Der Finanz-Tsunami nimmt seinen Lauf

Von Ernst Wolff.

Die relative Ruhe an den Finanzmärkten in den vergangenen Wochen und Monaten hat viele Menschen glauben lassen, die Lage habe sich nach den Turbulenzen zu Jahresbeginn entspannt und sei doch nicht so ernst ist wie zunächst angenommen. Sie irren. Die gegenwärtige Lage ist erheblich instabiler als zu irgendeinem Zeitpunkt seit der Jahrtausendwende und birgt erhebliche Gefahren in sich.

Acht Jahre sind vergangen, seit das globale Finanzsystem unmittelbar vor dem Zusammenbruch stand. Statt die Schuldigen – skrupellose Spekulanten in den Führungsetagen der Finanzindustrie – zur Rechenschaft zu ziehen, erklärten die Regierungen in aller Welt die großen Finanzinstitute für „too big to fail“ und retteten sie mit Hilfe von Steuergeldern, also dem Geld arbeitender Menschen. Um die dadurch entstandenen riesigen Löcher in den Staatshaushalten zu stopfen, bürdeten sie die Folgen dieser Politik ebenfalls der arbeitenden Bevölkerung auf. Unter dem Banner der „Austeritätspolitik“ senkten sie deren Lebensstandard und zwangen sie, Einbußen aller Art hinzunehmen.

Die Verursacher der Krise wurden sogar noch belohnt

Die Verursacher der Krise dagegen wurden für ihr Verhalten sogar noch belohnt. Für sie wurden riesige Mengen an Geld geschaffen, das ihnen bis heute zu immer niedrigeren Zinssätzen zur Verfügung gestellt wird. Statt es – wie von der Politik zur Täuschung der Öffentlichkeit behauptet – für neue Investitionen und damit zur Ankurbelung der Realwirtschaft zu benutzen, setzt die Finanzindustrie den Löwenanteil des Geldes auch nach dem Beinahe-Crash wieder zur Spekulation an den Finanzmärkten ein. In der Gewissheit, „too big to fail“ zu sein und im Notfall erneut gerettet zu werden, haben die Banker ihre spekulativen Aktivitäten seit 2008 sogar ausgeweitet und gehen heute größere Risiken ein als zuvor.

Der Finanzsektor, der das System damals existentiell bedroht hat, wuchert deshalb unkontrolliert weiter. Die Realwirtschaft dagegen stagniert und schrumpft, da ihr durch der den Finanzsektor das Blut in Form von Kapital entzogen wird und auch die Nachfrage auf Grund der austeritätsbedingten geringeren Einkommen zurückgeht. Das wiederum führt dazu, dass die Kluft zwischen denen, die von ihren Vermögen leben, und denen, die von ihrer Arbeit leben müssen, immer größer wird.

Inzwischen hat die Entwicklung jedoch eine neue Stufe erreicht, da die bisherigen Maßnahmen nicht mehr richtig greifen oder neue Risiken mit sich gebracht haben: Jahrelanges Gelddrucken hat zur Entwertung des Geldes und zur Inflation geführt – nicht in der Realwirtschaft, sondern an den Anleihen-, Aktien- und Immobilienmärkten, in die das frische Geld größtenteils geflossen ist. Unterstützt durch das parasitäre Verhalten der großen Marktteilnehmer (zum Beispiel das Rückkaufen eigener Aktien durch das Management von Großkonzernen zum Zweck der Erhöhung der eigenen Boni), haben sich riesige Blasen gebildet, die jederzeit platzen und zu einer Panik an den Märkten führen können.

Der Weg führt zwangsläufig zu immer größerer Instabilität

Die kontinuierliche und mittlerweile bis in den Negativbereich reichende Senkung der Zinsen (auch „billiges Geld“ genannt) erhöht ebenfalls die Instabilität des Systems: Sie zwingt bisher zur Vorsicht neigende Anleger wie Pensionsfonds, Rentenkassen und Krankenkassen, konservative Anlageformen über Bord zu werfen und durch Spekulation an den Finanzmärkten immer höhere Risiken einzugehen. Außerdem untergräbt sie die Lebensgrundlage kleiner und mittlerer Banken (z.B. deutscher Sparkassen und Raiffeisenbanken), die derzeit händeringend nach Rezepten suchen, um die Verluste in ihrem früheren Kerngeschäft – der Kreditvergabe an den Mittelstand – auszugleichen.

Beide Entwicklungen zusammen haben dazu geführt, dass selbst früher als normal geltende Korrekturen der Märkte verhindert werden müssen, da diese durch den Bankrott einzelner Marktteilnehmer rasch zu einer Kettenreaktion und so zum Zusammenbruch des Systems führen könnten. Sobald es zu ersten schärferen Abwärtsbewegungen an den Märkten kommt, greifen deshalb die Zentralbanken – von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt – direkt oder über Mittelsmänner mit frischem Geld ein, manipulieren auf diese Weise die Kurse noch stärker und verzerren so das im Verhältnis zur Realwirtschaft mittlerweile groteske Bild der Märkte bis zur Unkenntlichkeit.

Die größte Gefahr aber lauert wie schon seit Jahren im Bereich der Derivate, deren Umfang von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich auf zurzeit ca. $ 550 Billionen, von Insidern sogar auf $ 1,5 Trillionen geschätzt wird. Unter diesen von der Realwirtschaft abgekoppelten reinen Finanzwetten müssen zurzeit insbesondere die Kreditausfallversicherungen und die Zins-Swaps als finanzielle Tellerminen gelten.

Die größten Gefahren lauern im Verborgenen

Da Kreditausfallversicherungen auch von solchen Marktteilnehmern abgeschlossen werden dürfen, die keinen Kredit vergeben haben, setzen zahllose Großinvestoren auf dieses (erst seit 1994 existierende) gefährlichste aller Finanzprodukte. Nicht etwa, um sich gegen Risiken abzusichern, sondern um ganz gezielt auf den Ausfall von Unternehmen und Ländern zu wetten. Da dies beim tatsächlichen Eintreten einer Insolvenz dazu führen kann, dass Banken ein Vielfaches der Schadenssumme auf den Tisch legen müssen (wie 1998 im Fall des Hedgefonds Long Term Capital Management und 2008 im Fall des US-Versicherers AIG), bleibt Staaten und Regierungen im Ernstfall gar nichts anderes übrig als das fehlende Geld zu drucken und es den betroffenen Finanzinstituten zum Überleben zur Verfügung zu stellen.

Zins-Swap-Derivate sind mittlerweile einer der Hauptgründe, warum die Zentralbanken ihre Leitzinsen nicht erhöhen können, sondern immer weiter senken und sogar noch tiefer in den Negativbereich treiben müssen. Mit Zins-Swap-Derivaten sichern sich Unternehmen und Staaten gegen Verluste durch Schwankungen von Zinssätzen ab. Die Kurseinbrüche an den internationalen Aktien- und Anleihenmärkten im Januar 2016 als Folge der minimalen Zinserhöhung der Federal Reserve um ganze 0,25 % im Dezember 2015 zeigen, in welch gigantischem Umfang diese Zins-Swaps mittlerweile abgeschlossen wurden. Die Folge: Den Zentralbanken bleibt in Zukunft kein Spielraum mehr für eine Erhöhung der Leitzinsen, eine Rückkehr zu den früher normalen Werten von mehreren Prozent ist damit ausgeschlossen.

Was aber bleibt Regierungen und Finanzindustrie, wenn eine Senkung des Leitzinses das Bankensystem selbst gefährdet und die immer größeren aus dem Nichts geschaffenen Geldmengen zwangsläufig zu dessen totaler Entwertung führen müssen? Die Antwort lautet schlicht und einfach: Ein noch schärferer Angriff auf die arbeitende Bevölkerung.

Der Leidtragende: Die arbeitende Bevölkerung

Die vor uns liegende Phase wird von folgenden Entwicklungen geprägt sein: Die Unternehmen werden unter dem Schlagwort der „Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit“ alles daran setzen, Löhne zu senken, Entlassungen vorzunehmen, Arbeitsbedingungen zu verschärfen und Leistungen wie Renten- und Sonderzahlungen zu kürzen, um auf diese Weise die Gewinne für die Investoren zu erhöhen. Die Staaten wiederum werden diese Maßnahmen durch weitere Austeritätsprogramme flankieren, Sozialleistungen einschränken, öffentliche Bedienstete entlassen, Mindestlöhne senken und die Infrastruktur weiter zerfallen lassen. Außerdem werden sie den Gewalt- und Überwachungsapparat (Militär, Polizei und Geheimdienste) ausbauen, um sich gegen den zu erwartenden Widerstand seitens der Bevölkerung zu wappnen.

Sollten diese Maßnahmen nicht ausreichen und einzelne Finanzinstitute trotz aller Rettungsversuche zusammenbrechen, werden die Regierungen auf das inzwischen rechtlich in ganz Europa verankerte Bail-in zurückgreifen. D.h.: Die Vermögen von Anteilseignern, Einlegern und Sparern werden zum Teil konfisziert werden, um die betroffenen Geldinstitute am Leben zu erhalten. Großinvestoren werden, da sie über genügend Marktinformationen verfügen, rechtzeitig abspringen und ihr Geld in Sicherheit bringen. Die Zeche wird in erster Linie die arbeitende Bevölkerung zahlen.

Sollte aber auch ein Bail-in nicht ausreichen, könnte ein Vorschlag des IWF auf den Tisch kommen, der 2013 in seiner Publikation „Fiscal Monitor“ unter dem Titel „Taxing Times“ („Zeit für Steuern“) eine einmalige Vermögenssteuer in Höhe von 25 % auf alle Bankguthaben zur Rettung des Systems ins Gespräch gebracht hat. Auch hier kann damit gerechnet werden, dass die Finanzelite und die Wohlhabenden dieser Welt ihr Geld rechtzeitig in nicht erreichbaren Steueroasen verstecken werden und am Ende die arbeitenden Menschen für die Verfehlungen der Finanzindustrie werden aufkommen müssen.

Die letzte Option heißt Krieg

Die erheblichen sozialen Verwerfungen, zu denen all diese Maßnahmen unausweichlich führen werden, könnten die Herrschenden schlussendlich aber auch zu einem weiteren Mittel greifen lassen, durch das das Finanzsystem bereits zweimal, nämlich 1914 und 1939, zumindest für einige Jahrzehnte am Leben erhalten wurde. Wie die allseits praktizierte Aufrüstung, das Säbelrasseln der USA gegen Russland und China und die zunehmende globale Militarisierung zeigen, liegt die Option eines großen Krieges bei den wichtigsten politischen Entscheidungsträgern dieser Welt bereits offen auf dem Tisch.

Wer glaubt, dass moralische Gründe diese Kräfte an der Entfesselung eines Krieges hindern könnten, der sollte einen Blick auf die Geschichte des 19. und des 20. Jahrhunderts werfen: Wenn das System existentiell bedroht war, hat die politische Elite – die ja direkt von ihm profitiert – nie gezögert, auch diese letzte Karte auszuspielen, unendliches menschliches Leid billigend in Kauf zu nehmen und dabei einen Satz zu bestätigen, der heute mehr denn je gilt: „All wars are bankers’ wars.“ („Alle Kriege sind Banker-Kriege“)

Ernst Wolff ist freier Journalist und Autor des Buches „Weltmacht IWF – Chronik eines Raubzugs“, erschienen im Tectum-Verlag, Marburg.

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

20 Kommentare zu: “Der Finanz-Tsunami nimmt seinen Lauf

  1. Herr Wolff sagt: “ Wer glaubt, dass moralische Gründe diese Kräfte an der Entfesselung eines Krieges hindern könnten, der sollte einen Blick auf die Geschichte…( )…werfen….“

    Diese Kräfte können sich nur dadurch verselbständigen, dass uns Menschen allgemein die Moral kein Begriff mehr ist.
    Welches Fazit will denn Herr Wolff aus dem o.zitierten Satz ziehen ? „Moral nutzt da nichts ?“
    Das ist mir noch unverständlich, wie das gemeint sein soll. All diese Dinge sind doch Symptom der kompletten Ausblendung der moralischen Dimension aus dem menschlichen Bewusstsein.
    Ein Beispiel für solche Verdrängung der moralischen Wirklichkeit aus dem Bewusstsein ist Madeleine Albright, die die Frage, ob denn all die im Irak Krieg getöteten Kinder das „Ziel“ dieses Krieges „wert“ gewesen seien, bejahte.
    Es hält Einer solchen Monstern in der Stunde ihres Todes den Spiegel vor die Seele, in den solche Seelen nicht schauen wollen. Sie werden ihrer SCHANDE ins Antlitz blicken müssen, was sie zu Lebzeiten verdrängen konnten.
    Sie werden vor SCHAM verbrennen.

    Wir haben die moralische Dimension aus der Wissenschaft entfernt, und all diese Scheusslichkeiten sind das Symptom.
    Z.B. auch die Vivisektion, die grausamen Tierversuche usw. sind ein Symptom davon.
    Die Menschen, die diese Kräfte, die Herr Wolff erwähnt, entfesseln, schlafen gegenüber der moralischen Dimension.

    • Der Begriff Moral ist heute leider nur noch im Fremdwörterlexikon zu finden.

      Ich bin mir nicht sicher, denke aber solche Soziopathen wie M. Albright versuchen mit solchen Aussagen eine Selbstrechtfertigung zu konstruieren. Wir sollten uns nicht in der Hoffnung vergehen, dass Menschen die solche Verbrechen begangen haben, deswegen auch nur einen Tag aufrichtige Scham empfinden.

      Die Entfesselung von Kriegen oder auch vieler anderer Verbrechen sind immer Kollektivtaten.
      Ähnlich einer Exekution mit 10 Schützen. Jeder hat nur 1/10 getötet. Es ist so absurd und gruselig.

    • @ BluProject:“immer Kollektivtaten“

      Ja, das Kollektiv ist dann die Masse, in der das einzelne Ich untertaucht. Das war schon so bei den Braunen und war dasselbe – nur anders gefärbt und linksherum marschiert – bei den Roten.
      Das ist das Weglaufen vor Selbsterkenntnis, vor Individualismus und Eigenverantwortung. Was die treibt ist eigentlich die Angst vor Freiheit, weil Selbstverantwortung die andere Seite dieser Medaille ist.
      Vielleicht ist dahinter auch der Glaube, im Kollektiv selber unschuldig zu bleiben, weil Kollektivschuld gar nicht existiert.
      „Jeder hat nur 1/10 getötet.“ Wie erbärmlich das ist. Organisierte Verantwortungslosigkeit…

    • Michaela
      „Jeder hat nur 1/10 getötet.“ Wie erbärmlich das ist. Organisierte Verantwortungslosigkeit…“

      Das ist weder erbärmlich noch (organisierte) Verantwortungslosigkeit.

      Das sind knallharte bewusst begangene Kapitalverbrechen, so organisiert und begangen, das sie nur sehr schwer oder gar nicht bestraft werden können. Und genau diese „garantierte Straflosigkeit“ ist bewusst geplant und Triebfeder für schwerste Verbrechen aller Art.

    • @ Der Souverän: „Kapitalverbrechen“

      Ja schon, bewusst begangene Kapitalverbrechen, aber auch so ein feiges Untertauchen in einem Kollektiv, um irgendwie nicht als Individuum gerade stehen zu müssen. Die stehen nicht als einzelner Mensch zu dem, was sie tun.
      Da ist immer ein „Wir“ statt ein Ich. Ich finde das erbärmlich. Und ich wünsche jedem Einzelnen von solchen Leuten, dass der dasjenige erlebt, was Paulus vor Damaskus erlebte.

    • Ok, von mir aus auch erbärmlich, obwohl mir der Ausdruck viel zu seicht ist für derartige Verbrechen.

      Selbsterkenntnis haben diese Kreaturen zu Genüge – denn sie wissen genau was sie tun. Was ihnen fehlt ist Pest, Cholera und alle Krebsarten auf einmal.

  2. Ja, das hat Herr Wolff wieder brillant analysiert. Trotzdem fehlt mir die Antwort auf die entscheidende Frage: Gibt es eine Alternative?

    In diesem Zusammenhang würde mich interessieren, ob irgendjemand hier in der Gemeinde Erfahrungen mit OSBEEE und Prof. Hörmann’s Infomoney gesammelt hat.

    Danke!

    • Gut analyisiert ja. Aber leider werden einige Punkte negativ dargestellt, weil Sie in dem aktuellen System ungewünschte Auswirkungen hat. Damit wird ein Grundtenor gefahren der mir nicht gefällt und neuere System später behindern würde. Genauere Beleuchtung hätte ich mir da gewünscht.

      Es gibt viele Alternativen. Jeder kocht hier sein eigenes Süppchen momentan. Deshalb ist auch der Hauptkritikpunkt in jeder Diskussion um das jetztige System berechtigt. „Wie will man es sonst machen“

      Ich wurde ja mittlerweile schon als Troll bezeichnet, weil ich angemerkt habe, dass es mal Zeit wäre über die Bedienung von Interesse hinaus sich zu vernetzen und entsprechende Schritte einzuleiten.

    • Hallo Benno, ich habe mir einen Genossenschaftsanteil von osbeee gekauft (ca. 15€) leider ist das System noch fehlerhaft und ich komme nicht weiter. es gibt eine Telefonnummer aber dort nimmt niemand ab (ich habe es aber erst 2 x versucht) ich weiß, das ist keine gute Werbung aber ich habe Vertrauen und denke es ist nur ein vorübergehender Bug.
      So kann ich leider nicht viel sagen, denn es gibt ja auch eine „Börse“ an der Dienstleistungen und Waren über osbeee gehandelt werden.
      „Es gibt nur eine Sache die eine Nation klein halten kann: Uneinigkeit, Parteien die einander bekämpfen anstatt sich zu einer starken Macht zusammen zu schließen“ Julius Cäsar

    • Bis zu einem gewissen Grade eine gute Analyse. Das Problem ist aber, dass in die Realwirtschaft nicht mehr profitabel investiert werden kann! Das liegt an der 3. industriellen Revolution der Mikroelektronik und Robotik, die in gigantischem Ausmaß menschliche Arbeitskraft aus dem Produktionsprozess verdrängt hat.
      Die Finanzkapitalblasen sind Folge – nicht Ursache! – des bereits Anfang der 1970-er Jahre zum Erliegen gekommenen Profitraten.
      Die wieder mal verwendete Figur von „raffendem“ und „schaffenden“ Kapital mitsamt seiner sattsam bekannten antisemitischen Konnotation ist einfach nur widerlich. Wenn man die gegenwärtige Welt transzendieren möchte, wie ich auch, muss man schon das „Gesamte“ in den Blick nehmen.
      Dass die Profitkrisen jeweils in Kriegen endeten liegt vor allem daran, dass die heutigen Individuen als bürgerliche und konkurrente Subjekte konstituiert sind wie die überindividuellen Subjekte (Staaten, Parteien, Gewerkschaften, Verbände etc. pp) auch. Der Krieg bereinigt nicht die schlechten Zahlen in den Büchern. Beispielsweise war die „Wertvernichtung“ durch den 2. Weltkrieg in der Bundesrepublik Deutschland bereits 1952 wieder aufgeholt. Das bedeutet selbstverständlich umgekehrt nicht, dass es dem Durchschnittsbürger da schon wieder gut ging.

  3. Ich habe neulich mal ausgerechnet, was die Gesamtverschuldung weltweit bei einem Zinssatz von 0,5% bedeuten würde. Bei einer geschätzen Verschuldung von 200 Billionen würden nach ~ 7 Jahren Zinsen in einer Höhe fällig, die das bisher weltweit geförderte Gold übersteigen würden, derzeitigen Kurs des Goldes vorausgesetzt.

    Ehrlich gesagt, mir geht dieser schleichende Kollaps viel zu langsam. Das immer wieder propagierte „to-big-to-fail“ ist nach meiner Einschätzung nur der Nährboden für eine exponentiell anwachsende weitere Verschärfung.
    Wenn man die Möglichkeit hätte, ein katastrophales Unwetter durch technologische Maßnahmen eben gerade so im Zaum zu halten, würde das natürliche Ungleichgewicht der Ladungen dadurch nicht beseitigt. Genau das versucht man gerade. Viel Spaß. Gegen die natürlichen Vorgänge im Kosmos kann man nicht gewinnen.

    • Der Kollaps ist eigentlich eine Prima Gelegenheit um den Lock-In Effekt zu überwinden.

  4. Das derzeitige Geldsystem (Zinsgeldsystem) dient einzig und allein der Umverteilung. Eine Umverteilung von unten nach oben, oder von der arbeitenden Klasse zu der wohlhabenden Klasse oder ganz einfach von fleißig nach reich.
    Unser derzeitiges Geldsystem erzeugt durch Zins und Zinseszins eine Exponentialfunktion: das berühmte Schachbrett mit den Reiskörnern: 2 / 4 / 8 / 16 / 32 / 64/ 128 / 256 / 512 / 1024 / 2048 usw usf…
    Unser derzeitiges Geldsystem hat eine eingebaute „Verfallszeit“ ungefähr alle 70 Jahre.
    Die „Verfallszeit“ ist schon geraume Zeit überschritten: es wird durch korrupte und kriminelle Aktionen der herrschenden Klasse künstlich am Leben erhalten.
    Die Geldschöpfung unseres derzeitigen Geldsystemes tut ihr Übriges: Geldschöpfung aus dem Nichts, in Form von Kredit (der dann MIT ZINS zurückbezahlt werden muss).
    Unsere Bürger (die Bürgen dieser unermesslichen Schuld die dann dafür herhalten müssen: siehe Griechenlad und sehr bald Resteuropa) ahnen noch nicht allzu viel. Sie lassen sich noch still den 500€ Schein wegnehmen und denken nicht so weit, dass dies erst der Anfang der Bargeldabschaffung ist.
    Die Einwohner Deutschlands im Besonderen aber auch die von Resteuropa sind hohl und stumpf. Sie brauchen jemanden der ihnen sagt was sie machen sollen, sonst sind sie handlungsunfähig. Sie berauschen sich am Konsum, sie scheren sich keinen Dreck um Menschen die unsägliches Leid erfahren, so lange bei ihnen der Kühlschrank voll ist.
    Sie prostituieren sich (Medien und Medienschaffende in den Mainstreammedien) und bekommen nicht mal mit dass sie an ihrem eigenen Ast sägen (und an dem ihrer Kinder).
    Wenn man auf Montagsmahnwachen in einer Süddeutschen Großstadt mit zwanzig Personen dasteht, und das Wochen lang, dann muss man aufpassen diese Menschen in ihrem Konsumhigh nicht zu verachten…

    • ja, das klingt arrogant, der letzte Satz. Aber warum sind nicht schon tausend und abertausend auf den Straßen?!?!!!!???
      Es wundert mich nicht dass die Eliten „uns“ verachten.
      Die Masse, der Mainstream… es ist schwer sich damit anzufreunden….

  5. Heitere Aussichten! Ernst Wolff mit glasklaren Blick auf die Welt so wie sie ist!. Ich vermute, die meisten Menschen würden erst dann etwas verstört aus der Wäsche gucken, wenn eine Panzergranate ins Schlafzimmer rein haut. So ein wenig mehr Prekariat oder ein bißchen weniger Grundrechte reichen nicht zum Bewußtsein, daß es 3 Minuten vor 12 und aktiver Widerstand geboten ist.

  6. Was Herr Wolff da äussert, leuchtet mir ganz ein. „Alle Kriege sind Banker – Kriege.“ Und Krieg ist nur die Konsequenz einer eiskalten Logik, die unter dem Begriff „Wirtschaftsleben“ das krasse Gegenteil von brüderlichem Füreinander zwischen produzierender Realwirtschaft und konsumierenden Menschen versteht. Anstatt Brüderlichkeit als Grundprinzip des Wirtschaftslebens zu sehen, geht es diesen Wettbüros um Wettbewerb, um Konkurrenzdenken, das logischerweise dahin führen muss, die Konkurrenz mit Gewalt zu zerstören. Das ist keine Realwirtschaft, die beiderseitige win-win Situationen erbauen will. Das ist Raubtiergesinnung übelster Sorte.

  7. An Norbert Würzel,, Ich kann bei Ihnen kaum entdecken, das sie auf den Artikel von Ernst Wolf eingehen. Schon der erste Satz ist falsch und dann folgt- natürlich ?!! – die Nazi- Keule. Und unsachliches!! Geschwafel über Kapital: um es nur mal kurz klarzustellen: Das Geld und Geldsystem ist für den Menschen da und kann ihm problemlos dienen- siehe Silvio Gesell und viele Andere. Das derzeitige Finanzsystem dient tatsächlich dem Krieg- mit eben diesem Mittel- gegen die Menschen und das ist nicht etwa nur überkommen, nein es ist gemacht. Und ich wünsche mir das es ehrliche Banker gibt, die das erkennen und auch entsprechend handeln ! Das erfordert allerdings Rückrad und nicht das schielen auf die nächste Absicherungsebene nach oben- die gibt es nicht. Da wird man dann zu gegebener Zeit erpresst und fallengelassen.

    • An supermario: Das Geld ist in diesem Wirtschaftssystem eben nicht für die Menschen da. Es ist für die besitzende Klasse da um andere, die keines haben, aber brauchen für Geld arbeiten zu lassen, aber auch nur dann, wenn sich dadurch ihr Besitz weiter vergrößert. G – W – G´

  8. Herr Wolff tut so, als ob die Krise vom Fehlverhalten einzelner verursacht wurden. Als ob die Realwirtschaft das gute Kapital, und die Finanzwirtschaft das böse Kapital wäre. Damit begibt es sich auf eine Stufe der Nazis, die ebenfalls vom „raffenden“, und vom „schaffenden“ Kapital gesprochen haben. Dabei haben beide Wirtschaftszweige das selbe Ziel, nämlich Gewinne zu erwirtschaften und die Realwirtschaft hat doch in der Vergangenheit die Kredite der Banken gerne angenommen um über ihre Verhältnisse investieren zu können um noch mehr Profite zu machen. Das was jetzt passiert ist ganz normaler Verlauf kapitalistischer Akkumulation, denn in dieser Profitwirtschaft basiert der Reichtum der einen auf der Armut der anderen. Und darin unterscheidet sich die Realwirtschaft um nichts von der Finanzwirtschaft, denn beide beuten die Lohnabhängigen aus. Und wenn wir uns das nicht mehr länger gefallen lassen, dann müssen wir für einen Systemwechsel eintreten und nicht mit dem Finger auf gierige Banker zeigen.

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