KenFM im Gespräch mit: Domenico Losurdo („Wenn die Linke fehlt…Gesellschaft des Spektakels, Krise, Krieg“)

Die Begriffe „Links“ und „Rechts“ sind in der politischen Diskussion eher neu. Griechen und Rom kannten sie nicht und brauchten sie auch nicht. Wer etwas zu sagen hatte, wer die Befehle gab, war in der Regel vermögend. Gehorchen mussten all jene, die ohne Reichtum, Land oder Beziehungen waren. Geld regierte auch damals im Wesentlichen die Welt.

Die sogenannten politisch linken Bewegungen kreisen im Kern vor allem um eben diese Kombination „Einfluss durch Einkommen“, die sie für sozial nicht gerecht halten, was zutrifft. Kein Mensch kann etwas dafür, wenn er in armen Verhältnissen aufwächst und daher schon den Zugang zur einer wesentlichen Ressource – Bildung – kaum oder nur schwer ermöglicht bekommt.

Ungebildete Menschen bekommen schlechter bezahlte Jobs, haben kaum eine Perspektive und wenden sich aus lauter Frust eher Alkohol und Privatfernsehen zu. Hier wächst dann die nächste Generation Benachteiligter heran.

Warum wählen ausgerechnet diese Menschen, wenn ihnen das Wasser bis zum Hals steht, rechts? Rechts steht für eine Politik, die der Spitze der Machtpyramide dient. Rechte, heute neoliberale Politik, vertritt immer die Interessen der Reichen und Superreichen, also jene Gruppe der Gesellschaft, die die miesen Verhältnisse am Boden zu verantworten haben. Uralte Netzwerke aus Wirtschaft, Politik, Medien und Justiz bilden ein stabiles Geflecht, was man verharmlosend Tiefenstaat nennt, in Wahrheit aber eher einer weltweit agierenden Mafia des Geldadels gleicht.

Die intellektuelle Analyse der Macht in all ihren Erscheinungsformen ist eine Hausaufgabe, die von den Linken bis ins kleinste Detail und über Dekaden erledigt wurde. Nur mit welchem Ergebnis?

Was haben all die Bücher über das zerstörerische Wesen des Kapitalismus gebracht, wenn sich keine Therapie findet, um den gepeinigten Massen zu helfen?

Die Linke als politisch relevante Macht fehlt, aber sie fehlt vor allem, weil sie intern versagt hat. Unterwanderung durch die Eliten ist ein Punkt. Ein weiterer ist der Neid im eigenen Lager. Linke, gedrillt in Kaderschmieden und geschlossenen Zirkeln, gönnen links denkenden Freelancern, die ungefragt ihre Ideen des Wandels äußern, die Butter auf dem Brot nicht. Wer den Hass der Linken auf alles was rechts oder rechtskonservativ ist steigern will, muss sich als Linker ohne von Linken genehmigte Lizenz zum freien Denken zu erkennen geben.

Dann wird er in einer Form attackiert, die denen rechter Schlägertrupps in nichts nachsteht. Wer profitiert von dieser Unterwanderung? Wer leugnet sie innerhalb der Linken?

Die „imperialen Linken“ sprechen sich längst global für „demokratische Kriege“ aus und sind damit der neoliberalen Agenda zu 100 % auf den Leim gegangen. Das kommt von der klebrigen Nähe zur Macht.

Macht korrumpiert.

KenFM sprach mit dem italienischen Professor für Philosophie und Geschichte Domenico Losurdo über den weltweit kafkaesken Zustand linker Bewegungen. Vor allem Linke sollten sich das Gespräch ansehen. Losurdo spricht für sie bewusst einfach und vermeidet es intellektuelle Schachtelsätze aufzutürmen, die den meisten Bühnen-Linken nur zu einem dienen: Sie sollen verschleiern, dass sie den Kern des Problems nur oberflächlich erfasst haben und dass es ihnen in den eigenen Reihen auch nur darum geht, in die Charts der Blender zu kommen.

Inhaltsübersicht:

0:05:24 Die Linke und der Verlust ihres kritischen Geistes

0:11:12 Warum die Linke gegen militärische Interventionen nicht (mehr) handelt

0:20:16 Die Französische Revolution und „Die Idee des Glücks“

0:30:36 Falsches Selbstbewusstsein in Italien/Deutschland

0:36:00 Linke bekämpfen sich selbst: Ist das typisch deutsch?

0:42:00 Anarchismus in Katalonien und in Italien

0:51:42 China – dämonisiert, abgeschottet, rentabel

1:04:25 Ist Europa gescheitert?

1:13:35 Eine imperiale Linke für „demokratische Kriege“

1:22:11 Deutschlands historische Verantwortung

+++

KenFM jetzt auch als kostenlose App für Android- und iOS-Geräte verfügbar! Über unsere Homepage kommt Ihr zu den Stores von Apple und Google. Hier der Link: https://kenfm.de/kenfm-app/

+++

Dir gefällt unser Programm? Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten hier: https://kenfm.de/support/kenfm-unterstuetzen/

26 Kommentare zu: “KenFM im Gespräch mit: Domenico Losurdo („Wenn die Linke fehlt…Gesellschaft des Spektakels, Krise, Krieg“)

  1. Vor vielen Jahren schon gab es in die Niederländen eine Sendung ‚Schweigen über Israel‘.
    Pensionierte Politiker schwiegen nicht, wie ein ehemaliger EU Kommissar sagte ‚Generationen Palestinenser werden Erwachsen ohne ein Zukunft Perspektiv‘.
    Es hat sich nichts geändert, nur hat Trump Israel Jerusalem gegeben, und sind wieder viele Palestinenser erschossen oder verwundet, die einzige Methode die sie haben um ihre Situation deutlich zu machen in die Welt.
    Ich hatte heute hier etwas darüber erwartet, aber es scheint das auch KenFM schweigt über Israel.
    Nur in Belgiën sehe ich eine Gute Analyse des Problem’s, die USA ist auch der Meinung das internationales Recht ungültig ist für Israel.
    Ich erwarte das Mosleme wieder blutige Anschläge ausführen in die Länder die schweigen über Israel.
    Und noch mehr Klagen über Antisemitismus.
    Für mich sind es schreckliche Tage, mein Zorn kann ich fast nirgends schreiben, wenn ich es tue, Zenzur oder Blockade.

    • Na da bin ich ja froh, das ich heute noch mal hier reingeschaut habe.

      Aus welchem Anlass sollte denn KenFM heute etwas über Israel posten? Bitte nicht als rethorische Frage verstehen. Ich weiß wirklich nicht was du meinst und würde es gerne wissen.

      Ansonsten würde ich meinen, dass der Tag noch lang ist, und ja noch gar keine neuen Beiträge da waren. Falls es also einen historischen Anlass gibt, kommt ja vielleicht noch etwas von Evelin (https://kenfm.de/autoren/evelyn-hecht-galinski/) die kümmert sich da ja im Zweifel.

      Kennst du ihren Blog? Solange sich dein Zorn auf die Verbrechen Israels richtet (also in aller Regel auf Völkerrechtsverletzung, Willkür oder Tyrannei verschiedenster Art) und nicht gegen Juden oder Israelis allgemein (selbst letzteres wäre schon Antisemitismus, und es gibt ja viele unglaublich moralisch gebildete Israelis – auch nicht jüdische Israelis – von denen ich jetzt keine Aufzählung anfange, weil ich selbst die meißten bekannten selber gar nicht alle kenne… ) wird sie sich bestimmt über Post und Zuspruch freuen. Ich mag sie allerdings nicht, weil sie so aggresiv ist. Immer so wütend. Möge der Frieden einen Weg in ihr Herz finden. Oder vielleicht ist er ja schon da, und sie zeigt sich nur in der Öffentlichkeit so. Das wäre auch schön. 🙂

      Wie auch immer, vielleicht willst du dich ansonsten mal bei jüdischen Organisationen in Europa und den USA umzuschauen. Es gab letztes Jahr einen Vorfall, da wurden kritischen jüdischen Organisationen – ich meine es war durch britische Banken – die Konten gesperrt. In Europa. Auf RT-Deutsch müsste das zu finden sein. Über Google wohl auch.
      Das waren Menschen, die zum Beispiel für ein Zusammenleben mit den Palästinensern auf Augenhöhe eintreten. Oder für die Israel-Boykott-Kampagne.

      Wenn du also möglichkeiten Suchst, mit Menschen in Kontakt zu kommen die Israel kritisieren, und das trennen vom eigenen jüdisch sein, dann wäre da wohl ein Ansatzpunkt für deine Suche. 🙂

    • Frage mich was die deutsche Medien bringen.
      Bis heute etwa 50 Palestinenser erschossen, und 1600 verwundet.
      Das Gaza Krankenhaus ist überfüllt.
      Auch im West Bank Tote.
      Heute is der Tag der Vertreibung, Naqba, es wird neue Demonstrationen geben, und wieder Tote und Verwundete.
      Was ich soll mit Kontakte, das weiss ich nicht.
      Bei us gibt es ‚Een Ander Joods Geluid‘, Juden die Israel kritisieren.
      Hamburger, der Vorsitzende, der als Verräter gesehen wird, hat mich einmal gepriesen für was ich in den Niederländen schrieb.
      Aber es ist nicht weniger schwierig wie in Deutschland Israel zu kritisieren, von unseren etwa 100.000 Juden überlebten nur etwa 5000 den Krieg.
      Der Vorwurf von Antisemismus und Razismus kommt schnell.
      Gestern erfand die Anne Frank Stiftung wieder etwas.
      Also, Israel kritisieren ist fast Holocaust leugnen.

    • Ich nicht. Sie werden bringen was sie immer bringen. Palästinenser haben protestiert und dabei den Bogen überspannt. Wenn unbewaffnete friedliche Demonstranten den bis an die Zähne bewaffneten und indoktrinierten IDF-Kräften gegenüberstehen, dann muss man Verständnis dafür haben, dass letztere irgendwann nicht mehr weiter wissen und wild in die Menge schießen…

      Gibt n Grund warum ich unsere Staatspropaganda nicht mehr in Anspruch nehme. *aufreg*

  2. Leider sehen und hören genau die Leute dieses hervorragende Interview nicht, die es angehen würde, oder sie geben es nicht zu….. Und dann gibt es auch noch diejenigen, die das alles gar nicht verstehen, weil einfach der Intellekt sehr unterschiedlich verteilt ist!

  3. 48:53 „Die Amerikaner können stolz darüber sein, dass sie nicht den Sieg des Faschismus gesehen haben, in den vereinigten Staaten. Und das müssen wir anerekennen. Die Vereinigten Staaten waren im Stande, die große Krise zu bewältigen. Deutschland war nicht im Stande die große Krise zu bewältigen.“

    Nein, das erkenne ich überhaupt nicht an. Die Amerikaner waren damals so gut im Stande die große Krise zu bewältigen, wie Deutschland heute im Stande ist, die Eurokrise zu bewältigen. Deutschland partizipiert und profitiert heute am und vom Elend der europäischen Peripherie und des europäischen Südens. Der ökonomische Wahnsinn dort und der herbeiphantasierte Erfolg hier hängen ursächlich voneinander ab.
    Und so war das auch in den USA der 20er und 30er Jahre. Die USA hatten – vor allen anderen – ein gewaltiges wirtschaftliches Problem. Und sie haben es gelöst, in dem sie es exportiert haben. Und weil exporte ohne Gegengewicht schwierig sind, hat man damals das gemacht, was immer geht. Man hat einfach Waffen exportiert. Kurz zuvor hatte man ja schon die BIZ installiert, um zu gewährleisten, dass der Cashflow auch wirklich nicht zusammen bricht. Niemals wieder sollte ein Krieg an fehlendem Geld scheitern. Denn das wäre für die USA eine Katastrophe gewesen, der Faschismus quer durch Europa hingegen war ihre Rettung und wurde politisch hofiert. Vor und nach dem 2. Weltkrieg.
    Deutschland, Italien, Spanien, Griechenland … wohin man auch schaut, überall wurden die Faschisten aus den USA unterstützt und ihre politischen Gegner mit allen (finanz-)Mitteln bekämpft!

    Das heißt die faschistische Tradition in Europa ist auch eine Amerikanische Tradition. Die Entwicklungen in den USA sind der unverzichtbare Gegenpol zum Faschismus hier – und damit meine ich nicht die demokratische Tradition dort, denn die ist (in weiten Teilen) eine Propagandalüge, sondern den militärisch industriellen Komplex. Deswegen ist Faschismus weltweit auch wesentlich, ursächlich und damit untrennbar eine amerikanische Tradition.

    • Ein sehr guter Kommentar. Die Faschisten waren dem internationalen Großkapital sehr nützlich, wurden überreichlich bedacht, aus allerlei finanzstarken Kreisen, zuvorderst angelsächsischen, aber nicht nur von dort.
      Nicht anders als heute auch. Und wie ihre Herren waren sie nie weg.

      Und, das Geldsystem, als zugrundeliegendes globales System, ist Eigentum der Oligarchie, mit dem sie jedes Gut und jede Dienstleistung erwerben können, auch die Dienstleistung Schädel zu spalten und ein Bildungssystem zu etablieren, daß das Ganze zu einem Selbstläufer macht.

      Der Promilleanteil den die meisten davon als Durchlauferhitzer bekommen, ist nur dazu da, um die Illusion eines Lebens zu erwerben.

      Und dennoch, ein nicht unbeträchtlicher Anteil, ist sich dessen bewußt oder spürt es, daß irgend etwas grundverkehrt läuft.

    • Ja, aber sie rennen anscheinend weiter den falschen Propheten hinterher… 😉

      An dieser Stelle noch ein ganz dickes Danke an Domenico Losurdo für die kritische Erwähnung Poppers zum Schluss. In diesem Kontext war mir Popper nicht bewusst. Ich habs gleich gegoogelt und ein Spiegelinterview mit Popper von 1992 (also direkt nach dem „Ende“ des kalten Krieges) gefunden:
      http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13682439.html

      Auf der „Achse des Guten“ wird der ganze Unsinn ziemlich gut zusammengefasst. Unter http://www.achgut.com/artikel/karl_r_popper_nach_zwanzig_jahren schreibt ein Hannes Stein, er fände da bemerkenswert wenig dummes Zeug, um dann die schlimmsten Dummheiten gekonnt herauszustellen…

      Gleich das erste: “Die Geschichtsphilosophie in Deutschland, zumindest seit Hegel, glaubte immer, irgendwie prophetisch sein zu müssen. Ich halte das für falsch. Man lernt von der Geschichte, aber heute und jetzt endet die Geschichte. Gegenüber der Zukunft müssen wir eine ganz andere Einstellung haben als die, den Versuch zu machen, aus der Geschichte zu extrapolieren und sozusagen die Geschichtsbahnen weiter in die Zukunft zu verfolgen.” ist ja im wesentlichen leeres Gerede, solange man nicht einen Entwurf darüber gibt, wie man stattdessen mit der Zukunft umgehen sollte. Das versucht Popper im Text, und scheitert dabei ziemlich kläglich. (meine Meinung ;-))

      Richtig verbohrt geht es dann weiter mit:
      „POPPER: Dazu ist folgendes zu sagen: Der kommunistische Wahnsinn besteht im wesentlichen darin, und das findet sich schon in Marx, daß die sogenannte kapitalistische Welt als teuflisch angesehen wird. Das, was Marx Kapitalismus genannt hat, hat es nie auf der Welt gegeben, auch nie etwas Ähnliches.
      SPIEGEL: Pardon, also den Manchester-Liberalismus mit seinen elenden Arbeitsbedingungen gab es nun wirklich.
      POPPER: Sicher war die damalige Zeit furchtbar schwer für die Arbeiter, aber auch für andere Leute. Marx hat sich vor allem für die Arbeiter interessiert. Nur: Rein geschichtlich gesehen, ging es denen seitdem dauernd besser, während Marx behauptete, es gehe dauernd bergab und müsse dauernd bergab gehen.
      SPIEGEL: Sie meinen seine Theorie von der absoluten Verelendung?
      POPPER: Ja, und weil die Verelendungstheorie sich nicht erfüllte, hat man die Verelendung dann auf die Kolonien übertragen, was man heute Dritte Welt nennt . . .
      SPIEGEL: . . . also die sogenannte Imperialismus-Theorie.
      POPPER: Eine typische Intellektuellen-Formel und natürlich barer Unsinn. Denn Industrialisierung kann nicht Verelendung sein, das ist so klar wie nur etwas. Auch den Kolonien ging es dann zunehmend besser.“

      Da bin ich dann einfach baff. Eine Entgegnung auf diesen Unsinn kann man schlecht in aller Kürze geben. Ich würde meinen das Interview oben mit Domenico Losurdo ist ein guter Versuch.

      Die nächsten schlagen alle in die selbe Kerbe, und dann das Ozonloch… sparen wir uns. Aber hier noch ein bringer von Popper. Es geht los mit:
      „Den Umweltkatastrophen liegt die Bevölkerungsexplosion zugrunde, die wir ethisch lösen müssen. Es dürfen wirklich nur noch gewollte Kinder auf die Welt kommen. “
      und wird dann übergeleitet zu:
      “Ungewollte Kinder sind gefährdet, und zwar moralisch. Die Leute, die sie nicht wollen, sollen die Mittel haben, sie nicht zu bekommen. Die Mittel existieren jetzt, ich meine die Abtreibungspille.”

      Popper übersieht dabei völlig, dass die Mittel ungewollte Kinder nicht zu bekommen den Menschen in den gebieten mit Bevölkerungsexplosionen erst vom westlichen Kolonialimperialismus weggenommen wurden. Bevölkerungskontrolle ist immer zuerst eine soziale Angelegenheit gewesen. Es geht zuerst um Macht. Macht über die Frau. Macht über ihren Körper. Macht über die Reproduktion. Man lese Marx über Reproduktion. Man lese Silvia Federici (2012 „Caliban und die Hexe“). Man lese John M. Riddle (1997 „Eve’s Herbs“). Es finden sich auch passagen dazu bei Fabian Scheidler (2015 „Das ende der Megamaschine“).

      Das ist jetzt meine Literaturliste dazu. Die ist etwas neuer – die Quellen dazu sind aber deutlich älter. Popper hätte sie kennen sollen als Philosoph, denn am Feminismus kommt man spätestens seit den 50ern eigentlich nicht mehr vorbei. Oder, falls es ihn nicht interessiert hätte man auch die Klappe halten können, als mit Argumenten zu kommen die richtig schnell in die Euthanasie führen.
      Der eine Grund waum ich einer Frau eine Abtreibung nicht vorenthalten kann ist, dass mir nicht zusteht über ihren Körper zu entscheiden, respektiv Macht auszuüben. Alle anderen Interessen meinerseits berühren direkt das letzte gewählte Zitat:

      “Selbstverständlich brauchen wir ein Ende der Geschichte, nämlich ein Ende der Machtgeschichte. Das ist notwendig geworden durch die Waffen. Es war immer notwendig moralisch, aber jetzt ist es durch den Überschuß der Waffen lebensnotwendig geworden.”

      Was natürlich stimmt. Aber leider von Popper an keiner einzigen Stelle mit dem Kontext gefüllt wird, der ihm zusteht. Jede einzelne Stelle im Interview macht deutlich, dass Popper die Machtausübung des westlichen Imperialismus nichtmal ansatzweise versteht.
      Da stellt sich spontan die Frage, ist das noch vordemokratisch, oder ist das schon Linientreu?

    • Ja, aber sie rennen anscheinend weiter den falschen Propheten hinterher… 😉

      An dieser Stelle noch ein ganz dickes Danke an Domenico Losurdo für die kritische Erwähnung Poppers zum Schluss. In diesem Kontext war mir Popper nicht bewusst. Ich habs gleich gegoogelt und ein Spiegelinterview mit Popper von 1992 (also direkt nach dem „Ende“ des kalten Krieges) gefunden:
      http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13682439.html

      Auf der „Achse des Guten“ wird der ganze Unsinn ziemlich gut zusammengefasst. Unter http://www.achgut.com/artikel/karl_r_popper_nach_zwanzig_jahren schreibt ein Hannes Stein, er fände da bemerkenswert wenig dummes Zeug, um dann die schlimmsten Dummheiten gekonnt herauszustellen…

  4. “ Ungebildete Menschen bekommen schlechter bezahlte Jobs, haben kaum eine Perspektive und wenden sich aus lauter Frust eher Alkohol und Privatfernsehen zu. Hier wächst dann die nächste Generation Benachteiligter heran. “

    Ungebildet, das auch die Meritocracy ihre Folgen hat ist klar.
    Aber warum sind Menschen ungebildet ?
    Es darf nicht wahr sein, aber es hat etwas mit Intelligenz zu tun.
    Wer das deutlich sagt wird sofort attackiert.
    Unterschiede in IQ zwischen Gruppen von Menschen, kann nicht wahr sein.
    Aber eine schwarze Amerikanerin sagte das schwarze dafür finanziëll kompensiert werden müssen.
    Leider verstand sie nicht das wir dan endlos kompensieren müssen, auch was soziale Intelligenz genannt wird, Beispiel.
    Sarrazin schrieb das ‚gute Bildung vergrössert die soziale Unterschiede‘.
    Was wir heute sehen ist das gute Fachleute fehlen, was wir auch sehen das nur noch das nicht haben von ein Diplom etwas bedeutet.
    Unser Mitglied im Parlement Hiddema sagte es deutlich, IQ bestimmt Einkommen.
    Aber natürlich, er ist ein Razist.
    Und Benachteiligter, es bestehen minimum Löhne, und Harz Bezahlungen.
    Das minimum Löhne Arbeitlosigkeit vergrösseren, auch das darf nicht gesagt werden.
    Welche Gesellschaft ohne Benachteiligten ist, ich weiss es nicht.
    Ist eine Gesellschaft wo Einkommen bestimmt wird durch was die Eltern waren besser ?

    • Der Nutzeneffekt für den Geldadel und die Anpassungsfähigkeit an die grotesken Verhältnisse, bestimmen die Position und das Geldaufkommen, als direkte Annehmlichkeit, einer Person innerhalb diesen Systems.

      Nichts davon ist ausgerichtet auf eine funktionierende Gesellschaft, an der die Mehrheit der Menschen teilhaben können, nichts davon hat im entferntesten mit Nachhaltigkeit zu tun.
      Es geht einzig um die Bewahrung und Erweiterung der Herrschaft, dies ohne Rücksicht auf Verluste für alle.

      Und was die Oligarchen allen anderen antun, würden sie auch jederzeit ihresgleichen antun, wenn sich die Gelegenheit dazu ergäbe. Wenn es nicht zeitweise, manchmal recht lange, Interessenübereinstimmungen und/oder Hard-Power, welche sie innehalten und die Strategie wechseln läßt, gäbe.

    • Eine Gesellschaft in der Einkommen bestimmt wird durch das Einkommen oder das Milieu der Eltern ist eine Gesellschaft, die Einkommen verteilt nach dem Prinzip des IQs. Denn der wird im Ergebnis ganz wesentlich durch genau das elterliche Einkommen bestimmt. (Nicht nur, es braucht Varianz, aber die ist ja nur die Abweichung von der Norm, nach oben wie unten)

      Das ist genau das, was wir jetzt haben.
      Zentral in dieser Frage ist tatsächlich der Intelligenzbegriff – mithin der IQ-Begriff. Der wirft Fragen auf.
      Was wir erleben ist, das 2 Menschen, vor ein und die selbe Aufgabe gestellt, diese unterschiedlich gut erfüllen können. Darauf gründet sich die Messung des IQs. Was er schon nicht mehr leistet ist, die Andersartigkeit der Lösungswege aufzuzeigen. Die interessieren einen IQ-Test überhaupt nicht. Die sind aber Zentral – allerdings erst an einem späteren Punkt.
      Für den Anfang gibt es 2 sehr wesentliche Kritikpunkte an Intelligenztests. Der erste ist, dass man sie unmittelbar trainieren kann. Was nichts anderes bedeutet, als dass das was sie messen – der IQ – gar nicht für sich genommen im Menschen existiert, sondern Ausdrucksform eines spezifischen Sets von Eigenschaften und Fähigkeiten ist, die einem helfen diesen konkreten Test zu bewältigen. Und diese können trainiert werden.
      Und der zweite umfasst die Definition des IQ-Tests. Die ist nämlich so, dass der IQ per Se im Mittel aller Menschen 100 ist. Dann wird mit Standartabweichung und anderen statistischen Verfahren definiert, was ein IQ von 90 oder 110, von 80 oder 120 bedeutet und das man unter 70 schwachsinnig und über 130 hochbegabt ist – das ist aber nur statistik, daran ist nichts qualitatives. DieZahlenwerte verdeutlichen einfach nur das nur ein bestimmter Anteil der Bevölkerung darunter bzw. darüber liegt. Wie groß der Anteil ist, das ist festgelegt. Du gehörst zu den hochbegabten wenn nur soundsoviel % der Bevölkerung (den Wert kenne ich nicht, aber es sollten <1% sein) den Test noch besser "lösen" können als du.
      Nun ist es aber so, dass wir seit Jahrzehnten immer besser werden im lösen unserer Intelligenztests. Das bedeutet das Menschen aus der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts heute im Mittel nur noch einen IQ von ~70 erreichen würden. Mithin wären die nach unserer Definition damals mehrheitlich schwachsinnig gewesen. Damit führt sich as Konstrukt IQ selbst ad absurdum. Kurzum der IQ ist ein äußerst trügerisches Kriterium, das darüber hinaus auch sehr dazu einläd rassistische Vorurteile zu bedienen.

    • Box, lesen sie
      ⦁ Stonier and Hague, ‚A textbook of economic theory‘, 1961
      Wie der Preis für Arbeit, Lohn, bestimmt wird.
      Ich weiss das das Buch al ist, aber die Theorie ist noch dieselbe.
      Das die Theorie funtioniert sehen wir in Polen, wo Löhne immer mehr steigen.
      Lesesalamander
      Ich fürchte sie wissen nicht was ein Gesellschaft ist worin nur was die Eltern waren bestimmt welche Platz die Söhne bekommen.
      Japan bevor sagen wir 1860 war eine solche Gesellschaft.
      Das USA Admiral Perry 1843 mit Kriegsschiffe Japan öffnete änderte Alles
      Yukichi Fukuzawa, ‚De poorten gaan open‘, 1978 Amsterdam (The Autobiography of Fukuzawa Yukichi, Tokyo 1934, 1899)
      Ob es eine deutsche Übersetzung gibt weiss ich nicht.
      Aber
      Robert J.C. Butow, ‚JAPAN’S Decision to Surrender‘, Stanford, 1954
      macht klar wie noch 1945 eine Aristokratie war.

    • Die Autobiographie gibt es sogar auf Deutsch: https://www.zvab.com/buch-suchen/autor/yukichi-fukuzawa/

      O.O

      Ansonsten bin ich des niederländischen nicht mächtig, des englischen aber schon. 🙂
      Na klar ist die Klassengesellschaft ein altes Problem. Und ein ziemlich universales. Und es war auch schonmal schlimmer. Trotzdem bleibe ich dabei, das der IQ als Maß für was auch immer mit fundamentalen Problemen behaftet ist, und eben überdies für die Lösung des Problems jedweder Klassengesellschaft wenig zu bieten hat. Schlimmer noch: er hat einerseits eine Feigenblattfunktion und verbrämt andererseits die Verfügungen der Klassen- und Ständegesellschaft, so dass sie nicht direkt aus der Beobachtung ersichtlich sind (sondern fast nur aus einem historisch-vergleichenden Kontext, der ja gleichzeitig immer auch das „früher war es ja noch schlimmer“-Argument hervorbringt – weil es früher einfach noch schlimmer war…) und dadurch fast ohne Zutun aus der öffentlichen Wahrnehmung und dem Diskurs verschwindet. 🙂

      btw das Mindestlöhne Arbeitslosigkeit vergrößern darfst du sehr wohl sagen. Es stimmt halt nur kein bisschen mehr, allein dadurch, dass es gesagt wird. Und ich (und auch andere – in Deutschland zum Beispiel Heiner Flassbeck) bin fest überzeugt, dass es nicht stimmt. 😉

    • Freitag, 06. April 2018, 09:00 Uhr
      ~7 Minuten Lesezeit
      Der Intelligenz-Mythos
      Intelligenz-Tests sind ein Werkzeug ohne Sinn und Verstand.
      von Patrick Zimmerschied

      Um IQ-Tests wird gerne ein enormes Aufsehen gemacht, und Leute, die sie hinterfragen, werden regelmäßig so hingestellt, als ob sie keine Ahnung hätten. Skeptischen Laien empfehlen Experten auf diesem Gebiet pauschal, die Fachliteratur genauer zu lesen, ohne auf ihre begründeten Zweifel auch nur einzugehen. Das sind dann Artikel vermeintlicher „Autoritäten“ mit massiver ideologischer Schlagseite. Darin wird mitunter die Methodik der IQ-Forschung mit der Rigorosität der Physik verglichen — worüber Physiker nur herzlich lachen können. Abtrünnige Psychologen, die die Unzulänglichkeiten dieses Konstrukts betonen, werden — wenn möglich — totgeschwiegen. Eine scharfe Kritik dieses Forschungszweigs ist daher angebracht.
      https://www.rubikon.news/artikel/der-intelligenz-mythos

      Nun, Kritik wird wenig bis nichts bringen, dazu ist es doch viel zu nützlich zum Sortieren. Ergänzend noch ein Kommentar bei Telepolis:

      Die Intelligenzia ist doch am anfälligsten für Ideologie!!

      Denn gerade die Berufsgruppen wo die meisten Intellektuellen vertreten sind,Akademiker,Tech-Bereiche,Dienstleistungsektor,Politik und Firmenvorstände usw. haben doch den meisten Rechtfertigungsdruck wenn es um Weltbilder geht innerhalb ihrer Bezugsgruppe.Das heisst du musst dich ständig politisch Positionieren weil die meisten dieser Gesellschaftsbereiche mehr oder weniger auf diesen Weltbildern aufbauen,vom Staat abhängig sind oder anderweitig mit den Eliten verflochten und so kann man sich dort auch kaum eine vom medialen Mainstream abweichende Meinungen leisten. Falls du es doch tust bist du auch schnell raus aus diesen Kreisen…
      https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Wenn-Weltbilder-aufeinanderprallen/Die-Intelligenzia-ist-doch-am-anfaelligsten-fuer-Ideologie/posting-31601878/show/

      Hier nähert man sich der Handlung an:

      Freitag, 11. Mai 2018, 11:48 Uhr
      ~10 Minuten Lesezeit
      Pseudo-Intelligenz
      Das Establishment kann ungestraft Lügen verbreiten.
      von Jochen Mitschka

      Russische Giftgasangriffe. Babymorde im Irak. Einmarsch in Afghanistan, um Brunnen zu bauen und Frauen zu retten. Enteignung der Steuerzahler, um Banken zu retten… Die Etablierten lügen „wie gedruckt“, und obwohl einige ihrer Verdrehungen immer wieder auffliegen, kommen sie letztlich damit durch. Warum gibt es keinen Aufstand gegen diese Form der Verdummung; warum kommt es nicht zu Rücktritten, Strafprozessen oder zumindest einem angemessene „Karriereknick“ bei den Verantwortlichen? Allzu oft wird das Heil bei den Gebildeten und Intellektuellen im Land gesucht; diese sind aber nicht selten „verbildet“ durch intelligent gemachte Propaganda seitens der Täter. Vielleicht müssen wir neue Wege gehen, um diese endlich zur Rechenschaft zu ziehen.

      (…)
      Bildung macht anfällig für Propaganda

      Warum können Politiker und Medienschaffende ungestraft lügen? Jacques Ellul hatte schon in den 1960er Jahren in mehreren Arbeiten darauf hingewiesen, dass nach seinen Untersuchungen die Empfänglichkeit für Propaganda mit der Bildung steigt, wenn die Propaganda in die gleiche Richtung deutet wie das, was diese Bildungsinhalte vermittelt haben. Darüber hinaus gibt es einen weiteren Effekt, den die Bildung verursacht.

      Der „Gebildete“ nimmt an, dass er aufgrund seiner Kenntnisse stärker dafür prädestiniert ist, zu allen möglichen Themen eine Meinung zu vertreten.

      Ich selbst habe in Thailand folgende Erfahrung gemacht: Ich war mit Studenten-Aktivisten der so genannten Rothemden (3) in Dörfern unterwegs gewesen, in denen die Menschen gerade so lesen und schreiben konnten. Die Studenten organisierten dort so genannte Volks-Universitäten, und eine der „Vorlesungen“ erklärte die Universalen Menschenrechte. Obwohl die Menschen vollkommen dem hierarchischen System des monarchistisch-militaristischen Establishments unterworfen worden waren, begriffen sie nach einigen Diskussionen die Macht dieser Menschenrechte, weil sie sie als etwas empfanden, was sie instinktiv für sich immer gesucht hatten.

      Als ich dann aber im Jahr 2008 mit Gelbhemden (4) diskutierte, die mindestens Mittelschulabschluss, meist Abitur oder sogar Studium absolviert hatten, traf ich auf großes Unverständnis und absolute, sogar feindselige Ablehnung. Thailand wäre etwas Besonderes, etwas ganz Einzigartiges, etwas auf das diese Regeln „des Westens“ nicht angewandt werden könnten. Nicht wenige Gelbhemden waren der Meinung, dass man „den Ungebildeten vom Land“ das Wahlrecht absprechen müsse. Alle vertraten die Meinung, dass eine Militärdiktatur besser als eine Demokratie wäre, wenn die Demokratie nicht die historisch gegebene hierarchische Ordnung verteidigen würde.

      Für mich ist das Narrativ „Menschen müssen Bildung bekommen, nur dann können sie mit der Demokratie umgehen“ längst widerlegt. Ich halte Bildung sogar für besonders geeignet, die Menschen im Sinne des Establishments zu indoktrinieren.

      Menschen verstehen sehr wohl – weil sie es am eigenen Leib spüren –, was sie benötigen, was gut für sie ist und was für sie schlecht ist. Daher ist ein Populismus, der hält, was er verspricht, das beste Rezept, um jene Menschen dauerhaft zu überzeugen, die eben nicht studiert haben. Natürlich kann Populismus auch missbraucht werden, aber genau ein solcher Missbrauch ist derzeit durch die Propaganda des Establishments zu beobachten.
      (…)
      Auch die Hoffnung, dass das Internet als neues Medium die Lücke füllen kann, wird bald erloschen sein. Wir erlebten ein Zeitalter, in dem das Internet uns ein Fenster in die Welt verschaffte, aber dieses Fenster wird in wenigen Jahren geschlossen werden. Je stärker die Wirkung des Internets auf die öffentliche Meinung wird, desto stärker wird es reguliert und kontrolliert werden, bis es in den allgemeinen Medien aufgehen wird.

      Die Macht der Zweifel

      Im Film „Die Matrix“ wird der Hauptprotagonist vor die Wahl zwischen blauer und roter Pille gestellt. Wählt er die blaue Pille, kann er weiter in seiner Traumwelt leben, wählt er die rote, droht ein raues Erwachen, gesellschaftliche Ächtung bis hin zur Lebensgefahr. In vielen Gesprächen musste ich feststellen, dass insbesondere Akademiker, die einen guten Job hatten und Anerkennung, aber eben auch Schulden und Sorgen, zwar intellektuell in der Lage waren, Argumente einzuordnen, zu gewichten und zu verstehen, aber die letzte Konsequenz daraus nicht zu ziehen wagten. Vielfach wischten sie das, was sie erfuhren mit den Worten „die Lügen doch alle“ vom Tisch.

      Mit anderen Worten: Das Establishment muss nicht überzeugen, es muss die Menschen nicht mit Fakten und Erklärungen zu kritischen Fragen informieren und Rede und Antwort stehen. Das Establishment muss nur den Zweifel erzeugen, dass „die anderen“ möglicherweise lügen.
      (…)
      Schlussfolgerung

      Die Revolutionen der Vergangenheit lassen sich grob in zwei Grundformen teilen: in solche von „oben“, wie in Großbritannien, und in solche von „unten“, wie wir sie scheinbar in Frankreich erleben. Immer benötigte es aber einer kritischen Masse von Menschen und eines Auslösers, der das Leben der Menschen so schmerzhaft machte, dass die Sehnsucht nach Linderung größer wurde als die Angst vor den Folgen eines möglichen Aufbegehrens. Immer aber waren es Intellektuelle und Theoretiker, die den Boden, auf dem eine Revolution keimen sollte, über Jahre beackert hatten.

      Daraus hatte das Establishment gelernt.

      Die Leiden der Massen werden nur vorsichtig und in kleinen Schritten erhöht; durch bestimmte Ventile und eine halbherzige „Sozialpolitik“ wird sichergestellt, dass es zu keiner Explosion kommt.

      Andererseits werden dissidente Intellektuelle oder Vordenker vehement bekämpft und das Verbreiten ihrer Ideen immer stärker unterbunden.

      Bisher gehen die meisten Bemühungen von Dissidenten in diesem System dahin, eine interessierte und gebildete Schicht anzusprechen. Hier stoßen wir aber auf das auch von Hans-Joachim Maaz beschriebene „Mitläufersyndrom“ (9). Meiner Meinung nach wäre der Erfolg einer Aufklärung aber größer, wenn wir uns an jene wenden würden, die eben nicht das Privileg einer umfangreichen Bildung genießen durften.

      Das große Problem ist, dass diese Schicht bereits von BILD & Co. entdeckt wurde und von diesen übermächtigen Medien beeinflusst wird. Diese Menschen gehen selten in die Volkshochschulen, zu Seminaren, Vorträgen oder politischen Veranstaltungen. Daher weiß ich auch nicht, wie man sie erreichen kann. Was mir spontan dazu einfällt, wäre lediglich „Klinkenputzen“, also das Gehen von Tür zu Tür und das mühsame Einzelgespräch. Aber dafür bräuchte es ein Heer von ausgebildeten Agitatoren, deren Iniative in den Angesprochenen den Wunsch nach weiterer Erklärung erzeugt. Diese könnten dann wiederum durch Internetseiten, Bücher, Vorträge und weiteres Informationsmaterial befriedigt werden.

      Ohne eine populistische Bewegung wird es aber nicht möglich sein, eine ausreichend starke Bewegung der Neo-Aufklärung aufzubauen. Wer allein auf das Internet als Aufklärungsmedium setzt, dürfte in einigen Jahren sehr enttäuscht werden. Ich denke, wir müssen uns auch darauf vorbereiten, dass das Internet langsam aber sicher ausgebremst werden wird.
      https://www.rubikon.news/artikel/pseudo-intelligenz

    • @Box,
      genau das hat gefehlt. Ein super Text. Bravo!!

      Der IQ ist ein Instrument der Elite und sagt wenig über die Fähigkeit der Lebensgetaltungs aus.

      Gefallen hat mir auch, dass der Populismus von einer vermeintlichen Intelligenz mißbraucht wird als „Todschlagargument“, obwohl viel emotionale Echtheit drinnen steckt. Manches kommt ungehobelt daher, aber bei den Meinungsträgern (Professoren, Polituiker, Medien etc.) wird der sogenannte Populismus als „Phrasenintelligenz“ oder besser populistisch ausgedrückt als „Klugscheißerei“ verklausuliert.

      Einn Hoch auf den Volksmund.

    • Sagen wir mal so, wie bei allen Dingen die erfunden oder erdacht worden sind, steckt immer eine Absicht dahinter. Dass ein IQ-Test installiert worden war, um nicht jeden Vollidioten an ein Flag-Geschütz ran zu lassen, weil der sonst in die eigenen Reihen schießt, ist eine Absicht. Für eine hierachisch angeordnete Klassengesellschaft ist das auch ein prima Werkzeug oder Rechtfertigung der Machtverhältnisse.
      Die Parallelen des IQ-Glauben und dem göttlichen Glauben, dass die Gesellschaft in Klassen sowie Kasten vorbestimmt sind, sind erdrückend offentsichtlich.
      Es ist traurig und eine Schande zugleich wie die Kollegen aus der Wissenschaft in ihrer geistigen Inzuchtanstalt das als natürlich weiter propagieren.

      Als Naturwissenschaftler kann ich nur eines für den IQ-Test abgewinnen. Es ist ein Messinstrument das lediglich einen Wertzustand in einen für die Messung beobachteten abgeschlossenen System und zwar zu festdefinierten Größen sowie Zeitpunkt. Aber über die Messreihe hinaus sagt dieser Messwert nichts aus, da völlig andere Bedingungen vorherrschen. Jeder Wissenschaftler der ein bisschen mit Laborarbeit Erfahrung hat, muss dieses Prinzip kennen.

  5. Viele Menschen sind heute in der rechts-links-Ordnung gefangen. Es geht jedoch in letzter Konsequenz um Freiheit oder Unfreiheit. In der Linken als auch bei den Rechten gibt es diese Elemente der Unfreiheit, entweder in der politischen oder ökonomischen Versklavung. Der freie Mensch hat in ihrem Denken keinen Platz, obwohl beide Gruppen den Begriff Freiheit oft erwähnen, aber ihn mißbrauchen für Ihre Ideologie ständig mißbrauchen.

    Das Problem heute ist jedoch die faschistoide zusammenarbeit der politischen Linken und der ökonomischen Rechten. Eine Zusammenarbeit die äußerlich als Gegnerschaft gelebt wird und so den Rahmen der zugelassenen Meinung abstecken. Sie vergessen den freien Menschen. Der freie Mensch wird in gewisser Weise von zwei Fronten Krieg angegriffen.

    Eine Leiderfahrung, die nicht jeder aushalten kann, denn der Mitteilungsraum wird in unglaublicher Weise eingeengt. Es ist eine ausgeübte Psychgewalt die Druck erzeugt und seine Entladung sucht.

    Jede innere Befreiung ist ein Erfolg des freien Menschen, während jede äußere Befreiung in Form von Gewalt eine Niederlage ist. Ein Umstand der schwer zu begreifen ist.

    • Nach meinem Ansicht ist heute Links Offene Gesellschaft, Rechts Nationalismus.
      Wir sehen in alle Europäische Länder das seit die sozial-demokratische Parteien Globalismus wollen, die Offene Gesellschaft, das die verschwinden.
      Die untere Schichten verstehen sehr gut das sie die Preis zahlen für offen.
      Nach den USA Bürgerkrieg versuchten ehemalige Sklaven Immigration zu verhinderen.

  6. VERÄNDERUNGEN WERDEN VERHINDERT II

    Auch KenFM ist dominiert und geprägt vom Bildungsmilieu resp. -Bürgertum. Dies ist nicht nur in den Kommentar-Foren erkennbar. Auch bei den Koryphäen der «Friedensbewegung» und der «Alternativmedien» werden die gesellschaftlichen Strukturen resp. deren Machtstrukturen nie ernsthaft hinterfragt, in Frage gestellt. Nirgends werden konkrete Möglichkeiten zu Ungehorsam, zu: Sich nicht vereinnahmen lassen und Verweigerungen genannt. Und schon gar nicht wird dazu aufgerufen.

    „Die schrumpfende Mittelschicht solidarisiert sich mit den Reichen, obwohl sie erkennen müsste, wie wenig Chancen sie besitzt, am Reichtum zu partizipieren (Ilija Trojanow)

    Das Bildungsmilieu oder -Bürgertum. Die tragende Säule und Stütze der Mächtigen und von Ausbeutung, Unterdrückung und Krieg, gibt ihre Privilegien und ihre Macht (über andere) ebenso wenig freiwillig ab wie die von ihm gestützten Mächtigen über ihnen. Es ist in seiner Orientierungslosigkeit, Überheblichkeit, Uneinsichtigkeit und Autoritätshörigkeit, wie aus der Geschichte bekannt ist, auch sehr anfällig für Personenkult, (Heils)Lehren (auch Anthroposophie), Heilsbringer und (Ver)Führer.

    Von dieser Gesellschaftsschicht, der es an Solidarität ebenso fehlt wie an Empathie, hat der «einfachere», also der überwiegend grosse, Anteil der Bevölkerung, NICHTS zu erwarten.

    Für den Ägypter Nagib Machfus ist sie eine Geisel der Zivilisation: Die Gier nach Geld (Besitz), Macht (über andere) und, ich ergänze: Eitelkeit, Geltung, Ansehen, Prestige.

    Der Analytiker Arno Gruen, der mit den Verhältnissen unserer Gesellschaft und der Erziehung und Konditionierung der Menschen sehr vertraut war, wusste wohl sehr genau, warum er gerade zu Ungehorsam (ausnahmslos) aufrief. Er wusste, dass Macht IMMER missbraucht wird («Macht = Missbrauch» M. Foucault).

    Das Gute gibt es nicht umsonst!

    • Ich schließe mich Ihrer Meinung ausdrücklich an, auch die Gesprächsführung von Ken war dem Gast angemessen. Ausländische Gesprächspartner erweitern unseren Horizont, speziell bei diesem Thema, da Italien eine gewichtige linke Tradition hat und die benannte Krise alle europäischen Länder betrifft.

Hinterlasse eine Antwort