„Flash-Crash“ an den Börsen: Wie Großinvestoren Kleinanleger über den Tisch ziehen

Von Ernst Wolff.

In der vergangenen Woche ist es an der New Yorker Aktienbörse mehrmals zu sogenannten „Flash-Crashs“ gekommen. Darunter versteht man extreme Kurseinbrüche, die nur wenige Minuten andauern und in deren Folge sich die Kurse zu einem beträchtlichen Teil wieder erholen.

In den Massenmedien werden diese „Flash-Crashs“ oft als nicht vorhersehbare, urplötzlich eintretende Ereignisse dargestellt, die besonders die großen Marktteilnehmer mit ihren riesigen Einsätzen hart treffen.

In Wahrheit ist genau das Gegenteil der Fall: Flash Crashs können von großen Marktteilnehmern wie Hedgefonds und internationalen Großbanken absichtlich herbeigeführt und zur eigenen Gewinnmaximierung genutzt werden. Verlierer des Spiels sind die Kleinanleger.

Das Ganze funktioniert folgendermaßen: Werfen ein oder mehrere Hedgefonds oder Großbanken gleichzeitig große Aktienpakete auf den Markt, dann bricht der Kurs der betreffenden Aktien blitzschnell kräftig ein. Viele Kleinanleger haben zum Schutz vor größeren Verlusten „Stop-Loss-Orders“ platziert, die dazu führen, dass ihre Aktien bei einem bestimmten Kursverlust automatisch verkauft werden. Meistens werden diese Orders bei einem Verlust von fünf Prozent aktiviert.

Hedgefonds-Betreiber müssen also nur dafür sorgen, dass es zu einem Kurssturz von mindestens fünf  Prozent kommt. Dann können sie abwarten, bis eine Verkaufswelle der Kleinanleger mit Stop-Loss-Ordern einsetzt und den Kurs weiter in die Tiefe treibt. Sobald der Kursrückgang dann abebbt, können sie erneut einsteigen und die Kurse so wieder in die Höhe treiben.

Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Der Kurswert einer Aktie liegt bei 100 Euro. Einige Hedgefonds beschließen, ihre Aktienpakete auf den Markt zu werfen, was den Kurs in Sekunden oder Minuten um fünf Prozent einbrechen lässt und bei Kleinanlegern automatisch die Stop-Loss-Orders auslöst.

Diese zweite Verkaufswelle treibt den Kurs um weitere vier Prozent nach unten. Sobald die Talsohle erreicht ist – ein Zeitpunkt, den die Algorechner der Profis sehr genau bestimmen können – steigen die Hedgefonds bei einem Kurs von 91 Euro pro Aktie wieder ein, was den Kurs wieder auf 97 Euro pro Aktie hochtreibt.

Die Hedgefonds haben also, obwohl der Kurs gegenüber dem Ausgangswert um drei Prozent gefallen ist, auf die einzelne Aktie einen Gewinn von 6 Euro gemacht. Kleinanleger mit einer Stop-Loss-Order, die wegen der rasanten Geschwindigkeit der Ereignisse erst nach dem Flash-Crash wieder einsteigen, müssen dagegen einen Verlust von sieben Euro (fünf Euro beim Verkauf, zwei Euro beim erneuten Einstieg bei 97 Euro) hinnehmen.

Das Flash-Crash–Phänomen zeigt nicht nur, wie sehr die Aktienmärkte von den großen Marktteilnehmern manipuliert werden. Es zeigt vor allem ihren zutiefst pervertierten Charakter, denn eigentlich dient das Prinzip der Stop-Loss-Orders, also der Eingrenzung von Verlusten, ja dem Schutz von Kleinanlegern. Mittlerweile aber haben die großen Player im Aktiengeschäft eine solche Marktmacht, dass sie sogar solche Schutzmechanismen zum eigenen Vorteil nutzen und sie dadurch in ihr Gegenteil verkehren können.

Da Flash-Crashs kein neues Phänomen sind und Großinvestoren Kleinanleger in der Vergangenheit bereits mehrfach auf diese Weise um erhebliche Summen erleichtert haben, werfen sie auch ein bezeichnendes Licht auf die vermeintliche „Finanzaufsicht“ sämtlicher Börsen. Bis heute ist weltweit kein Fall bekannt, in dem eine Behörde auch nur den Versuch unternommen hätte, diesem Treiben ein Ende zu bereiten.

Im Grunde wäre es allerdings auch ein aussichtsloses Unterfangen, denn die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die internationale Finanzelite sich auf Grund ihrer Allmacht selbst dort, wo rechtliche Einschränkungen gelten, nicht darum schert und in den Fällen, in denen es tatsächlich zu gerichtlicher Verfolgung kommt, sowohl von der Justiz, als auch von der Politik mit Samthandschuhen angefasst wird.

Ernst Wolff ist freier Journalist und Autor der Bücher „Finanztsunami“ und „Weltmacht IWF“. Die Titel können über unseren KenFM-Buchshop bestellt werden:  https://kenfm.de/buchshop/

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10 Kommentare zu: “„Flash-Crash“ an den Börsen: Wie Großinvestoren Kleinanleger über den Tisch ziehen

  1. Ziemlich seichter Artikel. Diese ganzen Auf-und-Ab-Bewegungen sind die Ausschläge in Märkten, welche volatiler werden.

    Die Ausschläge, welche wir gesehen haben, stammen nicht von irgendwelchen Hedgefonds-Anlagestrategien. Da in den heutigen Märkten mit grossen Hebeln operiert wird, werden Positionen oftmals rasend schnell wieder geschlossen, weil die Deckung fehlt. Wenn Lombardkredite fällig gestellt werden, werden die damit verbundenen Aktien oder Obligationen in grosser Zahl auf den Markt geworfen. Dies verstärkt dann den Abwärtseffekt auf einzelnen Titeln.

    Da eine immer geringere Anzahl Titel den Marktindex bilden, sind die Ausschläge dann entsprechend gross, da viele, auch sehr grosse Anleger, wie Rentenfonds und Versicherungen indexorientiert und damit lemminghaft investieren. Von den grösseren Börsen ist sicher der Schweizer Börsenindex SMI das Paradebeispiel von Konzentration. Er wird zu 61% der Gewichtung durch die drei grossen Firmen Nestlé, Novartis und Roche bestimmt. Der weltweit wichtigste Index der Dow Jones Industrial Average besteht aus 30 Firmen. Die ersten zehn im Index machen 56% des gesamten Indexes aus. Und die ersten drei machen die Hälfte davon als 28% des Gesamtindex aus.

    Die grossen Rentenversicherungen werden die Volatilität zukünftig noch verstärken. Durch den Wegfall von Staatsschuldverschreibungen mit Renditen (der 0%-Zins Politik der Zentralbanken sei Dank) und den rasant steigenden Renditebedürfnissen vor allem der westlichen Rentenversicherungen (die Baby-Boomer gehen in Rente) geht das Auf-und-Ab munter weiter.

    Die Weltwirtschaft wird nicht von irgendwelchen bösen Rothschilds regiert. Sie ist immer konzentrierter und damit anfälliger für Erschütterungen. Es tut ganz gut sich wieder einmal die Resultate von James Glattfelder’s Studien zum Thema Konzentration in Erinnerung zu rufen. Wer nicht viel lesen mag, sondern mehr sehen will schaue sich seinen TED-Talk aus 2012 an (https://www.ted.com/talks/james_b_glattfelder_who_controls_the_world).

    • Glattfelder benutzt unter anderem auch das Bild des Vogelschwarms, wo ein Vogel den Impuls für den gesamten Schwarm setzen kann.
      Ob die Weltwirtschaft nun von Namen wie ‚Rothschild‘ oder ‚Fink‘ regiert wird ist völlig nebensächlich.
      Fakt ist, dass es einige extrem schwerwiegende Attraktoren-Vögel gibt, die den gesamte Schwarm der Welt in Bewegung und in eine bestimmte Richtung versetzen können.
      Wenn z.B. Fink (Blackrock) und Schwarzman (Blackstone) mit ihrem finanziellen Bizeps posen, gerät Bewegung und Spannung in den gesamten restlichen Wirtschaftskörper.
      Da der ‚Rest‘ nur reagiert, wo Fink/Schwarzman PRO-agieren, wissen sie genau, was passieren wird und können so das Schachbrett dominieren, selbst wenn sie nur ein Bauer sind, der sich aber aus eigener Kraft auf eine entscheidende strategische Position begeben kann und dort zu logischen Reaktionen zwingt!

      Volatilität ist bei allen Vögeln sehr beliebt, aber ihr Nutzen ist durch Margen begrenzt.
      Rumflattern wie blöde nützt keinem, es erschöpft nur und führt Richtung Kreislaufkollaps.
      Lahmarschige Flügelschläge führen zum Sinkflug.

      Das Bild der Bullen und Bären ist ein ziemlich dummes Bild.
      Das Flugverhalten des Albatros allein wäre Vorbild.

      Ob die beschriebene Volatilität nun rein technisch begründet ist oder durch gezielte Manipulation et.al. ist auch völlig wurscht.
      Entscheidend ist, was das letztlich für Konsequenzen hat.
      Und hier taucht bei Volatilität letztlich immer ein großer schwerer Donnervogel auf, der ‚Schwarze Schwan‘ als Emergenzgebilde letztlich unberechenbar gemachter Volatilität.

      Guten (Ab)Flug 😉 ….

  2. so schließt sich der Kreislauf der Perpetuum-Mobile-Kleptokratie, also der „Herrschaft der Plünderer“, der „Diebesherrschaft“ von Politik und Kapital.
    Zuerst leisten korrumpierte Politik-Seilschaften und sogenannte private Geschäftsbanken Beihilfe zur Steuerhinterziehung und befördern somit riesige Kapitalabflüsse auf – in Schatzinseln-beheimatete Kapitalsammelstellen wie Blackrock (5,7 Billionen USD), Pimco & Co. Die dann händeringend nach kurzfristiger Rendite für ihr steuerflüchtiges Kapital suchen.

    Als ein gelungenes Beispiel für die Beihilfe durch eine korrumpierte Politik ist hier die Hessen-CDU unter MP Koch zu nennen, die vier Steuerfahnder wie z.B. Rudolf Schmenger zwangspsychiatrisieren ließ, um sie aus dem Verkehr zu ziehen. Warum? Weil sie frankfurter Banken prüften und diese bei der Steuerfluchtbeihife erwischten.

    Beihilfe leisteten dann auch untertänige Psychiater wie der frankfurter Thomas H., der als medizinischer Gutachter, 2006 den Steuerfahndern eine „paranoid querulatorische Entwicklung“ bescheinigte. Warum? Weil die Finanzbeamten des Finanzamtes Frankfurt ihrer Arbeit unbeirrt nachgingen und Banken weiterhin prüften, anstatt die von CDU-Koch beschlossenen Erlass zu folgen und die Arbeit sofort einzustellen.

    Quasi ein Finanzkapital-politisch-medizinischer Komplex, – das demokratische Pendant zum Militärisch – Industriellen – Komplexes der USA.

    Bis 2012 ließe sich in Teamarbeit mit sogenannten Rating-Agenturen (S&P, Moodys, Fitch) und sogenannten steuerflüchtigen privaten Kapitalmärkten bis zur Nullzinsphase noch kurzfristige Rendite aus notleidenden Staaten wie z.B. Griechenland und Co. herauspressen.
    Nun erledigt sich das Rendite-Finanzgeschäft der Kleptokraten von selbst, Insiderhandel im Börsengeschäft war gestern. Heute braucht man nur genügend sogenanntes Buchgeld in rauen Mengen, vielleicht sogar durch sogenannte „Schattenbanken“ zu 100% noch selbst geschöpft.

    Wie wäre es, Blackrock-Aktien zu erwerben, um die Anleger-Sitzungen für die Allgemeinheit transparenter zu machen ?

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/psychiater-muss-steuerfahndern-in-hessen-schadensersatz-zahlen-a-994523.html

    Störsender-TV _
    https://www.youtube.com/watch?v=jMoHQy-CPwI

    • Soweit ich weiß, fehlt dem „Normalbürger“ das nötige Kleingeld um bei Blackrock überhaupt als Anleger akzeptiert zu werden.
      Als kleiner Verweis auf die politischen Verquickungen: wer ist strammer Transatlantiker, kommt aus der CDU und ist jetzt Chef von Blackrock Deutschland? Friedrich Merz, und so schließt sich der Kreis.

    • Wieso verhindern?
      Wer sich auf ein Spiel mit dem Teufel einlässt, darf sich nicht wundern, wenns heiß wird unter den Füßen.

      Wer nach 1929, DotComBlase, Telekom-Aktie und 2008Crash immernoch Vertrauen in Aktien und Banken hat und glaubt, Geld würde arbeiten, dem ist doch eh nicht zu helfen.

    • Exakt DAS ist die gedankliche Utopie, die den Laden am Laufen hält- und zwar trotz Regelkonformität.
      Regeln sollen regeln.
      Die BaFin soll also den Finanzmarkt regeln mit Erlassen, Gesetzen etc. dazu.
      Nun existieren weit über 60.000 Gesetze zum Thema Steuerrecht und trotzdem ist es gerade mal NULL Problem für windig-kundige Steuerflüchtlinge exakt diese 60.000 Gesetze zum Thema zur Makulatur zu degradieren.
      Rechtsregelungen erschaffen immer nur eine Pseudosicherheit, eine Scheinkontrolle.
      Kontrolliert etwa der Staat über den Erlass seiner Gesetze die Kriminalität oder auch nur deren Quote?
      Mit absoluter Sicherheit nicht.
      Die BaFin et.al. sind reine Augenwischerei bzw. der verzweifelte Versuch einiger dem Bürger diese Einrichtungen als ‚Ritter des Rechts‘ zu verkaufen, dieihren Fehdehandschuh für den armen Steuerdeppen in den Ring werfen, nur um sich nach Scheingefechten geschlagen geben zu müssen, weil sie da alleine in ihrer selbst erschaffenen Manege stehen und sich verwundert die Äuglein reiben, weil ihre Gegner gar nicht erst erscheinen, weil sie dazu gar keine Zeit haben, denn sie studieren derweil das Regelwerk, um seine Lücken zu erkennen und zu nutzen.
      Ein Regelwerk ohne Lücken gibt es nämlich nicht, dank allgegenwärtiger Ambivalenz z.B….

    • Nick Mott,

      das sehe ich anders. Ohne Regeln klappt menschliches Zusammenleben ab einer bestimmten Größe der Gruppe aus meiner Sicht nicht. Allerdings kommt es natürlich darauf an, wer die Gesetze schreibt, was dementsprechend der Inhalt ist und wie ernsthaft gegen Verstöße vorgegangen wird. Natürlich könnte man „Steueroasen“ morgen trockenlegen, wenn man denn wollte, könnte man solange weitere Steuerfahnder einstellen, bis man den Break-Even erreicht hat – und ein weiterer Steuerfahnder keinen zusätzlichen Nettogewinn (zusätzliche Steuern minus Gehalt) mehr bringt, etc.

      Das will unsere wahre Regierung aber natürlich nicht, das Großkapital.

      Zum Thema Kriminalität: Ich denke, diese gedeiht v.a. wenn große Vermögensungleichheit in einer Gesellschaft vorherrscht und viele Arme aus Perspektivlosigkeit „auf die schiefe Bahn geraten“. Mit Gesetzen hat das tatsächlich weniger zu tun.

    • Das die Massenmedien diese „Flash-Crashs“ als nicht vorhersehbare, urplötzlich eintretende Ereignisse sehen, ist ja sicher nicht ganz falsch. Die Medien berichten ja über das Geschehene und nicht was in Zukunft passieren wird.
      Wer weis schon, wann Hedgefonds und internationalen Großbanken „zuschlagen“?
      Die Verlierer sind ja auch nicht mit Name und Adresse bekannt.
      Eins ist sicher, den Letzten beißen die Hunde.
      An der Börse sieht man ja auch ein bestimmtes „Rudelverhalten“, was den Kauf und den Verkauf von bestimmten Papieren betrifft.
      Kann man denn Absprachen der Akteure in speziell diesem Fall nachweisen?
      Ich glaube es ist nicht an dem.
      Sonst könnte man auch dagegen was machen., womit ich nicht bezweifle, das Absprachen getroffen werden.
      Das ist aber kein typisches Verhalten von Akteuren der Börse.
      Wenn man sich mal auf den Seiten des Bundeskartellamtes umschaut, kann man erahnen, was Absprachen alles so anrichten.
      Wer davon den Schaden hat, ist ja wohl auch nicht strittig.
      Auch ein Blick auf den Steuerskandal um sogenannte Cum-Ex-Geschäfte sollte Jedem die Augen öffnen.

    • **“Ist das aber schon ein Crash?“**

      Nein, das war kein Crash. Das war ein Kursrückgang, eine Konsolidierung. Ein völlig normaler Vorgang nach zuvor in kurzer Zeit stark gestiegenem Dax-Wert.

      Zu früherer Zeit – also zu zeiten wo ALLES besser war – gab es diese exorbitante Volatilität nicht. Da ging alles ruhiger, gemütlicher, aber eben auch „langweiliger“ ab. Solch gigantische Gewinne mit geringem Einsatz, waren in so kurzer Zeit nicht möglich. Außer eben bei einem Crash.

      Einen Crash erkennt man an Einigkeit. Wenn sich also fast alle „Börsenexperten“ und Börsenlaien einig sind, das ein Crash vorliegt. Der einzelne Anleger und Spekulant erkennt ein Crash am Cash. Wenn das stark abnimmt, nimmt er sich das Leben, oder ver4sucht die Verluste wieder reinzuholen, oder verabschiedet sich von der Börse und zieht in den Wald – so einfach ist das.

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