jetzt.

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