Frieden droht! Rund 10.000 Demonstranten in Berlin

Von Ulrich Gellermann.

Keine Nachricht zu diesem Thema: Als die Friedens-Demonstration in Berlin am letzten Samstag beendet worden war, herrschte allüberall ein eisiges Medienschweigen. Weder die ARD noch das ZDF wollten die rund 10.000 Demonstranten wahrnehmen. Auch die einschlägigen Herrschaftsmedien wie SPIEGEL, FRANKFURTER ALLGEMEINE oder ZEIT stellten keinen Mucks auf ihre aktuellen Seiten im Internet. Das waren einfach zu viel Demonstranten für die leidgeprüften Redaktionen. Und außerdem: Die hatten vorher schon geschwiegen, warum sollten sie jetzt was berichten?

Wer sich trotz des allgemeinen Schweige-Gelübdes zu einer Art Berichterstattung aufraffen wollte, nutze die beliebte Form der Polizei-Nachricht: Der Polizeipräsident hat aber viel weniger Teilnehmer gezählt als der Veranstalter! Kannste mal sehen, wie verlogen diese Friedensdemonstranten sind! – Raffiniert auch der West-Berliner TAGESSPIEGEL: Der nannte die Gegend, durch die der Demonstrationszug lief, plötzlich „Ost-City“. Sonst nennt das Blatt die selbe Meile ehrfürchtig „Regierungs-Viertel“. Aber Ost-City klingt fast so wie Erich-Honnecker-Gedächtnis-Demo.

Ganz brachial nahm der örtlich-rechtliche Sender „rbb“ die Kurve: Er meldete ganz groß zwei antisemitische Plakate, die am selben Tag bei einer ganz kleinen, anderen Demonstration mit einem ähnlichen Thema getragen worden seien. Prima Methode: Frieden ist antisemitisch, also gesellschaftlich erledigt, also eigentlich ein zweiter Holocaust. Nichts scheint billig genug, um die teuren deutschen Waffenexporte weg zu reden.

Dabei hatte man sich im Vorfeld so viel Mühe gegeben: Eine Ein-Mann-Friedensbewegung aus Aachen hatte gewarnt: Es könnte durchaus die falsche Demo sein, die da in Berlin stattfinden sollte. Jedenfalls referierte das die einstmals seriöse Quelle TELEPOLIS. Und aus dem Dunkel unbekannter Geldflüsse meldete sich ein ungewisser Stephan Steins. Mit einer eigenen, total rrrrrrevolutionären Demo, stiftete er mit einem identischen Logo und einem ähnlichen Demonstrationsweg Verwirrung und hatte so brav seine Schuldigkeit getan.

Frieden droht: So viel hatte das ansonsten eher minderbegabte Medienkartell immerhin begriffen. – Bis zum nächsten Mal. Wenn die Länge des Demonstrationszuges endlich der Dauer jener vielen Reden entspricht, die auch diesmal die Aktion in guter Absicht aber schlechter Wirkung begleiteten.

Danke an den Autor für das Recht der Zweitverwertung.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.


10 Kommentare zu: “Frieden droht! Rund 10.000 Demonstranten in Berlin

  1. … das mit der Teilnehmerzahl ist immer so eine Sache, aber ich hätte schon erwartet, dass KenFM die Teilnehmerzahl der Demo vom 1.10. vor dem Kanzleramt bekanntgibt, oder habe ich das überhört/überlesen.
    Und das mit der zerstrittenen Friedensbewegung scheint ja leider zu stimmen: Am 1.10. ruft KenFM zur Demo auf, eine Woche später die Linken. Das muss sich ändern!

  2. Ich reiste mit einer Freundin extra aus Hamburg an, um an der Demo teilzunehmen. wir waren spät dran, der Alexanderplatz ist groß und so waren wir erst an der falschen Seite des Platzes und mussten uns durchfragen. Und gerieten dann unabsichtlich in die kleine Demo. Wir fragten andere Demonstranten, wieso es so wenig Leute seien und uns wurde erklärt, dass die Friedensbewegung zerstritten sei, es gebe noch einen anderen Zug.
    Egal, wir liefen nun mit und riefen „raus aus der Nato“ und „wer Frieden will reiht sich ein.“ Das taten die Touristen und shoppenden Zuschauer aber nicht. Das anstößige Plakat haben wir auch gesehen. Es wurde von einem Afrikaner getragen. Wir marschierten durch die Starße „Unter den Linden“ begleitet von Rockmusik, später schmissiger Sowjet Musik (aus DDR Zeiten?). Schließlich hielten wir an. Nun wurde die schöne, russische Nationalhymne gepielt. Wir waren vor der russischen Botschaft angelangt. Das fanden wir toll.
    Die Deomonstraten sahen zum Teil recht schräg aus, aber viele waren so bieder wie wir.
    Steine wurden nicht geschmissen.
    Anschließend warteten wir auf den anderen Demanstrationszug am Brandenburger Tor und hörten noch die Rede von Sahra Wagenknecht. Die Rede war wie immer sehr gut.
    Ob es wirklich 8000 Demonstranten waren oder nur 6000 ist eigentlich egal. Es waren viel zu wenige. Die Gewerkschaften könnten doch viel mehr Leute aufbringen? Warum können nicht alle zusammen gehen?

    • Ja so erging es mir und meinen vier Freunden auch,die ich mit Euphorie dazu brachte auf eine Vereinte Friedensdemo zugehen,doch sehr verwundert waren als es hieß weil ich eine Russische Fahne & Donezk Fahne plus einem Transparent mit der Aufschrift (Frieden & Freundschaft mit Russland und der ganzen Welt.!)Wir „ICH“ wäre auf der falschen Demo.Worauf ich fragte ob es hier Leute gibt deren Friedens Tauben weißer sind als die der anderen.Und ja es war eine teils eine sehr seltsame Stimmung.

    • Uns, also die kleinere Demo, gibt es weil wir keine andere Möglichkeit sahen mitzudemonstrieren. Es ist kompliziert… Am besten mal auf mein Facebookprofil schauen, dort fondet ihr auch mal unsere Position dazu. Außerdem hoffen wir, dass in Zukunft alles zusammen kommen darf und kann und die Leute, wegen der Zerstrittenheit in Zukunft nicht fern bleiben,

      liebe Grüße

  3. WOW! Achttausend (8.000) Menschen demonstrieren für Frieden. Achttausend laut Veranstalter – behauptet jedenfalls neues deutschland.

    Das ist doch mal ein exorbitanter Erfolg und zeigt das eine geringe Mehrheit der deutschen wahrscheinlich keinen Bock auf Krieg hat, aber ebenso keinen Bock auf eine Friedensdemonstration.

    Vielleicht hatte diese geringe Mehrheit von 99,99% – denn 8.000 von 80 Millionen sind 0,01% – aber auch gerade irgendetwas anderes zu tun. Sowas wie Autowaschen, Einkaufen, irgendwelche Schundmedien konsumieren, Kinder bemuttern, oder kein Geld für die Anfahrt.

    Vielleicht sehen sie aber den Frieden gar nicht bedroht. Also unseren Frieden – oder ihren…

    • Wenn es doch eine so geringe Mehrheit ist, warum schreiben die „klassischen Medien“ dann nichts darüber und zeigen auf, dass die Welt doch angeblich viel besser und friedvoller, quasi paradiesisch ist und sich eine Friedensdemo jeglicher Notwendigkeit erzieht.

      Ich schließe eher anders herum auf die geringe Beachtung in der Bevölkerung eben auf die von Ihnen genannten Gründen: Die Menschen sind zu beschäftigt und werden eben in den für sie „klassischen Medien“ nicht darauf hingewiesen, wieviel Krieg derzeit herrscht.

      Falls dem nicht so ist, können wir alle uns ja wieder hinlegen.

    • Ich war in einem Restaurant auf Toilette und sah beim raus gehen die vielen Menschen am Restaurant vorbei ziehen und sah auch die vielen Leute die da ungeachtet was da draußen vor sich ging Plapperten ,Tranken und Essen bestellten.Blieb ich kurz vor dem Ausgang stehen und rief in die menge der Gäste.(Na wie ist es im Sitzen auf den Krieg zu warten).“Stille“ und ich ging raus.

  4. „Mit einer eigenen, total rrrrrrevolutionären Demo, stiftete er mit einem identischen Logo und einem ähnlichen Demonstrationsweg Verwirrung und hatte so brav seine Schuldigkeit getan.“

    Das kann man sehr leicht wiederlegen. Wir und Hr. Steins hatten das Logo schon seit einem Jahr in ähnlicher Form verwendet. Aber wie Sie selber zugeben sind Sie verwirrt, das passiert bei den Stress. Hätte die Hauptdemo nicht ständig gegen die andere geschossen, wäre es ein erfolgreicherer Tag geworden, denn wir haben dazu aufgerufen, sich der anderen Demo anzuschließen.

    Ein Plakat von einem Afrikaner war nicht antisemitisch, sondern antizionistisch. Eine freie Minungsäußerung, die wir selbst wenn wir woilten, aufgrund der Gesetzeslage nicht ausschließen können. Das andere Plakat wurde unterbunden, als wir darauf aufmerksam gemacht wurden.

Hinterlasse eine Antwort