Gegen die doppelte Blindheit – für den analytischen Blick

Von Bernhard Trautvetter.

Der Nato-Thinktank „Joint Air Power Competence Centre“ hielt 2014 in Kleve eine Konferenz ab, die die Militärs „Future Vector“ (1) nannten; sie sprachen darin laut Tagungsmanuskript von einem dritten großen Krieg in Europa, der wohl angesichts der nuklearen Potentiale, darunter die Atomkraftwerke, der letzte werden würde. Es ging nicht darum. Dieses Inferno zu verhindern, sondern es auszufechten. Der Raubbau des Kapitalismus an den Ressourcen der Erde bedroht schon jetzt nach vielen Studien das Leben der Menschheit (2); dieser Raubbau ist nicht nur ein Krieg gegen die Lebensgrundlagen der Menschheit, sondern auch ein Wirtschaftskrieg kapitalistischer Konkurrenten um die Vorherrschaft, der die Erde mit Narben rücksichtslos leer-gefegter Lager von Schätzen einstiger natürlicher Mineralien und anderer Ressourcen durchzieht (2); Klimawandel und Umweltzerstörung verursachen nach vielen Studien ein nie da gewesenes Artensterben, eine Ausdehnung der Wüsten und ein Versinken riesiger Gebiete in Fluten nach katastrophalen Wetterlagen (2); Depression wird mit über 10% der Bevölkerung zunehmend zur Volksseuche.(3)

Diese aktuellen Prozesse haben einen Systemhintergrund, da der Kapitalismus ein System der Konkurrenz um Markt-Anteile, Ressourcen-Zugänge und Handelswege ist. Ein Betrieb, der in diesem gnadenlosen Wettkampf auf dem Weltmarkt zurückfällt, droht geschluckt zu werden oder ganz aus dem Markt zu verschwinden.

Die Welt befindet sich heute zugleich immer näher am Abgrund für die Menschheit, schon alleine aufgrund der ökologischen Katastrophe, verschärft durch die gesteigerte Atomkriegsgefahr, sodass die kritischen Atomwissenschaftler sich veranlasst sahen, die Alarm-uhr im Januar 2015 von fünf auf drei vor zwölf vorzustellen.(4)

Sind diese globalen Bedrohungen für die Existenz der Menschheit das Werk von korrupten Egoisten, die vielleicht der Geister nicht mehr Herr werden, die sie gerufen haben? Müssen wir die Verschwörer samt ihrer mafiösen Strukturen durch integere, kompetente Menschen an der Spitze ersetzen und die anderen zum Teufel jagen? Die Erfahrung lehrt: der Austausch von Personen ändert für sich genommen rein gar nichts an bestehenden Strukturen.(5)

The WHO haben eine solche Erfahrung mit einer schief gelaufenen Revolution in ‚Won’t Get Fooled Again‘ beschrieben:

„I’ll tip my hat to the new constitution
Take a bow for the new revolution
Smile and grin at the change all around me…
Change it had to come
We knew it all along…
Meet the new boss
Same as the old boss“ (WHO’s next, 1971)

Der Song-Titel drückt die Hoffnung aus, eine solche Veränderung, die nichts ändert, ist nicht zwingend. Sich nicht zum Narren halten zu lassen bedeutet, der Blick muss in die Tiefe gehen, hinter die Fassaden des schnell Erfassbaren. Dieser Blick geht über die Kritik an handelnden Personen hinaus in die Tiefe der Ursachen für Strukturen, in deren Rahmen Akteure handeln: Über systembedingte Zusammenhänge sagte der Psychologe Donald Laing 1967 auf einem internationalen Kongress der Studentenbewegung in London, das System des Kapitalismus produziere nicht nur eine Unwissenheit über das System als letzte Ursache der Katastrophen, die wir beklagen, sondern zugleich auch eine Unwissenheit über diese Unwissenheit selbst, da diejenigen, die Scheuklappen haben, diese an sich selbst nicht sehen können.(6)

Der kritische Soziologe Max Horkheimer brachte am Vorabend des zweiten Weltkrieges das System des Kapitalismus als grundlegenden Rahmen für das Aufkommen des Faschismus in seine Analyse ein: >> Als eine Reaktion auf die Krise des Kapitalismus versuche der Faschismus, den Kapitalismus mit despotischen Mitteln aufrechtzuerhalten. ‚Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen'<< (7)

Wenn Horkheimer Recht hat, dann ist das ursächliche Kernproblem weder unser Geldsystem, noch die FED, genauso wenig Finanzzentren wie das in London, auf den Kayman Islands oder in Jersey, sondern es ist das System des Kapitalismus selbst. Ökologen weisen zu recht, darauf hin, dass Kapitalismus Krebs für die Erde ist (8). Das ist schon alleine deshalb der Fall, weil er jährlich ein Mindestwachstum von circa drei Prozent braucht, um die Massenarbeitslosigkeit, die sich aufgrund der Rationalisierungswirkung des technischen Fortschritts ergibt, nicht weiter ansteigen zu lassen. Ohne Wachstum würden sich die systembedingten Krisenprozesse unabhängig von Konjunkturverläufen immer weiter verschärfen. In anderen Worten: Im begrenzten System Erde prägt derzeit ein Wirtschaftssystem das Geschehen, das auf unbegrenztes, also letztlich für die Gesellschaften, Staaten und dann in der Logik eines Bumerangs auch wieder für die Konzerne selbst selbstmörderisches Wachstum ausgerichtet ist. Der Kapitalismus funktioniert in seinen Entscheidungen betriebswirtschaftlich, wirkt aber volks- und globalwirtschaftlich.

Er wirkt auf die Erde genauso, wie ungebremster Krebs den Menschen, in dem er wächst, tötet. Und das Wachstum als unausweichliche Wirkrichtung aller Konkurrenten auf dem Markt bringt immer wieder Spannungen bis hin zu Konflikten und Kriegen zwischen Konkurrenten mit sich, wenn diese sich Segmenten des Weltmarktes betätigen wollen, wo Interessen gegeneinander prallen.

Hinzu kommt: Der Kapitalismus setzt die Menschen durch eine Struktur zueinander in Beziehung, die sie zugleich trennt: das ist das Geld. Durch diese widersprüchliche Grundstruktur in den ökonomischen Verhältnissen zwischen den Menschen sehen ökonomisch Tätige und politisch Mächtige Mitmenschen teils als Hilfsmittel ihrer Macht-Reichtumsvermehrung an. Arbeit erfolgt nicht wie in früheren Jahrtausenden für den direkten Zweck, ein Etwas herzustellen, das Menschen für einen bestimmten Zweck direkt brauchen, sondern Arbeit erfolgt in der kapitalistischen Ökonomie als Mittel zum ihr gegenüber zweckentfremdeten Zweck der Anhäufung von Reichtum in den Händen weniger Kapitaleigner durch den Verkauf der hergestellten Ware. Eine Ware ist ein Etwas, das einen Gebrauchswert hat, der für einen Käufer wichtig ist, einen Zweck, für den man es gebrauchen mag; und es hat einen Tauschwert, der alleine für den Kapitaleigner, der das Produkt verkauft, von Interesse ist. Und im Kampf um möglichst hohe Marktanteile für den Zweck eines möglichst hohen Ertrags, den Marx ‚Profit‘ nannte, heiligt der Zweck so manches Mittel. Marx zitiert im Kapital J. Dunning aus dem ‚Quarterly Reviewer‘ wie folgt: „Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens. Wenn Tumult und Streit Profit bringen, wird es sie beide encouragieren. Beweis: Schmuggel und Sklavenhandel.”(9)

Da der Kapitalismus im Verlauf der Konkurrenz um Profitquellen anarchisch dahin drängt, wo am meisten zu holen ist, führt er immer wieder zu einem Überangebot an Produkten, die sich schließlich nicht mehr am Markt verkaufen lassen. Da Krisen den Kapitalismus seit seiner Entstehung vor circa 250 Jahren dem entsprechend zyklisch und strukturell begleiten, steigert das System immer wieder in besonderem Maße die Spannungen zwischen Menschen, Menschengruppen, Staaten und ganzen Erdregionen/Staatenbündnissen… So ergibt sich die Erkenntnis des französischen Sozialisten Jean Jaurès, dass der Kapitalismus den Krieg wie die Wolke den Regen in sich trägt.(10)

Diese analytisch tiefere Sicht hinter die Erscheinungsebenen des leichter Sichtbaren ist nicht nur genauer als der oberflächliche Blick auf die Fassaden. Er ist nicht nur hilfreich auf dem Weg zu wirklicher Politikfähigkeit, die sich nicht nur kurzfristig mit Verhältnissen arrangiert, die sich nicht an das an sich Intolerierbare scheinbar realpolitisch annähert und die das scheinbar alleine Machbare nicht als die einzig alternativlose Vorgehensweise zu verkaufen versucht.

Diese Sicht impft Menschen auch gegen die Gefahr, Rassisten, Militaristen und Rechtsextremisten mit vermeintlich einfachen Lösungen auf den Leim zu gehen. Nazis bezeichnen sich immer wieder auch als Antikapitalisten, die z.B. gegen den US-Imperialismus auftreten… Sie sind auch aus nationalistischen Gründen gegen Waffenexport und Auslandseinsätze im Nato-Bündnis. Sie sehen (oft vermeintlich jüdische) Verschwörer und andere Personengruppen als Volksfeinde an und wollen sich selbst an deren Stellen in der Spitze der Gesellschaft setzen. Militaristen gehen so weit, die Gefahr des nuklearen Infernos klein zu reden, oder gar in Abrede zu stellen und sie so zugleich indirekt zu legitimieren. So schrieb der britisch-US- amerikanische Militärstratege Colin S. Gray 1983 unter dem Titel ‚Victory is possible‘ (11), es sei „unwahrscheinlich, dass ein Atomkrieg ein sich sinnloses und fatales Ereignis darstellt.“(12)

Ein solches nicht-russisches Roulette mit dem Leben auf der Erde ist keine individuelle Fehlleistung eines verrannten Gehirns, sondern nur ein wort-gewaltiger Ausdruck der Nato-Politik, die am Risiko des Auslöschens der Menschheit in einem nuklearen Inferno festhält: Der Nato-Gipfel 2010 erklärte, die sogenannte „Abschreckung soll ‚zuverlässig, sicher und effektiv‘ bleiben, solange ‚wie die NATO ein nukleares Bündnis bleibt‘, also solange es Atomwaffen gibt. Ein Verzicht auf die Atomwaffen in Europa wird nicht erwogen.“(13)

Man riskiert die Auslöschung der Menschheit, wenn die Krisenmanger einmal den Kopf verlieren sollten und sorgt nicht dafür, selbst dieses Risiko zu minimieren oder gar abzuwenden. Das erinnert an die Abschiedsrede von US-Präsident Eisenhower von 1961: „Wir in den Institutionen der Regierung müssen uns vor unbefugtem Einfluss – beabsichtigt oder unbeabsichtigt – durch den militärisch-industriellen Komplex schützen. Das Potenzial für die katastrophale Zunahme fehlgeleiteter Kräfte ist vorhanden und wird weiterhin bestehen. Wir dürfen es nie zulassen, dass die Macht dieser Kombination unsere Freiheiten oder unsere demokratischen Prozesse gefährdet. Wir sollten nichts als gegeben hinnehmen. Nur wachsame und informierte Bürger können das angemessene Vernetzen der gigantischen industriellen und militärischen Verteidigungsmaschinerie mit unseren friedlichen Methoden und Zielen erzwingen, so dass Sicherheit und Freiheit zusammen wachsen und gedeihen können.“(14)

Wachsam und informiert zu sein bedeutet auch, sich nicht von den Versuchen der Mainstream-Medien in unserer Gesellschaft blenden zu lassen, nach denen Politik sich auf die Frage zuspitzt, wer die Macht hat und welche Person oder Personengruppe keine Macht hat.

Marxistische Kapitalismuskritik erweist sich als zentral für das Verständnis von Kriegsursachen und damit als unverzichtbare Hilfe bei der Entwicklung von Friedenspolitik und, demokratischer und antifaschistischer Opposition gegen die Zukunftsgefährdungen und für eine andere, überlebensfähige Welt. Ohne eine Systemanalyse fährt die Bewegung nur auf Sicht im Nebel und geht der Kriegsgefahr nicht auf den Grund.

Die Friedensbewegung bedarf der Orientierungshilfe des Antikapitalismus, ohne gleich alle Mit-Engagierten auf den Sozialismus zu orientieren. Auch z.B. Konservative wollen leben, auch ihre Kinder haben dieses Bedürfnis. Sie sind immer wieder – wie die Höhepunkte der Bewegung zeigen, aktivierbar, sei es damals gegen die Atombewaffnung der Bundeswehr, sei es gegen den Vietnam- oder Irak-/ Balkan-/ Afghanistan…-Krieg oder gegen die Mittelstreckenraketen der USA im Deutschland und Europa der 1980er Jahre.

Die Solidarität mit den Opfern/Betroffenen der Kriege zählt ebenso zu den wichtigen und traurig-schönen Aufgaben der Friedensbewegung, nicht aufzugeben. Das gilt auch im Angesicht des Rassismus gegen Kriegsflüchtlinge. Die Solidarität der Engagierten nannte der Austro-Marxist Leo Kofler einst den asketischen Eros der Bewegung für eine bessere Welt.

„You may say I’m a dreamer… imagine no possession, nothing to kill or die for“, John Lennon’s Dream ist so attraktiv wie die Liebe. Er mag naiv Klingen. Doch scheint mir eins wirklich unrealistisch zu sein: Davon auszugehen, dass die Menschheit überlebt, wenn sie immer länger und immer ausgefeilter bewaffnet am Rande des Abgrunds eines Krieges entlang schliddert. So gesehen haben wir nur die Wahl, anders zu leben, oder dereinst, was sehr bald sein kann, nicht mehr zu leben.

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(1) Future Vector, http://www.japcc.org/wp-content/uploads/Future_Vector_II_web.pdf S.141
(2) http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13688465.html
(3) Max Otte: „Wir befinden uns im Wirtschaftskrieg USA gegen Europa“, http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2011/12/12538/
(4) http://www.hilifeev.com/site/1037/
(5) http://thebulletin.org/three-minutes-and-counting7938
(6) vgl. Marcuse u.a., Dialektik der Befreiung, Reinbek 1967, S. 21
(7) Die Juden in Europa, in: Gesammelte Werke, Band 4, Frankfurt am Main 1988, S. 308 f. Erstveröffentlichung in: Zeitschrift für Sozialforschung, Jg. VIII/1939, zitiert und rezitiert in: http://de.scribd.com/doc/56793699/Wuf-Book-uber-Philosophie
(8) http://www.bund-rvso.de/wachstumskritik.html
(9) Marx Engels Werke, Band 23, Berlin/DDR, 71972 S. 788)
(10) http://www.faz.net/aktuell/politik/die-gegenwart-1/linke-freiheit-durch-sozialismus-1463999.html
(11) Colin S. Gray, Victory is possible, F.Duve, Aufbrüche, Reinbek 1986, S. 519-523
(12) ebenda, S. 522
(13) http://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomwaffen/Aktuell27_B61_web.pdf
(14) http://www.wri-irg.org/nonviolence/br67berrigan-de.htm

 

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

28 Kommentare zu: “Gegen die doppelte Blindheit – für den analytischen Blick

  1. Dieses Geschwafel über Kapitalismus ist sinnlos und ziellos!
    Wir haben keinen Kapitalismus, sondern eine zeitgemäße Variante des Feudalismus.
    Sie sollte eher Korporatismus/Faschismus genannt werden und nicht Kapitalismus.
    Kapitalismus würde einen fairen Wettbewerb voraussetzen. Dieser fehlt allerdings im Korporatismus/Faschismus.

    Am Deutschen Wesen wird die Welt nicht genesen, sondern untergehen!

    CETERUM CENSEO GERMANIAM ESSE DELENDAM!

    Deutschland ist dabei ein 3. mal der Verursacher eines Weltkrieges, mit dem Hauptziel der Eroberung Russlands zu werden.
    Der 3. Krieg wird für Deutschland der endgültig letzte sein.

    Das Karthago-Syndrom! Wasser-Kohlenstoff-Imperium!
    http://geoarchitektur.blogspot.com/2016/12/the-carthage-syndrome-water-carbon.html

    Der Klimawandel ist das Ergebnis der KLIMAKONTROLLE!

    Folglich ist der Klimawandel keine Lüge, sondern das Symptom der Klimakontrolle.
    Merkwürdigerweise reden alle über das Symptom, aber kaum einer über die Ursache!

    Warum eigentlich?
    Warum auch bei KenFM?

    Ken und sein Team haben einfach keine Ahnung von Meteorologie und deshalb übernehmen sie einfach das, was als vermeintliche Wissenschaft alltäglich geprädigt wird.

    KenFM ist in vielerlei Hinsicht brilliant und eine leuchtende Fackel, wenn auch noch klein, der medialen Freiheit.

    Am Thema der Klimakontrolle scheitert KenFM aber kläglich und befördert ungewollt die Propaganda und die Agenda der Klimakontrolleure.

    Dieser Begriff, in Englisch „climate control“ wurde im Jahre 1960 geprägt und dessen Folgen wurden als „climate change“ benannt! Also, bitte setzt die Reihenfolge richtig und verbreitet nicht ahnungslos die Propaganda der Klimakontrolle!

    Hier ist der kommentierte Text und darin auch der Link zur Originalquelle!
    1960, #CIA Memorandum on #ClimateControl!
    http://geoarchitektur.blogspot.com/2017/02/1960-cia-memorandum-on-climate-control.html

    Wir sollten nicht über Symptome lamentieren, sondern die Ursachen hinterfragen, denn die Auswirkungen der Klimakontrolle sind gravierend.

    #Autism, #Cancer #Fibromyalgia #Psoriasis #MultipleSclerosis!
    http://geoarchitektur.blogspot.com/2017/08/symptom-orientation-autism-cancer.html

  2. Liebe Barbara, in meiner Kalkarer Rede letztes Jahr am Tag der deutschen Vielfalt vor den Nato-Einrichtungen für den Krieg im 21. Jahrhundert schloss ich mit: „Unser >NeinJa< zum Leben."

    Ihr Schluss spricht mich sehr an. Ich ergänze ihn noch ein wenig:
    Allen Kindern sowie allen weiteren Menschen dieser Erde mag ich dies aus tiefstem Herzen wünschen.

    Danke – von Herzen

  3. @ Bernhard Trautwetter

    Lieber Herr Trautwetter

    Eine Einladung an eine Betrachtung:

    Zitat aus Ihrem Bericht: “ So gesehen haben wir nur die Wahl, anders zu leben, oder dereinst, was sehr bald sein kann, nicht mehr zu leben.“

    Ja, wir haben die Wahl es zu tun. Sofort. Wenn wir alle es vermögen jederzeit die Wahrheit auszusprechen. Keine Festlegungen im IST auszusprechen und ebenso keine Verneinung.

    Ich wage hier und jetzt nochmals einen Anlauf den ich anderweitig bereits mehrfach initiiert hatte. Ich bitte lediglich darum meinem Gedankenprozess zu folgen (keine Analyse bitte) sondern lediglich ein mitgehen, mitschauen, miterfahren. Danke.

    In fast allen Büchern der Vergangenheit wird auf das Wort hingewiesen, so auch in der Bibel. (Leider wurde durch das Verhalten des Menschen die Bibel bildlich verstanden und/oder gar bewusst übergangen damals). Nun bitte folgen Sie mir weiter wenn Sie mögen, frei einer jeglichen Anhaftung.

    In der Bibel steht: „Zitat: und im Anfang war das Wort. Dies also könnte bedeuten, dass das gedachte und/oder gesprochene Wort der Manifestation unserer Wirklichkeiten beeinflussen würde. Dies könnte also bedeutet haben, dass der Gewichtung der Worte die volle Aufmerksamkeit zuteilwerden sollte. Da wir (zumindest die meisten Menschen dieses Planten) der Zeit unterliegen, sprich die Zeit ein wesentlicher Mitfaktor darstellt in unserer Lebensspanne, müsste auch die Zeitqualität eine entsprechende Achtsamkeit bedürfen um zu erfahren, dass „Denken ein Manifestationsprozess darstellt.

    Was also könnte geschehen aufgrund des ausgewählten Satzes:

    “ So gesehen haben wir nur die Wahl, anders zu leben, oder dereinst, was sehr bald sein kann, nicht mehr zu leben.“

    Festlegung dass wir die eingeschränkte Wahl (also keine freiwillige Wahl) anders zu leben. Oder möglicherweise (immer hin entschärft durch das) was sehr bald sein kann (Wahrscheinlichkeit bedingt an….. ) , „nicht“* mehr zu leben.

    Dies beeinflusst meine Haltung und mein Tun in JEDEM Augenblick. Energie folgt der Aufmerksamkeit. Je mehr Energie da reinfliesst und je mehr Hingabe (nenne es mal gefühlte Kraft) umso eher wird es zur erlebbaren Wirklichkeit.

    * das Wort – respektive das Nein, gibt es für mich keinesfalls. Es stellt ein Unwort dar, da es in keinem physikalischen Vorgang zu finden war. Auch in den Vorgängen in der Natur konnte ich tatsächlich kein Nein entdecken. Da kein physikalischer Vorgang ein Nein erkennen könnte, würde dieser Ausdruck ignoriert, was für den Manifestationsvorgang letztendlich ein Chaos bedeuten würde da anschliessend ausgedrückt wurde: „mehr zu leben“

    Nun: So gesehen haben wir die Wahl, anders zu leben, durch ein anderes Denken oder Verhalten , was sehr bald einer neuen Wirklichkeit entsprechen könnte, wenn der Mensch zukünftig überleben möchte.

    Allen Kindern und Menschen dieser Erde mag ich dies aus tiefstem Herzen wünschen.

  4. Da habe ich mir wieder einmal ein Schnippchen geschlagen: Marx starb etwas früher. Der Text ist 100 Jahre älter als meine Quellenangabe.
    Was ich mir gestattet hatte hier nicht einzubringen, ist die Exzentrische Beobachtung. Um Missverständnisse zu vermeiden macht es Sinn, sich wie von einer starken exzentrischen Position aus selbsst zu beobachten und zu durchdringen- wie alle Tatsachen auf derselben Oberfläche – „alles synchron und von allen Seiten, sei es von oben, sei es von innen. “ (http://www.nzz.ch/feuilleton/starke-beobachtung-1.18698201)
    Friedrich Engels sagte anlässlich der Beerdigung von Karl Marx am 17. März 1883: „Wie Darwin das Gesetz der Entwicklung der organischen Natur, so entdeckte Marx das Entwicklungsgesetz der menschlichen Geschichte.“ Engels hat nicht ganz Recht, wie wir wissen, weil es noch einige Eigendynamiken gibt, wie z.B: die Rolle des Individuums, das einen Staat führt, die der kommunikativen Infrastruktur,… Aber die Erkenntnis aus dem oben zitierten längeren Text ist so viel hilfreicher als das blinde Auswendiglernen von wer hat wann geherrscht, gekämpft, gehandelt…

  5. Lieber Opa der Außerparlamentarischen Opposition,
    wie Recht Du hast. Im Absenden hatte ich mir noch gedacht, dass ich hier zu kurz greifend formuliert habe. Ich hole das jetzt nach: Charly hat das damals nach meinem Einblick so gut formuliert, wie ich das nie wieder gelesen habe: „Meine Untersuchung mündete in dem Ergebnis, daß Rechtsverhältnisse wie Staatsformen weder aus sich selbst zu begreifen sind noch aus der sogenannten allgemeinen Entwicklung des menschlichen Geistes, sondern vielmehr in den materiellen Lebensverhältnissen wurzeln, deren Gesamtheit Hegel, nach dem Vorgang der Engländer und Franzosen des 18. Jahrhunderts, unter dem Namen „bürgerliche Gesellschaft“ zusammenfaßt, daß aber die Anatomie der bürgerlichen Gesellschaft in der politischen Ökonomie zu suchen sei. Die Erforschung der letztern, die ich in Paris begann, setzte ich fort zu Brüssel, wohin ich infolge eines Ausweisungsbefehls des Herrn Guizot übergewandert war. Das allgemeine Resultat, das sich mir ergab und, einmal gewonnen, meinen Studien zum Leitfaden diente, kann kurz so formuliert werden: In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkräfte entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewußtseinsformen entsprechen. Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozeß überhaupt. Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt. Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen oder, was nur ein juristischer Ausdruck dafür ist, mit den Eigentumsverhältnissen, innerhalb deren sie sich bisher bewegt hatten. Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolution ein. Mit der Veränderung der ökonomischen Grundlage wälzt sich der ganze ungeheure Überbau langsamer oder rascher um. In der Betrachtung solcher Umwälzungen muß man stets unterscheiden zwischen der materiellen, naturwissenschaftlich treu zu konstatierenden Umwälzung in den ökonomischen Produktionsbedingungen und den juristischen, politischen, religiösen, künstlerischen oder philosophischen, kurz, ideologischen Formen, worin sich die Menschen dieses Konflikts bewußt werden und ihn ausfechten.“ Vorwort zur Kritik d. Politischen Ökonomie – London1959

  6. Es ist schön, zu lesen, wie der Text zum Diskurs anregt. Alt-Präsident Heinemanns Worte, dass Atombomben sogenannte Waffen sind, bleibt aktuell. Er begründet es so: Ihr Einsatz riskiert den Selbstmord desjenigen, der sie einsetzt; insofern verbietet er sich aus vielerlei Gründen. Der Internationale Gerichtshof erklärte 1996 dazu, dass „die Androhung und der Einsatz von Atomwaffen generell gegen diejenigen Regeln des Völkerrechts verstoßen würden, die für bewaffnete Konflikte gelten, insbesondere gegen die Prinzipien und Regeln des humanitären Kriegsvölkerrechts.“

    Ich schildere den Kapitalismus nicht als Kampf von Nationen um Profit. Aber der Zwang der Konzerne, in der Konkurrenz zu wachsen oder unterzugehen, sprengt Grenzen ihrer Handlungsfelder weit über die von Nationen hinaus.
    Kollisionen, bei denen sich multinationale Konzerne und Staaten in Wirtschaftskriegen wiederfinden, können -wie auch die Geschichte zeigt- viel zu leicht in Kriege entarten. Deshalb trägt der Kapitalismus den Krieg in sich, wie die Wolke den Regen*.
    Hier ist das Zitat*:
    http://www.dfg-vk-bonn-rhein-sieg.de/index.php/gedanken-zum-frieden/friedens
    -zitate-kurz/2783-jean-jaures-der-kapitalismus-traegt-den-krieg-in-sich-wie-
    die-wolke-den-regen
    Und hier steht auch dieses Zitat: „Ich glaube bestimmt an die große Welt des Friedens, die in greifbarer Nähe und imstande ist, in Erscheinung zu treten, sobald wir ernstlich wollen.“ H. G. Wells (1866-1946)

    Eine Wirtschaftsordnung, die als zentrales Motiv die private Profitmaximierung generiert, kann den Lebensinteressen der Menschheit im Atomzeitalter im Treibhaus Erde nicht gerecht werden.
    Einer der schönsten Sätze der Politikgeschichte steht im kommunistischen Manifest von Marx und Engels: „An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.“ Wir können darüber diskutieren, ob das nicht unrealistisch ist. Ich fürchte, wenn der Kapitalismus das Ende der Geschichte sein sollte, wird die Menschheit keine Zukunft haben. Gründe:
    s.o.!

    Mein Text ist mitnichten gegen eine Reform des Geldsystems. Ich plädiere nur dafür, den gesamten Rahmen zu sehen, und das ist das Wirtschaftssystem. Wir hatten 2008 folgende auch keine Finanzkriese; diese Krise zog auch deshalb so weite Kreise, weil der Kapitalismus in seiner jetzigen Phase der Technikentwicklung Massenarbeitslosigkeit explosionsartig ansteigen lässt, wodurch ganze Regionen wie Detroit teilweise oder vollständig de-industrialisiert werden. Wir hatten also eine Wirtschaftskrise, und aus der haben wir uns logischerweise noch nicht befreit. Sie bedroht auch die Macht der Gewerkschaften, die nur solange stark sind, wie menschliche Arbeitskraft und Wertschöpfung nicht so krass entkoppelt werden, wie das aktuell im Verlauf ist.

    • „Mein Text ist mitnichten gegen eine Reform des Geldsystems. Ich plädiere nur dafür, den gesamten Rahmen zu sehen, und das ist das Wirtschaftssystem.“

      Ist das Wirtschafts-System wirklich der gesamte, der größte Rahmen?

      Das ist dann Materialismus.

      Für mich ist das zuwenig.

  7. Hallo Herr Trautvetter,

    ich stimme zwar vielen Ihrer Äußerungen zu, möchte aber auch ein „bisschen“ Kritik üben.

    „…Wenn Horkheimer Recht hat, dann ist das ursächliche Kernproblem weder unser Geldsystem,…“

    „…Diese aktuellen Prozesse haben einen Systemhintergrund, da der Kapitalismus ein System der Konkurrenz um Markt-Anteile, Ressourcen-Zugänge und Handelswege ist. Ein Betrieb, der in diesem gnadenlosen Wettkampf auf dem Weltmarkt zurückfällt, droht geschluckt zu werden oder ganz aus dem Markt zu verschwinden….“

    Der Vergleich zwischen Ursache und Symptom ist insofern nicht hilfreich, da er mich zur Frage führt, was denn die Ursache der vermeintlichen Ursache ist. Ich könnte also auch nach den seelischen Ursachen des Kapitalismus fragen und versuchen, dort meinen Hebel anzusetzen. Ein Vorhaben, das m. E. schon deshalb zum Scheitern verurteil wäre, weil es dem Versuch gleich käme, einen neuen Menschen zu bauen – den Idealmensch. Ein Vorhaben auch, das Unmenschlichkeit geradezu forcieren würde. Selbstverständlich ist es nicht damit getan, ein Geldsystem gegen „irgendein anderes“ auszutauschen. Denn die Gefahr, sich aus 5 angebotenen Alternativen diejenige unter den 4 Mogelpackungen auszusuchen, die am meisten glänzt, ist sehr hoch. Was gut riecht, kann sich auch als Köder entpuppen, der am Ende schwer im Magen liegt. Das neue Geldsystem müsste schon so konstruiert sein, dass es dem Kapitalismus das Wasser abgräbt.

    „…Hinzu kommt: Der Kapitalismus setzt die Menschen durch eine Struktur zueinander in Beziehung, die sie zugleich trennt: das ist das Geld….“

    Hier muss ich Ihnen noch einmal widersprechen. Dass Geld, neben seiner Funktion als Tauschmittel, auch als Machtinstrument missbraucht werden kann und als Mittel der Abgrenzung, spricht nicht gegen das Geld. Da schlagen Sie m. E. den Sack, nicht den Esel. Und dass eine Reformation des Geldsystems sehr wohl im hohen Maß zur Lösung beitragen kann, schließe ich aus den Rahmenbedingungen, die es setzt. Ist es so konstruiert, dass es Ungleichheit fördert und Menschen in ihrer Existenz bedroht, werden Sie vergeblich den Antikapitalismus predigen. Ein armer Schlucker, der aufgrund der dem System innewohnenden Automatismen materiell abzusaufen droht, für den ist der Kapitalismus eine Realität, die Sie ihm nicht wegmissionieren können.
    Wenn mein Lebensraum der Dschungel ist (Geldsystem), muss ich nach dem Gesetz handeln „fressen und gefressen werden“ (Kapitalismus). Der Dschungel diktiert mein Weltbild. Ist mein Lebensraum hingegen eine blühende Kulturlandschaft (alternatives Geldsystem), folge ich gerne dem Gesetz des „fair Teilens“ (z.B. Gemeinwohlökonomie).

  8. Kapitalismus, Konsumismus, … — das ist noch nicht des Pudels Kern. Wer den Menschen auf das materielle Leben reduziert, der kann ewig an Solidarität appellieren – dafür sind Egoisten blind.

    Karma-Kontoübertrag – Seelen reifen langsam.

  9. PS: Sehr interessant in bezug auf den analytischen Blick und zum Teil schockierend, insbesondere was die mögliche (sogar sehr wahrscheinliche) Rolle der Atommacht Frankreich angeht, die sich jahrelangen massiven Anti(!)-Atom-Bestrebungen der USA ausgesetzt sah, finde ich die Enthüllungen von Dimitri Khalezov zu 9/11. Findet man leicht im Internet. Er geht von den Fakten aus und nicht von einer Theorie.

    • Michael Kanellos ist vermutlich und sehr wahrscheinlich ein bezahlter Schreiber. Solche Leute gibt es in jedem System.

      Jede Theorie und Hypothese gehen von Fakten aus.

      Hier soll subtil glauben gemacht werden, andere Theorien würde faktenlos behauptet werden. Was kindischer Quatsch ist.

      Interessant, wie solche Schreiber arbeiten. Irgend ein Füllmaterial als Ergänzung schreiben, nur um dann eine Verdrehung zu diesem Füllmaterial zu vollziehen, welches dem eigentlichen Thema den Boden (hier: Fakten) entziehen soll.

    • @Bert
      Sie sind wahrscheinlich ein bezahlter Schreiber – ich bin es sicher nicht.
      Sie hetzen hier auf verlogene und unterirdische Weise gegen mich.
      Argumente haben Sie NULL. Aber dafür sind Sie aggressiv und völlig neben der Spur, was die Wahrheit betrifft.

      Zum Thema:
      Es ist natürlich völliger Quatsch, wenn dieser ‚Bert‘ behauptet, dass ALLE Theorien von Fakten ausgehen.
      Manche tun es, andere nicht, das ist die Realität.
      Aus Sherlock Holmes: Es ist ein Fehler, zu theoretisieren, bevor man alle Fakten kennt.

      So krass würde ich es nicht einmal formulieren, aber es gibt schon Abstufungen.
      Dieser ‚Bert‘ ignoriert ja auch alle Fakten zum ‚BGE‘, er kennt sich somt da nicht aus, oder macht verlogene Propaganda.

    • Ich hetze nicht, sondern ich stelle eine Vermutung und eine Wahrscheinlichkeit bzgl Ihrer Absicht auf. Und zwar nicht, mit einem hetzerischen Aufruf, sondern als Hinweis. Dies haben Sie dadurch zu verantworten, dass Sie stets Behauptungen wiederholen, ohne auf Argumente einzugehen.

      Es ist ganz einfach: Belegen Sie z.B. Ihre Behauptung, ich würde Lügen, oder hetzen.

      Null Argumente vorgebracht zu haben – diese Ihre Lüge allerdings ist schnell widerlegt und als solche belegt und damit auch meine Vermutung zu ihrer wahren Kommentar-Beauftragung, und zwar im Nachbarthread: Und bist du nicht willig…
      Beleg: https://kenfm.de/und-bist-du-nicht-willig/

      Belegen Sie den zweiten Teil Ihrer Aussage: „Er geht von den Fakten aus und nicht von einer Theorie.“

      (PS: Sie wissen aber schon, dass etwa der Marsrover aufgrund von Theorien, die widerum auf Theorien gründen, auf dem Mars gelandet ist, und landen konnte? Weil jede Theorie auf (den theoretisch gesicherten Befund von Realität ) einer Theorie gründet, und so letztlich immer Bezug zur Realität versucht. Eine Theorie zu widerlegen funktioniert aber nicht dadurch, sie kindischer Weise als Gegensatz zu Fakten aufzubauen. Mir ist schon klar, dass Sie als geübter Schreiber intelligent genug sind, hier nicht einfach Verschwörungstheorie schreiben zu können. Aber letztlich sind Sie nicht talentiert genug, weil es eben doch zu schnell durchschaut werden konnte.)

    • Dass Khalezov von Fakten ausgeht, merkt man meiner Meinung nach, wenn man seine Veröffentlichungen im Internet liest. Das muss ich nicht weiter belegen. Denn das Buch ist ja da. Das können Sie sich anschauen.
      Dennoch hier eine kurze Zusammenfassung, um es klarzustellen, was ich meine.
      Einige (nicht alle – ich schreibe hier keine 500 Seiten) Fakten laut Khalezovs Infos:
      – Alles über die entwendete russische Missile (alleine dass in Russland eine Atomrakete geklaut wird, ist ein weiterer schlechter Witz, uznd wirft auch Fragen Richtung russischer Regierung auf – ist aber 100% Tatsache)
      – Die massive Hilfe (das war WEIT mehr als ‚ignorieren‘) der damaligen französischen Regierung, die Identität und Freiheit eines Typen aus dem Mossad zu schützen, der (laut Khalezov) offen damit angegeben hat, an 9/11 maßgeblich beteiligt zu sein
      Lesen Sie selbst!

    • ‚Eine Theorie zu widerlegen funktioniert aber nicht dadurch, sie kindischer Weise als Gegensatz zu Fakten aufzubauen.‘

      Erstmal sparen Sie sich bitte das ‚kindisch‘.

      Denn genau so widerlegt man Theorien. Entweder man zeigt Fakten, die im Gegensatz zur Theorie stehen oder man zeigt Logikfehler in der Theorie selbst. Oder beides. Genauso widerlegt man Theorien. Und anders geht es nicht.

      Allerdings muss jemand, der eine Theorie aufstellt, diese mit Fakten belegen und beweisen. Nicht umgekehrt. Beweispflichtig ist der, der eine Theorie aufstellt.

    • Fakten nutzt man um eine Theorie zu ändern, damit sie wieder einen richtige(re)n Bezug zu Realität bekommt.
      Das ist aber ganz was anderes als Theorie an sich gegensätzlich zu Fakten an sich zu stellen, indem man so etwas kindisches sagt: „Er geht von den Fakten aus und nicht von einer Theorie.“

  10. Die Nato kann nicht einseitig auf Atomwaffen verzichten (leider nicht), da sie erstens in der Tat dann Russland oder anderen Atommächten ausgeliefert wäre und zweitens – was gerne übersehen wird – nicht einmal intern überhaupt wirklich einig ist über das Atomthema. Es gibt hinter den Kulissen z.B. große Spannungen zwischen Frankreich, Israel und den USA über die Rolle der Atomkraft. Frankreich würde am liebsten die Atomkraft auch zivil stärker nutzen, sieht sich aber einer massiven Anti-Atomlobby entgegen, die von den USA in Wahrheit gestützt wird, wohl da die USA befürchten, dass jedes Anusweiten der Kernenergie auch zu Atomwaffen in den Händen von Feinden führen kann (was keinesfalls abwegig ist).
    Was das mit Kapitalismus zu tun hat, weiß ich nicht. Kapitalismus ist nicht, wie Sie schildern, ein Kampf der Nationen um Profitquellen. Ganz im Gegenteil – dieser Kampf von Staaten gegeneinander, der oft mit schmutzigen Mitteln geführt wird, ist völlig unabhängig davon, welches Wirtschaftssystem ein Staat implementiert hat.
    Kapitalismus ist unabdingbare Voraussetzung für freie Gesellschaften im westlichen Sinn, für Gesellschaften, in denen man als Einzelner die freie Wahl hat, was man tum oder kaufen möchte.

    • Kapitalismus mag eine voraussetzung für freie gesellschaften sein, und zwar dann, wenn sie kapitalismus als akademisches konzept im elfenbeinturm der gelehrsamkeit durchdenken und sich an seiner stringenten eleganz erfreuen.

      Wenn sie aber in ihrem gedankenexperiment kapitalismus als unabdingbare voraussetzung für freie gesellschaften sehen, dann irren sie. Und sie irren nicht nur darum, weil sie einen ismus zum dogma erheben, sondern sie irren sich deswegen, weil sie den menschen als solches, als real handelndes wesen nicht mit ins konzept einbeziehen.

      Und weiters: nicht wenn ein individuum die freie wahl hat zu kaufen, ist es frei — ein individuum ist dann frei, wenn es lange genug an sich gearbeitet und gelernt hat zu verzichten. Erst nach diesem reifeschritt sollten wir uns über gelebten kapitalismus unterhalten.

      Aber dann würde sich auch diese diskussion erübrigen.

    • „Kapitalismus ist unabdingbare Voraussetzung für freie Gesellschaften im westlichen Sinn, für Gesellschaften, in denen man als Einzelner die freie Wahl hat, was man tum oder kaufen möchte.“

      Das ist der größte Blödsinn den ich je gehört habe.
      Freien Handel und freie Gesellschaften gab es schon lange vor den Kapitalismus und auch ohne Geld.

    • Kapitalismus ist:
      – Geldwirtschaft
      – freier Handel
      – die Möglichkeit, Produktionsmittel privat zu besitzen

      Wenn eines dieser Kriterien nicht erfüllt ist, hat man schon eine derart diktatorsiche Regierung, dass man nicht mehr von einer freien Gesellschaft sprechen kann.

      Im Einzelnen:
      – Gibt es keine Geldwirtschaft, ist Handel umständlich bzw. viel zu stark überwachbar vom Staat.
      – Gibt es keinen freien Markt, regiert der Staat diktatorisch in den Konsum und sin die Kaufentscheidungen der Bürger hinein (und auch in die Wirtschaft, da auch Firmen Kunden sein können)
      – Gibt es keine Möglichkeit des Privateigentums an Produktionsmitteln, kann man sich nicht selbständig machen, um seine Ideen auf den Markt bringen. Jeder freischaffende Künstler arbeitet mit privaten Produktionsmitteln. Das ist ein wesentliches (aber nicht das einzige) Problem des Kommunismus – dort werden Innovationen und Erfindungen sowie Kunst viel zu stark (teils völlig) unterdrückt.

      Ergo: Kein Kapitalismus bedeutet automatisch Diktatur.
      Umgekehrt ist es aber NICHT wahr. Es gibt sehr wohl kapitalistische Diktaturen. Man kann z.B. die Pinochet-Diktatur als Beispiel nehmen. Kapitalismus ist notwendig für bürgerliche Freiheiten für alle, aber nicht hinreichend.
      Sie definieren das Wort ‚Kapitalismus‘ um, denn sonst könnten Sie Kapitalismus nicht bashen.
      Kapitalismus ist insbesondere NICHT der Krieg um Rohstoffe zwsichen Nationen. Insbesondere dann nicht, wenn in dieser Hinsicht stärkere Nationen schwächere mittels Korruption und militärischer Gewalt unterdrücken, wie es leider derzeit oft der Fall ist – das ist dann sogar das Gegenteil von echtem Kapitalismus, in dem der Staat so etwas gar nicht darf.

    • Kleine Nachhilfe in Logik: Thema Umkehrschluss

      Nur weil man meint eine Aussage (und diese nebenbei auch noch kindisch vereinfacht-absolut) treffen zu können, gilt nicht automatisch ein Umkehrschluss sein.

      Da meint wohl jemand mit ein paar Zeilen eine ernstzunehmende Einschätzung zur Komplexität der Welt treffen zu können, und aufgrund solch einer Vereinfachung weiterführende und ’sicher‘ Aussagen treffen zu können. Wow!

      Kapitalismus (was und welch vereinfachten Ausschnitt an Wirklichkeit tauch immer damit zum Ausdruck gebracht werden will) ist ein Aspekt einer Gesellschaft, aber nicht Wesen einer Gesellschaft, und schon gar nicht zwingend-notwendige Vorraussetzung.

      Eine freie Gesellschaft gründet in Freiheit, und von dort etablieren sich freie Strukturen.
      Z.B. suchen freie Menschen mit freiem Willen in Klostergemeinschaften (mit selbstauferlegten vorgesetzten Regeln) ihren Lebenssinn. Lächerlich solch reifen Mönchsgemeinschaften glauben machen zu wollen, ‚Kapitalismus‘ hätte auch nur einen Deut Bedeutung für ihr sinnhaftes Leben.

      Es macht überhaupt keinen Sinn von Kapitalismus (mit der Bedeutungs’fläche‘ eine Punktes ) zu reden, wenn man glaubt, Kapitalismus wäre Eines, also ein eindeutiger und abgrenzbarer Gegenstand.
      Sinnhaftes Reden über Kapitalismus frägt sofort nach dem Aspekt von Kapitalismus. Etwa den Aspekt der Kriege, die von stark kapitalistischen Gesellschaften Ausgehen. Damit ist nicht der als Wettbewerb bezeichnete Krieg innerhalb der ‚freien‘ Gesellschaft unter den Marktteilnehmern und zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern gemeint, sonder der Krieg gegen andere freie Gesellschaften, die z.B. dummerweise Öl besitzen.

      Eine wahre freie Gesellschaft fördert Freiheit und nicht Krieg.

      Millionen drohnen-, folter-, und kriegsgetöteter Menschen würden diesen Auswüchsen von Kapitalismus und seiner ‚freien‘ Gesellschaft sicherlich mit Verachtung entgegenblicken.

      Schlussendlich ist es ein großer Quatsch unsere Gesellschaft ausschließlich als eine ‚freie‘ bezeichnen zu wollen, und noch größerer Quatsch ist der Versuch, den Aspekt ‚Kapitalismus‘ von Gesellschaft zu seiner Wesensgrundlage und Voraussetzung verklären zu wollen.

    • @Bert
      In Wirklichkeit kann ich Sie hier belehren – nicht umgekehrt.
      Die Aussage ist: Kapitalismus ist notwendige Bedingung für freie Gesellschaften. Die Umkehrung gilt nicht.

      Was soll Ihre arrogante und falsche Wortwahl hier?
      Ich glaube kaum, dass Sie mir irgenwelche Lektionen in Logik erteilen können, so wie Sie hier ‚argumentieren‘.
      Lernen Sie selbst mal Logik.

      Zurück zum eigentlichen Thema:
      Die Aussage über die Umkehrung muss ich hinzufügen, wenn ich das Thema korrekt erfassen will. Ansonsten könnte es ja sein, dass ich meine, dass die Umkehrung auch gilt, also dass man nur Kapitalismus braucht, damit eine Gesellschaft frei ist. Das meine ich aber gerade nicht. Da viele Neocons sehr wohl so denken, dass Kaptalismus alleine ausreicht und die meisten Neocons daher auch Regierungen wie die in Saudi-Arabien akzeptieren, die ja einen fast freien Markt zulassen (Ausnahme Religionsartikel anderer Religionen und Alkohol) ist das auch auf die aktuellen Fragen bezogen wichtig.
      Das ist de facto der wesentliche Unterschied zwsichen Neocons und Neoliberalen. Neoliberale sagen NICHT, dass Kapitalismus alleine ausreicht. Dennoch werden von linker Seite fast nur Neoliberale gebasht, während für Konservative allerlei ‚Verständnis aufgebracht wird, auch hier in diesem Artikel übrigens. Das verstehe ich nicht, vorsichtig ausgedrückt. Das wirkt wie die Umsetzung einer Neocon-Agenda.

      @christa bauer
      ‚Wenn sie aber in ihrem gedankenexperiment kapitalismus als unabdingbare voraussetzung für freie gesellschaften sehen, dann irren sie‘

      Nein, tue ich nicht. Das ist auch kein ‚Gedankenexperiment‘, sondern simple Tatsache. SIE irren sich. Sie verwechseln nämlich ’notwendige Bedingung‘ und ‚hinreichende Bedingung‘. Ich schrieb selbst, dass es NICHT per se für bürgerliche Freiheit ausreicht, dass man sich z.B. alles kaufen kann und eigene Geschäfte aufmachen kann. Wenn man allerdings nicht mal das darf, also keinen Kapitalismus hat, ist die Gesellschaft schon daher nicht frei, weil der Staat solche essentiellen Dinge verbietet oder massiv einschänkt.

      @Bert
      ‚Sinnhaftes Reden über Kapitalismus frägt sofort nach dem Aspekt von Kapitalismus. Etwa den Aspekt der Kriege, die von stark kapitalistischen Gesellschaften Ausgehen.‘
      Das ist das, was ich mit Umdefinition des Begriffs ‚Kapitalismus‘ Ihrerseits meine. Kapitalismus ist klar definiert, er hat aber nichts mit Kriegen per se zu tun. Die Sowjetunion hat z.B. auch Kriege geführt und Nordkorea ist eine Armeediktatur.

    • PS: Die Marktfreiheit in Saudi-Arabien habe ich aber nur in bezug auf einzelne Käufer von Konsumartikeln bezogen. Im Großen ist Saudi-Arabien kein freier Markt. Die Saudi-Regierung vergibt große Aufträge sicher nur an ‚genehme‘ Firmen, die sicherlich wiederum Einfluss auf westliche Regierungen ausüben.

      Auch das sind Dinge, die von Neocons nahezu regelmäßig toleriert werde, oft sogar auf frappierende Weise.
      Die meisten Neocons sind schon zufrieden, wenn es eine große Marktfreiheit für individuelle Konsumenten gibt (‚Business to Customer‘). Den Aspekt der Auftragsvergabe durch Regierungen (Korruption, Diktaturen, die einzelne Firmen bevorzugen) ignorieren sie, weil sie davon ausgehen, dass das der ‚Durchschnittsfamilie‘ egal ist oder die ‚dank‘ Massenmediendesinformation solche Dinge auch gar nicht so mitbekommen.
      Neoliberale hingegen sehen in der Unterstützung von Diktaturen und der Beeinflussung der Auftragsvergabe durch Pakte mit Diktatoren meines Erachtens völlig zu Recht – ein wesentliches politisches Problem.
      Aber dennoch wird meist der Begriff ’neoliberal‘ und nur dieser zum Bashing genommen.

    • @ Michael Kanellos

      „Kapitalismus ist nicht, wie Sie schildern, ein Kampf der Nationen um Profitquellen. Ganz im Gegenteil – dieser Kampf von Staaten gegeneinander, der oft mit schmutzigen Mitteln geführt wird, ist völlig unabhängig davon, welches Wirtschaftssystem ein Staat implementiert hat.“

      Ja und Nein. Vielleicht eine Definition, die Herr Trautvetter oben nicht gegeben hat: Kapitalismus kann nach Marx als Wirtschafts- und Gesellschaftssystem verstanden werden, dessen zentrale Größe sich selbst verwertender Wert ist. Kapitalisten kaufen Arbeitskraft ein, beuten diese über die notwendige Arbeitszeit hinaus aus und eignen sich qua bürgerlichem Privatrecht (= Arbeitsvertrag) den Mehrwert (Überschuss) an. Dieser soll sich dann am (anonymen) Markt in Tauschwert realisieren. Ziel soll eine größere Geldmenge (G‘) sein, die Bestandteil der Kapitalakkumulation ist. Kapitalismus hat zur Folge, dass freier Wettbewerb negiert wird, da das Kapital (als gesellschaftliches Subjekt) den beständigen Zwang zur Vergrößerung hat (Akkumulationszwang).

      In dem Maße, wie Absatzmärkte, Rohstoffe und auch Arbeitskräfte sich nationalen Grenzen entziehen bzw. diese üebrschreiten, verlagert sich der Konflikt der gesellschaftlichen Einzelkapitale auf die Welt. Krieg ist dafür kein Automatismus. Das Kapital agiert „besser“ ohne Krieg, das unterscheidet den Kapitalismus von prämodernen Formen wie Sklavenhaltergesellschaft und Feudalismus. Kriege und diktatorische Herrschaftsformen sind kostenintensiv. Da das Kapital jedoch im nationalstaatlichen Rahmen groß wird, mitunter Kapital und Nation in eins übergehen (= staatsmonopolistischer Kapitalismus) erscheint Krieg als eine kapitalistische „sinnvolle“ Lösung von Verwertungsproblemen. Die Leninsche Imperialismustheorie sieht den Krieg als die Endstufe der kapitalistischen Expansion an. Gegen Lenin wurde von (westlichen) Marxisten eingewandt, dass der Imperialismus nicht die geeigneste Form der Kapitalverwertung darstellt und daher auch nicht die finale Krise des Kapitalismus ist. Vielmehr können (kriegerische) Konflikte immer wieder entstehen und für bestimmte Kapitalfraktionen (z.B. Rüstungsindustrie, Ölindustrie) neue Profitquellen erschließen. Dies geht aber zu Lasten anderer Kapitalfraktionen und kann mitunter für ein Nationalkapital (das Gesamt an Kapitalfraktionen einer Volkswirtschaft) sogar schädlich, weil wertzerstörend sein.

      Marx, der im „Kapital“ empirisch und theoretisch arbeitet, zeigt in einer Negativabgrenzung auf, wie die kapitalistische Produktionsweise im idealen Durchschnitt funktioniert. Primitivste Gesundheitsbestimmungen müssen den Kapitalisten aufgezwungen werden, um die Ausbeutung der Arbeitskraft nicht ins Tödliche zu steigern. Die Fabrikgesetzgebung in England gibt darüber beredte Auskunft. Ohne (sozialistische und sozialdemokratische) Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung gäbe es heute nichts, von dem Otto Normal zehren könnte. Noch immer wäre der Arbeitstag zwischen 12 und 16 Stunden lang, noch immer wäre die maximale Lebenserwartung auf 40-50 Jahre limitiert.

      Dem bürgerlichen Recht auf Eigentum an Produktionsmitteln steht unweigerlich auch der private Zwang zum Verkauf der eigenen Arbeitskraft gegenüber, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können. Marx spricht von „stummen Zwang der Verhältnisse“, die persönliche Freiheit zum Hohn werden lassen.

      Der real existierende Sozialismus war ein dirigistisches System des Staatskapitalismus, in dem ebenso Mehrwert erzeugt wurde. Dieser wurde vom Staat konfisziert und z.B. in verbilligte Wohn- und Lebensmittelpreise umverteilt. Umverteilung (über Preise oder Löhne) setzt jedoch die kapitalistischen Quellen des Eigentums voraus. Die Produktionsmittel waren in diesem Fall in staatlichem Eigentum und unterstanden der Verfügung beauftragter Bürokraten. Anders im Genossenschaftswesen, wo Produktionsmittel durch Mitgliedschaft anteilig zugeteilt werden. Die Eigentumsfrage ist aber nur ein Teil. Man sieht z.B. an der heutigen Managerherrschaft in Aktiengesellschaften, dass Eigentum und Herrschaft in verschiedenen Händen liegen. Manager üben im Auftrag der Gesellschafter Überwachungsfunktionen aus, um die Kapitalverwertung sicherzustellen. Das heißt, dass der Produktionsprozess entscheidend ist: muss ein Mehrwert erzeugt werden, so muss es auch Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft geben.

    • @ Ignaz
      Ich stimme insofern voll und ganz zu, als ich durchaus der Meinung bin, dass sogar mehr als das sinnvoll und sogar nötig ist, was Marx meinte, das man den ‚Kapitalisten‘ (ich würde sie eher als extremistische Klassenkämpfer von ‚oben‘ bezeichnen) ‚aufzwingen‘ müsste. Damit meine ich einen steuerfinanzierten, marktfernen Sozialstaat, systemtechnisch im Großen und Ganzen das, was es in Deutschland gibt – allerdings ohne ‚1-Euro-Jobs‘.
      Und natürlich durchaus auch Mindeststandards wie Urlaubsanspruch, Mindestlohn etc. . Im Grunde wurde NOCH WEIT MEHR als das realisiert, aber interessanterweise ausschließlich in den kapitalistsichen Gesellschaften: Worauf ich hinauswill, sind Gewerkschaften und Tariflöhne. Diese folgen nicht aus der Marktwirtschaft per definitionem, aber frappierenderweise sind es gerade die Sozialisten und Kommunisten, die ECHTE Gewerkschaften gar nicht mögen. Sozialisten von links und rechts und Kommunisten verbieten meistens Gewerkschaften oder ’schalten sie gleich‘ bis zur Unerkennbarkeit (Degradierung zu Staatsorganen). Man sieht das aktuell an der gewerkschaftsfeindlichen Gesetzgebung (‚Tarifeinheitsgesetz‘) der Großen Koalition – es war in der Tat die FDP, die das bisher verhindert hat – sehr zum Unwillen der FDP-nahen Arbeitgeberlobbyisten übrigens. Meine These ist: Es hätte für die FDP schon gereicht, diese Tatsache bei der letzten Wahl nicht komplett zu verschweigen, und die 5%-Hürde wäre sicher gewesen – was für mich ganz fragwürdiges Licht auf die führenden Akteure dieser Partei wirft, die immerhin als einizige Partei mit Amchtoption das Label ‚liberal‘ trägt. Man sieht am Thema Gewerkschaften meiner Meinung nach eindeutig, dass es die grundsätzliche Liberalität kapitalistischer Gesellschaften ist, die essentiell für Fortschritte ist, die der arbeitenden Bevölkerung helfen.

    • @ Ignaz
      Ich stimme durchaus zu, dass sogar mehr als das sinnvoll und sogar nötig ist, was Marx unter ‚dem, was den Kapitalisten (ich würde die eher als ‚Klassenkämpfer von oben‘ bezeichnen) aufgezwungen werden muss‘. Und das ist meines Erachtens keineswegs konträr zum Kapitalismus. Ich meine einen marktfernen steuerfinanzierten Sozialstaat, so wie er in Deutschland tatsächlich realisiert ist (wenn man die ‚1-Euro-Jobs‘ abschafft), und auch Mindeststandards wie Mindestlohn, Urlaubsanspruch oder sonstiges Arbeitsrecht.
      In vielen kapitalistsichen Gesellschaften ist aber nicht nur das realisiert, sondern noch deutlich mehr: Ich meine hier die Gewerkschaften, und zwar Gewerkschaften. Diese gibt es fast ausschließlich in kapitalistsichen Ländern, obwohl Tarifautonomie nicht unbeding zwingend zur Marktwirtschaft gehört. Wirklich sozialistische (also nicht solche de facto konservativ-sozialdemokratischen wie die französische oder griechische Regierung) oder kommunistische Regierungen hingegen mögen ECHTE Gewerkschaften meistens gar nicht und eine der ersten Amtshandlungen solcher Regimes ist es oft, Gewerkschaften zu verbieten oder ‚gleichzuschalten‘ (also gewissermaßen zu Staats- oder gar Parteiorganen zu degradieren. Aktuell gibt es in Deutschland das gewerkschaftsfeindliche ‚Tarifeinheitsgesetz‘ als Versuch in diese Richtung (ist ja derzeit vor dem Verfassungsgericht). Es ist kein Zufall, dass solche Bestrebungen genau dann realisiert werden, wenn die FDP erstmals nicht im Bundestag ist. Auch wenn es kaum jemand mitbekommen hat: Es war die FDP, die sowas wie dieses ‚Tarifeinheitsgesetz‘, das sich massiv gegen echte Gewerkschaften richtet, verhindert hat, zum Unwillen ihrer Arbeitgeberklientel. Dass die FDP-Führung diese Tatsache verschwiegen hat bei der letzten Wahl, obwohl dieses Thema meines Erachtens alleine locker für die 5% gereicht hätte, wirft für micht ein ganz schlechtes Licht auf die handelnden Akteure. Es wurde erstaunlich viel innerhalb der FDP dafür getan, dass die FDP diese Wahl verliert. Man sieht generell meines Erachtens am Thema Gewerkschaften (die es zwar nicht in allen kapitalistischen Ländern gibt, aber kaum in kommunistischen), dass es die grundlegende Liberalität des Kapitalismus ist, die es überhaupt ermöglicht, dass die arbeitende Bevölkerung wirkliche Fortschritte erzielen kann.

    • @ Michael Kanellos

      Zwei Teile in Ihrer Antwort sind m.E. durcheinandergeraten:

      1. Zur Rolle der Gewerkschaften in der sozialistischen Übergangsgesellschaft und
      2. Die Durchsetzung des Tarifeinheitsgesetzes

      Zu 1.) Dass Gewerkschaften in einer „entwickelten“ sozialistischen Gesellschaft überflüssig würden, gehört zum Grundgedanken der frühsozialistischen Bewegungen, die von einem Ineinanderübergehen der unterschiedlichen sozialen Bewegungen ausgehen. Das heißt, Gewerkschafts- und Genossenschaftsbewegungen führen zu Arbeiterparteien, die deren Interessen politisch durchsetzen. Erst mit dem Revisionismusstreit in der kontinentaleuropäischen Sozialdemokratie (besonders aber zwischen Luxemburg und Bernstein ab 1890ff.) gibt es einen überwiegenden Grundkonsens der SPD zur parlamentarischen Arbeit und Absage an die soziale Revolution (für Bernstein war die Durchsetzung sozialdemokratischer Politik im Parlament gelebter Sozialismus).

      Wir haben ferner den marginalisierten Zweig der um Marx gruppierten „Marxisten“ (Marx‘ Bonmot über „die Marxisten“ ist ja bekannt) sowie die anarchistische Tradition, die besonders in Südeuropa und Frankreich an Stärke gewinnt und sich dort auch eher mit den Gewerkschaften verbinden kann (= syndikalistische Gewerkschaften, die den politischen Streik als Methode praktizieren).

      Die beiden letzteren Strömungen sehen den Staat als Überbau der Klassengesellschaft an. Marx‘ Forderung daher, durch Abschaffung der kapitalistischen Produktion auch ein Wegfall der staatlichen Herrschaft. Für Marx gab es dann gar keinen Sinn mehr, an einer staatlichen Apparatur festzuhalten. Jedoch hat er keine Staatstheorie formuliert, was es Lenin und Stalin ermöglichte, eine Umdeutung der Theorie vorzunehmen. Die Rätebewegung von 1917/18 wurde entmachtet und die Tscheka (Geheimpolizei) zur Kontrolle von Abweichlern etabliert. Rätekommunistische Kritiker wurden verfolgt, bis hin zu den Exzessen unter Stalin Mitte der 1930er Jahre, als sogar deutsche Exilkommunisten erschossen wurden (gut dokumentiert bei Hermann Weber, Deutsche Kommunisten, Dietz Verlag, Berlin).

      In Abgrenzung dazu versuchte der Westliche Marxismus seit den 1930er Jahren (v.a. Korsch, Mattick, Pannekoek u.a.) Gewerkschaften nicht nur als Hebel der sozialistischen Revolte zu betrachten, sondern deren Unabhängigkeit im Rätesystem zu bewahren (z.B. als Arbeits- und Sozialräte).

      Fazit zu Punkt 1: Die Idee der sozialistischen Transformation geht von einer Überwindung kapitalistischer Wirtschaft und der sie absichernden staatlichen Herrschaftsapparatur aus. Gewerkschaften sind darin Teil der sozialen Revolution, deren Fortexistenz in einer sozialistischen Wirtschaft sukzessive überflüssig würde, weil der politökonomische Antagonismus zwischen Kapitalisten und Arbeiterklasse aufgehoben wäre. Inwieweit der Realsozialismus davon abwich bzw. gar die kapitalistische Produktion fortdauern ließ und sich das Mehrprodukt bürokratisch aneignete, ist eine empirische Frage.

      Zu 2.) Tarifeinheitsgesetz und FDP
      Soweit ich das sehe, ist die FDP eine Klientelpartei, deren Interessenvertretung für freie und Kammerberufe offen zu Tage liegt. Seit dem Ausscheiden aus dem BT versucht ihr Vorsitzender Lindner sich an der Argumentationskiste von ALFA zu bedienen, weshalb mir zur BT-Wahl 2017 ein Zusammengehen von ALFA und FDP schlüssig erscheint.

      Dass sich die FDP gegen das die Gewerkschaften kujonierende „Tarifeinheitsgesetz“ aussprach, das schon seinem Wortlaut nach an eine Zwangseinheit erinnert und den Begriff der „Einheitsgewerkschaften“ rhetorisch aufs Korn nimmt, sehe ich als der Parteiprogrammatik folgerichtig an. Sie steht für freie Lohnfindung, mitnichten für Tariflöhne auf der Arbeitnehmerseite. Die Ablehnung begründet sich daher eher aus dem Staatsmisstrauen der FDP, die sich seit dem Lambsdorff-Papier von 1982 mehr und mehr zu einer Ein-Thema-Partei, ähnlich der steuerfeindlichen Tea-Party-Bewegung entwickelt hat. Keiner kann mehr glauben, dass diese Partei mal Leute wie Baum oder gar Karl-Hermann Flach als Mitglieder hatte. Selbst Augstein war damals darin vertreten, was auch ein anderes Diskussionsklima um 1968 anzeigt, wie man hier schön sehen kann: https://youtu.be/arjzcSudflQ

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