Drohnenmorde nur noch ohne Hate Speech! | Von Mathias Bröckers

Ein Kommentar von Mathias Bröckers.

Der geschätzte Senior-Korrespondent und Gonzo-Kolumnist der „Asia Times“, Pepe Escobar, hat unlängst auf Facebook 30 Jahre Geschichte in einer Minute erzählt:

„Eric Hobsbawm zeigte uns, wie das kurze 21. Jahrhundert mit dem Fall der Berliner Mauer 1989 und dem Ende der UdSSR 1991 endete.  Dann kam der unipolare Moment – im Zeichen dieses pathetischen, neo-hegelianischen „Endes der Geschichte“.   Doch es brauchte einen neuen Feind – für die Zwecke der nie aufgelösten Kriegspartei. Betreten Sie die Galaxie der „muslimischen Terroristen“.

Während der Hegemon den globalen Krieg gegen den Terror (GWOT) entfaltete – Bombenangriffe, Invasionen und Plünderungen,  machte sich China bereit – „den Fluss überqueren und dabei die Steine spüren“ (Deng):  die Führung zu übernehmen.

Die Finanzkrise von 2008 erschütterte den Kapitalismus bis ins Mark. Vorhersehbar war jedoch die Option, virtuelles Kapital anstelle des realen Lebens zu privilegieren.

Der Hegemon war bereits umstritten – selbst als die Achse der Weltwirtschaft bereits nach Asien zu weisen begann.

Bereits 1997, wenige Tage vor der Übergabe Hongkongs, hatte ich ein Buch mit dem Titel „21st: the Asian Century“ veröffentlicht. Damals waren wir sehr wenige, die das sagten.

Später kam die fabelhafte Arrighi-Wallerstein-Debatte, in der Arrighi weit vor der Meute erklärte, wie China sich durchsetzen würde.

Die Krise von 2008 nahm kein Ende. Und im Jahr 2020 stand sie kurz davor, erneut zu explodieren. Das tat sie tatsächlich.

Jetzt ist klar: Der Feind, den man fürchten muss, ist Asien – speziell China. Die Ankunft eines unsichtbaren Feindes wurde als die perfekte Metapher verpackt: der „chinesische Virus“.

Aber die Geschichte wird nicht aufhören. Das 21. wird nicht nur das asiatische, sondern auch das eurasische Jahrhundert sein. Multipolar, interdisziplinär, gegen Krieg und gegen Hegemonie.“

Das ist, wie ich finde, ein guter Überblick zur Lage beziehungsweise dazu, wie es historisch zur aktuellen Stellung im geopolitischen Schach gekommen ist. Und zu der im transatlantischen Westen immer lauter werdende Ausrufung des neuen Großfeinds China und der Dämonisierung der kommunistischen Partei. Da kam Corona gerade recht – und in dem nun folgenden, mit dem Lockdown unausweichlichen ökonomischen Niedergang, wird ein Sündenbock mehr denn je gebraucht. Und zwar ein gefährlicher, gegen den man weiter aufrüsten muss, sonst könnte am Ende jemand auf die Idee kommen, die ebenso riesigen wie unberührbaren Rüstungsbudgets anzutasten. Im Schauwahlkampf des US-Imperiums können wir uns deshalb darauf einstellen, dass der außenpolitische Pissing-Contest darum geht, wer am lautesten „Tough On China“ ist. Innenpolitisch wird es dagegen um Rassismus, Black Lives Matter und die Polizei gehen – die letzte Trumpfkarte, die die Demokraten gegen Trump noch im Ärmel haben und deshalb Verständnis nicht nur für die Proteste äußern, sondern sogar für die gewalttätige Randale in vielen Städten. Aber nach dem Fake-News-Zirkus von Russiagate über Ukrainegate und Impeachment, den die demokratische Partei und ihre Medien gegen Trump veranstalteten, könnte auch dieser Schuss nach hinten losgehen. Schon 2017 hatte Trumps Strategie-Berater Steve Bannon frohlockt:

„Wenn sie (die Demokraten) immer weiter über Identitätspolitik reden, haben wir sie. Ich will, dass sie jeden Tag über Rassismus reden. Solange die Linke auf Rasse und Identität fokussiert ist und wir den ökonomischen Nationalismus durchziehen, können wir die Demokraten vernichten.“

Weil das mit der Ökonomie wegen Lockdown und Depression wohl nicht so gut laufen wird, empfiehlt  Bannon  für den Wahlkampf jetzt den  Akzent eher auf die Außenpolitik legen und die „Gangster“ der Kommunistischen Partei Chinas in den Mittelpunkt zu stellen. Wegen Corona und um „Freiheit und Demokratie“ nach China bringen.

Da die Demokraten gemerkt haben, dass sie mit ihrem Kandidaten Joe Biden, der als Vizepräsident seinem Sohn ja nicht nur in der Ukraine, sondern auch in China lukrative Geschäfte eingefädelt hat, gegen Trumps China-Bashing nicht ankommen, haben sie jetzt schnell noch eine neue Russiagate-Nebelkerze gezündet. In der New York Times wird behauptet, dass „Russen“ den Taliban in Afghanistan „Kopfgeld“ für getötete US-Soldaten zahlen… tolle Geschichte, die sich aber ausschließlich auf  anonyme Geheimdienstquellen beruft –  und ohne die offensichtliche Frage zu beantworten, seit wann man Afghanen dafür bezahlen muss, auf die Besatzungstruppen zu schießen, die ihr Land seit 20 Jahren belagern ? Als „Beweis“ für die Beutezahlungen wird eine große Geldmenge angeführt, die in einem Taliban-Lager entdeckt und beschlagnahmt wurde. Mit den Fingerabdrücken Putins… könnte man glauben, wenn man die durchgeknallte Moderation Rachel Meadows auf dem US-Mainstreamsneder MSNBC hört. Aber alles ist wie im Russiagate-Zirkus üblich nur heiße Propagandaluft – doch Trump, der die Truppen aus Afghanistan eigentlich abziehen will, soll davon gewusst und nichts unternommen haben, ….wegen Putin, der ihm nach 2016 auch die Wahl 2020 sichern soll.

Man könnte abwinken, dass eine derart krude Verschwörungstheorie doch von niemandem mehr ernst genommen wird, aber sie wird auch Linksliberalen und Progressiven in den USA seit Jahren derart ins Hirn geblasen, dass sie noch immer Wirkung zeigt –  Hauptsache es geht gegen den „faschistischen Clown“ in Orange. Aber keinesfalls gegen den 20 Jahre währenden Krieg in Afghanistan, oder gegen die größte Opium,-und Heroin-Produktion aller Zeiten, die unter CIA-Aufsicht dort läuft. Themen, die jede echte „Resistance“, jede Opposition gegen die US-Regierung aufzugreifen hätte.

Aber nichts davon… stattdessen: Proteste gegen Rassismus, Sturm auf Denkmäler der alten weißen Männer: in Boston wird Christopher Columbus geköpft, in Oregon die Statue George Washingtons verbrannt, auch Gründervater Thomas Jefferson  musste dran glauben und in San Francisco wird General Ulysses Grant gestürzt, obwohl der doch eigentlich gegen die Südstaaten und die Sklaverei gekämpft hatte. Egal… die verpeilten Rebellen, die sich selbst „woke“ – erwacht – nennen, nehmen es im Eifer des revolutionären Gefechts halt nicht so genau. Im Golden Gate Park haben sie dann auch gleich auch noch das Denkmal von Miguel de Cervantes beschmiert:  ein europäisches Gesicht vor dem zwei Figuren knien kann halt nur ein rassistischer „Bastard“ sein. Dass es sich um Don Quichotte und Sancho Pansa handelt, die dort ihrem literarischen Schöpfer Ehre erweisen, dem „Erfinder“ des modernen Romans, der selbst fünf Jahre in der Sklaverei leben musste, nachdem er von ottomanischen Piraten entführt worden war  – geschenkt! Hauptsache irgendwas gegen Rassismus – und gegen Trump, den Oberrassisten…

Wer da WTF oder auf deutsch „Was soll der Scheiß?“ ruft bewegt sich bereits auf dünnem Eis selbst des Rassismus beschuldigt zu werden. Denn jenseits von Randale und Bilderstürmerei geht es in den US-Talkshows derzeit rauf und runter um den Bestseller   „White Fragilty“ – Die Schwierigkeit weißer Personen über Rassismus zu reden“ – ein Buch der Beraterin Robin di Angelo, von der „Rolling Stone“-Reporter Matt Taibbi schreibt, sie sei 

„sicher nicht die erste Person, die einen Dollar macht, indem sie pseudointelektuellen Schwachsinn als Unternehmensweisheit verkauft, aber sie könnte die erste sein, die das mit hitlerartiger Rassentheorie tut. „White Fragility“ hat eine einfache Botschaft: Es gibt keine universelle menschliche Erfahrung, und wir werden nicht durch unsere individuelle Persönlichkeit oder moralische Entscheidungen definiert, sondern nur durch unsere Rassenkategorie.“

Rassismus,  so die Autorin in einem Interview,   ist „eine internalisierte Haltung, die in jeder und jedem Weißen steckt.“ …..und wir wollen dann schon gar nicht mehr wissen, was in jedem Juden, Chinesen oder „Neger“ steckt, …aber verbannen Mark Twains Klassiker „Huckleberry Finn“ wegen Gebrauch des „N-„Worts vorsorglich schon mal von den Schulen…

Entlang solcher Identitätslinien zieht sich der Protestdiskurs, die Kulturrevolution, die da angeblich in Gang gekommen ist – und die nichts, nothing, nada an den bestehenden Verhältnissen ändern wird. Warum ich mir da so sicher bin? Weil eine Revolution, der von CNN, MSNBC, New York Times und Washington Post das Wort geredet wird, keine sein kann. Und sich die Erniedrigten und Beleidigten dabei vor den „Rassismus“-Karren spannen lassen und aufeinander losgehen, statt gemeinsam gegen die 0,1 %, die das Land kontrollieren. Denn nicht ehemalige Sklavenhalter wie Washington, Jefferson oder die weißen Gründerväter sind das Problem, sondern Neo-Feudalherren wie  Jeff Bezos, Warren Buffet, George Soros oder Bill Gates. Dass sie hundert Millionen Dollar an „Black Lives Matters“ gespendet haben garantiert, dass diese anti-rassistische Rebellion  ihr Geschäftsmodell keinesfalls in Frage stellen wird. Sie würden wahrscheinlich sogar die Freiheitsstatue in die Luft jagen lassen, denn die „Freiheit“, die sie verkündet wurde schließlich durch den Holocaust der indigenen Bevölkerung geschaffen. Sie würden auch niederknien, aus Solidarität und für die Schuld, die die Nation auf sich geladen – Hauptsache, keine Krankversicherung, keine kostenlose Bildung und keinesfalls Abrüstung und Ende der Kriege überall. Stattdessen: Marschbefehle nur noch mit Gender-Sternchen, militärische Eroberungen nur noch in politisch korrekten Transgender-Uniformen und Drohnenmorde bitte ohne Hate Speech….

Mathias Bröckers veröffentlichte zuletzt „Don’t Kill The Messenger – Freiheit für Julian Assange“ im Westendverlag. Er bloggt auf broeckers.com

+++

Bildquelle: Shutterstock / rozbyshaka

+++

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

+++

KenFM jetzt auch als kostenlose App für Android- und iOS-Geräte verfügbar! Über unsere Homepage kommt Ihr zu den Stores von Apple und Google. Hier der Link: https://kenfm.de/kenfm-app/

+++

Abonniere jetzt den KenFM-Newsletter: https://kenfm.de/newsletter/

+++

Jetzt KenFM unterstützen: https://www.patreon.com/KenFMde

+++

Dir gefällt unser Programm? Informationen zu weiteren Unterstützungsmöglichkeiten hier: https://kenfm.de/support/kenfm-unterstuetzen/

+++

Jetzt kannst Du uns auch mit Bitcoins unterstützen.

BitCoin Adresse: 18FpEnH1Dh83GXXGpRNqSoW5TL1z1PZgZK

9 Kommentare zu: “Drohnenmorde nur noch ohne Hate Speech! | Von Mathias Bröckers

  1. Ich liebe Mathias Bröckers fuer seinen Goetterfunken!

    Da nichts ohne sein Gegenteil wahr ist ,furchte ich aber auch linkes "gold digging" und claiming a la George Sorros und Co.
    Der ganz normale kollektive Wahnsinn in der Menschheitsfamilie eben.
    Sobald wir über den Dingen fliegen gelingt uns wenigstens zeitweilig der Quantensprung aus der affigen Ego-"chienlit"
    in das göttliche Bewusstsein aus Licht und Liebe.
    Der Geist ist dann nicht durch ängstliches "gold digging" behindert und "materiell gerounded"
    sondern kann sich genährt durch Licht und Liebe wirklich frei entfalten.

    Die Apokalypse für Machtmenschen,traumhafte Zustände für Lichtwesen.

    Was da nun als Gift oder Medizin wirkt hängt im wesentlich von der Dosis und dem Standpunkt ab.
    Die Dualität unserer Wirklichkeit eben die beständig neu und vernünftig auszubalancieren ist.
    Love it,do it.

  2. Eingedenk des Marshall McLuhan Satzes "Moralische Entrüstung ist eine Methode, Idioten Würde zu verleihen" hat Mathias Broeckers in seinem Statement treffsicher gespottet und verhöhnt. Tolles Ergebnis. Ich ende nach seinem Lesen nicht empört, missverstanden und mit wütendem Weltschmerz, sondern lachend, heiter wie beim und nach dem Kabarettbesuch. Diese primitiven Gestalten, die nicht nur gegen den Don Quijote anrennen , sondern auch offensichtlich gegen dessen Windmühlenflügel, sind von Broeckers trefflich entblößt, der Stoff, aus dem meine gefühlte Stärke herrührt.

  3. Wird die Bezeichnung Rasse auch abgelehnt,
    hat der Begriff Rasse außerordentliche Bedeutung .
    In seiner Auslegung als Antirassismus, wobei die Zuordnung zu Rassen allgemein abgelehnt wird geht der Begriff ins Leere .
    Verschwommen wird Rasse für soziale und kulturelle Differenzen eingesetzt und schließlich als beliebiger Vorwand für Randale und Plünderungen verwendet .
    Auffällig ist, dass die verschwommene Form des Antirassismus große Unterstützung bei Medien, in der "linken" Politik und durch Milliardäre hat .
    Es fällt auf, dass Rassismus fast ausschließlich gegen Weiße verwendet wird und wiederum auffallend, gegen Weiße Männer .

    Neugier als auch Distanz bis zur gewaltsamen Abwehr des Anderen und Fremden sind elementarer Teil der Menschheit wie der Natur . Eine Wertung des Anderen ist existenziell notwendig wie implizit mit Vorurteilen verbunden .

    Die Frage der Haftung :
    Inwieweit ist ein Mensch Teil einer Gemeinschaft, inwieweit kann er diese Gemeinschaft frei wählen und inwieweit trägt er Verantwortung und Schuld .
    Es fällt die gehandhabte Spaltung auf . Die Zuordnung deutsches Volk oder Weißer wird allgemein abgelehnt,
    aber Schuld und Verantwortung pauschal auf die zu Deutsch oder Weiß Zugeordneten abgelegt .

    • Der letzte Satz :
      Es fällt die gehandhabte Spaltung auf . Die Zuordnung deutsches Volk oder Weißer wird allgemein abgelehnt,
      aber Schuld und Verantwortung pauschal auf die zu Deutsch oder Weiß Zugeordneten "abgelegt" .

      sollte eher „ pauschal mit Deutsch und Weß verbunden" heißen.
      Zumindest was die Schuldfrage anbelangt, so dürfte Deutsch schon als Sprache, zur Sprache des Unmenschen geworden sein. Es gibt eine wunderbaren Beschreibung der deutschen Sprache von Mark Twain. Schreckliche deutsch Sprache
      Da wird die deutsche Sprache noch ganz anders interpretiert.
      Zwar als umständlich, aber auch als Lautmalerei. Davon ist kaum noch was übrig geblieben.

  4. Auf den Punkt getroffen. Lustig (oder traurig) wie sich gerade Linke ablenken lassen durch Themen die ihnen von Neoliberalen und Oligarchen vorgegeben werden. Dieser Absturz war aschon vor 30 Jahrten zu beobachten, als die Neueinströmenden sich vor allem durch irgendwie Hip sein wollen und und immer niedriger werdenden IQ auszeichneten.

    Aufwachen, der Gegner geht strategsich vor und hat sich dafür die besten Experten eingekauft. Wer nicht weiß was Polarisierung ist, was gemischte Strategien, und wie man sie anwendet um den Gegner zu Fehlern zu verleiten, hat die technische Entwicklung verpennt.

    • Sehr gut, werte Sandra.
      Man könnte es auch mit "Das Elend des Pluralismus oder wenn Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt zu Prinzipienlosigkeit verkommt" überschreiben.

      Aber das eigentlich problematische ist: wir haben von dem, was uns ausmacht, dem Fundament unserer vergleichsweise exklusiven Existenz im Grunde keine Ahnung.

      Deshalb hat dieser zum Marktradikalismus verkommene primitive Liberalismus so viel Einfluß auch auf die Linke gewonnen: weil "Jeder ist seines Glückes Schmied", "der Mensch ist des Menschen Wolf", "der Mensch ist egoistisch, der Kapitalismus daher das einzig funktionierende System" etc.etc. so einfach und einleuchtend, scheinbar "individuellen Erfahrungen entsprechend" daher kommen.
      Und selbst wenn der eine oder andere darüber etwas nachdenkt und dann zu dem Ergebnis kommt, daß das in dieser Absolutheit vielleicht doch nicht in jedem Falle zutrifft, folgt darauf unweigerlich der Gedanke: "Aber im Großen und Ganzen stimmt das schon."
      Daß der Mensch sich vielleicht so verhält, wie man meint, daß er sich "im Großen und Ganzen" verhalte, weil die "Verhältnisse" so sind wie sie sind, und dieselben daher auch wieder und wieder durch solches "Verhalten" reproduziert werden – das ist schwer begreiflich zu machen.

      Wie oft hört man, der "Markt" sei "demokratisch" und "etwas ganz natürliches", und das scheint deshalb so einleuchtend, weil unsere individuellen, unmittelbaren Erfahrungen – über den "Begriff" – von dem seit tausenden Jahren nach diesen Vorstellungen immer gleich funktionierenden "Bauernmarkt" oder allenfalls noch vom modernen "Supermarkt" geprägt werden.

      Selbst das, was unsere eigentlich Existenzform ist, nämlich "Arbeit", ist alles andere als "natürlich" – im Gegenteil – das, was wir da treiben, seit dem wir von den Bäumen gestiegen sind und begonnen haben, den Acker zu bestellen und Tempel zu bauen, unterscheidet sich "prinzipiell" von dem, vermittels dessen die "fleißige" Arbeitsbiene oder oder der "emsige" Singvogel ihre jeweiligen "technischen" Meisterwerken hervorbringen (im physikalischen Sinne ist deren "Treiben" natürlich Arbeit). Deshalb ist auch unsere, stetig zunehmende "Arbeitsteilung" eine "unnatürliche". …

      Wenn ein Herr Flassbeck sehr einleuchtend z.B. darlegt, daß eine Lohnsenkung aus der Sicht des Unternehmers durchaus sinnvoll erscheint, eine Konsequenz aus "Wettbewerb" ist, makroökonomisch über die Zeit jedoch praktisch den "schleichenden Selbstmord" bedeutet; daß "Wettbewerb" zwischen Unternehmen ganz gut und schön ist, ein solcher zwischen Staaten jedoch harten Schranken unterworfen werden muß, weil die eben nicht, wie Unternehmen, einfach verschwinden, wenn sie "verloren" haben – und er damit, und mit vielem anderen in diesem Zusammenhang stehenden, selbst zu den Linken nur ganz schwer vordringt, zeugt das von einem weitgehenden Unverständnis für die Beschreibung unserer Existenzgrundlagen, nämlich der Ökonomie. …

      Wenn die "Größten Ökonomen aller Zeiten" den Rest Europas zu "Idioten" erklären, weil die da doch zu dämlich sind, ohne Schulden auszukommen, obwohl man wissen müßte, daß von deren Schulden unserer "Größe" herrührt; wenn Staaten des vormaligen Ostens bis zu 20 % Ihrer Bevölkerung verloren haben, seit dem sie "richtige" Europäer sein dürfen, wir eigentlich also schon viel länger eine "Migrationskrise" haben – dann fällt den Linken nur ein Lobpreisung dieses ach so freiheitlichen, einigen Europas in Gestalt dieser EU ein.
      Das diese EU dem Charakter, ihrer Verfaßtheit nach in erster Linie ein "Freihandelsabkommen" mit all den sich daraus ergebenden Konsequenzen ist, und nach 1990 vor allem zu einem imperialen Projekt mit einer klaren "Stoßrichtung" erweitert wurde, nehmen sie einfach nicht zur Kenntnis.

      Statt dessen ergießt man sich in diesem wohlfeilen, aalglatten, weltumspannenden "Humanismus", was auch und gerade sogenannte Linke nicht daran hindert, Sanktionen gegen Völker zu begrüßen, deren Staatsform man ganz nebenbei zur "Diktatur" erklärt und sich damit überhaupt erst die dafür notwendige "innere Legitimation" im Sinne dieses sog. "Humanismus" bastelt – da ist das vielbeschworene "Recht auf Leben" dann doch nicht mehr ganz so wichtig, warum sind diese Völker auch so uneinsichtig und wählen immer wieder "Diktatoren".

      Man verkündet vollmundig die Notwendigkeit der "Abschaffung des Kapitalismus", fordert den "Sturz der Eliten", was immer man darunter zu verstehen beliebt, und damit hat sich`s auch schon. Was danach kommen soll – irgend so etwas wie ein "Plan" – Fehlanzeige.

Hinterlasse eine Antwort