Die Zuhälter der Globalisierung und wir

Von Dirk C. Fleck.

Die italienische Wirtschaftswissenschaftlerin Loretta Napoleonie sprach angesichts der vermeintlichen Weltenlenker von Zuhältern der Globalisierung. Gemeint war die kleine Kaste der machtvollen Manager und Politiker, die mit ihren begrenzten Interessen gar nicht in der Lage sind, eine nachhaltige Zukunft zu garantieren. Ich habe allerdings meine Schwierigkeiten mit dem Begriff global. Die globale Umweltverschmutzung entsteht im Lokalen. Alles Globale hat lokale Wurzeln.

Selbst die eben genannten Manager und Politiker sind nur ein elitärer kleiner Männerverein, der im weltweiten Maßstab agiert und sich verhält, als sei er der globale Stamm. Das Ergebnis dieser Anmaßung können wir heute überall besichtigen. Die Menschen wollen es aber nicht mehr hinnehmen, dass jede ihrer produktiven Handlungen in ein globales Wirtschaftssystem gepresst wird, um einen Wert zu bekommen. Sie sehnen sich nach Identität. Ihre Identität finden sie nur, wenn sie ihre Probleme vor Ort angehen. Der einzige Weg, das globale Desaster in den Griff zu kriegen, sind weltweite lokale Lösungen.

Wie ist es möglich, dass alle zerstörerischen Handlungen, die wir erleben müssen, von den Machteliten und deren Medien als kreative Taten gefeiert werden? Die Bombardierung anderer Länder, der Bau von Staudämmen, das Versprühen von Insektiziden, die Erschaffung genmanipulierter Organismen – dies alles wird als notwendig, fortschrittlich und kreativ empfunden. Wir begreifen Gesundheit als Leistung der pharmazeutischen Industrie, wir verstehen soziale Sicherheit als etwas, was Polizei und Justiz herstellen. So ist es auf fast allen Gebieten: wir glauben ausschließlich an ordnungspolitische oder technische Lösungen – wir vertrauen uns selbst nicht mehr.

Ich möchte an dieser Stelle einen aktuellen Ausspruch eines Mapuche-Häuptlings zitieren. Die Mapuches, deren angestammtes Gebiet sich auf Chile und Argentinien erstreckt, hatten nicht nur der spanischen Kolonisation erbitterten Widerstand entgegengesetzt, sie stritten bis in unsere Tage um ihr Land und ihre Kultur. Geschätzte 600.000 Mapuche leben noch im Süden Chiles, dazu mehrere hunderttausend, weitgehend kulturell entwurzelt, in der Hauptstadt Santiago. Umso erstaunlicher nun, was ihr Sprecher vor kurzem auf einem Kongress der indigenen Völker zum Besten gab: „Wir Mapuches kämpfen nicht länger um einen eigenen Staat. Angesichts der ökologischen Bedrohung, die den ganzen Planeten zu vernichten droht, kämpfen wir um eine andere Lebensführung, die mit den Reserven der Natur im Geiste unserer Vorfahren verfährt.“

Es gibt inzwischen viele Menschen auf der Welt, die diesen Bewusstseinswandel vollzogen haben, und täglich werden es mehr. All das passiert in einem ungeheuren Tempo, und es passiert jetzt. Die Vertreter des alten Systems wissen das. Sie wissen, dass ihre Richtlinien, Normen und Werte nicht mehr funktionieren. Ein solcher Wertezusammenbruch macht zunächst einmal Angst. Wir haben Angst vor Chaos und Anarchie, Angst davor, unterzugehen in diesem Endzeitszenario, in dem sich jeder gegen jeden zu behaupten versucht.

Aber nicht wir sind dem Tode geweiht, es sind unsere alten Sicht- und Handlungsweisen, die sterben. Wenn es uns gelingt, eine positive Zukunftsvision in uns erblühen zu lassen, dann werden wir sie in der praktischen Politik auch umsetzen können. Denn es wird nichts Neues durch uns in die Welt kommen, was nicht vorher in unserem Bewusstsein Gestalt angenommen hat. Die politische Demarkationslinie verläuft schon lange nicht mehr zwischen links und rechts, auch nicht – und das mag manche empören – zwischen oben und unten. Sie verläuft zwischen zukunftsfeindlich und zukunftsfreundlich.

Es geht nicht darum, wer recht hat, wer gewinnt oder verliert. Es geht darum, dass entzweite Parteien wieder zueinander finden und Frieden schließen. Es geht um das Vergnügen, Frieden zu schließen! Es muss doch Spaß bringen, unseren verschmutzten Wohnraum Erde gemeinsam aufzuräumen. Je mehr Menschen das verstehen, desto größer ist die Chance, die scheinbar unverrückbaren Strukturen eines alten Machtgefüges von innen heraus zu unterminieren und zu Fall zu bringen.

In meinem Roman MAEVA! sagt die Protagonistin: „Wir befinden uns an einem Wendepunkt der Geschichte. An solchen Wendepunkten nehmen wir Abschied von der Persönlichkeit, die wir waren. Wir begrüßen die Person, die wir gerade werden. Unsere Ängste entsprechen denen, die wir vor dem Sterben entwickeln. Aber wir müssen begreifen, dass wir nicht alleine sind mit unserer Furcht, dass die Angst uns alle erfasst, aber dass wir sie miteinander teilen können. Wir müssen erkennen, dass die Erschütterungen der alten Ordnung ein gewaltiges Potenzial an gebundener Lebenskraft freisetzt, das uns nun befähigt, etwas völlig Neues zu schaffen. Wenn wir aber vor dem Unbekannten zurückschrecken, wenn wir uns vor der Verantwortung für das Neue drücken und nur zögerlich die nächsten Schritte gehen, dann deprimieren wir die Person, die wir werden zugunsten der Persönlichkeit, die wir waren.“

Der Schweizer Diplomat, Essayist und Historiker Carl J. Burckhardt (1891 -1974) glaubte nicht an eine Wende zum Besseren und ich bin geneigt, ihm recht zu geben. Er sagte: „Es gehört zum Schwierigsten, was einem denkenden Menschen auferlegt werden kann, wissend unter Unwissenden den Ablauf eines historischen Prozesses miterleben zu müssen, dessen unausweichlichen Ausgang er längst mit Deutlichkeit kennt. Die Zeit des Irrtums der anderen, der falschen Hoffnungen, der blind begangenen Fehler wird dann sehr lang.

Auf der anderen Seite steht die unumstößliche Wahrheit, die Ernesto Che Guevara einst so formulierte: „Sie können alle Blumen abschneiden, den Frühling aber können sie nicht aufhalten. Dieses Wissen macht uns verantwortlich.“

Fühlen wir uns also verantwortlich, das ist wohl das Mindeste, was man von uns verlangen kann.

 

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

21 Kommentare zu: “Die Zuhälter der Globalisierung und wir

  1. @ Der Souverän: “ Wohl wahr.“

    Mein Defizit liegt in der Technik, wovon ich gar kein fundiertes Wissen habe. Ohne meinen Mann wäre ich da komplett aufgeschmissen. Habe den grünen Daumen und kann meinem Mann die Träume deuten und so weiter, doch betreffs Technik einfach Mattscheibe. Da ist bei mir wahrscheinlich noch nichtmal eine Festplatte.

    • Ehrlich gesagt kann ich darin kein Defizitit erkennen, sondern auch wieder nur ein „Naturgesetz“, welches besagt, daß es unmöglich ist das Ein Mensch alles weiß oder können kann. Zwangsläufig müssen also Prioritäten gesetzt werden.

  2. @ Der Souvwerän: “ Bekannte psychoaktive natürliche Mittel…“

    Bin mir da betreffs der ägyptischen Kultur nicht im Klaren darüber, ob die schon verstanden haben, aus natürlichem Mutterkorn etwas zu entwickeln. Nur waren das schon sehr versierte Chemiker. Z.B. gab es damals schon Antibiotika, welche die Aegypter aus Schimmelpilzkulturen auf Brotrinden gewannen. Und die griechische Kultur war sehr von Aegypten her beeinflusst. Die Aegypter brachten ihre Kandidaten für die Initiation zunächst in einen dreieinhalb Tage dauerndes Wachkoma. Womit ? Sie hatten damals Schlafmohn,Hanf,Alraune und so weiter, und dieses Wachkoma war Voraussetzung für die „Erweckung“ zur „Gottessohnschaft“. LSD 25 wird aus Mutterkorn gewonnen, und es ist bei bestimmter Dosis ein extremer Wachmacher. Jemand, der im todesähnlichen Tiefschlaf liegt, könnte dadurch erweckt werden, dass man ihm dieses „flüssige Brot“ eingibt.
    Es könnte auch sein, dass das griechische „Kykeion“ psychoaktive Pilze enthielt, die eine ähnliche Wirkung wie Lysergsäurediäthylamid haben. Nur ist das noch erst Spekulation. Es bräuchte das „Licht des Luzifer“ der medizinhistorischen Lampe, um die Evangelien in diesem Licht zu hinterfragen. Bis dahin dachte Albert Hofmann diese Dinge -meine ich, kann da auch irren – noch nicht. Nur bis zu den griechischen Mysterien hin dachte er das durch.
    Und da ist Paulus das Bindeglied zum Mysterium von Golgatha. Nur war damals den Initiaten der Mysterien bei Todesstrafe verboten, die Geheimnisse öffentlich auszuplaudern. Laut Ernst Bindel, Mathematiker, wurde ein griechischer Initiat wegen Mysterienverrates im Meer ertränkt. Und Rudolf Steiner erwähnt, dass Christus aufgrund Mysterienverrates gekreuzigt wurde. Die Tatsache, dass die Erweckung des Lazarus öffentlich stattfand, war laut Dr.Steiner der wahre Grund für die Tötung. So betrachtet ist der Stifter des Christentumes einer, der sich gar nicht scherte um die Gesetze der damaligen Obrigkeit. Er hat sie bewusst übertreten. Die Kirchen stellen ihn dar, als habe er sich der Obrigkeit gehorsam untergeordnet. So sollen wir es auch machen. Kadavergehorsam ist gefragt. Nur ist gerade das False Flag, sofern Steiner das richtig darstellt. Und es wird behauptet, dass auch Steiner vergiftet wurde. Heikles Thema, nicht wahr ?

    • „Heikles Thema, nicht wahr ?“

      Wohl wahr. Allerdings auch ein Thema bei dem ich nicht wirklich mitreden kann – geschweige denn etwas erhellendes beitragen – da ich diesbezüglich recht frei von Wissen bin. Ich habe ja auch nur EINE schwammige Festplatte im Kopf und muß selektieren was drauf kommt.
      So kann ich leider nichts vernünftiges auf Dein fundiertes Wissen beitragen, außer vielleicht irgend welche Floskeln und/oder Allgemeinsätze, auf die Du wahrscheinlich gerne verzichten kannst.

  3. „Es ist überfällig, dass alle Menschen gemeinsam alles in Ihrer Macht stehende tun, um einen neuen Weg zu bestreiten, der den Zusammenhang zwischen der Zukunft der Menschheit und der Gesundheit unseres Ökosystems anerkennt.“

    D. Rockefeller, Stiftung 22.03.2016

    Indeed, it is past time for all people of good will to do everything in their collective power to make our new path one that recognizes the deep interdependence between humanity’s future and the health of our natural systems.

    www.rffund.org/divestment

    Die Eliten, so sehr sie auch am Raubbau des Planeten mitverdient haben, sind sich der katastrophalen Folgen wohl bewusst. Hoffen wir, dass hinter den Worten dieses global-mächtigen Geldadels auch Taten stehen.

  4. Lieber Herr Fleck,

    wenn da ein Mapuche die ökologische Bedrohung zum Thema macht, dann spricht dieser Mapuche immer hin noch vom Geist, vom Geist der Vorfahren. Streng Geheim hat ja Recht damit, zu sagen, dass auch unsere Vorfahren wild waren.
    Nur gibt es da einen Unterschied: Vom Geist zu sprechen, wurde den Europäern gründlich ausgetrieben.
    Und die sogenannten Naturvölker kennen allgemein noch geheime Dinge und Methoden, um ihr Bewusstsein zu erweitern, so dass eine geistige Welt mit hineinragt in das Bewusstsein. Solche Menschen stehen einerseits der Natur näher, als der allgemeine Europäer ihr nahe steht.Doch andererseits stehen sie auch fest drinnen in einer geistigen Welt, von der der allgemeine Europäer nichts mehr weiss.

    Nun gibt es aber Gruppen von Amerikanern, die -ähnlich wie Albert Hofmann es getan hat – von den Indianern, von deren Schamanen Dinge gelernt haben. Doch statt nun das Gelernte in den Dienst der ganzen Menschheit zu stellen, wollen sie es in den Dienst ihres Gruppenegoismus stellen. Daher hüten sie das Geheimwissen und behaupten nach aussen hin, soetwas gäbe es gar nicht. Aehnlich wie schon vor tausenden von Jahren die ögyptischen Eingeweihten dem Volk das Herrschaftswissen vorenthielten, vorenthalten diese „Brüder“ der Menschheit ihr Geheimwissen.

    Albert Hofmann war ja der Meinung, er habe das legendäre „Kykleion“ der griechischen Mysterien wiederentdeckt.
    Paulus war – als er noch Saulus hiess- ein Initiat der griechischen Mysterienschulen. Darauf hat Rudolf Steiner hingewiesen.
    Wenn wahr ist, dass Paulus Initiat der griechischen Mysterien gewesen ist, müssen wir uns dann nicht fragen, ob Paulus genau dasjenige geheime Ding kannte, was Albert Hofmann wiederentdeckte ?

    • Bekannte psychoaktive natürliche Mittel, gab es lange vor Paulus Zeit, aber sicher kein chemisches LSD.

  5. „Wir Mapuches kämpfen nicht länger um einen eigenen Staat. Angesichts der ökologischen Bedrohung, die den ganzen Planeten zu vernichten droht, kämpfen wir um eine andere Lebensführung, die mit den Reserven der Natur im Geiste unserer Vorfahren verfährt.“

    Ich glaube nicht, dass der für „wir Mapuches“ spricht. Ich glaube nicht an den edlen Wilden, und das sage ich, nachdem ich viele Nachfahren vieler dieser alten Kulturen kennengelernt habe: Mapuche, Guarani, Tlingit, Sioux, Maori, Anangu, Xhosa, usw.
    Die sind im Wesentlichen genauso wie die Leute bei uns. Auch wir hier in Deutschland haben Vorfahren, die genauso wild oder zivilisiert und genauso edel oder unedel waren wie deren Vorfahren.

  6. Solange wir an einem Wirtschaftssystem festhalten, das alles dem Gewinn unterordnet, solange wir wählen gehen und die Herrschaften zum Weitermachen legitimieren, solange die arbeitende Masse an ihrem erbärmlichen Lohnsklavendasein festhalten, aus Angst den Job zu verlieren und ins Elend zu stürzen („die deutsche Angst“), wird sich nichts ändern.
    Wie viele Kriegs- Wirtschafts- Klimaflüchtlinge brauchen wir noch, bevor wir begreifen, dass wir ohne Revolution von unten nicht überleben werden. Stattdessen schließen sich die Menschen ausländerfeindlichen Verführern an. Einfach traurig.

  7. Ja, was Herr Fleck da äussert, dass es heute primär um „zukunftsfeindlich“ und „zukunftsfreundlich“ geht, leuchtet mir ein.
    Und da er auch u.a. „Angst“ erwähnt, kann ja vielleicht ein Gedanke helfen, Angst umzustülpen, dass Mut entsteht: Angst würde nichts verbessern. Was auch immer an unausweichlichen Dingen auf uns zukommen mag: Angst würde nichts daran verbessern. Man kann vielleicht eine Angst ins Unterbewusste verdrängen, nur wirkt sie dann weiter, ohne dass es bemerkt wird. Doch wenn wir bewusst in eine Angst reingehen, um sie intensiver spüren zu können, verliert sie ihre Kontrolle über uns. Dann kann solche Umstülpung geschehen.

  8. PS: Die Geschichte der massiven und politisch absurden Unterstützung der extremen Islamdiktatur Saudi-Arabien durch die USA und auch Großbritannien ist geprägt von derartigen ‚wirtschaftlichen‘ Erwägungen – von den Interessen Einzelner, Profite zu machen und sogar den Markt zu manipulieren. Und offenbar haben die in der Politik geradezu mitzubestimmen.
    Mit Hilfe der Saudis wird der Ölpreis beeinflussbar – da mitzumachen (auch wenn der Staat Saudi-Arabien dabei finanziell ins Schwimmen kommt), ist sicher eine Bedingung, die die Saudi-Regierung erfüllen muss.
    Vielleicht kommt noch hinzu, dass die USA gerne Israel ein wenig einschränken möchte (ich halte es für ein Gerücht, dass die Beziehungen zwischen den USA und Israel wirklich gut sind).
    Westliche Werte, Touristenvisa, Grundrechte, die Anliegen der Bürger, etc. spielen bei sowas hingegen keine oder nur eine untergeordnete Rolle.

  9. Es gibt inzwischen viele Menschen auf der Welt, die diesen Bewusstseinswandel vollzogen haben, und täglich werden es mehr. All das passiert in einem ungeheuren Tempo, und es passiert jetzt.

    Ich sehe das ganz deutlich bei mir selbst und auch an bekannten Persönlichkeiten, Buchautoren,… aber leider kaum im persönlichen Umfeld.

    Die Vertreter des alten Systems wissen das. Sie wissen, dass ihre Richtlinien, Normen und Werte nicht mehr funktionieren.

    … und schießen lieber den Planeten kaputt, als sich auf eine Veränderung einzulassen.

    Der Schweizer Diplomat, Essayist und Historiker Carl J. Burckhardt (1891 -1974) glaubte nicht an eine Wende zum Besseren und ich bin geneigt, ihm recht zu geben.

    Ich leider auch. Wieder ein Terroranschlag – und in diversen Foren wird er Ruf immer lauter, doch endlich „hart durchzugreifen“, anstatt nur halbherzig zu bomben. Ist das so schwer zu verstehen, dass diese Bomberei das ganze Unheil erst heraufbeschwört hat?

    Ich bin gespannt, wieviele Anschläge es noch braucht, bis der Ruf nach einer Atombombe laut wird.

    Wie auch immer: Herr Fleck, vielen Danke für ihre Beiträge, die ich sehr schätze!

  10. Die Menschen haben schon mehrere Epochenbrüche gemeistert, das immerhin stimmt hoffnungsvoll. Schön wäre, wenn die nächste Erklärung nicht fetischverfasst wäre, die Leute also verstünden, dass egal wie wir die Welt sehen und wie sie uns entgegen kommt, das Verstehen immer menschengemacht ist.

  11. Es ist nicht lange her, als ‚EINE WELT‘ eine insbesondere von Linksalternativen propagierte positive Utopie war.
    Diejenigen, die den eigentlich positiven Begriff der Globalisierung durch massive Anti-Arbeitnehmer-Lobbypolitik diffamiert und beschädigt haben, sind definitiv NICHT ‚wir‘.
    Es sind einzelne Wirtschaftslobbyisten, die einzelne Interessen vertreten, de sich Monopole zum Ziel gesetzt haben.
    Monopole stehen – wie insbesondere echte Neoliberale stets betonen – aber in scharfem Gegensatz zu Demokratie und echter Marktwirtschaft. Diejenigen, die Monopole anstreben, und im Stile eines ‚Raubzugs‘ sich Rohstoffreserven ganzer Länder zu eigen machen wollen, wollen entweder Diktaturen, die genau ihre Firma als ‚exklusiven Partner‘ bevorzugen (und auf diese Weise auch den Markt und die Marktwirtschaft ausschalten, oder, wenn das nicht geht, ‚failed states‘, in denen nur ihre Firma über die Mittel verfügt, ihren Besitz abzusichern. Und natürlich ist diese Art von Wirtschaftslobby ganz und gar nicht an Arbeitnehmerrechten und Wohlstand für breite Bevölkerungsgruppen interessiert.
    Demokratie und Marktwirtschaft sind überhaupt nicht im Interesse dieser Art von ‚Global Players‘. Denn unter demokratisch/marktwirtschaftlichen Bedingungen kann man nicht einfach so die Konkurrenz ausschalten.
    Leider hört die westliche Politik, insbesondere die US-amerikanische, viel zu sehr auf solche Lobbyisten (die ja auch Politiker und Wahlkämpfe finanzieren). Und daher unterstützt der Westen Diktaturen und in Afrika Marionettenregierungen, die völlig korrupt sind und nichts für die eigenen Bürger tun.
    Daran haben mindestens 99% der Bürger westlicher Staaten keinerlei Schuld, zumal diese Aktionen auch gar nicht zum Vorteil der Bürger westlicher Staaten sind.

    • Und ich Dummerle dachte immer es gäbe nur eine Welt.

      Monopolo sind ein Segen für die Menschheit. Es gibt nichts was besser sein könnte – kommt nur auf die Monopolisten an. Wenn das Volk der Monopolist ist, gehts dem Volk UND dem Monopolisten gut.

  12. Solange DSDS, Big Brother, germanys next top model, Lindenstraße und anderer top TV Müll die Nation in Bann hält, wird sich nichts ändern – jedenfalls nicht in eine vernünftige Richtung.

    Alle Sendemasten, Mobilfunkmasten und Internetknoten zersägen – das ist die Lösung.

    • Die Internetknoten lassen wir mal besser intakt. Wir brauchen sie schließlich auch. Und ob Mobiltelefone wirklich nur dazu da sind, Leute abzulenken, wäre auch eine Überlegung wert. Es sind ja eher dämliche Menschen, denen man solche Spielzeuge nur in die Hand drücken braucht, um sich damit weiter abzulenken. Wenn ich mit der Bahn fahre und sehe, wie gebannt mindestens jede oder jeder Zweite auf sein Gerät starrt, irgendein beknacktes Spiel zockt oder wieder eine der üblichen Blödsinnsnachrichten tippt, wo man denn gerade sei, kommt bei mir auch der Gedanke auf, dass man eine perfekt gleichgeschaltete Gesellschaft hat. Allerdings bezweifle ich, dass diese Leute „früher“ zur Zeitung, zu einem Buch oder zu einem alternativen Internetprogramm gegriffen hätten. Der Witz unserer Gesellschaft besteht darin, dass sie soziale Ungleichheiten (in Bildung, Gesundheit, Wirtschaft usw.) immer wieder reproduziert. Dazu gehören dann auch Brot und Spiele. Das funktioniert aber nur, wenn den Leuten schon zuvor der kritische Geist genommen wurde: z.B. in Schule, Berufsschule oder Universität, wo nur nur Wissen abgefragt wird, aber nicht Denken gefördert. Diesen Leuten kann man dann auch die genannten Scheißprogramme zum Fraß hinschmeißen.

      Noch schlimmer finde ich aber die Aussage von manchen, dass sie solche seichten Sachen bräuchten, um „runterzukommen“. Das heißt, man hat die Menschen im kapitalistischen Betrieb, im Büro und im Außendienst schon so kaputt gemacht, dass mental nicht mehr viel Raum bleibt für kritische Nachfragen.

    • Na ja, es war auch eher ironisch gemeint. Soziale Ungleichheiten finde ich gar nicht tragisch, sondern eher natürlich, der Natur des Menschen entsprechend, da ja auch alle Menschen verschieden sind und ticken.
      Böse wird es erst, wenn durch oder über die Ungleichheiten – egal welcher Art – Zwänge aufgebaut werden, oder/und bewusste Benachteiligung generiert wird.
      Genau das ist ja quasi Doktrin. Man kann es sich aussuchen, ehrlich währt am längsten, oder, der Ehrliche ist immer der Dumme. Jedenfall wird der Dumme Ehrliche immer in den Arsch getreten.

      Im Grunde ist es auch kein Problem das es diese Sendungen gibt und geschaut werden. Ist wie immer im Leben, die Dosis macht das Gift. Und die ist in jedem Fall durch die Fülle und Manigfaltigkeit an Konsummüll, mittlerweile eigentlich immer zu hoch.

    • @ Der Souverän

      Soziale Ungleichheiten als natürlich zu bezeichnen, erinnert an Sozialdarwinismus, möge der Stärkste im Konkurrenzkampf (um Jobs, Wohnungen, Presitge usw.) überleben. Wir haben es mit einem Wirtschafts- und Gesellschaftssystem zu tun, dass Ungleichheit strukturell hervorruft, ja zur Bedingung hat. Ohne die Eigentumslosigkeit der Massen kann es gar keine Ausbeutung von Arbeitskraft geben. Die Mittel der Arbeit werden privat angeeignet, ein minimaler Lohn dafür zurückgegeben und so reproduziert sich die Anhäufung von Reichtum auf der einen und die von Armut auf der anderen Seite.

      Die genannten Serien sind Teil dessen, was Adorno und Horkheimer treffend als „Kulturindustrie“ beschrieben haben (https://goo.gl/29MavZ). Hauptsache es bimmelt und klingelt bunt irgendwas daher, am besten noch suggeriert man den Massen, dass sie es durch Fleiß, Anstrengung und Sparsamkeit auch „zu etwas“ bringen können. Und wenn das alles nicht hilt, kann man seinen Verdruss noch im Verfolgen seines liebsten Sportclubs oder gleich der „Nationalmannschaft“ ertränken, für die am Jetset interessierten gibt es regelmäßige Updates zu allen Adels- und Fürstenhäusern, damit wenigstens etwas Glanz in die Tristesse des Alltags schwappt.

      Das kapitalistische System braucht Ablenkung und Versöhnung der Massen mit dem Status quo. Soziale Ungleichheiten müssen beseitigt werden, damit alle Menschen gleichberechtigte Lebensmöglichkeiten erhalten. Und genau dafür braucht es die Aufklärungsarbeit alternativer Medien, die über die Grundlagen unseres Gesellschaftssystems berichten.

    • Ignaz

      Bis auf den ersten Satz, könnte ich das Wort für Wort geschrieben haben. Somit gehe ich von einem Mißverständnis aus.

      Soziale Ungleichheiten ergeben sich aus der Natur des Menschen – so man denn den Menschen als soziales Wesen betrachtet – die beweist, daß jeder Mensch ein Individuum ist.

      Da diese sozialen Ungleichheiten ein naturgegebenes Gesetz ist, muß der Mensch als soziales Wesen dafür sorgen, daß diese Ungleichheiten nicht negativ besetzt werden, das heißt ausgenutzt werden.

      Ein sozial benachteiligter fühlt sich dann nicht sozial benachteiligt, wenn er nicht sozial benachteiligt wird. Es gibt eben nicht nur Einsteins, sondern auch den Gegenpart – also Merkels. Und kein „Bildungs-System“ der Welt kann das ausgleichen.

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