Im Gespräch: Franz Keller („Ab in die Küche! Wie wir die Kontrolle über unsere Ernährung zurückgewinnen“)

Lieferservice in Zeiten von Home-Office ein boomender Markt. „Man hat ja keine Zeit“, ist die Ausrede, kurz bevor die Online-Bestellung abgeschickt wird.

Obwohl zuhause kochen weitaus günstiger ist, geht der Trend immer mehr zum: „Bestell mal was!“. Doch was ist das denn eigentlich, was wir da essen. Hat es gut gelebt? Was hat es selbst gegessen? Wie wurde es verarbeitet? Das Bewusstsein über gesunde, nachhaltig produzierte Lebensmittel ging uns nicht erst mit Beginn der Fast-Food-Ära verloren. Schon viel früher wurde damit begonnen, Lebensmittel in Konserven zu stopfen.

Dank professioneller Werbung macht man Pressfleisch (Schnitzel) nun im Toaster und die Kühe wurden lila. Mit dieser Naivität und Ignoranz für Lebensmittel schaden wir nicht nur uns selbst, sondern auch den Tieren, die wir via „je billiger desto besser“ in die „Quältierhaltung“ treiben.

Das neoliberalistische „Höher, Schneller, Weiter, Mehr!“ funktioniert auch in der Landwirtschaft – mit fatalen Folgen für Böden und Tiere. Wenn man Tiere nur noch als Ware oder Milch-Maschinen betrachtet, kann kein gesundes und schon gar kein ethisch vertretbares Leben mehr gelingen. Das Bigotte dabei: Um unsere Haustiere kümmern wir uns mit extremer Fürsorge, mit Leidenschaft und Liebe – vom Tier aber, das direkt in unseren Körpern landen soll, wissen wir höchsten noch den Angebotspreis.

Mit Franz Keller haben wir einen Koch am Tisch, der mit seinem neuen Buch „Ab in die Küche!“ einen Appell an alle richtet, die essen. Ein Appell für ein Erinnern an ein verlorengegangenes Bewusstsein für Lebewesen, Nutztiere und unser täglich Brot. Der Mann, der schon für Staatschefs gekocht hat, schenkt uns wertvolle Einblicke in den Alltag einer Sterneküche und versucht, uns das Kochen am eigenen Herd häppchenweise wieder schmackhaft zu machen.

Hören, sehen, fühlen und probieren wir, ob wir das folgende Gespräch gut verdauen können. Prost, Mahlzeit!

Inhaltsübersicht:

0:07:04 Die wichtigsten Werkzeuge in einer Küche

0:21:35 Tierwohl, artgerechte Haltung, Sterbebegleitung

0:33:52 Popcorn-Fleisch – die Perversion der Fleischproduktion

0:40:53 Rentabilität in der Landwirtschaft

0:46:00 Radeberger für Putin, Dessert für Merkel

0:57:56 Paul Bocuse – der Ferrari unter den Köchen

1:10:05 Hochleistungssport Sterne-Kochen – eine Sucht?

1:21:56 Fleischproduktion und Umweltschutz

1:33:28 Chemotherapie für die Landwirtschaft

1:43:40 Mutig sein – selber kochen

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13 Kommentare zu: “Im Gespräch: Franz Keller („Ab in die Küche! Wie wir die Kontrolle über unsere Ernährung zurückgewinnen“)

  1. Auf dieses Video über die Möglichkeiten und die Dringlichkeit zur
    Veränderung der Landwirtschaft, dazu topaktuell, möchte
    ich noch hinweisen:
    https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/die-story/video-der-stumme-sommer-warum-sterben-die-insekten-100.html

  2. pachamama, ein eigener Garten ist etwas herrliches, wenn vorhanden und man Freude am Gärtnern hat. Unser Garten ist ein Paradies. Es blüht und duftet, und er ist belebt! Insekten, Vögel, Eichhörnchen tummeln sich. Der Nutzen besteht für mich in der guten Laune, den die Farben versprühen und im Erleben der Jahreszeiten, (zum Naschen die Beerensorten, um zu sehen: so schmeckte die Kindheit, so schmeckt Sommer, Herbst).
    Gemüse kommt da gar nicht vor. Aber Kräuter, frische Kräuter halte ich für unverzichtbar für
    leckre Mahlzeiten! Die kann man aber auch auf dem Balkon ziehen.
    Grüne Bohnen gargekocht, Salz, Bohnenkraut, etwas Butter, dazu Kassler Nackenkotelett und in Schale gekochte kleine Kartoffel (Drillinge) noch etwas im Bratenfett geschwenkt. Das fiel mir ein beim Thema Bohnen und Bohnenkraut. Das gelingt immer und sieht immer aus wie in Hochglanzkochbüchern.
    Ich finde es großartig, wie Franz Keller vom Kochen erzählt und seine Leidenschaft dafür rüberbringt. Das Gespräch habe ich mir ein 2. Mal angehört, weil er so viele Hintergrundinformationen einfließen lässt (über die Böden, was auch regional schon geht und die Politiker sich nicht hinter Brüssel verstecken sollten), über landwirtschaftliche Strukturen, die zurückgedreht werden müssten, dass die Bauern das Risiko einer schlechten Ernte absichern sollten, dass gesund ernähren vor der Krebserkrankung beginnen muss und er betont: Lebensmittel haben eine Jahreszeit, regional und saisonal.
    1:46 Std. über Frauen und Küche
    Eigentlich ist es egal, wer für die Familie kocht, wenn es nur mit Liebe und Fürsorge geschieht. Mir fehlt es an Geduld am Herd. Vor die Wahl gestellt, dem Vater draußen oder der Mutter drinnen zu helfen, habe ich immer die Arbeit draußen (Stall, Hof, Feld) gewählt.
    Später, fern der Heimat, ist mir so manches mal ist etwas angebrannt, weil ich in der einen Hand ein spannendes Buch hielt und mit der anderen den Rührlöffel. Aber auch da gibt's Abhilfe. 45 Min. max. länger mag ich nicht am Herd stehen. 6,7 Zutaten, Gerichte mit längeren Zutatenlisten lass' ich links liegen. Glücklicherweise bevorzuge ich auch Essen, in welchen ich noch einzelne Zutaten herausschmecken kann. Also nicht das große Vermengen. So sind mir z.B. Gratins ob auf Kartoffel- oder Nudelbasis ein Graus.
    Gibt's Nudeln mit Soße, dann immer Salat mit frischen Kräutern oder auch nur frische
    Kräuter in etwas Öl. Ich habe nämlich im Zusammenhang mit den Inhaltsstoffen von Kräutern entdeckt, dass Petersilie (Magnesium, Eisen), Schnittlauch (Phosphor), Muskatnuss (die mit dem Ingwer bezüglich entzündungshemmend locker mithalten kann) und Zimt (antibakteriell, entzündungshemmend) und Zwiebel (antibakteriell u.v.m) nicht nur wegen des Geschmacks, sondern auch wegen ihrer Heilkraft ihren Platz in der Küche haben sollten. Insgesamt gibt es
    natürlich viel mehr, wie Basilikum, Sellerie usf. Zusammen mit den Kräutern des Mittelmeeres komme ich auf 19 in unserem Garten, zus. mit essbaren Wildkräutern auf 31.
    Zu den Mineralstoffen: Unseren ausgelaugten Böden mangelt es an Selen und Phosphor, letzteres ist notwendig für jegliches Leben (Mensch, Tier, Pflanze) und im Dünger (Phosphat) enthalten, aber es ist endlich. Kreisläufe sind angedacht. Lebensmittel, die Magnesium, Eisen, Zink enthalten, sollte man auch auf dem Speisezettel haben.
    Daten zum Anteil Bio in der Landwirtschaft
    https://www.foodwatch.org/de/informieren/bio-landwirtschaft/zahlen-daten-fakten/

  3. Das Kochen fängt ja beim eigenen Garten an, und dann eigene Tierhaltung, also wer zurück an den Herd will muss zuerst Bauer werden. Und da fängt das Problem an, das ist halt für die meisten Menschen 90% unmöglich. Wieviel Land gesteht man denn einen Menschen zu ? In den Grundrechten ?
    Die Menschen werden doch nicht anders behandelt wie das Zuchtvieh in den Tierfabriken. Und wie verträgt sich das mit den Ressourcen der Erde? Ist ein Leben als Bauer überhaupt für 15 Milliarden Menschen möglich (so viele werden wir in 50 Jahren sein).

  4. Eine männliches Rindvieh, erbte die Gehbehinderung der Mutter. Naja. Da muß man eben – wie die Zeiten gerade so sind – Entscheidungen treffen. Euthanasie – haben wir nicht in Deutschland erfunden. Du brachtest den Bullen um, des Risikos der Verderblichkeit wegen. Ein paar Tropfen auf Deine Stirn. Euthanasie hast Du nicht erfunden.

  5. Stimmt – wenn man selbst kocht, den Industriefertigfraß weglässt, kann man sich auch mit sehr kleinem Einkommen überwiegend Bio, regional und nach Saison ernähren – machen wir schon lange so.
    Ich weiß nicht wie es in anderen Bundesländern ist, aber in Ba-Wü gibt es noch Metzger die selbst schlachten und man kann vieles direkt beim Bauern kaufen, gibt jede Menge Hofläden, manche liefern auch an die Haustür.
    Was mich allerdings interessiert hätte, wenn Franz Keller schon sein einfaches ungarisches Gulasch erwähnt – welche Zutaten. Ich mach das nach alter ererbter Familientradition und das ist wirklich sehr einfach.

  6. Subventionen sollten nicht von einem Bereich (Massentierhaltung) in einen anderen umgeleitet werden. Es gibt bereits jetzt Möglichkeiten, sich entsprechend zu organisieren – Solidarische Landwirtschaft, Genossenschaften. Gebt lieber den Billiglohnsklaven den Aufschlag, dann läuft der Laden auch ohne Bevormundung …und selbst die kommen dann mal zu freieren Entscheidungen.

  7. Minute 40.52:
    "Wenn der [Bulle] gechippt wäre …"
    Und Katzen und Hunde seien ebenfalls gechippt, weshalb nicht auch die Bullen? So die Aussage des Herrn Franz Keller.
    Ist es nicht gerade das, was der Führer und die Führerin Gate* und ihrer Ober-Vasallin, Frau A. Merkel an allen Menschen exerzieren wollen, um jeden Preis(?)

    Deshalb halte ich es für besser, bei jedem Lebewesen vom Chippen abzulassen.

    Erst wird beim Tier herumexperimentiert und danach die Technik beim Menschen angewendet.

  8. Schlachtungen wurden seit 40 Jahren suk­zes­si­ve regional abgeschafft. Ich habe als Schüler noch beim Schlachter gejobt. Kompetente, verantwortungsvolle Fachbetriebe wurden einfach per Gesetzt – per Auflagen – abgeschafft.
    "Wir lieben Lebensmittel" oder "Tierwohl-Plaketten" sind eine Schande.
    Mal sehen was die neue Weltordnung vorsieht…

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