Fünf schlechte Nachrichten für Hillary Clinton (Quellensammlung)

Artikel von Prinz Chaos II.

Wer sicher gehen will, in der Einschätzung der US-Vorwahlen rettungslos daneben zu liegen, sollte sich dringend an Spiegel Online halten. Schon 2008 hatte dort Gabor Steingart nach den erste beiden Vorwahlen in Iowa und New Hampshire das „Ende der Obama-Revolution“ verkündet und Hillary Clinton zur Siegerin ausgerufen. (Hier: http://www.spiegel.de/politik/ausland/wahlkampf-in-den-usa-das-ende-der-obama-revolution-a-529824.html) Diesmal tritt Marc Pitzke in Steingarts Fussstapfen und verkündet: „Ab jetzt heißt es Clinton gegen Trump“. (Hier: http://www.spiegel.de/politik/ausland/super-tuesday-blitzanalyse-zu-hillary-clinton-und-donald-trump-a-1080174.html)

Wer sich über den Verlauf der Vorwahlen lieber bei Medien mit ernstzunehmender Urteilskraft informieren möchte und des Englischen mächtig ist, sei auf die Onlinekanäle „The Young Turks“ von Cenk Uygur, auf „The Real News Network“, das Onlinemagazin „The Hill“ mit gut informierten Hintergrundberichten, Glenn Greenwalds „The Intercept“ und durchaus auch auf die US-Ausgabe der (in der deutschen Variante ziemlich wertlosen) Huffingtonpost hingewiesen.

Nun folgen einige Links zu fünf richtig schlechten Nachrichten für Hillary Clinton, die weder bei Spiegel Online, noch bei Spiegel Offline und auch nicht in den US-amerikanischen Konzernmedien hinreichend gewürdigt oder auch nur berichtet werden.

1) DAS FBI ERMITTELT GEGEN HILLARY CLINTON: Ihr droht neues Ungemach in der „Email-Affäre“. Sie hatte in ihrer Zeit als Außenministerin als Top Secret klassifizierte Dokumente auf einen privaten Server geladen. Das FBI ermittelt. Clintons damaligem Systemadministrator wurde nun Immunität zugesichert – vermutlich, um im Gegenzug seine Aussagen justiziabel zu machen. Wie in einem am Montag erscheinenden Buch zu lesen ist, kam es in diesem Zusammenhang bereits zu einem dramatischen Konflikt mit Barack Obama. Der Skandal schwelt weiter und könnte Clinton bereits kurzfristig, spätestens aber in einer Präsidentschaftskampagne schweren Schaden zufügen. (Hier: http://www.dailymail.co.uk/news/article-3246277/Call-f-ing-dogs-Barack-Hillary-ranted-Obama-servergate-probes-Oval-Office-showdown-new-book-claims.html)

2) CLINTONS FINANZMINISTERIUM SOLL AN  BLACKROCK GEHEN: Schlechte Nachrichten für Hillary Clinton sind ansonsten immer solche, die zu früh in die Öffentlichkeit kommen. So ihre Reden bei Goldman Sachs für $225.000 pro Stück. So die Tatsache, dass sie in der Vergangenheit Spenden angenommen hat von … Donald Trump. So die Wahlkampfspenden der Rüstungs-, Pharma- und Gefängnisindustrie.

Aktuell berichtet „The Intercept“ von Vorbereitungen des Clinton-Lagers, im Falle eines Wahlsiegs das Finanzministerium im Gesamtpaket an den Großmoloch unter der Finanzmolochen zu geben – an Blackrock! Offenbar bereitet sich ein ganzes Team um Larry Fink bereits auf die Übernahme vor. (Hier: https://theintercept.com/2016/03/02/larry-fink-and-his-blackrock-team-poised-to-take-over-hillary-clintons-treasury-department/)

3) ES RUMORT IN DER DEMOKRATISCHEN PARTEI: Wie schon 2008 zeigt sich auch diesmal, dass die Herrschaft der Clintons über den Apparat der Demokratischen Partei nicht unangefochten ist – zumal das Verhältnis der Clintons zu Obama nicht frei von Störungen ist, siehe oben.

In der letzten Woche kam es gleich zu drei spektakulären Angriffen auf die Versuche, den Vorwahlprozess zugunsten von Hillary Clinton zu manipulieren.

  • Der bereits ausgeschiedene Präsidentschaftskandidat Martin O’Malley nutzte eine Vorstandssitzung der Demokraten für eine beherzte Attacke auf Clintons Frau im Parteiapparat, Debbie Wassermann-Schultz. Vor versammelter Mannschaft warf er ihr vor, durch die Unterdrückung offener Debatte und freier Meinungsbildung im Vorwahlprozess die Chancen zu mindern, die Republikaner im Herbst zu schlagen. (Hier: http://www.washingtontimes.com/news/2015/aug/29/martin-omalley-blasts-debbie-wasserman-schultz-fro/?page=all)
  • Ebenfalls unter Verweis auf einen manipulierten Vorwahlprozess trat die Kongressabgeordnete Tulsi Gabbard unter Protest aus dem Parteivorstand zurück – um im gleichen Atemzug ihre Unterstützung für Bernie Sanders zu erklären. Diese Meldung kam einen Tag nach dem Super Tuesday und lief über Reuters und durch alle US-Medien (Hier: http://www.reuters.com/article/us-usa-election-sanders-gabbard-idUSMTZSAPEC2S9JDNKG)
  • Gestern folgte dann ein völlig überraschender Angriff von Nancy Pelosi auf das System der „Superdelegierten“ – jener Delegierten, die nicht gewählt, sondern von der Parteiführung bestimmt werden. Pelosi ist die Fraktionsführerin der Demokraten im Repräsentantenhaus und eine der wichtigsten Führungsfiguren der Partei. Die Mehrheit der gewählten Delegierten mithilfe der Superdelegierten zu kippen, werde der Untergang der Partei sein, warnte sie. Dieser Vorstoß trifft Clinton empfindlich, die unter den Superdelegierten eine deutliche Mehrheit hält. (Hier: http://thehill.com/homenews/house/271651-pelosi-pans-superdelegate-system)

4) DAS INTERNET STEHT HINTER BERNIE: Apple-Gründer Wozniak unterstützt offiziell Bernie Sanders; Apple-Chef Tim Cook geht mitten im Vorwahlkampf gegen die Überwachungswut der Geheimdienste mit einer ganzen Armee exzellenter Anwälte in die Offensive; und Ebay-Gründer Pierre Omidyar finanziert „The Intercept“ mit Green Greenwald aus Chefredakteur und einer klarer Linie Pro-Sanders und Kontra-Clinton. Diese Leute hassen Hillary Clinton aufgrund ihrer engen Verbindungen zur Geheimdienst- und Gefängnisindustrie – und sie haben auch auf die ewige Diktatur der Öl- und Rüstungsindustrie schlicht keine Lust mehr.

Das gleiche gilt unterhalb der Ebene der Netzaristokratie für das Internet der Normaluser. Auf Facebook liegt Sanders 500.000 Likes vor Clinton – und dabei sind Clintons gekaufte Likes noch nicht herausgerechnet. Der Aktivitätsgrad seiner Follower ist unvergleichlich höher. Bei der Googlesuche nach „Hillary Clinton“ hagelt es Negativbeiträge etwa über die FBI-Ermittlungen gegen sie. Bei Sanders kommen positive Beiträge aus seinem Kampagnenumfeld.

Diese Tendenz verstärkt sich kontinuierlich. Während die klassischen Medien Clinton schon als Sieger feiern, schmiert sie im Netz immer weiter ab.

Ein guter Text, der meine gestrige Einschätzung über die weiterhin guten Chancen von Bernie Sanders stützt und vor allem auf die überwältigende Unterstützung für Sanders im Internet abhebt, findet sich hier: http://www.huffingtonpost.com/h-a-goodman/bernie-sanders-will-become-president_b_8780730.html

5) SANDERS SPENDENMASCHINE LÄUFT AUF HOCHTOUREN: Geld spielt in US-Wahlkämpfen eine riesengroße Rolle. Die schiere Größe des Landes verlangt einen ungeheueren logistischen Aufwand. Ein Heer von Aktivisten muss quer durchs Land geschickt und versorgt werden. Und Sanders muss seinen Bekanntheitsgrad und die Verankerung an der demokratischen Basis schnell ausbauen, um eine Chance zu haben. Einkäufe auf den Medienmärkten jedoch kosten Abermillionen.

Während Clinton auch finanziell mit einem riesigen Vorsprung ins Rennen ging, der nahezu ausschließlich über Spenden aus der Großindustrie durch sogenannte „SuperPACs“ zustande kam, hat Sanders eine Spendenmaschine entwickelt, die auf Kleinspenden normaler Leute setzt. Und diese Maschine läuft. Alleine am Tag vor dem Super Tuesday hat Sanders $5 Millionen eingefahren. Insgesamt hat er über vier Millionen Einzelspenden eingesammelt – und die Spendenbasis wächst weiter.

Seine Einnahmen aus SuperPACs liegen derweil bei … 0%. Was ursprünglich als strategischer Nachteil erscheinen konnte, wird dabei immer mehr zum Vorteil. Denn Clinton muss sich für die trüben Quellen ihrer Wahlkampfgelder täglich rechtfertigen – einen nennenswerte Basis von Kleinspendern hat sie nicht.

Fundraising Sanders – hier: https://www.opensecrets.org/pres16/candidate.php?id=N00000528

Fundraising Clinton – hier: https://www.opensecrets.org/pres16/candidate.php?id=N00000019

 

Weitere Artikel von Prinz Chaos II. gibt es auf seinem Blog: https://prinzchaos.wordpress.com/

 

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

10 Kommentare zu: “Fünf schlechte Nachrichten für Hillary Clinton (Quellensammlung)

  1. So sehr ich dankbar bin, für die politischen Informationen, ob nun Clinton etwas wesentliches der Politik an Blackrock veräußert, oder Goldman Sachs in irgendeiner Form mit im Boot sitzt –

    wie brechen wir die Information nützlich auf uns Bürger herab? Was sollten die Bürger der USA jetzt tun?

    Protestmärsche / Friedensmärsche?

    Bestimmter Konsumverzicht bei einer Firma / einem Produkt?

    Darum ginge es mir eher. Weil es die Menschen selbst vor Ort betreffen würde.

    Denn eine Berichterstattung, sei sie noch so gut:
    z.B. Merkel bei Erdogan oder Clinton im weissen Haus etc..

    ist synonym wie : „Der König beschließt folgendes zu tun. …“ – aber wie hilft es uns Menschen, wenn wir uns hier zwar schriftlich die „Haare“ vom Kopf reissen aus Entsetzen, aber wir zu keinem höheren Handlungsimpuls fähig sind?

    Wenn es Nutzern nicht gefällt, oder Bürgern in der USA missfällt, was dort läuft:

    – wie könnten wir denen Unterstützung geben, damit keine Verkäufe an Blackrock erfolgen?
    – was müsste getan werden?

    Ich denke, diese Art der Fragen kann allen helfen, die sich inhaltlich politisch dezidierter mit dem Thema beschäftigen, als ich.

    Politische Berichterstattung: wer wann zu welchem Oberhaupt geht- welche Käufe oder Fusionen / Übernahmen wann erfolgen… ist nützlich.

    Wirksam oder gestaltend wird es erst dann, wenn jemand externes das bewertet, im Sinne :

    – a) ein Verkauf des Finanzimperiums an Blackrock wird gesellschaftspolitisch folgende Konsequenzen haben:
    – b) die Bürger der USA werden mit Folgendem rechnen müssen:
    – c) die Bürger der EU / Weltweit könnten durch die Monopolstellung in folgender Weise betroffen sein:

    – um diesen drohenden Verkauf, der Verschlechterung an Punkt a) , b) und c) zur Folgen haben würde, kann folgendes geleistet werden, in den USA, in der EU…etc..

    -> so würde ich mir die moderne Berichterstattung vorstellen.

    Das setzt natürlich voraus, dass die Berichterstattung im modernen Medienjournalismus eines tut, was bisher bei vielen Tabu ist: sie outet sich.

    Sie gibt offen zu , welche politische Richtung sie zugeordnet ist – ob sie eher für den Frieden oder den Krieg Beiträge bringt…

    Das ist natürlich alles Spekulation und kann ja sein, dass es noch 10 oder 20 Jahre so weiter geht – nur geändert hat sich dann wenig, wenn die Menschen sich in Forum unglaublich erschrecken und aufregen können, aber sonst nirgendwo ein Handlungsimpuls stattfindet, um für Frieden oder allein schon wirtschaftliche Stabilität und weniger Manipulation einzutreten und zu handeln.

    • Andre sagt:
      „Was sollten die Bürger der USA jetzt tun?“
      Ich bin der Meinung, dass dieser Prozess der Erkenntnis läuft und auch neue Entwicklungen anstößt.
      Es ist vielleicht ein bisschen wie im Faust:
      „Im sogenannten Teufelspakt verpflichtet sich Mephistopheles, Faust im Diesseits zu dienen und hier alle Wünsche zu erfüllen. Im Gegenzug ist Faust bereit, dem Teufel seine Seele zu überantworten, falls es diesem gelinge, ihm Erfüllung und Lebensglück zu verschaffen (Faust: Werd‘ ich zum Augenblicke sagen: / Verweile doch! du bist so schön! / Dann magst du mich in Fesseln schlagen, / Dann will ich gern zugrunde gehn!“

      Wenn die Menschen erkennen, dass das Dieseits nur der Verkauf ihrer Seele auf Erden ist werden sie vielleicht handeln.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Faust._Eine_Trag%C3%B6die.
      Hier im Forum wird schon mal der Grundstein gelegt für vielleicht positive Veränderungen.:)
      Im Anfang (ἀρχή) war das Wort (λόγος)
      und das Wort war bei Gott,
      und das Wort war Gott.
      Im Anfang war es bei Gott.
      Alles ist durch das Wort geworden
      und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Evangelium_nach_Johannes
      „Im Anfang war die Tat!“
      Es gibt historische Beispiele von Demonstrationen oder sogar Generalstreiks.
      „3. September 1911: 200.000 Menschen demonstrieren im Treptower Park in Berlin für den Erhalt des Friedens.“
      „Im März des Jahres 1920 riefen in der jungen Weimarer Republik die SPD und Gewerkschaften als Reaktion auf den Kapp-Putsch zu einem Generalstreik auf. Die Arbeitsniederlegungen begannen am 15. März 1920 und waren die größten in der deutschen Geschichte. Über 12 Millionen Menschen beteiligten sich daran.[4] Wegen des Generalstreikes scheiterte der Putsch dann auch.“
      „11. Mai 1952: Demonstration gegen die bundesdeutsche Remilitarisierung in Essen. Philipp Müller wird, angeblich in Notwehr, von der Polizei erschossen. Das war das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, dass ein Demonstrant durch die Polizei getötet wurde.“
      Am 4. November 1989: die größte Demonstration der Wendezeit, über 500.000 Menschen demonstrierten auf dem Alexanderplatz für Meinungs- und Versammlungsfreiheit.
      (Jetzt hat man Meinungs- und Versammlungsfreiheit und nutzt sie nicht.Außer einige wenige vielleicht)
      „12. Januar 1991: Über 200.000 Menschen in ganz Deutschland demonstrieren gegen den Golfkrieg.“
      „15. Februar 2003: Weltweit demonstrieren etwa 10 Millionen Menschen gegen den Irakkrieg, davon etwa eine halbe Million in Berlin.“
      https://de.wikipedia.org/wiki/Demonstration

      Man sieht beim Generalstreik (Kapp-Putsch) klappte es!

      „In Deutschland sind Generalstreiks, anders als etwa in europäischen Staaten wie Frankreich oder Italien, juristisch nicht vom Streikrecht gedeckt und somit rechtswidrig. “ ABER:

      „Die einzige Ausnahme folgt aus Artikel 20 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland: „Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“ Allerdings wird die Vereinbarkeit des Verbots politischer Streiks in Deutschland nicht zuletzt durch internationales und europäisches Recht zunehmend in Zweifel gezogen. So wird das Streikrecht im Rahmen mehrerer internationaler Abkommen, aber auch im Rahmen der Rechtsprechung des EGMR, weiter als in Deutschland ausgelegt. Mangels eines Anlasses haben sich die deutschen Gerichte jedoch noch nicht weiter damit auseinandersetzen müssen.“

      Es mangelt am Anlass den kann man schaffen!

      MFG LB

  2. Stefanie sagt:
    „Ich weiß garnicht warum man da noch soviel Energie reingesteckt wird. Ob in Amerika oder hier:alles Marionetten.“

    Die Energie der Veränderung soll so verpuffen, dass ist der Grund warum man heute Demokratien hat.Die Menschen können ihren Frust ablassen und können die AFD wählen.Die bekommt 15 % und danach ändert sich NIX. Es ist eine getarnte Oligarchie zwischen den Milliarden von $,€ u.s.w. und der Politik.Selbst wenn Europa eine Diktatur ist, so wie die Türkei im Moment, würden die Menschen es nicht merken .So gut ist die Diktatur durch Freiheit und Demokratie getarnt.

    MFG LB

  3. Ich weiß garnicht warum man da noch soviel Energie reingesteckt wird. Ob in Amerika oder hier:alles Marionetten. Die Leute die wirklich das Sagen haben sehen wir nicht. Ich gehe jedenfalls nicht mehr wählen. Pest oder Cholera?

  4. PPS: Die Kommentare (inklusive meinem) zeigen ein wenig das Problem mit Politikern wie H.Clinton. Man merkt, dass ihre Politik und ihr ganzes Konzept nicht stimmt und einzig und alleine auf die eigene Karriere ausgelegt ist. Dann verzettelt man sich angesichts der exorbitanten Verstrickungen aber ein wenig mit den Details – und Politiker wie Clinton nehmen sowas dann sofort auf, um Kritiker argumentativ zu attackieren. Das ist das Spiel mit der Beweislastumkehr. Clintons Politikstil ist darauf angelegt, dass nicht (wie es demokratisch wäre) sie beweisen muss, warum ihre Politik richtig ist. Sondern sie stellt sich vor die Leute, leistet sich eine Affäre nach der anderen, sagt dann aber: ‚So, und jetzt beweist IHR mal, warum ich nicht Präsidentin sein kann – und wenn Ihr das nicht könnt, hört auf, mich zu diffamieren‘. Ich war wirklich schon über die Rhetorik von Clinton überrascht, die hat das wirklich ‚drauf‘ – auch wenn diese Art der Politik in der Tat im Kern undemokratisch ist. Vielen Wählern imponiert sowas wohl sogar.

    • @ Michael Kanellos

      Vielen Wählern scheint das wirklich zu imponieren. Aber einer noch größeren Zahl an Wählern und vor allem Unentschlossenen dürften die politischen Positionen Clintons schlicht unbekannt sein. Diese Leute kennen oder lesen weder Portale wie ‚The Intercept‘ oder – auch sehr gut – ‚The Real News Network‘ (http://therealnews.com/t2/) und sind in ihrer politischen Information stark auf Personen und deren Bekanntheisgrade fokussiert. Überraschend konnte Sanders binnen weniger Monate und aufgrund seiner starken Verankerung in den sozialen Netzwerken sowie bei Internetusern Boden gut machen, weshalb ein Großteil seiner Wählerbasis nicht nur die politisch aufgeschlosseneren Ostküstengebiete sind (in Massachusetts hat er ja nur knapp gegen Clinton verloren und daher annähernd gleich viele Delegiertenstimmen erhalten), sondern auch Jung- und Erstwähler.

      Dass derart viele Schwarze noch zu Clinton tendieren, dürfte natürlich einerseits eine Ausbeutung des Bekanntheitsgrades sein. Jedem der drei Schritte weiter denkt, dürfte klar sein, dass sich Clinton nicht für Schwarze einsetzt. Andererseits hat sie die Unterstützung oligarchischer Interessenverbände wie der Kirchen und Bürgerrechtsvereinigungen in den Südstaaten, die heute korrumpiert und ihre Führungspersonen ins Establishment der Demokratischen Partei integriert sind. Da geht es bei der Wahl von Clinton auch um eigene Spendengelder, Ämter und Zugang zu privilegierten Positionen. Das zu durchschauen braucht aber mehr als nur einen personalisierenden Wahlkampf. Zumal die Medienberichterstattung unterirdisch ist. The Intercept hatte Anfang Januar einen Artikel gebracht, in dem die Anzahl der Kandidatennennungen in den Mainstream-Medien diskutiert wurde. Sanders hatte von allen den wenigsten Nennungen. Und wer nicht erwähnt wird – oder wenn, wie in Deutschland bei Tagesschau und Co nur mit Suggestiväußerungen und negativ besetzten Begriffen -, der kann seine Positionen kaum vertreten. Wir sind hier in Deutschland ja nicht besser: würde es in den Abendnachrichten permanent Berichte über steigende Einkommens- und Vermögenskonzentration geben und würden dann Journalisten auf Pressekonferenzen von SAP, Daimler, Allianz, BDI, DIHK etc. die Frage stellen, wohin denn die Profite transferiert werden und dies wiederum in die Bericht einfließen, dann wären die Frontlinien zumindest wieder klar.

      Die Absurdität der Redemanuskripte zeigt ja auch auf, dass das, was Sanders „corporate media“ nennt, die starke Verflechtung von Medienkonzernen wie CNN, CBS oder Fox, mit Finanzkonzernen verdeutlicht. In Deutschland sind wir davon nicht mehr weit entfernt: in der neuesten Forbes Liste der Milliardäre weltweit tauchen weit mehr als 100 Deutsche auf. Darunter sind etliche Medienmogule von Bertelsmann und Springer über Burda und Bauer bis hin zu Holtzbrinck. Aber welcher Durchschnittsleser hat schon die Konzernverflechtungen im Hinterkopf, wenn er eine Zeitung oder Illustrierte aufblätter?

  5. Das wäre ja der Hammer!
    „CLINTONS FINANZMINISTERIUM SOLL AN BLACKROCK GEHEN: Aktuell berichtet „The Intercept“ von Vorbereitungen des Clinton-Lagers, im Falle eines Wahlsiegs das Finanzministerium im Gesamtpaket an den Großmoloch unter der Finanzmolochen zu geben – an Blackrock! Offenbar bereitet sich ein ganzes Team um Larry Fink bereits auf die Übernahme vor. (Hier: https://theintercept.com/2016/03/02/larry-fink-and-his-blackrock-team-poised-to-take-over-hillary-clintons-treasury-department/)“
    Ich schrieb schon vor paar Tagen:“An Posten mangelt es Friedrich Merz wahrlich nicht. ….soll Aufsichtsratschef bei Blackrock Deutschland werden.“ und „„So kommt es, dass Blackrock Anteile an ALLEN Dax-Unternehmen hält. Über seine vielen Fonds ist der US-Konzern beispielsweise größter Einzelaktionär der Chemiekonzerne BASF und Bayer. Zusammengerechnet sind die Dax-Beteiligungen des Konzerns mehr als 50 MILLIARDEN Euro wert.“
    In diesem Video kann man sich über die Machenschaften informieren.
    https://www.youtube.com/watch?v=Zp7vgOqgpBg

    MFG LB

    • Ich bin ja wirklich kein Fan von Clinton, aber fairerweise möchte ich schon anmerken, dass im Artikel des ‚Interceptor‘ stand, dass Clinton diesen ‚Vorschlag‘ des CEO von Blackwater offenbar ablehnt – wobei nicht klar ist, ob das im Falle einer Präsidentschaft von Clinton halten würde. Wenn Clinton aber wirklich diesen Leuten das Finanzministerium geben würde, würde sie sich völlig blamieren, meines Erachtens geradezu lächerlich machen vor der kritischen Öffentlichkeit. Aber auch ich habe meine Zweifel, ob das für H. Clinton wirklich ein Problem wäre.
      Dieses Gebaren des Blackrock-Vorstandsvorsitzenden Fink zeigt aber auch ein ganz aktuelles Problem auf. Offenbar betreibt der nämlich seine plumpen Beeinflussungsversuche für eine Politkarriere für sich und seine Clique auf Kosten des Vermögens der Aktionäre von BlackRock. Mit deren Vermögen, mit dem Geld der Aktionäre werden nämlich auch die unglaublich hohen Honorare für Hillary Clinton gezahlt, die offenbar auch die Funktion haben, den CEO ins Finanzministerium zu bringen, weil er den Wunsch hat, da auch mal zu arbeiten. Wenn die Aufsicht durch Aufsichtsräte funktionieren würde, wäre Fink nach diesen Aktionen spätestens nach der nächsten Aktionärsversammlung seinen Posten los. Aber Figuren wie Aufsichtsrat in spe Friedrich Merz tun sowas praktisch nie – was die Frage aufwirft, warum das so ist.

    • PS: Ich sehe gerade, die Honorare für Clinton kamen nicht von Blackrock, sondern von Goldman Sachs. Es wäre aber interessant, herauszufinden, ob sie bei Blackrock auch auf der Rednerliste steht.

    • Michael Kanellos sagt:
      „Ich sehe gerade, die Honorare für Clinton kamen nicht von Blackrock, sondern von Goldman Sachs. Es wäre aber interessant, herauszufinden, ob sie bei Blackrock auch auf der Rednerliste steht.“

      Das ist heute völlig egal alles das Gleiche.
      „Wem gehört BlackRock, wem die großen Banken?

      Wenn ein Unternehmen eine derartige Macht besitzt, ist es natürlich von höchstem gesellschaftlichem Interesse, zu wissen, wer diese Macht kontrolliert. Wem gehört BlackRock? Wer die Studie der ETH Zürich aus dem letzten Kapitel noch in Erinnerung hat, dürfte von der Antwort auf diese Frage kaum überrascht sein: 75 Prozent der Anteile an BlackRock verteilen sich auf drei Großbanken – Merrill Lynch (eine Tochter der amerikanischen Großbank Bank of America), Barclays (eine britische Großbank) und PNC Financial Services (eine amerikanische Großbank). Und wem gehören diese Unternehmen? Die größten Anteilseigner der Bank of America sind State Street, Vanguard, BlackRock, J. P. Morgan, Wellington, Capital Research, Bank of New York Mellon, Capital World, Northern Trust und Franklin Ressources – allesamt Finanzunternehmen, die in der ETH-Studie zum Machtzentrum des Wirtschaftssystems gezählt werden. An Barclays sind neben den üblichen Verdächtigen (BlackRock, Legal & General, Capital Group) noch der Staatsfonds von Katar und die Herrscherfamilie von Abu Dhabi beteiligt, die während der Finanzkrise die vor dem Aus stehende Großbank mit frischem Geld retteten. An PNC sind wiederum die üblichen Verdächtigen (BlackRock, Wellington et cetera pp.) beteiligt. Ähnliche Besitzstrukturen finden wir heute bei jeder Großbank. Fast alle Finanzunternehmen, die laut ETH-Studie die Weltwirtschaft steuern, besitzen und kontrollieren sich gegenseitig. Mit dem Geld ihrer Kunden haben Großbanken und große Investmentgesellschaften so einen völlig autonomen Kern geschaffen, der sich gegen jegliche Mitsprache oder gar Kontrolle von außen abgeschirmt.“
      „In den Lehrbüchern der Ökonomie gibt es eine klare Trennung zwischen den Besitzern und dem Management eines Unternehmens. Das Management wird, so die Theorie, von den Besitzern kontrolliert und befolgt deren Anweisungen. In der Praxis kontrollieren sich jedoch die Manager der großen Finanzunternehmen über die zahlreichen Querverbindungen und gegenseitigen Beteiligungen selbst. Oder um es zuzuspitzen: Die kleine Gruppe der Topmanager der großen Finanzunternehmen beherrscht nicht nur den Großteil der Weltwirtschaft, sondern kontrolliert und ernennt sich zudem selbst.
      Was die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel also als marktkonforme Politik bezeichnet hat, ist letztlich der längst vollzogene Kotau vor einem globalen außerparlamentarischen Machtzentrum, das weder vom Volke gewählt noch demokratisch kontrolliert oder legitimiert ist. Insofern passt der Name BlackRock als Analogie auf das mystische Artefakt, das in den Superman-Comics den Schurken die notwendigen Superkräfte gibt, um im epischen Kampf über die Macht im Universum die Guten zu besiegen, doch ganz hervorragend. Oder?“
      http://www.nachdenkseiten.de/wp-print.php?p=22077
      An Goldman Sachs ist z.B. BlackRock Fund Advisors beteiligt!!!
      http://www.finanzen.net/unternehmensprofil/Goldman_Sachs
      http://www.finanzen.net/unternehmensprofil/BlackRock

      MFG LB

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