Eugen Drewermann über Bundeswehr-Werbung an Schulen

Ausschnitt aus dem Gespräch mit Eugen Drewermann, hier zu sehen in voller Länge: https://kenfm.de/eugen-drewermann

Eugen Drewermann nimmt zudem an der Ramstein-Veranstaltung am 10.6.2016 in Kaiserlautern teil: http://www.ramstein-kampagne.eu/

Eugen Drewermann ist das Gegenteil eines Menschenfeindes. Er spricht selbst über die, die ihn verraten und verkauft haben, nicht abfällig, und das sind eine Menge Leute. Sie alle haben etwas gemeinsam. Sind waren und sind Teil einer Struktur, in der weniger der Einzelne und sein Tun zählt, sonder mehr seine Position in der Machtpyramide und sein Unterlassen.

Drewermann prangert vor allem das Unterlassen an. Das Unterlassen von Mitgefühl. Das Unterlassen von Widerstand. Das Unterlassen von Wahrhaftigkeit.

Wir leben in einer durch und durch korrumpierten Welt, in der jeder für sich, mehr oder weniger, versucht, sich über Wasser zu halten. Immer mehr Menschen sind bereit, dafür andere untergehen zu lassen, aus Angst, sonst als nächstes an die Reihe zu kommen. Dieses System trägt den verharmlosenden Namen Marktwirtschaft und gibt vor, demokratisch zu sein und sich um das Wohl der Massen zu bemühen.

In Wirklichkeit herrscht eine kleine Elite über den großen Rest, indem sie verkündet, die Massen wären in Kern identisch. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Die größte Gemeinsamkeit aller Menschen ist ihre Individualität. Individualität und Profit beißen sich, denn nur wenn man uns alle gleich macht, kann eine Macht die Massen gleichmäßig und damit global unterdrücken.

Das System ist perfide, schmeckt süß und glänzt in den buntesten Farben, aber es kommt nicht ohne Gewalt aus. Gewalt nach Außen, Gewalt im Inneren. Systemgewalt. Jeder, der diese Mechanik erkannt hat und laut ausspricht, wird vom System attackiert und isoliert. Man versucht, an ihm ein Exempel zu statuieren, indem man zum Beispiel alles dafür tut, um die wirtschaftliche Situation zu zerstören. Die physische Vernichtung wird bei diesen Machtspielchen billigend in Kauf genommen, um nicht zu sagen – erwünscht.

An Eugen Drewermann haben sich schon unzählige Personen die Zähne ausgebissen. Der Theologe und Kirchenkritiker ist aber unkaputtbar. Als Psychoanalytiker kennt er sich aus mit dem menschlichen Verstand, als Priester hat er gute Verbindungen nach ganz Oben. Der Autor Drewermann ist aber alles andere als entrückt. Im Gegenteil. Er weiß bis ins letzte Detail, was Sache ist. Ob NATO-Übung oder Geldsystem, Neoliberalismus oder Propagandatechniken der Massenmedien, Eugen Drewermann ist ein wandelndes Archiv. Ein Beobachter und Analyst.

Mit ihm zu sprechen war eine echte Herausforderung, denn seine Antworten dauern mitunter 15 Minuten und bauen Gedanken zu komplexen Gebäuden, die, wenn sie schlüsselfertig vollendet wurden, dem Zuhörer Räume eröffnen, die dieser zuvor gar nicht kannte. „Sapere Aude“ könnte man die Begegnung mit diesem Denker zutreffend zusammenfassen. Wage es, weise zu sein.

9 Kommentare zu: “Eugen Drewermann über Bundeswehr-Werbung an Schulen

  1. Fantastin sagt:

    Georg Schramm – Das Bewerbungsgespräch ++++
    https://www.youtube.com/watch?v=SIX6ZsD37is

  2. Irwisch sagt:

    Herrschaftswissen

    Vielen Menschen scheint nicht bewußt zu sein, daß die Gesellschaft, in der sie leben, ganz bewußt gesteuert wird, vergleichbar etwa mit einer Nutztier-Herde, die man als Herdenbesitzer zwar in weiten Teilen sich selbst zu überlassen scheint, in Wirklichkeit aber sehr genau auf deren Anzahl, ihre Vermehrungsquotienten, ihr Verhalten und die Qualität der Produkte, die man aus ihnen gewinnt, achtet. Nun sind wir Menschen zwar soziale Wesen, wollen aber doch in unseren Entscheidungen frei und ungebunden sein. Wir wollen selbst bestimmen, wie wir uns entwickeln und womit wir uns beschäftigen. Diese Wünsche können die allermeisten Menschen niemals umsetzen, entweder weil sie für einen Eigentümer von Produktionsmitteln arbeiten müssen, um leben zu dürfen, und daher nicht frei über Zeit und Tätigkeit bestimmen dürfen, oder weil sie arm und mittellos sind und ihr Leben daher auf das Allernotwendigste reduzieren müssen. Das Bedauernswerte daran ist, daß die meisten Menschen ihre Situation kaum jemals als Mangel wahrzunehmen scheinen, so lange es ihnen möglich ist, unbefriedigte Bedürfnisse und unerwünschtes Streben irgendwie zu kompensieren.

    Heutzutage arbeiten zahlreiche Soziologen und Psychologen nicht für das Wohl der Gesellschaft bzw. das des einzelnen Individuums, sondern stellen sich in den Dienst der Profiteure, um dabei mitzuhelfen, die Gesellschaft im Sinne der Gesellschaftseigner zu lenken. Wir alle befinden uns quasi im Dienst der Profiteure, der großen Kapitaleigner, der global agierenden Banken und Konzerne – letztlich der Finanzmafia –, denen im Grunde die ganze Welt “gehört”.

    Bevor es Soziologen und Psychologen gab, die die Gesetzmäßigkeiten von Gesellschaften und die seelischen Zusammenhänge des Individuums erforschen, gab es bereits das sogenannte Herrschaftswissen. In der Wikipedia ist darüber folgendes zu lesen:

    Der Ausdruck Herrschaftswissen bezeichnet in seiner engeren Bedeutung ein Wissen, das Inhabern von Positionen der Herrschaft vorbehalten ist und deren Machtbestrebungen dienlich ist, vor allem, weil es Geheimpolitik ermöglicht. In seiner weitesten und umgangssprachlich kritischen (sich der „Hinterlist“ annähernden) Bedeutung bezeichnet es einen Wissensvorsprung, der zur Sicherung einer Position dient. Die zentralen Merkmale sind die Knappheit des Wissens und der daraus entstehende Vorteil für die Wissenden.

    Die fünf wichtigsten Herrschaftstechniken sind laut Wikipedia:

    Die fünf Herrschaftstechniken (auf Deutsch oft auch Hauptunterdrückungsmechanismen genannt) wurden von Berit Ås im Jahr 1979 postuliert. Es sind eine Reihe von Techniken, welche laut Ås gegen Frauen, Oppositionen und Minderheiten verwendet werden. Hauptsächlich geschehe dies in Diskussionen und der täglichen Konversation. Ås benutzte die Definitionen ursprünglich in Situationsanalysen, in denen Männer diese gegen Frauen verwendeten. Eine andere Ansicht besteht darin, dass diese sogenannten Herrschaftstechniken auch in anderen Verhältnissen angewendet werden. So würden Männer sie gegen Männer verwenden, Frauen gegen Frauen und Frauen gegen Männer.

    Unsichtbar machen: Unsichtbarmachen geschieht, indem Personengruppen vergessen werden, nicht wahrgenommen werden, nicht zu Wort kommen und/oder ihre Meinungen in der Debatte ignoriert werden.
    Lächerlich machen: Lächerlichmachen liegt vor, wenn der Einsatz von bestimmten Personengruppen verhöhnt wird oder mit dem Verhalten von Tieren verglichen wird.
    Zurückhalten von Information: Zurückhalten von Information liegt vor, wenn Informationsbesitzende, aus Selbstverständnis oder aus einem selbstbestimmten Machtverhältnis heraus, sich nur an bestimmte andere Personengruppen wenden und bestimmten Personengruppen wichtige Informationen vorenthalten (zum Beispiel um sie aus Entscheidungsprozessen herauszuhalten). Dies kann am Arbeitsplatz, im sozialen Leben und/oder im politischen Leben sein.
    Schuld unterstellen, egal was man tut (double-bind): Diese Technik wird gegenüber jenen benutzt, gegen die man ein Vorurteil hat.
    Auftragen von Schuld und Scham: durch Lächerlichmachung, Peinlichmachen, Bloßstellung (siehe auch Blamage) und Kränkung der Ehre.

    Diese altgedienten Herrschaftstechniken, zu denen neben anderen auch das wohlbekannte “spalte und herrsche” gehört – spiele Gruppen und Individuen so gegeneinander aus, hetzte sie derart gegeneinander auf, lasse sie sich im Streit so weit vergeuden, daß sie sich niemals einig werden und gegen dich richten können – werden heute durch weitaus subtilere, von Soziologen und Psychologen ersonnenen Techniken ergänzt. Natürlich gibt es noch immer Soziologen, Psychologen und allgemeine Gesellschaftskritiker, die sich nicht den Herrschenden angedient haben, um ihren Wohlstand zu sichern, sondern daran interessiert sind, die Menschen aufzuklären, um so daran mitzuwirken, daß sich eine bessere Welt entwickelt. Dennoch trifft der Satz in der Wikipedia nicht zu, daß die Soziologie im Gegensatz zur Rechts- und Wirtschaftswissenschaft, die als Herrschaftswissenschaften gelten, zu den Oppositionswissenschaften zählen würde, denn sie wurden längst von den Herrschenden okkupiert. So machen sich z.B. die Produktreklame, Marketing- und Public-Relationstrategie vielfältige Erkenntnisse aus Psychologie und Soziologie zunutze, um den Menschen mit Hilfe dieser Kenntnisse Dinge verkaufen zu können, die sie nicht wirklich benötigen, aber auch um Politik verkaufen zu können, für die in der Bevölkerung wenig Akzeptanz besteht (z.B. Brutkastenlüge).

    Gerade bei der Werbung geht es vor allem darum, die Menschen auszutricksen, sie zu verlocken, zu verführen und zu manipulieren, damit so viele Menschen wie nur möglich das Produkt auch haben und kaufen wollen. Die Werbestrategen wissen um die menschlichen Schwächen, wissen über die Ersatzbefriedigungen und die geheimen Sehnsüchte des gewöhnlichen Konsumenten weitaus besser Bescheid als die Zielgruppen, die Konsumenten selbst. Sie wissen, daß die meisten Menschen im Grunde konsumsüchtig sind, weil die Gesellschaft es ihnen nicht gestattet, die hinter den Ersatzbedürfnissen stehenden echten Bedürfnisse zu befriedigen und teilweise sogar unterbindet, sie überhaupt wahrzunehmen oder gar öffentlich zu thematisieren. Das wahre Leben ohne den ständigen Zwang, zu Ersatzbefriedigungen greifen zu müssen, kostet nämlich nicht viel und würde die Absatzmärkte empfindlich schrumpfen lassen, wenn man es der Menschenherde gestatten würde, ihre wahren Befürfnisse zu erkennen und zu befriedigen. Deshalb muß der Mensch ständig hungrig und unzufrieden gehalten werden, damit er weiterhin ein reger Konsument bleibt. McDonalds hatte sogar eine zeitlang in seinen Produkten süchtigmachende Stoffe verwendet, wie sie z.B. bei Katzen- und Hundefutter bestimmter Marken heute noch üblich sind: Katzen würden Whiskas kaufen.

    Robert B. Cialdini, ein amerikanischer Psychologe und Verhaltensforscher, schreibt in seinem Buch “Die Psychologie des Überzeugens” über sogenannte fixed patterns – feste Handlungsmuster, die einmal ausgelöst wie automatisch ablaufen. Cialdini nennt das kurz Klick-surr:

    Automatisches Verhalten beim Menschen kommt sehr schön in einem Experiment der Sozialpsychologin Ellen Langer und ihrer Mitarbeiter (Langer, Balnk & Chanowitz, 1978) zum Ausdruck. Ein bekanntes Prinzip des menschlichen Verhaltens besagt, daß wir, wenn wir jemanden um einen Gefallen bitten, mehr Aussicht auf Erfolg haben, wenn wir unsere Bitte begründen. Die Leute möchten einfach gerne einen Grund haben für das, was sie tun. Diese wenig überraschende Tatsache demonstrierte Langer in ihrem Experiment, indem sie Leute, die vor dem Kopierer einer Bibliothek anstanden, um einen kleinen Gefallen bat: »Entschuldigung, ich habe fünf Seiten. Könnten Sie mich bitte vorlassen, weil ich es sehr eilig habe.« Dieser begründeten Bitte wurde in fast allen Fällen entsprochen: Vierundneunzig Prozent der Wartenden ließen sie vor. Anders sah es aus, wenn sie ihre Bitte nicht begründete: »Entschuldigung, ich habe fünf Seiten. Könnten Sie mich bitte vorlassen?« Unter diesen Bedingungen wurde sie nur in 60 Prozent der Fälle vorgelassen. Auf den ersten Blick lag der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Bitten in der zusätzlichen Information, die mit den Worten weil ich es sehr eilig habe gegeben wurde. Eine dritte Version, die Langer ausprobierte, zeigte jedoch, daß dies keineswegs der Fall war, sondern daß es anscheinend allein auf das Wörtchen weil ankam. In der dritten Bitte benutzte Langer auch das Wort weil, fügte dann jedoch nichts Neues mehr hinzu, sondern bestätigte nur noch einmal das ohnehin Offensichtliche: »Entschuldigung, ich habe fünf Seiten Können Sie mich bitte vorlassen, weil ich Kopien machen muß.« In diesen Fall gaben wiederum fast alle Wartenden (93 Prozent) der Bitte nach, obwohl sie eigentlich keinen Grund dazu hatten: Sie hatten keine zusätzliche Information bekommen, die es gerechtfertigt hätte, die junge Frau vorzu lassen. Wie das »Tschiep-tschiep« der Küken bei der Truthenne eine automatisch Bemutterungsreaktion auslöst – selbst wenn es von einem ausgestopften Stinktier stammt – , löste das Wort weil bei Langers Versuchspersonen eine automatische Einwilligungsreaktion aus – selbst wenn gar kein wirklicher Grund folgte. Klick-surr.

    Ein elementarer Satz in Cialdinis Buch lautet denn auch:

    Es ist erstaunlich, daß die meisten von uns trotz breiter Verwendung automatischer Verhaltensmuster und deren sich abzeichnender zukünftiger Bedeutung sehr wenig über diese wissen, vielleicht gerade wegen der mechanischen, gedankenlosen Weise, in der sie ablaufen. Wie dem auch sei – eines sollten wir uns jedenfalls unbedingt klarmachen: Durch diese Muster werden wir zur leichten Beute für jeden, der weiß, wie sie funktionieren.

    Eine andere, zwar gut bekannte, aber nur selten durchschaute Regel, die Cialdini die Reziprozitätsregel nennt, besagt, daß wir darum bemüht sein sollen, anderen zurückzugeben, was wir von ihnen bekommen haben. Wenn uns jemand einen Gefallen tut, sollten wir ihm auch einen tun, wenn wir von jemandem ein Geburtstagsgeschenk erhalten, sollten wir ihn an seinem Geburtstag ebenfalls mit einem Geschenk bedenken; werden wir zu einer Party eingeladen, sollten wir nicht vergessen, bei entsprechender Gelegenheit eine Gegeneinladung auszusprechen. Die Reziprozitätsregel schreibt vor, daß wir uns für Gefälligkeiten, Geschenke, Einladungen und dergleichen zu revanchieren haben. Es ist so normal, sich beim Erhalt eines der genannten Dinge zur Gegenleistung verpflichtet zu fühlen, daß in vielen Sprachen Wendungen wie »Ich bin Ihnen sehr verpflichtet« zum Synonym für »Danke« geworden sind.

    Diese Regel ist auf der ganzen Welt weit verbreitet, eine moralische Verpflichtung zur Gegenseitigkeit gibt es in allen Gesellschaften. Wir wachsen normalerweise mit dieser Regel auf, werden von Eltern und anderen Autoritätspersonen stets dazu angehalten, dankbar zu sein, wenn wir etwas erhalten haben und unsere Dankbarkeit auch zu zeigen: “Wie sagt man, Klausilein? Danke!” Jeder von uns hat gelernt, sich an die Regel zu halten, und jeder von uns kennt die sozialen Sanktionen, die den treffen, der dies nicht tut. Wegen der allgemeinen Abneigung gegen diejenigen, die nehmen, ohne zu geben, tun wir oft alles Erdenkliche dafür, nicht als geizig, undankbar oder selbstsüchtig zu gelten. Wegen dieses Bestrebens geraten wir oft in die Fänge solcher Leute, die es darauf abgesehen haben, aus unseren Verbundenheitsgefühlen Profit zu schlagen.

    Eigentlich sollten wir all jenen Ländern, denen wir unseren Wohlstand verdanken, weil wir sie gnadenlos ausgebeuten, für ihre Großzügigkeit und ihren Langmut dankbar sein und damit beginnen, etwas zurückzugeben. Und das tun wir in der Tat: Wir schicken unsere Truppen dorthin und schmeißen mit Bomben. Das ist wahre Großzügigkeit. Doch “Spaß” beiseite: Die meisten Leute wissen natürlich nicht, woher ihr Wohlstand kommt, denn sie glauben noch immer, der käme von den Reichen dieser Welt, von den Eigentümern der Konzerne, der Firmen, der Banken usw. Diesen Menschen fühlen sie sich verpflichtet, ganz besonders der deutschen Politik und ihren Politikern, die angeblich diesen Wohlstand erst ermöglicht haben. Und genau an dieser Dankbarkeit werden sie auch gepackt, wenn es darum geht, der Politik zuzustimmen. Wie sonst könnte man die Wahlergebnisse interpretieren, die noch immer jene an die Spitze hieven, die sich am besten durchzusetzen vermögen? (Wenn bei den Wahlen alles mit rechten Dingen zugeht, aber das ist ein anderes Thema …)

    Vor längerer Zeit hab ich mal ein Online-Experiment mitgemacht: Ein Audio mit irgend einem Kabarettisten oder Witzeerzähler war einmal mit und einmal ohne eingespielte Lachkonserven anzuhören, und ich war baff erstaunt, wie hohl die zweite Aufnahme auf mich wirkte, obwohl ich bei der ersten deutliche Impulse zum Mitlachen verspürte. Niemand findet Lachkonserven gut, aber alle fallen drauf rein: Wenn scheinbar alle lachen, kann man gar nicht anders, man muß das, worüber gelacht wird, ebenfalls witzig finden. Cialdini: Experimente haben gezeigt, daß der eingespielte Frohsinn ein Publikum dazu bringt, länger und öfter über humorvolles Material zu lachen und es als komischer einzuschätzen (Fuller & Sheehy-Skeffington, 1974; Smyth & Fuller, 1972). Und es gibt Hinweise darauf, daß die Lachkonserven bei schlechten Witzen besonders effektiv sind (Nosanchuk & Lightstone, 1974). Doch wie kommt das? An der Reaktion des gesteigerten Frohsinns ändert unser Wissen darüber, daß es sich um eine Lachkonserve handelt, nicht einmal die Tatsache, daß wir die Wiederholung derselben Lachkonserver bemerken, nicht das geringste.

    Die Antwort ist das Prinzip der sozialen Bewährtheit, die besagt, daß wir uns bei der Entscheidung, ob etwas richtig ist, häufig daran orientieren, was andere für richtig halten. Dies gilt insbesondere für die Beurteilung der Angemessenheit von Verhalten. Wir betrachten ein Verhalten in einer gegebenen Situation in dem Maß als richtig, in dem wir dieses Verhalten bei anderen beobachten. Ob es darum geht, was mit einer leeren Popcornschachtel im Kino zu tun ist, wie schnell man auf einem bestimmten Straßenabschnitt fahren darf oder auf welche Weise man bei einem Abendessen mit Freunden das Hühnchen essen soll, stets ist uns bei der Beantwortung dieser Fragen das Verhalten anderer eine wichtige Orientierungshilfe.

    Weitere Waffen der Einflußnahme aus dem Buch findet man dort verzeichnet:
    http://www.leadion.de/2014/02/19/psychologie-des-ueberzeugens/

    Das Feld der Manipulation von Individuen und Massen ist sehr weit und noch lange nicht vollständig erforscht. Wer sich eingehender und vor allem ernsthaft mit dem Thema Manipulation befassen möchte, der sollte sich nach und nach die Grundlagen mit Hilfe bestimmter Bücher aneignen. Ein guter Einstieg ist das oben genannte Buch, weil es meines Empfindens nach humorvoll und leicht verständlich geschrieben ist: http://www.irwish.de/pdf/Cialdini_Psychologie_Ueberzeugens

    Eine umfangreichere Sammlung an Manipulationsliteratur (133 MB) bietet dieses Zip-Archiv incl. dem bereits genannten:
    http://www.irwish.de/bin/Manipulation.zip

    Wir müssen heute als Individuen mindestens ebenso gut über die Welt, über das aktuelle Weltgeschehen, über Hintergründe und Zusammenhänge bescheidwissen, wie jene, die uns mit unserem Wissensvorsprung ständig über den Tisch ziehen.

  3. Petra sagt:

    Sehr vielen Dank für die pdf: Hier auf dem Lande gibt es Internet nur mit Mengenbegrenzung (LTE) und da müsste ich mir ohne diese Hilfe das Video verkneifen.

    • Streng Geheim sagt:

      Frage an KenFM:

      Gibt es die Videos auch in schlechter Qualität oder nur den Ton ohne Bild, so dass der Drewermann 75 MB statt 750 MB groß ist?

    • Irwisch sagt:

      Das bei YouTube gehostete Video ist wie nahezu alle KenFM-Videos in den folgenden Auflösungen verfügbar:

      1920 x 1080 – 1,18 GB
      1280 x 720 – 752 MB
      640 x 480 – 375 MB
      640 x 360 – 263 MB
      480 x 360 – 230 MB
      320 x 240 – 158 MB
      196 x 144 – 163 MB

      Man kann sich die Videos mit diversen Downloadprogrammen, die man leicht via Google findet, zum wiederholten Anschauen auch einmalig herunterladen. Mangels Platz auf meinem eigenen Webspace kann ich die Audiostreams der Videos, die ich mir zum privaten Gebrauch erzeuge, leider nicht zur Verfügung stellen. Und Mangels Zeit kann ich auch die wenigsten Videos transkribieren. Tut mir leid.

    • Irwisch sagt:

      Nachtrag an Petra und StrengGeheim: Eine Ogg-Datei (hochkomprimiertes Sound-Format) mit dem gesamten Interview könnt ihr euch vorübergehend bei mir herunterladen.

      http://www.irwish.de/bin/Drewermann_2016-03-20.ogg

      Zum Download den Link mit der rechten Maustaste anklicken und Linkziel speichern wählen – oder wie auch immer der Eintrag bei eurem Browser genau lautet. Ob man die Datei mit dem Windows-Mediaplayer abspielen kann, weiß ich nicht, denn ich hab den schon vor langer Zeit aus meinen System entfernt. Stattdessen verwende ich den VLC, der alles abspielen kann:

      http://www.videolan.org/vlc/download-windows.html

      Wenn irgend jemand über ausreichend Webspace verfügt, stelle ich ihm gerne alle meine Audiostreams, die ich bisher angefertigt habe, zur Verfügung.

    • Streng Geheim sagt:

      Jau stimmt! Reines Audio mit 71 MB ist auch dabei. Mein Webbrowser hatte mir nur zwei Formate angezeigt.
      Danke!

    • Streng Geheim sagt:

      @ Irwisch
      Deine Datei ist genau richtig. Nur 18 MB und noch alles zu verstehen. Noch besser wäre mp3, denn das funktioniert auch auf den billigsten mp3-Playern.
      Das müsste dann nur noch von KenFM angeboten werden.

      Ich brauche so etwas zur Zeit nicht, denn ich habe hinreichend großes Datenvolumen und kann selber umkodieren.

  4. Irwisch sagt:

    Das vollständige Script des Gesprächs: http://www.irwish.de/KenFM/KenFM_Eugen_Drewermann.pdf

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