KenFM-Spotlight: Dr. Daniele Ganser über den digitalen Scheiterhaufen

Ausschnitt aus dem Gespräch mit Dr. Daniele Ganser – in voller Länge hier zu sehen: https://kenfm.de/dr-daniele-ganser-illegale-kriege/

„Es gibt nur ein perspektivisches Sehen“

Diese Erkenntnis von Friedrich Wilhelm Nietzsche hat Folgen, wenn man sie wirklich versteht. Nach Nietzsche existiert das, was man Objektivität nennt, überhaupt nicht. Objektivität ist immer abhängig vom Standpunkt des Betrachters. Objektivität ist immer das Resultat eines Prozesses, bei dem die eigene Position und Meinung massiv zu dem beiträgt, was man später DIE Wahrheit nennt.

Wahrheit ist in Wirklichkeit immer auch Meinung und damit manipulativ. Das hat Folgen. Vor allem für die Presse, die stets beteuert, neutral zu sein, objektiv, und das oft auch glaubt.

Schon die Auswahl eines Themas ist streng genommen eine Form der Beeinflussung. Wer fokussieren will, muss ausblenden. Er muss sich auf einen Standpunkt konzentrieren und damit gegen den Rest aller anderen Sichtweisen, die er theoretisch auch einnehmen könnte, entscheiden.

Was uns die Tagespolitik als Realität, Wahrheit oder Ist-Zustand verkauft, ist nichts anderes als das Festlegen auf eine Meinung, die nur deshalb von der Masse nicht hinterfragt wird, da sie massiv publiziert wird. Wenn in allen Zeitungen, Radio- und TV-Sendern zu Person X die selben „Fakten“ veröffentlicht werden, nimmt der Bürger an, es gäbe nur diese Fakten und sie wären die ganze Wahrheit. So entsteht das, was man Meinungshoheit nennt und die wird von den Machthabern mit allen Mitteln verteidigt. Die herrschende Meinung ist immer die Meinung der Herrschenden. Überall. Wer in einer Machtpyramide der Spitze offen widerspricht, bekommt spätestens dann Gegenwind, wenn er allein durch seine Reichweite an Relevanz gewinnt. Das Netz bietet diese Möglichkeit auch Personen, die von der Mainstream-Presse bisher erfolgreich totgeschwiegen wurden.

Speziell bei Presse, reagiert der sogenannte „freie“ Markt extrem aggressiv, wenn Abweichler es wagen, eigene Interpretationen in diesen Markt zu pumpen. Machterhalt ist ohne Manipulation der Massenmeinung ein viel zu kompliziertes Geschäft. Wer es versteht, die Information zu begrenzen, schränkt damit Denken ein und was nicht gedacht werden kann, kann auch nicht ausgesprochen werden. Gerade in einer Demokratie ist die Kontrolle dessen, was auf der Straße gesprochen wird, elementar. Abweichende Meinungen können sich dynamisch und damit kaum berechenbar gegen die Eliten entwickeln und schnell wahlentscheidend werden.

Die Hauptaufgabe der Presse besteht weniger darin, diese Bevölkerung mit Informationen zu versorgen, auf das sich diese ihre Meinung selber bilden möge, vielmehr geht es darum für sämtliche relevante Geschehnisse einen Deutungsrahmen vorzugeben. Die Technik nennt man „FRAMING“.

Wer es wagt, diesen Frame, diesen Deutungsrahmen zu hinterfragen, zu verlassen oder einen alternativen Deutungsrahmen anzubieten, wird an der Meinungsfront mit allen Mitteln bekämpft.
Rufmord ist das Ziel.

Dr. Daniele Ganser, Historiker und Friedensforscher aus der Schweiz, hat mit seinem aktuellen Bestseller „Illegale Kriege: Wie die NATO-Länder die UNO sabotieren. Eine Chronik von Kuba bis Syrien“ einen alternativen Deutungsrahmen zur Geschichte vorgelegt.

Ganser schlägt vor, die NATO-Brille beim Betrachten geschichtlicher Ereignisse abzusetzen und sie durch die Brille der UNO zu ersetzen. Völkerrecht statt das Recht des Stärkeren, sollte unser aller Standpunkt sein, wenn wir Geschichte bewerten. Früher nannte man Leute wie Ganser „Ketzer“ und verfrachtete sie auf den Scheiterhaufen. Scheiterhaufen gibt es immer noch, nur sind sie heute digital.

Ganser hielt Anfang Dezember 2016 den Vortrag „Wie uns illegale Kriege schmackhaft gemacht werden – Sündenfall Kosovo 1999“ im Berliner Kino Babylon. Hier der Link zum Vortrag: https://kenfm.de/daniele-ganser-illegale-kriege-suendenfall-kosovo

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4 Kommentare zu: “KenFM-Spotlight: Dr. Daniele Ganser über den digitalen Scheiterhaufen

  1. Ergänzend zum digitalen Scheiterhaufen, der Hinweis auf drei weiterführende Artikel aus den Hinweisen des Tages der Nachdenkseiten, welche die Nutzung und Beschneidung moderner Telekommunikation im Dienste der Eliten beschreiben:

    Bundesregierung will schwere Grundrechtseingriffe im Eilverfahren durch die Hintertür einführen

    Sechs Bürgerrechtsorganisationen – Humanistische Union e.V.; Internationale Liga für Menschenrechte e.V.; Komitee für Grundrechte und Demokratie e.V.; Neue Richtervereinigung e.V.; Republikanischer Anwältinnen- und Anwälteverein e.V.; Vereinigung Demokratischer Juristinnen und Juristen e.V. – nehmen zum Gesetzentwurf der Koalitionsfraktionen zur Einführung der Online-Durchsuchung und Quellen-TKÜ im Strafverfahren Stellung. Sie kommen zu dem Ergebnis: „Es ist ein Skandal, dass die Regierung praktisch heimlich und ohne öffentliche Debatte versucht, schwerste Grundrechtseingriffe in die Strafprozessordnung einzuführen.“
    (…)
    Kurz vor Ende der Legislaturperiode will die Große Koalition in einem handstreichartigen Verfahren noch die Online-Durchsuchung und die Quellen-Telekommunikationsüberwachung (Quellen-TKÜ) in die Strafprozessordnung einführen. Beide Maßnahmen stellen schwerste Grundrechtseingriffe dar, die in den vergangenen Jahren nicht nur die öffentliche Debatte, sondern auch das Bundesverfassungsgericht intensiv beschäftigt haben.
    https://www.heise.de/tp/features/Bundesregierung-will-schwere-Grundrechtseingriffe-im-Eilverfahren-durch-die-Hintertuer-einfuehren-3739576.html

    Bundesländer wollen bei der Telekommunikationsüberwachung kooperieren

    In zehn Bundesländern wird derzeit die Einrichtung von zwei gemeinsamen Abhörzentren vorbereitet. Mit der Zusammenlegung der bisher in Eigenregie des jeweiligen Landes betriebenen Abhöreinrichtungen der Polizei sollen Kosten für Personal und Hard- und Software eingespart werden. Die Verfassungsschutzämter sind bisher noch nicht an Bord, erwärmen sich aber zunehmend für eine länderübergreifende Kooperation.
    http://cives.de/bundeslaender-wollen-bei-der-telekommunikationsueberwachung-kooperieren-5368

    Terrorismus: Das böse, böse Internet

    Die britische Premierministerin May will nach mehreren Terrorattacken die Menschenrechte einschränken und das Internet stärker regulieren. „Genug ist genug“, könnte die Antwort ihrer Kritiker lauten.
    Ein IMHO von Friedhelm Greis

    In den Zeiten vor Erfindung des Internets müssen paradiesische Zustände in Europa geherrscht haben. Mangels Plattformen wie Facebook oder Twitter konnten sich Menschen nicht radikalisieren. Zudem konnten sie keine erfolgreichen Terroranschläge planen, weil sie nicht mit verschlüsselten Messenger-Diensten kommunizieren konnten. Wem haben Politiker eigentlich damals die Schuld gegeben, dass Organisationen wie die RAF, der NSU, die IRA oder die ETA dennoch in Europa Bomben legten? Auch ohne Internet und Whatsapp ist die Liste politisch und religiös motivierter Anschläge im 20. Jahrhundert auf Wikipedia ziemlich lang.
    https://www.golem.de/news/terrorismus-das-boese-boese-internet-1706-128257.html

    • Noch etwas Kontext zum offiziellen Kampf gegen Hate-Speech und Fake-News:

      The West’s War on Free Speech
      Tony Cartalucci

      With a name like the “National Democratic Institute” (NDI) one might expect the US State Department-funded, corporate-financier chaired front to be the premier proponent of freedom and democracy worldwide. And although it poses as such, it does precisely the opposite. It uses principles like free speech, democracy, press freedom, and human rights as a facade behind which it carries out a politically motivated agenda on behalf of the special interests that fund and direct its activities.

      In a recent Tweet, NDI linked to a New York Times article titled, “In Europe’s Election Season, Tech Vies to Fight Fake News.” It claimed in the Tweet that the article featured:

      The article itself though, reveals nothing short of a global effort by US tech-giants Google and Facebook, in collaboration with the Western media, to censor any and all media that fails to align with Western-dominated narratives.
      http://journal-neo.org/2017/06/05/the-west-s-war-on-free-speech/

      Who Controls the Information Space and Why
      Jean Périer

      Recently behind-the-scenes rules and restrictions being used by Facebook have fallen into the hands of Guardian reporters. According to their report, moderators employed by the tech giant are entitled to decide what exactly the 2 billion users of this social network can or cannot publish on their pages. This report has provoked a massive discussion on the absence of any ethical norms that could prevent the tech giant from exercising censorship, along with disputes about the determination of US intelligence agencies to spy on their citizens in violation of the USA Freedom Act.

      The fact that the US created the Internet as a tool of exercising control over information space, as a convenient environment for espionage, collecting dirty facts and spreading lies has been established long ago. For those naive few who refuse to believe the facts, one can only be reminded of the old saying: There’s no such thing as a free lunch. But who owns the allegedly free Internet? Who created it and why?
      http://journal-neo.org/2017/05/28/who-controls-the-information-space-and-why/

      Der digitale Scheiterhaufen, im Gegensatz zum digitalen Pranger, legt eine Verbrennung nahe, eine Auslöschung oder im digitalen Sinne eine Löschung.

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