Frieden leben – Ein Gedicht

Von Bernhard Trautvetter.

In der Weimarer Republik zwischen den Weltkriegen gab es
punktuelle Aktionsgemeinschaften zwischen Kommunisten und Faschisten.
Nach der Ernennung der NSdAP-Führung in die Staatsführung,
nach der Weltwirtschaftskrise, die den Faschisten Wählerstimmen brachte,
nach Millionensubventionen aus dem Großkapital
fanden sich KPD- und SPD-, Gewerkschaftsaktive…
in den Konzentrationslagern vereint,
nachdem sie zuvor teils heftige Kämpfe gegeneinander ausgefochten hatten.
Die einen galten für die anderen in den Jahren davor
als gefährliche Antidemokraten, die anderen in den Augen der anderen
als Sozialfaschisten.
Im Berliner Streik der Verkehrsbetriebe standen die späteren Mörder
und die späteren KZ-Insassen Seit an Seit Querfront auf dem Weg in die Katastrophe
genannt Holocaust Weltkrieg Kampf gegen Bolschewiki unwertes Leben
wollt Ihr den totalen Krieg.
Siebzig Jahre nach dem Sieg über den Faschismus,
der mit nichts zu vergleichen ist durch die Industrialisierung des Massen
Völkermordes gnadenlos gegen Sowjets Juden Partisanen
Siebzig Jahre nach dem Sieg über den Faschismus
sorgt sich das Militärbündnis Nato,
dass es feindliche Einheiten wie die Friedensbewegung gibt,
die die Friedensverstiegenheit der Menschen
Vorbehalte gegen Militär ausnutzen stärken schüren.
In der Friedensbewegung suchen Nazis Anschluss
gegen Auslandseinsätze Waffenexport an die Ausländer
Nato-Einflüsse auf die Deutsche Souveränität.
Für Frieden nach dem Sieg.
In der Friedensbewegung Christen Kommunisten
Sozialdemokraten Liberale Konservative Sozialisten
Naturfreunde Atheisten Moslems Buddhisten Spontis
ohne Ideologie
manche wissen nicht, was wo wie
andere wissen nicht, dass sie nicht wissen wie wo was
Andere glauben was sie glauben
Andere glauben dran
Die einen werfen anderen vor, sie hätten einst
mit Rechten zusammengearbeitet, Querfront eben.
Einige, die jetzt an der Seite von Nazis sind, waren das nicht immer schon
Andere gelten als Antisemiten, weil Zitate Fehlinterpretationen erlauben
und weil die Ankläger verschweigen
oder nicht kennen,
was gegen ihre
Überzeugung spricht.
Wer an der Seite der Angeklagten steht, ist für sie Quer
Im Eifer der Aus ein ander Setzung
fallen schlimme Worte
Feinde Esoteriker Nazis Rassisten Verschwörungstheoretiker
In Zeiten der Bewegung hat jeder und jede die Verantwortung
den humanistischen Grundkonsens gegen alle Aufweichungen
und Angriffe zu schützen
Esoteriker und Verschwörungstheoretiker
können dabei helfen,
Nazis Rassisten Militaristen Nationalisten fern zu halten
der Frieden ist international, er schützt jedes Leben
aller Farben- nur nicht nazibraun,
er schützt auch Menschen mit Behinderungen,
wir mögen unterschiedlicher Herkunft sein,
wir haben nur eine Zukunft oder keine.
Wir sehen die Schönheit des verletzlichen Lebens
bäumen uns einsam und frei brüderlich und schwesterlich
auf gegen die UmweltZerStörer Bedrohung der Zukunft
unter dem Begriff Future Vector, was für die Nato-Militärs nur
Pfeil gegen die Zukunft heißen kann.
Rückschläge auf dem Weg zum Erfolg
entmutigen nicht
Hoffnung entspringt nicht so sehr alleine
der Aussicht auf Erfolg sondern
dem Erlebnis von Sinn
Und die Seele des Lebens,
das Herz und die Hülle der Welt
der Eros der Begegnung in Solidarität
die Freude an der Nähe im Miteinander
für den Frieden die Liebe mit Herz und Hand
von Kopf bis Fuß
Auf dem Weg in eine Welt
in der die Freiheit des Einzelnen
Bedingung für die Freiheit Aller ist
Die andere Welt
Die des Überlebens
Fähige
Sie ist so schön
Wenn wir doch nur
mehr auf sie
auf uns
alle achten

 

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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2 Kommentare zu: “Frieden leben – Ein Gedicht

  1. Als Literaturtipp für die interessante Epoche VOR Konsolidierung der Weimarer Republik:
    „Von Eisner bis Leviné: Die Enstehung der bayerischen Räterepublik“ von Erich Mühsam.

  2. Ergänzen möchte ich, daß zum Frieden leben ganz wesentlich gehört, daß man beim Konsum darauf achtet, die Tierausbeutung und -ermorderung nicht zu unterstützen. Was wir essen und kaufen, hat einen nachhaltigen Einfluß auf die Welt. Durch eine fleischlose Ernährung erspart jeder Veganer ca. 100 Tieren pro Jahr ein mieses Leben und einen erbärmlichen Tod. Frieden und Naturschutz fangen auf dem eigenen Teller an. Solange es Schlachthöfe gibt, wird es auch Schlachtfelder geben.
    Ich weiß, daß ich mich durch diesen Gedanken in den Kommentaren wiederhole. Aber meine Freunde haben keine Stimme, und deshalb bekommen sie meine.

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