Die Zukunft gehört den Mutigen

Um der vorherrschenden Ideologie und allgegenwärtigen Propaganda besser begegnen zu können, gibt es Rubikon zukünftig auch als Buch.

Von Der Zeitpunkt.

Hinweis zum Rubikon-Beitrag: Der nachfolgende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Rainer Mausfeld aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt KenFM diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

Am 25. November 2019 erscheint mit „Die Öko-Katastrophe“ das erste Buch im neu gegründeten Rubikon-Verlag. Da Veröffentlichungen wie diese von den Mainstream-Medien häufig ignoriert werden, bittet der Verlag um die Mithilfe aller Leserinnen und Leser, das Buch bekannt zu machen.

Die Zukunft gehört den Mutigen: Das ist das Motto des neu gegründeten Rubikon-Verlags. Trotz widriger äusserer Umstände ist es nach Meinung des Verlags gelungen, die beste Druckerei, den besten Grafiker, eine wunderbare Verlagsauslieferung und ein erstklassiges externes Lektorat unter Vertrag zu nehmen.

Warum das Ganze? Weil nicht nur der reguläre Medienbetrieb immer „alternativloser“ und „eindimensionaler“ wird — und weil der Verlag erstklassigen Inhalt hat, der inzwischen 200.000 Leserinnen und Leser begeistert, und der in guter Präsentation als Buch noch viel mehr bewirken und verändern kann.

Am 25. November 2019 erscheint mit „Die Öko-Katastrophe“ das erste Rubikon-Buch. Sein Ziel:

Der inzwischen kaum mehr zu ertragenden Demagogie gegen die Umweltbewegung klare Analysen und Fakten entgegenzuhalten — ohne dass die Einführung einer Kohlendioxidsteuer oder aberwitziges Geo-Engineering als Lösungen verstanden werden.

Der Verlag benötigt die Unterstützung von uns allen, denn nur gemeinsam wird es uns gelingen, eine Debatte jenseits des Narrativs „Massenverarmung und Planetenzerstörung sind alternativlos“ zu beginnen.

Wir sind alle aufgefordert, das Buch über die uns zur Verfügung stehenden Kanäle bekannt zu machen, denn erfahrungsgemäss werden wirklich wichtige Publikationen von den Mainstream-Medien häufig totgeschwiegen, indem nicht darüber berichtet wird.

Worum geht es in dem Buch?

Wie einst die Titanic rast die Menschheit ohne Abbremsen und Kurskorrektur direkt auf die Katastrophe zu. Angesichts der seit Jahrzehnten wachsenden existentiellen Bedrohung durch Umweltzerstörung und globale Erwärmung versagen Politik und Medien, ja, versagt unser Gesellschaftssystem.

Die etablierten Medien berichten zwar weitgehend akkurat über wissenschaftliche Tatsachen, unterdrücken jedoch, welchen Anteil unsere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung an der ökologischen Katastrophe hat. Sie verkürzen Zusammenhänge und verschweigen die Hauptverantwortlichen sowie das wahre Ausmaß der Bedrohung.

Die Politik hingegen verspricht, die Katastrophe mit weiteren neoliberalen Reformen aufhalten zu können, will den Teufel also mit dem Beelzebub austreiben. Sie setzt auf Mittel, die den kollektiven Wahnsinn nicht etwa infrage stellen, sondern in Stein meißeln, und die am Ende wieder die Armen belasten und Reichen privilegieren werden.

Rubikon, das Magazin für die kritische Masse, hat angesichts dieser Verwirrung einige der klügsten Köpfe weltweit aufgefordert, das Thema aus ihrer Sicht zu analysieren, nach bestem Wissen und Gewissen. Ohne die Zwänge der von Kapital und Eliteninteressen gesteuerten etablierten Medien und Politik.

Die Autoren beschreiten Wege abseits bekannter medialer Trampelpfade. Viele kommen zu der Schlussfolgerung:

Ohne Systemwandel werden Umweltzerstörung und Klimawandel nicht aufzuhalten sein.

Stimmen zum Buch:

„Das Thema Umwelt treibt viele um und ist zugleich hochexplosiv. Ich finde es wichtig und richtig, dass sich der Rubikon hier klar positioniert und sagt, dass der Klimawandel eine große Herausforderung darstellt und wir mehr erneuerbare Energien benötigen.“ – Dr. Daniele Ganser, Friedensforscher

„Die aktuell größten Bedrohungen für das Überleben der Menschheit stellen die beständig wachsende Gefahr eines großen Krieges sowie die immer gravierendere Zerstörung unserer Lebensgrundlagen dar. Zeit, dass entschlossen gegen die Propaganda in beiden Bereichen vorgegangen und so immens wichtige Aufklärung geleistet wird.“ – Prof. Rainer Mausfeld, Kognitionsforscher

„In Zeiten massiver sozialer Kämpfe und medial organisierter Massenverwirrung ist es der besondere Verdienst des Online-Magazins Rubikon, der Umweltdebatte neue Impulse zu geben. Die katastrophalen Langzeit-Trends weltweit kollabierender Ökosysteme zeigen in aller Deutlichkeit, dass ein begrenzter Planet mit hirnrissigen Wachstumsideologien marktradikaler Herrschaftscliquen unvereinbar ist. Rubikon leistet hier wichtige Aufklärungsarbeit.“ – Ullrich Mies, Politikwissenschaftler und Publizist

„Menschen traumatisieren ihre Mitwelt, weil ihre Innenwelt traumatisiert ist. Sie stellen das Chaos in ihrem Inneren in ihrer Außenwelt her. Umweltzerstörung ist Ausdruck ihrer Destruktivität als Folge ihrer Traumabiografie. Wer jedoch seinen inneren Frieden findet, muss auch seine Mitwelt nicht mehr zerstören. Frieden findet, wer seinen Schmerz in Mitgefühl für sich selbst und andere verwandelt.“ – Prof. Franz Ruppert, Traumaforscher


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Die Öko-Katastrophe. Den Planeten zu retten, heisst die herrschenden Eliten zu stürzen. Mit Beiträgen von Noam Chomsky, Rainer Mausfeld, Chris Hedges, Charles Eisenstein, Franz Ruppert, Ullrich Mies, Nafeez Ahmed, Karin Leukefeld, Florian Kirner, Dirk Pohlmann, Sven Böttcher, Steffen Pichler, Jonathan Cook, Susan Bonath, Wolfgang Pomrehn, Stephan Bartunek, Roland Rottenfußer, Peter H. Grassmann, Murtaza Hussain, Klaus Moegling, Caitlin Johnstone, Medea Benjamín, Anselm Lenz, Felix Feistel, Nicolas Riedl, Jens Bernert, Hermann Ploppa und Jens Wernicke. ISBN 978-3-96789-000-6.


Redaktionelle Anmerkung: Dieser Beitrag erschien zuerst in der Online-Ausgabe des Zeitpunkt-Magazins.

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Dieser Beitrag erschien am 16.11.2019 bei Rubikon – Magazin für die kritische Masse.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung.

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Bildhinweis: WStudio / Shutterstock

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8 Kommentare zu: “Die Zukunft gehört den Mutigen

  1. <a class='bp-suggestions-mention' href='https://kenfm.de/members/wolfcgn/' rel='nofollow'>@wolfcgn</a>
    Bestimmt haben Sie die Beiträge des Buches alle schon gelesen. Deshalb können Sie sich ja auch sogleich ein "qualifiziertes" Urteil bilden und die Autoren schonmal als Angsthasen in die Tonne treten.

    Es gibt doch so viele dumme , hirnverbrannte Vollpfosten, die zu dämlich sind selbst ein qualifiziertes Buch zu schreiben, statt dessenn haben sie immer schon mal eine Meinung.

  2. ich habe überhaupt nicht den Eindruck, dass hier die Mutigen zu Wort kommen! Sondern Schwarzseher, Weltuntergangsgläubige und Angsthasen! Edmond de Rothschild würde sich freuen, wüsste er doch jetzt posthum, dass seine Rede in Rio gefruchtet hat.

  3. Ja, Josef Gabriel Twickel: „Wann in der menschlichen Geschichte hat der "Sturz" der jeweiligen Eliten zu einer "Rettung" der jeweiligen Gesellschaften oder gar des "Planeten" geführt?“

    „Wenn der Feind bekannt ist, hat der Tag Struktur“? Es ist natürlich die einfachste Lösung, mit dem Finger auf andere zu zeigen (hier – und auch gerne sonst – die Eliten). Und die dramatische Schilderung des unausweichlichen Weltuntergangs entspricht offenbar der bei den alternativen Medien so beliebten Steigerung der alten journalistischen Weisheit „bad news are good news“ in „the worst news are the best news“.

    Aber was soll uns das? Wir, die wir, ob Hartz IV oder Mittelschicht, von staatlicher, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Reglementierung immer mehr eingeengt werden und in einem zunehmend schwierigen Alltag vollauf damit beschäftigt sind, unsere jeweilige Existenz, so gut es noch geht, aufrechtzuerhalten, kümmern uns ja gerne außer unseren persönlichen Problemen auch noch um die der ganzen Welt, um irgendwann (wann denn eigentlich?) eine Veränderung der Verhältnisse herbeizuführen. Indem wir ausgerechnet die Eliten entmachten, die uns doch immer so übermächtig, ja geradezu unangreifbar dargestellt werden? Wie klein machen wir uns eigentlich, wenn wir uns ängstlich und verschreckt immer nur die monströse Macht der Herrschenden vor Augen halten, anstatt selbstbewusst einfach zu tun, was in unseren Möglichkeiten liegt? Das Kaninchen, das in Todesangst auf die Schlange starrt, verharrt bewegungslos in lähmendem Entsetzen. Wann gibt uns das endlich einmal zu denken?

    Mit Problemen von solchen Ausmaßen sollen wir uns befassen, ohne jedoch einen praktikablen Ansatz für ihre Lösung zu erkennen oder aufgezeigt zu bekommen? Praktikabel heißt nicht, dass etwas irgendwo in einem theoretischen Raum in sich stimmig ist, sondern dass es der Einzelne ganz konkret in die Tat umsetzen kann. Die Notwendigkeit, dass die Verhältnisse geändert werden müssen, sieht wohl jeder von uns hier ein und ist deshalb sicherlich auch durchaus bereit, dabei mitzuhelfen. Dann konzentriert euch doch aber bitte, liebe Alternativmedien, endlich auf die Suche nach Lösungsmöglichkeiten und gebt euch nicht zufrieden mit der immer drastischeren Schilderung und noch so brillanten Analyse schlimmer und schlimmster Entwicklungen. Zeigt auf, was der einzelne, ganz normale Mensch, der weder prominent noch begütert noch einflussreich ist, sondern mit den tagtäglichen Herausforderungen seines Lebens kämpft, was dieser normale Mensch ganz konkret in seinem ganz spezifischen (kleinen) Bereich zur Lösung der Probleme beitragen kann.

    Und macht vor allem Mut! Denn ohne optimistische, hoffnungsvolle Ansätze wird es kaum gelingen, die „kritische Masse“ zum aktiven, effektiven Mitwirken bei der Änderung der Verhältnisse zu gewinnen. Fragt eure sehr kompetenten Psychologen: Ohne positive Aussicht bringt der Mensch die ganz erhebliche Energie nicht auf, die erforderlich ist, um bestehende Verhältnisse zum Besseren zu wenden.

    Und bitte, bietet uns endlich mal auch etwas anderes an als eure beiden immer wohlfeilen Patentrezepte: demonstrieren gehen und Revolution machen. Denkt noch einmal darüber nach, inwieweit im Zeitalter der raffiniert verfälschenden Berichterstattung über Ereignisse im öffentlichen Raum Rezepte aus der demokratischen Frühzeit, wie z.B. Demonstrationen, heutzutage noch zielführend sind. Und Revolution verbietet sich, bitteschön, von vornherein, da sie ja doch immer nur in Mord und Totschlag endet und dabei auch noch ihre Kinder frisst. Selbst die berühmte friedliche Wende 1989 war in Wirklichkeit keine Revolution, sondern eben nur eine Wende, wie wir heute wissen.

    Also: Alternativen, bitte, liebe Alternativmedien!

    • Hier:
      „Positives Denken“ inspiriert die Wirtschaft

      Bist du von negativen Menschen umgeben? Entferne sie aus deinem Leben, sie sind nur Opfer ihrer Negativität (3)!

      Hast du unzufriedene Mitarbeiter? Du musst sie besser motivieren!

      Zukunftsängste? Dazu schreibt Norman Vincent Peale:

      „Wer entscheidet über Ihr eigenes Glück oder Unglück? Die Antwort heißt: Sie selbst!“(4)

      Du schaffst etwas nicht, bist ausgebrannt? Vertrau auf die Kraft der positiven Gedanken!

      Motivation ist alles. Wer sich nicht selbst motiviert, wird motiviert. Nur Mitarbeiter, die man in ihrem Tatendrang bestärkt, erbringen Bestleistungen. Die Motivationsindustrie wurde in Gang gesetzt, denn laut Hayek müssen Menschen ständig angetrieben werden. Dabei ist längst erwiesen, dass (fast) jeder Mensch gerne sinnvoll beschäftigt ist. Was jedoch individuell für sinnvoll gehalten wird, ist so verschieden wie die Menschen selbst. Das eigentliche Problem ist die Festlegung auf ökonomische Verwertbarkeit dessen, was als Arbeit gilt (5).

      Aus:
      Donnerstag, 29. März 2018, 12:02 Uhr
      ~17 Minuten Lesezeit
      Kapitalismus im Kopf
      Eine ganze Industrie arbeitet daran, unseren Verstand zu manipulieren.
      von Ulrike Orso

      Hat sich noch nie jemand gefragt, wo plötzlich die vielen „Berater“ herkamen? Ein schier unüberschaubarer Markt an Beratungs- und Bildungsangeboten hat sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt. Dabei fällt eines auf: Überall werden die gleichen Sätze, die gleichen Aufforderungen und Gleichschaltungsmechanismen eingesetzt. Ein Großteil der insbesondere an Unternehmer und Arbeitnehmer adressierten Bereiche entstand aus der Idee des „Positiven Denkens“. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zwischen manchen — in den USA sehr erfolgreichen — Predigern, namhaften Psychologen, den Vertretern der neuen Propagandatechniken und den Entwicklern der Ideologie des Neoliberalismus zu einem weitreichenden Schulterschluss.
      (Rubikon)

      Und hier:
      „Das Bewußtsein der Massen wird eines Tages reif sein zu erkennen, daß ihre Arbeitsbedingungen, insbesondere die Folgen der Arbeitsteilung, inhuman sind, das heißt, ihrer Lage als ganzheitliche menschliche Wesen nicht entsprechen.
      Wenn dieses Gefühl von einer politischen Bewegung umgesetzt werden kann in eine massenhafte Empörung gegen diese Ungerechtigkeit, dann wird die Lage kritisch (…)

      Ob unsere Demokratie die Kraft hätte, Maschinengewehre gegen revoltierende Arbeitermassen zu richten, bezweifle ich.
      Ein Noske, der 1919 erklärte: einer muß den Bluthund machen, scheint mir nicht am Horizont.“
      (Günther Nollau, Wie sicher ist die Bundesrepublik?)

      Hr. Mausfeld: An dieser trockenen Analyse, würden wir auch heute noch sagen, da ist sicherlich etwas dran. Der Schluß erscheint mir etwas optimistisch, denn ich denke wenn die Situation da ist, daß die Zentren der Macht sich wirklich bedroht fühlen, dann wird es sicherlich auch keinen Mangel an Noskes geben, die bereit sind sich für diese Aufgabe zur Verfügung zu stellen.
      (…)
      Begriff der ,Gewalt´ gehört zum politischen Falschwörterbuch

      Als ,Gewalt´ werden Reaktionsweisen der Machtunterworfenen angesehen,
      Gewalt ist das, was einzelne (nicht staatliche) Täter begehen

      Nicht zur ,Gewalt´ zählen:

      – Gewalt durch staatliche Zwangs- und Sicherheitsorgane
      – Gewalt durch Zerstörung ökonomischer und ökologischer Lebensgrundlagen
      – Gewalt durch die systematische Erzeugung von Angst und Unsicherheit
      – Gewalt durch Verletzungen sozialer Menschenrechte
      – …

      > Die Folgen struktureller Gewalt werden auf das Individuum projiziert – individualisiert und pathologisiert. Dadurch wird strukturelle Gewalt unsichtbar.
      (…)
      Hr. Mausfeld: Vergessen sie den Traum von sozialer Gleichheit, das führt nur zu Gewalt. Das ist die Scheidelsche Drohung.
      Interessant ist auch hier wieder, wichtig ist ja sozusagen daß wir politische Denkmethodologie üben und uns immer wieder die Sprache ansehen. Scheidel spricht von dem ungeheuren menschlichen Leid. Er meint das ungeheure menschliche Leid das in der Geschichte dadurch entstanden ist, daß Leute gegen menschenunwürdige Zustände gekämpft haben.
      Er meint nicht das ungeheure menschliche Leid das durch die Zustände, durch die Mechanismen die zu diesen Zuständen geführt haben, durch die Zustände selbst entstanden ist.
      Hier sehen sie im Grunde schon wieder eine ideologische Verbrämung des Status quo.
      (Verbrämung – positive, abgeschwächte Darstellung von etwas Negativem)

      Aus:
      Rainer Mausfeld: Neue Wege des Demokratiemanagements

    • Box, man muss unterscheiden:

      Bei dem in Wirtschaftsunternehmen so gerne propagierten "positiven Denken" handelt es sich häufig nur um plumpe Manipulation dahingehend, dass der Mitarbeiter die Missstände seiner Arbeitsbedingungen und die Zumutungen des Arbeitgebers möglichst nicht merken oder aber wenigstens nicht kritisieren soll.

      Um aber als Mensch ein selbst gestecktes Ziel zu erreichen, bedarf es schon einer gehörigen Portion positiven Denkens im richtig verstandenen Sinne. Nämlich in dem Sinne, dass man die Energie entwickelt, das zu erreichen, was man sich wünscht oder was man für wichtig hält. Dazu ist immer eine Veränderung dessen erforderlich, was momentan ist, und zu einer solchen Veränderung ist man nur in der Lage, wenn man das Ziel der Veränderung als etwas Positives wahrnimmt und nicht lediglich als die nun mal leider dringend erforderliche Beseitigung unerträglicher Missstände. Nur dann, wenn man sich nicht nur auf die Beseitigung von Missständen konzentriert, sondern weit darüber hinaus geht und sich voller Optimismus daran macht, etwas Neues aufzubauen, das man sich als etwas durch und durch Positives vorstellt, nur dann bringt man die nötige Energie auf, dieses Ziel zu erreichen.

      In Deutschland hingegen konzentrieren sich viel zu viele viel zu sehr auf das Negative, nörgeln und grübeln gerne, malen sich verbittert (genüsslich?) Horror- und Weltuntergangsszenarien aus bis zur mentalen Erschöpfung und berauben sich so der Energien, die man braucht, um etwas zu ändern. Stattdessen wäre es angebracht, jede nüchterne Analyse von Missständen von vorneherein mit dem Bestreben untrennbar zu verbinden, eine Lösung für die erkannten Probleme zu finden. Für viele Deutsche wäre es eine höchst fruchtbare mentale Übung, sich stets zu zwingen, zu jedem Problem, das man erforscht, zugleich auch einen praktikablen Lösungsvorschlag auszuarbeiten. Solange man sich hingegen mit den großartigen Erkenntnissen seiner brillianten Analyse zufrieden gibt und sich selbstgefällig zurücklehnt, geschieht – nichts.

  4. "Die Öko-Katastrophe. Den Planeten zu retten, heisst die herrschenden Eliten zu stürzen."

    Das könnte glatt ein BILD Titel sein – in seiner reißerischen und dramatischen Irrationalität. Wann in der menschlichen Geschichte hat der "Sturz" der jeweiligen Eliten zu einer "Rettung" der jeweiligen Gesellschaften oder gar des "Planeten" geführt ?
    Da lobe ich mir die klaren, langfristigen Vorschläge von Wolf-Dieter Storl zur Rettung des Planeten, die alles andere als einfach durchzuführen sind, aber – im Gegensatz zum Elitensturz – für jeden von uns in Reichweite sind, wenn wir ernsthaft wollen: Konsum reduzieren, Garten anlegen, Bäume pflanzen https://kenfm.de/wir-sind-geschoepfe-des-waldes-wolf-dieter-storl-bei-den-buchkomplizen/

    Damit will ich gar nichts gegen einzelne Artikel dieses Sammelbandes sagen. Bestimmt bin ich mit vielen von ihnen sehr einverstanden. Aber der Titel nervt mich ungemein – und lenkt die Energie mal wieder auf die bösen Eliten statt uns selbst und unseren positiven Möglichkeiten Energie zu geben.

    • Im pervertierten Freiheitsbegriff des Neoliberalismus bezieht sich die »Freiheit« einer Person darauf, dass sie sich den Kräften des »freien Marktes« zu unterwerfen hat, also von allen gesellschaftlichen und sozialen Banden »befreit« und somit sozial und gesellschaftlich entwurzelt ist. Scheitert sie auf dem »Markt«, so darf sie dafür nicht gesellschaftliche Verhältnisse verantwortlich machen, sondern muss dies ihrem individuellen Versagen zuschreiben. Die Unsicherheit, ob man in einer konkreten Situation flexibel genug ist, die richtigen Anpassungsleistungen angesichts der Unvorhersehbarkeit des Marktes zu erbringen, führt zu dauerhafter Anspannung und zu einer Intensivierung der Anpassungsanstrengungen. Daher kann eine Person die Haltung eines unternehmerischen Selbst nur um den Preis psychischer Deformationen annehmen. Da die Ideologie des unternehmerischen Selbst auf einem empirisch hochgradig unangemessenen Menschenbild beruht, also der tatsächlichen Beschaffenheit unseres Geistes zuwiderläuft, überrascht es nicht, dass diese Entwicklungen mit zunehmenden narzisstischen und Borderline-Störungen, mit Burn-out, schweren Depressionen und Angststörungen einhergehen.

      Die Ideologie des unternehmerischen Selbst ist mit ihren Folgen einer Individualisierung längst auch in emanzipatorischen Bewegungen wirksam geworden. Dort spiegelt sie sich beispielsweise in Parolen wider wie: »Wer die gesellschaftlichen Verhältnisse verändern will, soll die Veränderungsenergie nicht auf Zentren der Macht richten, sondern mit der eigenen Veränderung beginnen.« Diese frohe Botschaft zur Individualisierung des Glücks – die »Privatisierung der Utopie« (Steve Fraser) – wird sicherlich von den Herrschenden gerne begrüßt. Entgegen einer solchen individualisierenden Konzeption ist Glück jedoch ein Zustand, der nicht allein von unserer individuellen Selbstentfaltung und Selbstverwirklichung abhängt, sondern wesentlich auch von unseren sozialen Lebensverhältnissen, insbesondere einem Gefühl von Zugehörigkeit, und damit auch von unseren materiellen Lebensverhältnissen. Die vielfältigen Formen einer individualisierenden Psychologisierung von Glück und Selbstverwirklichung, wie sie gegenwärtig wieder hoch im Kurs stehen, tragen zur Stabilisierung der gegebenen Machtverhältnisse bei und führen zu einer weiteren Entleerung des politischen Raumes.
      (…)
      Während der Neoliberalismus die Opfer seiner Transformationsprozesse als für ihre Situation selbstverantwortlich erklärt, hat er es zugleich geschafft, für die politischen und ökonomischen Entscheidungsträger eine »Kultur der Verantwortungslosigkeit« (C. Wright Mills) zu etablieren. Durch die ideologische Behauptung, dass diese Entscheidungsträger nur Sachzwängen und Naturgesetzlichkeiten des globalisierten freien Marktes Rechnung tragen würden, werden die Folgen dieser bewußten Entscheidungen – die Agenda 2010 ist ein prominentes Beispiel – dem menschlichen Verantwortungsbereich entzogen. Der Neoliberalismus hat eine neue Kategorie menschlichen Tuns hervorgebracht, nämlich Taten ohne Täter. Damit hat er den opfern dieser Taten die Möglichkeit genommen, diese Taten als menschliche Taten zu verstehen, sie Tätern zuzuweisen und aus diesen Taten angemessene Konsequenzen für ein gesellschaftliches Handeln zu ziehen.
      Die systematische Erzeugung von sozial-ökonomischer Unsicherheit lässt in der Gesellschaft zwangsläufig große Empörungs- und Protestpotentiale entstehen und damit politische Veränderungsbedürfnisse. Der Neoliberalismus benötigt daher besonders wirkungsmächtige Methoden, dies Veränderungsbedürfnisse zu neutralisieren und auf Ablenkziele umzuleiten.
      (…)
      Der Neoliberalismus ist sehr erfolgreich in seinem Bemühen, die Opfer seiner Transformationsprozesse dazu zu bringen, sich ihre Situation »als normale Folge von Fehlverhalten« selbst zuzuschreiben.
      (…)
      Das zunehmende gesellschaftliche Sichtbarwerden von Prekarisierung und ihren Folgen beunruhigt auch die sozioökonomisch mittleren Schichten. Sie erleben eine wachsende materielle Unsicherheit über den Erhalt ihres sozialen Status und müssen die damit verbundenen Abstiegsängste psychisch bewältigen. Da die Ideologien der Meritokratie und des unternehmerischen Selbst den Weg zu einem solidarischen politischen Handeln blockieren, werden aus realen Abstiegsängsten diffuse Binnenängste. Die damit verbundenen Psychodynamiken, wie sie in der Traumatisierungsspirale beschrieben sind, lassen sich wiederum für Zwecke einer Machtstabilisierung nutzen. Gerade die Abstiegsängste erhöhen die Neigung der Betroffenen, den jeweiligen Status quo zu rechtfertigen und zu verteidigen. Durch die gewaltigen vom Neoliberalismus erzeugten gesellschaftlichen Spannungen hat diese ideologische Verteidigung des Status quo Formen angenommen, die der Soziologe und Konflikt- und Gewaltforscher Wilhelm Heitmeyer »rohe Bürgerlichkeit« nennt.
      (…)
      Als Ursachen dieser Entwicklung einer »rohen Bürgerlichkeit« macht Heitmeyer die »ökonomistische Durchdringung sozialer Verhältnisse«, eine »Demokratieentleerung« und »fehlende politische und öffentliche Debatten über das Verhältnis von Kapitalismus und Demokratie« aus. Damit identifiziert er präzise die tieferliegenden Wurzeln sozialer Verrohungen, die mit dem Siegeszug der neoliberalen Revolution von oben ein Kennzeichen der Gesellschaften in »kapitalistischen Demokratien« geworden sind.
      Das Verhältnis von Demokratie und Kapitalismus muss daher wieder oder überhaupt erst einmal in das Zentrum öffentlicher Debatten über die Zukunft unserer Gesellschaft rücken. Solange wir dieses Verhältnis nicht geklärt haben, können wir auch keine überzeugenden und attraktiven Rahmenerzählungen anbieten, die emanzipatorischen Bewegungen erst Kohärenz und politische Wirksamkeit geben können.
      (…)
      Wie kann eine größtmögliche Freiheit von gesellschaftlicher Angst gewonnen werden?

      Der Neoliberalimus hat es vermocht, auf den dunkleren Seiten des Menschen eine Gesellschaft zu errichten. Er hat seine anthropologische Lüge eines homo oeconomicus, um mit Günther Anders zu sprechen, wahrgelogen. Obgleich das dem Neoliberalismus zugrunde liegende Menschenbild ein perverses Zerrbild des Menschen ist, hat es der Neoliberalismus geschafft, seinem Menschenbild eine gesellschaftliche Realität zu verleihen.
      Mit der Entwicklung des Kapitalismus zum Neoliberalismus hat der Kapitalismus seine kurzzeitig durch den Druck sozialer Bewegungen erzwungenen Bemühungen aufgegeben, mit der Demokratie eine gesellschaftliche Zweckverbindung einzugehen. Er hat die demokratische Maske fallengelassen, mit der er eine Zeit lang aus strategischen Gründen seine radikal antidemokratische Zielsetzung verborgen hat.

      Damit hat er auch einen demokratischen Reformismus, den der Industriekapitalismus stets zu seiner Stabilisierung und zum Schutz vor sich selbst benötigt hat, weitgehend unwirksam und unmöglich gemacht. Dadurch können sich nun in der neoliberalen Extremform des Finanzkapitalismus die selbstdestruktiven Momente des Kapitalismus und seine inneren Widersprüche ungehemmt entfalten. Mag sich der Leviathan des Neoliberalismus auch die Verkleidung einer kapitalistischen Demokratie geben, so bleibt er ein autoritäres und quasi-totalitäres System, das – in sich flexibel ändernden Formen – jederzeit bereit ist, auf autoritären Wegen sein zentrales Ziel durchzusetzen und zu erhalten, nämlich eine gegen alle demokratischen Einflüsse geschützte Ausbeutung der Vielen zu Gunsten der Wenigen. Das demokratische Versprechen einer größtmöglichen Freiheit von Angst ist damit hinfällig geworden. Mehr noch: Der Neoliberalismus produziert nicht nur systematisch den Rohstoff Angst, sondern hat die Psychotechniken einer auf Angsterzeugung basierenden Sicherung seiner Stabilität zur Perfektion verfeinert.
      Demokratie und Kapitalismus sind, wie vielfach sorgfältig aufgezeigt wurde, nicht miteinander vereinbar. Damit ist es aus grundsätzlichen Gründen auch unmöglich, in einer »kapitalistischen Demokratie« die drei demokratischen Versprechen – nämlich gesellschaftlicher Selbstbestimmung, friedliche Lösung innerer und äußerer Konflikte und Freiheit von gesellschaftlicher Angst einzulösen.
      (…)
      Wenn wir uns aus den Fesseln systematisch erzeugter gesellschaftlicher Angst befreien und emanzipatorische Fortschritte in Richtung einer menschenwürdigeren Gesellschaft ermöglichen wollen, so müssen wir, wie Noam Chomsky nicht müde wird uns zu ermahnen, entschlossen an die Wurzeln der Machtverhältnisse gehen, die einem solchen Ziel im Wege stehen: »Solange die Wirtschaft unter privater Kontrolle steht, ist es egal, welche Formen das System annimmt, weil sich mit der Form nichts erreichen lässt. Selbst wenn es politische Parteien gäbe, an denen sich die Bürger engagiert beteiligen und Programme ausarbeiten, von denen sie überzeugt sind, hätte das bestenfalls marginalen Einfluss auf die Politik, weil die Macht anderswo verortet ist.«
      (…)
      Der Neoliberalismus hat zu einem zivilisatorischen Regress einer Entzivilisierung von Macht geführt, als dessen Folge unsere Gesellschaft und unsere Lebensgrundlagen zerstört werden. Ein wirksames zivilisatorisches Gegenmittel kann nur von unten kommen und muss von unserer Entschlossenheit und unserer unbeirrbaren Überzeugung geleitet sein, dass es keine Form gesellschaftlicher Macht geben darf, die nicht demokratisch legitimiert ist. Ein solches Projekt hat zu seiner notwendigen Voraussetzung, zunächst die mit dem Neoliberalismus zum Extrem getriebene soziale Fragmentierung und Atomisierung zu überwinden und auf der Grundlage eines egalitären Humanismus – also einer Anerkennung aller Menschen als Freie und Gleiche ungeachtet ihrer faktischen Differenzen – Solidarität und Gemeinschaftssinn als Fundamente gesellschaftlichen Handelns zurückzugewinnen.
      (Rainer Mausfeld, Angst und Macht – Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien, S. 84 u. 85/90/92 u. 93/95/98 u. 99/101 u. 102)

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