BLVD 10.0 – Florian Kirner im Gespräch mit Ken Jebsen („Leichter als Luft“)

Was haben der Angriff auf Pearl Habor am 7. Dezember 1941, der Tonkin-Zwischenfall am 4. August 1964 und der Anschlag in New York am 11. September 2001 gemeinsam?

Die jeweiligen Ereignisse wurden immer als Rechtfertigung für einen Krieg benutzt und haben den Lauf der Geschichte nachhaltig verändert.

Zudem umweht die „Anschläge“ das, was man monströse Zweifel nennen könnte. Entspricht die jeweils offizielle von der Regierung verkündete Erklärung tatsächlich der Wahrheit oder aber handelt es sich um eine frisierte Version der tatsächlichen Ereignisse?

Zum Tonkin-Zwischenfall wurde die Lüge bereits aufgedeckt!

Was den 11. September 2001 angeht, ist seit einigen Tagen auch klar, dass die offizielle Version so nicht stimmen kann. Der rauchende Colt ist in diesem Fall das WTC 7. Ohne von einem Flugzeug getroffen worden zu sein, stürzte dieses 187 Meter hohe dritte Gebäude damals innerhalb von nur sieben Sekunden im freien Fall über der eigenen Grundfläche zusammen. Offiziell wurde Feuer als Ursache angegeben.

Seit dem 3. September 2019 wissen wir, dass Feuer das WTC 7 nicht zum Einsturz brachte. Nach einer vierjährigen Untersuchung kommt die Universität Alaska Fairbanks in einem 114 Seiten starken Bericht jetzt zum wissenschaftlich belegten Nachweis, dass Feuer das gleichzeitige Versagen der 81 Stahlsäulen von WTC 7 nicht verursacht haben konnte. Da WTC 7 nahezu symmetrisch einstürzte, kommt nur noch eine kontrollierte Sprengung als Erklärung in Frage. Und wie reagieren die Massen-Medien auf diesen Supergau? Gar nicht. Was nicht sein darf, muss totgeschwiegen werden. Amüsant und erschrecken zugleich, denn damit ist klar, die Massen-Medien sind mehr als nur Teil des Vertuschungs-Apparates. Wir müssen sie als Komplizen der Täter erkennen.

Wie umgehen mit dieser Erkenntnis?

Der Historiker, Musiker und Aktivist Florian Kirner entschloss sich, die Ereignisse des 11. September 2001 in einem kafkaesken Roman zu verarbeiten. „Leichter als Luft“ startet in Berlin. Eine Handvoll junger Männer hat sich Stunden vor dem Anschlag entschlossen, mit synthetischen Drogen auf einen Megatrip zu begeben. Berlin als Techno-Hochburg ist dafür die perfekte Umgebung. Doch irgendwie scheinen die Substanzen nicht richtig zu funzen. Als man bereits davon ausgeht, vom Dealer seines Vertrauens verarscht worden zu sein und enttäuscht die Glotze anmacht, scheint der Stoff dann doch noch zu wirken. Jetzt aber richtig. Auf allen Kanälen plötzlich Armageddon. Zwei Wolkenkratzer in Manhattan krachen immer und immer wieder in sich zusammen, nachdem sie zuvor von Passagiermaschinen gerammt wurden. Was für Substanzen hatte man sich da eingepfiffen? Egal welchen Kanal man einschaltete, immer dieselben Bilder und das über Stunden. Ein Dauerloop aus zerbröselnden Immobilien, Menschen, die in die Tiefe sprangen und überall dichte Asche. Jetzt hieß es durchhalten bis der Höllen-Trip vorbei war….

Florian Kirner gelingt mit „Leichter als Luft“ eine brillante Geschichte, die den 11. September 2001 nutzt, um das Berlin der damaligen Zeit zu beschreiben. Die Stadt ist der größte Spielplatz Europas. Eine Art „Wilder Westen“ im Osten. Es herrscht Goldgräberstimmung. Doch die Realität holt alle Beteiligten schneller ein als ihnen recht ist. Während die einen noch im Dauer-Techno-Rausch davon ausgehen, die Party würde nie enden, wittern die anderen das große Geschäft und kaufen ganze Straßenzüge, um die Hauptstadt wenig später mit steigenden Mieten abzumelken wie eine dumme Kuh. Damn!

Geld und Gier ersetzen im Zeitraffer Glamour und Go-Go-Partys.

Florian Kirner hantiert in seinem Debütroman mit einer Sprache, die er wie ein hauchdünnes Florett einsetzt. Er stichelt und sticht und versorgt die dabei entstehenden Wunden seiner Protagonisten mit einem Sprühnebel aus Acid und Spott. Was übrigbleibt ist ein angeätztes Bild, das vor allem dadurch besticht, dass es authentisch ist. Kirner war damals wirklich Teil dieses Berlins und das spürt man in jeder Zeile des Romans, der autobiografische Züge trägt. Berlin war damals ein über Jahre andauernder Rausch aus Utopie, Naivität und Gier. Dieser Rausch endete, als die Konsequenzen des 11. Septembers auch in Berlins letztem illegalen Club nicht mehr durch Chemie, Stroboskop und Dezibel unsichtbar werden konnten.

Florian Kirner hat mit „Leichter als Luft“ einen literarischen Volltreffer gelandet. Er hat allen Grund sich als jemand, der bisher Zero Erfahrung mit dem Schreiben von Romane hatte, über einen möglichen Blockbuster zu freuen.

Mit ein wenig Glück wird der Roman international verfilmt, sodass sich Kirner schon übermorgen in Manhattan eine Immobilie leisten könnte. Die Einweihung des Penthouses wäre in jedem Fall am 11. September.

Inhaltsübersicht:

00:00:20 Einführung in den Roman “Leichter als Luft”

00:09:35 Die Entwicklungsgeschichte des Romans

00:19:24 Der autobiographische Teil und die Selbstfindung des Autors

00:30:19 Das Motiv und die politische Entwicklung des Autors

00:44:30 Das Schloss – Kirners Heimatsuche

01:00:29 Die Entstehung des Romans

01:08:59 Kirners Sichtweise auf die politische Entwicklung Deutschlands und der Welt

01:32:01 Wie es mit Prinz Chaos weiter geht

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20 Kommentare zu: “BLVD 10.0 – Florian Kirner im Gespräch mit Ken Jebsen („Leichter als Luft“)

  1. Vielleicht schafft es BLVD „Faber“ vor die Kamera zu bekommen. Ebenfalls ein Künstler aus der Schweiz. Extrem bissige Texte und es gibt auch das ein oder andere Interview in denen er deutlich macht was er von Künstlern hält, die nicht politisch sind oder sich entsprechend dazu äußern.

  2. Sehr gutes Gespräch! Ich hätte Lust, das Buch zu lesen! Leider gibt es im Westend-Verlag kein zuverlässiges Lektorat, jedenfalls nicht, was Rechtschreibung, Syntax, Grammatik angeht, was mich schon oft geärgert hat, denn der Lesefluss, geschweige denn ein Lesevergnügen werden dadurch stark eingeschränkt. Das Übelste bisher war wohl die von Google oder sonstwelcher Übersetzungssoftware unverändert übernommene Übersetzung des Beitrags von Caitlin Johnstone in Bröckers‘ „Freiheit für Julian Assange“. Wenn man die typischen Formulierungen im Amerikanischen nicht kennt und daher den Wort für Wort übersetzten deutschen Text nicht rückübersetzen kann, dann werden viele Formulierungen tatsächlich unverständlich.
    Deshalb die Frage: Gab es vor der Drucklegung von Kirners Roman ein gewissenhaftes Lektorat? Bei Sachtexten ist die Schlamperei bereits sehr schwer zu ertragen, aber einen Roman möchte ich so nicht lesen!

  3. Herr Kirner ist für mich immer wieder so inspirierend und ich habe selten Menschen genießen dürfen, die sich derart ihrer Widersprüchlichkeit bewusst sind und das nicht als Laster sondern als Chance und Wohltat begreifen. an der man reifen kann.
    Aus dem einstig linksradikalen (Selbsteinschätzung seitens Kirner) blitzt jetzt immer wieder der „Spießer“,. der „Konservative“ hervor, ohne dabei seine Grundüberzeugungen zu verlieren. Das Ganze unterfüttert vom kreativen, vom künstlerischen Impetus.
    Sagenhaft. Ihn treibt an, was uns alle antreiben sollte: Der unbedingte systemkritische Wille, an nachhaltiger Veränderung derzeitiger Machtverhältnisse zu arbeiten um einen univiersellen Frieden weltweit erreichen zu können.
    Weg von Ausbeutung, Unterwerfung und martialischem Freibeutertum mit staatlichem Anstrich.
    Zu Wissen, dass dieser Kampf mitunter ein Kampf gegen Windmühlen ist, in aber morgen wieder aufzunehmen, wenn er gestern und heute noch aussichtslos war.

  4. Natürlich! Jetzt wo KENFM auf Regenbogen- Diversity- Parteilinie gegangen ist, darf ein entsprechendes Lobby- Mitglied nicht fehlen um uns das Gehirn zu waschen. Da kann ich auch gleich die von der selben Lobby unterwanderten öffentlich- rechtlichen schauen. Nein, danke!

    • Ken wurde zwischenzeitlich vom linken Spektrum extrem angefeindet und wird es teilweise immer noch. Das hat ihn immer gewurmt, weil er sich doch als Friedensaktivist und nicht als Querfrontler sieht. Dem hat er gegengesteuert, indem er mehr und mehr versucht hat, seinem Wirken einen linken Anstrich zu verpassen.
      Kirner war allerdings für mich unverdächtig, nur zu Jebsen zu kommen, wenn er sich ausreichend verlinkst (sic!).

    • @Tootie Links? Hier geht es um das „links- sein“? Ich wüsste nicht was Marx und Diversity gemeinsam hätten. Links ist nicht gleich links. Und sollte links Diversity bedeuten, dann sollten die Zeiten von „links“ vorbei sein. Und, im analogen Fall, auch von rechts“.

    • Zitat Dionysios : „darf ein entsprechendes Lobby- Mitglied nicht fehlen um uns das Gehirn zu waschen.“

      Den Roman habe ich zwar noch nicht gelesen aber in den Gesprächen mit Kirner, die ich verfolgt habe, ist er mir jetzt überhaupt nicht als aufdringlich oder dogmatisch aufgefallen. Wer nicht vor Behörden kuscht hat aber grundsätzlich einen Bonus bei mir. Behörden muss man kontrollieren und wo nicht sauber gearbeitet wird immer kritisieren! Das gilt für die kommunale Verwaltung, die zu Unzeiten Bäume fällen lässt genauso wie für Hokeystick-Betrüger im IPCC!

    • Es gibt doch bestimmt genügend Einfalts-Seiten mit ewig vorvorgestrigen Ideologien, die dir besser gefallen. Warum tust du dir das hier an, wenn du es für Hirnwäsche hältst? „Nein danke“? Mal sehen, ob du das durchziehst.

      Schon alleine Kirners Ansichten über 9/11 sollten eigentlich klarmachen, dass es sich um keine „Parteilinie“ handelt, oder welche Partei sollte das sein? Vielleicht bist du zu sehr auf AfD-Parteilinie und kannst schon lange nicht mehr unabhängig denken? Oder wer ist für die Hirnwäsche bei dir verantwortlich? Oder leidest du einfach nur unter Homophobie, was ich ja für sehr wahrscheinlich halte? Dann sei dir gewiss, dass KenFM auch künftig keine Rücksicht darauf nehmen wird, denn die Zielgruppe bleibt ja bekanntlich der Mensch, und der Mensch ist nunmal sehr vielfältig und divers. Zu dieser Art gehören auch Individuen, die das nicht in den Schädel kriegen. Du bist auch Teil der Zielgruppe, aber zwingen tut dich niemand,so weit ich es beurteilen kann.

    • @Corax
      Eine Ansammlung von undifferenzierten, nicht intelligenten Oberflächlichkeiten.
      1: Homophobie: Keine Angsterkrankung, sondern Bezeichnung für Schwulen- und/oder Lesbenfeindlichkeit. Ich leide keinesfalls. So wie es auch immer noch ca die Hälfte der deutschen Bevölkerung, der nichtwestliche Rest der Welt. Übringens hat die Welt seit Jahrtausenden noch nie daran gelitten und das tut der nichtwestliche Teil der Welt auch heute nicht mal ansatzweise. Leiden tun nur sie. Und zwar an blindem Gehorsam für eine Propaganda, die gerade mal ein Paar Jahrzehnte geht und sich beiweitem nicht in der tatsächlichen Meinung der praktisch gesamten Bevölkerung widerspiegelt.
      2. AfD? Ich kenne die AfD nicht mal wirklich. Oberflächlich. Vorurteilhaft.
      3. 9/11? Für die „Pateilinie“ ist es irrelevant, wie darüber gedacht wird. Oberflächlich. Vorurteilhaft.
      4. Der Mensch ist divers? Aha. Erst seit ungefähr einem Jahr dann, bloß weil einem damit das Gehirn gewaschen wird. Hunderttausende von Jahren sprechen dagegen. Oberflächlich. Vorurteilhaft.
      5. Gehirnwäsche bei mir? Nichts deutet auf Gehirnwäsche bei mir hin, denn es gibt keine groß angelegte Propaganda für meine Einstellungen. Oberflächlich. Voruteilhaft.
      Und, und, und….. lassen Sie es einfach. Sie sind nicht in der Lage auch nur ansatzweise intellektuell hochwertig zu argumentieren.

    • „So wie es auch immer noch ca die Hälfte der deutschen Bevölkerung, der nichtwestliche Rest der Welt. Übringens hat die Welt seit Jahrtausenden noch nie daran gelitten und das tut der nichtwestliche Teil der Welt auch heute nicht mal ansatzweise. Leiden tun nur sie. Und zwar an blindem Gehorsam für eine Propaganda, die gerade mal ein Paar Jahrzehnte geht und sich beiweitem nicht in der tatsächlichen Meinung der praktisch gesamten Bevölkerung widerspiegelt.“

      Hat das irgendjemand verstanden? Ich nicht. Entsprechend wirr ist auch der Rest.

      „Der Mensch ist divers? Aha. Erst seit ungefähr einem Jahr dann, bloß weil einem damit das Gehirn gewaschen wird. Hunderttausende von Jahren sprechen dagegen. Oberflächlich. Vorurteilhaft.“

      Hä? Ich fürchte, eine Diskussion ist hier nicht möglich. Ich hätte es wissen müssen – mein Fehler.

  5. Florian ist eine bunte Gestalt. Nicht abgehoben, selbstkritisch mit einer gesunden Portion an Selbstironie und Zivilcourage. Ein Mensch mit Humor (wenn jemand weiß, was Humor wirklich bedeutet, der weiß auch was ich meine). Interessantes Gespräch, nicht nur autobiografisch, weil viele andere Themen tangierend.

    Nebenbei ein weiterer Beweis für mich, dass Linke immer aus einem humanistischen und intelligenten Lager kommen (wie die Entwicklung dann weitergeht, steht auf einem anderen Blatt – vielleicht Palmblatt). Bei den Rechten fehlt mir nahezu immer der Tiefblick und genauso selten der humanistische Gedanke.
    Grundsätzlich finde ich farbige Individualisten ganz Klasse und sehr bereichernd (manchmal sind sie der Impuls für die eigene Öffnung in Richtung „Aus-Sich-Herauskommen“), natürlich nur dann, wenn sie diese Art der eigenen Persönlichkeit auch wirklich leben und nicht so tun als ob, um originell zu wirken.

    Ich bin fest davon überzeugt, dass jeder von uns diese Charakterfarbenvielfalt besitzt, nur eben wenige sie nach außen in die Welt (frei)lassen und sichtbar machen können/wollen.

    • Zitat Adam: „Nebenbei ein weiterer Beweis für mich, dass Linke immer aus einem humanistischen und intelligenten Lager kommen (wie die Entwicklung dann weitergeht, steht auf einem anderen Blatt – vielleicht Palmblatt). Bei den Rechten fehlt mir nahezu immer der Tiefblick und genauso selten der humanistische Gedanke.“

      Links und rechts wovon? Was ist in der Mitte? Der angelsächsische Kapitalismus? Der Zionismus? Die NATO?

    • @Moritz Engeler
      Es war/ist eine spontane Reaktion bei der zurzeit herrschenden Aufteilung/Spaltung der (auch politischen) Gesellschaft. Nicht weniger aber auch nicht mehr.

    • Zitat Adam: „Es war/ist eine spontane Reaktion bei der zurzeit herrschenden Aufteilung/Spaltung der (auch politischen) Gesellschaft.“

      Weil Florian das Thema ja in Bezug auf Willy Wimmer zur Sprache bringt, musste ich einfach nachfragen. Wenn man sich sogar freiwillig immer in den von den Mainstreammedienkonzernen vorgegebenen Denkschablonen bewegt, dürfte es natürlich extrem schwierig werden darüber hinaus zu denken 😉

      Der Klimawandelismus, der letztlich die Nutzung von Methan im Visier hat, hat übrigens mit Ökologie ungefähr gleich viel am Hut wie der Sowjetkommunismus mit sozialer Gerechtigkeit.

    • @Moritz
      Naja, es sind meine persönlichen Denkschablonen (die ausnahmslos jeder von uns hat – natürlich jeder mit anderen Perspektiven bzw. Dimensionen) und nicht die der Mainstreammedien-Jauche.

      Was die Debatte/Streit/Diskussionen/Hatespeach zum Thema Klima/Umwelt betrifft, so halte ich mich insofern dezent zurück, als dass ich von der wissenschaftlichen Seite her schlicht nicht das erforderliche Wissen und gleichzeitig nicht das Vertrauen zu den sogenannten Experten (aus welchem Lager auch immer) habe. Hier reicht mir absolut sowohl mein gesunder Menschenverstand als auch meine Beobachtungsgabe gepaart mit der daraus resultierenden Analysefähigkeit 😊

    • Moritz Engeler,

      stand mittlerweile oft genug online, da kann einmal mehr nicht schaden. Nicht wahr? Also:

      28. Pleisweiler Gespräch mit Professor Mausfeld – 22. Oktober 2017
      Wie sich die „verwirrte Herde“ auf Kurs halten lässt: Neue Wege der „Stabilitätssicherung“ im autoritären Neoliberalismus

      Und dazu gehört ein ganz wichtiges Mittel: „Die Mitte“. Die „Mitte“ ist etwas ganz Tolles, heute sind alle in der Mitte. Das gehört wieder zum neoliberalen Falschwörterbuch, weil hier ein Begriff neu besetzt worden ist, denn „Mitte“ ist für uns alle etwas ganz Tolles.
      ‚Mitte‘ suggeriert Harmonie, Ausgeglichenheit, vielleicht auch Geborgensein, ‚Mitte‘ ist ein ganz positives Gefühl, weil wir ungerne zu den Extremen gehören wollen. Der Neoliberalismus hat diesen Mittebegriff neu besetzt, indem jetzt eigentlich mit „Mitte“ eine extremistische Position bezeichnet wird. Nämlich die extremistische Position eines Kampfes gegen Demokratie. Und die „Mitte“ ist sogar eine extrem fundamentalistische Position, weil sie einen Ausschließlichkeitsanspruch hat: Es kann keine Alternativen mehr geben. Die „Mitte“ ist eine extrem fundamentalistische Position mit einem Ausschließlichkeitsanspruch, übt aber auf uns eine gewisse Faszination aus.

      Wir gehen diesem Wort immer wieder auf den Leim. Und Sie sehen, wie häufig dieses Wort als Attraktionsmittel in der politischen Rhetorik verwandt wird, und zwar immer im Kontext auch des neoliberalen Programmes.

      Tony Blair: „a radical centre in which you are able to take decisions fort he future of the country“

      Gerhard Schröder 1998: „Es gibt keine linke oder rechte Wirtschaftspolitik, sondern nur eine gute oder schlechte Wirtschaftspolitik.“

      Emmanuel Macron 2017: „ni droite, ni gauche“ (weder rechts, noch links)

      Faschismus: „weder links noch rechts“

      Die „radikale Mitte“ – auch eine interessante Wortschöpfung. – Es gibt gar keine Interessengegensätze mehr. Es gibt keine Interessengegensätze zwischen Unternehmer und Lohnabhängigem mehr. Es geht nur noch um ‚Vernunft‘, es geht nur noch darum, ‚rational‘ die besten Lösungsansätze zu finden. Es hat auch keinen Sinn mehr, gegen irgend etwas zu kämpfen, es geht nur darum, die ‚beste‘ Lösung zu finden, denn letztlich sitzen natürlich Unternehmer und Lohnabhängige im gleichen Boot, haben die gleichen Interessen, nämlich: die ‚besten‘ Lösungen zu finden. ‚Letztlich ziehen wir doch alle am selben Strang‘ – das ist die Ideologie, was ja irgendwie auch richtig ist, nur eben an unterschiedlichen Enden.
      Interessanter ist hier noch der Punkt – das finden Sie heute ganz häufig -, dass jemand sagt: „ich bin weder rechts noch links“. „Links“, das heißt ja eigentlich für eine gerechte Verteilung und eine solidarische Gesellschaft – und „rechts“ heißt, nicht für eine gerechte Verteilung. Jemand, der weder rechts noch links ist, kann sich eigentlich nur damit noch retten, dass er sagt: „Naja, ich bin völlig apathisch!“

      Ach, es steht ja noch was Wichtiges drin:

      Ein anderes Prinzip ist Demokratie. Demokratie war nicht nur Selbstweck. Sie war einerseits Selbstzweck, als etwas, das zur Erfüllung des Menschseins gehört, über sein eigenes soziales Schicksal mitbestimmen zu können. Aber es gab auch einen pragmatischen Aspekt, nämlich die Hoffnung: in dem Moment, wo Menschen darüber beschließen, welche Handlungen sie kollektiv ausführen – und damit meint man insbesondere Krieg – würden bestimmte Handlungen nicht mehr stattfinden. Ein berühmtes Beispiel dazu ist die Kantsche Schrift vom ewigen Frieden, dass Kant sagt, in dem Moment, wo wir eine echte Demokratie haben und die Menschen darüber beschließen können, welche Gräueltaten, von denen sie selbst auch betroffen sind, durchgeführt werden, wird es keinen Krieg mehr geben oder zumindest die Wahrscheinlichkeit sehr reduziert sein. Demokratie war also auch immer ein pragmatisches Prinzip, um uns vor bestimmten Entwicklungen zu schützen, in denen man in der Geschichte viele Erfahrungen gemacht hat. Dazu gehören:

      – Alle Machtstrukturen haben ihre Existenzberechtigung nachzuweisen und sich der Öffentlichkeit gegenüber zu rechtfertigen. Wenn sie das nicht können, sind sie illegitime Machtstrukturen, und somit zu beseitigen.

      – Jeder Bürger soll einen angemessenen Anteil an allen Entscheidungen haben, die das eigene gesellschaftliche Leben betreffen.

      – Zentrale Bereiche einer Gesellschaft, insbesondere die Wirtschaft, dürfen nicht von einer demokratischen Legitimation und Kontrolle ausgeklammert werden.
      https://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/171022-Mausfeld_Transkript_Landau_NDS.pdf

      Also das waren jetzt z.B. linke Vorstellungen von einer Gesellschaft. Im Gegensatz zur „Mitte“ rechts Koalition:

      Hr. Mausfeld: Also die interessante Frage wäre jetzt herauszufinden, wenn man mal sagt, das Hardcore-rassistische Potential einer Gesellschaft sind vielleicht fünf Prozent, zehn Prozent. Die vielleicht immer da sind, weil in allen Lebensbedingungen etwas nicht gepaßt hat und die Ehe ging auseinander oder es passierte sonst etwas. Das kann sich dann durch solche Ressentiments entladen. Aber wenn das auf zwanzig Prozent geht, muß man sich fragen, welche Bedingungen haben eigentlich dazu geführt daß es dazu gekommen ist.

      Und der Neoliberalismus war eine ganz starke Quelle, durch die Entleerung des politischen Raumes (…) Neoliberalismus und Rechtspopulismus, die beiden hängen eigentlich direkt aneinander. Der Neoliberalismus ist eine der Hauptursachen, nicht des rassistischen Korkpotentials von fünf Prozent, aber daß das angestiegen ist, ist eine Folge des Neoliberalismus.

      Fr. Kosubek: Wenn sie jetzt gerade das Potential der rechtspopulistischen Partei erwähnen, hier nicht nur in Deutschland. Es gibt ja einfach Leute die rechtskonservativ, rechtsnational sind. Gibt es da etwas auszusetzen? Gehört das nicht auch quasi in den demokratischen Diskurs oder in die Repräsentanz, sozusagen?

      Hr. Mausfeld: Also das Rechts im Sinne … alle Kategorien stammen aus der Zeit der Aufklärung, Liberalismus, Sozialismus, Konservatismus, waren alles Dinge die zu der Zeit entstanden sind.
      Und rechts und konservativ heißt eigentlich, den Status quo bewahren, auch den Politischen. Die waren eben für Monarchie, für die Herrschaft der Kirche, für all so etwas. Insofern ist irgend eine Art dieser Zweiteilung in jeder Gesellschaft da. Ein Teil setzt auf eine emanzipatorische Weiterentwicklung einer Gesellschaft. Das waren dann die die sich links nannten. Und ein Teil setzt auf die Bewahrung des Vorhandenen.

      Jetzt kommt ’ne andere Dimension, die liegt eigentlich quer dazu, das ist die, die rassistisch ist, also die sozusagen sagt, „es gibt Menschen mit einer grundsätzlich höheren Wertigkeit. Die Grenzen sind natürlich immer fließend, weil der Konservatismus natürlich immer eng mit dem Nationalismus verbunden war. Weil er sagt, meine Nation hat natürlich eine andere Wertigkeit als andere Nationen … aber sie zielen darauf (gewandt an Frau Kosubek) daß sie sagen das gehört eigentlich in eine lebendige Demokratie … gehört ein Spektrum von Perspektiven. Wir betonen immer Heterogenität und Pluralität. Damit müssen wir klarkommen. Es gehört auch dazu, daß Leute ihre Meinung sagen, die ich abstoßend finde. Das muß ich in einer Demokratie hinnehmen und muß mich damit auseinandersetzen.

      Gleichzeitig kann natürlich eine Demokratie auch sagen, wir als Vergemeinschaftung von Herrschaft, die wir uns unsere Gesetze und unsere Institutionen mit bewußtem Willen gegeben haben, wir möchten bestimmte Dinge … sei es aufgrund von historischen Erfahrungen … wir möchten bestimmte Dinge nicht, weil wir sagen, da wird es unmenschlich, das führt zu Zivilisationsbrüchen. Rassismus ist sicherlich etwas, was gerade in der deutschen Geschichte zu Zivilisationsbrüchen führt. So daß eine Gesellschaft sich sagen kann. Nein, einen rassistischen Diskurs möchten wir nicht im politischen Raum.

      Nur sieht man auch da wieder wie schnell die Verlogenheit dieses Arguments deutlich wird, wenn sie sich Äußerungen … könnte man auch stundenlang anführen, von Politikern … Stoiber beispielsweise mit seiner Warnung vor einer durchmischten und durchrassten Gesellschaft. Merz im Jahre zweitausend mit der Leitkulturdebatte. Das ist Kulturrassismus. Das heißt wir haben ganz viele Arten von rassistischen Ressentiments die in der Politik erlaubt sind. Die nur sehr verborgen sind und auch interessanterweise oder auch nicht interessanterweise auch nicht thematisiert werden. Schäubles Äußerungen über Flüchtlinge in den 90er Jahren. Das war auch eine Art von Rassismus. Und wir haben natürlich einen Klassenrassismus. Wir haben eine Verachtung der Armen. Auch das ist eine Art von Kulturrassismus. Wir haben einen Klassenrassismus, wo wir den Armen sozusagen die Schuld für ihre Situation selber zuschreiben.

      Aus: Rainer Mausfeld zu den „Gelbwesten“, Neoliberalismus, Migration und Elitendemokratie (ab etwa Stunde eins)

    • Zitat Adam: „als dass ich von der wissenschaftlichen Seite her schlicht nicht das erforderliche Wissen und gleichzeitig nicht das Vertrauen zu den sogenannten Experten (aus welchem Lager auch immer) habe.“

      So bald Ihnen die Diskrepanz zwischen dem IPCC Basisbericht und dem „Summary for Policymakers“ auffällt und Sie nur ein bisschen eine Ahnung von Geostrategie haben, reicht tatsächlich relativ wenig Analysefähigkeit, zu erkennen, wozu CO2 von den Konzernmedien und den Geldgebern dahinter missbraucht wird.

    • Zitat Box: “ Aber es gab auch einen pragmatischen Aspekt, nämlich die Hoffnung: in dem Moment, wo Menschen darüber beschließen, welche Handlungen sie kollektiv ausführen – und damit meint man insbesondere Krieg – würden bestimmte Handlungen nicht mehr stattfinden. Ein berühmtes Beispiel dazu ist die Kantsche Schrift vom ewigen Frieden, dass Kant sagt, in dem Moment, wo wir eine echte Demokratie haben und die Menschen darüber beschließen können, welche Gräueltaten, von denen sie selbst auch betroffen sind, durchgeführt werden, wird es keinen Krieg mehr geben oder zumindest die Wahrscheinlichkeit sehr reduziert sein. Demokratie war also auch immer ein pragmatisches Prinzip, um uns vor bestimmten Entwicklungen zu schützen, in denen man in der Geschichte viele Erfahrungen gemacht hat. Dazu gehören:

      – Alle Machtstrukturen haben ihre Existenzberechtigung nachzuweisen und sich der Öffentlichkeit gegenüber zu rechtfertigen. Wenn sie das nicht können, sind sie illegitime Machtstrukturen, und somit zu beseitigen.

      – Jeder Bürger soll einen angemessenen Anteil an allen Entscheidungen haben, die das eigene gesellschaftliche Leben betreffen.

      – Zentrale Bereiche einer Gesellschaft, insbesondere die Wirtschaft, dürfen nicht von einer demokratischen Legitimation und Kontrolle ausgeklammert werden.“

      Aus dem zitierten Bereich hätte ich zuerst diesen Absatz in Fettschrift hervorgehoben!

    • Adam sagt „Nebenbei ein weiterer Beweis für mich, dass Linke immer aus einem humanistischen und intelligenten Lager kommen (wie die Entwicklung dann weitergeht, steht auf einem anderen Blatt – vielleicht Palmblatt). Bei den Rechten fehlt mir nahezu immer der Tiefblick und genauso selten der humanistische Gedanke.

      Eine ziemlich eindimensionale Sichtweise, die nur aus einem erheblichem Mangel an Begegnungen mit Menschen jeglichen Lagers resultieren kann. Sich in seinem selbst bestätigenden Ideologie-Kreisel zu drehen fördert Eindimensionalität und führt zwangsläufig zu Fehlurteilen.
      Im herkömmlichen (auch eindimensionalen) Raster bin ich sicher rechts der MItte einzusortieren und kann vielen Ideen der Friedensbewegung im Allgemeinen und den Ansichten Kirners oder Jebsens im Speziellen sehr viel abgewinnen. Ich kann die Flüchtlingspolitik der Merkel kritisieren und zeitgleich wichtige Integrationsprojekte unterstützen – auch das geht beides, wenn man nicht so eindimensional denkt, wie Sie es z.B. in ihrem Statement getan haben.

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