Dieses Jahr in Warschau

Der 1. September 1939 und Deutschlands Krieg gegen Polen gibt den Anlass.

Von Willy Wimmer.

Seit dem Treffen zum Waffenstillstandstag 1918 auf den Champs-Elysees in Paris im November des vergangenen Jahres reißen die Gedenk-und Erinnerungsveranstaltungen zur modernen Geschichte Europas nicht ab. Kaum hat man das Treffen eingeladener Staats-und Regierungschefs aus Anlass der Landung der Westalliierten am 6. Juni 1944 hinter sich, steht die nächste Großbegegnung an. Allerdings diesmal nicht in der ehemaligen und jahrhundertelang deutschen Stadt Danzig sondern in Warschau. Da merkt man schon auf, vor allem deshalb, weil dieses Treffen der Staats-und Regierungschefs geradezu Signalcharakter hat. Dafür gibt es zwei Gründe, die uns in Europa umtreiben müssten. Niemand, auch nicht die eigene Bundesregierung, hat es für nötig befunden, an die hundertste Wiederkehr der Konferenz von Versailles am 28. Juni 1919 und damit vor einhundert Jahren zu erinnern. Wenn man sich diejenigen ansieht, die sich zu diesen Treffen einfinden, wenn man wieder einmal Panzer rollen lassen kann, ist das geradezu kein Wunder. Auf diese Art und Weise will man offensichtlich jede Erinnerung an den gegen Österreich-Ungarn und das kaiserliche Deutschland geführten Vernichtungskrieg ab 1914 und die diplomatische Fortsetzung über die Konferenz von Versailles erinnern und die Spuren verwischen, die gezielt seitens der Westallliierten in Versailles zum Ausbruch eines neuen Krieges 1939 geführt haben.

Es ist aber nicht nur die Erinnerung an das schändliche Werk von Versailles gegen die damaligen „Mittelmächte“. Versailles war der manifeste Verstoß gegen jede europäische Erfahrung und Vorgehensweise, einen Frieden dadurch zu ermöglichen, daß man alle Parteien an einen Tisch holte. Seit den ersten Schritten in Europa zu einem verbindlichen Völkerrecht hatte man es so gehalten, wie der Friedensschluß von Münster und Osnabrück 1648 und von Wien 1815 es deutlich gemacht hatten. Gegen Deutschland und Österreich sollte das 1919 gerade nicht erreicht werden und die in Versailles ausgelegte Kriegslunte sah für die deutsche Stadt Danzig eine insoweit entscheidende Rolle für den nächsten Kriegsausbruch vor.

Dieses Denken der aggressiven Vernichtung anderer Staaten und Völker feiert geradezu mit dieser Einladung nach Warschau fröhliche Urstände. Das wird in der polnischen Weigerung deutlich, dem Präsidenten der Russischen Föderation, Herrn Putin, die Ehre einer Einladung zu erweisen.

Was muß man in einem Land denken, das über die britische und französische Kriegserklärung an Deutschland wegen dessen Krieg gegen Polen als Staat und mit seinen Völkern der Leidtragende dieses Krieges par excellence gewesen ist, wenn man zu dem Gedenken an die damaligen Ereignisse nicht erwünscht ist und keine Einladung erhält? Man konnte dieses Vorgehen, für das man einfach keine Worte findet, bereits ahnen, als zur fünfundsiebzigsten Wiederkehr der Landung in der Normandie ebenfalls keine Einladung an den Präsidenten der Russischen Föderation erfolgte. Will man damit etwa zum Ausdruck bringen, in dem damals gegen Deutschland und zunächst Österreich-Ungarn gerichteten Geist der staatlichen Vernichtung über den Ausbruch des Ersten Weltkrieges und Versailles jetzt gegen die Russische Föderation und damit das russische Volk vorgehen zu wollen? Mit deutschen Generalen und Ministern an der Spitze, die die Klappe in übler Weise aufreißen?

Oder hat der amerikanische „deep state“ dafür gesorgt, daß es keine Einladung nach Moskau gab, weil der eigene Präsident, Herr Donald Trump, in dem Verdacht steht, mit seinem Präsidenten-Kollegen in Moskau „fraternisieren zu wollen und zu können“? Damit stünde das Treffen in Warschau in der Abfolge von Veranstaltungen, bei denen es nicht um den Frieden sondern die Vorbereitung des nächsten Krieges steht, wie dies seit der alliierten Invasion Rußlands nach dem Ende des zaristischen Rußland der Fall gewesen ist?

Für uns Deutsche ist das keine akademische Diskussion, denn der russische Präsident Putin hat nicht nur bei seiner berühmten Rede 2001 im Plenum des Deutschen Bundestages sondern seither wieder und wieder, uns Deutschen und damit uns Westeuropäern die Hand zur Zusammenarbeit ausgestreckt. In diesem Jahr werden wir daran erinnert, daß am 9. November 1989 die Mauer fiel und Deutschland nicht mehr zwischen Bundesrepublik und DDR geteilt gewesen ist. Vermutlich wird es bei dieser Erinnerung deutlich werden, in welchem Maße wir Deutschen dies der damaligen sowjetischen Staatsführung unter Michael Gorbatschow zu verdanken hatten. Dies war zu einem Zeitpunkt, als weder Paris noch London etwas davon hielten und zum Jahreswechsel 1989/1990 alles dafür sprach, daß die Vereinigten Staaten die Wiedervereinigung Deutschlands nicht zulassen würden.

In einem bemerkenswerten Artikel hat am 26. Juli 2019 Herr Werner Rügemer in den „Nachdenkseiten“ bei einer Betrachtung der amerikanischen Einflußnahme auf den deutschen Wiederstand während des Zweiten Weltkrieges darauf aufmerksam gemacht, daß die Sowjetunion selbst in dieser Zeit Deutschland eine größere eigene Entwicklungsmöglichkeit beim Ende der Feindseligkeiten zuzugestehen bereit gewesen ist und Frieden wollte, während über die „bedingungslose Kapitulation“ die Vernichtung Deutschlands über Versailles hinaus das Ziel der Westalliierten gewesen ist. „Ramstein“, die Drohnenmorde und die endlosen Panzertransporte an Dresden vorbei gen Osten stehen eigentlich für das, was aus Deutschland geworden ist.

Der deutsche Historiker, Professor Klaus Fenske hat in diesen Tagen in einer öffentlichen Stellungnahme nicht nur auf die geradezu tödliche Wirkung von Versailles aufmerksam gemacht, sondern, auch darauf, welchen Einfluß das zwischen 1918 bis 1939 auf Krieg in Europa und auch gegen Deutschland geradezu „gebürstete“ Warschau auf die innenpolitische Machtvermehrung von Herrn Hitler vor der Machtergreifung im Januar 1933 ausgeübt hatte, als sich das Reich gegen einen erwarteten polnischen Angriff nicht anders glaubte erwehren zu können, als durch die Verwendung der SA im Falle eines polnischen Marsches auf Berlin, nachdem Anfang der zwanziger Jahre offenbar Köln vor die polnische Flinte kommen sollte. Gerade diese und heute vom gesamten Westen praktizierte Vorgehensweise, über die Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten die eigenen Interessen durchsetzen zu wollen, macht deutlich, was bewirkt wird, wenn man sich trifft, um andere Staaten zu destabilisieren. Das hat auch Warschau nicht verdient, in dieses Bild gestellt zu werden, wie das segensreiche Wirken der Gewerkschaft „Solidarität“ und Papst Johannes Paul II deutlich gemacht haben. Auch wegen des Gastes aus London in der Person von Boris Johnson, sollten die Alarmglocken schrillen. Es ist in Deutschland nicht in Vergessenheit geraten, welche Aktivitäten aus London heraus entfaltet worden sind, einen verständigungswilligen amerikanischen Präsidenten namens Donald Trump zu Fall zu bringen. Boris Johnson steht dafür, über Kreuz zu sein mit der EU als „europäischem Friedensprojekt“. Er hängt der britischen Weltmacht an. Dann ist man in Warschau richtig.

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Bildhinweis: Mike Mareen, Shutterstock

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung.

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15 Kommentare zu: “Dieses Jahr in Warschau

  1. Da schält sich ein Muster heraus.

    Am Anfang war Erziehung:
    Eltern stellen irrwitzige Forderungen an die Kinder, Eltern demütigen die Kinder, Eltern kränken den Stolz der Kinder – Erziehung ist ein einziges „Versailles“ der Eltern an den Kindern.

    Vielleicht reiben sich deswegen so viele am politischen historischen Versailles, denn so gesehen passt Versailles sehr gut für die entsprechenden Projektionen aus der Kindheit.
    Wenn jetzt das politische historische Versailles mit dem „Versailles“ der Kindheit durch Projektionen vermischt wird, dann wird nicht die Situation des Ersten Weltkriegs gesehen, sondern die psychobiographische Eltern-Kind-Situation gefühlt.
    Beispiel:
    Die Briten waren geopolitisch erfahrene Spieler auf dem Grand Chessboard und die Deutschen, naja, ambitionierte Anfänger.
    Großbritannien hatte erheblich mehr Ressourcen zur Verfügung als Deutschland.
    Und ob man da die jeweilige Alliierten dazuzählt oder weglässt, ändert daran nicht sooo viel.
    Jedenfalls waren die Gegner Großbritannien und Deutschland so gesehen nicht gleich, Deutschland war in einer schlechteren Position, obwohl D. als aufstrebende Wirtschaftsmacht auch wiederum einige Vorteile hatte, aber all das ist hier nicht der Punkt.
    Der Punkt ist: es war keine Eltern-Kind-Situation, es waren Staaten untereinander, meinetwegen ein Staat in einer schlechteren Position, aber als Staaten wiederum auch Gleiche unter Gleichen, jedenfalls mit erwachsenen Personen als Entscheidern, Beratern usw..
    Wenn die psychobiographische Eltern-Kind-Situation auf den Ersten Weltkrieg projiziert wird, dann werden aus den Briten übermächtige-bösartige-Eltern und aus den Deutschen unschuldige-ohnmächtige-arme-kleine-Kinder, eben wie es während der Erziehung in der Kindheit war.
    Das ist aber weit entfernt von einer Betrachtung des Erstens Weltkriegs, denn:
    Die Deutschen standen auf französischem Territorium, waren durch Polen durch und standen tief in russischem Territorium, waren auf dem Balkan, in Afrika und sonstwo, u.a. auch, weil die Deutschen militärisch gut gerüstet waren, sich logistisch auf den Krieg vorbereitet hatten usw.; Projektionen von unschuldigen-ohnmächtigen-armen-kleinen-Kindern, die man von Schuldzuweisungen erlösen müsste, stehen dazu in auffallendem Kontrast.

    Dass es Projektion ist würde auch erklären, warum sich so viele so intensiv an der Schuldfrage reiben, bzw. so intensiv versuchen, die Deutschen von ihrer Schuld reinzuwaschen:
    Am Anfang war Erziehung, in der Kindheit wurden die meisten Menschen tatsächlich andauernd zu Unrecht beschuldigt.
    Diese Kränkung sitzt tief und wird durch das Thema Versailles gereizt, aber diejenigen, die sich heute aufregen, wurden nunmal nicht vor 100 Jahren von den bööösen Briten gekränkt, sondern die wurden vor wenigen Jahrzehnten von ihren eigenen Eltern gekränkt, welche übrigens hierzulande meistens deutsche Eltern gewesen sein dürften.

    Etwas Gutes haben Projektionen:
    Wenn man die Sprache der Seele versteht, dann kann man Projektionen lesen, was sie projizieren, zumindest in welche Richtung die Fährte zeigt.
    Und dann kann man in sich gehen und sich anschauen, was da los ist.
    Wenn nötig, kann man einiges aufarbeiten.

    Und DANACH – wenn es nicht mehr mit Projektionen vermischt würde – wäre auch der Blick frei und klar auf das historische politische Versailles. 🙂

    • Ich weiß nicht, ob man alles auf Eltern-Kind-Situationen herbei-psychologisieren darf. Es ist gerade sehr in Mode, auf die „normale“ Familie und die „normalen“ Mütter und Väter zu schimpfen und alles andere : Patchwork-Familie, staatliche Erziehung, gleichgeschlechtliche Eltern, Ein-Kind- und Ein-Elternteil-Familien für besser zu halten, als die natürliche Familie. Kinder brauchen viel Liebe, ganz gewiss und meiner Ansicht nach mindestens eine Bezugsperson, der sie 100%ig vertrauen können und von der sie das Gefühl haben: „die ist da und vertraut mir, dem Kind und lässt mich meine Erfahrungen beim Spielen machen.“ Wenn ich manchmal diese Kita-Kleinkindgruppen sehe, wenn die Kita-Gruppe zum Spazierenfahren unterwegs ist und die 1-2-Jährigen in ihren Mehrsitzer-Wägelchen zu fünfzehnt von zwei, drei Erzieherinnen geschoben werden und jedes Kindchen wie verloren da drin sitzt, so ganz für sich allein, den Teddy umklammert und den Eindruck hinterlässt, es wartet nur, bis es endlich, endlich wieder daheim bei Mama oder Papa sein darf – da denke ich oft: Wie verloren sie wirken. Soll das wirklich besser sein, als eine liebende Familie? Nein. So hätte ich es für mich und meine Kinder nicht gewollt. Gerade diese frühe Kindheit und Vorschulzeit ist so eine wunderbare Zeit- wenn man ihre Entwicklung so miterleben kann.

      Es wird sehr viel psychologisiert – und ein Menschenbild, dass die Entstehung des Menschen bei der Geburt ansetzt und nicht an einen schon vorgeburtlich existierenden Menschengeist glaubt, schiebt verständlicherweise alle Verhaltensauffälligkeiten auf die frühe Kindheit und somit auf die Eltern. Aber was ist, wenn die Eltern gar nicht an allem schuld sind, sondern die Menschenseele schon mit Ballast auf die Welt kommt?

      Überlegen Sie auch mal, ob vielleicht auch Filme, die ein sehr negatives Bild des Erziehungswesens im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert zeichnen, vielleicht für Ihre pessimistischen Ansichten mitverantwortlich sein könnten – wie z. B. der Film: „Das weiße Band.“ Und ich frage mich, ob dieser Film nicht ein Propaganda-Film ist – ein später Propaganda-Film, der eben genau dieses negative Bild in die Köpfe pflanzen soll, das Sie vom Deutschen Kaiserreich haben? Damit spreche ich nicht der preußischen Erziehung das Wort – die war sicherlich autoritär und und zu streng. Aber trotzdem fällt mir auf, dass deutsche Filme merkwürdigerweise oft dann ausgezeichnet werden, wenn sie ein ziemlich negatives Bild der deutschen Gesellschaft zeichnen. Beispiele: „Das weiße Band“, „Die Blechtrommel“, und „Oh boy“ (2012). Das ist auffallend.

    • @ A.Eberl
      „Ich weiß nicht, ob man alles auf Eltern-Kind-Situationen herbei-psychologisieren darf.“

      „alles“ ?!
      Meinerseits habe ich (so ausführlich wie dem Rahmen eines Postings angemessen) beschrieben, was konkret die Projektion in genau diesem Fall (Erster Weltkrieg, Versailles) ist.
      Wo ich zu anderen Themen den Zusammenhang zu „Wie gestört ist unsere Gesellschaft?“ beleuchtet habe, dort habe ich auch (so ausführlich wie dem Rahmen eines Postings angemessen) beschrieben, worin konkret im jeweiligen Fall die Projektion besteht oder was konkret die Reinszenierung ist.
      Und wo ich damit ggf. falsch liege, kann man anhand der Argumente diskutieren, jedenfalls habe ich jeweils konkrete Fälle mit konkreten Begründungen / Argumenten genannt.
      Sie schreiben „alles“.
      Nun ja.

      Hier auf KenFM wird ja ein breites Spektrum angeboten; zu Psychologie gab es beispielsweise eine Sendung „Positionen. Ab auf die Couch. Wie gestört ist unsere Gesellschaft?“ und eine Sendung „Im Gespräch“ mit Hans Joachim Maaz, die bieten einen ersten Einstieg ins Thema.
      Wer wissen will, worum es geht, kann die einschlägigen Bücher lesen und sich dann auf dieser Grundlage selber (s)eine Meinung dazu bilden.
      Gerald Hüther wurde auch von KenFM interviewt, das ergänzt das psychologische Thema aus dem Blickwinkel der Hirnforschung; von Hüther gibt es auch Vorträge und Bücher, die kann sich auch jeder zu Gemüte führen, der will.
      Wer nicht wissen will, was Projektionen, Reinszenierungen usw. sind und wie sich früheste Prägungen – in Hüthers Sprache als Hirnforscher die ersten grundlegenden Synapsenverschaltungen – auswirken, der will das halt nicht wissen; seine Entscheidung.

      Zu sagen „ich weiß nicht, ob man das thematisieren darf“ (Original: „Ich weiß nicht, ob man alles auf Eltern-Kind-Situationen herbei-psychologisieren darf.“), das wirkt dann wie „weil ich keine Ahnung davon habe, dürfen andere das nicht thematisieren“.
      Und woher könnte einem sowas bekannt vorkommen?!
      Ach ne, DAS darf man ja nicht thematisieren. 😀

  2. Antwort auf den vorigen Post:
    Als das deutsche Kaiserreich gegründet wurde, sprach Nietzsche von der Exstirpation des deutschen Geistes zugunsten des deutschen Reiches.

    Indem Deutschland andere Länder in Bezug auf Imperialismus und Großmachtstreben nachahmte, statt sich auf Kultur, Kunst, Musik, Philosophie, Dichtkunst und Erfindungen zu konzentrieren, kam es automatisch in Konkurrenz zu den bereits bestehenden Mächten, wie z.B. dem British Empire.

    Trotzdem – es geht, bei Versailles, um die Verhältnismäßigkeit. Man sollte schon differenzieren. Es kann nicht angehen, dass die beiden Reiche, Österreich-Ungarn und das Deutsche Kaiserreich, die zwischen 1816 und 1913 unter den großen Kriegsteilnehmern die wenigsten Kriege geführt haben, wenige Kolonien (Deutschland) und gar keineKolonien (Österreich-Ungarn) hatten und mit einer Falle in den Weltkrieg hineingelockt wurden, hinterher zerschlagen werden, (wie Österreich-Ungarn) und die Alleinschuld und irrsinnige Reparationszahlungen (wie Deutschland) aufgebrummt bekommen, während die anderen Großmächte so taten, als ob sie den Krieg nie gewollt hätten, immer kleine Völker geschützt hätten und auf dem Völkerrecht basierende, unschuldige Lämmchen-Staaten gewesen wären. DAS WAREN SIE ABER NICHT. Zur Untermauerung meiner Aussage hier eine beeindruckende Liste der Kriege, die die Kriegsteilnehmer in der Zeit nach Napoleon bis zum Ersten Weltkrieg, also zwischen 1816-1913 geführt haben: Ich beginne mit den USA:
    Kriege der USA zwischen 1816-1913
    (nach Jahren geordnet und nicht gezählt, da ich es aufgegeben habe)
    1816 – 1818 First Seminole War
    1819 – 1820 Yellowstone Expedition
    1816 – 1825 Anti-piracy war
    1823 – Arikara War
    1827 – Winnebago War
    1831 – Sac and Fox Indian War
    1832 – Black Hawk War
    1833 – 1839 Cherokee Indian War
    1834 – Pawnee Indian Territory Campaign
    1835 – 1842 Seminole Wars,
    1835 – 1839 Second Creek War
    1836 – 1939 Cherokee Indian War
    1836 – 1837 Second Creek War, Missouri-Iowa Border War
    1837 – Osage Indian War, Buckshot War
    1838 – Buckshot War, Heatherly Indian War
    1840 – U.S. naval forces invade Fiji Islands
    1841 – U.S. naval forces invade McKean Island, Gilbert Islands, and Samoa
    1843 – U.S. forces clash with Chinese, U.S. troops invade African coast
    1844 – 1845 Texas-Indian Wars
    1846 – 1849 Mexican-American War, Texas-Indian Wars
    1848 – 1854 Cayuse War
    1849 – Texas-Indian Wars, Southwest Indian Wars, Navajo Wars, Skirmish between 1st Cavalry and Indians
    1850 – 1854 Texas-Indian Wars, Southwest Indian Wars, Navajo Wars, Yuma War, California Indian Wars,
    1851 – 1853 Utah Indian Wars, California Indian Wars
    1854 – 1855 Texas-Indian Wars, Southwest Indian Wars, Navajo Wars, Apache Wars, California Indian Wars
    1855 – Seminole Wars, Texas-Indian Wars, Cayuse War, Southwest Indian Wars, Navajo Wars, Apache Wars, California Indian Wars, Yakima War, Winnas Expedition, Klickitat War, Puget Sound War, Rogue River Wars, U.S. forces invade Fiji Islands and Uruguay
    1856 – Seminole Wars, Texas-Indian Wars, Southwest Indian Wars, Navajo Wars, California Indian Wars, Puget Sound War, Rogue River Wars, Tintic War
    1857 – Seminole Wars, Texas-Indian Wars, Southwest Indian Wars, Navajo Wars, California Indian Wars, Utah War, Conflict in Nicaragua
    1858 – Seminole Wars, Texas-Indian Wars, Southwest Indian Wars, Navajo Wars, Mohave War, California Indian Wars, Spokane-Coeur d’Alene-Paloos War, Utah War, U.S. forces invade Fiji Islands and Uruguay
    1859 Texas-Indian Wars, Southwest Indian Wars, Navajo Wars, California Indian Wars, Pecos Expedition, Antelope Hills Expedition, Bear River Expedition, John Brown’s raid, U.S. forces launch attack against Paraguay, U.S. forces invade Mexico
    1860 – Texas-Indian Wars, Southwest Indian Wars, Navajo Wars, Apache Wars, California Indian Wars, Paiute War, Kiowa-Comanche War
    1861 – American Civil War, Texas-Indian Wars, Southwest Indian Wars, Navajo Wars, Apache Wars, California Indian Wars, Cheyenne Campaign
    1862 – American Civil War, Texas-Indian Wars, Southwest Indian Wars, Navajo Wars, Apache Wars, California Indian Wars, Cheyenne Campaign, Dakota War of 1862,
    1863 – American Civil War, Texas-Indian Wars, Southwest Indian Wars, Navajo Wars, Apache Wars, California Indian Wars, Cheyenne Campaign, Colorado War, Goshute War
    1864 – American Civil War, Texas-Indian Wars, Navajo Wars, Apache Wars, California Indian Wars, Cheyenne Campaign, Colorado War, Snake War
    1865 – American Civil War, Texas-Indian Wars, Navajo Wars, Apache Wars, California Indian Wars, Colorado War, Snake War, Utah’s Black Hawk War
    1866 – Texas-Indian Wars, Navajo Wars, Apache Wars, California Indian Wars, Skirmish between 1st Cavalry and Indians, Snake War, Utah’s Black Hawk War, Red Cloud’s War, Franklin County War, U.S. invades Mexico, Conflict with China
    1867 – Texas-Indian Wars, Long Walk of the Navajo, Apache Wars, Skirmish between 1st Cavalry and Indians, Snake War, Utah’s Black Hawk War, Red Cloud’s War, Comanche Wars, Franklin County War, U.S. troops occupy Nicaragua and attack Taiwan
    1868 – Texas-Indian Wars, Long Walk of the Navajo, Apache Wars, Skirmish between 1st Cavalry and Indians, Snake War, Utah’s Black Hawk War, Red Cloud’s War, Comanche Wars, Battle of Washita River, Franklin County War
    1869 – Texas-Indian Wars, Apache Wars, Skirmish between 1st Cavalry and Indians, Utah’s Black Hawk War, Comanche Wars, Franklin County War
    1870 – Texas-Indian Wars, Apache Wars, Skirmish between 1st Cavalry and Indians, Utah’s Black Hawk War, Comanche Wars, Franklin County War
    1871 – Texas-Indian Wars, Apache Wars, Skirmish between 1st Cavalry and Indians, Utah’s Black Hawk War, Comanche Wars, Franklin County War, Kingsley Cave Massacre, U.S. forces invade Korea
    1872 – Texas-Indian Wars, Apache Wars, Utah’s Black Hawk War, Comanche Wars, Modoc War, Franklin County War
    1873 – Texas-Indian Wars, Comanche Wars, Modoc War, Apache Wars, Cypress Hills Massacre, U.S. forces invade Mexico
    1874 – Texas-Indian Wars, Comanche Wars, Red River War, Mason County War, U.S. forces invade Mexico
    1875 – Conflict in Mexico, Texas-Indian Wars, Comanche Wars, Eastern Nevada, Mason County War, Colfax County War, U.S. forces invade Mexico
    1876 – Texas-Indian Wars, Black Hills War, Mason County War, U.S. forces invade Mexico
    1877 – Texas-Indian Wars, Skirmish between 1st Cavalry and Indians, Black Hills War, Nez Perce War, Mason County War, Lincoln County War, San Elizario Salt War, U.S. forces invade Mexico
    1878 – Paiute Indian conflict, Bannock War, Cheyenne War, Lincoln County War, U.S. forces invade Mexico
    1879 – Cheyenne War, Sheepeater Indian War, White River War, U.S. forces invade Mexico
    1880 – 1884 U.S. forces invade Mexico
    1885 – Apache Wars, Eastern Nevada Expedition, U.S. forces invade Mexico
    1886 – Apache Wars, Pleasant Valley War, U.S. forces invade Mexico
    1887 – U.S. forces invade Mexico
    1888 – U.S. show of force against Haiti, U.S. forces invade Mexico
    1889 – U.S. forces invade Mexico
    1890 – Sioux Indian War, Skirmish between 1st Cavalry and Indians, Ghost Dance War, Wounded Knee, U.S. forces invade Mexico
    1891 – Sioux Indian War, Ghost Dance War, U.S. forces invade Mexico
    1892 – Johnson County War, U.S. forces invade Mexico
    1893 – U.S. forces invade Mexico and Hawaii
    1894 – U.S. forces invade Mexico
    1895 – U.S. forces invade Mexico, Bannock Indian Disturbances
    1896 – U.S. forces invade Mexico
    1898 – Spanish-American War, Battle of Leech Lake, Chippewa Indian Disturbances
    1899 – 1913 Philippine-American War, Banana Wars
    1913 – Philippine-American War, Banana War
    1913 – New Mexico Navajo War
    Entnommen: ttp://www.washingtonsblog.com/2015/02/america-war-93-time-222-239-years-since-1776.html

    • Kriege des British Empire zwischen 1816-1913 – GEZÄHLT
      1. Gurkha-Krieg (1814–1816)
      2. Dritter Marathenkrieg (1817–1818)
      3. Erster Anglo-Birmanischer Krieg (1824–1826)
      4. Zweiter Anglo-Birmanischer Krieg (1852–1853)
      5. Dritter Anglo-Birmanischer Krieg (1885)
      6. Erster Anglo-Afghanischer Krieg (1839–1842)
      7. Zweiter Anglo-Afghanischer Krieg (1878–1881)
      8. Dritter Anglo-Afghanischer Krieg (1919)
      9. Erster Opiumkrieg (1840–1842)
      10. Zweiter Opiumkrieg (1856–1860)
      11. Neuseelandkriege (1845–1872)
      12. Erster Sikh-Krieg (1845–1846)
      13. Zweiter Sikh-Krieg (1848–1849)
      14. Krimkrieg (1853–1856)
      15. Anglo-Persischer Krieg (1856 – 1857)
      16. Sepoy-Aufstand (1857)
      17. Schweinekonflikt (1859)
      18. Britische Äthiopienexpedition von 1868 (1868)
      19. Aschanti-Kriege
      20. Red River Expedition (1870)
      21. Zulukrieg (1879)
      22. Erster Burenkrieg (1880/81)
      23. Anglo-Ägyptischer Krieg (1882)
      24. Mahdi-Aufstand (1881–1898)
      25. Gordon Relief Expedition (1884/85)
      26. Britisch-Sansibarischer Krieg (1896)
      27. Zweiter Matabelekrieg (1896)
      28. Malakand Field Force (1897)
      29. Boxeraufstand (1899/1900)
      30. Zweiter Burenkrieg (1899–1902)
      31. Feldzüge in Somaliland (1902–1920)
      32. Britischer Tibetfeldzug (1903-1904) https://de.wikipedia.org/wiki/Britischer_Tibetfeldzug

      Aus: ttps://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Britisches_Weltreich/Kriege_des_Britischen_Weltreiches

      Kriege des russischen Zarenreiches zwischen 1816-1913 – GEZÄHLT
      1. 1816–1825: Russisch-Georgischer Krieg
      2. 1817–1864: Kaukasuskrieg – (eigentlich Kaukasuskriege – nach „Russische Zaren“)
      3. 1826–1828: Russisch-Persischer Krieg
      4. 1827: Sieg von Admiral Micahil Lasarew über die türkisch-ägyptische Flotte in der Bucht von Nawarin.
      5. 1828–1829: Russisch-Osmanischer Krieg
      6. 1830-1831: Polnischer Aufstand. Niederdrückung des Aufstands im Jahre 1831.
      7. 1849: militärische Intervention zugunsten Österreichs in der Ungarischen Revolution 1848/1849
      8. 1853: Mittelmeer-Feldzug von General W. Perowski. Einnahme der kokandischen Festung Ak-Metschetj. (Quelle: Russische Zaren)
      9. 1853–1856: Krimkrieg
      10. 1857–1858: Russisch-Georgischer Krieg
      11. 1858: Gewinn der Gebiete zwischen Amur und Küste. (Quelle: Russische Zaren)
      12. 1859: Eroberung des Ostkaukasus (Quelle: Russische Zaren)
      13. 1865: Einnahme von Taschkent durch russische Truppen (Quelle: Russische Zaren).
      14. 1868: Einnahme von Samarkand. (Quelle: Russische Zaren).
      15. 1865–1868: Eroberung des Emirats Buchara
      16. 1865–1869: Eroberung des Khanats von Kokand
      17. 1877–1878: Russisch-Osmanischer Krieg
      18. 1881: Einnahme von Aschchabad.
      19. 1885: Russisch-afghanischer Konflikt. Anschluss von Merw. (Quelle: Russische Zaren).
      20. 1899–1901: Niederschlagung des Boxeraufstands
      21. 1900: Russisch-Chinesischer Krieg
      22. 1904–1905: Russisch-Japanischer Krieg
      23. 1911–1914: Russische Invasion in Täbris, Persien
      Entnommen aus:
      ttps://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Milit%C3%A4roperationen_Russlands_und_der_Sowjetunion
      und: Boris Antonow: Russische Zaren. Petersburg 2012.

      Kriege Frankreichs zwischen 1816-1913 – GEZÄHLT
      1. 1821-1829 Griechischer Unabhängigkeitskrieg / Griechische Revolution (Europa)
      2. 1823 Französische Invasion in Spanien (Europa)
      3. 1828-1834 Miguelistenkrieg (Portugal)
      4. 1833-1840 Erster Karlistenkrieg (Europa)
      5. 1838-1839 Kuchenkrieg (Mexiko)
      6. 1830-1848 Eroberung Algeriens (Nordafrika)
      7. 1853-1856 Krimkrieg (Krim, Schwarzes Meer, Balkan, Pazifik)
      8. 1856-1860 Zweiter Opiumkrieg (China)
      9. 1859 Sardinischer Krieg / Zweiter Italienischer Unabhängigkeitskrieg (Italien)
      10. 1862-1867 Französische Intervention in Mexiko (Mexiko)
      11. 1870-1871 Deutsch-Französischer Krieg (Europa)
      12. 1884-1885 Chinesisch-Französischer Krieg (Südostchina, Taiwan)
      13. 1893 Französisch-Siamesischer Krieg (Siam, heute Thailand)
      14. 1899-1901 Boxeraufstand (Nordchina)
      15. Am 21. Mai 1911 marschierten französische Truppen unter General Charles Moinier nach Marokko ein und besetzten Fès und Rabat. https://de.wikipedia.org/wiki/Zweite_Marokkokrise

      Entnommen: – wissenschaftl. Dienst d. Deutschen Bundestags, als PDF herunterzuladen:
      Wd-1-046-16-pdf-data.pdf-Adobe Reader
      Siehe auch: Wissenschaftliche Dienste Deutscher Bundestag, Dokumentation: „Beteiligungen Englands und Frankreichs an Kriegen im 18. Und 19. Jahrhundert.“

      Kriege deutsch-sprachiger Staaten zwischen 1816-1913 – GEZÄHLT

      Und nun, im Vergleich dazu, die Liste der Kriege, die die späteren, sogenannten „Mittelmächte“, also Preußen, der Deutsche Bund und Österreich im gleichen Zeitraum geführt haben:
      1. Schleswig-Holsteinischer Krieg (1848–1851)
      2. Krieg gegen Ungarn 1848 und 1849
      3. Deutsch-Dänischer Krieg (1864)
      4. Deutscher Krieg (1866)
      5. Deutsch-Französischer Krieg (1970-1871)
      6. Militärische Besetzung Bosnien-Herzegowinas durch Österreich-Ungarn (auf Anraten Lord Salisburys während des Berliner Kongresses, 1878)
      7. Boxeraufstand (1899/1900)
      8. Herero-Aufstand (1904)
      9. Nama-Aufstand (1904-1908)

      ttps://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kriege_und_Schlachten_Preu%C3%9Fens
      ttps://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Kaiserreich
      ttps://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreichische_Milit%C3%A4rgeschichte

    • „Es kann nicht angehen, dass die beiden Reiche, Österreich-Ungarn und das Deutsche Kaiserreich, die zwischen 1816 und 1913 unter den großen Kriegsteilnehmern die wenigsten Kriege geführt haben, wenige Kolonien (Deutschland) und gar keineKolonien (Österreich-Ungarn) hatten und mit einer Falle in den Weltkrieg hineingelockt wurden, hinterher zerschlagen werden, (wie Österreich-Ungarn) und die Alleinschuld und irrsinnige Reparationszahlungen (wie Deutschland) aufgebrummt bekommen,“

      Ich stehe für Diskussion zur Verfügung.
      Gegen Sie Bescheid, wenn Sie nicht über Fernseh-Fußball-Unterhaltungsprogramm, sondern über den Ersten Weltkrieg diskutieren wollen.

    • @ A. Eberl
      Oder auch nochmal direkt ohne Fußball:

      Sie sagten in einem anderen posting hier, Wimmers Äußerung sei richtig (die Einseitigkeit, die ich kritisiere, die sehen Sie nicht, nun ja). Wimmer schrieb „Vernichtungskrieg“, Sie stimmen dem zu.
      Also: Sie sehen das als Vernichtungskrieg.

      Gleichzeitig sagen Sie:
      „Es kann nicht angehen, dass die beiden Reiche, … mit einer Falle in den Weltkrieg hineingelockt wurden, hinterher zerschlagen werden, (wie Österreich-Ungarn) und die Alleinschuld und irrsinnige Reparationszahlungen (wie Deutschland) aufgebrummt bekommen,“

      Also:
      Sie sehen es als Vernichtungskrieg und meinen gleichzeitig, es könne nicht angehen, dass Deutschland vernichtet wurde.

      Prinzipiell sagen Sie:
      Es ist A, aber es kann nicht angehen, dass es A ist.

      Da muss ich eingestehen, dass mit sowas umzugehen an die Grenzen meiner Fähigkeiten produktiv zu diskutieren stößt.

  3. Da eine einfache Bemerkung dazu für manche Kommentatoren erklärungsbedürftig ist; bitteschön, sachliche Diskussion ist wichtig für die Meinungsbildung, darum hier die Erläuterung dazu.

    Stein des Anstoßes:
    „an den gegen Österreich-Ungarn und das kaiserliche Deutschland geführten Vernichtungskrieg ab 1914“

    1.
    Die Briten und die Franzosen (die britischen und französischen Imperialisten) wollten die aufstrebende deutsche Konkurrenz vernichten oder zumindest zurückdrängen.
    Die Vorgeschichte des ersten Weltkriegs einschließlich der Interessenlagen aller Kriegsparteien ist umfangreich dokumentiert, da gibt es kein Vertun.

    Na toll dann stimmt es doch, was Wimmer schreibt!
    Nein, Wimmer versucht einen bekannten Trick.

    2.
    Die Deutschen (die aufstrebenden deutschen Imperialisten) wollten ihrerseits die alteingesessene britische und französische Konkurrenz vernichten oder zumindest zurückdrängen.
    Die Vorgeschichte des ersten Weltkriegs einschließlich der Interessenlagen aller Kriegsparteien ist umfangreich dokumentiert, da gibt es kein Vertun.
    Und dazu führten die Deutschen ihrerseits Angriffskrieg.
    Deutsches Militär befand sich außerhalb und teilweise weit außerhalb deutschen Territoriums, wer daran rumdeuteln will, entfernt sich von dokumentierten Tatsachen.

    Darum sage ich:
    „Das ist in dieser Einseitigkeit reaktionär-nationalistischer Geschichtsrevisionismus.“
    Wem – trotzdem es ausdrücklich dasteht – der Punkt entgangen ist, der kann das gleiche nochmal weiter unten mit Hervorhebung lesen.

    Wimmer stellt es so dar, als ob es nur 1. gegeben hätte, das ist der bekannte Trick – Halbwahrheit, Lückendarstellung – und so bekommt die Sache einen Zungenschlag, als ob die Deutschen einseitig Opfer eines Angriffskrieges gewesen wären:
    „an den gegen Österreich-Ungarn und das kaiserliche Deutschland geführten Vernichtungskrieg ab 1914“
    Die andere Seite der selben Münze, nämlich 2. dass die Deutschen gleichzeitig auch Täter eines Angriffskrieges ihrerseits waren, spiegelt sich in Wimmers Formulierung nirgends wieder.
    Darum sage ich:
    Das ist in dieser Einseitigkeit reaktionär-nationalistischer Geschichtsrevisionismus.

    Und es ist ja nicht nur eine Formulierung; der gesamte Text zielt darauf ab, die Kriegsschuld der anderen zu betonen und die Kriegsschuld der Nation, in die Wimmer hineingeboren wurde, wegzulassen.
    Und es ist auch nicht der erste Text Wimmers dieser Art.

    Die Deutschen führten genauso Vernichtungskrieg gegen ihre Gegner:
    Wie bereits erwähnt; die aufstrebenden deutschen Imperialisten wollten sich vom Kuchen der Briten und Franzosen was abschneiden, und zwar mit militärischer Gewalt.
    Es ging auf allen Seiten um Erhalt oder Ausbau von Macht, ökonomischer, politischer und militärischer Macht.

    Marxisten würden sagen, das war eine ganz normale kapitalistische Konkurrenz-Situation zwischen den europäischen (Groß)Kapitalisten bzw. eben Imperialisten … und rein ökonomisch betrachtet war es ja auch genau das:
    Da gab es keine Unschuldslämmer, sondern die Imperialisten aller Seiten bekriegten sich gegenseitig und die Bevölkerungen aller Seiten ließen sich willfährig benutzen – aller Seiten, darum:
    Jeder Zungenschlag, Kriegsschuld der anderen zu betonen und Kriegsschuld der Deutschen runterspielen zu wollen, ist geschichtlich falsch und darüber hinaus, wenn er von einem Deutschen kommt, auch noch dahingehend fragwürdig, sich irgendwie von der eigenen Schuld reinwaschen zu wollen.
    Und nein, nicht gleich aufheulen liebe „besorgte Bürger“ unter den Kommentatoren: nein das ist NICHTS speziell deutsches.
    Sicherlich haben die Vietnamesen auch das eine oder andere Kriegsverbrechen begangen, sicherlich hatte die UdSSR Machtinteressen – aber wenn ein Usaner das thematisiert, ohne zu erwähnen, dass er die Kriegsverbrechen seiner Nation der USA in jedem Fall sieht, dann wirkt das nunmal nach Reinwaschen-Wollen, nach „wir sind die GUTEN“.
    Genauso, wenn hier wie Wimmer ein Deutscher die Kriegsschuld der anderen thematisiert, ohne entsprechend die Kriegsschuld der eigenen Nation einzuordnen.
    Das betrifft Menschen aller Nationen und hat schlicht was mit an-die-eigene-Nase-fassen oder mit-Fingern-auf-andere-zeigen „die sind die Bösen, wir sind die GUTEN“ zu tun.

    Ich frage natürlich: Wie gestört ist eine Gesellschaft, wenn sie militärischen Krieg als Mittel wählt?
    Die Vorgeschichte des ersten Weltkriegs und der Krieg selber sind umfangreich dokumentiert, da gibt es kein Vertun, nur kam der deutsche Vernichtungskrieg Richtung Frankreich nicht viel weiter als bis Verdun.
    Nationalismus und Militarismus waren auf allen Seiten stark ausgeprägt und dadurch ließen sich die Bevölkerungen benutzen.
    Die Deutschen waren von der Monarchie über die Industriellen bis zum Bettler nationalisitsch. Einige wenige Künstler und Intellektuelle warnten, aber das war eine verschwindende Minderheit. Die überwiegende Mehrheit der Deutschen war nationalistisch bis in die Haarspitzen.
    Wohin es führt, wenn die Mehrheit der Gesellschaft derartig projiziert und reinszeniert, das konnte man dann sehen.
    Und man könnte zumindest versuchen aus der Geschichte zu lernen, also sich anschauen wie gestört die damalige deutsche Gesellschaft war, auch um erkennen zu können, wo die heutige deutsche Gesellschaft möglicherweise ähnlich gestört ist.
    Oder man könnte die gleichen Fehler wiederholen wollen.
    Das ist dann die persönliche Entscheidung jedes Einzelnen. 😀

  4. Nein, das ist kein reaktionär-nationalistischer Geschichtsrevisionismus, wie Andreas meint, sondern Herr Wimmer schreibt die Wahrheit. Der Erste Weltkrieg wurde seit mindestens Mitte der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts herangelotst von den Eliten im British Empire, den Eliten in Frankreich und den Eliten in Russland.
    Es folgen einige Belege dafür (doch gibt es derer noch viel mehr, die mittlerweile in vielen Büchern von Historikern, wie Wolfgang Effenberger, Walter Millis, Gerry Docherty/Jim Macgregor, John P. Cafferky, Markus Osterrieder, Terry Boardman und Andrea Bosco etc, dargestellt sind.)
    Der hochadelige britische Staatsmann Robert Gascoyne-Cecil, 3. Marquess of Salisbury überlegte sich schon im Jahre 1885, wie Russland- der eigentliche Konkurrent des British Empire – in Schach gehalten werden konnte und das, was er sich schon damals überlegte, bestand aus drei Strategien:
    1. Schwächung des Gegners durch Hineintreiben in Zahlungsunfähigkeit und danach Entfachen von Revolutionen, 2. Widerbelebung des Islams an Russlands Rändern und 3. ein verlustreicher Krieg gegen Deutschland. John Charmley hat diese drei Punkte in seinem Buch: „Splendid Isolation?“ London, 1999 auf S. 201 beschrieben: (Salisbury erklärte dem neuen britischen Botschafter in St. Petersburg, Sir Robert Morier 1885): Zitat: “Russia’s only weak point was her ‘financial embarrassement’, and ‘if we become her chronic enemy it is to that weak point that our efforts must be addressed. We must lead her into all the expence we can’ in the hope that ‘a few steps further must push her into the revolution over which she seems constantly to be hanging.’
    und auf S. 213: „Time and chance might provide the answer to the Russian problem, either in the form of revolution, Islamic revival or war against Germany…” Das sind Langzeitstrategien, die bis heute alle angewandt wurden. Und man braucht sich nicht täuschen zu lassen, dass zwischendurch, vor und während des Weltkriegs, das Russische Zarenreich mit dem Britisch Empire zeitweilig verbündet war – langfristig war Russland, als große Landmacht, der Haupt-Rivale der elitären Angelsachsen und später der elitären Anglo-Amerikaner.

    Im Buch von John P. Cafferky: „Lord Milner‘s Second War“ ist im Kapitel 9 „Fabricating the Austrian Menace“ beschrieben, wie der russische Außenminister Alexander Petrowitsch Iswolski den vollständigen Bruch mit Österreich-Ungarn herbeiführt – was vom britischen Unterstaatssekretär Charles Hardinge frohlockend registriert und dem König von England mitgeteilt wurde: Am 21. März 1908 teilte er (Hardinge) Edward VII. mit, dass „das Hauptmerkmal von Iswolskis politischem Konzept der vollständige Bruch mit Österreich-Ungarn auf dem Balkan ist…“ Iswolski hatte sich längst England angenähert.Der Bruch wurde durch die, von Iswolski raffiniert herangelotste Annektion von Bosnien-Herzegowina durch Österreich-Ungarn herbeigeführt, doch auch dafür gibt es eine Vorgeschichte: Schon Lord Salisbury hatte nämlich auf dem Berliner Kongress von 1878 vorgeschlagen, dass doch Österreich-Ungarn- zum Heile Europas, Bosnien-Herzegowina okkupieren (noch nicht annektieren) solle. Also wieder so ein verhängnisvoller Vorschlag von einem hochrangigen Engländer! Aber damals gab es viel Widerstand dagegen in Österreich. Man fürchtete nämlich in Österreich noch mehr Probleme, wenn es noch mehr Slawen bekäme. Seis drum – nach „Hidden History“ von Gerry Docherty/Jim Macgregor hat dann Österreich Schulen, Straßen und Krankenhäuser in diesen Gebieten gebaut. Trotzdem: Die Serben waren zum Teil sehr wütend auf Österreich-Ungarn… Und das war genau das, was Iswolski wollte – und was die britischen Eliten auch wollten.

    Weiteres Beispiel: Im Tagebuch des französischen Diplomaten Maurice Paléologue über den Besuch von Poincaré beim Zaren im Juli 1914 finden sich folgende Aussprüche der Großfürstinnen Anastasia und Militza, den Töchtern von König Nicola von Montenegro, vom 22. Juli 1914, also noch vor dem österreichischen Ultimatum:
    Paléologue: „Ich war einer der ersten, der ankam. Die Großfürstin Anastasia und ihre Schwester, die Großfürstin Militza, begrüßten mich ungestüm. Die beiden Montenegrinerinnen platzten heraus und sprachen beide gleichzeitig: „Ist Ihnen klar, dass wir historische, ja heilige Tage erleben? …. Morgen, bei der Truppenschau werden die Kapellen nichts anderes als La Marche Lorraine und Sambre et Meuse spielen. Ich habe heute von meinem Vater ein chiffriertes Telegramm erhalten. Er sagt mir, dass wir noch vor Ende des Monats Krieg haben werden….“
    Beim Abendessen saß ich links von der Großherzogin Anastasia und die Rhapsodie ging weiter, durchsetzt mit Prophezeiungen. „Es wird Krieg geben…. Von Österreich wird nichts mehr übrigbleiben… Sie werden Elsass-Lothringen zurückbekommen… Unsere Armeen werden sich in Berlin treffen… Deutschland wird zerstört werden…“ Das war schon am 22. Juli 1914 – das österreichische Ultimatum an Serbien war noch gar nicht gestellt… Übrigens: Man kann sich im Internet heute die gesungenen französischen Märsche „La Marche Lorraine“ und „Sambre et Meuse“ anhören – die klingen auch nicht anders als etwa die „Wacht am Rhein“.
    Für weitere Historiker-Forschungen über die Vorgeschichte zum Ersten Weltkrieg, die ich zusammengesammelt habe und in einem Aufsatz verarbeitet habe, siehe hier
    https://fassadenkratzer.wordpress.com/2019/03/27/widerlegung-der-hauptschuld-deutschlands-am-1-weltkrieg/#more-5330
    Widerlegung der „Hauptschuld“ Deutschlands am 1. Weltkrieg.

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