Drohnen bedrohen Zukunft

Hintergründe zum Streit um das Drohnenprojekt Deutschlands mit Israels Heron TP.

von Bernhard Trautvetter.

Tucholsky schrieb einst: „Der Mensch ist ein nützliches Lebewesen, weil er dazu dient, durch den Soldatentod Petroleumaktien in die Höhe zu treiben, durch Bergmannstod den Profit der Grubenherren zu erhöhen (…).“ [Der Mensch, Kaspar Hauser, Weltbühne 24, 16.6.1931]

Das ändern die Militaristen gerade radikal: Nachdem im 2. Weltkrieg die Luftwaffe das war, was die Strategen einen „Game-Changer“ nennen, weil damit ein bahnbrechender und grundlegender Wendepunkt in der Kriegsführung erfolgte, so erleben wir derzeit genau eine solch einschnitt-tiefe und rasante Umwälzung der Kriegsführung mithilfe der Technik unbemannter Flugobjekte genannt Drohnen: „Die Entwicklung der Robotik für den Gebrauch auf dem und über dem Schlachtfeld hat es Soldaten erlaubt, sich aus den gefährlichen, dreckigen und ‚banalen‘ Aufgaben zu entfernen.“ [The Psychology of Remote Control Warfare, Pete York, JAPCC Journal Ed. 7, Kalkar, 2008 Übersetzung: B.T.]

Drohnen stellen eine Wegmarke über die Fernsteuerung des Krieges hin zu seiner technischen Automatisierung und dann zu seiner Programm-basierten Autonomisierung dar. Dazu schrieb das Magazin des Bundestages ‚Aus Politik und Zeitgeschichte‘ im August 2014: „Wie lange Menschen noch als Überwacher und Entscheider gebraucht werden, ist fraglich.“

Niklas Schörnig stellte das in seinem Beitrag ‚Automatisierte Kriegsführung – Wie viel Entscheidungsraum bleibt dem Menschen?‘ damals so dar: „Im Militärbereich ist aktuell eine Revolution im Gange, der sich viele Menschen bislang nicht bewusst sind. Immer mehr Aufgaben werden, wie im zivilen Leben auch, von Computerprogrammen und unbemannten robotischen Systemen übernommen. Immer mehr wird automatisiert erledigt, der Mensch ist nicht mehr Akteur, sondern Überwacher – bestenfalls.“ [APuZ, Berlin, 18.8.2014]

Die Gefährlichkeit, die dem innewohnt, ergibt sich aus den Situationen im Kalten Krieg, in denen die sowjetischen Militärs Archipow und Petrow aufgrund ihres gesunden Menschenverstandes die Auslöschung der Menschheit abwendeten, auch wenn sie durch Regelverletzungen Ärger riskierten: Archipow, in der Kuba-Krise U-Boot-Offizier der roten Armee, verweigerte am 27. Oktober 1962 seine Zustimmung zum Abschuss eines Atomtorpedos, als ihr Boot mit US-Unterwasser-Torpedos beschossen wurde. Er zog mit dieser Entscheidung gegen die Eröffnung des Atomkriegs die Schmach auf sich, Schande über die bis dahin ruhmreiche Sowjetarmee gebracht zu haben, weil sie nicht militärisch auf den Angriff reagiert hatten. US-Verteidigungsminister McNamara erklärte später dazu: „Wir standen so nah am Abgrund. Wir haben den Atomkrieg nicht durch kluges Management verhindert. Wir hatten Glück.“ [Das Blättchen, 29. 10. 2012]

Das Glück hatte den Namen Wassilij Archipow. Ein ähnlicher überlebensentscheidender Glücksfall war Stanislaw Petrow: Am 26. September 1983 meldete ein Satellit auf Bildschirmen des Frühwarnsystems der Roten Armee, an denen Petrow Dienst tat, einen Angriff von erst einer, dann insgesamt 6 US-Atomraketen auf die Sowjetunion. Er sagte dazu im Film ‚1983 – Welt am Abgrund‘: „Als ich die Entscheidung traf, verließ ich mich nur auf mein Gefühl.“ Und: „Eines wollte ich absolut nicht: Der Auslöser für den Dritten Weltkrieg sein“. Die Vorschrift hatte gelautet, dass im Falle eines solchen Alarms der Rote Knopf zu drücken war. Es ist die Frage, ob ein Armee-Computerprogramm ebenfalls die Regel gebrochen hätte, oder ob dann das frühzeitige Ende der Menschheit die Konsequenz gewesen wäre.

Drohnen sind nun noch keine derartigen Computerprogramme, aber sie stellen die Weichen in die Richtung der Entfernung des Menschen aus den Entscheidungen über Krieg und Frieden. Die Befürworter behaupten, Drohnen stellen eine Schutz für Soldaten dar, da sie über die Fernsteuerung nicht im Schlachtfeld selbst aktiv sein müssen.

Wir Kritiker fordern die Ächtung von Mordwaffen zur außergerichtlichen Tötung, die zudem noch eine Blutspur durch das Leben vieler Zivilisten ziehe, deren Tod die Militärs als Kollateralschäden hinnehmen. Einer der Beweise: „Drohnenangriffe töten weit mehr Zivilisten, als die USA angeben –  700 Tote in drei Jahren, darunter 94 getötete Kinder: Ein Geheimpapier zeigt das wahre Ausmaß des Drohnenkriegs in Pakistan und überführt die US-Regierung der Täuschung.“

Drohnen verwischen zudem die Grenzen zwischen Krieg und Frieden.

Sie werden in kriegerischen Handlungen genutzt, die Nato-Militärs ‚expeditory warfare‚ nennen; so hieß die Jahreskonferenz des Kalkarer Joint Air Power Competence Centre und so heißt ein Labor der US-Armee, das auch der Nato dient, in San Diego. Ingeborg Bachmann hat in ihrem Gedicht ‚Alle Tage‘ vorhergesehen, was jetzt real geworden ist:

„Der Krieg wird nicht mehr erklärt,
sondern fortgesetzt. Das Unerhörte
ist alltäglich geworden. Der Held
bleibt den Kämpfen fern. Der Schwache
ist in die Feuerzonen gerückt.“

Die Auseinandersetzung über die Drohnenbewaffnung hat bereits dem damaligen ‚Verteidigungs‘-Minister de Maiziere das Amt gekostet: Er hatte sich nach Betrugsvorwürfen geweigert, zurückzutreten, wurde aber nach zwei Amtsjahren durch Frau v.d. Leyen abgelöst. Der Konflikt um die immens gestiegenen Kosten des Drohnenprogramms und um seine Umsetzung im deutschen Luftraum mit seinen strengen Sicherheitsbestimmungen führte zu Rücktrittsforderungen, die er regelmäßig abwehren musste.

Jetzt befindet sich aktuell die Bundes’verteidigungs’ministerin in schwerem Fahrwasser wegen der mit Israel vereinbarten Lieferung von bewaffneten Heron-Drohnen:

Der US-amerikanische Rüstungskonzern General Atomics hat nach einem ersten im letzten Mai verlorenen Prozess beim OLG Düsseldorf über die Rechtmäßigkeit der Entscheidung der Bundesregierung, die  Heron-Drohnen anstelle des US-amerikanischen Originals anzuschaffen, „mit einer Anhörungsrüge beim Oberlandesgericht Düsseldorf erreicht, dass das Zuschlagsverbot für das Kampfdrohnen-Projekt der Bundeswehr erneuert wurde. Bis der Senat über die Rüge entscheidet, darf die Bundeswehr das Leasing-Geschäft mit dem israelischen Wunschpartner IAI nicht unter Dach und Fach bringen, teilte das Gericht der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag mit. (…) Von der Leyen will fünf Kampfdrohnen (…) für mehr als eine Milliarde Euro anmieten. (…) Der Anwalt von General Atomics hatte vergangene Woche gar mit einer Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht gedroht, sollte die Anhörungsrüge beim Oberlandesgericht keinen Erfolg haben.“

Das ist ein besonders skurriler Vorgang, nicht nur da die Bundeswehr die Heron-Drohnen bereits von Israel aus in Afghanistan einsetzt, sondern weil die Parteien der großen Koalition angesichts des herannahenden Wahlkampfes verstärkt uneins in einzelnen Fragen des Vorhabens sind, wie zum Beispiel bei der Entscheidung über den Kriegseinsatz der Waffen dieser Fluggeräte. Das ist verständlich, ist doch eine große Mehrheit der Wahlbevölkerung gegen den Einsatz bewaffneter Drohnen.

Die Vorbehalte der Bevölkerung wird die Friedensbewegung unter anderem am Antikriegstag bundesweit, im Sommer in Ramstein und im Oktober in Kalkar (3.10.) und  Essen (7.10.) weiter verstärken. Und sicher auch beim G 20-Gipfel in Hamburg.

http://www.ramstein-kampagne.eu/

Die folgenden Websites werden im Juli aktualisiert, wenn die Aufrufe für Oktober beschlossen sind:

http://demo-kalkar.de/
http://no-natom-krieg.de/ (Essen)

Das ist dringend erforderlich, da die EU-Militaristen eine EU-Drohne avisieren:

„Spätestens 2025 einsatzbereit: Bundeswehr will europäische Kampfdrohne entwickeln – … : Deutschland, Frankreich und Italien wollen (…)  mit der Entwicklung einer bewaffnungsfähigen Drohne beginnen. In der Abschlusserklärung der deutsch-französischen Regierungskonsultationen vom Dienstag wird die ’neue Generation europäischer Drohnen‘ für den Zeitraum zwischen 2020 und 2025 angepeilt.“ [31.03.2015, dpa, AFP, t-online.de]

Das Thema wird uns noch eine Weile beschäftigen.

Unser Gegner ist einflussreich. Dass die Bundeswehr mit Israel zusammenarbeitet, liegt im Interesse des deutschen militärisch-industriellen Komplexes:

„Airbus Defence & Space und Israel Aerospace Industries wollen eine Kooperationsvereinbarung zur Bereitstellung von UAVs für die Bundeswehr schließen.“

Die Flugrevue, die über diese Kooperationsplanung berichtet, kündigt an, dass über diese Frage eine öffentliche Debatte im Bundestag und in der Öffentlichkeit, also noch im Bundestagswahlkampf, ansteht. Wir werden diese Auseinandersetzung – wie die hier skizzierte Recherche zeigt – über den Tag der Bundestagswahl am 24.9.2017 hinaus führen. Unser „Nein“ zum Krieg ist ein „Ja“ zum Leben.

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Textes.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

22 Kommentare zu: “Drohnen bedrohen Zukunft

  1. Aus dem Büro eines Bundestagsabgeordneten erhalte ich den Hinweis, dass eine Formulierung fehlerhaft ist: de Maiziere stolperte nicht über die Bewaffnungsfrage, sondern über Beschaffungsunsstimmigkeiten in der Euro Hawk-Affaire. Das stimmt. Sorry, danke für die Korrektur.

    • Und diese Nachricht erreichte mich soeben aus der Antidrohnen-Bewegung >>https://drohnen-kampagne.de/ <<
      "Die Bundeswehr erhält wegen des Widerstands der SPD vorerst keine Drohnen, die kurzfristig für einen Einsatz bewaffnet werden können. Die Voraussetzungen für die Beschaffung seien nicht erfüllt, sagte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann am Dienstag. „Deshalb lehnen wir im Haushaltsausschuss die Anschaffung einer Kampfdrohne ab … Wir sind aber dafür, eine Aufklärungsdrohne zu beschaffen, weil uns die Sicherheit der Soldaten wichtig ist.“ Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen warf dem Koalitionspartner daraufhin Doppelzüngigkeit vor. „Herr Oppermann verschweigt, dass die SPD im Bundestag bereits im Sommer 2016 der Entwicklung einer bewaffnungsfähigen Eurodrohne zugestimmt hat, und zwar nach einer breiten zweijährigen Debatte mit reger Beteiligung auch der SPD“, kritisierte die CDU-Politikerin.
      Ursprünglich hatte das Vorhaben in der vergangenen Woche beschlossen werden sollen, ehe die SPD überraschend eine Kehrtwende machte. Die Bundeswehr hat bisher für Auslandseinsätze wie in Afghanistan oder Mali reine Aufklärungsdrohnen des Typs Heron von der israelischen Firma IAI gemietet. Künftig will sie für eine Milliarde Euro fünf Exemplare des Nachfolgemodells Heron TP leasen, das bewaffnet werden kann. Waffen sollen indes vorerst nicht beschafft werden. Von der Leyen hat zugesagt, ein Bundestagsmandat einholen zu wollen, ehe die Drohne bewaffnet in den Einsatz geschickt wird. Heron TP ist als Übergangslösung gedacht, bis europäische Drohnen entwickelt sind…."
      http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/ausruestung-der-bundeswehr-koalitionskrach-ueber-beschaffung-von-drohnen/19985746.html  
      Es gibt immer wieder gute Gründe, dran zu bleiben, aktiv und engagiert nicht aufzugeben

    • Da ich an Recherche- und Faktentreue interessiert bin, noch dies:
      U.a. bei heise/Telepolis steht, dass Heron TP von Israel aus in Einsatz kommt. Das heißt aber nicht, dass die bisherigen Einsätze der Heron 1 das auch taten. Nach Luftwaffe wurden sie bei Einsätzen innerhalb Afghanistans direkt von einem Flughafen in Afghanistan eingesetzt.

  2. Das Traurige ist: Es gibt natürlich keinen Weg diese Entwicklung zu verhindern oder aufzuhalten…

    Jetzt werden wieder ein paar Gut-Menschen auftauchen die den Anderen einreden wollen, man könne dieses oder jenes tun. Aber die Wahrheit ist nun mal, sobald einige Länder Drohnen hatten, sahen sich die anderen gezwungen ebenfalls aufzurüsten, da gibt es keine Alternative. Nur Blödmänner können sowas nicht einsehen… solche Entscheidungen werden nun mal nicht in den Kindergärten getroffen in denen so manche Kommentatoren hier zu leben scheinen!

    Ein Musterbeispiel für diese Form des dümmlichen Wunschdenkens ist leider hier bereits wortwörtlich in Specht’s Kommentar zu finden:

    „Specht sagt:
    24. Juni 2017 at 11:36
    Wenn der „militärisch industrielle Komplex“ nicht als Weltuntergangsfaktor Nr.1 erkannt und weltweit geächtet wird und infolgedessen nicht mehr befeuert werden kann, sondern abbauen muss, haben wir keine Chance mehr.
    Einfacher gesagt: Wenn die grundsätzliche Niedertracht von Gewaltanwendung jedweder Art nicht endlich erkannt wird, dann…“

    Schlau dahergeredet, aber selbstverständlich kein Wort dazu WER da ächten soll, und warum das dann Konsquenzen haben soll, oder, was das in der real existierenden Welt für Folgen haben wird, wenn die „grundsätzliche Niedertracht von Gewaltanwendung“ erkannt wird.

    KIndisches Gut-Menschen Geschwätz…. ohne die geringste Konsequenz!

    Alles was man tun kann, ist sich ein Land auf der Erde zu suchen, das wohl kaum in grössere Kriege verwickelt werden wird, und dann zu versuchen sich dort niederzulassen.

    • “ Das Traurige ist: Es gibt natürlich keinen Weg diese Entwicklung zu verhindern oder aufzuhalten… “
      Mit CNN, Washington Post und New York Post zum schweigen bringen, und objektive Media schaffen, konnte es schnell anders sein.
      Zwei Niederländische Journalisten wurden entführt in N Colombien.
      Erklärung: die Rebellen dachten das es CIA Agenten waren.

    • Lieber Michael, in Anlehnung an Erich Frieds Gedicht ‚Gründe‘ [https://www.deutschelyrik.de/index.php/gruende.html] antworte ich Ihnen als Dank für Ihre ehrlich-verzweifelten Worte, die mit aller Deutlichkeit als lähmend und somit systemstabilisierend kritisiere.
      Hier meine Antwort in Lyrikform:
      MACHT FUNDAMENT
      Die da unten sagen
      Es hat sowieso keinen Zweck.
      Die da oben
      lachen noch wenn sie töten.
      und keiner kann ihnen was.
      Wenn ich aufbegehre werde ich als naiv verlacht
      als Gutmensch verhöhnt
      Es sei Ausdruck von Reife,
      kein Herz zu haben.
      Dumm wer sich aufbäumt.
      Seine Illusion stützt die Macht.
      Was kann ich denn schon tun.
      Ich besitze keinen Sender, kein Blatt.
      Die auf der Straße Nein sagen
      Gegen die Ausbeutung
      haben nichts kapiert.
      Ich wander aus.
      Auf meiner Insel werde ich
      Die Liebe leben.
      Wenigstens dort
      Wenigstens dann.
      Diese Aus-Flüchte sind das Fundament
      Der Macht.
      Wenn wir sie nicht überwinden
      Werden die Mächtigen alles zugrunde richten
      Auch jene Insel
      Wie weit auch immer
      sie entfernt
      Sein mag.

    • Na PIeter, fdas ist aber ganz, ganz toll:

      „Mit CNN, Washington Post und New York Post zum schweigen bringen, und objektive Media schaffen, konnte es schnell anders sein.“

      Na, dann machen sie das doch einfach mal….

    • „Alles was man tun kann, ist sich ein Land auf der Erde zu suchen, das wohl kaum in grössere Kriege verwickelt werden wird, und dann zu versuchen sich dort niederzulassen.“

      Na dann man zu. Von Ihnen kommt auch nichts Neues.
      Hoffentlich leben da keine Gutmenschen, Blödmänner und es gibt dort auch keinen Kindergarten.
      Immer wieder die gleiche Leier. LANGWEILIG.
      Aber vielleicht bekommen sie dann dort Nachbarn, die für das Dilemma auf der Welt verantwortlich sind.
      Schönes Leben wünsch ich Ihnen.

  3. Drohnen drohen nicht, sie vernichten, sie vernichten was noch übrich ist from freien Westen.
    Natürlich werden Menschen die sehen wie Drohnen morden wütend auf uns, natürlich zahlen sie uns mit gleiche Münze zurück, Anschläge.
    Und immer mehr totalitär wird unsere Gesellschaft, um uns Protektion zu geben.

  4. Deutschland ist auf den Drohnen-Zug aufgesprungen, wen kümmert das, die Deutschen etwa?
    Resümee unserer Geschichte, die an Gewalt nicht zu überbieten war, ist, man lernt nie…weil das Nachdenken kollektiv aus bleibt!

    • Dirk Bavendamm, ‘Roosevelt’s Krieg 1937-45, und das Rätsel von Pearl Harbor’, München, 1993
      Gerd Schultze- Rhonhof, ´1939, Der Krieg, der viele Väter hatte, Der lange Anlauf zum Zweiten Weltkrieg’, München 2003, 2006

    • Zu Pieter Kamp: Dirk Bavendamm führt zu zentralen plausibel klingenden Unterstellungen keine Beweisführung her. Ob etwa Groß Britannien Deutschland 1939 den Krieg erklärt hat, um bei Roosevelt Sympathien zu erheischen, ist eine solche Behauptung. Ich bevorzuge das Prinzip des beweisenden Behauptens und nicht des behauptenden Behauptens. Es gibt auch kein Vertun, dass der deutsche Faschismus die Welt mit der schlimmsten Kriegskatastrophe der Geschichte überzogen hat. Hitlers Lüge 1.9.1939 – ‚Seit 5:45 wird jetzt zurückgeschossen!‘ ist auch als solche ein unbestreitbarer Fakt, der auf niemandes anderen Konto geht. Als 1941 der kommunistische Agent Richard Sorge Stalin auf den Tag genau vorhersagte, wann Nazideutschland zum Angriff auf die Sowjetunion übergeht, war das auch nicht von Roosevelt gesteuert. Die nur schätzbaren direkten und indirekten Toten des 2. Weltkrieges -wohl bis zu 80 Mio.- lasten auf dem Schuldenkonto des Faschismus. Dass dann auch andere in der Folge Kriegsverbrechen begangen haben, liegt in der Logik des Krieges, dass er auch dann entartet, wenn sich eine der kämpfenden Seiten an ihm anfangs mit vielleicht wirklich hehren Motiven beteiligt hatte.
      Hans und Sophie Scholl lassen keinen Zweifel, wessen Krieg das war: „Jetzt, da uns in den letzten Jahren die Augen vollkommen geöffnet worden sind, da wir wissen, mit wem wir es zu tun haben, jetzt ist es allerhöchste Zeit, diese braune Horde auszurotten. Bis zum Ausbruch des Krieges war der größte Teil des deutschen Volkes geblendet, die Nationalsozialisten zeigten sich nicht in ihrer wahren Gestalt…“

    • @ Bernhard Trautvetter
      Schuld ist eine moralisch-ethische Kategorie des Urteilenden, oberflächlich und simplifizierend. Emotionalisierend. Auch die Nationalsozialisten sind nicht vom Himmel gefallen. Alles hat eine Vorgeschichte.
      Die Dämonisierung ist ein Grund, weshalb sich die Moral/Ethik immer wieder als Retter im Dramadreieck aufspielt, dabei ist sie gleichzeitig auch Täter und Opfer.

      Moral/Ethik ist die gefährlichste aller Waffen. Drohnen sind nur eine formale Folge dieser.

    • Lieber Franz Maria, ich rede vom Schuldenkonto des Leids, das der Faschismus in die Welt getragen hat. Schuld ist keine analytische Kategorie, da sind wir uns einig. Verantwortung ist der Rahmen, in dem ich mich zu bewegen versuche. Und Freude über den ehrlichen Austausch engagierter Menschen begleitet mich dabei immer wieder.

    • Simon Newman, ´March 1939, The British guarantee to Poland, A study in the continuity of British Foreign Policy’, 1976, Oxford

      Charles A. Beard, ‘American Foreign Policy in the Making, 1932 – 1940, A study in responsibilities’, New Haven, 1946

      Bogdan Musial, ‘Kampfplatz Deutschland, Stalins Kriegspläne gegen den Westen’, Berlin 2008

      Wenn sie noch mehr Bücher nötig haben, sagen sie es mir.

    • Kann es nicht lassen noch etwas zu schreiben.
      Dass Roosevelt bewusst Pearl Harbour provozierte ist keine Frage mehr.
      Ich möchte darauf hinweisen das das Buch von Beard anfangt mit 1932, das Jahr wo Roosevelt in die Politik gebracht wurde.
      Die Roosevelt Churchill Korrespondenz fing 1933 an.

  5. Anbei, zur Bestätigung, einige weiterführende links:

    Französischer Futurologe nennt Waffe des Jahrhunderts
    17.06.2017

    Die neue Superwaffe des 21. Jahrhunderts sind nicht Atom- oder Thermonuklearbomben, sondern lernfähige Systeme von künstlicher Intelligenz, die schon heute von den Großmächten entwickelt werden. Diese Meinung äußerte der französische Futurologe Jean-Christophe Bonis in einer Pressekonferenz im russischen Softwareunternehmen „Kaspersky Lab“.
    https://de.sputniknews.com/wissen/20170617316205242-hauptwaffe-des-21-jahrhunderts/

    Krieg mit KI-Systemen: Ohne Angst und Emotion, aber mit hoher Ungewissheit
    01. Juni 2017

    Im Pentagon rückt man davon ab, dass autonome Systeme niemals selbstständig Entscheidungen über Leben und Tod treffen können

    Bob Work, schon unter Obama stellvertretender Verteidigungsminister, ist verantwortlich dafür, das Pentagon in die technische Zukunft zu schieben. Das ging los mit der Third Offset Strategy mit der Ausrichtung auf weitere Digitalisierung und Entwicklung autonomer Systeme (Das Pentagon setzt auf die Mensch-Maschine-Kooperation) über die Einrichtung neuer Abteilungen Strategic Capabilities Office und den den Rapid Capabilities Abteilungen bei den Streitkräften bis hin zur Defense Innovation Unit Experimental (DIUX). Digital und innovativ muss es sein, weswegen nicht wundert, wenn Work kürzlich von einer „algorithmischen Kriegsführung“ sprach (Das Pentagon forciert „algorithmische Kriegsführung“).
    https://www.heise.de/tp/features/Krieg-mit-KI-Systemen-Ohne-Angst-und-Emotion-aber-mit-hoher-Ungewissheit-3730667.html

    Introducing Handle
    Veröffentlicht am 27.02.2017

    Handle is a research robot that stands 6.5 ft tall, travels at 9 mph and jumps 4​ ​feet vertically. ​It uses electric power to operate both electric and hydraulic actuators, with a range of about 15 miles on one battery charge. ​​​Handle uses many of the same dynamics, balance and mobile manipulation principles​ found in the quadruped and biped robots we build, but with only about 10 actuated joints, it is significantly less complex. Wheels are efficient on flat surfaces while legs can go almost anywhere: by combining wheels and legs Handle can have the best of both worlds.
    https://www.youtube.com/watch?v=-7xvqQeoA8c

    Atlas, The Next Generation
    Veröffentlicht am 23.02.2016

    A new version of Atlas, designed to operate outdoors and inside buildings. It is specialized for mobile manipulation. It is electrically powered and hydraulically actuated. It uses sensors in its body and legs to balance and LIDAR and stereo sensors in its head to avoid obstacles, assess the terrain, help with navigation and manipulate objects. This version of Atlas is about 5′ 9″ tall (about a head shorter than the DRC Atlas) and weighs 180 lbs.
    https://www.youtube.com/watch?v=rVlhMGQgDkY

    Russischer Weltraum-Roboter fährt Auto, lötet Chips und öffnet Türen – Video
    18.11.2016

    In den kommenden Jahren soll FEDOR, der neue russische humanoide Roboter, als Besatzungsmitglied an Bord von bemannten Raumschiffen mitfliegen. Vorerst lernt der künftige Robo-Astronaut aber, wie man Auto fährt und mit Werkzeugen arbeitet.
    https://de.sputniknews.com/technik/20161118313418950-russischer-roboter-video/

    China: Roboterschwarm zum Sortieren ersetzt viele Menschen
    12. April 2017

    Ein Video von den wuselnden Robotern des Unternehmens Shentong (STO) Express, die bis zu 200.000 Pakete täglich sortieren können, ist beeindruckend
    https://www.heise.de/tp/features/China-Roboterschwarm-zum-Sortieren-ersetzt-viele-Menschen-3684179.html

    Wer sich eine filmische Umsetzung, zu dieser möglichen Zukunft, ansehen mag, der ist mit dem gesellschaftskritischen „Elysium“ von Neill Blomkamp gut beraten.

  6. Lieber Herr Trautvetter! Vielen Dank für diesen Artikel. Man kann nicht oft genug auf die viel zu wenig gewürdigten Helden hinweisen, die bisher ganz allein aus eigenem reinen Herzen heraus die Menschheit an noch größeren Katastrophen vorbei geführt haben. Das von MC Namara genannte „Glück“ hatte den Namen zweier russischer Staatsbürger- das brachte er offensichtlich nicht über die Lippen. Ingeborg Bachmann noch nicht gelesen zu haben, ist eine meiner Unterlassungssünden. Danke, dass Sie mich hier noch einmal an sie erinnern. Ich habe mir von ihr ein anderes Zitat gemerkt, das genauso Aktualität hat wie das von Ihnen zitierte: „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“.

    • Wenn der „militärisch industrielle Komplex“ nicht als Weltuntergangsfaktor Nr.1 erkannt und weltweit geächtet wird und infolgedessen nicht mehr befeuert werden kann, sondern abbauen muss, haben wir keine Chance mehr.
      Einfacher gesagt: Wenn die grundsätzliche Niedertracht von Gewaltanwendung jedweder Art nicht endlich erkannt wird, dann…

    • Zum Text von Ingeborg Bachmann über die Wahrheit: Jürgen Fuchs zitierte in Biermanns Leipzig-Konzert Anfang Dezember 1989 einen sowjetischen Literaten mit diesen Worten: „Die Wahrheit ist milde, und sie ist radikal, sie ist auch fähig zum Verzeihen, es gibt allerdings kein Verzeihen außerhalb und vor der Wahrheit.“
      Ich würde noch Wahrhaftigkeit ergänzen, da der Wahrheitsbegriff Gegenstand philosophischer Diskurse ist. Aber die Wahrheit ist mehr als uns zumutbar. Wenn wir uns vor ihr verschließen, wird sie gegen uns siegen, denn sie ist stärker, da sie nicht nur milde ist, sondern auch radikal.
      Radikal berdeutet ‚das Thema …‘ , ‚das Übel an der Wurzel anpacken‘. Beim Thema Drohnen und anderen ähnlichen Ärgernissen heißt das: Wir engagieren uns nicht nur gegen das Übel, das wir sehen. Und Verzeihen ist möglich, wenn Propaganda-Beschwichtigung und ähnliche Manipulationsversuche enden, kann verzeihen kömmen. Snowden steht für jene, die umkehren, die umgekehrt sind, angesichts der Erkenntnis, welche Geister sie mit herbei riefen. Aufklärung und Widerstand machen Mut und Sinn. Sie sind überlebens-Not-wendig.

Hinterlasse eine Antwort