Die Rufmordkampagne gegen Julian Assange

Die Liste der Vorwürfe, die man in den Mainstream-Medien gegenüber Julian Assange lesen kann, ist lang. Allerdings sind die meisten davon weit hergeholt und nicht durch Fakten belegbar. Die Autorin Caitlin Johnstone hat sich die Mühe gemacht, diese in dem Artikel „Entlarvung aller Verleumdungen über Julian Assange“ zusammenzufassen und entsprechend zu widerlegen.

Von Andrea Drescher.

Caitlin Johnstone ist auf alles Bekannte im Zusammenhang mit Julian Assanges Verhalten eingegangen – es kommen ja immer wieder neue Diffamierungen an die Öffentlichkeit, um Assange zu diskreditieren. Zum Zeitpunkt der Übersetzung ihres Artikels, der vollständig online unter http://www.free21.org/entlarvung-aller-verleumdungen-von-julian-assange zu lesen ist, ging es um folgende Anwürfe:

  1. „Er ist kein Journalist.“
  2. „Er ist ein Vergewaltiger.“
  3. „Er hat sich in der Botschaft vor Vergewaltigungsvorwürfen versteckt.“
  4. „Er ist ein russischer Agent.“
  5. „Er wird wegen kriminellen Hackens verfolgt, nicht wegen Journalismus.“
  6. „Er sollte einfach nach Amerika gehen und die Suppe auslöffeln. Wenn er unschuldig ist, hat er nichts zu befürchten.“
  7. „Er hatte sich vor dem Gerichtstermin gedrückt, da mussten die Briten ihn festnehmen.“
  8. „Er ist ein Narzisst/ein Größenwahnsinniger/ein Idiot.“
  9. „Er ist ein scheußliches, schreckliches Monster wegen X, Y und Z – aber ich denke nicht, dass er ausgeliefert werden sollte.“
  10. „Trump wird ihn retten und die beiden werden zusammenarbeiten, um den Tiefen Staat abzuschaffen. Entspannt euch, Ihr werdet schon sehen.“
  11. „Er hat Scheiße an die Wände geschmiert. Scheiße, Scheiße, Scheißer.“
  12. „Er stinkt.“
  13. „Er war ein schlechter Hausgast.“
  14. „Er arbeitete heimlich mit Don jr. zusammen.“
  15. „Er veröffentlicht nur Vertrauliches über Amerika.“
  16. „Er ist ein Antisemit.“
  17. „Er ist ein Faschist.“
  18. „Er war ein Trump-Unterstützer.“
  19. „Ich fand ihn eigentlich ganz gut, bis er die Wahl 2016 zerstörte.“ / „Ich hielt eigentlich nichts von ihm, bis er die Wahl 2016 rettete.“
  20. „Er hat Blut an seinen Händen.“
  21. „Er veröffentlichte die Details von Millionen türkischer Wählerinnen.“
  22. „Er unterstützte rechte politische Parteien in Australien.“
  23. „Er gefährdete das Leben schwuler Saudis.“
  24. „Er ist ein CIA-Agent/Limited Hangout.“
  25. „Er misshandelte seine Katze.“
  26. „Er ist ein Pädophiler.“
  27. „Er log bezüglich Seth Rich.“
  28. „Er hat niemals etwas über Trump geleakt.“
  29. „Er arbeitete heimlich mit Nigel Farage zusammen.“

Allein die Vielfalt zeigt, dass man es darauf anlegt, kein gutes Haar an dem australischen Wikileaks-Gründer und Kämpfer für Presse- und Meinungsfreiheit zu lassen.

Ein kurzer Auszug aus der Einleitung:

„Die korrupte und von niemandem zur Verantwortung zu ziehende Macht benutzt ihren politischen [1] und medialen [2] Einfluss, um Assange zu diskreditieren …. Wenn alle dazu gebracht werden können ihn mit Hass und Ekel zu sehen, werden sie weit weniger geneigt sein, Wikileaks-Veröffentlichungen ernst zu nehmen, und sie werden weit mehr geneigt sein, Assanges Inhaftierung zuzustimmen. Und damit einen Präzedenzfall [3] für die zukünftige Verfolgung von Journalisten in aller Welt zu schaffen, die geleaktes Material publizieren. Jemand kann 100% die Wahrheit sagen, aber wenn man ihm misstraut, wird man nichts von dem glauben, was er sagt. …  Diejenigen von uns, die Wahrheit und Licht schätzen, müssen diese Schmutzkampagne bekämpfen, um unsere Mitmenschen davon abzuhalten, einen großen Sprung in Richtung Orwell’scher Dystopie abzusegnen – und ein großer Teil dieses Kampfes besteht darin, gegen Desinformation und Diskreditierung zu argumentieren, wo immer sie auftauchen …“

Caitlin Johnstone hat einen Werkzeugkasten geschaffen, den man nutzen kann, um der Desinformation mit faktenbasierter Argumentation zu begegnen, in dem sie jeden einzelnen der genannten 29 Punkte analysiert und zerlegt hat.

Exemplarisch folgen hier einige Auszüge der Argumentation zu den gravierendsten Verleumdungen, die immer wieder gegen Assange zu finden sind. Neben der Behauptung, er sei kein Journalist, sind Vergewaltiger, Hacker, Russischer Agent, Antisemit und Faschist die heutzutage wohl gängigsten Begriffe, um seine Person medial zu zerstören.

  1. Verleumdung: „Er ist kein Journalist.“

„Doch, ist er [25]. Die Veröffentlichung relevanter Informationen, damit die Öffentlichkeit sich selbst über das Weltgeschehen informieren kann, ist das, was Journalismus ausmacht. Aus diesem Grund wurde Assange gerade erst mit dem GUE/NGL-Preis für „Journalisten, Whistleblower und Verteidiger des Rechts auf Information“ ausgezeichnet [26], weshalb das Team von WikiLeaks viele renommierte Preise für Journalismus eingeheimst hat [27] und weshalb Assange ein Mitglied der Australischen Medien-Gewerkschaft ist [28]. Erst als Menschen damit anfingen, ernsthaft die echten Gefahren zu betonen, die seine Verhaftung für die Pressefreiheit darstellt, wurde es Mode überall herumzublöken: „Assange ist kein Journalist.

Das Argument, wenn man es überhaupt so nennen kann, ist, da Assange ja keinen Journalismus in konventionellem Sinn ausübt, könne die fingierte Anklage gegen ihn [29] wegen seiner Rolle bei den Manning-Leaks auf keinen Fall eine Bedrohung für andere Journalisten auf der ganzen Welt darstellen, die geleakte Dokumente, welche Vergehen der US-Regierung aufdecken, veröffentlichen möchten. … Da WikiLeaks jetzt das Label hat, das Pompeo sich ausdachte, kann es keinen Schutz der Pressefreiheit mehr genießen und sollte daher zerstört werden… Das nächste Mal, wenn sie jemanden anklagen wollen, weil er etwas Ähnliches getan hat wie Assange, werden sie es einfach tun, unabhängig davon, ob du glaubst, dass die nächste Person ein Journalist ist oder nicht …“

  1. Verleumdung: „Er ist ein Vergewaltiger.“

„Das Feedback, das ich bei der Zusammenstellung dieses Artikels erhalten habe, deutet darauf hin, dass dies das ist, womit Assanges Verteidiger am meisten zu kämpfen haben, und das ist verständlich: Es ist eine komplexe Situation, die mehrere Regierungen, eine Fremdsprache, ein ausländisches Rechtssystem, viele juristische Fachbegriffe, viele verschiedene Personen, einige emotional heikle Themen und eine ausgiebige Menge an Informationen umfasst …

Das stärkste, einfachste und offensichtlichste Argument gegen die „Vergewaltiger“-Verleumdung ist, dass es sich um eine unbewiesene Behauptung handelt, die Assange [32] immer von sich gewiesen hat [33], und man müsste verrückt sein, um eine völlig unbewiesene Anschuldigung gegenüber einem bekannten Opfer von US-Geheimdiensten zu glauben. Es ist genauso dumm, wie unbewiesene Behauptungen über Regierungen zu glauben, die Ziel eines US-Regimewechsels sind, wie etwa der Glaube, dass Saddam Massenvernichtungswaffen hatte …

Ich weiß, dass uns allen gesagt wurde, dass wir allen Frauen vorbehaltlos glauben müssen, die sagen, dass sie vergewaltigt wurden, und im Allgemeinen ist es eine gute Idee, die patriarchalische Gewohnheit unserer Gesellschaft aufzugeben, diejenigen nicht ernst zu nehmen, die sagen, dass sie vergewaltigt wurden. Aber sobald man das zu einer harten, strengen Regel macht, die keinen Spielraum mehr dafür lässt, die Pläne der Mächtigen in Frage zu stellen, kannst du hundertprozentig sicher sein, dass die Mächtigen anfangen werden, diese Regel zu benutzen, um uns zu manipulieren …“

Nach einer Zusammenfassung der Artikel über die Einzelheiten der schwedischen Ermittlungsverfahren weist sie darauf hin:

„Dies alles geschah nur wenige Monate, nachdem Assange die US-Kriegsmaschine mit der Veröffentlichung des Collateral Murder-Videos [39] erzürnt hatte, und es war bereits bekannt, dass US-Behörden auf der Jagd nach ihm waren [40]

Nachdem ein Haftbefehl erlassen wurde, setzte eine Oberstaatsanwältin namens Eva Finne ihre Autorität ein und hob diesen auf, und am 25. August ließ sie die Angelegenheit vollständig fallen und sagte, dass die Beweise „keinerlei Verbrechen enthüllten“ [44].

Am 30. September ging Assange freiwillig zur Polizei, um eine Aussage zu machen. In der Aussage sagte er dem Beamten, dass er befürchte, dass diese in der Expressen landen würde. Woher ich das weiß? Die vollständige Aussage wurde an die Expressen geleakt.

Assange blieb fünf Wochen in Schweden und wartete darauf, verhört zu werden, dann ging er nach Großbritannien, nachdem ihm ein Staatsanwalt gesagt hatte, dass man ihn nicht wegen eines Verhörs suchen würde.

Nach der Abreise gab InterPol bizarrerweise eine Red Notice für Assange heraus, die normalerweise Terroristen und gefährlichen Kriminellen vorbehalten ist, nicht angeblichen Erstvergewaltigern. Diese äußerst unverhältnismäßige Reaktion ließ bei Assanges Rechtsabteilung sofort den Verdacht aufkommen, dass es sich hierbei nicht nur um Vergewaltigungsvorwürfe handelte, und sie beschlossen, gegen seine Auslieferung nach Schweden zu kämpfen, aus Angst, dass es zu einer Auslieferung an die Vereinigten Staaten kommen würde, einem Land, das von WikiLeaks erst kurz zuvor mit äußerst peinlichen Leaks über Kriegsverbrechen in Verlegenheit gebracht worden war.

Im Dezember 2010 ging Assange wie vereinbart zu einer britischen Polizeistation und wurde verhaftet. Er verbringt zehn Tage in Einzelhaft und wurde auf Kaution freigelassen, dann verbrachte er 550 Tage unter Hausarrest mit einer elektronischen Fußfessel.

Wir wissen jetzt, dass bereits zu dieser Zeit eine Grand Jury in East Virginia eingerichtet worden war, um ein Verbrechen zu finden, für das er gehängt oder zumindest bis zum Ende seines Lebens weggesperrt werden sollte. Assanges Anwälte waren sich dessen bewusst.

Der Oberste Gerichtshof Großbritanniens entschied, dass Assange an Schweden ausgeliefert werden sollte, die Schweden weigerten sich, die Zusicherung zu geben, dass er nicht an die USA ausgeliefert werden würde, und die USA weigerten sich, irgendeine Zusicherung dafür zu geben, dass sie seine Auslieferung und Anklage nicht fordern würden. Hätte eines der beiden Länder eine solche Zusicherung – wie von Amnesty International [45] gefordert – abgegeben, wäre Assange nach Schweden gereist und die ganze Qual wäre zu Ende gewesen.

Sie wurde nie beendet, weil es nie um Vergewaltigung oder Gerechtigkeit ging [46]. Es ging um die Auslieferung von Assange an die Vereinigten Staaten wegen seiner Veröffentlichungen …“

Nach zahlreichen weitere Details führt sie u.a. einen Artikel von Women Agains Rape im Guardian [69] ein. Dort findet man:

„Wir sind Women Against Rape, aber wir wollen nicht, dass Julian Assange ausgeliefert wird – seit Jahrzehnten kämpfen wir dafür, dass Vergewaltiger gefasst, angeklagt und verurteilt werden. Aber die Verfolgung von Assange ist eine politische.“

Und auch ihr Resümee überzeugt:

„Schließlich bleibt die Tatsache bestehen, dass, selbst wenn Assange irgendwie der Vergewaltigung für schuldig befunden werden sollte, das Argument „er ist ein Vergewaltiger“ kein legitimer Grund dafür ist, eine US-Auslieferung und -Anklage zu unterstützen, die einen Präzedenzfall für die allseitige Bedrohung der Pressefreiheit schaffen würde …“

  1. Verleumdung: „Er ist ein russischer Agent.“

„Nicht einmal die US-Regierung behauptet, dass WikiLeaks die Veröffentlichung der E-Mails der Demokratischen Partei absichtlich mit dem Kreml koordiniert hat. Im Bericht von Sonderermittler Robert Mueller hieß es lediglich [74], dass Guccifer 2.0 die Quelle der E-Mails war, und dass Guccifer 2.0 eine Persona gewesen sei, die verdeckt von russischen Verschwörern betrieben wurde. Das Narrativ, Assange habe wissentlich insgeheim mit der russischen Regierung zusammen gearbeitet oder sei gar von ihr angeheuert worden, ist eine Wahnvorstellung, ein Produkt der übergeschnappten Russlandhysterie, welche sich in alle Ecken des politischen Mainstreamdiskurses ausgebreitet hat. Dafür gibt es keine Beweise und alle, die so etwas behaupten, sollten korrigiert und entlarvt werden …

Die einzigen, die behaupten, dass Assange ein russischer Agent sei, sind diejenigen, welche unglücklich sind mit den Enthüllungen von WikiLeaks, seien es die Kriegsverbrechen der USA oder die korrupten Manipulationen einiger Führer der Demokratischen Partei. Diese Verleumdung ist vollkommen gegenstandslos und sollte als solche behandelt werden.“

  1. Verleumdung: „Er wird als Hacker verklagt, nicht als Journalist.”

„Nein, die Anklage richtet sich gegen seine journalistische Tätigkeit. Assange wird auf der Grundlage genau des selben Beweismaterials angeklagt [90], zu dem die Obama-Regierung Zugang hatte, als sie untersuchte, ob er wegen seiner Rolle bei den Manning Leaks angeklagt werden könnte. Die Regierung Obama entschied, dass Assange unmöglich auf Grundlage der Beweise belangt werden könnte [91], weil das die Pressefreiheit gefährden würde. Die Dinge, die Assange vorgeworfen werden, gehören zum journalistischen Alltag, wie auch Micah Lee und Glenn Greenwald von The Intercept erklärt haben [92]: Versuchen, einer Quelle dabei zu helfen, unerkannt zu bleiben, Maßnahmen ergreifen, um zu versuchen, ihre Kommunikation zu verbergen, und Manning ermutigen, mehr Material bereitzustellen. Das ist alles, was Assange vorgeworfen wird; in der Anklage selbst kommt ,Hacking’ nicht vor

Der einzige Unterschied zwischen der Obama- und der Trump-Regierung ist, dass letztere eine erhöhte Bereitschaft aufweist, den Journalismus anzugreifen. Assange wird wegen seiner journalistischen Tätigkeiten verfolgt.

Außerdem gibt es allen Grund zu der Annahme, dass die neue Anklage, welche sich die Trump-Regierung aus den Fingern gesogen hat, nur ein Trick ist, um Assange auf den Boden der USA zu bringen, wo er mit weitaus schwereren Anklagen, einschließlich Spionage [98], vernichtet werden kann …

Wenn Assange, was viele erwarten, an die Vereinigten Staaten ausgeliefert wird, wird die Regierung eine Anklage wegen seiner angeblichen Beeinflussung der Wahl gegen ihn erheben können. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich die Regierung weitere Klagen gegen Assange ausdenken wird.

Falls dies eintritt, wird Assange nicht fünf Jahre wegen Delikten am Computer hinter Gittern verbringen, was das Maximum der gegenwärtigen Anklage wäre; sie würden ihn jahrzehntelang wegsperren …“

  1. Verleumdung: „Er ist ein Antisemit.“

„Ja, ja, wir alle wissen inzwischen [136], dass jeder, der sich der imperialen Kriegsmaschine in irgendeiner Weise widersetzt, sowohl ein russischer Agent als auch ein Antisemit ist. Jeremy Corbyn weiß es [137], Ilhan Omar weiß es [138], wir alle wissen es.

Diese Verleumdung ist schon eine Weile in der Welt, seit die Schlagzeilen 2011 plärrten [139], dass Assange sich nach einem Gespräch mit Private Eye Editor Ian Hislop über eine „jüdische Verschwörung“ gegen ihn beschwert habe. Assange reagierte auf diese Behauptung wie folgt:

,Hislop hat fast jede entscheidende Behauptung und Phrase verzerrt, erfunden oder falsch in Erinnerung behalten. Insbesondere ist die „jüdische Verschwörung“ völlig falsch, dem Sinne und dem Wort nach. Es ist ernst und beunruhigend. Anstatt eine Verleumdung zu korrigieren, hat Herr Hislop nicht ganz überraschend versucht, eine Verleumdung mit einer anderen, ähnlich ausgerichteten, zu rechtfertigen. Dass er dafür berüchtigt ist und man ihm nachsagt, dass er als Folge davon im Vereinigten Königreich mehr Verleumdungsklagen erhalten hat als jeder andere Journalist, heisst nicht, dass es richtig ist. WikiLeaks fördert das Ideal des „Wissenschaftsjournalismus“ – bei welchem dem Leser die zugrunde liegenden Beweise aller Artikel in der präzisen Reihenfolge zur Verfügung stehen, gerade um solche Verzerrungen zu vermeiden. Wir schätzen unsere starke jüdische Unterstützung und unser Personal, ebenso wie die Unterstützung von panarabischen Demokratie-Aktivisten und anderen, die unsere Hoffnung auf eine gerechte Welt teilen.’

,Wir schätzen unsere starke jüdische Unterstützung und unser Personal.’ Mann, was für ein Nazi …

  1. Verleumdung „Er ist ein Faschist.“

„Im Gegensatz zu den meisten Assange-Verleumdungen findet man diese häufiger bei der politischen Linken als in der Mitte, und das verblüfft mich sehr. Die Forderung, dass Regierungen transparent sein sollen und mächtige Menschen zur Verantwortung gezogen werden müssen, ist doch keineswegs mit Faschismus vereinbar. Eigentlich ist es genau das Gegenteil.

Stephania Maurizi, italienische investigative Journalistin und langjährige WikiLeaks-Mitarbeiterin schrieb Micah Lee [156] im vergangenen Jahr folgendes auf Twitter: „Ich bin seit 2009 als Medienpartner tätig, ich spreche aus eigener Erfahrung: Ich habe ÜBERHAUPT NIEMALS Frauenfeindlichkeit oder Faschismus, die Entschuldigung von Vergewaltigung oder Antisemitismus erlebt. Ich habe Antifaschismus tief in meiner DNA, wegen der Folgen, die der Faschismus für meine Familie hatte.“

Ich weiß wirklich nicht, wie die Leute das in ihrem Kopf hinkriegen. „Wisst ihr, wer der echte Faschist ist? Es ist der Typ, der von der gewalttätigsten und unterdrückerischsten Regierung der Welt hinter Gittern eingesperrt wurde, weil er sich gegen die Kriegsverbrechen dieser Regierung gestellt hat.“ Also wirklich …

Immer wenn mir jemand begegnet, der diese Verleumdung verbreitet, sage ich normalerweise etwas wie „Du weißt, dass es mächtige Regierungsdienste gibt, die dich das aus eigennützigem Interesse Glauben machen wollen, oder?“ Assange wie einen Mann des rechten Flügels aussehen zu lassen, war enorm erfolgreich bei der Zerstörung seiner Unterstützung seitens der Linken, so dass ihm nur die Unterstützung der Rechten blieb. Diese ist häufig wertlos, wenn es um den Kampf der Trump Regierung gegen WikiLeaks geht. Teile und herrsche funktioniert.“

Nicht nur was – auch wie diskutiert wird

Der Artikel von Caity Johnstone  bietet aber auch hilfreiche Denkanstöße, wie und mit welchem Bewusstsein man Diskussionen führen sollte. Auch hier ein Auszug.

„Sei Dir klar darüber, dass es dein Ziel ist, die Desinformationskampagne selbst zu bekämpfen, nicht gegen die Person zu gewinnen, mit der du dich auseinandersetzst, oder diese umzustimmen.

Behalte im Hinterkopf, dass, mit wem auch immer Du gerade debattierst, derjenige wahrscheinlich gar nicht wirklich viel über den Hintergrund seiner eigenen Behauptungen weiß.

Denk daran, dass die Last der Beweisführung bei demjenigen liegt, der eine Behauptung aufstellt.

Weise andere bei jeder Gelegenheit darauf hin, dass sie eine Rufmordkampagne weiterverbreiten.

Mach deutlich, dass es um Assanges Inhaftierung und Auslieferung geht.

Verlass dich so stark wie möglich auf Tatsachen und so wenig wie möglich auf Meinung.“

Diese Denkweise ist sicher nicht nur im Kampf um die Rufmordkampagne gegen Assange geeignet, es lohnt sich, sich mit den Details näher zu beschäftigen. Die vollständige deutsche Übersetzung (Stand 15.5.2019) des lesenswerten Textes von Caitlin Johnstone findet man online unter http://www.free21.org/entlarvung-aller-verleumdungen-von-julian-assange

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Danke an Free21 für das Recht zur Veröffentlichung.

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3 Kommentare zu: “Die Rufmordkampagne gegen Julian Assange

  1. Für Julian Assange habe ich eine Kerze angezündet.
    Ich weiß, das ist sehr wenig, aber sie erinnert mich
    an das Leid, das Menschen ertragen müssen.
    Sie hilft mir für das Richtige, das Rechte und Gute zu kämpfen.
    Ich weiß, das ist sehr wenig, aber jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt.

    Andrea, danke für die wunderbare Zusammenfassung und für den argumntativen Werkzeugkasten mit den vielen Warnschildern möglicher Fallensteller.

  2. Alles Gute für Julian Assange.

    Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Bob.

    Meistens
    Habe ich alles klar im Griff
    Meistens …
    Schaffe ich es, mit beiden Füßen auf dem Boden zu stehen
    Kann ich dem Weg folgen, die Schilder verstehen
    Auf Kurs bleiben, wenn die Straße unübersichtlich wird
    Ich kann ich mit allem umgehen, worüber ich stolpere
    Ich merke nicht einmal, dass sie weg ist
    Meistens

    Meistens
    Versteht sich alles von selbst
    Meistens …
    Würde ich nichts ändern, selbst wenn ich’s könnte
    Kriege ich alles zusammen, ich komme allein klar
    Kann ich mit der Situation gut umgehen – bis ins Kleinste
    Ich kann überleben, ich kann’s ertragen
    Und ich denke noch nicht mal an sie
    Meistens

    Meistens
    Ist in meinem Kopf alles klar
    Meistens …
    Bin ich stark genug nicht zu hassen
    Gebe ich mich keinen Illusionen hin – solange, bis es mich krank macht
    Habe ich keine Angst vor dem Durcheinander – egal wie schlimm
    Ich kann ich der Menschheit ins Gesicht lächeln
    Ich kann mich nicht mal mehr erinnern,
    wie sich ihre Lippen auf meinen angefühlt haben
    Meistens

    Meistens
    Ist sie nicht mal in meinen Gedanken
    Ich würde sie nicht erkennen, wenn ich sie sähe
    So weit liegt sie zurück
    Meistens
    Bin ich mir nicht einmal sicher
    Ob sie jemals mit mir zusammen war oder ich mit ihr

    Meistens
    Bin ich halbwegs zufrieden
    Meistens
    Weiß ich genau, wie alles gelaufen ist
    Ich betrüge mich nicht, ich laufe nicht weg und verstecke mich nicht
    Vor den Gefühlen, die in mir vergraben sind
    Ich mache keine Kompromisse und mache mir nichts vor
    Es ist mir sogar egal, ob ich sie jemals wiedersehe
    Meistens

    Bob Dylan / Most of the Time

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