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Ein Rat für 2017: Den „Experten“ misstrauen!

Von Ernst Wolff.

Wohl kaum jemand sieht der Zukunft zu Jahresbeginn 2017 mit ungetrübtem Optimismus entgegen. Zu recht, denn die Zeichen der Zeit stehen auf Sturm. Doch gerade schwierige Großwetterlagen erfordern einen klaren Kopf und präzise Orientierung.

Beides aber ist schwer zu erlangen, wenn man ständig dem Trommelfeuer der etablierten Mainstream-Medien ausgesetzt ist. Dort werden Halbwahrheiten mit Unwahrheiten gemischt, tatsächliche Sachverhalte verdreht, Ängste geschürt und Vorurteile bedient.

Wer auf diese Weise unter einer Flut von Informationen erstickt, wendet sich deshalb gern „Experten“ zu, die ihm im Labyrinth unserer Gesellschaft den Weg weisen sollen. Eine ganze Heerschar solcher Politik- und Wirtschafts-„Experten“ war in den vergangenen Wochen aktiv, um uns allen die Weltlage zum Jahreswechsel und die Aussichten für 2017 zu erklären.

Das Problem: Die vermeintlich fundierten Analysen dieser „Experten“ lenken genauso wie die übliche Berichterstattung  von den wahren Schuldigen an den derzeitigen Problemen – Spekulanten, Bankern und den ihnen hörigen Politikern – ab, erzeugen Panik, wo diese vollkommen unangebracht ist, und verharmlosen, wo dringende Aufmerksamkeit geboten wäre.

Hier ein Beispiel dafür, wie wir alle durch derartige Analysen fehlinformiert werden und Gefahr laufen, wirkliche Bedrohungen nicht wahrzunehmen oder zu unterschätzen:

Der Fall Monte dei Paschi

Es gibt kaum einen Wirtschafts- oder Finanz-„Experten“, der sich in den vergangenen Wochen nicht mit der Frage beschäftigt hat, ob die älteste italienische Bank Monte dei Paschi di Siena denn nun gerettet werde, ob ihre Rettung durch den italienischen Staat oder die EU erfolgen und ob die EZB grünes Licht dafür geben werde. Dabei wurde immer wieder betont, wie gefährlich ein „Fallenlassen“ des Institutes durch die Verantwortlichen wäre.

Jede der gestellten Frage hätte von vornherein uneingeschränkt mit „ja“ beantwortet werden können. Die Monte dei Paschi kann nämlich unter keinen Umständen fallen gelassen werden, weil sie sonst den allseits bekannten Domino-Effekt auslösen und das gesamte globale Finanzsystem gefährden würde. Die italienische Regierung kann also gar nicht anders als ihren Teil dazu beizutragen und EU und EZB können ebenfalls nicht anders als einer Rettung zuzustimmen.

Ebenso wie die politischen Scheingefechte zwischen Rom, Brüssel und Berlin haben sämtliche „Experten“-Analysen um die Monte dei Paschi die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf Fragen gerichtet, die im Grunde gar keine waren. Damit aber haben sie von einem Problem abgelenkt, das im Hintergrund lauert, immer größere Ausmaße annimmt und für uns alle zu einer ständig zunehmenden Gefahr wird: Die Reaktion der Finanzindustrie auf den unvermeidlichen Zerfall der EU.

Bail-out statt Bail-in 

Nach der Krise von 2008, in der die Banken durch ein Bail-out (also mit Hilfe von Steuergeldern) gerettet wurden, hat die EU die Bail-in-Regelung eingeführt. Sie gilt seit dem 1. Januar 2016 in allen EU-Ländern und besagt, dass im Fall des drohenden Zusammenbruchs einer Bank zunächst Anleger, Aktionäre und Sparer zur Kasse gebeten werden müssen und dass erst danach der Steuerzahler belastet werden darf.

Diese Regelung ist bereits 2013 auf Zypern und Ende 2015 bei vier italienischen Banken in der Toskana angewandt worden. Im letzten Fall hat sie, da sehr viele Mittelständler als Anleger betroffen waren, eine Welle des Protestes ausgelöst. Da bei der Monte dei Paschi mehr als 150.000 private Anleger betroffen wären, hat sich die italienische Regierung aus Angst vor Protesten und deren politischen Folgen strikt geweigert, das Bail-in anzuwenden.

Zwar hat die EZB (vor allem auf deutschen Druck hin) versucht, die Regierung in Rom umzustimmen – jedoch ohne Erfolg. Das hat dazu geführt, dass Italien nun mit dem Einverständnis der EU und der EZB soeben eingeführtes geltendes Recht außer Kraft setzt, um die Monte dei Paschi mittels eines Bail-outs über Wasser zu halten.

Diese – vorübergehend wirksame – Rettungsmaßnahme wird von den „Experten“ derzeit als „Sieg der Vernunft“ gefeiert und dem breiten Publikum als „Lösung der italienischen Probleme“ präsentiert. Das aber ist nicht nur falsch, sondern hindert diejenigen, die es für bare Münze nehmen, daran, Vorkehrungen für eine kommende Krise zu ergreifen, deren Ausmaß gar nicht abzuschätzen ist.

Die tatsächliche Alternative heißt: Bankenrettung oder Volksaufstand

Tatsächlich weigert sich die vor unseren Augen zerfallende EU, die von ihr selbst geforderte Regelung des Bail-in im Fall der Monte dei Paschi zu erzwingen, weil sie fürchtet, dass die Enteignung von Anteilseignern, Aktionären und Sparern im Extremfall einen Volksaufstand auslösen, zumindest aber zu einem für das Bankensystem höchst gefährlichen Banken-Run führen könnte.

Damit aber nimmt die Eurokrise eine völlig neue Qualität an. Noch im vergangenen Jahr hat die EU nämlich alle Hebel in Bewegung gesetzt, um eine weitere Bankenrettung mit Steuergeldern, also ein Bail-out, zu verhindern. Zu diesem Zweck hat sie 2015 sechs Mitgliedsländer verklagt und gezwungen, die Bail-in-Regelung umgehend zu geltendem Recht zu erklären. Dass sie dieses nun bei der Monte dei Paschi nicht juristisch erzwingt, zeigt, dass die EU derzeit keinen anderen Ausweg mehr sieht, als vor möglichen Protesten zurückzuweichen und auf ein Bail-out zurückzugreifen.

Das aber wird für die arbeitenden Menschen in Italien und ganz Europa drastische Folgen haben. Die Regierung in Rom wird mit allen Mitteln versuchen, die für die Bankenrettung ausgegebenen Gelder an anderer Stelle einzusparen, d.h. sie wird Kürzungen im Sozialbereich vornehmen, Steuern erhöhen, den Niedriglohnsektor ausweiten, das Arbeitsrecht weiter aufweichen und möglicherweise den Mindestlohn senken.

All diese Maßnahmen werden die ohnehin tiefe soziale Krise im Land weiter verschärfen. Gleichzeitig wird sich die Lage im Bankensektor durch die Rettung der Monte dei Paschi keinesfalls grundlegend verbessern. Die Probleme sind nur aufgeschoben und werden in absehbarer Zeit in noch schärferer Form erneut auftreten. Das bedeutet: Beim Eintritt der nächsten Krise wird das Potenzial für eine soziale Explosion noch größer sein als zurzeit.

Der Weg führt letztendlich in den Finanz-Faschismus

Für den Rest Europas hat die Rettung der Monte dei Paschi ebenfalls erhebliche Auswirkungen: Die erneute Belastung von Steuerzahlern wird politisch zu weiteren Verwerfungen und zu einer weiteren Zersetzung der EU führen, da die Mehrheit der EU-Bürger derartige Zahlungen – wie die Abstimmung zum Brexit eindrucksvoll gezeigt hat – ablehnt.

Zum anderen wird durch die Rettung der Monte dei Paschi ein Präzedenzfall geschaffen, der es so gut wie unmöglich machen wird, irgendwo in Europa noch einmal die Bail-in-Regelung anzuwenden. Das heißt: Es wird bei zukünftigen Bankenproblemen weitere Bail-outs geben – mit der Folge, dass weiteres Geld gedruckt, der Euro noch stärker entwertet und die Blasen an den Anleihen-, Aktien- und Immobilienmärkten noch weiter aufgebläht werden.

Da auch die Finanzindustrie weiß, dass am Ende dieses Weges nur noch die Alternative Crash oder Hyperinflation steht, wird sie die Politik und die EZB irgendwann ultimativ dazu auffordern, das Ruder herumzureißen und zu diesem Zweck auf das Bail-in zurückzugreifen. Das aber wird dann nur unter Anwendung von Gewalt gegen die Bürger möglich sein – der Grund, warum Polizei und Militär derzeit überall (unter dem Vorwand der Terrorismus-Bekämpfung) aufgerüstet werden.

Sollte aber auch der Einsatz von Polizei und Militär nicht ausreichen, bleibt der Finanzindustrie nur noch eine Möglichkeit: Dann wird sie auf die Abschaffung des letzten Rests an verbleibender Demokratie setzen und die Karte des Faschismus ziehen. (Die Unterstützung Donald Trumps in den US-Wahlen durch die Wall Street ist ein erster Schritt in diese Richtung und nimmt die Entwicklung in Europa vorweg.)

Die vermeintlichen „Experten“ erzählen uns von alledem – nichts. Statt uns zu warnen, verschleiern und vernebeln sie eine höchst gefährliche Entwicklung, die sich mit unerbittlicher Konsequenz vor unseren Augen entfaltet, und lenken unsere Aufmerksamkeit auf unbedeutende Nebenschauplätze.

Das aber bedeutet: „Experten“ zu vertrauen, heißt, nicht in der Lage zu sein, die tatsächlichen tiefgreifenden Triebkräfte der Veränderung in unserer Gesellschaft zu erkennen und unvorbereitet in eine Zukunft zu gehen, die von verschärfter Austerität, zunehmender Geldentwertung, einer Aufrüstung des staatlichen Gewaltapparates und einer weiteren Einschränkung demokratischer Rechte geprägt sein wird. Ganz zu schweigen von den daraus resultierenden immer heftigeren internationalen Verteilungskämpfen und einer damit einhergehenden kontinuierlich zunehmenden Kriegsgefahr.

Ernst Wolff ist freier Journalist und Autor des Buches „Weltmacht IWF – Chronik eines Raubzugs“, erschienen im Tectum-Verlag, Marburg.

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

24 Kommentare zu: “Ein Rat für 2017: Den „Experten“ misstrauen!

  1. Experte Experte = Erfahrener.

    Wieviel Erfahrung können diejenigen ‚Experten‘, -, die sich zum Thema ‚Potentieller Kollaps des aktuellen Systems‘ determinativ äußern -, eigentlich haben, wenn ein solches System noch nie zuvor existiert hat und deswegen auch noch nie ein vergleichbarer systemischer Präkollaps beobachtet und durchlebt oder gar erfolgreich gemanaged werden konnte???

    Wie sich, wie hier am Beispiel der Monte dei Paschi, ein Einzelfall auswirken wird oder gar der einer ganzen Branche, welche Wechselwirkungen möglich sind oder bereits unerkannt tätig sind und worauf das alles letztlich konkret hinaus läuft und was deshalb konkret getan werden kann und muss, um Schlimmeres zu vermeiden, kann mit Sicherheit niemand sagen.

    Im besten Fall lassen sich Wahrscheinlichkeitstendenzen ermitteln, die aber nur so gut sind, wie das Wissen umfangreich und detailliert zur Verfügung steht und korrekt verarbeitet wurde bezüglich aller relevanten Faktoren zum Thema.
    Das ist aber definitiv schlicht unmöglich.

    Selbst bei einer 99%igen Wahrscheinlichkeit, dass es in wenigen Stunden regnet, regnet es oft genug trotzdem nicht oder eben nicht überall.

    Was man also mit absoluter Sicherheit sagen kann – und das ist schon schlimm genug -, dass niemand alles zum Thema weiß und deshalb keiner die Kontrolle hat und haben kann.

    Die Vortäuschung vermeintlicher Sicherheit durch vermeintliche Experten dient nur dazu, gewissen Kreisen Zeit zu verschaffen, um ihre Interessen noch rechtzeitig wahren zu können, bevor die Mehrheit den Braten riecht und sich die Chose verselbstständigt und ganz außer Kontrolle gerät!

    Das kann man sehr gut an den kleineren Krisenherden und dem Vorgeplänkel zu 2008 etwa studieren:
    Es geht nicht um Krisenkontrolle wie sich das der Normalbürger vorstellt – für gewisse Kreise ist es bereits eine ‚Kontrolle‘ über eine bevorstehende Krise Bescheid zu wissen (Herrschaftswissen eben), unabhängig davon ob diese geplant, inszeniert oder eben ungewollt eintritt und daraus Kapital (im Sinne von beliebigen Vorteilen exclusiv für sich) zu schlagen.

    Für den, der vorbereitet ist, ist die Krise eher eine Möglichkeit als ein Unglück pur.
    Der ‚Experte‘ wäre schön blöd, wenn er sein Vorteils-/Herrschafts-/Krisenwissen einfach beliebig unters Volk streute und sich seines Wissensvorteils (Wissen = Macht) selbst beraubte – soviel kann man dem dafür gar nicht zahlen 😉

    Der gesamte Aktienmarkt ist manipuliert, ebenso die Zinssätze, Goldwerte etc. und zwar von ‚Experten‘, die einfach früher wissen als die meisten, was passieren wird.
    Nochmal: ganz unabhängig davon, ob die Veränderungen gezielt manipuliert wurden oder zufällig prognostiziert oder durch reines Insiderwissen erworben wurden!
    Die Manipulation besteht zuallererst darin, dass dieses Wissen vorenthalten wird und erst eigene Interessen wahrgenommen werden, bevor man gezielte Des/Information an die Öffentlichkeit weiter gibt.

    Das ist auch der Grund, warum nicht Regierungen regieren, sondern z.B. Geheimdienste, Finanzinstitutionen und andere Privilegierte.
    Für alle anderen bleibt eben dann die Katastrophe, denn es muss immer jemanden geben, der für den Vorteil der Anderen den Preis zahlt…

  2. Zitat Eberl:
    „Sehr geehrter Herr Wolff,
    liebe Leser, liebes KenFM-Team
    hier ein aufschlussreicher Artikel dazu:“
    (Link siehe Originalbeitrag von Herrn Eberl weiter unten)

    Hallo Herr Eberl,

    ich hab mir mal den von Ihnen verlinkten Artikel durchgelesen. Und in der Folge gleich noch alle anderen, die dieser Brandon Smith auf dieser Plattform seither veröffentlicht hat.

    Ich finde die Einschätzungen und Schlußfolgerungen dieses Autors absolut schlüssig. Er behauptet ja, daß der Präsident Trump keinesfalls ein Betriebsunfall im etablierten Machtgefüge sondern der von den Eliten gewünschte Kandidat ist. Nicht etwa, weil er irgendeines der brennenden Probleme lösen könnte. Im Gegenteil, man habe durch diesen Schachzug einen Außenseiter in die Position gehievt, dem man anschließend glaubhaft die Schuld in die Schuhe schieben kann für den (unvermeidlichen) Systemzusammenbruch, den man nun allmählich stattgeben kann ohne selbst dafür zur Verantwortung gezogen zu werden. Dafür wurde ja der Sündenbock installiert.

    Das klingt zunächst abenteuerlich wenn man bedenkt, wie im Mainstream gegen Trump gehetzt wurde. Aber das ist zu kurz gedacht. Und der Autor denkt etwas intensiver darüber nach. Näheres weiter unten.

    An dieser Stelle muß ich einfügen, daß es sich bei dem Autor um einen Vertreter der Libertären handelt. Und mit seinen Einlassungen möchte er die Euphorie seiner Gesinnungsgenossen über den Trump-Sieg einbremsen und in den richtigen Kontext stellen. Der Trump-Sieg sei von den Eliten gewollt um anschließend – nach bzw. während des Systemzusammenbruchs – den Libertären den Schwarzen Peter zuschieben und sie somit auf lange Zeit diskreditieren zu können. Sie werden dann bei der breiten Masse keinesfalls Gehör finden sondern als Verursacher des Zusammenbruchs wahrgenommen. Womit die tatsächlichen Verursacher sich dann daran machen können ein neues System nach ihrem Gusto zu installieren.

    Bei Brandon Smith spielen drei Gesellschaftsgruppen eine herausragende Rolle:
    – die Eliten (auch Globalisten genannt, die er zu meinem Erstaunen in der politischen Linken verortet),
    – die Libertären als Teil der Konservativen und
    – die Kommunisten (womit er alle mit linken Ideen sympathisierenden Menschen meint, die nicht zu den Eliten gehören)

    Die Strategie der Eliten ist seiner Auffassung nach die anderen beiden Gruppen gegeneinander aufzuhetzen. Er hält einen neuen Bürgerkrieg in den USA für möglich, wenn nicht sogar für wahrscheinlich. Er warnt seine Gesinnungsgenossen davor im Falle eines Bürgerkriegs in die Falle zu tappen und sich des politischen Gegners mit Hilfe der Staatsmacht (die ja ab Januar 2017 in den Händen des vermeintlich eigenen politischen Lagers ist) zu erwehren. Dies sei auch gar nicht nötig, da sich aufgrund des größeren Mutes, der besseren Bewaffnung und des größeren Bereitschaft zur physischen Auseinandersetzung seines eigenen Lagers der Bürgerkrieg sowieso zu den eigenen Gunsten entscheiden ließe. Eine Unterstützung durch die verhaßte Staatsmacht wäre dabei nur kontraproduktiv und würde das eigene Lager nur nachhaltig kompromittieren.

    Wie kommt er zu der Einschätzung, daß Trump der von den Eliten gewünschte Kandidat ist? Er vergleicht das Verhalten der Mainstreampresse gegenüber Trump mit demjenigen gegenüber des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Ron Paul in 2012. Ron Paul ist ein Urgewächs der Libertären und – im Gegensatz zu Trump – ein ernst zu nehmender Politiker mit ausgegorenen Konzepten und Programmen. Dieser Mann wäre als Präsident für die Eliten wirklich eine große Gefahr gewesen. Ähnlich wie Trump hatte auch Ron Paul während seiner Kandidatur eine große Online-Anhängerschaft. Anders als Trump wurde er allerdings vom Mainstream komplett ignoriert. Trump hingegen wurde nach allen Regeln der Kunst ins Rampenlicht gezerrt. Parallel dazu wurde die größt-mögliche Haßfigur auf Seite der Demokraten mit unlauteren Mitteln als deren Kandidatin installiert und Sanders verhindert, gegenüber den Trump vermutlich keine Chance gehabt hätte. Die vermeintliche Demontage Trumps in den Mainstreammedien sei also in Wirklichkeit von den Eliten gewollte Publicity gewesen. Als ein weiteres Indiz führt er dabei auf, daß Trump auch Kontakt zu einem Industriellen hatte, der jetzt bei Pizzagate eine Rolle spielt und aufgrund pädophiler Vergehen bereits verurteilt ist. Davon war in der Schmutzkampagne gegen Trump kein einziges Wort zu finden, was damit zu tun habe, daß Bob Clinton ein noch engerer Freund dieses Pädophilen ist. Man habe Trump mit dieser Geschichte aus übergeordneten Erwägungen verschont, obwohl man damit einen Trumpf in der Hand gehabt hätte, ihm das Genick zu brechen.

    Ich finde die Einlassungen diese Brandon Smith hoch interessant und werde seine Veröffentlichungen auch weiterhin verfolgen. Ein Indiz für seine Fähigkeit zu korrekten politischen Einschätzungen ist auch seine beeindruckende Bilanz korrekter Vorhersagen. Er sagte sowohl den Brexit als auch den Trumpsieg (seit Juni 2016) korrekt vorher und auch die erste Leitzinserhöhung, sobald Trump gewählt sei. Letztere sei der Beginn des einzuleitenden Systemzusammenbruchs, den man dann anschließend Trump in die Schuhe schieben wird. Aufgrund der Zusammenstellung seines Teams sei inzwischen auch klar, daß Trump eingeweiht sei, welche Rolle er zu spielen habe. Seine Ankündigungen während des Wahlkampfs vonwegen Trockenlegen des Sumpfs und Anklageerhebung gegen die kriminellen Machenschaften der Clintons sind inzwischen Makulatur.

  3. Monte dei Paschi ist ein Paradebeispiel für den Zustand des Systems, das es repräsentiert:
    Längerer Text, kein tl;dr, sorry 🙂

    Diese Bank ist wie ein Patient auf der Intensivstation, der nur noch mit der Herz-Lungen-Maschine am ‚Leben‘ erhalten wird.
    Von diesem Patienten weiß man ganz genau, dass er sich nie weider erholen und aufstehen und arbeiten gehen wird.
    Er wird also am ‚Leben‘ erhalten, wobei der Aufwand natürlich in keinem Verhältnis zum Ergebnis steht und dazu auch noch stetig steigt.
    Dazu kommt, dass der Strom/Geld für die Maschine nun nicht mehr aus einem privatwirtschaftlichen Kraftwerk kommt, sondern über staatliche Dynamofahrräder/Steuerzahler, von denen abertausende rund um die Uhr besetzt werden müssen und die Fahrer von ihren eigentlichen Jobs und Aufgaben abhalten bzw. deren Engagement in anderen, vitaleren Bereichen verhindern.

    Wir haben aber nicht nur einen Intensivnotfall, sondern alle Banken, die in Derivatgeschäfte verwickelt sind.
    Die gesamte Weltwirtschaftsleistung beträgt gerade mal 1/10(!!!) der Derivatumläufe.
    Das heißt statt etwa 70 Billionen werden 700Billionen nur in Derivaten gehandelt.
    Derivate als Risikoabsicherung sind ja kein grundsätzlicher Fehler, aber wenn sie vom Basiswert abgekoppelt, gebündelt und als Wetten verkauft werden können, dann sind sie ein massives Problem.
    Es MUSS bei diesen Wetten Verlierer geben (z.B. die HSH-Nordbank, Hypo-Alpe-Aldria, Monte dei Paschi…).
    Wenn nun die ‚Falschen‘ verlieren – eben die Banken – dann gibt es eine fette Strukturkrise, die nur mit extrem intensiven Infusionen einen Kollaps verhindern kann, was wir seit 2007 ja schon kennen.

    Aber: bekanntlich ist die Lebensdauer begrenzt und es ist egal, ob eine Bank nur noch 1 Jahr oder doch 10 Jahre an der Herz-Lungen-Maschine des Steuergeldes am Leben erhalten werden kann, denn
    das Geld für die Scheißbanken fehlt ja andernorts, wo es wesentlich dringender gebraucht würde und DAS wird sich weder ändern können, noch ist es beliebig lange fortsetzbar.
    Es ist dann wie bei einem Verhungernden: das Gehirn wird bis zum Schluss mit dem Nötigen versorgt – auf Kosten des restlichen Körpers, der ausgequetscht wird wie eine Zitrone, damit das kranke Hirn noch ein paar Tage länger dämliche Träume des Größenwahns haben kann.

    Was hat das nun mit den Plänen, ‚Visionen‘ etc. vom ‚Ausstieg‘, von Veränderung etc. zu tun?

    Extrem viel, eigentlich alles.
    Der Krebs in einem Körper hört nicht von selbst auf zu wuchern, bis er alles zerfressen hat.
    Dieser Krebs-Kapitalismus müsste ja quasi Seppuku begehen, um den Rest zu retten.
    Das wird niemals geschehen.
    Wenn aber diese Form der Geld’wirtschaft‘ (also nur das Geld wird gerettet und die, die nicht genug davon haben können) andauert, dann wird unser Gesellschaftssystem ziemlich schnell ausbluten.
    Dann retten auch die ‚Erste Soziale Gemüsegartenkommune‘ und der ‚Miete-Ade-Genossenschaftsverband‘ radikal nichts, noch nicht mal sich selbst.

    Denn im Vorfeld des Kollapses werden die Reglementierungen so lange so stark verschärft, wie es die Stabilisierung des Intensivpatienten verlangt und es etwas auszusaugen gibt.
    Wenn dann der Kollaps kommt, nicht weil das Bankensystem crasht, sondern das Gesellschaftssystem (das Bankensystem folgt direkt nach, geht nicht voran), werden Conan-Qualitäten von jedem gefragt sein, um sich zu behaupten.
    Im Zuge dieser sich verschärfenden Reglementierungen werden alle Unabhängigkeitsbestrebungen, gleich welcher Art und Größe verboten, unterbunden und geahndet.
    das ist, nebenbei bemerkt, ja jetzt schon in weitren Teilen direkt erlebbar und ich verstehe ehrlich gesagt nicht, wie jemand glauben mag, dass sich das bessert oder innerhalb der Gesamtverschlechterung eines weltweiten Systems kleine Inseln der Glückseligkeit zur Besserung ungestört ‚harken‘ ließen?!
    Der nekrotische Patient hat immer auch Flecken, die noch nicht von der Nekrose erfasst sind – er stirbt aber schon lange bevor sein ganzer Körper nekrotisch geworden ist, selbst wenn es noch über 50% gesundes Gewebe gibt.

    Das mag niemand hören, aber es wird keinerlei Möglichkeit geben, diese kollaptische Übergangszeit zu vermeiden, denn andernfalls:
    Wo sind die wirksamen politischen Veränderungen, wo die wirtschaftliche Umdenke in den Bereichen, wo es wirklich zählt, bzw. wo wäre denn überhaupt eine Installierung solcher Ideen möglich, weil sie von den entscheidenden(!!!) Personen, Institutionen, Systemen protegiert wird?
    Wo sind die Ideengeber für einen vielleicht immer noch holprigen, aber relativ glimpfliche Übergang – und wohin soll’s überhaupt gehen?
    Es existieren etliche Theorien, Entwürfe für eine alternative Gesellschafts-/Güterwirtschaftsform, aber nicht eine einzige kann BEWEISEN, dass sie funktioniert (dafür hat noch keine lang genug existiert), vor allem, dass sie für alle anwendbar und geeignet ist bzw. dass sie von den allermeisten akzeptiert würde und kompromisslose Unterstützung erführe!?
    (Man denke nur an die überaus unterschiedlichen Meinungen zu, Reaktionen auf die favorisierte ‚Demokratie‘ als systemische Allerweltslösung…..hmmm)

    Und es ist ganz klar: wir haben nur noch wenig Zeit.
    M.E. wäre es also besser sich Gedanken darüber zu machen, wie man sich für diesen Übergang fit macht, diesen aushält, übersteht und wie man in einem überschaubaren Kreise sich organisieren will und kann und wie diese Zukunft der jeweiligen Gemeinschaft aussehen kann.
    VOR dem Kollaps wird sich nichts ändern lassen.
    Die systemischen Mittel, die legal zur Verfügung stehen, tun dies, weil sie wirkungslosffür echte systemische Veränderungen sind.
    Nicht legale Mittel, Methoden werden im Keim erstickt und vernichtet, solange das System die Kraft dazu hat.
    Hat es die aber dann irgendwann nicht mehr, wird es zu spät sein für einen ‚gemütlichen‘ Übergang.
    Eine gesellschaftsübergreifende oder gar weltweit implementierbare Lösung KANN es gar nicht geben – wobei sie im Übrigen auch nicht sinnvoll wäre 😉

    Klingt pessimistisch, ist es aber gar nicht, nur realistisch.
    Es gibt eine Möglichkeit die Krise zu lösen – aber nur indem man sie durchlebt…

    • Ich denke da missverstehen die meisten Menschen was am Kapitalismus, schon Marx machte den Fehler. Alle stellen den Kapitalismus immer in den Vorderund unserer Probleme, aber der Kapitalismus coexistiert mit dem Staat und beide entsprechen der politischen Religion des Absolutismus, bzw. der Autorität, des Zentralismus. Beide ergänzen einander, sind Institutionen geboren aus dem Willen zur Macht. Zur Ausbeutung.
      Vielleicht „kollabiert“ der Patient, aber das „Krankenhaus“ bliebe bestehen oder?… Eine kollabierte Wirtschaft kennen wir schon aus vorangegangenen Jahrunderten – und wie wir gesehen haben, haben sich keine Vakua aufgetan, die befüllt werden wollten, sondern der autoritäre Gedanke hat sich Bahn gebrochen, wurde vererbt, erhielt durch andere Mechanismen Kontinuität und wurde so zu einem neuen Joch.
      Wirtschaftskrisen und Revolutionen haben bislang nur neue Diktaturen gezeugt.

      Wer heute nicht aktiv aufbaut, was er nach dem Crash gesellschaftlich sehen will, wird von den Ereignissen überrollt.

      Und wie mein Vorredner schon sagte, „M.E. wäre es also besser sich Gedanken darüber zu machen, wie man sich für diesen Übergang fit macht, diesen aushält, übersteht und wie man in einem überschaubaren Kreise sich organisieren will und kann und wie diese Zukunft der jeweiligen Gemeinschaft aussehen kann.“ – Wer also „fit“ ist, MACHT den Übergang – der „Übergang“ fällt ja nicht vom Himmel – seine Gestaltung ist die Chance des Jahrtausends!

      Nutzen wir einfachen Leute diese Chance, um ein System auf horizontaler Basis zu erschaffen, welches sie gewiss schon im Jetzt vorbereiten müssten, oder belassen wir wieder einmal die Zügel in den Händen einer wie auch immer gearteten Obrigkeit – dann wird DIE den „Übergang“ machen und alles mit sich nehmen, was sie vorher schon ausgemacht hat: Herrschaft, Unterdrückung, Ausbeutung, Krieg.

      Solche Entscheidungsphasen gab es in der Geschichte schon oft: Kämpfen wir selbst, oder schauen wir zu – ist eben die Frage. Am Ende lassen uns andre auf jeden Fall wieder arbeiten – wenn wir die Zügel nicht an uns nehmen und eine Welt auf freier, statt auf autoritärer Basis errichten.
      Wir müssen das schon in unsere Hände nehmen – da wo es eben geht. Sonst machen das andere für uns, wie das aussieht, sieht man ja heute schon – wir zählen einfach nicht. Wenn die Zeiten härter werden, wird das nicht besser, fürchte ich.

      Ich stimme dir soweit zu, aber nicht in dem Punkt, was das Vorher betrifft: Wir müssen so gut vorsorgen wie es geht. Wenn der Drops gelutscht ist, werden jene Keime im Menschen aufgehen, die wir vorher noch grade sähen konnten – oder wir überlassen das Feld der Drachensaat der Diktatur – sei sie nun religiös, ökonomisch oder politisch.

    • @nuevo1

      Es spricht ja nichts dagegen, ‚horizontal basierend‘ quasi ’soziale, ökonomische Versuchslabore‘ auszuprobieren – man darf nur nicht erwarten, dass dies vom Gewaltmonopolisten kommentarlos hingenommen wird bzw. dass das eine flächendeckende Lösung wäre.

      Das schiere Problem ist doch, dass es einige gibt, die sehr wohl sehen, wie es wirklich ist bzw. wo uns das hinführt, aber diese Einigen nicht diejenigen erreichen, die noch relativ problemlos und gedanklich unbelastet sich mit dem gegenwärtigen System arrangiert haben und da nicht wirklich raus wollen, weil es eben zur dazu nötigen Einsicht wie dem dazu nötigen Mut nicht reicht.
      Das ist kein Vorwurf, sondern einfach nur eine nüchterne Bilanzierung.

      Diese ‚Einige‘ sind auch zu 99,9% nicht mal in der Nähe der Schalthebel der Macht, geschweige denn, dass man sie da ran ließe.
      Man kann sozusagen nur eine Art ‚Cloak-Citizen-Communities‘ versuchen zu etablieren (mit hoffentlich wirksamen Filtern gegen Unterwanderung, Sabotage etc.) und diese als ‚Keimzellen‘ für ‚Danach‘ kultivieren.

      Wenn die Titanic sinkt, versuche ich weder dem Kapitän eeinen neuen Kurs mitzuteilen, noch mit der Ersten Klasse zu diskutieren, noch schreibe ich Beschwerdebriefe über die 3.Klasse und dass man die Türen verschlossen hat und ich schlage mich auch nicht um einen Platz auf einem der Rettungsboote – ich habe mich schon lange bevor ernsthaft jemand daran dachte diese Rettungsboote zu benutzen und auszufieren mit den Wenigen, die das rechtzeitig wie ich erkannten, solidarisiert und eine eigenes Rettungsfloß gezimmmert und bereits zu Wasser gelassen, da wurde im Salon noch getanzt und beim Chateau la fitte aristokratisch parliert…

    • @nuevo1
      Ich glaube eher Sie haben Marx nicht verstanden. Wie richtig erkannt benötigt der Kapitalismus als ausgleichendes Element die Politik. Darauf hat aber auch bereits Adam Smith hingewiesen. Genauso, dass überproportionale Steuern auf Gewinn nötig sind. Marx hat lediglich dargestellt, warum jegliches Einwirken von Politik auf den Kapitalismus nicht von Dauer und daher letztendlich der Kapitalismus zum Scheitern verurteilt ist.

  4. Ein Experte prüft ein Experten, der beim prüfen eines Experten beim überprüfen, überprüft und wer hat recht?
    Die älteste italienische Bank Monte dei Paschi di Siena kam durch Mario Draghi ins schleudern und weil das der Herr Draghi richtig toll gemacht hat, wurde Er gleich zum Chef der EZB ernannt, wo von Ihm jetzt was zu erwarten ist?
    Geld hat keinen Wert, es entsteht aus dem Nichts und verschwindet auch wieder im Nichts.
    Es kommt somit nur auf das Geschäftsmodel an und je perverser dieses ist, desto besser funktioniert es.
    Zum Beispiel bekommt man kostengünstige Liftkarten zum Skifahren, die im allgemeinen sehr teuer sind, im Krankenhaus von den Menschen die sich zuvor bei Skifahren die Haxen gebrochen haben und die Karte noch gültig ist.
    Na und wenn man unser Geldsystem in Form einer Metapher als Krebs bezeichnet, dann bedarf es an Krebs erkrankte Menschen, die absehbar, nur noch eine bestimmte Zeit zu leben haben.
    Solch einen Menschen lässt man über dunkle Kanäle 6 Mio. € zukommen, wo er mit 1 Mio. € machen kann was er will und mit den 5 Mio. € gründet er noch schnell eine Bank.
    5 Mio. € reichen als Einlage aus um 1 Milliarde €uro an Kredit von der EZB aufnehmen zu können z.B. für die Bank Monte dei Paschi di Siena, die dann ihre Schulden bei der EZB wieder zurückzahlen kann = Inflationssicherung – da das Geld was gerade gedruckt und herausgegeben wurde, wieder bei der EZB und dann im Ofen landet.
    Na und wenn dann der an Krebs erkrankte Bankdirektor verstorben ist, erlischt somit auch die Kreditzurückzahlung und die EZB kann diesen Kredit abschreiben, weil ja kein Verlust entstanden ist = Steuersparmodel!
    LG Thomas Borchert

    • Wäre Klasse, wenn die Absurdität des Finanzsystems, wie in einem ökonomischen „Catch 22“ oder einem „Romulus der Große“ des Managerwesens literarisch demaskiert würde. So in der Richtung Ihres Kommentars – wirklich Klasse geschrieben.
      Aber leider können die kleinen Lichter, denen man Nobelpreise verleiht oder deren „Werke“ man heute in Listen im Spiegel und Co „bewundern“ kann, weder über den Kapitalismus schreiben – noch darüber hinaus.
      Die Menschen schreiben ja leider keine Bücher mehr, sondern Beststeller… und ohne „selling“…. keine Bestseller….also…
      Sie können ja mal ein paar Essays, Fragmente, Kurzgeschichten in dieser Richtung verfassen – vielleicht freuen Sie sich irgendwann darüber.

    • Ömm Danke für das Kompliment und sorry wenn ich erst heute schreiben kann, ich mache am Wochenende immer eine Internetpause.
      Kennen Sie eigentlich den 13 minütigen Film „Geldsystem einfach erklärt“?
      Ziehen Sie sich den mal bei Youtube rein, könnte ähnlich der Verfilmung von „Catch 22“ sein, ich finde es jedenfalls gierig.
      Ich überlege derzeit Ihre Idee, irgendwelche Kurzgeschichten zu verfassen, weiß nur noch nicht was ich da nehmen könnte. Was halten Sie von:
      „Vom Harz 4 Empfänger zum Multimillionär!“?
      Eine gierige und ganz kurze Zitatgeschichte wäre:
      „Was ist das Verrückteste,
      das Du je für Geld gemacht hast?“
      „Arbeiten.“
      LG Thomas

  5. @schwarz ist weiß:
    Volle Zustimmung – aber wie lange geht das (bei Bail-out) noch „gut“? Wäre es theoretisch denkbar, dass das Rad immer nochmal eine Runde weitergedreht wird, weil die Staaten und Zentralbanken einspringen? Völlig losgelöst von der „Realwirtschaft“.

    Ich glaube das nicht. Viele Menschen denken m.E. immer noch, dass es irgendwie wieder aufwärtsgehen wird nach der „Krise“, aber dieser Glaube ist sehr fragil geworden. Das darf man nicht unterschätzen, wenn sich die breite Mehrheit der Bevölkerung wirklich komplett innerlich verabschiedet vom System. In der EU wird man sich auch politisch nicht mehr einigen können. Italien kann man nicht ausnehmen wie Griechenland, und Schäuble/Merkel haben versprochen, dass es keine weiteren Bail-outs geben wird. Da kommen sie dieses Mal auch nicht mehr raus, denke ich – bei aller politischen Wendigkeit. Sie hoffen wohl nur noch darauf, dass sie bis zur Wahl alles aussitzen können, wie schon so oft.

    • Wie lange das so weiter geht? Das weis ich auch nicht. Es ist oberstes Ziel am Euro festzuhalten. Einen richtigen Plan gibt es meiner Meinung nicht. Das meint Frau Merkel auch mit „auf Sicht fahren“ oder „der Politik der kleinen Schritte“.
      Es geht um nichts weiteres, als das kapitalistische Wirtschaftssystem am Leben zu halten und Profite zu erwirtschaften.
      Die breite Masse (erst recht nicht in D.) stellt dieses System nicht in Frage. Von Verabschiedung kann keine Rede sein.
      Wenn hier etwas falsch gemacht wird, sind politische Figuren oder Parteien daran Schuld – so die breite Meinung.
      Kapitalistisches Wirtschaften ist völlig unverdächtig die Ursache selbst zu sein.
      Auch die hier bei KenFm vorgestellten Macher, wirtschaften im System nach den Regeln des Kapitalismus. Sie stellen Dienstleitungen zur Verfügung und stellen Waren her (z.B. Holzhäuser). Ein Markt wird erschlossen und bedient.
      Ich will das nicht klein reden! Aber den Kapitalismus tangiert das nicht!

  6. Dem kapitalistischen Priestertum nicht weiter zuzuhören ist eine Sache.
    Kritik und Gehorsamsverweigerung allein werden aber keine Abhilfe schaffen.
    Nur die eigene Tat allein wird den Einzelnen und die Gesellschaft von einer falschen Art zu konusmieren und zu produzieren befreien. Es dürfte klar sein, dass ein „Volksaufstand“ (eher ein Aufstand der ausgebeuteten Klassen, als dieses Neusprechbegriffs „Volks-„) so gut wie nichts bedeuten würde – etwas Randale und etwas Zusammenbruch, aber danach kann ja nichts Neues kommen, weil für Neues in einem bloßen Aufstand keine Keime vorhanden sind.
    Wenn sich also die Situation wirklich ändern sollte, dann müssen sich die Menschen selbst dazu aufraffen das gesamte Wirtschaftsystem auf andere Füße zu stellen.

    In unserem System ist es aber nicht üblich selbstverantwortlich zu handeln. Wir sind an Gesetze und die oben erwähnten „Experten“ gewöhnt und haben ihnen in verschiedenen rituellen Handlungen zum Schein unsere Verantwortung „übertragen“. Deshalb nennen wir Politiker auch „Vertreter“. Aber kann ein Mensch einen anderen „ersetzen“? Glaubt man den Bossen und Unternehmern, dann sind ja alle „ersetzbar“…. aber augenscheinlich ist jeder Mensch einzigartig und damit auch sein Bedürfniss.
    Dem widerspricht das gesamtgesellschaftliche System, das zentralistische, in dem wir leben. Und unsere Unmündigkeit und die überall wahrnehmbare Zerfaserung der Zwischenmenschlichkeit hat uns erzogen.
    Wir sind alle davon überzeugt, eine Klasse von „Experten“ über uns zu brauchen, in jedem Lebensbereich, die uns „regiert“, „führt“, „einen Arbeitsplatz gibt“, „erleuchtet“, „coacht“ usw.
    Das ist ein tiefliegendes Leitmotiv unseres heutigen Systems – die Verantwortungslosigkeit der Masse, aus dem Wahn heraus, Verantwortung von Millionen könne an tausende „abgegeben“ werden. Natürlich behauptet Merkel, man könne ihr vertrauen – das hat Adolf und Alexander der Große auch gesagt – und am Ende wurden SIE – die armen Herrschenden – von den unteren Klassen „verraten“.
    „Wir sparen nicht genug, wir sind nicht hart genug, wir sind …“ Und glauben das auch noch.
    Mit so einer Auffassung des menschlichen Lebens und so einer Verzerrung von dem was „Gesellschaft“ eigentlich ist, kann sich NICHTS ändern.

    Hier wird zwar dazu aufgerufen, „Experten“ aus der Wirtschaft nicht weiter über den Weg zu trauen, aber was ist mit den „Experten“ aus anderen Lebensbereichen, die uns auf Schritt und Tritt bevormunden?
    Die ganze Zerteilung der Gesellschaft in solche, die Auctoritas ausüben und andere, die ihre Persönlichkeit auf Standby schalten und gehorchen muss einer Selbstbestimmung der Menschen weichen – die Gesellschaft und die Umwelt sind schon maximal zersetzt, weil wir angenommen haben es sei ok, die Menschheit und die sie umgebende Biosphäre an unsere abstrakten Begriffe von „Ordnung“, „Staat“ und „Wohlstand“ usw. anzupassen – leider hats nicht geklappt – Tausende Jahre in die falsche Richtung gegangen. Jetzt muss es in eine andere Richtung gehen.

    Und deshalb muss die kommende Gesellschaftsordnung, welche das überlebte, marode System der Herrschaft und Ausbeutung des Menschen durch den Menschen ablöst, auch von den einzelnen Menschen selbst ausgehen.
    Menschen, die sich von „Experten“ betrügen LASSEN, sind betrogene Betrüger. Die Lösung dieses gesellschaftlichen Knotens kann nur die Eigenverantwortung des Menschen sein – aber sie muss sich auch in dr Realität niederschlagen. Wer andere „wählt“ seine Bedürfnisse irgendwo zu „vertreten“, kann keine Verantwortung in seinem Alltag ausüben. Wer nur Arbeitstier sein soll und ansonsten als unmündiger Plebs angesehen wird, wird niemals verantwortungsbewuust leben können. Aus diesem Grund muss das gesamte zentralistische System der Bevormundung und der Herrschaft, der Staat und seine bürokratischen Institutionen, von selbsterbauten Körperschaften ersetzt werden.
    In allen Lebensbereichen muss sich die Freiheit bahn brechen, die der Einzelne braucht, um überhaupt Verantwortung übernehmen zu können – in unserem kaputten System kann ja keiner verantwortungsbewusst handeln – alle sind durch wirtschaftliche und politische Zwänge gegeneinander aufgestachelt.
    Wenn dieses gesellschaftliche Gefüge aus „Experten“ und Bevormundeten fallen soll, muss das Vertrauen in die eigenen Kräfte jedes Einzelnen gestärkt werden. Der Zusammenhalt der Unterdrückten muss ein bewusster Hebel gegen Bevormundung werden – für die Selbstverwaltung in allen Lebensbereichen.

    • Das stimmt alles, aber wie kommen wir dahin (zur Selbstverwaltung)? Ich sehe da v.a. folgende Hindernisse, auch oft bei mir selbst, um ehrlich zu sein:

      – Mangelnde wirklich konkrete Vorstellungen einer besseren Zukunft und vom Weg dorthin (!)
      – Mangelnde Ressourcen (z.B. Land, Geld, auch persönliche Fähigkeiten)
      – Angst und mangelnder Glaube an die Realisierbarkeit

      Hört sich alles ziemlich weinerlich an, schlimm…

      -> Was soll man konkret machen, wenn man nicht vermögend ist, wenig Zeit hat und seine Familie jeden Monat über die Runden bringen muss? Das ist doch der Hauptgrund, wieso auch intelligente Menschen sich nicht auflehnen gegen dieses System.

      -> Deswegen finde ich das Format der „Macher“ bei KenFM wirklich eine gute Idee. Das macht Mut, den wir dringend brauchen.

    • Selbstverwaltung ist eine tolle Sache, die nicht urplötzlich aus dem Boden gestampft werden muss, sondern die wachsen kann, an den Erfolgen und Erfahrungen des Alltags von Menschen, die sie praktizieren.
      Wenn wir begreifen, dass es einen Unterschied gibt, zwischen einem vorbestimmten Leben – Schule Ausbildung Arbeit Rente Tod und einen Leben in Selbstbestimmung, dann werden wir langsam diesen Unterschied überall im ganzen Leben, in der ganzen Gesellschaft feststellen: Hie der Mensch als Mittel zum Zweck, dort der Mensch als Ausgangspunkt seines eigenen Lebens.

      Auf Basis der Denkweise, die den Menschen im Mittelpunkt sieht, ist alles möglich.

      Ein Beispiel wäre der Sport: Wer gerne Fußball spielt, hat sich sicherlich schon mal gefragt, wie der Kapitalismus den Fußball an sich, den Sport an sich weitergebracht hat. Stadien, die man leicht mit Palästen verwechseln könnte und eine Trennung von Fans in Arme, Mittelstand und Reiche hat den Sport sicherlich nicht besonders weit voran gebracht. Wie hat der Staat den Fußballsport vorangebracht? Vor dem Stadion stehen Polizisten. Sie schützen die „friedlichen Fans“ vor den „gewaltbereiten Fans“. Aber wieso gibt es überhaupt auf der einen Seite „friedliche Fans“, die Preiserhöhungen, Überwachung und Gehirnwäsche durch Werbung einfach mit sich machen lassen und auf der anderen Seite „gewaltbereite Fans“ die all das ebenfalls mit sich machen lassen, nur dass sie sich dabei noch gegenseitig auf die Schnauze hauen? Man könnte soweit gehen, zu sagen, dass die „gewaltbereiten“ durchaus ihren Ursprung in der außerhalb des Fußballstaions liegenden Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben haben. Aber alle drei Parteien – Polizisten, „gewaltbereite Fans“, „friedliche Fans“ – haben eigentlich mit dem Fußball kaum was zu tun. Sie geben ihr Geld für ein Produkt aus, generieren Geld für die Taschen von Milliardären und schlagen sich noch untereinander….
      Also ich sehe da den Fortschritt nicht, weder durch Staat, Kapital noch die Ausbeutung, die so unglücklich macht, dass man sich dauernd prügeln will, weil sich Hass auf einen „unsichtbaren Gegner“ anstaut.

      Wenn wir das Szenraio ändern wollen, dann kann man mit Selbstverwaltung alles aufbrechen, was uns gerade beim Fußball nicht so fortschrittlich vorkommt.
      Einfach eigene Ligen gründen. Es gibt bereits zig Initiativen, die das tun. Auch schon international. Man muss zu Beginn sicherlich von der Illusion von Größe Abstand nehmen: Ein schönes Spiel auf einem Bolzplatz bleibt einem am Ende genauso geil in Erinnerung, wie ein Derby in einem riesigen Stadion – dadurch dass man mehr Geld und mehr Kameras „ins Spiel bringt“ wird die Qualität des Sports nicht besser.
      Wichtig finde ich, dass Menschen dieses Fandasein aufgaben und lieber selber spielen. Auch wenn sie nicht so gut sind, wie die Leute, die sich um nichts außer ihren Skills Sorgen machen müssen, die Millionen verdienen und nach einigen wenigen Jahren komplett ausgesorgt haben… das würde viel Druck von der Gesellschaft nehmen, dieser tauben Vermassung, die der Fußball – bei aller Liebe – auch ist, entgegenwirken usw. Und die Menschen kämen wieder miteinander ins Gespräch – wenn man beispielsweise Mannschaften aus der Stadt in der man lebt sucht, um gemeinsame Spiele zu organsieren… und dann bringt man Freunde und Verwandte mit, die dann wieder die Freunde und Verwandte der anderen kennenlernen….

      Und das ist nur ein Beispiel, wie Menschen auf „spielerische Art und Weise“ einander finden können und ohne „Fußball-Kapitalismus“ und Überwachungsstaat ihr Vergnügen an Fußballkultur selbst in die Hand nehmen könnten.

      Ein anderes Beispiel wäre die „Solidarische Landwirtschaft“.
      Es gibt Gruppen von Gärtnern organisiert in Vereinen, die begonnen haben hochwertiger als „bio“ zu produzieren und dies in einem Verein tun – man geht also nicht mehr in den Supermarkt und kauft Gemüse von kapitalistischen Ausbeuterbetrieben, sondern von dem Verein, in dem man selbst Mitglied ist, in dem man selbst auch bei der Ernet hilft usw.
      Und die heilsame Wirkung dessen ist zum Beispiel, dass die Leute gute Qualität bekommen, die Arbeitsbedingungen selbst regulieren können, die Preise einen Spielraum haben – wer nicht so viel Geld hat, muss auch nicht so viel zahlen – das kann man alles durch Solidarität unter einander machen.
      Man nimmt wieder Anteil an der Nahrungsmittelproduktion – unmittelbar, nicht so entfremdet im Supermarkt.
      Konsument, wie Produzent haben große Vorteile dadurch – und die Natur durch Einhalt der Richtlinien über das „bio“ Maß hinaus auch!
      Ich sehe jetzt keine Vorteile beim Kapitalismus: Industrielle Landwirtschaft zerstört den Menschen, der darin arbeiten muss und die Natur, die das alles tragen muss….
      Planwirtschaft, wie im Kommunismus, ist das selbe in „rot“. Hier haben wir einfachen Leute auch nichts zu sagen – wir bekommen es von einem x-Jahresplan vorgegeben und die Aristokratie von „Experten“ bleibt bestehen. Aber wer direkt betroffen ist = Konsument von Gemüse, kann in der Selbstverwaltung auch daran Anteil nehmen und selbst mitmischen, je nachdem, wie er / sie es eben schafft, kann, bescheid weiß – das heißt nichts anderes, als dass wir durch Selbstverwaltung den Klassenantagonismus abschaffen! Weil nämlich Personen aufhören reine Konsumenten, Produzenten usw zu sein, weil die Rollen rotieren: Wir sind nicht mehr unmündige Hörige, sondern können ohne Umweg über den Staat oder den Kapitalisten direkt in die Vorgänge eingreifen.
      Natürlich muss auch dieses Beispiel erst noch durchgeprobt werden. Es kann immer sein, dass man einen Verein aufbaut, mit möglichst faulen Mitgliedern, die dann alles einem sogenannten „Vorstand“ überlassen – ist denkbar, oder dass der imaginäre „Vorstand“ von anfang an ein kleiner Diktator ist und solche Dinge, wie Beteiligung nicht zulässt. Man muss sich damit auseinandersetzen und aus Rückschlägen lernen – sie sind aber keine Hindernisse, sondern Chancen!

      Und wenn man sich jetzt vorstellt, dass es Betriebe auf der Grundlage der Selbstverwaltung gibt, in der Hand der darin Arbeitenden unter der Rücksprache mit denen, die auf die Güter aus dem Betrieb angewiesen sind – ohne „Chef“, ohne „Eigentümer“ – dann ist einfach bewiesen, dass man den Kapitalisten im Betrieb nicht braucht.

      DAS muss gemacht werden – dieses Gerede hier ist zwar schön und gut, aber wer den Kapitalismus abschaffen will, muss seine Wurzeln in den Betrieben, in der Struktur der Betriebe (Pyramide mit dem Eigentümer, Direktor, Chef an der Spitze) auflösen in eine horizontale Gemeinschaft der Produzierenden.
      Effekte sind beispielsweise, dass man ohne Aufstieg und Abstieg den Kollegen nicht mehr als Konkurrent wahrnimmt. Wie wäre wohl das „Flüchtlingsproblem“, wenn man sich nicht mehr sorgt um den „eigenen Arbeitsplatz“ wenn ein Fremder kommt und sich stattdessen über die zusätzliche Arbeitskraft als Unterstützung freuen könnte? Und natürlich machen Unternehmer den Grund aus, weswegen Ausländer nicht gut gelitten sind: Sie nehmen die Ausländer, die sie leichter erpressen können und die daher für weniger Lohn arbeiten. Aber weil die Menschen Angst vor ihrer Obrigkeit haben, klagen sie nicht den Unternehmer an, sondern den, der mit ihnen im selben Boot sitzt – und wieder reibt sich der Unternehmer ob dieser grandiosen Streitigkeiten der Ausgebeuteten die Hände.
      Wenn aber jetzt die Herrschaft und Ausbeutung im Betrieb wegfiele, zugunsten der horizontalen Selbstverwaltung der Arbeiterklasse, dann würde ja keiner mehr auf- oder absteigen, sondern es müsste nur noch Arbeit getan werden… und da würde es dann wieder wesentlich menschlicher zugehen, als in diesem „Konkurrenzkampf“ den wir heute haben. Muss man sich überlegen was man will – Abstiegsängste, Existenzängste aufgrund der Gefahr des Verlusts vom „Arbeitsplatz“ usw. oder einfach friedliche Erledigung der notwendigen Aufgaben zur Deckung des Bedarfs Aller. Klar, man kann sich auch für den Profit des Chefs gegenseitig auf der Arbeit anschreien und bedrohen. Geht auch. In meinen Augen jetzt nicht so der Fortschritt.

      Ja – wie gesagt – du hast vollkommen Recht, wenn du dich fragst, wie man sich wehren soll, wenn man ja irgendwie auch hunger hat und den stillen will.
      Dann liefern eben Marxisten und Linke nur eine Antwort: „Politik machen!“ bzw. „Politik machen LASSEN“ und damit sind wie nicht mehr bei der Selbstverwaltung.
      Ich bin kein Linker und kein Rechter, weil ich ein Mensch sein will, der all seine Facetten ausleben möchte – soweit, wie sie anderen nicht zum Nachteil gereichen, denn ich will ja keinen unglücklich machen.
      Aus diesem Grund bin ich auf diese Ideen gestoßen, die in der Geschichte der Arbeiterbewegung und in bestimmten „Branchen“ des Sozialismus bereits Tradition haben. Und eine über 100 Jahre alte Geschichte.
      Aber ihre Zeit war bisher noch nicht da – vielleicht schaffen wir es ja in unserem Leben, uns von diesem maroden Überbau zu befreien?
      Aber zurück zum Thema: Wie kann man sich als Mensch mit Bedürfnissen heute wehren?
      In dem man die Themen angeht, die einen nicht überfordern. Arbeiten geht man ja sowieso. Muss man ja. Wieso keine Gewerkschaft gründen, außerhalb des DGB und hier mit den Kollegen zusammenstehen, gegen die Interessen der Chefs? Das würde sich ja bei einer höheren Lohnforderung auch positiv für das eigene Fortkommen auswirken.
      Oder besser: Man gründet gleich einen proletarischen Kollektivbetrieb. Geld muss ja rein kommen – noch! – aber man kann die Art und Weise etwas bestimmen. So lange die Herrschenden hierzulande das noch nicht mit dem Tode bestrafen, wie in der Sovjetunion damals, würde ich auch von diesen Rechten gebrauch machen.

      Auch das Wohnen kann widerständig sein, indem man beispielsweise über ein sogenanntes Mietshäusersyndikat, im Zusammenschluss mit irgendwelchen Anderen eine Immobilie kauft und quasi ohne Eigentümer, ohne Vermieter zeigt, dass das wohnen so viel entspannter und vor allem billiger ist.

      Es gibt Millionen Wege in eine selbstverwaltete Gesellschaft. Man darf nur nicht verzweifeln und denken, man kann ja doch nichts machen oder man wäre allein. Ich habe Mitstreiter und Mitstreiterinnen in den unscheinbarsten Orten gefunden, weil einfach überall Menschen es so satt haben, dass sich irgendwer anmaßt ihr Leben für sie zu bestimmen.
      Wichtig ist auch, dass man alles was man macht propagandistisch ausschlachtet, um andere zu motivieren es auch so zu machen. Und hier sieht man auch den Unterschied zu den politischen Religionen, wie Faschismus, Bolschewismus, Freie Marktwirtschaft usw. In selbstverwalteten Betrieben usw. kann man am konkreten Beispiel aufzeigen, wie viel besser das für die Menschen ist. Aber die politischen Religionen faseln immer nur von abstrakten Dingen, die mit dem Leben des Einzelnen, dem echten Alltag, gar nichts zu tun haben.
      Aufklärung, Erziehung und Gegenseitige Hilfe sind ganz wichtig.
      Nur ein Beispiel: In unserer Straße wohnen Leute, die man leicht als Spießer abtun könnte. Diesen Leuten kann man erstmal nicht mit irgendwelchen Phantasien vom befreiten Himmelsreich kommen, denn die wollen harte Fakten sehen. Gegenseitige Hilfe aber verstehen alle Menschen – dass man als Mensch zusammengehört, statt sich in Konkurrenz kaputt macht, können alle Menschen lernen. Sie haben diese scheiß „Ellenbogengesellschaft“ gelernt und können sie auch wieder verlernen. Nicht von oben herab, sondern durch Beispiele, die man nachahmen kann und die auch Vorteile für das eigene Leben bringen. Keiner soll Asket sein müssen, um eine Veränderung herbeiführen zu können – im Gegenteil, der Genuss des Lebens, des Miteinanders, der Kultur und der Natur sollte im Vordergrund stehen.

      Und noch zu den Machern:

      Es ist wichtig, die „Macher“ richtig zu begreifen – die „Macher“ sind keine neuen „Experten“, die das Leben für den, der „nicht vermögend ist, wenig Zeit hat und seine Familie jeden Monat über die Runden bringen muss“ übernehmen. Es sind nur Beispiele – im Grunde ist eine Gesellschaft aus lauter „Machern“ angepeilt.
      Alle sollen aus dem Dämmerzustand eines „Nichts-Machers“ aufwachen und zu einem „Macher ihres eigenen Lebens“ werden – aber das heißt nicht, das hier andere die Führung übernehmen sollen, sondern, dass diejenigen, die leiden, ihr leiden durch „Machen“ s e l b s t beenden sollen.
      Insofern ist das alles nur Motivation, aber kein Ersatz für die eigene Handlung. In so fern fände ich die Bezeichnung „Selber-Macher“ viel treffender.
      Aber ich finde das Format insgesamt auch gut – mir gefällt zwar nicht, dass da bisher nur Unternehmer als „Macher“ präsentiert werden, weil eigentlich ja die Arbeit auch von anderen ge“macht“ wird, aber es ist ja noch nicht aller Tage Abend…

    • @nuevo1:

      Danke, v.a. Deinen Vorschlag mit dem Gemüsezüchterverein (oder so ähnlich) finde ich wirklich gut. Ich werde mich mal umschauen, ob es so etwas in meiner Gegend gibt. Selbst einen zu gründen wäre natürlich auch eine Option, welche eben noch mehr Eigeninitiative verlangt…

      Übrigens: Gibt es einen anderen guten Begriff für Eigenverantwortung? Der wurde in den letzten Jahren von den Neoliberalen gekapert und von der Bedeutung her verdreht, finde ich. Wenn ich den Begriff „Eigenverantwortung“ heute höre, stellen sich bei mir alle Nackenhaare auf, und ich denke: Alarm, da will mir jemand Sozialabbau und Ellenbogengesellschaft als gute Sache verkaufen! Was ich Dir natürlich in keinster Weise unterstellen will. 🙂

      Ich finde auch Ökodörfer (wie z.B. Sieben Linden) ein gutes Konzept. Natürlich kann man auch da Dinge kritisieren – z.B. die Aufnahmegebühren (für Genossenschaftsanteile) von 20.000€ oder mehr und dass sie nicht komplett autark sind, sondern im kapitalistischen System weiter eingebunden – aber die perfekte neue Welt lässt sich eben sicher nicht per Knopfdruck aktivieren, wie Du ja auch sinngemäß schreibst.

      Zu Deiner Kritik an den „Machern“ (bisher nur Unternehmer): Dennis Hack ist zwar Unternehmer, aber sein Projekt Human Connection hat damit ja offenbar nichts zu tun und es soll daraus kein Profit generiert werden.

    • Du hast Recht 20.000€ ist eine Stange Geld!
      Auch für das Miethäusersyndikat braucht man 12.000€ um eine GMBH anzumelden. Aber man kann dies auch unter so vielen Personen aufteilen wie man will – was die „Aufnahmegebühr“ in diesem Fall doch in erreichbare Nähe rücken würde.
      Ich habe mir vorgestellt, wie geil es wäre, wenn man Gruppen bildet, die über das Miethäusersyndikat diese Holzhäuser von dem anderen Macher finanzieren, diesem Forstwirt. Das wäre der Hammer – guter Wohnraum, natürlich, gesund (also zumindest nicht vergiftet) und wirklich auch ansprechend. Alles andere, als diese Wohnsilos.
      Vielleicht wird das ja irgendwann mal was!

      Bei den „Machern“ finde ich einfach wichtig, dass sich jeder Mensch angesprochen fühlt. Man wird schon von Klein auf damit fertig gemacht, angeblich ein Nichts zu sein. Viele bleiben dabei und denken von sich sie seien ein Nichts. Demgegenüber stellt die Obrigkeit dann immer die piekfeinen Unternehmer, Managertypen, usw. Wah, da bekomme ich Plaque. Der Jebsen ist Euphoriker – er versucht an sich gerade entwickelnden Pflänzchen zu ziehen, damit sie endlich größer werden – kann ich verstehen und mache ich selbst z.T. auch – das Problem ist leider, dass man viele, die es verdient hätten mal Aufmerksamkeit in „unserer Gesellschaft“ zu bekommen damit verschreckt. Sie haben dann gleich das Gefühl, selbst für den Widerstand oder einen Neuanfang nicht „genug zu sein“ – du verstehst bestimmt, was ich meine, auch wenn ich das jetzt nicht so in Worte fassen kann.
      Der Gemüseverein heißt Solidarische Landwirtschaft. Du findest das zum Beispiel hier:
      https://www.solidarische-landwirtschaft.org/de/startseite/
      Das Konzept kann aber noch weitergehen – man sollte nicht auf dieser Entwicklungsstufe verharren, sondern immer weiter gehen, auf dem Weg zu einer vollständigen Auflösung der Muster des Kapitalismus in der Versorgung der Menschen – Eigentum an Produktionsmitteln, starre Betriebsstrukturen, Gefangensein auf „Posten“, Unmündigkeit, bürokratischer Überbau, „Geldverkehr“ usw.
      Aber du kannst es dir ja mal ansehen – Ist cool. Treffe auch immer gute Leute dort, die man sonst gar nicht kennengelernt hätte.

      Das Phänomen der Umdeutung von Worten findest du quer durch die Geschichte. Das Wort „Geschichte“ zum Beispiel. Marx hat aus der Geschichtsschreibung eine „exakte Wissenschaft“ machen wollen. Er gaukelte in seinem historischen Materialismus „historische Notwendigkeiten“ vor und orakelte die Zukunft der Arbeiterklasse und des Kapitalismus. Wenn Pedram Shayar heute vom „wissenschaftlichen Sozialismus“ redet, dann geht das darauf zurück. Eigentlich sollte man es heute besser wissen – aber leider halten sich Mythen und Religion länger, als man „denkt“.
      Jedenfalls rede ich heute immernoch von Geschichte, auch wenn das Wort bei Marxisten etwas vollkommen abwegiges bedeutet. Ich nutze die Worte trotzdem, weil eben die ganzen Sekten, die es so auf der Welt gibt, nicht das alleinige Anrecht auf bestimmte Worte haben. Die Sprache gehört allen – man sollte sie weder durch starres Denken, durch eine politische Korrektheit, Verbote usw. antasten.
      Nazis zum Beispiel: Niemals werde ich von der Benutzung des Wortes „Stolz“ absehen. Natürlich sind Menschen manchmal stolz – ABER es ist ein Teil ihres Persönlichkeitsgefühls, nicht Teil des Gefühlstaumels den sie in einer blinden, religiösen, fatalistischen Deutschtümelei erfahren. Die Nazis haben das umgedeutet – na und?
      „Neoliberale“ ist selbst so eine Umdeutung des Begriffs „Liberale“.
      Das was heute die „Neoliberalen“, „Anarchokapitalisten“, „Libertäre“ machen, nannte man früher einmal „Manchestertum“ – Die Liberalen vom alten Schlag aber hätten den Menschen ungern unter der Fuchtel irgendeines autoritären Staates gesehen, genauso wenig hätten sie einem uneingeschränkten Kapitalismus das Wort geredet. Leute, die sich damit brüsten, irgendwas mit sozialen Bewegungen gemeinsam zu haben, indem sie deren Namen klauen um damit ihrem Willen zur Macht mehr Geltung zu verleihen sind Schwindler. Ganz einfach. „National-Sozialismus“ ist einfach Betrug – nichts weiter. Betrug von betrogenen Betrügern.
      Die Leute, die dem Kapitalismus heute das Wort reden benutzen Worte wie „liberal“, „libertär“ oder gar „Anarchokapitalisten“ damit sich die schnöde Geldgeilheit dahinter besser anhört. Aber im Grunde haben sie mit den sozialen Gedanken hinter diesen Worten gar nichts zu tun – sind im Gegenteil ausgesprochene Widersacher.
      Wenn ich dir ein Buch dazu empfehlen darf, dann würde ich sagen, das Rudolf Rocker das in „Pioneers of american Freedom“ ganz gut darstellt. Wenn man das noch irgendwo findet 😉 Die alten Vertreter des Liberalismus sind natürlich durch den Lauf der Geschichte überholt worden – aber ihre Lehren haben sich in vielen Freiheitsideen fruchtbar niedergeschlagen, auch in den proletarischen. Sie heute in die Ecke skrupelloser Kapitalisten zu stellen ist eine Schändung ihres Andenkens, nicht weniger.
      Wenn du in deinem Inneren das Gefühl hast ein Wort benutzen zu wollen, dann mach das. Wenn jemand das dann komisch findet stellt sich meistens heraus, dass der- oder diejenige selbst irgendeiner Verdrehung aufgesessen ist.
      Aber vor diesen Umdeutungen einknicken?

    • „Auch für das Miethäusersyndikat braucht man 12.000€ um eine GMBH anzumelden. Aber man kann dies auch unter so vielen Personen aufteilen wie man will – was die „Aufnahmegebühr“ in diesem Fall doch in erreichbare Nähe rücken würde.
      Ich habe mir vorgestellt, wie geil es wäre, wenn man Gruppen bildet, die über das Miethäusersyndikat diese Holzhäuser von dem anderen Macher finanzieren,..“

      Wenn man z.B. eine GmbH gründet, ist das nach deutschem Recht eine Rechtsform für eine juristische Person des Privatrechts, die zu den Kapitalgesellschaften gehört, (nach Wikipedia) mit allen Konsequenzen.

      Eine Kapitalgesellschaft gründen um was gegen den Kapitalismus zu tun?

      Mit den Gruppen bilden und dann über diese Gmbh Holzhäuser finanzieren – versteh ich nicht.
      Wissen Sie wie groß der finanzielle und auch bürokratische Aufwand bei der Planung und dem Bau eines Hauses mit allen Nebenkosten ist? Von der Arbeit und Unterhaltung ganz abgesehen.
      Wie soll das gehen?

  7. Gut, ich denke ja auch, dass der große Finanzcrash kurz bevorsteht. Allerdings hab ich das auch schon vor 5 Jahren gedacht. Für mich ist es eher verwunderlich, dass dieses künstlich beatmete Zombie-System es bis heute irgendwie „geschafft“ hat, zumindest was die Börsenkurse angeht. Daher traue ich mir auch keine wirklichen Prognosen über den zeitlichen Ablauf mehr zu. Aber allzu lange kann die – wie auch immer geartete – Zeitenwende sicher nicht mehr auf sich warten lassen. Ob nun Bail-out oder Bail-in, der politische und gesellschaftliche Sprengstoff ist sicher riesig. Bei ein, zwei kleineren Banken dürfte es noch beherrschbar sein, aber sicher nicht mehr, wenn z.B. die Deutsche Bank vor der Pleite gerettet werden „muss“…

    Faschismus ist ja auch noch nicht einmal für die armen Superreichen eine Lösung, oder? Kurzfristig kann man mit Rüstungsgütern sicher viel Geld verdienen, aber insgesamt und mittelfristig ginge das doch m.E. nur quasi durch Eroberungen von neuen Ländern und Märkten. Wo bitte sollen diese sein auf diesem Planeten – in Russland und China? Gut, wenn man von Gier und Größenwahnsinn so geistig degeneriert ist, dass man begrenzte Nuklearschläge für zielführend und beherrschbar hält, mag das wohl sinnvoll erscheinen…

    Hoffen wir nur, dass wir als Spezies im letzten Moment doch noch die Kurve kriegen hin zu einer vernünftigen, friedlichen Lösung!

    • Was die steigenden Börsenkurse angeht, ist im Text erklärt worden.
      „Es wird bei zukünftigen Bankenproblemen weitere Bail-outs geben – mit der Folge, dass weiteres Geld gedruckt, der Euro noch stärker entwertet und die Blasen an den Anleihen-, Aktien- und Immobilienmärkten noch weiter aufgebläht werden.“

      Wenn die Schulden der einen, die Guthaben des anderen Seite sind. Was sind am Ende die Guthaben noch wert, wenn die Schulden nicht zurückgezahlt werden können?

  8. Hmm, ich kann diese Analyse nicht ganz nachvollziehen.

    Also, natürlich völlige Zustimmung meinerseits zu dem Teil über den Unsinn der zahlreichen „Experten“ in den Massenmedien. Und auch zu dem sicherlich besorgniserregenden Zustand des Bankenwesens mit irrwitzigen Hebeln, zu geringem harten Eigenkapital, usw. Auch noch zu dem Punkt, dass weitere Bail-outs kaum verkraftet werden könnten und natürlich ein politischer Offenbarungseid wären – und dass genau das immer wahrscheinlicher wird.

    Ich verstehe nur nicht, wieso so ein „Bail-in“ wirklich gleich zu einem Volksaufstand führen sollte. Wenn ich richtig informiert bin, haben ja große Teile des „Volks“ überhaupt kein Vermögen. Des weiteren gilt ja die gesetzliche Einlagensicherung in der EU bis 100.000 Euro. Nur die Leute, die höhere Einlagen bei einer Bank haben, wären also betroffen. Natürlich wäre das nicht wirklich fair, dass dann die Sparer von nur einer bestimmten Bank bluten müssten – und nicht alle wohlhabenden Bürger (über Steuern, die idealerweise wirklich überall eingetrieben werden sollten, gerade auch bei Vermögen und Erbschaften). ABER ich bezweifle, dass diese relativ wenigen Leute gleich einen „Volksaufstand“ lostreten würden und das könnten.

    • Die Einlagensicherung ist für den Fall gedacht, dass mal eine Bank pleite geht. Wenn gleich mehrere größere Banken abstürzen reicht das Geld bei weitem nicht. Und wenn die Einlagen oberhalb 100.000€ nicht ausreichen, um eine Bank zu retten, dann sind auch die übrigen Einlagen dran. Dass die Großkunden rechtzeitig Wind davon bekommen, um ihre Vermögen in Sicherheit zu bringen, dürfte die Regel sein, also geht’s den kleinen Sparern und mittelständischen Betrieben an den Kragen. Letzte dürften dann arge Probleme bekommen Löhne zu zahlen, worunter auch die leiden werden, die selbst nichts haben.

      Sollte der Staat in größerem Umfang in die Rettung einsteigen, wird er das Geld möglicherweise durch Enteignungen beschaffen – natürlich bevorzugt bei denen, die sich nicht wehren können und nicht das Geld haben, die verantwortlichen Politiker zu schmieren. Zwangshypotheken auf Wohneigentum wäre da so ein Stichwort. Und Hartz 4 muss dann natürlich auch gekürzt werden.

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