Die Pseudo-Liebe

Eine Stellungnahme von Franz Ruppert zum allseits gelobten Dokumentarfilm „Elternschule“.

Hinweis zum Rubikon-Beitrag: Der nachfolgende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Rainer Mausfeld aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt KenFM diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

Ich bin gebeten worden, eine Stellungnahme zum Dokumentarfilm „Elternschule“ von Jörg Adolph und Ralf Bücheler zu verfassen. Für mich ist dieser Film ein weiteres Symptom für eine Gesellschaft, die ihre Mitglieder schon früh traumatisiert, diese Traumatisierungen systematisch ignoriert und sich dann mit hohem Aufwand und viel Eifer an der Bekämpfung von Psychotrauma-Folgesymptomen abarbeitet.

In diesem Fall machen das vermeintliche Psychologie-Experten, die traumatisierten Eltern im Kampf gegen ihre traumatisierten Kinder zur Seite stehen wollen. Dies in der Form, dass sie weitere Traumatisierungen ins Werk setzen. Die Folgen von Psychotraumata werden mit neuen Psychotraumata zu bekämpfen versucht. Das unterdrückt zuweilen die im Moment manifesten Symptome und schafft zugleich neue. Die die Eltern störenden Verhaltensweisen — zum Beispiel Kind schläft oder isst nicht — werden mit emotionaler und körperlicher Gewalt angegriffen, ohne auf deren unterschiedlichen Ursachen zu schauen.

Als vermeintliche Erklärung und Rechtfertigung für die Rücksichtslosigkeit gegen die Kinder wird ein Glaubenssatz der dieses Projekt leitenden Psychologen und ihrer Helfer herangezogen: Kinder sind die größten Egoisten auf unserem Planeten! Diesem Egoismus müssen Grenzen gesetzt werden! Der Begriff „Psychotrauma“ kommt daher an keiner Stelle vor. Fragt sich daher, wer hier wirklich „egoistisch“ agiert.

Ich halte es aber auch für verkehrt, als Reaktion auf diesen Film im Umkehrverfahren Partei zu ergreifen für die vermeintlich guten und unschuldigen Kinder gegenüber bösen, weil gewalttätigen Erwachsenen.

Hier treffen in den Familien und in diesem Kliniksetting Menschen unterschiedlicher Altersstufen mit ihrer jeweils traumatisierten Psyche aufeinander und machen sich das Leben gegenseitig zur Hölle. So können zum Beispiel die Kinder schon aufgrund ihrer Erlebnisse im Bauch ihrer Mütter — sind sie überhaupt gewollt? —, ihrer Geburtserfahrungen — wie etwa Kaiserschnitt? Zangengeburt? Frühgeburt? — oder ihrer frühen Säuglingszeit — wurden sie alleine gelassen? ausreichend gestillt? — durch unerträgliche Ängste, Schmerzen und nicht aushaltbare Wutreaktionen psychisch gespalten sein. Sie können sich dann emotional nicht mehr selbst regulieren und sind von einem gesunden Körperempfinden weit entfernt. Sie können auch symbiotisch verstrickt sein mit Traumagefühlen ihrer Mutter oder ihres Vaters.

Selbstverständlich ist nicht von den Kindern zu erwarten, dass sie durchschauen, was sie da an Trauma-Überlebensstrategien im Verhältnis zu ihren Eltern oder Erzieherinnen inszenieren. Dazu sind potentiell nur die Erwachsenen in der Lage. Diese müssten allerdings zuerst ihre traumatisierte Kinderpsyche in sich selbst entdecken, damit sie bemerken, wie sie hier einen Teufelskreis inszenieren: Sie fügen ihren Kindern das zu, was ihnen selbst als Kindern angetan wurde. Sie ziehen ihre Kinder in ihre Trauma-Überlebensstrategien hinein. Sie reagieren mit ihrer eigenen traumatisierten Kinderpsyche auf ihre eigenen Kinder. Warum zum Beispiel sind manche Mütter in diesem Film deutlich übergewichtig?

Ich habe im Folgenden einige Seiten aus meinem Buch „Wer bin Ich in einer traumatisierten Gesellschaft?“ (1) zusammengestellt, die für ein tieferes Verständnis dieses Dokumentarfilmes und der damit verbundenen öffentlichen Diskussion hilfreich sein könnten.

Eltern für oder gegen Kinder?

Wir Menschen sind soziale Wesen. Als Menschen brauchen wir für unser Leben und unsere Entwicklung andere Menschen. Wir sind existenziell auf andere Menschen angewiesen. Das beginnt mit der Zeugung. Das werdende Kind braucht den Organismus seiner Mutter, um darin heranwachsen zu können und nach neun Monaten geboren zu werden. Alle Menschen sind Frühgeburten. Daher braucht jedes Neugeborene seine Mutter und ihren Körper noch mindestens drei Jahre, damit seine Psyche einigermaßen stabil wird und es in sich selbst Halt finden kann. Das Kind ist daher auf Gedeih und Verderb auf eine wohlwollende, fürsorgliche und liebevolle Mutter angewiesen. Muttersein für kleine Kinder ist dementsprechend ein Fulltime-Job, der nicht so nebenher erledigt werden kann. Dass es hier eine „Vereinbarkeit“ von Familie und zeitintensiver Berufsarbeit geben könnte, ist eine Illusion beziehungsweise ein gesellschaftliches Dogma, das sowohl auf Kosten der Mütter wie auf Kosten der Kinder geht.

Für eine gesunde psychische und körperliche Entwicklung braucht ein Kind auch den Rückhalt durch seinen Vater und dessen Unterstützung möglichst von Anfang an. Es braucht in seiner Umwelt viele Menschen, die ihm liebevoll und freundlich begegnen und ihm vorbildhaft zeigen, wie gutes und konstruktives Zusammenleben geht.

Das ist leider nicht immer der Fall. Viele Kinder sind von ihren Eltern nicht gewollt und werden von ihnen nicht geliebt. Kinder werden in soziale Verhältnisse hineingezeugt und geboren, die ihnen abweisend, unfreundlich und bedrohend gegenüberstehen. Sie machen die Erfahrung: Es kommt nicht auf sie an und wenn sie da sein wollen, müssen sie sich für andere nützlich machen. Das ist dann ihre einzige Daseinsberechtigung (2).

Viele traumatisierte Eltern sind nicht in der Lage, zum Wohl ihrer Kinder zu handeln. Sie stellen ihre eigenen Trauma-Überlebens-Interessen über die Bedürfnisse ihrer Kinder und missbrauchen ihre Kinder für ihre Überlebensstrategien. So werden unzählige Kinder zu Opfern ihrer traumatisierten Mutter und/oder ihres traumatisierten Vaters. Ihre Eltern werden zum ersten Trauma-Täter an ihnen (3). Mütter und Väter, die ihr eigenes Leben nicht auf die Reihe bekommen, klammern sich an ihre Kinder und können sie nicht in Ruhe lassen. Sie stellen ihre eigenen Trauma-Überlebensstrategien als „Sorge“ und „Hilfe“ für ihre Kinder dar.

Kämpfen oder sich anpassen?

Ein Kind baut zu Mutter oder Vater entweder eine sichere und vertrauensvolle Bindung auf und kann dann dieses Vertrauen auch in Selbstvertrauen ummünzen und in anderen Beziehungen einbringen; oder es entwickelt seinen traumatisierten Eltern gegenüber einen „Kampfmodus“ oder einen „Vermeidungsmodus“. Im ersten Fall hat es gelernt, dass es wütend werden und Krach machen muss, um die Aufmerksamkeit seiner geistig und emotional dissoziierten Eltern zu erhalten. Im zweiten Fall lernt es, seine Gefühlsäußerungen zurückzuhalten, um seine traumatisierten Eltern nicht noch weiter in die Dissoziation zu bringen oder ihre Aggressionen zu provozieren. Deshalb ist es nach außen brav, still und angepasst, innerlich aber hoch gestresst, verzweifelt und voller Wut und Negativität.

Die Bindungsbeziehung zur Mutter und zum Vater kann unterschiedliche Qualität haben. Wenn ein Kind Glück hat, kann es zumindest zu einem Elternteil eine liebevolle und haltgebende Bindungsbeziehung entwickeln. Da sich oft traumatisierte Paare anziehen, haben viele Kinder bei ihren Eltern nur die Möglichkeit, zwischen Kampf- und Vermeidungsmodus zu wählen. Da die Mutterbindung die frühere und damit psychisch auch tiefer prägende Bindung ist, wird meist das dort entwickelte Muster in anderen Beziehungen im weiteren Leben wiederholt.

Wenn Kinder die Beziehung zu ihren Eltern als Macht-, Kontroll- und Unterwerfungsverhältnis erfahren haben, ist dieser Bruch an Vertrauen in andere Menschen nur schwer zu überwinden. Daher werden auch die übrigen sozialen, ökonomischen und politischen Institutionen in einer Gesellschaft von Menschen geprägt, die vom kindlichen Trauma-Opfer zum erwachsenen Trauma-Täter geworden sind. Auf diesem Wege wird eine soziale Negativspirale in Gang gesetzt. Sie schaukelt sich immer mehr hoch.

Nach dem psychischen Resonanzprinzip ziehen sich Menschen mit ihren Trauma-Überlebensstrategien auch wechselseitig an. Wer in seinen gesunden Anteilen ist, wer weiß, wer er ist und was er will, hält hingegen Abstand von Menschen, die aus ihren Trauma-Überlebensstrategien heraus agieren.


Trailer: „Elternschule“


Erziehung für oder gegen Kinder?

Die „Erziehung“ von Kindern wird gemeinhin als notwendig angesehen, um sie zu lebenstüchtigen Erwachsenen zu machen. Im Sinne der Freud’schen Psychoanalyse müsse das Triebwesen Kind durch das Über-Ich, also durch kulturelle Normen und Gebote, „sozialisiert“ werden. Zum einen ist allerdings die Frage, ob Kinder tatsächlich von Natur aus unsozial sind. Zum anderen sollte man sich überlegen, zu welcher Sorte Erwachsener Kinder werden, die durch Normen und Verbote erzogen werden. Und wie sehen diese Normen und Verbote überhaupt aus? Wem dienen sie und wem schaden sie? Was macht es aus Kindern, wenn sie vor allem dazu erzogen werden, besser und erfolgreicher zu sein als ihre Klassenkameraden? Werden sie dann wirklich sozial oder nur zu rücksichtslosen „Peak Performern“, denen es egal ist, wer letztlich die Kosten für Ihren persönlichen Erfolg zu tragen hat?

In der vorschulischen wie schulischen „Erziehung“ setzt sich daher nicht selten die Traumatisierung von Kindern durch ihre traumatisierten Eltern fort. Kinder werden als Objekte von Belohnung und Bestrafung gesehen, an denen sich jeder ausprobieren kann, dem sie in die Finger geraten. Erzieherinnen und Lehrer können unreflektiert die guten wie schlechten eigenen Kindheitserfahrungen auf Kinder übertragen (4).

Werden in den meisten Gesellschaften Eltern ohnehin qua Natur als kompetent angesehen, das Richtige für ihre Kinder zu tun, wird selbst in einem Pädagogikstudium von den Studierenden nicht verlangt, sich zuerst ihre eigenen Kindheitstraumata anzusehen, bevor sie ihnen anvertraute Kinder auf ihrem Weg in die Welt begleiten. Daher sind Täter-Opfer-Dynamiken zwischen Erzieherinnen und Kindern und Lehrern und Kindern weltweit an der Tagesordnung.

Wie leben in traumatisierten Gesellschaften?

In traumatisierten Gesellschaften scheint leider eine Selektion zugunsten derer stattzufinden, die die besten Trauma-Überlebensstrategien entwickeln, deshalb auch das größte Gewaltpotential in sich entfesseln und ihr Mitgefühl mit sich und anderen am radikalsten betäuben können. Empathielosigkeit, unablässiges Reden und konstanter Aktionismus werden hier zu Selektionsvorteilen — solange der Körper der betreffenden Person das mitmacht. Machtversessene Menschen — „Machiavellisten“ —, „Psychopathen“ und „Narzissten“ sind in traumatisierten Gesellschaften häufig in Führungspositionen zu finden und verdienen viel Geld damit, andere Menschen systematisch zu traumatisieren.

Daher ist die Frage, in welchem Maße es einem Einzelnen gelingen kann, in einer traumatisierten Gesellschaft

  • einen Partner zu finden, der nicht schon früh traumatisiert wurde, nicht in einem Trauma der Liebe feststeckt und keine sexuelle Traumatisierung erleben musste und zudem bereit ist, an seinen eigenen Traumatisierungen zu arbeiten,
  • sich dem Zwang zur blinden Reproduktion zu entziehen,
  • sich gewaltvolle Geburtsprozesse nicht von einem auf Technik fixierten Geburtshilfesystem aufzwingen zu lassen,
  • seine Kinder nicht traumatisierten Erzieherinnen und Lehrern auszuliefern,
  • beim Auftreten körperlicher Symptome nicht von einem naturwissenschaftlich ideologisierten Medizinsystem weiter traumatisiert zu werden,
  • bei psychischen Auffälligkeiten nicht in die Fänge der symptomfixierten Psychiatrie zu gelangen,
  • in Konfliktfällen nicht durch Juristen in eskalierende Täter-Opfer-Dynamiken hineingetrieben zu werden,
  • in seinem Arbeitsleben nicht gezwungen zu sein, sinnlose Dinge zu tun oder solche, die anderen Menschen Schaden zufügen,
  • als Soldat nicht in einen Krieg geschickt zu werden, um andere Menschen und sich selbst zu traumatisieren?

Es bedarf erheblicher Klarheit und Entschlossenheit, sich von traumatisierten Menschen und Institutionen nicht für deren Trauma-Überlebensstrategien einspannen zu lassen und sich den eigenen Täter- und Opferhaltungen, die sich im Zuge der eigenen Traumabiografie in der Psyche etabliert haben, nicht zu unterwerfen. Es ist in traumatisierten Gesellschaften nicht einfach, eine gesellschaftliche Nische zu finden für sein eigenes gesundes Privat-, Sozial- und Arbeitsleben. In einer traumatisierten Gesellschaft ist es normal, das Eigene als fremd zu erleben und sich das Fremde zu eigen zu machen.

Zum Glück gibt es auch in solchen Trauma-Kollektiven noch die Möglichkeit von gesunden Beziehungen. Wie das in Abbildung 1 dargestellte Modell zeigt, können auch traumatisierte Menschen zumindest zeitweise gesunde Beziehungen miteinander führen. Wenn beide Zugänge zu ihren gesunden Anteilen — GA/GA — haben und bewusst suchen, sind sie in der Lage, die Negativspirale für eine gewisse Zeit zu stoppen. Und solange mindestens einer der Beziehungspartner in seinem gesunden Anteil ist, auch wenn der andere sich in einem Überlebens- oder Traumanteil befindet — GA/ÜA; GA/TA —, werden Täter-Opfer-Eskalationen verhindert.

Nur wenn beide in ihren Überlebensanteilen agieren oder in ihre traumatisierten Anteile rutschen, steht dem Aufeinanderprallen von Täter- und Opferhaltungen und der Eskalation der Täter-Opfer-Dynamik nichts mehr im Wege. Ich vermute, dass die Kombination TA/TA häufig auch die Illusion erzeugt, mit einem anderen Menschen „seelenverwandt“ zu sein. Möglicherweise ist das dann auch der unbewusste Grund für dauerhafte Partnerschaften und Heirat.

Bild

Abbildung 1: Mögliche Beziehungskonstellationen zwischen zwei Menschen, die durch Traumata psychisch gespalten sind.

Es bedarf der Übung, rechtzeitig wahrzunehmen, wenn ich in eine meiner Trauma-Überlebensstrategien rutsche und mich von alten Ängsten und Wutgefühlen leiten lasse, statt wahrzunehmen, was im Moment wirklich los ist. Ebenso braucht es große Klarheit, sich von den Trauma-Überlebensstrategien anderer nicht provozieren zu lassen und sich in den Strudel von Opfer- und Täterhaltungen hineinzubegeben. Jede Konfliktsituation könnte Anlass sein, näher hinzusehen, welche Traumatisierung dahintersteckt.

Fallbeispiel

Die folgende therapeutische Arbeit zeigt, wie schnell körperliche wie psychische Symptome bei einem Kind verschwinden können, wenn eine Mutter auf ihr eigenes Muttertrauma blickt. Ich entnehme es aus meinem Buch „Trauma, Angst und Liebe“ (5). Das Gespräch wurde telefonisch geführt. Ich, F.R., bat die Klientin, Linda, das Telefonat nach ihren Erinnerungen zu protokollieren.

Linda: „Ich habe Probleme mit meinem vierjährigen Sohn. Der hat Panikanfälle im Kindergarten, weint und klammert sich an mich, wenn ich gehe. Er schläft mittags nicht, sondern weint in seinem Bett. Er fragt permanent nach der Mama und hat furchtbare Angst, von mir getrennt zu sein. Er hat sogar dreimal in die Hose gekotet.“

F.R.: „Kennst du Panik und Nicht-allein-sein-Wollen von dir selbst?“

Linda: „Ja. Ich hatte vor zwei Jahren zum ersten Mal einen Panikanfall, habe das seitdem ein paar Mal gehabt, hatte zum Beispiel Angst — weil die roten Blutkörperchen in einem Blutbild meines Sohnes etwas zu gering waren —, dass er Blutkrebs haben könnte. Da bin ich auf der Buchmesse, als ich vor Kindern moderiert habe, schier durchgedreht, weil ich dachte, mein Sohn wird seinen fünften Geburtstag nicht erleben.“

F.R.: „Gut, dann such mal ein Kissen für deine Angst vor Einsamkeit und eines für deinen Sohn und stell dich dazu.“

Linda (macht das): „Meine Einsamkeit möchte ich sofort wegkicken. Ich will mit der nichts zu tun haben. Ich spüre diesen harten Anteil in mir. Das ist der Anteil, der auf der Bühne, bei der Arbeit gut ist, der immer super sein will. Der erträgt die Einsamkeit nicht. Der erträgt es nicht, dass mein Sohn Angst hat. Der will eine Supermama sein und Supermama wird man nur, indem man ein Superkind hat.“

F.R.: „Leg mal ein Kissen für diesen Anteil dazu.“

Linda (macht das, legt den Anteil eng hinter das Kissen für den Sohn)

F.R.: „Jetzt stell dich mal auf den Platz deines Sohnes.“

Linda (tut das): „Es ist schwer. Ich kann nicht stehen. Diese Supermama in meinem Rücken bedroht mich. Wenn ich mich hinsetze, geht es. Ich hätte sie gerne weiter weg.“

Linda schiebt das Kissen weiter weg.

Linda (stellvertretend für den Sohn): „Jetzt ist es besser!“

Linda (erstaunt): „Das wäre ja toll. Da muss ich mich gar nicht so anstrengen, eine tolle Mutter zu sein, wenn die dem sowieso nur auf die Nerven geht.“

F.R.: „Leg jetzt mal den Superanteil und die Einsamkeit nebeneinander.“

Linda (tut es): „Die Einsamkeit gefällt mir immer noch nicht. Ich hätte sie gerne weg.“

F.R.: „Jetzt schau mal zu dem Kissen deines Sohnes.“

Linda: „Da könnte ich sofort anfangen zu weinen und ich zerfließe vor Mitleid.“

F.R.: „Siehst du, was du machst?“

Linda: „Nein.“

F.R.: „Deinen eigenen Schmerz willst du nicht, seinen aber nimmst du.“

Linda: „ERLEUCHTUNG!!!

Danach war schnell Schluss. Ich habe auf mein Telefon geguckt: Von 9:00 bis 9:46 Uhr hat die Aufstellung gedauert, nach der die Panikanfälle bei meinem Sohn sofort aufgehört haben.
Mir geht es jetzt in vielerlei Hinsicht besser. Besonders das Verhältnis zu meinem Sohn ist viel entspannter. Der will jetzt ganz spät aus dem Kindergarten abgeholt werden, seine trockene Haut ist weg, seine Ohrenprobleme — Wasser in den Ohren — ebenfalls, und er ist insgesamt viel aktiver, offener und neugieriger geworden. Und meine Schuldgefühle ihm gegenüber sind tatsächlich verschwunden — obwohl es auch jede Menge Konflikte gibt. Aber wir haben oft eine wirklich schöne Zeit zusammen und sind insgesamt viel mehr im Kontakt als früher. Ich hab das Gefühl, ich kann ihn jetzt sehen, die Sicht auf ihn ist nicht mehr durch die Projektion meiner eigenen Themen auf ihn verstellt. Das ist ganz toll, und dein Satz ‚Deins nimmst du nicht, seins willst du‘ hat sich mir eingebrannt und mich überhaupt sensibel gemacht für Projektionen. Dafür möchte ich dir noch mal sehr danken.“

Einige Monate später schrieb die Klientin:

„Heute hat mich eine Erzieherin aus der Gruppe meines Sohnes noch mal angesprochen, wie sehr er sich gemacht habe, dass er richtig frech und selbstbewusst geworden sei und dass sie bei der tiefen Krise im März nicht damit gerechnet habe, dass er sich so schnell so gut entwickeln würde. Ich habe auch bei mir Dinge im Außen geändert: Keine Frühdienste mehr, keine Aufenthalte mehr bei der Tagesmutter, stattdessen eine nette Frau, die ihn abholt und nach Hause bringt. Das hat sicherlich auch etwas bewirkt. Aber der Kern der Veränderung lag in Deinem Satz.“

Weitere Beispiele für die traumabezogene Arbeit mit Eltern und Kindern finden sich im Buch „Mein Körper, mein Trauma, mein Ich“, Ruppert & Banzhaf 2017, im Kapitel, das Bettina Schmalnauer geschrieben hat (6).


Quellen und Anmerkungen:

(1) Franz Ruppert: Wer bin Ich in einer traumatisierten Gesellschaft? Klett-Cotta, 2018
(2) Wenn es um das Für und Wider von Kindern geht, wird in Deutschland häufig das Argument vorgebracht, Kinder seien notwendig, um die Rente zu sichern!
(3) Der amerikanische Psychohistoriker Lloyd de Mause hat diese weitverbreitete Situation von Kindern in seinem Buch „Hört ihr die Kinder weinen“, so auf den Punkt gebracht: Die Geschichte der Kindheit ist ein Alptraum, aus dem die Menschheit gerade erst erwacht (de Mause 1980).
(4) Als „Schwarze Pädagogik“ wird das zum Beispiel von Alice Miller (2006) bezeichnet.
(5) Franz Ruppert: Trauma, Angst und Liebe, Kösel-Verlag 2012, S. 121-123.
(6) Franz Ruppert und Harald Banzhaf (Herausgeber): Mein Körper, mein Trauma, mein Ich; Kösel-Verlag 2017, Seiten 293-299

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Dieser Beitrag erschien am 27.10.2018 bei Rubikon – Magazin für die kritische Masse.

*Anmerkung der Redaktion: Der Titel dieses Beitrags wurde nachträglich geändert.

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12 Kommentare zu: “Die Pseudo-Liebe

  1. Ich wundere mich, dass ich auf so einem freiheitlichen, kritischen Portal, wie KenFM in letzter Zeit öfters auf solche Rubikon-Texte stoße, die so leichtsinnig und pauschalisierend von einer angeblich „traumatisierten“ Gesellschaft handeln. Auch zum Rubikon passen sie nicht. Gut an diesem Text finde ich allerdings, dass er sich dafür ausspricht, dass das Kind möglichst drei Jahre bei der Mutter bleiben soll und richtig sieht, dass Muttersein ein Fulltime Job ist. Gut ist auch, dass er sich dafür ausspricht, dass ein Kind auch seinen Vater braucht. Da hat der Autor meine volle Zustimmung. Gut finde ich auch, dass er die naturwissenschaftlich ideologisierte Schulmedizin kritisch sieht und vor der symptomfixierten Psychiatrie warnt.

    Für gefährlich halte ich allerdings, dass der Artikel große Teile der Bevölkerung für „tramatisiert“ erklärt, sogar von „Trauma-Kollektiven“ spricht. Damit fügt er sich in eine Reihe anderer, befremdlicher Beiträge ein, die man in letzter Zeit öfters liest. Der Autor ist sicherlich vom Fach und hilft Leuten in Not, das ist sehr wertvoll, aber dennoch: Wenn kurzerhand eine ganze Gesellschaft pauschal als „traumatisiert“ bezeichnet wird, wird eine Stimmung in der Bevölkerung erzeugt, die gerade auf die jüngere Generation verheerende politische Auswirkungen haben könnte. Denn, vom Akt, eine ganze Gesellschaft für „traumatisiert“ zu erklären bis zum nächsten Punkt, diese „Traumatisierten“ für unfähig zu erklären, Kinder zu erziehen, ist nur ein kleiner Schritt – und den könnten dann die Behörden gehen, auch wenn der Autor das nicht will. Dann ginge die gute Absicht des Autors und seiner Kollegen nach hinten los. Der nächste Schritt des Staates, nachdem eine solche Stimmung erzeugt wurde, wäre dann nämlich, die Elternrechte zu beschneiden, mit der fadenscheinigen Begründung, dass „traumatisierte Eltern“ dem „Kindeswohl“ schadeten. Deshalb sollten solche pauschalisierenden Aussagen kritisch betrachtet werden, auch wenn sie mit dem Anspruch daherkommen, psychologisch-wissenschaftlich und aus der Praxis zu sein. Daher kann ich mich den vielen Lobeshymnen hier für diesen Text nicht einseitig zustimmend anschließen.
    Wollen denn diejenigen, die hier voll des Lobes für diesen Text sind, dass ihre Babys oder ihre Enkelchen schon bald nach der Geburt sich in Kinderkrippen wiederfinden, wo zwei staatlich geprüfte, aber überforderte Kinderpflegerinnen sich um zwanzig unglückliche Babys kümmern müssen? Was würden denn da erst für Traumata entstehen? Das kann es ja wohl nicht sein und ist bestimmt nicht im Sinne des Autors.
    Der Hintergrund der ganzen, politischen Krippen- und Kitadebatte ist der, dass man Mütter, der Steuergelder wegen, schon möglichst frühzeitig wieder in Arbeit bringen möchte und dass der Staat möglichst frühzeitig Einfluss auf die Erziehung der „künftigen Untertanen“ haben will. Sind die Elternrechte erst einmal eingeschränkt, entscheidet dann die fremde „Fachkraft“, die Kinderpflegerin und später der Grundschullehrer oder die Hortaufsicht oder der staatlich geprüfte Arzt mit der Internatsleitung nach STAATLICHEN Vorgaben, welche Impfungen vorgenommen, welche Behandlung im Krankheitsfall, welche „frühkindliche Förderung“ und welche digitalen Geräte wann zu erfolgen haben und Eure Kinder könnten Euch vollständig entfremdet werden. Geschiedene Elternteile, denen das Sorge- oder Besuchsrecht faktisch entzogen wurde, auch wenn es formal besteht, können ein Lied davon singen, wie schmerzhaft es ist, das eigene Kind nicht sehen und nichts entscheiden zu können – und viele von ihnen werden zu Unrecht verleumdet – ich allein kenne sechs solche Fälle. Hier ist ein youtube-Video, in dem ein Herr, der, glaube ich, bei den Piraten ist oder war, sich auch über mögliche, künftige Beschneidung der Elternrechte Gedanken gemacht hat – in der Volksbefragung, die in Hessen stattfand, fand sich auch ein Passus über „Kinderrechte“:
    https://www.youtube.com/watch?v=kWbWK9p4MiI&t=30s

    Mir ist natürlich bewusst, dass Franz Ruppert sehr kompetent ist – aber dennoch sind seine Pauschalisierungen unrichtig und gefährlich und passen zu einem Trend, der politisch in die Richtung geht, die ich oben anspreche. Man denke auch daran, dass in der DDR „unbotmäßigen“ Staatsangehörigen die Kinder entzogen wurden.

    • Das Problem, dass Sie sehen, ist kein Problem der Wahrnehmung – die Gesellschaft IST traumatisiert – sondern der Konsequenzen. Und nur durch die Existenz einer staatlichen Machtelite wird die ansonsten wichtige Erkenntnis zu einem Problem pervertiert.
      Und da will noch mal einer sagen, in dieser beherrschten Gesellschaft, die von den Behörden gegängelt wird, wie ein Inhaftierter, sei etwas anderes als Trauma möglich!
      Wer wie ein Sklave für den Reichtum schmaler Kasten und Schichten schuftet und das Schicksal auch noch als erstrebenswert für den Nachwuchs anpreist, der ist selbstverständlich nicht in der Lage, in sich ruhende Persönlichkeiten zu erziehen, aufgrund eigener Traumata. Nur ist es nicht der Staat, der die Lösung des Problems darstellt, sondern dessen Ursache.
      Zu sich selbst finden und damit auch den anderen wahrnehmen, steht ja im krassen Widerspruch zum staatlich und kapitalistisch geforderten Gehorsam als Wahlvieh und Lohnsklave. Daher gibt es keinen Ausweg aus der Traumagesellschaft des Beherrschtseins über die Institutionen und Denkweisen die diese Gesellschaftsform begründen. Der Zentralismus der Gespaltenen Persönlichkeiten muss fallen, damit freiheitlicher Föderalismus ein in sich ruhendes, sich und andere akzeptierendes Menschengeschlecht hervorbringen kann.
      AFD und andere Raubritterorden der heutigen Zeit, sind Symptome davon, dass wir in einer kranken Gesellschaft leben, weil uns der Aufbau der heutigen Gesellschaft über Religion, Macht, Staat, Eigentum und Lohnsklaverei unentrinnbar krank MACHT.
      Der einzige Ausweg ist die soziale Revolution, die seit der ersten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts als unbeantwortete Frage im Raum steht. Bisher leben wir in einer Vergangenheitsblase als Reaktion auf das Trauma der beiden Weltkriege, haben sich die Menschen mit einer Minderheitenherrschaft in demokratischem Schein abgegeben, aber die Forderungen nach einer anarchistischen Gesellschaft stehen wie gesagt, als Schatten überall im Raum, denn die Unfähigkeit der Macht, die Geschicke der Menschen zu lenken und sie dabei auch glücklich zu machen wird uns an jeder Straßenecke ins Gesicht geschrien. Alleine die verzerrte und krankmachende Architektur heute in Deutschland ist ein einziges Trauma-Bild. Die Art, wie die Menschen heute in den Käffern des Westerwalds oder Pfalz oder anderswo ihre Häuser bauen, zeugt schon davon, dass sie sich vom Leben verabschiedet haben – sie sind bereits verweht in einem System der Vorbestimmung und des Ausgesaugt werdens vom Staat und dem Unternehmertum. Das kann keine gesunden Kinder hervorbringen – die Perversion muss ihren Lauf nehmen, weil ohne Perversion die deutsche Studentenschaft mit ihrem „Willen“ zur Dummheit und Aufsteigertum gar nicht möglich wäre.

      Die Matrosen von Kronstadt stehen als Geister am Himmel der sozialen Frage unserer Zeit und warten unerbittlich auf Erfüllung ihres Hoffens. Die feigen bürgerlichen Ausreden, die wir heute „Leben“ nennen, brechen immer weiter auseinander. Was sind wir in der Lage in die Lücken und Risse zu füllen? Eine neue, freie Welt der Zukunft, oder faulen, verschimmelten Kitt der Vergangenheit?

    • Den Hinweis, dass hier bei vielen, sicherlich richtigen Analysen des Fachmannes sehr pauschalisiert wird, den finde ich sehr richtig und wichtig.
      Darüber hinaus fehlt mir in Bezug auf die scharfe Kritik an den Methoden der Gelsenkirchener Klinik ein konkreter Tip, was Eltern mit wenig Einkommen denn machen können, wenn sie in einer so schwierigen Situation sind. Kann man denn mal eben bei Herrn Ruppert anrufen und der klärt dann in 45min jedes Problem? Und sein Honorar? Wird das von der Krankenkasse übernommen?
      Bei dem vorherigen Rubikon-Artikel von Birgit Assel läd sie auch am Schuss betroffene Eltern ein, sich bei ihr zu melden, wenn sie merken, was für eine Gewalt ihnen in der besagten Klinik angetan worden sei . Ist das ein Angebot ohne nachfolgende Honorarforderungen? Was machen Betroffene, die sich nach dem Lesen dieser Artikel nicht mehr nach Gelsenkirchen trauen? Können die sich auch bei Frau Assel melden?
      Da hätte ich gerne konkrete Antworten und Hinweise für akut Betroffene von den Autoren (ausser sich selber, das röche ja nach Interessenkonflikt, oder?). Ansonsten habe ich hier das gleiche Gefühl wie bei unseren Politikern, dass nämlich das Verständnis für den einfachen Menschen unserer Gesellschaft fehlt, weil man sich nur noch in Kreisen bewegt, die sich mit den einfachen, existenziellen Sorgen der „Normalbürger“ nie herumschlagen müssen. Aus dieser Perspektive betrachtet erscheint es mir sogar etwas billig, den betroffenen Menschen eine ihnen erschwingliche Methode zu verteufeln, ohne eine konkrete Alternative aufzuzeigen.

    • Ich kann leider nicht finden, dass leichtfertig und pauschal von der traumatisierten Gesellschaft gesprochen wird.
      Nach meinen Beobachtungen ist das eine Tatsache. Der Grad der Traumatisierung ist sicher unterschiedlich und auch der Grad der eigenen Auseinandersetzung mit den daraus resultierenden Verhaltensweisen. Irgendwer der nicht davon betroffen ist, ich weiß nicht, ob es so jemanden gibt

      Wenn man vorhat. Kinder zu entziehen, wird man Gründe finden und sich nicht bemühen Herrn Ruppert zu zitieren. Es wäre ja unlogisch, wenn Traumatisierte anderen Traumatisierten die Rechte beschneiden.
      Traumatisierte Entscheider sind für alle eine Bedrohung.
      Und selbst wenn, so sollte man Tatsachen eben nicht verschweigen.
      Wie er damit umgehen will, liegt bei jedem selbst. (Hinweise, was man selbst tun kann, hätte ich für durchaus angebracht gehalten, aber es kann und darf sich jeder umfassend informieren, hier greift die Zensur noch lange nicht so scharf)

      Von daher würde ich auch zurückweisen, dass der Zustand unserer Gesellschaft nur eine Folge, der Traumatisierung ist. Eher ist die Traumatisierung auch eine sich selbst erhaltende Folge der gesellschaftlichen Verhältnisse.
      Je mehr wir uns der Tatsachen bewusst sind, um so eher ist eine Änderung möglich.

      Außerdem muss ich sagen, dass ich etwas gegen die pauschale Verunglimpfung von Krippen, Kindergärten, Schulen usw. habe.
      Für manche Kinder ist das leider die einzige Chance und ob das für die Kinder ein Trauma ist, hängt nicht ganz unwesentlich von den Eltern ab.
      Ich hänge auch nicht der Theorie an, die zwar oft behauptet, aber letztlich meines Wissens unbewiesen ist, dass nur die Mutter in der frühen Kindheit erforderlich und unersetzlich ist. Da denke ich eher, dass eine sehr überschaubare Anzahl enger Bezugspersonen wichtig ist, schon weil das eine gewisse Vielfalt garantiert, leider aber auch ein gegeneinander arbeiten ermöglicht. Und ich halte eine gesunde Skepsis gegenüber Laienerziehern durchaus für angebracht.

  2. Danke für den Artikel!!! Endlich mal Ursachenforschung, statt Symptombekämpfung.

    Und wenn ich könnte, würden alle meine Vor-Kommentatoren ein dickes + für ihren Kommentar bekommen. Warum gibts diese Funktion hier eigtl nicht? Hallo Admin *wink* Verbesserungsvorschlag. 🙂

  3. Es ist zweifellos wichtig die Ergründung von menschlichen Konflikten, auch Eltern-Kinder-Konflikten, in den Traumen zu suchen. Es hat sicherlich einen erheblichen Anteil an den sogenannten Spätfolgen (psychischer oder psychosomatischer Natur).
    Doch wird hier, mal wieder bei solchen Betrachtungen, die Sicht auf das Ganze zu sehr nur auf eine Sache fokussiert.
    Was ist mit dem Einfluss und der unbeschreiblichen, negativen Wirkung der Impfungen? Was ist mit der meist ungesunden, weil belasteten und chemischerzeugten bzw.- behandelten Ernährung? Was ist mit der Luft- und Wasserverschmutzung?
    Als ob diese Faktoren keine Rolle für die Psyche und deren gesundheitlichen Zustand eines Menschen (besonderes einen kleinen Menschen) spielen würden.

    • All die genannten Faktoren, und noch viel, viel, viel mehr spielen eine Rolle in der Gesundheit der Kinder. vergiss aber nicht, dass psychische „Unstimmigkeiten“ genau zu diesen, vorher genannten, Faktoren führ(t)en.

    • Das alles reicht sich die Hand, finde ich auch. Letztendlich resultieren diese ganzen Symptome ja aus der Verfasstheit unserer Gesellschaft in der Form, dass ein traumatisierender Staat und traumatisierende, weil Gehorsam fordernde Macht, über uns allen steht und uns krank macht. Das bringt dann auch krankmachende Nahrung hervor usw.

  4. Die Angst, den eigenen Traumatas zu begegnen, hat einerseits ihre Berechtigung, denn sie schützt davor, von diesen (vor langer Zeit) abgespaltenen Gefühlen überrannt zu werden. Man spricht dann von Retraumatisierung. Doch, nur wenn ich diese Trennungen – von Schmerz – integriere, finde ich (wieder) zu meiner Identität, zu meinen wahren schöpferischen Potentialen.

    Dabei ist es auch wichtig, diese Angst als Überlebensmechanismus zu erkennen. Zu Überlebensmechnismen gehören auch Zorn, Agression (Zerstöre bevor es dich zerstört) oder Verdrängung (Alles ist gut, wir machen uns die Welt schön) ……
    Integrierter Zorn (z.B. auf den Vater) führt sozusagen zur Liebe – zu seinem Partner zu seinen Kindern. Denn er wird als natürliches Gefühl empfunden, zu sich gehörend, und er (der Zorn) erfährt dann eine ganz eigene Dynamik mit defensiven Charakter, nicht als zerstörerische alles vernichtende Kraft. Mit dieser Dynamik beschützen wir z.B. unsere Kinder vor tatsächlichen Gefahren…

    Nur in einem wahren Ich, in einer aufgerichteten Identität, ist es möglich Kinder, auf eine Welt vorzuebereiten, auf deren verschiedenen Ebenen des Umgangs miteinander sie dann als Erwachsene im konstruktiven Sinne Einfluss nehmen können.
    Ich meine, erleben Kinder ihre Eltern in ihrer wahren Identität, erst dann bekommen sie Liebe, Geborgenheit, begegnen ihnen ihre Eltern auf Augenhöhe. Somit ERFAHREN sie auch ihre eigenen Grenzen und zwar auf ganz natürliche Weise, ohne dass diese von außen, gar manipulativ und mit Gewalt durchgesetzt werden müssen…..

  5. Ein sehr guter Text!
    Es ist so wichtig und bedeutsam, zu erkennen, dass wir uns mit dem Thema Trauma beschäftigen müssen, wenn wir echte Lösungen für bestehende Probleme erarbeiten wollen.
    Das Buch von Franz Ruppert „Trauma, Angst und Liebe“ habe ich vor einiger Zeit gelesen und kann es wirklich sehr empfehlen.

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