KenFM am Telefon: Gaby Weber („Krater für den Frieden“)

„Krater für den Frieden“

Wir schreiben das Jahr 1959. Nikita Sergejewitsch Chruschtschow steht vor den Vereinten Nationen und fordert vom Westen, gemeinsam das Wettrüsten aufzugeben. Der russische Staatschef möchte vor allem, dass die damals als sexy geltenden Atomtests endlich der Vergangenheit angehören. Zudem fordert er einen Friedensvertrag für ein Deutschland, das er schnell wiedervereinigt sehen möchte!

Diese Geschichte klingt unglaublich. Doch sie entspricht der Wahrheit. Dass nur wenige diese tatsächliche Story kennen, ist das Ergebnis solide gemachter US-Propaganda, wie wir sie auch heute erneut erleben, um Russland zu dämonisieren.

Es geht nicht ohne Feindbild.

Damals wie heute erkannte der Militärisch-Industrielle-Komplex, dass Frieden und Abrüstung schlecht für’s Geschäft sind. So torpedierte die amerikanische Rüstungsindustrie die Friedenspläne aus Moskau. Konkret, die USA sabotierten die im Mai 1960 geplante Gipfelkonferenz der Alliierten in Paris, indem sie illegale Atomtests in Südamerika durchführten.

Offiziell ist der Friedens-Gipfel in Paris 1960 an den Wutanfällen des Russischen Staatschefs gescheitert, da die USA parallel die Lockheed U-2, ein Spionageflugzeug, über der UdSSR kreisen ließen – doch so dämlich war der Russe nicht.

Die tatsächlichen Gründe des Scheiterns findet man in den offiziellen Geschichtsbüchern oder bei Wikipedia nicht. Es gab keine Atomtests in Südamerika. Stattdessen wurde in Argentinien das Aufstöbern und die Entführung eines gewissen Eichmann durch den Mossad frei erfunden, und ereignete sich spontan ein Erbeben in Chile.

„Krater für den Frieden: Wie der militärisch-Industrielle-Komplex die Abrüstung überlebte“, ist der neue Dokumentarfilm von Gaby Weber. Die investigative Journalistin wühlt seit 40 Jahren in den Archiven dieser Welt, um speziell den Tatort Südamerika zu beackern.

Jahrzehntelang konnte sie so Perlen an den WDR oder den Deutschlandfunk liefern. Heute ist das immer seltener möglich. Entweder weil die entsprechenden gebührenfinanzierten Sender entsprechende Sendeplätze aufgegeben haben, „Kostengründe“, oder weil die Stoffe der Gaby Weber einfach zu brisant sind. Man will keine Anrufe aus der Industrie oder von ausländischen Ministerien.

Inzwischen hat sich Gaby Weber ein Einreiseverbot in den USA erarbeitet. Ihre jährlichen Recherchen in den großen US-Archiven scheinen der Vorzeige-Demokratie nicht mehr in den Kram zu passen.

Der Film „Krater für den Frieden“ wird nie bei ARD, ZDF, ARTE oder 3Sat laufen. Man findet ihn nur bei Youtube. Noch.

KenFM empfiehlt die Werke von Gaby Weber, den aktuellen Film aber im speziellen, denn er zeigt, mit welch perfiden Tricks der militärisch-industrielle-Komplex und seine angeschlossenen Medienkonzerne damals vorgingen, um Krieg als Geschäftsmodell auch weiter zu etablieren. Wer nach dem Film über die Vergangenheit die Gegenwart wieder erkennt, hat etwas begriffen, was man Muster nennt.

Hier der Link zum Film: https://www.youtube.com/watch?v=UFzVn740rf8

39 Kommentare zu: “KenFM am Telefon: Gaby Weber („Krater für den Frieden“)

  1. Gaby Weber hat einen ganz hervorragenden Beitrag geleistet, der (wie im filmischen Nachspann zu lesen) von mehreren Seiten blockiert wurde. Auch der Film selbst spricht an einigen Stellen über die Verhinderung ( Material aus Archiven sichten zu lassen, bzw. abzustreiten überhaupt Material zu besitzen)

    Mai 1960:
    Wie sehr die Gipfelkonferenz damals mehrfach mit Ablenkungsmanövern und Geschichten torpediert worden ist, sollte eigentlich allen größeren Medien eine riesige Geschichte wert sein.

    Das Thema Abrüstung war damals schon ein Dorn im Auge – ähnlich wohl auch die Grenzen Deutschlands.

    Je mehr Jahre vergehen … die Themen von damals wirken immer noch nach. Und es scheint auch bei der Politik ( z.B. die chilenische Präsidentin und Barack Obama betreffend) immer noch das „Faustrecht“ im politischen Sinne zu gelten: der Stärkere setzt sich durch; und nicht, was möglicherweise damals politisch vereinbart worden ist.

    Es wäre für die chilenische Präsidentin sicher von der amerikanischen Regierung als Affront gewertet worden, hätte diese Frau Weber ihre persönliche Sichtweise, aber auch aus dem Amt als Präsidentin heraus, geäußert.

    Das, was Frau Weber recherchiert hat, ist medialer Sprengstoff. Daran auch schon erkennen, dass es mit einem Einreiseverbot in die USA ausgezeichnet worden ist.

    Darüber müsste politisch und medial viel mehr der Zeigefinger des Journalismus hinweisen, denn wenn etwas so sehr boykottiert und abgelehnt wird, hat es politische Relevanz.

  2. Ich habe als Kind nie ganz verstanden, warum ein Onkel von mir, der am Gymnasium Geschichte unterrichtete, sich frustriert frühzeitig pensionieren ließ, weil er, wie er immer sagte, seinen Schülern nicht die Wahrheit vermitteln durfte. Wenn man genauer hinschaut, ist unsere ganze populärwissenschaftliche Menschheitsgeschichte eine Lügenstory mit Wahrheitseinsprengseln. Das muss man erst einmal richtig begriffen haben, ehe man sich daran macht, die Welt zu deuten. Die Lüge als Bekleidung fortwährender unterdrückerischer Gewalt der entsprechenden Eliten hat sich in allen Bereichen zunehmend zum Verhängnis ausgewachsen, wie sich immer deutlicher abzeichnet. Eigentlich alles ganz logisch und leicht zu begreifen, ist eben nur für viele zu unbefriedigend und beunruhigend, um es als Tatsache schlucken zu wollen oder zu können. Für die Spaßgesellschaft ist das nix, die lässt sich dann doch lieber immer weiter mit einlullenden Lügen beruhigen und wurstelt weiter gut bezahlt vor sich hin.

    • @ Votava: „…Schülern nicht die Wahrheit vermitteln durfte,“

      Vor Kurzem sprach ich mit einer jungen Frau, die sagte, sie habe das Staatsexamen nun hinter sich und würde als Lehrerin arbeiten. Wir sassen zusammen am runden Tisch und sprachen über dies und jenes, da fing sie an, über Politik zu reden. Sie selber würde gar nicht mehr wählen gehen, weil sie sich durch keine der Parteien vertreten fühle, und, weil diese Wahlen ihrer Meinung nach eine Farce seien . „Putin“ – sagte sie wörtlich – „ist wenigstens souverän.“
      Dann wurde sie etwas nachdenklich und fügte hinzu: „Aber wenn ich Schüler unterrichte, dann MUSS ich denen erklären, dass sie wählen gehen sollten.“
      Da frage ich mich, wie verlogen oder innerlich unwahrhaftig so jemand tickt, die privat das Gegenteil von dem für richtig hält, was sie als staatl. (!) verbeamtete Lehrerin anderen „erklärt“ ?

    • @ Votava: Anderes Beispiel für die Fragwürdigkeit der Staatsschule

      Bin nun selber ein Kind der 1950 er Jahre. Habe Anfang der 1970 er ein staatl. Gymnasium besucht während dieser Flower Power Hippie Zeit, wo Politik in Deutschland alle Register zog, um Abtreibung salonfähig zu machen.
      Es war in der 11. Klasse, wo uns ein Lehrer Filme mit missgebildeten Babys zeigte. Kinder ohne Arme o.ä., lauter entstellte Kleinkinder mit Fehlbildungen des Körpers.
      Und nun rate mal, was der uns als angebliche Ursache der Missbildungen nannte ? Das seien die Kinder derjenigen Eltern, die irgendwann mal „LSD 25“ der Firma „Sandoz“ in der Schweiz konsumiert hatten.

      Wer hatte das damals NICHT mal genommen ? So jemand hätten wir in DER Zeit mit der Lupe suchen müssen.
      Fast JEDER hatte das mal probiert. Und nun ging dieses Thema etwa sechs Monate lang durch alle privaten Familien, deren Kinder solche Schule besuchten und etwa selber schwanger waren bzw. Kinder erwarteten…
      Das Thema Abtreibung kam auf, weil kaum jemand Kinder ohne Arme usw. wollte und wirklich Millionen Leute damals LSD 25 getestet hatten. Wir schmissen z.B. eine Hand voll winzigleiner „Trips“ in die Bowle, tranken das aus und rollten uns vor Lachen auf dem Teppich, während wir die völlig bescheuerte Werbung über die Produkte dieser Zeit im Radio hörten…

      Etwa sechs Monate NACH dieser Schulstunde kam derselbe Lehrer in die Klasse, ziemlich kleinlaut. Sandoz hatte gegen diese DESINFORMATION (!) geklagt. Der Lehrer MUSSTE uns die Wahrheit mitteilen: “ LSD 25 der Schweizer Firma Sandoz verursacht KEINE Missbildungen bei Kindern der User.“ GEGENDARSTELLUNG.
      Dann kam sein: „Sorry, die Schule hat aus Versehen die Filme vertauscht.“

      Während dieser sechs Monate waren wieviel Babys abgetrieben worden ? Man weiss es wohl nicht so ganz genaus.
      Hauptsache war, dass irgendwie auf Biegen und Brechen das Ertöten menschlichen Lebens salonfähig wurde.
      Die LEHRE, die ich daraus zog, ist: Der Staat hat uns durch seine Schulen DESINFORMIERT. Die private Firma Sandoz musste diese Lehrer erst gerichtlich dazu zwingen, uns zu INFORMIEREN.

    • @ Votava: Anderes Beispiel für die Fragwürdigkeit der Staatsschule

      Bin nun selber ein Kind der 1950 er Jahre. Habe Anfang der 1970 er ein staatl. Gymnasium besucht während dieser Flower Power Hippie Zeit, wo Politik in Deutschland alle Register zog, um Abtreibung salonfähig zu machen.
      Es war in der 11. Klasse, wo uns ein Lehrer Filme mit missgebildeten Babys zeigte. Kinder ohne Arme o.ä., lauter entstellte Kleinkinder mit Fehlbildungen des Körpers.
      Und nun rate mal, was der uns als angebliche Ursache der Missbildungen nannte ? Das seien die Kinder derjenigen Eltern, die irgendwann mal „LSD 25“ der Firma „Sandoz“ in der Schweiz konsumiert hatten.

      Wer hatte das damals NICHT mal genommen ? So jemand hätten wir in DER Zeit mit der Lupe suchen müssen.
      Fast JEDER hatte das mal probiert. Und nun ging dieses Thema etwa sechs Monate lang durch alle privaten Familien, deren Kinder solche Schule besuchten und etwa selber schwanger waren bzw. Kinder erwarteten…
      Das Thema Abtreibung kam auf, weil kaum jemand Kinder ohne Arme usw. wollte und wirklich Millionen Leute damals LSD 25 getestet hatten. Wir schmissen z.B. eine Hand voll winzigleiner „Trips“ in die Bowle, tranken das aus und rollten uns vor Lachen auf dem Teppich, während wir die völlig bescheuerte Werbung über die Produkte dieser Zeit im Radio hörten…

      Etwa sechs Monate NACH dieser Schulstunde kam derselbe Lehrer in die Klasse, ziemlich kleinlaut. Sandoz hatte gegen diese DESINFORMATION (!) geklagt. Der Lehrer MUSSTE uns die Wahrheit mitteilen: “ LSD 25 der Schweizer Firma Sandoz verursacht KEINE Missbildungen bei Kindern der User.“ GEGENDARSTELLUNG.
      Dann kam sein: „Sorry, die Schule hat aus Versehen die Filme vertauscht.“

      Während dieser sechs Monate waren wieviel Babys abgetrieben worden ? Man weiss es wohl nicht so ganz genaus.
      Hauptsache war, dass irgendwie auf Biegen und Brechen das Ertöten menschlichen Lebens salonfähig wurde.
      Die LEHRE, die ich daraus zog, ist: Der Staat hat uns durch seine Schulen DESINFORMIERT. Die private Firma Sandoz musste diese Lehrer erst gerichtlich dazu zwingen, uns zu INFORMIEREN.

  3. Dass Eichmann offenbar eher durch Vertreter der US-amerikanischen Wirtschaft (die Angst vor Enthüllungen über ihre Lieferungen an die Nazis hatten) als durch den israelischen Staat inhaftiert wurde, wie Frau Weber ermittelt hat, ist eine interessante Geschichte, das wusste ich bisher auch nicht.

    • Das Buch heißt ‚Eichmann wurde noch gebraucht‘. Ich finde es schon ziemlich skandalös, dass die USA bzw. die Obama-Administration (McCarthy-Ära-Politik statt dem versprochenen ‚Change‘) eine solche Enthüllung mit einem Einreiseverbot beantwortet. Auch wenn es keinen juristischen Anspruch auf Einreise gibt, wird hier unverhohlen die freie Meinungsäußerung sanktioniert. Ich finde es nicht nachvollziehbar, warum die US-Einwanderungsbehörde derart vorgeht – die einzig sinnvolle Erklärung ist tatsächlich, dass die Offiziellen dort in sehr spezieller Weise mit den Familien der damaligen Nazizulieferer verbunden sind (etwa über eine Geheimgesellschaft oder einen Verein).
      Interessanterweise ist aber gerade diese Aktion ein weiterer Beleg dafür, dass die Geschichte inhaltlich wirklich zutreffend ist (und zwar auch in bezug auf die Intentionen).

  4. Ich fand das Interview am Anfang des Filmes bescheuert. Hätte ich nicht gewusst, worum es in diesem Film ging, dass es der Film ist, von dem ich schon vor über drei Jahren gehört hatte, dass der irgendwann mal erscheint, hätte ich mir diesen Film nicht länger angeschaut. Ich denke, dass man mit so etwas viel mehr Leute abschreckt als man erreicht.

    Ich verstehe nicht, warum man in Puerto Deseado zur Wasserversorgung herumgesprengt werden sollte. Das Gebiet, wo der Fluss unter dem Vulkangestein fließt, ist viel weiter westlich. Südlich von Puerto Deseado ist wohl Brackwasser. Es hätte aber gereicht, da, wo das Vulkangestein aufhört, das Wasser abzugreifen.
    Zum Herumspielen mit den Atombomben war das allerdings passend. Ob da Atombomben benutzt worden sind, müsste man herauskriegen können, wenn man dort nach Rückständen von Atombombenexplosionen sucht.
    Ich wundere mich, warum es nicht mehr zu dem Bau eines weiteren Mittelamerikakanals mit Atombomben gekommen ist. Vor 20 Jahren wurde mal behauptet, dass in russischem Erdgas radioaktive Rückstände seien, weil die Russen bei dem Erschließen von Gasfeldern Atombomben einsetzen würden.

    Im Film sagte der argentinische Erdbebenmann deutlich, dass die Sprengung das Erdbeben nicht verursacht haben kann, höchstens ein Beben, das ohnehin geschehen wäre, ausgelöst haben könne. Das heißt, dass es ohne die Sprengung ein paar Tage später soweit gewesen wäre.
    In diesem Telefonat klingt es wieder so, als wenn Sprengung Schuld an den Schäden durch das Erdbeben sei, also das Erdbeben ohne die Sprengung nicht stattgefunden hätte.

    In diesem Podcast ab 1:37:00 erzählt ein U2-Pilot von Radioaktivitätmessung, allerdings über dem Pazifik, wo er danach in Mendoza gelandet sei, und weil das Flugzeug dekontaminiert wurde und längere Zeit da herum stand, in argentinischen Zeitungen darüber berichtet worden sei. Leider geht daraus nicht hervor, ob das Mai 1960 war.

    Interessant fand ich auch, dass Sebastian Pflugbeil die These unterstützt, dass es 1944 und 1945 in Deutschland zu Atombombenversuchen gekommen sei. Ich hatte bisher nur gehört, dass im Jonastal erfolglos nach Rückständen von Atombombenexplosionen gesucht hätte.

  5. Vielen Dank für dieses Gespräch und den Link zu dem Film von Gabi Weber!
    Und ja es ist wichtig, diesen Journalismus finanziell zu unterstützen.
    Hier fällt mir das Gespräch mit Ken Jebsen und Prinz Chaos ein, der dort erzählt, wie Berni Sanders in seinem Wahlkampf untersützt wird…
    Wenn jeder soviel Geld spendet, wie er erübrigen kann und sei es nur ein Euro, dann ist es letztendlich die „Masse“ die solche Projekte unterstützt und möglich macht!

  6. Super Interview und super Film „Krater für den Frieden“. Gaby Weber hat meine Hochachtung für ihre Hartnäckigkeit und Wahrheitsliebe. Vielleicht entwickelt sich KenFM auch nebenbei noch zu einem Spendenkonto aus dem Enthüllungs-Journalisten gezahlt werden – Journalisten-Nothilfe wäre schön… Griechenland hat ja auch gut geklappt. Die Großkriminellen zahlen mit ihren Propaganda-Stiftungen, so müssten auch viele kleine Beträge (und große von guten Firmen etc) zusammen kommen und verteilt werden können. Aber vlt. wäre das auch gefährlich weil angreifbarer als kleine dezentrale Strukturen…vlt. irgendein Zwischending…ich weiss es nicht, aber an der chronischen Unterfinanzierung von guten Journalisten muss sich was ändern. Noch was zum Film: sehr komplex und detailreich, erfordert Hintergrundwissen. Sehr hilfreich zum Verständnis für die, die „Eintauchen“, leider sprechen diese Formate nicht die Massen an. Vlt. brauchen wir zusätzlich zu solchen eher intellektuellen Formaten leicht zu Verstehendes… vom Schlag einer Bild-Zeitung aber mit wahrer Information, nicht verblödend aber „leicht“.

    • Ich muss dabei unwillkürlich an das Zitat von Einstein denken, das sinngemäß meint, dass man Fehler, die aus einer gewissen Denkstruktur entstanden sind, nicht wieder mit der selben Denkstruktur ausbügeln kann. Deshalb kann so etwas wie eine „Bildzeitung Light“ sowieso nicht funktionieren. Die Wahrheit ist ja eigentlich immer ganz einfach- die Menschen müssen sie nur zulassen wollen. So im Sinne „werdet wie die Kindelein…“. Die notwendige Veränderung kann nicht von außen kommen. Entweder sie kommt aus dem Herzen der Menschheit, oder es geht weiter so mit der Erstickung des Lebendigen. Es wird sich zeigen müssen, ob diese Spezies noch eine Selbstheilungskraft in sich trägt, oder ob sie immer nur noch weiter alle Kanäle verstopft, durch die neue Lebenskraft einfließen könnte.

  7. Ich möchte den angesprochenen Film (Krater für den Frieden) jeder/jedem an Herz legen, der/die sozialpolitisch und/oder an Geschichte interessiert ist.
    Aber auch die anderen Arbeiten von Gaby Weber sind beachtenswert.
    Würde mich freuen, wenn sie größere Verbreitung fänden und wenn sich das auch finanziell für Gaby Weber auszahlen würde.

  8. @Ken und die anderen User: kennt jemand die Quelle für das angebliche Orwell-Zitat, das Ken am Anfang des Beitrags bringt:
    „Journalismus ist etwas, von dem andere nicht wollen, dass es veröffentlicht wird. Alles andere ist Propaganda.“
    Ich habe selber gesucht und leider nichts gefunden.
    LG Jan

  9. Liebe Michaela! Ja, so ist es! Man kann nur noch davon ausgehen, dass es sich hier um eine unerklärliche Geiselnahme der Welt durch völlig durchgeknallte Verbrecher handelt! Ich habe in einem meiner privaten Texte darüber u.a. geschrieben: „Man könnte meinen, dass jemand von außerhalb der Menschheit den Auftrag gegeben habe, diesen Planeten so nachhaltig als möglich zu zerstören…“
    Es gibt ja auch viel Literatur zur These, dass Ausserirdische irgendwann auf der Erde gelandet seien und mitgemischt hätten. Das könnte aber nur u.U. die Lieb-und Rücksichtslosigkeit erklären, wie mit unserem Heimatplaneten umgegangen wird. Ich selbst habe bisher noch keine Lust verspürt, mich ernsthaft gedanklich mit dieser Art Spekulationen zu befassen. Aber ich bin in keiner Richtung vorurteilshaft, vielleicht ist ja irgendetwas dran. Habe nur keine Lust, mich mit reinen Theorien zu befassen, so lange ich nichts davon mit eigenen Sinnen wahrgenommen habe.
    Bis jetzt denke ich einfach nur, dass die Menschheit insgesamt es selber vergeigt hat, warum auch immer…

    • @ Votava: “ Literatur zur These,…“

      Liebe Votava,
      es gibt ja so allerlei Phänomene, denen gegenüber ich zumindest mir eingestehen muss, sie nicht zu durchschauen.
      Ein Mann wies mich mal auf ein Video aus Amerika hin. Da spricht ein angeblicher Militär a.D, über seine frühere Tätigkeit auf einer Abschussrampe für Raketen mit atomaren Sprengköpfen. Und dieser Mensch erzählt uns einen von einem „UFO“, das angeblich über der Abschussrampe „hing“ und rot leuchtete, und das habe angeblich irgendwelche Signale ausgestrahlt, wodurch plötzlich der Computer der Anlage auf AUS gestellt war. Man hätte während dieser Zeit nicht vermocht, eine Rakete abzufeuern.
      Was hat das evtl. zu bedeuten ?
      Wenn angeblich ein UFO dafür „verantwortlich“ sein soll, ob US Raketen Basen funktionieren oder nicht und wenn die Leute das allgemein auch noch glauben, dann wird demnächst möglich werden, dass eine Rakete abgeschossen wird, die bei „Freunden“ einschlägt, und dann werden die Amis sagen: “ Liebe Freunde, nun wurde zwar eure schöne Hauptstadt in Schutt und Asche gelegt durch eine amerikanische Rakete. Sorry ! Doch WIR waren das NICHT gewesen. Das waren diese Weltraum-Terroristen mit diesem rot leuchtenden UFO gewesen. So kleine grüne Männeken mit riesigen Augen und vier Fingern an jeder Hand. Die können unsere Basen fernsteuern. Und wer das anzweifelt, der landet als Verschwörungstheoretiker im Kittchen. “ Ja ?

      Es wäre eine Vermaterialisierung der geistigen Welt, sich „Ausserirdische“ als materielle Wesen vorzustellen.
      Der Jesuitenzögling von Däniken schreibt Bestseller über diesen Irrsinn.
      Die Leute WOLLEN offenbar sich „Götter“ materiell vorstellen. Sie wollen das Spirituelle in die Niederungen des Materiellen hinunterziehen, wollen das Uebersinnliche ins Sinnliche herunterziehen, damit sie sich ja nicht anstrengen brauchen, sich selber bewusstseinsmässig höher zu entwickeln, auch durch pflanzliche Nahrung statt Tiere zu verzehren, auch durch das Meiden von Alkohol und durch Meditationen. Alles zu unbequem für die Masse, die lieber so ein gruseliges „Gefühl“ bekommt bei mysterisen Dingen.

      Sie wollen nicht mehr die Sternenschrift geistig lesen, sie wollen „UFOS“ glotzen und wohlig erschauern, und sie wollen in Kornkreisen umher tapsen und „Energiefelder fühlen“ und halten diesen Schwachsinn für „Esoterik“.
      „UFOS“ sollen ablenken vom geistigen Lesen der Sternenschrift. Und Kornkreise sollen ablenken vom Phänomen Mutterkorn mit claviceps purpurea.

  10. Es ist zu befüchten, die Kommerzialisierung und Privatisierung, das Dumbing Down des Internets – einschließlich der (investigativen) Blogger – wird nicht aufzuhalten sein, wie schon geschehen mit Fernsehen, Zeitungen und Büchern, und mit der Bildung in Schule und Hochschule.

    In einem so gekaperten Internet für investigativen Journalismus bezahlen zu müssen, das scheint nicht der richtige Weg zu sein. Das erinnert an die Kommerzialisierung und Privatisierung des Fernsehens und anderer MSM sowie an deren Istzustand.

    Die Crux ist eben, daß Aufklärung und Kommerz sich meist nicht wiklich vertragen.

    Generationen von Historikern und Journalisten, als Vermittler von Geschichte und Zeitgeschichte, haben die Tatsache von Tabus, wie Staatsgeheimnisse und verschlossene (geheime) Archive, angeblich zum Schutz von Staat und Bürger, sowie eine Reihe anderer Tabus, „akzeptiert“ und damit dazu beigetragen, daß die in der Demokratie garantierten Rechte durch diese Tabus entscheidend ausgehebelt wurden. Solche Tabus müssen endlich durch Historiker und Journalisten enttabuisiert werden dürfen.

    Historiker wie Daniele Ganser und investigative Journalisten wie Ken Jebsen, Gaby Weber etc. sollten vielleicht ihre bestehenden Kooperationen ausbauen und neue aufbauen. Allein via Internet eine Strategie zu verfolgen ist sicher nicht ratsam. Vielleicht müssen unabhängig vom globalen Internet viele kleine Netzwerke lokal, regional und international entstehen, die zwar zusammen arbeiten und wirtschaften, aber nicht vernetzt sind. Small is beautiful! Kooperativ! Ein Brand!

    Das Kino ist ein guter Ort. Dort gab es mal die Wochenschau vor dem Film. Volkshochschule. Lokale Stammtische im ganzen Land. Rückführung in den, und Wirkung im, lokalen Raum, analog dem Raum des einzelnen Menschen. Die Schule öffnet die Schule für die Bundeswehr. Sie sollte sie auch für investigative Historiker und Journalisten öffnen.

    Investigatve Historiker und Journalisten werden vielleicht außerhalb des Internets mehr reden, vortragen. Und dafür bezahlt werden. Kooperativer Verlag fürs Schreiben.

    Nebeneffekt: Vorteile des „Small is Beautiful“.

    Zu Gaby Weber: Verdient jeden Preis, den es gibt.

    • Zitat „In einem so gekaperten Internet für investigativen Journalismus bezahlen zu müssen, das scheint nicht der richtige Weg zu sein. Das erinnert an die Kommerzialisierung und Privatisierung des Fernsehens und anderer MSM sowie an deren Istzustand.“
      Da gebe ich dir insofern Recht, als es letztenendes wieder darauf hinauslaufen könnte, dass die Menschen mit Geld wieder bestimmen, was „Wahrheit“ ist.
      Aber andrerseits haben wir momentan keine andere Möglichkeit, wirklich viele zu erreichen und noch ist die Crowd-Finanzierung eine Möglcihkeit, überhaupt jenseits der Propagandamaschine an Informationen zu kommen.
      Ich sehe es als Notlösung, zumal ich an finanziellen Mitteln auch nicht grade gut bestückt bin.

    • Es ist zu befüchten, die Kommerzialisierung und Privatisierung, das Dumbing Down des Internets – einschließlich der (investigativen) Blogger – wird nicht aufzuhalten sein, wie schon geschehen mit Fernsehen, Zeitungen und Büchern, und mit der Bildung in Schule und Hochschule.

      Dies wird ja nicht nur auf die Ebene der Qualität ( = der Medien, die bezahlbar werden / sind) vorangetrieben, sondern auch zusätzlich auf der Ebene der Quantität ( = der Menge der Daten, die aufgerufen und genutzt werden kann)

      Dadurch wird der Zugang zu Wissen, Möglichkeiten der Bildung natürlich von zwei Seiten beschnitten. Langfristig gesehen, bekommen durch die Bepreisung von Medien auf der einen, sowie die Beschneidung von Tarifen auf der anderen Seite eine Richtung, die dazu führen wird, dass nur mit entsprechendem Geld Zugang zu Informationen verfügbar sein wird:

      Hier lässt z.B. sehen, welcher Anbieter drosselt und welcher nicht:

      http://werdrosselt.de/

      http://www.7mobile.de/handy-news/gerichtsurteil-verbietet-drosselung-des-internetvolumens.htm

      Vodafone Kabel habe mit seinen Kunden vertraglich eine Reduktion der Geschwindigkeit bei Filesharing-Anwendungen nach einem Verbrauch von mehr als 10 Gigabyte pro Tag vereinbart. Daran halte Vodafone Kabel auch „weiterhin in der Praxis fest“ und setze „dies konsequent um“.

      http://www.golem.de/news/internet-vodafone-kabel-setzt-10-gbyte-drosselung-um-1512-117746.html

      Obwohl auf der einen Seite der Betrachtung Bezahlung die Währung ist, die Zugang zu Informationen ermöglicht, wird auf der anderen Seite die genutzte Summe der Daten „sicherheitshalber“ mal gespeichert und festgehalten:

      Verdachtslose Vorratsdatenspeicherung jetzt europaweit stoppen (11.04.2016)
      Im Vorfeld der morgigen Verhandlung des Europäischen Gerichtshofs über nationale Gesetze zur Vorratsdatenspeicherung appelliert der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung an die Richter, die verdachtslose Vorratsspeicherung von Telekommunikationsdaten der gesamten Bevölkerung europaweit zu ächten.

      „Die unterschiedslose Vorratsspeicherung von Informationen über jedes Telefonat, jede SMS, jede E-Mail und jede Internetverbindung der gesamten Bevölkerung stellt alle bisherigen Überwachungsmaßnahmen in den Schatten,“ kommentiert Ute Elisabeth Gabelmann vom AK Vorrat. „Eine Vorratsdatenspeicherung zeichnet dauerhaft das alltägliche Kommunikations- und Bewegungsverhalten aller 500 Millionen Menschen in der EU auf. Das hat sich für viele Bereiche der Gesellschaft als höchst schädlich erwiesen, etwa für Kontakte zu Psychotherapeuten, Ärzten, Rechtsanwälten, Eheberatern, Drogenmissbrauchsberatern und Journalisten. Ein Terroranschlag konnte mit Vorratsdaten hingegen noch nicht verhindert werden.“

      http://www.vorratsdatenspeicherung.de/

      Rein in die Blackbox
      Rund 60 Daten von Flugreisenden aus der EU werden künftig für Jahre gespeichert. Dabei gilt die Technik dahinter als alt, undurchsichtig und vor allem unsicher.
      http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2016-04/pnr-passagierdaten-europa-was-wird-gespeichert

      Den folgenden Punkt finde ich auch wichtig:

      Historiker wie Daniele Ganser und investigative Journalisten wie Ken Jebsen, Gaby Weber etc. sollten vielleicht ihre bestehenden Kooperationen ausbauen und neue aufbauen. Allein via Internet eine Strategie zu verfolgen ist sicher nicht ratsam. Vielleicht müssen unabhängig vom globalen Internet viele kleine Netzwerke lokal, regional und international entstehen, die zwar zusammen arbeiten und wirtschaften, aber nicht vernetzt sind. Small is beautiful! Kooperativ! Ein Brand!

      Das ist für den Journalismus ratsam, aber auf Dauer auch eine Perspektive für die Menschen, deren Beruf abweichend ist.

      Je mehr Vernetzungsdichte, Erregung und Iteration ( vgl. dazu Peter Kruse) erfolgt, desto höher ist der Zustand der Spannung innerhalb der Bevölkerung.

      Prof. Peter Kruse über Kreativität
      https://www.youtube.com/watch?v=oyo_oGUEH-I

      Je mehr Erregung und Informationsdichte aufeinander folgen, umso kann dies ein Umdenken erzeugen, Prof. Kruse spricht von „instabilen Phasen“ beim Thema Kreativität.

      Dann könnten sich irgendwann auch Menschen zu Sitz-Versammlungen in Deutschland, wie im Beispiel Frankreich bekannt, treffen.

      @ vizero:

      Da gebe ich dir insofern Recht, als es letztenendes wieder darauf hinauslaufen könnte, dass die Menschen mit Geld wieder bestimmen, was „Wahrheit“ ist.
      Aber andrerseits haben wir momentan keine andere Möglichkeit, wirklich viele zu erreichen und noch ist die Crowd-Finanzierung eine Möglcihkeit, überhaupt jenseits der Propagandamaschine an Informationen zu kommen.

      Gerade das gilt eben begrenzt. Jeder, der sich zuständig fühlt, könnte entweder in bestimmten Organisationen teilnehmen, oder ggf. selber eine Organisation ins Leben rufen:

      z.b. :
      http://network.humanistischefriedenspartei.de/

      oder :
      http://transformales-netz.de/

      vielleicht auch:
      http://www.begegnungenmitmenschen.de/

      oder :
      http://www.akademiefuerpotentialentfaltung.org/

      Es gibt sicher noch mehr Möglichkeiten, wir müssten diese entweder hier untereinander teilen, oder noch ergänzen.

      Denn erst, wenn es klar wird, wieviele Möglichkeiten wir haben, können wir uns einen besseren Überblick verschaffen und aktiv werden.
      Ich sehe es als Notlösung, zumal ich an finanziellen Mitteln auch nicht grade gut bestückt bin.

  11. Eine Ergänzung zu der im Telefongespräch kurz erwähnten, zur Zeit unvermeidlichen Panama-Paper-Show:

    „Wo sind all die Amis in den Panama Papers?“ – 4 Theorien

    Viel wurde über die Frage spekuliert, warum keine US-Amerikaner in den Panama Papers zu finden sind. Von den vier gängigsten Theorien ist es wohl vor allem die, dass die USA selbst eine der größten Steueroasen ist.
    (…)
    4. Die USA sind selbst eine riesige Steueroase.

    Der am nahe liegendste Ansatz.

    Andrew Penney, Geschäftsführer von Rothschild & Co., sagt, die USA „sind praktisch die größte Steueroase der Welt.“

    Es besteht für US-Bürger nur ein geringer Anreiz, Vermögen – ob legales oder illegales – in ausländischen Briefkastenfirmen zu verstecken.
    (…)
    Der winzige Bundesstaat Delaware an der Ostküste der USA ist die Hochburg der US-amerikanischen Steueroasen. Mit dem Ziel, Firmen aus dem benachbarten New York abzuziehen, wurde die unternehmerfreundlichste Gesetzgebung in den USA geschmiedet.

    Mit größtem Erfolg: mehr als die Hälfte aller börsennotierten US-Firmen hat heute ihren Sitz in Delaware. Es gibt mehr im Bundesstaat eingetragene Firmen als Einwohner. In Wilmington, der größten Stadt Delawares, haben 285,000 Firmen ihren Hauptsitz in einem einzigen kleinen Gebäude, Natasha del Toro vom Fusion Magazine hat in weniger als fünf Minuten eine Briefkastenfirma für ihre Katze Suki eröffnet – die ganze Absurdität des Briefkastensystems in a nutshell.

    https://diefreiheitsliebe.de/wirtschaft/wo-sind-all-die-amis-in-den-panama-papers-4-theorien/

    Mossack Fonseca ist eine von tausenden Geldwäsche-Kanzleien.
    In zahlreichen Artikeln dieser Tage wurde überzeugend dargelegt, daß Deutschland selbst eine Steueroase ist.
    Die Panama Papers sind nichts weiter als eine Nebelkerze die hoffentlich bald abgebrannt ist.

  12. Zur Beantwortung ist erst einmal zu klären, was denn nun die „Geschichte“ im modernen Sinne ist.

    Historisches Denken ist wie Religion der vorigen Formation ein Ausdruck fetischistischer Verfasstheit. So wie Religion die Neuordnung von Umwelt und Gesellschaft durch Sesshaftigkeit und agrarische Technologien widerspiegelt, so reflektiert historisches Denken die gesellschaftliche Leistung, Reichtum durch dessen Abstrahierung und die Abstrahierung des Reichtums durch Wachstum zu sichern. Reichtum, gesellschaftlicher Reichtum, der sich nicht mehr in sinnlicher, sinnlich wahrnehmbarer Anhäufung und festlicher Verschwendung, nicht mehr in Zurschaustellung und Verzehr des Angehäuften äußert, sondern bloß in immer größeren Zahlen, in immer größeren Geldsummen, erscheint zuallererst als Phänomen der Buchhaltung, nicht des durch ihn vermittelten Genusses. Er ist nicht mehr an Zyklen der Herstellung und des Verbrauchs gebunden, sondern durchbricht diese Zyklen und beweist sich nicht durch Verzehr des Überschusses, durch Verschwendung oder durch Verwaltung des Mangels in schlechten Zeiten, sondern durch stetiges Anwachsen. Ob der sinnliche, konkrete Zugang zu dem sich steigernden Reichtum gewonnen werden kann und wie, steht dabei gar nicht zur Debatte. Ob die abstrakten Kennzahlen die Aufnahmefähigkeit körperlicher, sinnlicher, konkreter Befriedigung übersteigen, auch nicht. Zwar weiß der Volksmund, dass man goldene Knödel nicht essen kann, weiß also über das begrenzte Verhältnis von Reichtum und Genuss Bescheid, aber diese banale Binsenweisheit spricht in der bürgerlichen Gesellschaft keineswegs gegen ein höchst dotiertes Konto. Aber dieses stetige, lineare Anwachsen, das nicht mehr zyklisch abgefangen wird, bringt die abstrakte Vorstellung des Fortschritts mit sich, der von sinnlichen, körperlichen Bedürfnissen ebenso wenig angekränkelt wird wie von der Frage nach Notwendigkeiten (etwa von noch weißer waschenden Waschmitteln, wobei der Fortschritt der Weiterentwicklung oft nicht mehr feststellbar ist). Der Fortschritt wird also bloß im Koordinatensystem verortet, sein Ausbleiben oder seine Verlangsamung als Bedrohung empfunden, sein Wirken in der Natur als geschichtliche Entwicklung zum Maßstab, der auch die menschliche Entwicklung bestimmt und sich unterwirft, die Menschheitsgeschichte zum Sonderfall der Naturgeschichte, der biologischen Evolution macht.

    Mit der Vorstellung der Geschichtlichkeit, der fortschreitenden Abfolge sind zwei Denkarten verbunden, die eng mit einander verbunden sind und den Fetischismus der Wissenschaftlichkeit gut illustrieren: Chronologie und Kausalität. Beide dienen weniger dazu, zu Erkenntnis und Erfahrung zu gelangen, denn dazu, die Ordnung der Welt zu stabilisieren und aufrecht zu erhalten. Während Chronologie die Darstellung der zeitlichen Abfolge der Dinge ermöglicht, stellt Kausalität die Verantwortlichkeit für die Dinge her. Sie ereignen sich nicht mehr durch Zufall oder göttliche Schöpfung, sondern sind von vorherigen Ereignissen bestimmt. Bezogen auf die Leute dieser gesellschaftlichen Formation des Modernen Ensembles heißt dies, dass es kein Schicksal mehr gibt, sondern Schuldige. Selbst bei Katastrophen wie Erdbeben oder Vulkanausbrüchen werden noch Verantwortliche namhaft und dingfest gemacht, die es verabsäumt haben, rechtzeitig zu warnen und so noch zu einer Rechtfertigung gezogen werden können. Wir sehen hier deutlich die Anschlussstellen an die Subjektivität: Nichts geschieht aus sich heraus. Soweit es für die Natur (die Umwelt) gilt, sind Gesetzmäßigkeiten am Werk, wo es die Menschen (die Leute, die Gesellschaft) betrifft, ist es eine Frage geglückter, verantwortlich vollzogener Unternehmung unter Achtung eben dieser Gesetzmäßigkeiten. Wird gegen diese verstoßen oder werden sie nicht sorgfältig genug beachtet oder sind sie noch unbekannt, dann kann dies zu Verwerfungen, Unfällen oder sonstwie ungewollten Ergebnissen führen. Für die Leute dieser Formation bedeutet es jedenfalls Sicherheit und Handhabe, die dieses historische Gerüst, diese geschichtliche Krücke mit Chronologie und Kausalität anbietet, und es ist nicht sehr verwunderlich, dass Geschichte in Hinkunft überall auftaucht, wo Subjekte auftauchen, sich emanzipieren und konstituieren.

    Wir können durch den Verlauf der verschiedenen Subjektkonstitutionen hindurch immer das Formulieren der Geschichten hören, das damit verbunden ist. Nationalstaatliche Emanzipation: Schon die Idee davon führt zu nationalgeschichtlichen,aber auch sprachgeschichtlichen Diskursen, wie kontrafaktisch sie sich auch im Laufe von genaueren Forschungen und präziseren Ergebnissen erweisen. Auch die folgenden Emanzipationsgeschichten betraten die gesellschaftlichen Bühnen mit den Formulierungen ihrer Geschichten: Geschichten der Arbeiterklassen gibt es zuhauf, die Emanzipation der Frauen wurde von der Suche nach den historischen Substraten des Matriarchats begleitet, neuere nationalstaatliche und antikoloniale Bewegungen und Erhebungen bringen wie selbstverständlich ihre Geschichten Afrikas und Amerikas zu Gehör; dasselbe gilt aber auch für Firmenjubiläen, für Chöre, Orchester und Fußballvereine. Es gibt darüber hinaus Geschichten der Kindheit, des Todes, der Gewalt von 1800 bis heute, der Sexualität im Abendland (dies alles sind Buchtitel von Standardwerken), was wieder auf den fetischistischen Charakter von Wissenschaft verweist, der nun natürliche oder gesellschaftliche Ereignisse mit Geschichte ausstattet, so mit Subjektivität versieht, sie nun in der menschlichen Geschichte wirken lässt, die Leute so zum Objekt dieses fetischistisch vermittelten, als eigenes nicht erkannten Wirkens macht. Auch wenn in dieser Geschichtsschreibung beispielsweise Kindheit als durchaus neues, mit der bürgerlichen Gesellschaft zur Welt gekommenes Phänomen beschrieben wird, so wird doch mit einer chronologischen und historischen Einbindung eine Objektivität vorgetäuscht, die über die Epochen hinweg gültig sei, und mit der Beschreibung der Entdeckung der Lebensalter durch die Gesellschaft auch so etwas wie Erkenntnisfortschritt suggeriert, der dann besseres, dem Kindsein angemesseneres Verhalten ermögliche.

    Insofern kann auch noch so gut gemeinter investigativer Journalismus – den ich befürworte – nur im Rahmen und in den Grenzen der Moderne tätig werden und an den Verhältnissen nichts ändern. Vielmehr stellt er subjektiv ein konkurrierendes Objekt, nämlich eine konkurrierende Sichtweise und Bewertung von „Fakten“ dar. Im Artikel werden die chronologischen Ereignisse auf andere als bisher übliche Weise in Kausalzusammenhang gebracht und ein im modernen Sinne „verantwortliches Handeln“ vielmehr Chruschtschow zugeschrieben. Das ist redlich und sympathisch, rüttelt aber beispielsweise kein bisschen an der vorausgesetzten Prämisse, dass in unserer Welt einzelnen Subjekten (Staaten, deren persönliche Vertreter, Vereine, Verbände usw. bis zum einzelnen Individuum) zugestanden wird, öffentlich (das Geschäft der Journalisten) für die ganze Welt zu sprechen .

    • Zitat „Aber dieses stetige, lineare Anwachsen,“
      Dazu nur mal dies: Es ist ja nicht mal einfaches lineares Anwachsen, sondern es wächst exponentiell, aufgrund des Zinssystems. Ein Zinsertrag von (laut Ackermann zur Zeit seiner Deutsche-Bank-Führung dargelegt) 25%, wie eer von den Anlegern gefordert wird, bedeutet eine Verdoppelung des Vermögens in etwa 3 jahren!

    • Zitat „Während Chronologie die Darstellung der zeitlichen Abfolge der Dinge ermöglicht, stellt Kausalität die Verantwortlichkeit für die Dinge her“
      Vielleicht ist das eine zu absolutistische Ansicht über den Begriff Kausalität. Kausal zusammenhängend, hießt zwar schon, dass Ereignisse einander bedingen, aber nicht eindimensional und linear, sondern verwoben aus mehreren Ursache- Wirkung- Zusammenhängen. So gibt es meistens keine klare Verantwortlichkeit für gewisse Ereignisse, auch wenn der einfache Geist es gerne so haben möchte. Wohl gibt es eine Mitverantwortung, die gerne verdrängt und geleugnet wird, was eben durch die Komplexität der kausalen Gewebe leider nur zu einfach ist, indem man eben anderen Ereignissen/Einflüssen die alleinige , oder zumindest die Hauptwirkung zuschiebt.

    • @ Petra: ..“ „verantwortliches Handeln “ vielmehr Chruschtschow zugeschrieben. Das ist redlich und sympathisch, rüttelt aber beispielsweise kein bisschen an der vorausgesetzten Prämisse, dass in unserer Welt einzelnen Subjekten(Staaten, deren persönliche Vertreter,Vereine, Verbände usw. bis zum einzelnen Individuum) zugestanden wird, öffentlich (das Geschäft der Journalisten) für die ganze Welt zu sprechen.“

      Ja, das ist auch mir mitdenkbar, dass das kein bisschen an dieser Prämisse rüttelt, und, dass es ein wirkliches Problem darstellt, dass „wir“ – also der allgemeine Bürger ist gemeint – diesem „Subjekt Staat“ einräumen, er dürfe öffentlich in puncto der Geschäfte des Journalismus für die ganze Welt sprechen.
      „Wir“ sind da wie die kleinen unreifen Kindlein, die devot zum STAAT emporblicken, um diesem Subjekt zu gestatten,
      unsere Objektivität in Frage zu stellen und unsere „kleine Schülerzeitung“ ggf. zu ZENSIEREN.

      Es liegt auch in unserer Selbstverantwortung, Ken Jebsen dafür zu bezahlen, dass er uns einfach nur über Tatsachen so informiert, dass wir aus der Wahrheit heraus frei sind, uns eigene Urteile selber zu bilden. Und ich betrachte auch als eine Tatsache, dass durch Interviews erkennbar wird, wie bestimmte Menschen in gewissen Positionen an die Fakten ihre Fragen dran hängen, denn auch das Stellen von Fragen ist eine Tat, wodurch Tatsachen GESCHAFFEN werden.

      Rüttelt nicht Ken Jebsen an dieser Prämisse, die Sie erwähnen ? Und sind wir nicht alle gefordert, mit zu rütteln ?
      Wenn wir einen Journalismus WOLLEN, der uns INFORMIERT statt zu desinformieren und mit Maulkorb daher kommt, den er uns als die neueste Mode verkaufen will, wenn wir -statt solchem Modetrend brav zu folgen – lieber Trendsetter werden wollen, denen andere folgen, dann überwinden wir unseren Egoismus und zahlen etwas im Rahmen des uns individuell Möglichen.
      Wir unterstützen die Geistesfreiheit, wenn wir Ken Jebsen unterstützen, was ich auch im nächsten Monat wieder tun will. Wenn ich den Namen „Ganser“ höre, denke ich immer an eine goldene Gans, an das Märchen von der goldenen Gans…Hat mit dem Bleigiessen vom vorigen Sylvester zu tun.

  13. ich hoffe, dass es in Zukunft immer noch (mehr)finanziell gut situierte Leute gibt, die den investigativen Journalismus finanzieren! Das Problem ist ja, dass die Armut sich auch im einsichtigen Teil der Weltbevölkerung immer mehr ausbreitet. Denen bleibt dann am Ende vielleicht nur noch die letzte Verweigerung-die Verweigerung, ihr eigenes Leben weiter fortzuführen, weil jedweder Kampf nichts mehr fruchtet. Gern würde ich da etwas Hoffnungsvolleres zum Besten geben, aber mir fällt da momentan leider nichts mehr ein. Es gibt einfach zu viele Idioten auf der Welt, die alles fürs Geld tun. Vielleicht hilft ja das Beten um den „Quantensprung“? Ich kann nur sagen: Gewaltlosigkeit praktizieren in allen Bereichen! Anders kann nichts, aber auch gar nichts Gutes mehr kommen!

    Gabriele Votava, seit 13 Jahren vegan.

    • @ Votava: “ Das Problem ist ja, dass die Armut sich auch im einsichtigen Teil der Weltbevlkerung immer mehr ausbreitet.“

      Für diejenigen, welche den Menschen als Ware betrachten, ist natürlich diese Armut kein Problem, sondern sie ist eine Chance, Menschen billig kaufen und verkaufen zu können.
      Gaby Weber erwähnt die “ damals als sexy geltenden Atomtests“. Wer Atomtests als „sexy“ empfindet, der gehört eigentlich in die Zwangsjacke. Wir leben in einem Irrenhaus, in dem der grösste Oberidiot dem Chefarzt die Schlüssel geklaut hat, den eingesperrt hat und nun von sich behauptet, er sei der Oberdoktor selber.
      Wer Atom – Pilze züchtet hat einen an der Pfanne, nur kann keine Pfanne gross genug dafür sein, dass Atom-Pilze da rein passen.

      Was ich jetzt schreibe ist mein voller Ernst: Diese Vollidioten, welche Atom-Pilze züchten, tun das aus einer instinktiven ANGST heraus vor anderen Pilzen, die das Phänomen Mutterkorn verursachen und auf Getreide siedeln.
      Herr Fleck wird wissen, wie das von mir gemeint ist. Diese gesamte „Zivilisation“ samt ihrem „Militärisch Industriellen Komplex“ flieht vor der Geist-Erkenntnis und vor geistiger Wahrnehmung, die der Chemiker Hofmann+ als Schauen bezeichnete. Eher wollen diese Hasenfüsse die ganze Welt in Schutt und Asche legen, als mit diesem geistigen Schauen konfrontiert zu werden.

      Diese „Zivilisation“, welche glaubt, die Welt “ entzaubert“ zu haben, „entmystifiziert“ zu haben, hat sie entgeistigt aus Angst vor dem Geist. Sie ist weiter nichts als eine Angsterkrankung. Diese Kreise haben selber einen KNALL, und wenn sie ausser sich selber woanders einen KNALL verursachen, sind sie beruhigt und denken: Nun sehen wir ja, dass der KNALL nicht in uns selber ist, der ist da draussen !
      Dieser Oppenheimer faselte nach den ersten Atomversuchen aus der Bhagavad Gita uns sprach vom „Erschütterer der Welten“. Nur selber wollen die nicht seelisch – geistig erschüttert werden durch Selbsterkenntnis.

  14. Mich würde mal die Quelle interessieren, aus welcher der Gedanke hinsichtlich des Abrüsten von Chruschtschow 1959 stammt? Grundsätzlich halte ich dies für plausibel, doch wäre mir ein Quellenverweis, den ich in meiner eigenen Argumentation angeben kann, sehr gelegen.

    Vielleicht kann dies ja kurz angegeben werden.

    Besten Dank!

    • Quellen habe ich direkt auch keine gefunden… lediglich 3 Thesen die mir dazu in den Sinn kamen, als ich Ihren Kommentar gelesen habe:

      1. Ein Wettrüsten war für die SU schlichtweg zu teuer. Die Sowjets mussten ja ganz andere Schäden aus dem 2. WK beheben. Und kapitalistischen Nationen (Frankreich, Groß Britannien) etc waren ebenfalls zerstört.

      2. Ein offener Krieg hätte wohl nur den Einmarsch der U.S.A provoziert oder eben den Einsatz der Atombombe, also versuchte man über die Stellvertreterkriege und einem politisch aufgezwungenem Abrüsten den Fein zu schwächen. Die SU hätte so nach wie vor den Vorteil gehabt sich schon auf Europa zu befinden.

      3. Vielleicht war Chruschtschow einfach vom ideal des Leninismus überzeugt und wollte schlichtweg aus persönlicher Einstellung (und den erlebten Kriegen) keine Waffen solcher Zerstörungskraft, weder in seinen, noch in den Händen anderer.

  15. Jepp eigentlich bräuchten wir mehr investigativen Journalismus, eigentlich.
    Nur wenn der geschichtliche Hintergrund auch nicht stimmt bzw. in völlig anderen Zusammenhängen vermittelt wurde, wie will man dann den investigativen Journalismus verstehen?
    LG Thomas Borchert

    • @ Thomas Borchert:

      Die Situation gibt es schon seit ( vermutlich) dem Buchdruck an- und für sich. Je mehr offizielle Dokumente zu bestimmten Themen sich sichten und veröffentlichen lassen, desto glaubwürdiger wird eine journalistische Recherche letztlich sein. Je mehr glaubwürdige Zeitzeugen sich finden lassen, umso eher wird dies ( im Abgleich zu offiziellen Dokumenten) an Gewicht bekommen.

      Viele aktuellen Nachrichtenbeiträge sind medial in visuellem Kontext aufbereitet : Bilder von Politikertreffen, Kriege wie Soldaten in Schützengräben liegen, selten aber die Opfer.

      Wenn es für politische Stimmungen wichtig ist, so wird erst medial (oft über Zeitungen) ein Feindbild generiert, um dann später immer wieder mal Opfer visuell zu zeigen.

      Dies ist politisch „korrekt“, weil zuvor das Volk den Bösewicht des anderen Landes aufoktruiert bekommen hatte und somit die Opfer potenzielle Kriegsgegner waren.

      Ein Film, auf den Dr. Rainer Rothfuß aufmerksam machte ist der von Mark Daniels:

      ENEMY IMAGE
      https://www.youtube.com/watch?v=3VCWA2XNZgc

      Dort wird eindrücklich gezeigt, mit wieviel medialer Bildgewalt ein Krieg in Szene gesetzt wird.

      Ich halte es ähnlich, wie es auch Dr. Daniele Ganser (sinngemäß) sagte: das Bücher oder längere Gesprächsrunden und Videos differenzierter und ausführlicher ein Thema beleuchten können – und nach der Länge von Videos lässt sich meist auch grob beurteilen, wie viel Komplexität an Weltgeschehen dort innerhalb bestimmter Zeit maximal abgebildet werden kann.

Hinterlasse eine Antwort