Dr. Daniele Ganser: Der illegale Krieg gegen Libyen 2011

Im Jahr 2011 bombardierte die NATO den nordafrikanischen Staat Libyen, um das dortige Staatsoberhaupt Muammar al-Gaddafi zu stürzen. Offiziell war von der Befreiung des libyschen Volkes die Rede. Gaddafi sei ein skrupelloser Diktator, der sein Volk brutal unterdrücke. Um diesem Schrecken ein Ende zu bereiten, sei die internationale Gemeinschaft geradezu dazu verpflichtet, zu intervenieren.

Legt man heute, knapp neun Jahre nach dem Ende der Militäroperationen, diese hehren Bekundungen als Maßstab an, kommt man nicht umhin zu konstatieren, dass der Einsatz sein offizielles Ziel meilenweit verfehlt hat. Mehr noch: Statt die Situation zu verbessern, hat die Intervention maßgeblich dazu beigetragen, dass aus einem Land, das zu den entwickeltesten in ganz Afrika gehörte, ein gescheiterter Staat wurde, der seither im totalen Chaos versinkt.

Im Angesicht dieses dramatischen Scheiterns erheben sich einige Fragen: Entsprachen die vorgegebenen Motive auch den tatsächlichen Motiven im Libyen-Konflikt? War Gaddafi wirklich der herzlose Tyrann, von dem in unseren Gazetten immerzu die Rede war? Und wie hat man es 2011 geschafft, als die Lügen über den Irak-Krieg langsam ins kollektive Bewusstsein sickerten, die Bevölkerung abermals auf einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg einzustimmen?

Dr. Daniele Ganser hat sich in einem Vortrag, den er am 18. November 2019 in Karlsruhe hielt, genau diesen Fragen gewidmet. Er enttarnt die Mechanismen der Kriegspropaganda, widmet sich der Rolle der Geheimdienste MI6 und CIA im Libyen-Krieg und zieht Parallelen zum Syrien-Konflikt, der nur kurze Zeit später entflammte. Ganser zeigt, wie wichtig es ist, in Momenten der Gewalt die Ruhe zu bewahren und sich nicht von der Angst leiten zu lassen. Nur dann ist unser geistiges Immunsystem künftig in der Lage, Propaganda als solche zu erkennen und sie effektiv zu bekämpfen.

Inhaltsübersicht:

0:00:13 Vorstellung

0:03:23 Das UNO-Gewaltverbot

0:14:26 Libyen und das Erdöl

0:28:17 Mordanschlag auf Gaddafi

0:38:24 Terroristen vs. Freiheitskämpfer

0:53:33 Die Rolle von CIA und MI6 im Libyen-Konflikt

1:17:32 Aus einer Flugverbotszone wird ein Regime-Change

1:47:37 Parallelen Libyen – Syrien

1:56:04 Fazit

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13 Kommentare zu: “Dr. Daniele Ganser: Der illegale Krieg gegen Libyen 2011

  1. Wer sich über die sozialen Verhältnisse vor dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen Lybien noch einmal informieren mag, kann diesem durchaus kritischen französischen Dokumentarfilm unter anderem entnehmen, daß Gadaffi alles andere als ein durchgeknallter Diktator war. Mit terroristischen Bedrohungspotentialen von internationalem Gewicht.

    https://www.youtube.com/watch?v=LvVrEfo1dCY

    Ganz das Gegenteil. Herr Ganser führt sehr trefflich aus, wie die Kriegspropaganda des Westens auch im Falle Lybiens funktioniert hat. Wie der Terror erst geschürt wurde. Mit schwer bewaffneten Überfällen von gedungenen Söldnern, von bezahlten Terroristen auf die Polizeistationen von Bengasi und Misrata. Und journalistisch dann die Reaktion der Polizisten und Soldaten der Regierung auf diese Angriffe, die Verteidigung, die Bemühung um die Wiederherstellung der Ordnung also selbst als einen Angriff darzustellen.

    Saif und Moussa Gaddaffi haben entlang der Monate, die der Krieg angedauert hat, unaufhörlich journalistisch an die Weltöffentlichkeit appelliert, den Bombenterror … der durch den Mißbrauch der durch die UNO eingerichteten Flugverbotszone erst möglich wurde … zu stoppen. Und die faktische Lage durch unabhängige Beobachter zu prüfen ! Es gibt so viele Interviews mit den klugen Söhnen Gaddafis während des Krieges. Entlang derer sie einfach nur Aufklärung, rechtsstaatliche Prinzipien und die Einhaltung des Völkerrechts einfordern.

    Das ganze Material war tagesaktuell abrufbar. 2011. Und Daniel Cohn Bendit und Renate Künast von den Grünen … nur beispielsweise … hatten zeitgleich nichts anderes zu tun, als die Öffentlichkeit in Deutschland mit ihren wirklichkeitsfernen politischen Lebensäußerungen zum Krieg zu hetzen. Gaddafi wäre … und die arme Bevölkerung … da würde einem ja das Herz bluten.

    Es ist noch immer so unendlich empörend. Dass vor nicht einmal zehn Jahren vor unser aller Augen gerade das fortschrittlichste Land Afrikas kriegsverbrecherisch überfallen und zivilisatorisch vergewaltigt wurde. Und die führenden westlichen Schweinemedien es hinbekommen haben, Gadaffi als den irren lybischen Diktator darzustellen, der wie ein tödlicher Volkskrankheitserreger unter allen Umständen weg muß.

    Kann man alles googeln. Wenn wir einen Rechtsstaat hätten, müßte man Kühnast und Cohn Bendit und viele andere auch ergebnissicher verklagen können. Wegen Kriegstreiberei. Wegen Unterstützung eines völkerrechtswidrigen Angriffskrieges. Wegen folgenschwerer Dummheit. Oder folgenschwerer Verlogenheit. Oder folgenschwerer Machtgeilheit.

    Dann wird Gaddafi gepfählt. Von den moderaten Rebellen. Moderat gepfählt ! Und Frau Clinton … wir kamen – wir siegten – und er war tot … hat das in einen Zustand ausgelassener Freude versetzt. Wie seelenlos, wie kaltblütig, wie psychisch krank und eklig war das denn eigentlich ? Und so weiter. Und so weiter. Und so weiter.

    Ich möchte Herrn Ganser meinen allergrößten Respekt aussprechen. Weil er das Kind, das die Nacktheit des Kaisers ausruft, so unmittelbar sein kann. Gegen alle Konventionen der herrschenden Gesellschaftsordnung. Gegen alle Lügen. Gegen alle Verbrecher. Der Mut, Offensichtliches auszusprechen. Auf die Straße zu gehen. Den Kaiser bloß zu stellen. Das ist Charakter. Respekt !

  2. Ich liebe die Analysen von Dr. Ganser, vor allem Seine Recherche. Die Schlußfolgerungen allerdings erachte ich als absurd und unmenschlich, dem christlich geprägten Humanismus verhaftet, der schon immer bigott war. Nationales – oder internationales Recht ist völlig belanglos, daher Gansers Termini illegal/verboten irreführend. Irgendein Recht existiert nur in soweit, wie Bürger es sich erkämpfen und die Herrschaft über die Exekutive dies zuläßt. Menschen sind Prädatoren und töten sich, wie die meisten Prädatoren, auch gegenseitig, also ganz natürlich. Das Verbot des Mordens im Zivilrecht, dient nur dem Machterhalt und einer Wahrung des inneren sozialen Friedens, der zum Machterhalt notwendig ist. Herr Dr. Ganser ist also so etwas wie ein internationaler Reichsbürger, die nicht verstehen, daß es egal ist, ob man Deutschland als Reich oder Bundesrepublik bezeichnet, einzig die jeweilige territoriale Hoheit, durchgesetzt durch das Gewalt-Monopol, die Bundeswehr und die Polizei, ist entscheidend. Eine andere andere analytische Schwäche ist die Konzentration der Arbeit Dr. Gansers auf die Zeit nach 1945. Würde Er in die Zeit vor 1945 gehen, stünde der Friedensbewegung eine Umorientierung bevor, die sich auf den Boden der Tatsachen begeben müßte.

    • Laurenz, nur ganz kurz: Humanismus heißt Menschlichkeit – Ihr Kommentar ist unmenschlich.
      Ihre Ausführungen liegen komplett daneben. Jedes weitere Wort erübrigt sich.

  3. …könnte sein das Ganser gefährdet ist, genau wie das Leben anderer Aufklärer von politischen Zusammenhängen und krimineller Taten von Regierungen, wie Snowden, Manning, Assange, Mausfeld? etc., denn immer mehr Menschen kommen zu Gansers Vorträgen

  4. Der Geniale Dr. Daniele Ganser hat wieder einen fantastischen Vortag gehalten.
    " Er ist wirklich Klasse ( der Vortrag & Herr Ganser ) !!! "

    Es ist wirklich bewundernswert wie es Herr Ganser schafft mit viel Geduld nicht total frustriert Aufzugeben.

    DANKE !!! DANKE !!!!

  5. Bauen die USA den nächsten Bösewicht auf — und die Tagesbrechreiz eilt geifernd einmal mehr gehorsam voraus?

    Man beachte das Aufmacher-Bild des Artikels — und den schlechten Witz, dass der böse Duterte "GÄNZLICH(!) UNSCHULDIGE" ermorden lässt! Achherrje!

    Muss gerade überlegen … welche Weltmacht war das noch mal, die so etwas seit Jahren tagtäglich praktiziert — und in der Tagesbrechreiz findet sich kein einziges Wort darüber?

    https://www.tagesschau.de/ausland/philippinen-usa-101.html

  6. Herrvoragender allgemein nd für Jedermann verständlicher Vortrag.

    Gehört definitiv in die öftl. rechtl. Medien!!

    Dürfen Politik und Medien der Öffentlichkeit falsche Tatsachen vortäuschen? Nein dürfen sie nicht!

    Wird das geahndet? Nein wird es leider nicht!

    Eher noch scheint es zum "geschickten" Handwerkszeug zu gehören und es werden gar noch horende Steuergelder für Werbeagenturen und Berater ausgegeben, um falsche Tatsachen vorzutäuschen!

    Das öffentl. Interesse an vollständiger und umfassender Information wird gerade von Denen, die eigentlich im interesse der Öffentlichkeit handeln sollten, zutiefst missachtet!!

  7. …wieder mal ein brillanter Vortrag von Daniele Ganser! Danke hierfür!
    Es ist gut sich seine Vorträge von Zeit zu Zeit anzusehen. Ich hatte jetzt ca. ein Jahr Pause, kenne aber fast alle seine Vorträge.
    Er wird mit der Zeit immer besser, präziser, seine Vorträge arbeiten immer mehr das Wesentliche heraus.
    Der Bogen den er knapp und treffend zu den Medien spannt, mit nur ganz wenigen, gezielten Einblendungen ist sehr wichtig.
    Noch etwas besser herausarbeiten könnte er die Funktionsweise der GEZ-Propaganda. Diese könnte man nicht treffender beschreiben als mit Volksverhetzer. Ein giftiges, eitriges Geschwür von Institution die schon lange den Weg des Rechtes und des Gesetzes verlassen hat.
    Gerichte und ein Staat der solches nicht zu ahnden gedenkt kann man auch nicht anders als ein Rechtsbruchregime nennen.

  8. Haribo hat noch einen weiteren Vorteil: Der Spruch reimt sich und ist eingängig.
    Sowas bräuchte man auch für das UNO-Gewaltverbot…

    Nun bin ich aber nicht gut im Reimen. Doch vielleicht, als erster Entwurf:
    Mit dem UNO-Gewaltverbot
    wäre ja die Welt im Lot.

    Das geht bestimmt noch besser. Ich bitte um Vorschläge.
    Aber es sollte etwas Positives sein. Also bitte nichts mit „Tod“.

  9. Es ist doch längst bekannt, dass Gadhaffi für sein eigenes Volk nicht der böse Diktator war. Jeder Lybier hatte Strom, medizinische Versorgung und Schulbildung kostenfrei. Jeder Lybier bekam vom Ölgeld eine Zahlung auf sein Konto.
    Gadhaffi selbst sagte, er wohne solange im Zelt, bis auch der letzte Lybier eine Wohnung hat. Frischvermählte sollen 50000 Dollar bekommen haben für den Start mit einer eigenen Wohnung. Vor Gadhaffi lag die Analphabetenrate bei ca. 75%, heute soll sie bei 17% liegen. Lybien soll keine Auslandschulden und Gaddhaffi viele Millionen in Gold beiseite gehabt haben. Angeblich hatte er vor mit einigen afrikanischen Staaten eine Währungsunion für Afrika mit einer eigenen afrikanischen Währung zu machen. Das ist ja beim weltweit expandierenden FED Banksystem bereits ein Todesurteil. Sein Great Man River Projekt wurde angeblich mit fossilem Wasser begonnen. Hier ist aber strittig, ob es das fossile Wasser gibt, oder ob er vom troposphärischen Wassertransport profitierte und sich weigerte einen Teil Erdöl dafür an das Imperium abzuliefern. Im übrigen hat er das Grüne Buch veröffentlich. 53 Seiten über die Möglichkeiten des Aufbau einer direkten Volksdemokratie. Sie können es auch runterladen "Gaddhaffi – Das Grüne Buch. pdf"
    Was für Lybien gilt, gilt auch für Syrien. Es gibt genug Foto von Syrien vor dem Krieg im Netz. Die Parallelen zu ziehen ist richtig. Ich bin sicher, dass viele Syrer heute froh wären, Ihr Land wäre noch wie vor dem Krieg. Ging es ihnen doch in einem Land unter Assad besser. Sie hatten ihre Häuser, ihre Heimat, waren relativ gut entwickelt und gebildet. Sie hatten ihre Familien. Wer hier noch an einen natürlich entwickelnten IS denkt, das wundert mich?
    Gibt es irgendeine Sache in die die berühmte Agentur mit den drei großen Buchstaben nicht verwickelt ist?

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