Fake News zur Bewusstseinsmanipulation – ganz ohne russische Hacker

von Bernhard Trautvetter

Die sogenannten Nachrichten steuern nicht nur das Wahlverhalten, sondern sie träufeln das Gift des konfrontativen Denkens, des Verschleierns imperialer Absichten, des Hinnehmens der Ausbeutung als sozial gerecht und alternativlos in die Seelen der Menschen, in die Öffentlichkeit. Es scheint so, als wollten interessierte Kreise in uns etwas nach-richten, damit unsere Wahr-nehmung ver-rückt wird.

NATO/USA: Fakes der Militaristen

Die durch Russland und IS geänderte Sicherheitslage erfordert 2% der Wirtschaftsleistung fürs Militär

Hauptnarrativ der Nato(-Freunde) ist diese Lüge: Die Abschreckung Russlands und anderer gegnerischer Kräfte lässt uns keine Wahl, als massiv aufzurüsten.  So erklärte der verteidigungspolitische Sprecher der CDU/CSU Fraktion im Deutschen Bundestag, Hennig Otto folgendes: „Fast 25 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sehen wir uns wieder mit konventionellen Bedrohungen konfrontiert. Das Verhalten Russlands gegenüber der Ukraine unterstreicht das. In Teilen des Nahen Ostens und Afrikas sind ganze Staaten in Auflösung begriffen. Der sogenannte Islamische Staat stellt eine neue Qualität des religiös-fundamentalistischen Terrorismus dar.“

Die sozialdemokratische Gegenwehr geht dahin, dass diese Summe so hoch sei, dass man sie nicht schultern könne; und die sozialdemokratische Führung verweist noch auf die ebenfalls sicherheitsrelevanten Kosten für internationale Zusammenarbeit, die neben rein militärischen Aufwendungen mit in der Rechnung berücksichtigt werden müssten.

Der unausgesprochene Subtext dieser Kritik an Nato und Trump im Light-Format ist: Inhaltlich mag das Ziel wegen der äußeren Bedrohungslage, vor allem wegen Russland, seine Berechtigung haben.

Ein Vergleich der Militärausgaben offenbart sogleich die Manipulation: 2015 gaben die Nato-Staaten, nach dem renommierten schwedischen Friedensforschungsinstitut SIPRI,  901 Milliarden Dollar für ihre Militäretats aus. Russland und Weißrussland  ca. 70 Milliarden.

Es drängt sich die Frage auf:  was haben die Militaristen vor, uns so dreist zu belügen? Das Militär macht die Wahrheit zum Verlierer.

Hiroshima

Das war schon gleich in den letzten Handlungen des zweiten Weltkrieges so, die den Kalten Krieg eröffneten, lange bevor der Korea-Krieg als Legitimationslüge dafür herhalten musste: Truman log, die Atombombe sei in kriegsverkürzender Absicht auf Japan geworfen worden, sozusagen, um nicht noch mehr Tote beklagen zu müssen. “ ‚Wir haben uns der Bombe bedient, um die Qualen des Krieges zu verkürzen, um das Leben Tausender und Abertausender Amerikaner zu retten‘, begründete er seinen Befehl. Obama, das hat das Weiße Haus bereits klargestellt, wird sich nicht von Truman distanzieren, weder dessen Strategie infrage stellen noch in Hiroshima um Verzeihung bitten.“

 Der Sohn Trumans erwähnte allerdings demgegenüber in der Tokioter Universität vor Überlebenden auf Einladung einer Anti-Atomgruppe im August 2012: „Der Abwurf der Atombomben auf die Zivilbevölkerung der beiden japanischen Großstädte habe seinerzeit vor allem dem Zweck gedient, die Sowjetunion abzuschrecken.“ (der ‚Bund‘, Bern,  4.8.2012) Und man findet Belege für diese Aussage in Trumans Memoiren (Band I Bern, 1955, S. 435ff.), unter anderem da, wo er seine Sorgen unterbreitet, Russland lasse „durchblicken, dass ein Teil des japanischen Eigentums (…) als sowjetische Kriegsbeute zu betrachten sei.“ (S. 436f.) Damit ist Truman noch im zweiten Weltkrieg auch zu einem der größten Kriegsverbrecher des 21. Jahrhunderts geworden und die gesamte Verteidigung Trumans auf westlicher Seite wirft einen dem entsprechenden Schatten auf die sogenannte Wertegemeinschaft Nato.

Nachrüstung Doppelbeschluss

Ein besonders krasses Beispiel militaristischer Lügenpropaganda stellt der so getaufte Nachrüstungs-Beschluss der Nato vom 12.12.1979 dar: Man log, für den Frieden müsse man eine Balance des Schreckens herstellen, weil Russland bei Atomraketen in Europa vorgerüstet habe. Die Pershing II und Marschflugkörper Cruise Missile würden eine Bedrohungslücke ausgleichen. Das ganze wurde dann noch mit einem Verhandlungsangebot als Friedensmission verkauft und hieß wegen Rüstung und Verhandlungsangebot ‚Nato-Doppelbeschluss‘.

Was die Nato ausgeblendet hatte, waren die französischen und britischen Nuklearpotentiale, die ebenfalls bedrohlich gegen Osten gerichtet waren, schließlich sind und waren das Nato-Staaten, die der damaligen Sowjetunion mit dem offiziellen Konzept der auch nuklearen Abschreckung entgegenstanden.

Die Kosten, die diese Lüge für die damalige Sowjetunion mit sich brachte, wird übrigens mit dem Untergang des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe, des Warschauer Pakts, der Sowjetunion und der mit ihr verbündeten Staaten in Verbindung gebracht.

Die vermeintliche Vorrüstung Russlands betraf landgestützte Mittelstreckenraketen, denen die Nato in Europa nichts entgegenzustellen hatte: “Am 28. Oktober 1977 hatte Bundeskanzler Helmut Schmidt vor dem renommierten Londoner Institut für strategische Studien, das in seinen Jahresberichten die militärischen Stärken sämtlicher Länder der Welt bewertete, einen Aufsehen erregenden Vortrag zum Thema der unkontrollierten Aufrüstung im Bereich der atomaren Mittelstreckenraketen gehalten. Schmidt vermied es zwar, konkret auf die neuen sowjetischen SS-20-Raketen hinzuweisen. Dennoch war jedem klar, dass er diese neue Bedrohung für Europa im Auge hatte. Weshalb er die Nato zu eigenen adäquaten Gegenmaßnahmen aufforderte.“
Die Lüge bestand unter anderem darin, dass man auf Seiten der Nato, die entsprechenden nuklearen Potentiale der europäischen Nato-Atommächte Frankreich und Großbritannien überhaupt nicht mitzählte. Hinzu kamen noch US-Atom-U-Boote im Mittelmeer, die ebenfalls mit Mittelstreckenraketen abschreckend auf Osteuropa zielen sollten. Außerdem bedeutete die extrem kurze Flugzeit der Bunkerbrechenden Pershing II die Steigerung eines Atomkriegs aus Versehen, da die Sowjetunion kaum mehr Zeit gehabt hätte, einen eventuellen Fehlalarm ihrer Radar-Vorwarn-Systeme als solchen zu qualifizieren. In der Zeit der Überprüfung, ob das Warnsystem sich irrt, hätten die sowjetischen Atomraketensilos getroffen und ausgeschaltet worden sein können.

Strategische Kommunikation

Die Nato-Einrichtung Joint Air Power Competence Centre (Kalkar) hat auf ihrer Essener Jahreskonferenz 2015 unter dem Titel >Strategische Kommunikation< besprochen, wie sie die Öffentlichkeit mit einer Kommunikation, die sie strategisch nennt, in ihrem Sinn beeinflussen kann. ‚Strategisch‘ kommt vom altgriechischen ‚Feldherrentum, Feldherrenkunst‘. Es geht also um den Sieg im Informationskrieg. Opfer dieses Krieges ist wieder einmal zu allererst die Wahrheit und mit ihr das Bewusstsein der Menschen, die mit strategischer Meinungsbeeinflussung in eine bestimmte Denk-Richtung der Unterstützung militärischen Denkens gesteuert werden soll, ohne das bewusst zu merken.

Beispiel: die Militärs beklagten den Widerstand gegen Bushs Irak-Krieg 2003. Bush habe den Fehler gemacht, auf erfundene Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins zu setzen, die man nach dem Sieg dann nicht fand. Bush hätte nach den Experten für strategische Kommunikation der Nato in der Öffentlichkeit mehr Unterstützung für diesen Krieg erhalten, wenn er seine Legitimation auf Husseins Grausamkeit aufgebaut hätte; dann hätte er sich als Retter der Menschenrechte, zur Not auch mit Krieg in Szene setzen können.

Syrienkrieg

Wie alle Kriege im Kontext des so genannten Anti-Terror-Krieges, ist auch der Syrienkrieg ein Schlachtfeld der Strategischen Kommunikation, wie es Michael Lüders beweist.

  • Ökonomischen Lügen

‚Sozialpolitik kostet Arbeitsplätze, weil Unternehmen für die Gewinnmaximierung ihre Produktion ins dann billigere Ausland verschieben, also ist unsoziale Politik sozial‘. Diese Argumentation sich selbst gerne so nennender Realpolitiker findet man immer wieder. Es ist als Gegenstand der strategischen Kommunikation in den Gesellschaftswissenschaften, hier vor allem den Wirtschaftswissenschaften, ein Narrativ der westlichen Meinungsmache.

Es findet sich aber auch generell in den Wahlkämpfen der Konservativen und Neoliberalen wieder. Beispiel: „Wir haben die größte Entlastung bei den Lohnnebenkosten in der Geschichte der Bundesrepublik durchgesetzt. Dadurch wird Arbeit günstiger, neue Arbeitsplätze entstehen (…)“.

Eine besonders konsequente Form der Steigerung der ‚Wettbewerbsfähigkeit‘ eines Standortes –auch eines Landes– war Reichskanzler Heinrich Brüning’s sog. Austeritätspolitik in Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise 1929. Sie hat u.a. eine dramatische Massenverelendung nach sich gezogen und alleine schon dadurch den Aufstieg der Nazis begünstigt: „Brünings Kanzlerschaft begleitete eine sich seit 1930 immer verschärfendere Wirtschaftskrise. Er wollte eine Inflation durch unbedingte Haushaltsausgleiche vermeiden. Dazu benutzte er strikte Sparmaßnahmen und Steuererhöhungen. Eine aktive Beschäftigungspolitik im Sinne einer antizyklischen Krisenbewältigung nach Keynes kam für ihn nicht in Frage, da Deutschland einerseits seit der großen Inflation von 1923 Angst vorm Schuldenmachen hatte und andererseits die Siegermächte jegliche Papiergelderhöhung als Versuch zur Boykottierung des Youngplans angesehen hätten. Brüning instrumentalisierte die Wirtschaftskrise, um eine Revision der Reparationen zu erreichen. Er wollte allen dessen Unerfüllbarkeit beweisen. Dadurch wurde ein Großteil der Bevölkerung durch Arbeitslosigkeit und Sozialhifeabbau in die soziale Not hineingezogen. Im Laufe des Jahres 1931 verschlechterte sich die Wirtschaftslage dramatisch. Betrug die Arbeitslosenzahl 1930 schon 3 Millionen, so stieg sie Anfang 1931 auf 4,1 Millionen und bis Februar 1932 wuchs sie auf 6,1 Millionen an, wobei die sonst übliche saisonale Verbesserung in den Sommermonaten nur schwach ausgeprägt war. Im Frühsommer hatte die Regierung ein radikales Einsparungsprogramm erlassen, das fast alle Bevölkerungsschichten sehr hart traf. Die Folge war eine immer stärkere Radikalisierung der Massen und der einhergehende Vertrauensverlust der Bevölkerung sowohl in das politische System, als auch zu seinen Vertretern. (…) Im Windschatten dieser Krise begann der rasante Aufstieg der NSDAP.“ [Brüning und die NSDAP 1930-1931. Zähmungskonzepte und Machtergreifungsstrategien]

  • Ökologische Lügen

Umweltschutz kostet Wohlstand und Arbeitsplätze – so auch der Kern der Begründung Trumps für seine Position gegen eine Politik zur Vermeidung eines Kontrolleverlusts durch die weitere Erderwärmung. Dazu ein Vertreter des Kapitalismus:
„Die bekannteste und meist diskutierte Studie, die sich mit den Kosten des Klimawandels und dessen Bekämpfung auf internationaler Ebene beschäftigt, ist der so genannte „Stern Review“. Der ehemalige Chefökonom der Weltbank, Sir Nicholas Stern, hat im Auftrag der britischen Regierung in einem rund 650 Seiten fassenden Bericht den derzeitigen Wissensstand über die wirtschaftlichen Folgen der globalen Erwärmung untersucht. [Quelle: Wuppertal Institut, basierend auf DIW 2007].
Dem Stern Review liegt die Annahme zu Grunde, dass der globale durchschnittliche Temperaturanstieg in den nächsten ca. 50 Jahren auf zwei bis drei Grad Celsius begrenzt werden kann. Dadurch werde sich der globale Pro-Kopf-Konsum um bis zu 20 Prozent verringern. Dies würde einem Verlust von ungefähr fünf Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts entsprechen – wobei die ärmsten Nationen am stärksten betroffen sein würden.
Eine der Hauptaussagen des Stern Reviews besteht – wie bei der Schätzung des Fraunhofer Instituts für die deutsche Klimapolitik – darin, dass der Nutzen frühzeitigen Handels zur Bekämpfung des Klimawandels die entstehenden Kosten überwiegen wird. Da sich die Klimaschäden ohne geeignete Klimaschutzmaßnahmen mit der Zeit häufen würden, würden auch die Kosten zur Beseitigung der Klimaschäden bzw. zur Anpassung an den Klimawandel immens steigen. Diese Aussage wird auch durch die Berechnungen der Internationalen Energieagentur (IEA) unterstützt.“

  • Anthropologische Lügen

Der Mensch ist nun einmal ein Wolf und sein größter Feind, der Kapitalismus, entspricht seinem Wesen. Wer das ignoriert, ist ein Gutmensch und ideologisch verbrämt.

Dazu exemplarisch dieses Studienergebnis der Max Planck Gesellschaft: „Viele Studien belegen, dass der Mensch ein auf Kooperation ausgerichtetes soziales Wesen ist: Menschen lösen Aufgaben lieber gemeinsam, Schimpansen dagegen nicht (…). Menschliche Gesellschaften sind auf Kollektivarbeit aufgebaut. Von klein auf erkennen Kinder, wenn jemand Hilfe benötigt. Sie rekrutieren aktiv Helfer, mit denen sie sich auf die weitere Vorgehensweise einigen und erkennen, welche Rolle diese übernehmen müssen, um eine Aufgabe erfolgreich zu lösen. Schimpansen kooperieren ebenfalls, z.B. bei gemeinsamen Grenzpatrouillen oder bei der Jagd. Dennoch scheinen Menschen lieber miteinander zu kooperieren als Schimpansen. ‚Dass Menschen Dinge lieber gemeinsam als allein tun, unterscheidet uns von unseren Cousins, den Schimpansen. Wir haben mit Unterschieden gerechnet, da Menschen in einer weitaus größeren Anzahl von Zusammenhängen und auf komplexere Arten und Weisen miteinander kooperieren‘, sagt Daniel Haun, der an den beiden Instituten in Leipzig und Nijmegen forscht.“

Zusammenfassung

Die Fake-News und alternativen Fakten, mit denen große Teile der Menschheit von den kurzfristigen Profiteuren des Terrors, des Profits und ihren Schreibern in ihrer Fähigkeit, sich ihres Verstandes zu bedienen, gelähmt werden, sind im Großen wie im Kleinen der Feind der Zukunft der Menschheit, die nur dann eine Chance hat, wenn die Einzelnen und die Kräfte des Lebens sich nicht von dem ablenken lassen, was den Blick auf unser Menschsein mit allen Sinnen auf das lenkt, was wir gemeinsam haben: Sinne, die wahrnehmen können. Ein Herz, das von Wärme lebt. Kooperation, die uns befähigt, in fast allen Teilen der Erde leben zu können.

Die Einflussnahme der Medien des Kapitals auf unser Verhalten hat dann weder bei Wahlen, noch in anderem Zusammenhang eine Chance.

Wenn die Manipulateure aktuell mit dem Finger auf Russland Versuche der Beeinflussung der Öffentlichkeit im Westen zeigen, ist das nichts anderes als der ablenkende Ruf eines Gesetzesbrechers, der auf offener Straße von sich abzulenken versucht, indem er seinen Finger weit Richtung Horizont hält und ruft: „Haltet den Dieb!“

Was Immanuel Kant 1784 formulierte, gilt nach wie vor:

„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Textes.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

6 Kommentare zu: “Fake News zur Bewusstseinsmanipulation – ganz ohne russische Hacker

  1. Der Wandel ist das Symptom, was ist aber die Ursache?
    Kleiner Tipp: CO2 ist es niemals gewesen! Eher das Gegenteil!

    Klimawandel entsteht durch Klimakontrolle!

    Klimakontrolle verursacht …

    „Wandel der Feuchtigkeit“
    „Wandel der Windkreisläufe“
    „Wandel der Menge und der Regionen der fruchtbaren Fischgründe“
    „moderater Wandel der klimatischen Eigenschaften“
    „Wandel der klimatischen Bedingungen“
    „Energie- und Feuchtigkeits-Wandlungen“
    „Klimawandel als Ergebnis der Wandlungen, nach der Einführung künstlicher Quellen und Senken der Energie und des Impulses“

    Mehr steht hier:

    1960, #CIA Memorandum zur #Klimakontrolle!
    http://geoarchitektur.blogspot.com/2017/02/1960-cia-memorandum-on-climate-control.html

  2. Unser Planet befindet sich in Geiselhaft, aber die Täter selbst haben das noch am wenigsten begriffen. Wie kann man ihnen das verständlich machen? Nur noch durch Weltuntergang?

    • Ich glaube, wenn genügend „Verlierer des Systems“ klar machen, dass sie bereit sind zu töten und zu sterben für Veränderung, dann – aber erst dann – werden die Eliten zur Einsicht kommen.

    • Im Töten sind die doch die absolute Elite. Und wenn viel vom Volk wegstirbt, brauchen Sie es nicht selber machen.
      Töten ist sowieso keine Lösung, weil Gewalt immer neue Gewalt gebiert und abgesehen davon sind die ja im Töten sowieso über allem erhaben mit ihrem Waffenarsenal, mit dem das Leben auf diesem Planeten zig mal ausgelöscht werden kann. Mir fällt kein passendes Heilmittel ein, außer dem Glauben an das ewige Leben. Die „Natur“ wird es uns alle wieder einmal lehren müssen. Auch die Natur in uns.

    • Ich arbeite seit der Studentenbewegung (späte 60er Jahre) und seit dem Club of Rome-Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ daran, ein Szenario zu verhindern, das uns Menschheit in den drohenden Abgrund bringt. Ob das Szenario zu verhindern ist, das ist in der Tat die Frage. Aber das Schöne an der Offenheit der Zukunft, ist, dass wir sie nicht wissen können. Wer hätte z.B. damals gedacht, dass zur Jahrtausendwende die Sowjetunion nicht mehr ist und dass danach die Region zwischen dem Golf, Casablanca, Mittelafrika und Balkan/Osteuropa zerfällt (was nicht unbedingt kausal zusammenhängen muss). Die Geschichte kennt so viele abrupte Drehpunkte, dass die Zukunft schon deshalb schwer zu prognostizieren ist. Es kommt darauf an, dass wir unsere Energie in die Waagschale der Fruchtbarkeit einfließen lassen, um der Waagschale der Furchtbarkeit nicht die Oberhand zu überlassen.

  3. Ergänzend zur Krisenhaftigkeit des Kapitalismus, zum Neoliberalismus oder generell, Fake-News aus dem Finanzsektor, welchen ich, wer hätt’s gedacht, für das Grundinstrument zur Kontrolle halte:

    Michael Hudsons „Der Sektor“ – ein bemerkenswerter Beitrag zur ökonomischen Gegenaufklärung
    Veröffentlicht in: Das kritische Tagebuch

    Sollten Sie der Meinung sein, dass im heutigen Finanzsystem die Banken „finanzielle Schmarotzer“ sind, die auf Kosten der Realwirtschaft leben, ohne selbst etwas zur Produktion beizutragen, dass der Finanzsektor mit seinen Gewinnen das politische System kapert, dass die Finanzoligarchen eine Mautstellen-Wirtschaft betreiben, um Monopolrenten abzuschöpfen, dass Grundherren, Monopolisten und „Kuponabschneider“ von den Einnahmen ihrer Anleihen, Aktien und (zumeist geerbten) Immobilien leben, dass sich das Finanzsystem der Orwell’sche Strategie der rhetorischen Täuschung bedient, dass die politische Linke ihren wirtschaftspolitischen Fokus aufgegeben und sich der neoliberalen Agenda unterworfen hat und dass das westliche Finanzsystem zu einer Geisel der US-Geopolitik geworden ist. Und wenn Sie jetzt auch noch der Meinung sind, dass Sie als Hauskäufer gezwungen sind, für ihre Immobilie zu viel zu zahlen und zu hohe Kredite aufzunehmen, dann könnte das Buch „Der Sektor“[1] des US-Ökonomen Michael Hudson etwas für Sie sein. Von Thomas Trares[*].
    (…)
    Nicht ohne Grund heißt sein Buch im englischen Original „Killing the Host: How Financial Parasites and Debt Bondage Destroy the Global Economy“ (auf Deutsch: Den Wirt töten: Wie Finanzparasiten und Schuldknechtschaft die globale Wirtschaft zerstören).
    (…)
    „Das Ziel des Finanzkapitalismus ist nicht die Kapitalbildung, sondern der Erwerb von Privilegien, die das Abschöpfen einer ökonomischen Rente ermöglichen, sei es durch Immobilien, natürliche Ressourcen oder Monopole“, schreibt Hudson.
    (…)
    Den klassischen Ökonomen wie Adam Smith, Karl Marx und John Stuart Mill war der Begriff der „ökonomischen Rente“ durchaus geläufig. In der heutigen Ökonomik kommt diese Unterscheidung aber nicht mehr vor. Und dies nicht ohne Grund, glaubt Hudson. Denn der Finanzsektor tut alles dafür, sein wahres Wesen zu verschleiern. In der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung gibt es keine Kategorie für leistungslose Einkommen oder Ausbeutung. Und all die wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten und „Denkfabriken“ sind seiner Ansicht nach lediglich dazu da, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass es so etwas wie „unverdiente“ Einkommen und Vermögen nicht gibt.
    (…)
    Hudson analysiert aber nicht nur den Finanzsektor im Detail, sondern schlägt auch noch einen Riesenbogen durch alle ökonomischen Krisen und Krisenherde der vergangenen Jahre. Dabei geht er äußerst detailverliebt und kleinteilig vor, was letztlich auch den enormen Umfang des Buchs erklärt. Allein die Analyse der Finanzkrise in den USA erstreckt sich über gut 100 Seiten, und auch die Ausführungen zur Euro- und der Griechenlandkrise sind derart umfangreich, dass man sie gut und gerne als eigenes Buch hätte veröffentlichen können. Analysiert werden aber auch die Krisen in Lettland, Irland, Argentinien und der Ukraine.
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=38689

    Letztendlich geht es doch um Haben und Sein und Zuviel war nicht genug.

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