Finis Germania oder: Deutschlands Demokratie ist verloren – Teil 4

Warum wir zurück in der Zeit der Monarchien und der Aristokratie sind

von Jochen Mitschka.

Dies ist der vierte Teil einer Artikelserie, die Auszüge aus dem gleichnamigen E-Book enthält. Im ersten Teil sprach ich über die Entstehung des Grundgesetzes, und über „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Der zweite Teil handelt, logisch darauf aufbauend, von der „Verantwortung des Eigentums“, die im Grundgesetz gefordert wird. Im dritten Artikel beleuchte ich die angeblich vorhandene „Gleichheit vor dem Gesetz“, die ebenfalls ein wichtiger Teil des Geistes des Grundgesetzes ist. Und im vorliegenden Artikel weise ich nach, dass einer der wichtigsten Forderungen des Grundgesetzes, dass von deutschem Boden kein Krieg mehr ausgehen darf, mit Füßen getreten wird.

Kein Krieg soll mehr von deutschem Boden ausgehen.

„Die Deutschen müssen das Töten lernen“ lautete der Titel des Spiegels, Ausgabe 47/2006. Und genau dieser Tenor verstärkte sich in den darauf folgenden Jahren bis zur Neujahrsansprache 2018/2019 der Bundeskanzlerin – und wird noch oft zu hören sein.

Das Brechen des Versprechens, dass von deutschem Boden kein Krieg mehr ausgehen soll ist die größte Enttäuschung von allen.

Der völkerrechtswidrige Krieg gegen Jugoslawien war der Sündenfall(1). Möglich gemacht nur durch eine drastische Veränderung der ehemaligen Anti-Kriegs-Partei „Bündnis90/Die Grünen“(2).

„Im Fall Kosovo wurden der Öffentlichkeit ja mit Kriegsbeginn im März 1999 die dreistesten Lügen(24) erzählt. Weder gab es eine „serbische SS“, wie Joschka Fischer behauptete, noch das von Verteidigungsminister Rudolf Scharping behauptete „KZ im Fußballstadion von Pristina“, noch hat sich der ebenfalls von Scharping kolportierte „Hufeisenplan“ als Wahrheit herausgestellt.“(3)

Und da das mit den Lügen so gut geklappt hat, die Anti-Kriegs-Bewegung erfolgreich zertrümmert worden war, ging es dann munter so weiter. Es folgte eine Serie von Militäreinsätzen, bei denen sich Deutschland förmlich aufdrängte, allen voran „die Grünen“.

„Die zwischenzeitlich bekannt gewordene Äußerung des damaligen US-Außenministers Colin Powell, wonach die USA „keine konkrete Hilfe (4) für den Afghanistan-Einsatz verlangt haben, rücken jedoch das Agieren der rot-grünen Bundesregierung in ein anderes Licht, da diese sich offenkundig aufgedrängt hat, mit der Bundeswehr in Afghanistan mitmischen zu dürfen.“ (5)

Denn das deutsche Establishment wollte endlich wieder bei den großen Staaten mitspielen. Und dafür war ihrer Meinung nach Krieg führen eben notwendig. Die Stufen der Militarisierung Deutschland (6) zu beschreiben, würde ein Buch füllen. Aber die meisten werden sich an die Reden von Bundespräsident, NATO-Geschäftsführer, EU-Politikern usw. erinnern, die alle in einer wie abgesprochenen Reihenfolge von Deutschland forderten, wieder zu lernen „Opfer zu bringen“. Und dazu würden eben ein starkes Militär und Auslandseinsätze, natürlich nur im Dienst von Frieden und Demokratie, notwendig. „Deutschland muss wieder mehr Verantwortung übernehmen“. Und Verantwortung übernehmen bedeutet, bereit zu sein, Kriege zu führen.

„Die Einsatzrealität der Bundeswehr hat sich deutlich verändert. Deutschland muss wieder mehr Verantwortung übernehmen.“(7)

Wie verlogen diese „Interventionen“ für Menschenrechte, Demokratie und „Frieden“ sind, habe ich ausführlich in meinem Buch über die Menschenrechtsindustrie im humanitären Angriffskrieg dargelegt(8).

Schließlich führte es so weit, dass man ein Versprechen abgab, zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Rüstung auszugeben. Nach einer Schamfrist ließ man sich an das Versprechen erinnern und erklärte nun dem erstaunten Wähler: „Wir haben es versprochen, jetzt müssen wir es einhalten“. Um das Zwei-Prozent-Ziel zu erreichen, müsste Deutschland insgesamt mehr als 80 Milliarden Euro (80.000.000.000) für das Militär ausgeben(9), was dazu führt, dass Deutschland zu einer Militärmacht aufsteigen wird, die höhere Rüstungskosten ausweist als Russland – ein Land, das über eine Atomstreitmacht verfügt und die größte Fläche aller Staaten der Erde schützen muss. Ein Land, das von einer feindlich eingestellten NATO eingekreist wird, deren das die Politik bestimmende Land (die USA) alleine mehr als zehn Mal so hohe Rüstungsausgaben jährlich aufbringen, wenn man die Ausgaben für die Atomstreitkräfte mit einrechnet; die zudem nicht im Rüstungsbudget, sondern dem des Energieministeriums enthalten sind. (10)

Die immer wieder erwähnten zwei Prozent Rüstungsausgaben waren erstmalig beim NATO-Gipfel in Wales 2014 festgeschrieben worden, und das mit den Stimmen der deutschen Regierungsparteien, ohne die Bevölkerung zu fragen. Die Zustimmung bedeutete eine eindeutige Absage an Abrüstung und Entspannung und eine drastische Kursänderung der Politik. Als Bundesaußenminister war der SPD-Politiker Frank-Walter Steinmeier der Verantwortliche.

„Konkret wurde in Wales beschlossen, dass die NATO-Staaten „darauf abzielen, sich innerhalb von zehn Jahren auf den Richtwert von zwei Prozent zuzubewegen“ und mindestens 20 Prozent davon in „neues Großgerät einschließlich damit zusammenhängender Forschung und Entwicklung“ zu investieren.“(11)

Das Grundgesetz war schon lange nicht mehr ernst genommen worden von den Regierenden Deutschlands.

„Allerdings fand der Artikel 26 Absatz 1 des Grundgesetzes nie Berücksichtigung. Er lautet nach wie vor: „Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen.“ Dass die Väter und Mütter des Grundgesetzes damit erst recht die Führung eines Angriffskrieges unter Strafe stellen wollten, ergibt sich von selbst. Dennoch wurde der unmissverständliche Verfassungsauftrag wie auch die Strafbestimmung des Paragrafen 80 StGB aufgrund der politischen Interessenlage von „staatstragenden“ Juristen einfach außer Kraft gesetzt.“ (12)

Und immer ist auch das Sprachrohr der Grünen, die TAZ an vorderster Medienfront dabei, Militäreinsätze zu fordern, zu denen uns die dortigen Menschen gar nicht eingeladen haben, sondern bei denen es um reines nachkoloniales Herrscherverhalten geht. Basierend auf Lügen.(13)

Und damit die Parteien nicht bei jedem Angriffskrieg der NATO oder einer „Koalition der Willigen“ überlegen müssen, mit welchen neuen hanebüchenen Argumentationen auch immer die Anzeigen von Menschen zurückgewiesen werden, die in ihrer Naivität oder als Widerstandsaktion noch an das Grundgesetz und Rechtstaat glauben, hat man den Strafrechtsparagraf 80 durch eine „Harmonisierung mit EU-Recht“ ersetzt.

„Nach Artikel 26 Absatz 1 Grundgesetz ist schon die Vorbereitung eines Angriffskrieges verfassungswidrig. Die entsprechende Strafbestimmung, der Paragraf 80 des Strafgesetzbuches, wurde gestrichen. Der neu eingefügte § 80a StGB stellt keinen Ersatz dar. (…) Diese Gesetzesbestimmung bietet – im Gegensatz zu Artikel 26 Absatz 1 Grundgesetz und dem bisherigen Paragrafen 80 Strafgesetzbuch – einen weiten Spielraum für Interpretationen (14), zumal die Charta der Vereinten Nationen völkerrechtswidrige „humanitäre Interventionen“, „präventive Selbstverteidigung“ oder „Nothilfe“ (wie zum Beispiel im Kosovo-Krieg) in der Vergangenheit nicht verhindert hat. Damit ist der Willkür – wie bisher – Tür und Tor geöffnet.“(15)

Durch diesen Schachzug wird dem Generalbundesanwalt viel Arbeit erspart, musste er doch in der Vergangenheit lange und ausschweifende Begründungen schreiben, warum er der Anzeige wg. §80 StGB nicht nachging. Und so wurde ein weiteres Versprechen des Grundgesetzes kurzerhand durch die Parteien außer Kraft gesetzt, ohne das aber mit dem so genannten Volk zu besprechen.

Aber es war wirklich lästig, immer wieder Begründungen zu finden wie: „Führen eines Angriffskrieges“ ist ja nicht gleichbedeutend mit „Vorbereitung eines Angriffskrieges“, um Anzeigen abzuwehren. Obwohl die Väter und Mütter des Grundgesetzes der Meinung waren, dass damit sogar eine Steigerung des Verbots gemeint war, also nicht NUR der Angriffskrieg selbst, sondern SCHON DIE VORBEREITUNG unter Strafe gestellt werden sollte. Aber wenn es nun mal nicht da stand…(16) Gegen die Macht der Parteien gab es nun mal kein Gegenmittel.

„Deutschland muss mehr Verantwortung übernehmen“ wird seit Jahren wie eine Gebetsformel von allen Parteien wiederholt. Natürlich durfte es auch nicht in der Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin fehlen. Hier zwei kurze Auszüge aus der Rede, die nichts Gutes für Deutschland erwarten lassen:

„Das bedeute, dass Deutschland mehr Geld für humanitäre Hilfe und Entwicklungshilfe ausgeben wird, aber auch Verteidigungsausgaben.“(17)

Das heißt im Klartext, die 80 Milliarden Euro Rüstungsausgaben, oder zwei Prozent vom BIP, also fast eine Verdopplung, werden kommen. Ihre Formulierung ließ keinen Widerspruch zu.

„Deutschland müsse für eigene Überzeugungen wieder stärker einstehen, argumentieren und kämpfen. (…) Zugleich setze sich die Bundesregierung dafür ein, die Europäische Union robuster und entscheidungsfähiger zu machen.“(18)

Mit anderen Worten: Die EU-Armee wird kommen, und damit sind endgültig alle Schleusen für neue Kriege geöffnet, weil das Grundgesetz damit umgangen wird, und im Zweifel ist der §80 StGB ja endlich entfernt worden.

Und so ist es logisch, dass Deutschland die Speerspitze der NATO-Kräfte an der Grenze zu Russland ist. Ein Land, das wir vor nicht allzu vielen Jahren überfielen und das den Krieg mit dem größten Blutzoll aller Nationen der Welt bezahlen musste – mit fast 30 Millionen Menschenleben.

„Wie im Kalten Krieg setzt die Allianz auf Abschreckung und will Russlands Präsidenten Wladimir Putin klarmachen, dass sie ihre osteuropäischen Mitglieder nicht im Stich lassen wird. Als Reaktion auf die Krim-Annexion beschloss die NATO bei ihrem Gipfel in Wales 2014 den Readiness Action Plan. Am 1. Januar übernimmt Deutschland als sogenannte Rahmennation erneut die Führung der damit verbundenen schnellen Eingreiftruppe.“(19)

Dass die „Ukraine Krise“ nicht durch Russland, sondern die NATO hervorgerufen worden war, hat schon Kees van der Pijl in seinem Buch über MH17 beschrieben.(20) Und dass es unmöglich war, eine andere Entwicklung vorauszusehen, lege ich in meinem großen Buch über die Ukraine dar, das im Februar im NIBE-Verlag erscheinen wird.

Ausblick

Im fünften Teil der Artikelserie weise ich nach, dass die im Grundgesetz verankerte „Privatsphäre“ von Anfang an unterminiert worden war durch Aliierten-Vorbehaltsrechte, dann durch Änderungen des Grundgesetzes, und schließlich durch Rechte der NATO-Verbündeten und der eigenen Sicherheitsbehörden.

Quellen und Anmerkungen:

(4) Der Spiegel: Deutschland drängte sich für Afghanistan-Krieg auf, 04.09.2011

(5) http://www.uweness.eu/oef-als-persilschein.html#_ftnref3

(10) https://www.infosperber.ch/Politik/USA-Russland-Die-weltweiten-Rustungsausgaben-im-Vergleich (USA-Zahlen ohne Kernwaffenentwicklung und Lagerung, da dies unter die Verantwortung des Energieministeriums fällt: https://de.wikipedia.org/wiki/Energieministerium_der_Vereinigten_Staaten )

Bildquelle: Screenshot aus BR24

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung.

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5 Kommentare zu: “Finis Germania oder: Deutschlands Demokratie ist verloren – Teil 4

  1. Die Frage nach EU-Armee ist ja nur dann von Interesse, wenn dadurch die Kräfte des empire kaltgestellt werden.
    Bei den Alternativen wird doch immer mit dem Finger auf die Amis gezeigt, die sind die Quelle allen Übels.

    Wieso sollte man dann nicht eine EU-Armee befürworten? Denn damit wäre die Nato am Ende, wenn es denn eine eigenständige Armee würde.
    Falls es nur der neu lackierte europäische Arm des US-Militärs werden soll, kann man auch alles beim Alten belassen.

    Voraussetzung dafür wäre allerdings eine nationale Hinwendung der Bevölkerung und der Politik. Wenn wir weiter diese Transatlantik-Luschen und die Anti-Nationalen-no-border-Wahnsinnigen wählen, wird das nix.

    Interessant wird es sein zu sehen, wer (v.a. von den lieben Genossen der Friedensbewegung) am Ende gegen die EU-Armee und damit eine wesentliche Stütze der Nato sein wird.

    Aus lauter A…A…Angst vor den Na…Na…Nazis wird man gegen eine selbstbewusste deutsche, französische, europäische Politik sein und damit das Spiel verlängern.

    Ich sage es mal provokant:

    Lasst es uns mit einer eigenen Armee versuchen, dann können sich die Herren Generäle nicht mehr hinter den USA verstecken und ich bin mir sicher, dass dann ein anderer Blick auf die Nachbarschaft mit Russland entstehen wird.

    Ein deutscher Militär könnte doch heute unter NATO-Kommando nur gegen Russland marschieren lassen, weil die Amis das zahlen würde. Mit unseren paar Piepen Militärhaushalt ist ein Krieg gegen RU eh nicht möglich, wenn es stimmt, was man sich über die Aufrüstung des Friedensengels Putin so erzählt.

    Andererseits wären wir ohne die USA vielleicht tatsächlich recht schutzlos, wenn Putin oder sein autokratischer Nachfolger es sich anders überlegen sollte.

    Die EU hatte doch mit Russland schon weitgehend gute Schritte vereinbart. Daran anzuknüpfen wird mit dieser Nato nicht möglich sein und die EU-Armee als Ausstieg daraus könnte eine positive Entwicklung mit sich bringen.

    Man muss sich dann halt auch mal von den Frieden-schaffen-ohne-Waffen-Träumern oder sollte man besser sagen: NWO-U-Booten trennen.

    Als nächster Schritt ist eine Demilitarisierung Europas nicht denkbar. Im Gegenteil, es wäre fatal in einer Zeit, in der sich die USA dem Lippenbekenntnis nach aus der Rolle des Weltpolizisten zurückziehen wollen.
    Sehenden Auges in ein Chaos reintaumeln wir das schwache Russland nach 1991 ist für mich untragbar.

    Das Militär und die Geheimdienste sind weltweit ein Faktor, wir können das nicht wegatmen.
    Warum soll ich keine EU-Armee wollen? Damit die Nato weiter schalten und walten kann?

    Der spontane Weltfrieden wird nicht ausbrechen und nur darauf zu setzen, dass es Trump für uns richten wird…trust the plan?

    Mir reicht es nicht, den Amis Ramstein wegzunehmen. Wir sollten das US-Militär aus Europa rauswerfen. Trump bettelt förmlich darum.

  2. “ Und so ist es logisch, dass Deutschland die Speerspitze der NATO-Kräfte an der Grenze zu Russland ist. Ein Land, das wir vor nicht allzu vielen Jahren überfielen und das den Krieg mit dem größten Blutzoll aller Nationen der Welt bezahlen musste – mit fast 30 Millionen Menschenleben “

    Charles A. Beard, ‘American Foreign Policy in the Making, 1932 – 1940, A study in responsibilities’, New Haven, 1946

    Bogdan Musial, ‘Kampfplatz Deutschland, Stalins Kriegspläne gegen den Westen’, Berlin 2008

    Deutschland zahlte mit über Zehn Millonen Menschenleben für die Kriegspläne.

    Die Deutschen verstehen noch immer nicht die Geschichte des 20ten Jahrhundert, es erstaunt darum nicht das sie die Geschichte von heute auch nicht verstehen.
    Ob die Franzosen diese Dinge verstehen, ich denke, auch nicht. Aber sie scheinen ein jetzt Gefühl zu haben wie sie an die Nase herumgeführt werden.
    Eine europäische Armee, die EU kann froh sein wenn die EU Ende dieses Jahres noch besteht.

    • Ich teile ihre Einschätzung bezüglich der EU, wobei ich mich gar nicht so sehr auf einen zeitlichen Rahmen festnageln lassen würde. Vielleicht geht es schnell, dann können wir uns die Kosten für diese EU-„Wahl“ sparen.

      Nachdem sich hier neulich schon jemand echauffiert hat, dass Kenfm total Nazi geworden ist, reihe ich mich in Ihre Einschätzung ein, dass die Deutschen vollkommen unwissend und neuerdings komplett übergeschnappt sind.
      Freunde von mir sind einfach total froh über Frieden in Europa seit 1945. Lieber Merkel ertragen als was riskieren wie Trump. Den hassen alle. Putin auch. Durch diesen äußeren Feind ist es der Elite gelungen, die eigene Position zu stärken. Der gemeinsame Gegner…es ist wie das Pfeifen im Walde. Es ist die pure Angst.

      Die Bevölkerung ist eigentlich hirntot. Wir importieren Messer-Fachkräfte und dürfen darüber nicht reden, weil es uns noch nicht selbst erwischt hat? Darf man sich erst dann beschweren? Fördert es den Frieden im Land, wenn man immerzu alles geschehen lässt? Eine Kritik an Fehlentwicklungen ist nicht mehr gewünscht?

      Wir sind wirklich degeneriert.

  3. Danke für diesen Artikel. Ich mache mir große Sorgen um den Frieden. Der Fehler von uns Deutschen ist, dass die große Mehrheit – obwohl sie keinen Krieg will (!) – sehr unpolitisch ist und glaubt, „die da oben werden es schon machen und verantwortlich handeln.“ Das ist der große Trugschluss. Denn „die da oben, sind heute transatlantisch ausgerichtet – und die Geschichte, wie es dazu kam, dass Deutschlands Eliten praktisch zu Vasallen und Handlangern westlich-globalistischer Interessen geworden sind, zieht sich durch das ganze 20. Jahrhundert hindurch. Unsere Eliten vertreten heute, meiner Ansicht nach, nicht mehr deutsche Interessen, sondern die Interessen einer „Gruppe von Menschen, welche die Erde beherrschen wollen mit den Mitteln der beweglichen kapitalistischen Wirtschaftsimpulse,“

    Es ist meiner Ansicht nach wichtig, dass das begriffen wird und deshalb habe ich für Sie, sehr geehrter Herr Mitschka und für das geschätzte KenFM-Team und natürlich auch für interessierte Leser hier ein paar sehr interessante Passagen aus Terry Boardmans Text hier übersetzt: http://threeman.org/?p=2667
    ‘Narratives’: 1914-2018: The War on Russia, Germany and ‘Hate’
    „Narrative : 1914-2018: Der Krieg gegen Russland, Deutschland und „Hass“
    Beginn der Übers. ab Zwischenüberschrift:
    Kriegserzählungen 1914-1919
    Seit dem Georgienkrieg 2008 und vor allem seit den Ereignissen in der Ukraine und der Krim 2014 hat sich in den westlichen Medien eine Antipathie gegen Russland entwickelt. Aber auch den beiden oben genannten Fällen sind gemeinsam die sehr engen Beziehungen zwischen der britischen und der amerikanischen Elite, die bis auf die Jahrzehnte nach dem amerikanischen Bürgerkrieg zurückgehen, als diese Beziehungen zum ersten Mal geknüpft wurden, ein Prozess, den der Historiker Markus Osterrieder in seinem Hauptwerk „Welt im Umbruch – Nationalitätenfrage, Ordnungspläne und Rudolf Steiners Haltung im Ersten Weltkrieg“ (2014) sowie eine Reihe anderer Historiker beschreiben. Rudolf Steiner deutete in einem Notizbuch, das er 1918 verfasst hatte, an, worum es sich bei diesen Beziehungen handelt: [Hier füge ich nun das deutsche Originalzitat ein]

    Rudolf Steiner: Tonangebend ist eine Gruppe von Menschen, welche die Erde beherrschen wollen mit den Mitteln der beweglichen kapitalistischen Wirtschaftsimpulse. Zu ihnen gehören alle diejenigen Menschenkreise, welche diese Gruppe imstande ist durch Wirtschaftsmittel zu binden und zu organisieren. Das wesentliche ist, daß diese Gruppe weiß, in dem Bereich des russischen Territoriums liegt eine im Sinne der Zukunft unorganisierte Menschenansammlung, die den Keim einer sozialistischen Organisation in sich trägt. Diesen sozialistischen Keimimpuls unter den Machtbereich der antisozialen Gruppe zu bringen ist das wohlberechnete Ziel. Dieses Ziel kann nicht erreicht werden, wenn von Mitteleuropa mit Verständnis eine Vereinigung gesucht wird mit dem östlichen Keimimpuls. Nur weil jene Gruppe innerhalb der anglo-amerikanischen Welt zu finden ist, ist als untergeordnetes Moment die jetzige Mächte-Konstellation entstanden, welche alle wirklichen Gegensätze und Interessen verdeckt. Sie verdeckt vor allem die wahre Tatsache, daß um den russischen Kulturkeim zwischen den anglo-amerikanischen Pluto-Autokraten und dem mitteleuropäischen Volke gekämpft wird. In dem Augenblicke, in dem von Mittel-Europa diese Tatsache enthüllt wird, wird eine unwahre Konstellation durch eine wahre ersetzt. Der Krieg wird deshalb so lange in irgendeiner Form dauern, bis Deutschtum und Slaventum sich zu dem gemeinsamen Ziele der Menschen-Befreiung vom Joche des Westens zusammengefunden haben. (aus Rudolf Steiner: „Zeitgeschichtliche Betrachtungen, Band III, Die Wirklichkeit okkulter Impulse“, S. 264)
    (Fortsetzung Boardman-Übersetzung:)
    Die Schlüsselstrategie der angloamerikanischen Plutokraten und der Regierungen, die sie beeinflussen und kontrollieren, besteht darin, jede Kombination zwischen Russland und Mitteleuropa (insbesondere Deutschland) zu verhindern und Deutschland so weit wie möglich unter westlicher, transatlantischer Kontrolle zu halten, weg von Russland. Die jüngste scharfe Kritik der Trump-Regierung an dem deutsch-russischen Projekt zur Verlegung der Gaspipeline Nord Stream 2 unter der Ostsee und sogar die westliche Kritik an scheinbar trivialen Ereignissen wie dem Tanz von Herrn Putin mit der österreichischen Außenministerin auf ihrer kürzlich stattgefundenen Hochzeitsfeier ist vor dem Hintergrund dieser Perspektive zu sehen: „Putin versucht, Österreich vom Westen weg zu führen“. Ähnlich triviale Ereignisse wurden von der paranoiden britischen Regierung und Presse vor dem Ersten Weltkrieg in übertriebener Weise verkündet und warnten vor Besuchen deutscher Professoren und Politiker oder sogar deutscher Blaskapellen, die im Verdacht standen, Spione in sich zu verbergen.

    Fortsetzung folgt.

    Als Zwischenbemerkung möchte ich anmerken, dass, in diesem Kontext, es so entsetzlich brenzlig ist, was Herr Mitschka oben aufführt, nämlich dieses hier :

    „Am 1. Januar übernimmt Deutschland als sogenannte Rahmennation erneut die Führung der damit verbundenen schnellen Eingreiftruppe.“

    Ich könnte mir vorstellen, dass aus den Kräften heraus, die Deutschland und Russland auseinanderhalten wollen, gerade jetzt, wenn Deutschland führen soll, der Moment günstig erscheint, etwas zu inszenieren, was die Gräben zwischen Mitteleuropa und Russland noch mehr vertiefen soll – vielleicht ein False Flag, der zu einem offenen Konflikt führt. Deshalb ist von den verschlafenen Deutschen nun allerhöchste Wachsamkeit gefordert!
    Schon dreimal ist es in der Vergangenheit gelungen, verheerendste Zwietracht zwischen Deutschland und Russland zu säen. Warum sollten jene Kräfte vor einem vierten Mal zurückschrecken?

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