Die USA unter Trump: Internationale Verträge kündigen, Krieg vorbereiten

Von Ernst Wolff

US-Präsident Trump hat vergangene Woche angekündigt, dass die USA nach Nicaragua und Syrien als drittes Land aus dem Pariser Klimaabkommen vom Dezember 2015 ausscheren werden. Die Entscheidung, so erklärte er, werde seinem Land Ausgaben ersparen, Arbeitsplätze erhalten und die internationale Wettbewerbsfähigkeit seiner Industrie fördern.

Die Reaktion vor allem der europäischen Politik glich einem Aufschrei: Trump boykottiere mit der Kündigung die aufrichtigen Bemühungen des Rests der Welt um ein besseres Klima, hieß es, und verabschiede sich damit aus der westlichen „Wertegemeinschaft“.

Wer immer sich die Mühe macht, die Vereinbarungen von Paris näher zu betrachten, muss sich angesichts solcher Aussagen verwundert die Augen reiben: Das Pariser Abkommen enthält lediglich die Absichtserklärung, die globale Erwärmung auf „deutlich unter 2 Grad Celsius“ zu begrenzen. Es enthält keine einzige Passage, die der Mehrheit der Teilnehmer die Möglichkeit gibt, säumige Unterzeichner zu bestrafen oder zur Umsetzung der Beschlüsse zu zwingen.

Wieso also macht sich US-Präsident Trump die Mühe, ein Abkommen zu kündigen, das er ohne Mühe einfach hätte ignorieren können? Und wieso entrüsten sich vor allem europäische Politiker derart heftig? Der Grund für beide Verhaltensweisen hat wenig mit Klima und Umweltschutz zu tun…

Trumps Kündigung: Gezielte Provokation gegen Konkurrenten der USA 

Präsident Trump hat im Januar die Führung eines Landes übernommen, das sich in einem historischen Abwärtsstrudel befindet: Zwanzig Billionen Dollar Staatsschulden, eine zerfallende Infrastruktur und eine stagnierende Wirtschaft, riesige Blasen an den Anleihe-, Aktien- und Immobilienmärkten, ein nicht mehr zu kontrollierender Finanzsektor und dazu eine Zentralbank, der nach mehreren Rundes des Gelddruckens und jahrelangen Zinssenkungen die Mittel zum Eingreifen ausgehen – die USA stecken in den größten Problemen in ihrer zweihundertjährigen Geschichte.

Wie Trump ihnen begegnen will, zeigt die Zusammensetzung seines Kabinetts: Nachdem er im Wahlkampf versprochen hatte, den „Sumpf in Washington“ trocken zu legen und die USA aus Kriegen herauszuhalten, hat er nach einer 180-Grad-Kehrtwende eine Regierung geschaffen, in der Wall-Street-Banker und Militärs Schlüsselpositionen bekleiden. In den ersten vier Monaten seiner Amtszeit hat er beiden Lagern nach Kräften zugearbeitet: Das US-Militär verfügt über einen höheren Etat und mehr Einfluss als je zuvor und durfte als Drohgebärde gegenüber dem Rest der Welt die größte Bombe seit Hiroshima und Nagasaki auf Afghanistan abwerfen. Die Finanzbranche jubelt, da die Kurse an den Aktien- und Anleihemärkten trotz miserabler Wirtschaftsdaten von einem Rekordstand zum nächsten eilen.

Doch egal, was Trump tut, die Maßnahmen werden nicht ausreichen, um den finalen Kollaps seines Landes abzuwenden: Die US-Wirtschaft kann unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht wieder in Gang gebracht werden, Trumps Wahlversprechen, „Jobs zu schaffen“ oder „millionenfach zurückzubringen“ sind nicht zu verwirklichen. Der Finanzsektor, ohnehin nur durch permanente Manipulation aufrechterhalten, wird weiter wuchern, der Zusammenbruch des Dollarsystems – der wichtigsten Stütze der USA – ist nur noch eine Frage der Zeit.

Dem „vergessenen kleinen Mann“, den Trump und sein Team so oft beschwören, stehen härtere Zeiten als unter allen vorhergehenden Präsidenten bevor. D.h.: Trump wird sich von denen, die ihn gewählt haben, immer weiter entfernen. In dieser Situation bleibt ihm nur eine Option: Krieg. Zum einen, um seine Anhängerschaft von den wahren Problemen der USA abzulenken, zum anderen, um im Rüstungssektor Arbeitsplätze zu schaffen und die Produktion anzukurbeln, um so den Verfall der USA über eine auf Kriegsproduktion umgestellte Wirtschaft zumindest vorübergehend aufzuhalten.

Die Weichen hierfür sind bereits gestellt. Die Auftragsbücher der US-Waffenproduzenten sind prall gefüllt, mit dem Nahost-Verbündeten Saudi-Arabien ist der Krieg im Jemen ausgeweitet worden und Nordkorea hat die größte Zusammenziehung von US-Truppen im Ausland seit Langem gesehen. Gleichzeitig nehmen die Provokationen des US-Establishments gegen Russland, China und Iran zu. Die bisher größte Provokation war neben dem Korea-Aufmarsch der Abwurf der Mega-Bombe auf Afghanistan.

Dennoch kann Trump zurzeit nicht ohne weiteres einen neuen Krieg vom Zaum brechen. Der Grund: Ein Krieg würde der US-Bevölkerung gewaltige Opfer abverlangen und seiner Anhängerschaft deutlich vor Augen führen, wie die 99 Prozent einmal mehr belastet würden, während das eine Prozent der Ultrareichen sich noch hemmungsloser am Kriegsgeschehen bereichert. Deshalb muss Trump in den vor uns liegenden Wochen und Monaten seine mit Abstand schwierigste Aufgabe bewältigen: Die US-Bevölkerung und vor allem sein eigenes Wahlvolk auf einen Krieg einstimmen, dessen Opfer vor allem sie selbst sein werden.

Den Gegner verteufeln, den Krieg aus der Opferrolle heraus bestreiten

Bei seiner medienwirksam inszenierten Kündigung des Klimaabkommens hat Trump eine Taktik angewendet, die in den USA eine über einhundertjährige Tradition besitzt: Er stellt andere Länder als Bedrohung für die USA dar und rückt das eigene Land in die Opferrolle. Während seiner Rede im Rosengarten des Weißen Hauses wies Trump immer wieder darauf hin, dass zahlreiche internationale Abkommen die USA gegenüber ihren Konkurrenten am Weltmarkt benachteiligten und es daher aus reinem Selbstschutz notwendig sei, sie zu kündigen.

Die Aussagen entbehren jeder Grundlage und treffen weder auf das Pariser Klimaabkommen, noch auf das bereits gekündigte Transpazifische Abkommen TPP, noch auf das mit Europa abgeschlossene TTIP zu. Sie dienen aber dazu, die wenig informierte Mehrheit der US-Bevölkerung gegen das Ausland aufzubringen und die Probleme der USA als Folge der US-feindlichen Politik ausländischer Mächte dastehen zu lassen. Diese Strategie hat diverse historische Parallelen, darunter das Verhalten der USA in beiden Weltkriegen:

Als es 1917 so aussah, als könne Deutschland den Ersten Weltkrieg gewinnen, fürchteten die USA um ihre an Großbritannien und andere Länder vergebenen Kredite. Da US-Präsident Woodrow Wilson 1916 mit dem Versprechen, die USA aus dem Krieg herauszuhalten, gewählt worden war, ließ die US-Regierung die bis dahin größte PR-Kampagne in der Geschichte des Landes entfachen und verteufelte Deutschland unter Einsatz aller Medien als „Hort des Bösen“. Das Ergebnis: Die US-Bevölkerung nahm den Kriegseintritt widerspruchslos hin.

Im Zweiten Weltkrieg brachten die USA Japan durch gezielte Provokation dazu, einen Angriff auf die US-Flotte im hawaiianischen Hafen Pearl Harbor zu planen. Obwohl die US-Dienste über die japanischen Angriffspläne informiert waren, ließ Präsident Roosevelt den Angriff geschehen und mehr als tausend junge Amerikaner durch die japanische Luftwaffe töten, um so aus der Opferrolle heraus in den Krieg einzutreten.

Auch in späteren US-Kriegen wurde diese Taktik angewandt: Der Einstieg in den Vietnamkrieg wurde damit begründet, dass Nordvietnam die US-Flotte im Golf von Tonkin beschossen habe – eine inzwischen als Lüge entlarvte, aber von der US-Regierung jahrelang aufrecht erhaltene Version. Zum Einstieg in den Irakkrieg wurde vor den Kameras der gesamten Welt behauptet, Saddam Hussein bedrohe die Welt durch Massenvernichtungswaffen – eine ebenfalls inzwischen als Lüge entlarvte Fabrikation der US-Geheimdienste.

Dass Trump derzeit alle Register zieht, wenn es um die Verteufelung des Auslandes geht, zeigt, ist kein Zeichen der Stärke, sondern verdeutlicht, wie groß die Probleme der Noch-Supermacht USA sind. Und wenn europäische Politiker Trumps Kündigung des Klimaabkommens kritisieren, dann liegt das nicht daran, dass ihnen das Klima oder der Umweltschutz so sehr am Herzen liegen, sondern einzig und allein daran, dass sie jede Gelegenheit ergreifen, um von dem horrenden Berg von Problemen, vor dem sie selber stehen, abzulenken – notfalls auch auf Kosten der guten Beziehungen zu ihrem Verbündeten USA.

Ernst Wolff ist freier Journalist und Autor des Buches „Weltmacht IWF – Chronik eines Raubzugs“, erschienen im Tectum-Verlag, Marburg.

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

13 Kommentare zu: “Die USA unter Trump: Internationale Verträge kündigen, Krieg vorbereiten

  1. Sogar dem Spiegel wird es zu bunt, und das will etwas heißen – ich zitiere mal ausnahmsweise ein deutsches Mainstreamblatt, aus dem heutigen ‚Morning Briefing‘ des Spiegel:

    „Liebe Leserin, lieber Leser,
    für die politischen Unarten des US-Präsidenten hat der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel gestern ein Wort geprägt, das mir sehr gefällt: Trumpisierung. Gemeint ist offenbar die uneingeschränkte Bereitschaft zur Eskalation, die Donald Trumps Außenpolitik kennzeichnet. Im Mittleren Osten zeigt sie bereits Wirkung. Als gäbe es in der Region nicht schon genug Streit, hat Saudi-Arabien eine Allianz gegen das kleine Emirat Katar geschmiedet. Offenbar hatte Trump Riad auf seiner Reise in die Region vor zwei Wochen dazu angestiftet.
    Jedenfalls sieht er die Chaotisierung des Mittleren Ostens als Erfolg im Kampf gegen den Terrorismus.“

    Das ist ernst zu nehmen. Wenn es stimmt, dass Trump die Saudis sogar aktiv gegen Katar – einen westlichen Verbündeten – aufgehetzt hat, ist das eine weitere Grenzüberschreitung der Trump-Regierung und ein Skandal.

    • http://www.voltairenet.org/article196690.html

      Konfrontation im Bilderberg 2017
      von Thierry Meyssan
      Während Präsident Trump seine inländischen Autoritäts-Probleme mehr oder weniger gemeistert zu haben scheint, verlegt sich der Konflikt ins Innere der NATO: Washington ist gegen die Ausnutzung des Terrorismus, während London nicht die Absicht hat, sein wirksames Einfluss-Instrument aufzugeben. Die ursprünglich als Resonanzkörper der Allianz konzipierte Bilderberg-Gruppe wurde nun die Bühne einer schwierigen Debatte zwischen Befürwortern und Gegnern des Imperialismus im Nahen Osten.

      VOLTAIRE NETZWERK | DAMASKUS (SYRIEN) | 7. JUNI 2017

      Dieser Artikel wurde am 4. Juni 2017 geschrieben. Er erwähnt also nicht die aktuelle diplomatische Krise im Nahen Osten, auch wenn diese die Hypothesen bestätigt. Beide Lager beginnen sich zu bilden: auf der einen Seite der Katar und das Vereinigte Königreich, bereits offiziell durch den Iran, die Türkei und die Hamas unterstützt; auf der anderen, Saudi Arabien und die Vereinigten Staaten bereits von Bahrain, Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Israel, Libyen (Regierung von Baida), Malediven, Mauritius und dem Jemen (Abdrabbo Mansour Hadi Regierung) unterstützt.
      Die Bilderberg-Gruppe entstand im Jahre 1954 durch die CIA und den MI6, um die atlantische Allianz zu unterstützen. Es ging darum, Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Medien mit politischen und militärischen Verantwortungsträgern zusammenzubringen, um die Zivilgesellschaft gegen die „rote Gefahr“ zu sensibilisieren. Weit davon entfernt, ein Ort der Entschlussfassung zu sein, ist dieser sehr exklusive Klub seit immer schon ein Forum, wo die Älteren um Treue zu London und Washington wetteifern mussten und die Jüngeren zeigen mussten, dass man ihnen gegenüber den Sowjets vertrauen konnte [1].
      Es war anlässlich der jährlichen Versammlung von 1979, als Bernard Lewis den Anwesenden die Rolle der Muslim-Bruderschaft gegen die afghanische kommunistische Regierung offenbarte. Der britisch-israelisch-US-amerikanische Islamologe hatte damals dort vorgeschlagen, den „Krieg für die Freiheit“ (sic) auf ganz Zentralasien auszuweiten.

      Es war im Jahr 2008, d.h. zweieinhalb Jahre im Voraus, als Basma Kodmani (künftige Sprecherin der syrischen Opposition) und Volker Perthes (der künftige Berater von Jeffrey Feltman für die totale und bedingungslose Kapitulation Syriens [2]) dort die volle Bedeutung einer Unterstützung der Muslim-Bruderschaft klar machten, um den Nahen Osten zu beherrschen. Sie betonten die „Moderation“ der Bruderschaft gegenüber dem Westen im Gegensatz zu dem „extremistischen“ Souveränismus des Iran und Syriens [3].

      Und im Jahr 2013 plädierte dort der Führer der deutschen Arbeitgeber, Ulrich Grillo, für die Organisation einer Massenmigration von 800.000 syrischen Arbeitern für die deutschen Fabriken [4].
      Die Bilderberg-Gruppe hat nun ihre Sitzung vom 1. bis 4. Juni 2017 in die Vereinigten Staaten gehalten. Gegen alle Gewohnheit verteidigten die 130 Teilnehmer nicht alle das gleiche Projekt. Im Gegenteil, nach den Interventionen von Donald Trump auf dem muslimisch-arabischen-USA-Gipfel und in der NATO [5] haben die CIA und der MI6 am ersten Tag eine Debatte zwischen den Befürwortern des Kampfes gegen den Islamismus und seinen Gegnern organisiert. Es handelte sich natürlich darum, entweder einen Kompromiss zwischen den beiden Lagern zu finden, oder um die Zwietracht zu konstatieren und nicht den ursprünglichen Zweck des Bündnisses zerstören zu lassen: den Kampf gegen Russland [6].

      Auf der anti-islamistischen Seite (d.h., nicht gegen die muslimische Religion gerichtet, sondern gegen den politischen Islam von Sayyid Qutb), bemerkte man die Gegenwart von General H. R. McMaster (nationaler Sicherheitsberater von Präsident Trump) und seiner Expertin Nadia Schadlow. McMaster ist ein anerkannter Stratege, dessen Theorien auf dem Schlachtfeld überprüft worden sind. Schadlow arbeitete vor allem auf dem Gebiet, wie man militärische Siege in politische Erfolge verwandeln kann. Sie ist sehr interessiert an der Umstrukturierung der politischen Bewegungen in den besiegten Ländern. Sie sollte nächstens ein neues Buch über die Bekämpfung des islamischen Radikalismus herausgeben.

      Auf der pro-islamistischen Seite bemerkte man für die Vereinigten Staaten die Anwesenheit von John Brennan (ehemaliger CIA-Direktor) und die von seinen ehemaligen Unterstellten: Avril Haines und David Cohen (Finanzierung des Terrorismus). Für das Vereinigte Königreich, Sir John Sawers (ehemaliger Direktor des MI6 und langjähriger Beschützer der Bruderschaft) und General Nicholas Houghton (ehemaliger Stabschef, der den Land-Invasionsplan von Syrien vorbereitete). Für Frankreich, den General Benoît Puga (ehemaliger Stabschef des Elysee-Palasts und Kommandant der Special Forces in Syrien) und Bruno Tertrais (neokonservativer Stratege des Verteidigungsministeriums). Zu guter Letzt, für die Privatwirtschaft, Henry Kravis (Direktor des KKR Investfonds und inoffizieller Schatzmeister von Daesch) und General David Petraeus (Mitbegründer von Daesch).

      Und als ob dieses Ungleichgewicht nicht schon genügte, hatten die Organisatoren die Anwesenheit von Experten vorgesehen, die imstande sind das Unvertretbare zu rechtfertigen, wie Professor Niell Fergusson (Historiker des britischen Kolonialismus).

      Es wird einige Zeit dauern bevor man weiß, was sich auf dieser Sitzung gesagt hat und um die Entschlüsse zu verstehen, die die einen und die anderen daraus gezogen haben. Jedoch können wir bereits sehen, dass London zu einer Veränderung des Paradigmas im Nahen Osten drängt. Wenn das Modell des „arabischen Frühlings“ (Reproduktion der von Lawrence von Arabien organisierten „arabischen Revolte 1916“, um das Osmanische Reich durch das britische Empire zu ersetzen) auch aufgegeben wurde, hofft der MI6 eine neue Allianz auf der Grundlage des politischen Islamismus aufzubauen.

      In der Tat, obwohl Washington seine Allianz mit Saudi Arabien erneuert hat und es überzeugt hat mit der Bruderschaft zu brechen, im Austausch für 110 Milliarden Dollar von Rüstungsgütern [7], drängt London zu einer Vereinbarung zwischen Iran, Katar, der Türkei und der Muslim-Bruderschaft. Würde dieses Projekt fortgesetzt, gäbe es das Ende des Sunniten/Schiiten-Konfliktes und die Schaffung einer „Mondsichel des politischen Islams“, das von Teheran über Doha, Ankara, Idlib, Beirut, und Gaza reichen würde. Diese neue Situation würde dem Vereinigten Königreich weiterhin seinen Einfluss in der Region ermöglichen.

      Das einzige, das unter den Bündnispartnern Konsens zu machen scheint, ist die Notwendigkeit, das Prinzip eines Dschihadisten-Staates aufzugeben. Alle geben zu, dass der Teufel in seine Schachtel zurück muss. Das heißt, mit Daesch Schluss machen, selbst wenn manche mit Al-Kaida weitermachen. Daher schickte der um sein Leben besorgte selbsternannte Kalif heimlich ein Ultimatum an Downing Street und an das Elysee.
      Wir werden in den kommenden Monaten sehen, ob die Wende von Saudi-Arabien wirklich real ist. Es wäre eine gute Nachricht für die Syrer, aber eine schlechte für die Jemeniten (die die westliche Welt damals ignorierte). Sie bietet König Salman die Möglichkeit, den Wahhabismus aus einer fanatischen Sekte in eine normale Religion zu verwandeln. Der plötzliche Konflikt zwischen Riad und Doha wegen dem Iran verstärkt sich bereits in eine Kontroverse über die mögliche Verwandtschaft zwischen dem Gründer der Sekte, Mohammed Ben Abdelwahhab und der Katar-Dynastie der Al-Thani; eine Behauptung, die die Saudis wütend gemacht hat.

      Das Projekt des „politischen Islam“ soll die Muslim-Bruderschaft mit den Khomeini-anhängern vereinen. Dies bedeutet, dass der Iran oder sogar die Hisbollah diese Problematik dem antiimperialistischen Kampf vorzieht. Sollte es sich verwirklichen, würde es sicherlich den Iran dazu bewegen, sich von Syrien zurückzuziehen. Das Weiße Haus nimmt es sehr ernst und bereitet sich mit Schrecken darauf vor. Donald Trump hat bereits Teheran in seiner Rede in Riad als seinen neuen Feind bezeichnet und hat vor kurzem Michael D’Andrea (der die Ermordung von Imad Moughniyeh in Damaskus im Jahr 2008 organisierte) zum Leiter der iranischen Abteilung der CIA ernannt [8].

      Russland hatte sich auf eine neue Ordnung im Nahen Osten vorbereitet. Es verfolgte damit seinen Willen, durch die Unterstützung von Syrien Zugang zu den „warmen Gewässern“ zu erhalten und durch die Meerengen der Dardanellen und des Bosporus (unumgänglich, um in den Mittelmeerraum einzudringen) schifffahren zu können, indem es immer näher an seinen Erbfeind, die Türkei, heranrückt. Jedoch letzten Endes kann der politische Islam ihm nur im Kaukasus Probleme schaffen.

      Wie immer, wenn die Kartenspieler ein neues Spiel beginnen, muss sich jeder neu positionieren. Das Vereinigte Königreich verteidigt sein Empire, Frankreich seine herrschende Klasse und die Vereinigten Staaten ihr Volk. Im Nahen Osten werden einige für ihre Gemeinschaft kämpfen, andere für ihre Ideen. Aber die Dinge sind nicht immer so einfach. So könnte der Iran dem Ideal des Imam Khomeini folgen, indem er Ziele und Mittel vertauscht. Was ursprünglich eine mit der Kraft des Islam geführte antiimperialistische Revolution war, könnte sich in eine bloße Behauptung des politischen Gebrauches dieser Religion verwandeln.

      Der MI6 und die CIA sind ein großes Risiko eingegangen, als sie einen nicht-Atlantiker zur Bilderberg-2017-Versammlung eingeladen haben. Der Botschafter von China, Cui Tiankai, der nur am vierten Tag des Seminars das Wort ergreifen sollte, konnte also vom ersten Tag an die Positionen der einzelnen NATO-Mitglieder studieren.

      Einerseits setzt Beijing auf die Zusammenarbeit mit Donald Trump, auf die Öffnung der Vereinigten Staaten zur asiatischen Investitions-Bank für die Infrastruktur (AIIB) und auf die Entwicklung aller seiner Handelswege. Auf der anderen Seite hofft Beijing, dass der Brexit eine wirtschaftliche und finanzielle Allianz mit London herbeiführen wird [9].

      Botschafter Cui, der Direktor des Zentrums der Politikforschung des chinesischen Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten war, könnte sich offenbar mit einer einfachen Zerstörung von Daesch begnügen. Aber er ignoriert auch nicht, dass diejenigen, die das Kalifat organisiert haben, die „Seidenstraße“ im Irak und in Syrien abgeschnitten, dann den Krieg in der Ukraine entfesselt haben, um auch die „neue Seidenstraße“ abzuschneiden, und dass sie sich präventiv vorbereiten, eine dritte Front auf den Philippinen zu eröffnen und eine vierte in Venezuela, um andere Kommunikationsprojekte abzuschneiden…

      So gesehen ist es Interesse Chinas, wie Russlands, Donald Trump zu unterstützen, sei es auch nur um den Terrorismus im eigenen Land zu verhindern, und China wird sich auf die möglichen langzeitigen Folgen der britischen Hegemonie in der „Mondsichel des politischen Islam“ konzentrieren.

  2. Beim Klimaabkommen geht es ums Geld, sehr viel Geld, über das die zahlenden Nationen keinen Einfluss haben sondern das einer nichtgewählten globalen Instanz zugute kommt. Ich finde einen Ausstieg in Ordnung, und sehe den Schutz der Natur dabei als eine der grössten Herausforderungen unserer Zeit. Klimaabkommen und Naturschutz müssen nicht zwingend was miteinander zu tun haben.

    Die angebliche Opferrolle der USA ist ziemlich lächerlich, aber es muss nicht bedeuten, dass Trump damit die anderen Nationen verteufeln will. Jobs werden anders geschaffen werden können als durch Kriegsindustrie – Trump ist von seiner Biografie her ein Aufbauer, kein Kaputtmacher.

  3. Staatsschulden kann man beim jetzigen Bankensystem nicht mit Sparsamkeit abbauen, weil das Geldsystem fehlerhaft konstruiert ist.

    Mit dem Geschäftsbankensystem ist jedoch nichts anderes möglich.

    Ein einzelnes Land kann dieses System nicht abschaffen.

    Wenn es die Geldschöpfungen der Geschäftsbanken nicht gäbe, dann wüssten wir es nicht, wie Geld auch anders funktionieren könnte.

    Über den Rüstungsdeal von Donald Trump mit Saudi Arabien habe ich mich geärgert und er hat damit eine rote Linie überschritten.

    • Die geradezu absurd servile Unterstützung der Saudi-Islamdiktatur ist aber wahrlich keine Erfindung von Trump. Das machen die USA (inklusive Verbündeter wie Deutschland..) schon sehr lange so. Der Westen hat sich völlig verrannt. Früher – in Zeiten berechtigter Angst vor dem Kommunismus und vor Kräften wie Khomeini – hat man die Saudis bereits deshalb für gute Partner gehalten, weil sie in der Tat freien Markt von Gütern erlauben. Das war natürlich ein Fehler. Man hat das massive Diktatur- und Ideologiepotential der Saudis völlig unterschätzt. Und – betonköpfig wie die Kommunisten des früheren Ostblocks es waren – ist man offenbar nicht willens oder auch nicht in der Lage, das zu korrigieren.
      Trump treibt das Ganze aber auf die Spitze und zelebriert es auch noch medial – Bush oder Obama haben das eher verschämt gemacht und soweit wie möglich aus den Schlagzeilen herausgehalten.

  4. Ich weiß nicht so recht – für mich klingt das nicht so recht schlüssig. Die NYT und Washington Post sind jedenfalls noch nicht auf Trump-Linie gebracht bzgl. dem Klima-Abkommen, oder? Und die Medien sind doch wichtig zur Kriegsvorbereitung, wie Herr Wolff richtig schreibt.

    Vielleicht machen wir hier alle mal wieder den gleichen Fehler und versuchen krampfhaft, eine Logik in jede Aktion von Trump oder anderen Politik-Darstellern zu konstruieren. Oft verfahren die doch einfach nach dem Prinzip „Trial and Error“. Und der Ausstieg aus dem Klima-Abkommen kommt ja bei den Trump-Anhängern vermutlich gut an – ist ja auch schon mal was und kostet Trump ja nichts, außer ein paar Sympathiepunkte bei den europäischen Vasallen. Und Herr Wolff schreibt selbst auch, dass die das gerne aufnehmen, um von eigenen Problemen abzulenken.

    Von dem her ist ja allen geholfen – außer dem Klima – und in ein paar Wochen wird sich niemand mehr an diese Aufregung erinnern. Ganz ehrlich: Wen interessiert es denn auch? Natürlich wäre die Rettung der Natur das wichtigste Thema von allen, aber dazu hat doch dieses lächerliche Klima-Abkommen sowieso nichts beizutragen. Wenigstens ist Trump hier ehrlich – Merkel hingegen beschützt z.B. unsere Diesel-Dreckschleuder-Produzenten in Brüssel und lässt sich gleichzeitig als Klimakanzlerin feiern…

    • Ich sehe in aller Regel Logik bei Trumps Aktionen, allerdings natürlich nicht im Sinne der Bürger, sondern im Sinne seiner politischen Agenda:

      A) 120%ige Establishment-Politik, z.B.
      –das Einreiseverbot für einfache Bürgerinnen und Bürger aus dem Iran und aus einigen anderen Ländern, während die für die politischen Mißstände verantwortlichen Mauschler natürlich (als Mitglieder ‚anerkannter Organisationen‘) weiter reisen durften – wurde zum Glück gekippt, das war SEHR wichtig
      –das versuchte Zusammenstreichen der kostenlosen Kranken-Grundversicherung für Ärmere (die es übrigens auch vor ‚Obamacare‘ schon gab) bei Propagieren von Steuervorteilen für Vermögende
      –die Weiterführung und sogar Verstärkung von aus Sicht der Bürger absurd unsinnigen Bündnissen mit ISlamdiktaturen im Sinne weniger Profiteure

      B) Absichtliche dauernde Falsch-Darstellung dieser unverschämten Establishment-Politik als ‚Antiestablishment‘-Politik mit Hilfe eines an Realsatire grenzenden rechtspopulistsichen Propagandaapparats

      Trump ist meines Erachtens weder unlogisch noch dumm – ich halte ihn sogar für sehr intelligent. Das ist alles ABSICHT und war auch VOR SEINER WAHL so geplant.

  5. Steht Merkel vor der Wahl, sich zu entscheiden, wen sie mehr haßt, Putin oder Trump.
    Und möglicherweise ging es Trump darum, Rußland vor Westeuropa zu schützen?

    Auszug aus: http://katehon.com/article/can-angela-merkel-avoid-trapping-germany-another-two-front-war
    But if the decoupling of the U.S. from Europe dreaded by the globalists in fact comes to pass, we may see both Washington and Berlin seeking to mend some fences with Moscow. In her anti-Trump tirade, Merkel magnanimously made a point of suggesting she would get along «even» with dastardly Russia. Would her Paris satrap Emmanuel Macron have proceeded with Vladimir Putin’s recent visit commemorating 300 years of French-Russian relations if Merkel had been opposed?

    Whatever her preferences, maybe Merkel has no choice to seek her own «Rappallo» if she is to avoid the bind Germany has found itself in twice in the last century – a two front war. (Presumably this time it would be only ideological and moral, not a shooting war.) Simply put, she may have to decide which of the two, Trump or Putin, she hates more.

    Actually, from an America First point of view, confronting Germany and the failing EU/NATO complex from both east and west isn’t a bad idea. As pro-Trump commentator Ann Coulter suggested in a tweet, «We should form a military alliance with Russia to protect it from Western Europe» and its migrant hordes. Maybe that’s what Trump had in mind in the first place.

    • Ich halte Kanzelrin Merkel für professionell genug, diese Art von ‚HAss‘ in der Regel gar nicht erst zu kultivieren und auf jeden Fall aus ihrer Politik herauszuhalten. Außerdem denke ich, dass Merkel auf keinen Fall ihren zahlreichen Gegnern den Gefallen tut, ihnen groß und breit zu erklären, wovor sie politisch gesehen wirklich am meisten Angst hat. Das halte ich aber für relativ unproblematisch, da ich denke, dass ihre politische Agenda im Großen und Ganzen ok ist.

    • PS: Die USA sind und bleiben unser Verbündeter, da kann nicht mal Trump etwas ändern – und das hat er ja längst offenbar selbst verstanden. DIe USA sind eine funktionierende Demokratie und haben genug fähige und sogar wirklich prinzipientreue Leute in wichtigen Positionen in der zweiten Reihe, die das Schlimmste verhindern, was Figuren wie Coulter oder Trump ggf. ‚vorhaben‘.
      Ich denke: Der ‚Einreisestopp‘ wurde gekippt, ggf. wird auch die Krankenversicherung nicht zerstört, und ich bin sicher, auch die NATO und das gute Bündnis der USA mit Deutschland wird bleiben, da kann Trump noch so viel sich bei den Saudis anbiedern und kurz daraf Deutschland ‚bad‘ nennen. Da kann man guter Hoffnung sein, und ich hoffe wirklich sehr, dass ich mich da nicht täusche.

  6. Washington provozierte auch schon vor Trump Russland, Syrien und Nordkorea. Der Iran ist jetzt wieder dazugekommen.
    Das Festland- Europa ungeschoren davonkommt ist spätestens, seitdem sich GB mit dem Brexit, gegen die EU, und für die USA ausgesprochen hat, eher unwahrscheinlich.
    Gabriel täte gut daran, sich nicht provozieren zu lassen und mit den europäischen Nationalstaaten eine friedliche Gegenstrategie zu entwerfen. Statt Geld für Rüstung auszugeben, sollte Schäuble lieber Griechenland auf die Beine helfen.
    Die Geschäftsführerin dieser NGO sollte nach Paraguay auswandern. Die (ver)stört nur noch.

  7. Natürlich ist es ein weiterer Affront der Trump-Regierung gegen andere Länder, ein weltweites Abkommen wie das Klimaabkommen mal eben zu verlassen, um der eigenen populistischen Wahlpropaganda ein ‚erfülltes Versprechen‘ anzuhängen un d so zu tun als gehöre man nicht zum ‚Establishment‘, obwohl man ganz offen die wohl unverschämteste Establishment-Politik betreibt, die eine US-Regierung je seit den dunklen Jahrzehnten der Sklaverei gemacht hat. Allerdings halte ich diese ganze ‚Klima‘ sache eher für eine Veranstaltung nach dem Motto ‚Wenn ich nicht mehr weiter weiß, gründe ich einen Arbeitskreis‘. Es wird ein riesiges Medientheater veranstaltet, ganze globale Szenarien an die Wand geworfen wie die ‚Klimaerwärmung‘ (die offenbar oft Pause macht, wie das REALE Wetter zeigt). Gleichzeitig versinken zahlreiche ärmere Länder in massiven Umweltproblemen, in Afrika funktioniert oft die einfachste Entsorgung nicht richtig, in Indien werden mittels Korruption Antibiotikaherstellungs-Abwässer ungefiltert in die Natur gekippt und resistente Erreger ‚gezüchtet‘, was ein Desaster für die dortige Bevölkerung und für Touristen ist. Das ‚Klimaabkommen‘ ist in der Tat stark überschätzt.
    Trumps Politik hat nun ganz aktuell den ersten wirklich schweren Fehlschlag ‚erzielt‘ – kurz nachdem Trump die Saudis völlig hofiert hat, ruinieren diese zusammen mit den Emiraten die Situation am Golf noch weiter mit einer de facto kriegerischen und völlig unpassenden und bürgerfeindlichen Isolation des Kleinstaats Katar. Die von Politiker wie Trump und Rechtspopulisten propagierte Spaltung ist ganz einfach miserable Politik.

  8. Wow…..das ist so unglaublich. Ich habe keine Worte. Wie soll ich das meinen Kinder erklären, was sich gerade auf der Welt abspielt. Es treibt mir die Tränen in die Augen….und dennoch glaube ich an uns Menschen. Wir können alles ändern und in Frieden miteinander leben. Wir sind immerhin 99%( auch wenn das auf Amerika bezogen ist)!

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