Gegen die Spirale aus Vorwurf und Gegenvorwurf – Der Weg des Friedens fängt in uns an oder er existiert nicht

Von Bernhard Trautvetter.

Im Gewandt des Antifaschismus auftretende >Journalisten< alternativ erscheinender Medien greifen die Friedensbewegung immer wieder massiv an. So auch nach den Aktionen vor allem in Ramstein, Kalkar, Essen und Berlin. Das wirkt wie der Versuch, die Erfolge der Friedensbewegung in ein aus antifaschistischen Sicht großes Desaster umzu-definieren.

Eine dieser Platformen lehnt ihren Namen an Websites wie „transparencywatch“ an. Die Macher dieser Website erklären, sie kämpfen gegen Korruption; eine andere kämpft nach der Startseite von „mediawatch“ gegen Rassismus, Sexismus und Gewalt in den Medien. Die entsprechende Site zur Friedensbewegung heißt  „friedensdemowatch“ (1) .

Ein Element ihrer Arbeit ist die Falschdarstellung. Friedensaktiven – auch mir selbst – werden Öffnungen nach rechts mit unzutreffenden Behauptungen – das fängt damit an, dass fälschlicherweise behauptet wird, die Organisatoren derf der No-natom-krieg-Kundgebung am Tag der Deutschen Einheit hätten ein Plakat toleriert , das den Faschismus verharmlost… Sie suchen dann auch in Reden wie etwa der von Eugen Drewermann (2) ähnliche Makel. Die Nato als Kraft mit der gefährlichsten Angriffsarmee der Geschichte zu benennen, wie Eugen Drewermann das in seinen Reden auf Friedensdemonstrationen, so auch in Essen, getan hat, stellt allerdings keine falsche Tatsachenbehauptung dar, auch wenn Kräfte im sich antifaschistischen nennenden Spektrum ihn dafür der Verharmlosung der Nazis geißeln. Die Nazis haben den 2. Weltkrieg mit an die 100 Mio. Toten ausgelöst. Sie haben den Massen-/ und Völkermord industrialisiert, sie haben eine vergleichsweise Maschinerie der Verfolgung von Gegnern entwickelt: Dachau z.B. war das als erstes KZ der Nazis für Kommunisten errichtet worden. Sie haben Folterkeller errichtet, Gegner wie den ehemaligen Sozialdemokraten und damligen KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann ermordet und die systematische Massentötung weiterer Bevölkerungsteile praktiziert, so die ‚Euthanasie‘ genannte Ermordung von Menschen mit Behinderung. Das alles ist so eineindeutig klar, wie es auch die ganz anderere Tatsache ist, dass die Nato schon durch das Arsenal der Atomsprengköpfe der USA, Frankreichs und Groß Britanniens die furchtbarste Bewaffnung der Geschichte angehäuft hat. Siehe dazu den Sipri-Jahresbericht 2015 (3) .

Die Stimmungsmache gegen die Friedensbewegung setzt seit Henryk M. Broders Veröffentlichung einer nicht öffentlich intendierten Mail von Ken Jebsen immer wieder bei KenFM an. Seine längst im Humanistischen Grundkonsens auf Pedram Shayars Website (4) aufgekündigte frühere Zusammenarbeit mit dem aus der Linken nach ganz rechts über gelaufenen Herrn Elsässer wird dabei wiederholt als Ausgangspunkt der Herabwürdigung genutzt. Seltsam, dass Herr Broder trotz vieler Entgleisungen in die rassistische Stimmungsmache als Kronzeuge nicht zu mehr Vorsicht führt. Ken Jebsens Formulierung von damals kann für sich genommen so verstanden werden, dass aus ihr eine Holocaust-Leugnung spricht. Es kommt allerdings bei der genauen Bewertung darauf an, wie er argumentiert und begründet, was er nicht immer tut. In einem späteren Interview mit den Netzpiloten (5) bezeichnet er demgegenüber den Holocaust als das größte Verbrechen der Geschichte. Ohne diese Korrektur hätte es weder das Interview mit mir noch mit meinem Freund Sally Perel gegeben.

Wissenschaftlich unglaublich ist, wie schlecht kritische Veröffentlichungen wie die der O.Brenner-Stiftung über dei sogenannte Querfront (6) recherchieren, dass sie nur sehen, was ins negative Bild passt. Der Begriff Querfront ist historisch belegt und meint das gemeinsame Agieren von Kommunisten und Nazis, etwa im Berliner BVG-Streik 1932 (7). Es gab in der NSdAP eine antimarxistische und antisemitische antikapitalisitsiche Strömung um die Brüder Otto und Gregor Strasser (8), die im Machtkampf unterlegen war.

Mit herabwürdigenden Vorwürfen gegen Andersdenkende wie dem Begriff ‚Querfrontler‘ oder gleich ‚Rechtskraft‘ untergräbt man nicht nur den Diskurs, das Ringen um Lösungen, man lähmt auch, wenn der Vorwurf nicht valide ist, die Kraft der Bewegung. Aus dem Aktionssommer 2007 gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm sind Agents Provokateur bekannt (9). Man kann nich ausschließen, dass Geheimdienstlr der Nato gezielt in die Widerstandskrfte hineinwirken, um sie zu schwächen. Die Nato wird die Friedensbewegung als feindliche Einheit ansehen, wie diese Einladung zur letztjährigen Essener Konferenz zeigt, in der sie ohne Spezifizierung von Kräften sprechen, die ‚hosilte to Nato‘ sind:

General Frank Gorenc, Direktor des Kalkarer »Joint Air Power Competence Centre«  schrieb dazu, es gäbe »Einheiten« (»entities«), die der NATO gegenüber feindlich (»hostile«) eingestellt seien, da sie geschickt die Unterstützung der Bevölkerung für »Operationen« der Militärs untergraben. Das Wort »Einheiten« legt nahe, dass auch die Friedensbewegung damit gemeint sein kann, die mit dafür verantwortlich ist, dass die Bevölkerung kritisch gegenüber der Bundeswehr bleibt.(10)

Ich behaupte nicht, dass Kräfte, die Friedenskräfte mit nicht-validen Vorwürfen, falschen Bezügen, ausgrenzenden Vokabeln und Würde-verletzenden Begriffen wie Wahnmichtel, wie das u.a. etwa Jutta Ditfurth tut, Nato-Agenten sind. Es ist schon zu viel, wenn umgekehrte Abstempelungen von Friedenskräften erfolgen. Ich warne nur davor, dem Militarismus und der Reaktion in die Hände zu spielen, indem man diese Vorgehensweise kopiert und auf die Friedensbewegung und weitere alternative Spektren überträgt.

Eine Bewegung gerade für die Vision einer friedlichen Welt lebt vom genauen Umgang mit Fakten und vom gewaltfreien Umgang mit einander und von der Möglichkeit, dass sich Menschen entwickeln, wie das Richard Scheringer, Martin Niemöller, Edward Snowden und andere getan haben. Wer das nicht beachtet, stärkt nun einmal gewollt oder ungewollt objektiv die Gegner der alternativen Bewegungen, die gerade mit der sog. ‚Modernisierung der Atomwaffen‘ der USA weit über 1000 Mrd. $ investieren, um neuartige, leichter einsetzbare B 61 Modell 12 – Nuklearpotentiale zur Einsatzfähigkeit zu bringen. Diese Waffen sind verkleinert in ihrer Wirkung und keine Fallbomben mehr, sondern Lenkwaffen. Alleine die Summe ist eine Beleidigung der hungernden und durstenden und obdachlosen Milliarden Menschen auf diesem Planeten, sie ist auch ein Ausdruck einer Apokalypseblindheit gegenüber den ökologischen Zukunftsgefährdungen. Sie für die Steigerung der Gefahr eines nuklearen Infernos als Damokles-Schwert über unser aller Existenz einzuplanen ist nicht nur menschen- (auch für die Akteure selbst-) verachtend, sondern gleichermaßen ein Verrat an der lebendigen Erde, der gegen Albert Schweitzers Postulat der Ehrfurcht vor dem Leben steht.

Das große Bündnis gegen diese Gefahr wird die Ausstrahlungskraft der  Friedensbewegung der 80er Jahre brauchen, in der Konservative, Grüne, Kommunistinnen, SozialdemokratInnen, EsotherikerInnen, Angehörige aller Weltreligionen, … zusammen fandenfür das, was sie eint/e: Das Leben, das Überleben sichern im Angesicht der Bedrohung/en.

Wenn ich hier Vorwürfe gegen Kräfte der Spaltung und der Zerbröselung der Friedensbewegung formuliere, heißt das nicht, dass die von diesen Kräften Kritisierten damit bar jeder Fehler sind. Im Humanistischen Grundkonsens kritisieren Mahnwachenprotagonisten, dass es im damaligen Mahnwachenspektrum 2014 auch Rechtskräfte gab, die mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit – etwa im Falle Jürgen Elsässer – in Erscheinung treten. Gegen diese Kräfte ist der Protest der DemokratInnen existenziell.

Ken Jebsen hat auch in einigen Fällen gegen die Vision „Der Frieden ist der Weg“ (Gandhi) gehandelt, etwa wenn er KritikerInnen, die sich verdient gemacht haben in ihrem Einsatz gegen den Imperialismus beim G 8-Gipfel in Heiligendamm oder beim  Nato-Gipfel in Straßburg,… für die Zukunft der Menschheit eingesetzt haben, als ‚Feinde‘ anprangerte (so in seiner Rede v. 16.März 2015), weil sie eine Bündnispolitik verfolgen, die die Spirale aus Vorwürfen und Gegenvorwürfen mit teils nicht-validen und undifferenzierten Vorwürfen steigern, die wir auch schon bei der Otto-Brenner-Stiftung und anderen beklagen mussten. Ein differenzierter Umgang mit ein ander ist solange angesagt, wie das Einhalten der roten Linie des Antifaschismus, Antirassismus und der Menschenrechte.

Nach Goethes Wilhelm Meisters Lehrjahren heißt das alles für mich: Behandele die Menschen im Konflikt nicht so, wie sie Dich behandeln, sondern so, wie sie sein könnten. So will ich zu meiner eigenen Weiterentwicklung beitragen, zu der meiner Diskurs-GegnerInnen und zum Wachstum der Bewegung.
Der Marxismus hat mir Hegels Dialektik näher gebracht, und die Erkenntnis, dass die Realität ein Prozess ist, der sich aus Gegensätzen nährt. Diese Haltung bei der Verarbeitung aller Informationen befähigt nach meiner Einsicht am ehesten dazu, dass wir die Zukunftsherausforderungen bewältigt bekommen, zu denen die Kriegsgefahr sehr berückend vordringlich zählt. Wenn wir diese Haltung auf alles anwenden, nur nicht auf uns selbst, fürchte ich, wird die Menschheit sich das Instrumentarium nicht erarbeiten, das sie braucht, um die Zukunftsgefährdungen zu bewältigen. Wir werden den Weg nur dann erfolgreich beschreiten, wenn wir ab jetzt alle Kraft auf Lösungen und das Gemeinsame der Humanisten konzentrieren, den ich im kommunistischen Manifest von Karl Marx und Friedrich Engels so beschrieben finde: Es geht um die Gemeinschaft, in der die „freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist“. Das ist der Weg, wie mir scheint, der einzige, der ein Notausgang für die Menschheit sein kann, wenn sie in ihr Überleben doch noch einwilligt.

Die Friedensbewegung ist dabei ein existenzieller Wegbereiter. Deshalb hängt das Überleben der Menschheit mit davon ab, dass sie die Attraktivität gewinnt, die ihr einen Zulauf erbringt, wie ihn die Zukunft der Menschheit braucht. Dies geht nur über einen Umgang mit einander, der den Frieden vorwegnimmt, den sie anstrebt. Das meinte Gandhi wahrscheinlich mit seinem Satz. Dieser Friede wird möglich, wenn wir alle erkennen, dass wir Wesen sind, in denen Programme gleichzeitig ablaufen, die sich teils sogar gegensätzlich ausschließen. Und dann suchen wir einen gemeinsamen Ausweg aus den Dilemmata in uns und um uns herum. Mit allen Humanisten, die ein Überleben in der ökologisch, militärisch, sozial und politisch gefährlich gefährdeten Welt ernsthaft konkret gehen wollen. Das werden auch Mitmenschen sein, die derzeit teils gegeneinander wirken.

Viele von jenen, die im Diskurs über den Weg trefflich streiten, meinen es gut. Auch WeggefährtInnen, die andere ausgrenzen, gefiltert wahrnehmen, anklagen, können gewonnen werden. Auch Menschen, die auf der Gegenseite stehen: Siehe Snowden, den ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiter, der plötzlich das Spiel der Herrschenden wahrnahm und dann alles riskierte, als er zum Aufklärer wurde. Er ist damit natürlich noch nicht unbedingt zum Systemkritiker geworden. Das ist allerdings nach meiner Einsicht ein Erfordernis für die Beharrlichkeit der Bewegung, die sich nicht damit abspeisen lassen darf, dass Tauben die Falken in den Militäreliten ablösen. Es geht letztlich doch immer wieder  um die Systemfrage, die Gesellschaft, in der die freie Entwicklung des Einzelnen die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist. Erst dann hört nach meiner Erfahrung der Krieg auf. Ob das naiv ist? Wir haben keine andere Wahl, als das anzustreben, wenn wir, was ich will, als Gattung überleben wollen. Es ist unrealistisch, das unmöglich Erscheinende nicht zu wollen. Von Sally Perel habe ich auch diesbezüglich gelernt: Gib niemals auf!

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

 

36 Kommentare zu: “Gegen die Spirale aus Vorwurf und Gegenvorwurf – Der Weg des Friedens fängt in uns an oder er existiert nicht

  1. Für die Spirale aus Hinweis und Gegenhinweis – Der Weg des Friedens fängt in der Überzeugung der Krieger hin zu Frieden an oder er existiert nicht

    Ich bin immer froh und dankbar wenn mir ein berechtigter ! Vorwurf gemacht wird. Das zeigt mir das ich irgend etwas nicht gut oder falsch gemacht habe, ohne mir dessen bewusst gewesen zu sein.
    Insofern betrachte ich einen Vorwurf gar nicht als solchen, sondern als (freundlichen/freundschaftlichen) Hinweis – jedenfalls aber nützlich.

    Das hat leider Seltenheitswert. Die wenigsten Menschen können auch berechtigte Hinweise auf ihre Fehler oder Fehlverhalten und dergleichen nicht hinnehmen. Sie gehen sofort in Kontrastellung, Abwehrhaltung, Kampfposition und antworten mit Ablehnung. Das sind die schwer bis unbelehrbaren, die ihre Fehler immer wiederholen (müssen).

    Wenn mir jemand sagt – Der Weg des Friedens fängt in uns an oder er existiert nicht – dann empfinde ich das bestenfalls impertinent, da ich und milliarden Menschen den Frieden in sich tragen. Da aber Frieden offensichtlich nicht existiert müsste es ja laut der Behauptung an mir und meinen milliarden friedlichen Mitmenschen liegen, die Frieden nicht in sich haben.

    • Hallo Der Souverän,
      ich finde ihren Kommentar sehr konstruktiv, durch seinen inneren widerspruch. Diesem fällt aber auch Herr Trautvetter anheim und sowohl sie, als auch Herr Trautvetter bewegen sich dadurch in dieser Spirale, ohne es bewusst zu provozieren / wollen.

      Sowohl ihr Kommentar, als auch der Text von Herrn Trautvetter, werfen jeweils einer anderen Seite vor, etwas nicht zu tun oder zu tun oder nicht zu sein bzw zu sein – das ist m.E. nach einfach menschlich. Herr Trautvetter sagt ja selber, das wenn Jebsen nicht ausdrücklich den Holocaust als Verbrechen bezeichnet hätte (bei Netzpiloten) er niemals mit ihm gesprochen hätte. Er widerspricht somit seinem Prinzip:
      ,,Nach Goethes Wilhelm Meisters Lehrjahren heißt das alles für mich: Behandele die Menschen im Konflikt nicht so, wie sie Dich behandeln, sondern so, wie sie sein könnten.´´

      Herr Trautvetter will eben einfach nur davor warnen, wie leicht es ist in so eine Spirale zu geraten, sich angegriffen oder ähnliches zu fühlen. Im letzten Absatz sieht Herr T. die Systemfrage als das zentrale Problem, welche nach Eintritt eines Friedens gelöst werden muss, damit der Frieden bestand haben kann.

      Sei der Wandel den du sehen willst, so heißt es ja und ist sehr viel leichter gesagt als getan. Auch ich bin da wahrlich keine Ausnahme. Darum nochmals Danke für ihren wunderbaren Kommentar, da er mich dazu gebracht hat einen versuch zu unternehmen, ihre Perspektive, die vom Autor und auch meine aus zwei neuen Blickwinkeln einzunehmen.

      MfG Hofnarr

      p.s. herr t. wollte bestimmt auch eher den Durchschnitt kritisieren der vorm Fernseher hockt, durchs Programm zappt und sich denkt: ,,Joa…der Krieg…schon schlimm.´´ Und es dabei belässt und sich weiterhin wundert, das es im nächsten Jahr noch immer so ist.

    • Na ja, eine Spirale hat auch immer ein Anfang und ein Ende.

      Sei der Wandel den du sehen willst, der Weg des Friedens fängt in uns an, sind für mich (wieder) so Modesprüche, Wegwerfartikel. Nutzlos und sie bringen nicht weiter. Die Menschen die diese Sprüche brauchen, reagieren keineswegs darauf. Und die anderen brauchen sie nicht, weil sie ohnehin friedfertig sind und ihr leben so gestalten das sie „nicht die Sau rauslassen“.
      Mir hängen diese Sprüche zum Hals raus…

      Ich werfe den Menschen das nicht vor, weil es sinnlos ist. Das sind zum Menschen gehörende Eigenschaften. Der Eine hat sie, der Andere legt sie sich zu und der Dritte ändert sich, legt sie ab. Es gibt da sicher viel (Entwicklungsnatürliche) Fluktuation im laufe der Leben.

      „Behandele die Menschen im Konflikt nicht so, wie sie Dich behandeln, sondern so, wie sie sein könnten.“

      Ich sags mit den Worten meiner Mutter: Eine gelinde Antwort wendet den Zorn ab.

      Ich halte es sinnlos die Menschen ändern zu wollen, weil es nicht möglich ist auf die gesamte Menschheit bezogen. Jedenfalls nicht heute und nicht in 100 Jahren. Dafür bräuchte es etliche Generationen. Ergo ist eine Formung in welche Linie auch immer unlogisch. Und unlogisch kann auf Dauer nicht (vernünftig) funktionieren.

      Also muß man den Menschen schlicht die Gründe nehmen Krieg zu führen, die Umwelt zu verseuchen etc pp. Und das ist ziemlich einfach, leicht realisierbar.

  2. Ein sehr gelungener Artikel, der sehr gut beschreibt in welcher Verfassung wir uns hier im Lande bewegen. Gegenseitige Kräfte zerren an der Deutungshoheit und offenbaren Ihre Ängste der Einseitigkeiten.

    Beispiel:
    Warum wird der 3. Oktober nicht am 9.November gefeiert? Schon diese Frage wird sämtliche Gemüter aus ihrem Gleichgewicht bringen. Das was fehlt ist die übergeordnete Instanz eines erweiterten Bewusstseins. Warum kann ein Gedenktag nicht gleichzeitig ein Feiertag sein? Die Angst, dass das Eine das Andere vereinnahmt ist groß und vielleicht auch nicht unberechtigt, aber geht es nicht gerade darum, dass das Feiern der freudigen Wiedervereinigung und dass Gedenken des moralischen Zusammenbruchs eines düsteren Irrweges zusammen geschaut werden müssen?

    Solange wir die dunkle Seite ausblenden oder dem „Feind“ anheften wollen, wird es zu weiteren Verwerfungen kommen. Für Frieden bedarf es eine größere bewusste Intelligenz und emotionale empathische Fähigkeit, während Konflikte und Kriege jeder „Dummschwätzer“ erzeugen kann.

    Frieden braucht Identität, d.h. die Anerkennung eines gemeinsamen Bewusstseins und die Anerkennung der nationalen Schattenseiten, die in Sprache, Wort und Klang ihren Ausdruck finden müssen, denn jeder Schatten kann schnell zum düsteren Ungeheuer heranwachsen, wenn ein gemeinsames Bewusstsein nicht zum Korrektiv wird.

    An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Zivilgesellschaft eine entscheidende Kraft sein und fest im politischen Meinungsprozess verankert werden muss. Wie hoch der Schmerzpreis sein wird, liegt zur Zeit in der gemeinsamen Erkenntnisarbeit eines jeden, dessen Umsetzung unsere gemeinsame Realität spiegeln wird.

  3. Löst Euch endlich von diesem schwachsinnigen Rechts-/Linksdenken! Ihr verschwendet sooo viel Energie darauf, ja nicht in die rechte Ecke gestellt zu werden, immer wieder zu dementieren, Gegenargumente zu bringen, etc. etc. etc. In eine volksentscheidende, direkte Demokratie gehören alle politischen Richtungen an den Runden Tisch, so sie entsprechend als Vertreter des Volkes, also auch einzelner Volksgruppen (gern auch über parlamentarische Hürden) dazu legitimiert sind! Allein und nur aus der Diskussion heraus, mit den verschiedenen Standpunkten, den unterschiedlichen Richtungen wird der gemeinsame Konsenz den man schlussendlich daraus entwickelt überhaupt mehrheitsfähig und tragbar und die Mehrheit ist die breite Mitte und genau dort tummeln sich derzeite ALLE Parteien im gegenseitigen Einvernehmen des Machterhaltes <= das ist Stillstand!

    Einer der Gründe, weshalb sich so viele Menschen von "links" abwenden ist doch die immer gepredigte und selbst nie angewandte Diskussionswilligkeit mit dem politischen "Gegner", die Arroganz, Veränderungen jeglicher Art als Alleinstellungsmerkmal gepachtet zu haben. Die Linke hat sich von dieser Klatsche in den 30igern des letzten jahrhunderts nie erholt, nie weiter entwickelt und kämpft schlussendlich immer noch die Straßenschlachten aus dieser Zeit. Dummerweise habt Ihr dort keinen Gegner, die Linke kämpft dort im Schattenboxen nur mit sich selbst.

    Die Republikaner – Haken dran, die NPD – Haken dran, wen gibts noch? Die haben doch selbst zusammengenommen keine Mehrheit, sind nichtmal beschluss- oder antragsfähig in den Parlamenten. Jetzt wird die AfD der erklärte Gegner – die AfD interessiert sich einen Scheiß für die völlig zerrüttete Friedensbewegung, für die völlig zerrüttete Linke und ja, sie spricht die dumme, breite, unaufgeklärte, weil falsch informierte Masse an mit ganz ähnlichen Themen wie Stabilität und Sicherheit – aus deren Blickwinkel und sie folgt der bestehenden Religion des ewigen Wachstums, d.h. es wird sich schon deshalb nicht viel ändern können! Warum, weil selbst die anderen Parteien nicht weiter kommen! Es findet keine politische Diskussion statt, kein für und wider, es wird lediglich in Ausschüssen hinter verschlossenen Türen beraten und sich auf einen Konsenz des geringsten Widerstandes "geeinigt" und danach nach dem Parteibuch abgestimmt, nicht nach dem Gewissen, nicht nach Meinungsbildung des einzelnen Parlamentariers.

    Genau genommen hat 'die Linke' als Partei überhaupt erst durch Ihr Erscheinen auf der politischen Ebene dafür den Weg geebnet, das die SPD den Verrat an Ihrem Wahlvolk begehen konnte. (Verraten haben sie's selbst, die Verantwortung trägt nicht 'die Linke'!). Woher kommt denn dieses Koalitionsgeklüngel, mal ganz abgesehen vom nachvollziehbaren Wunsch des Machtbestrebens und des Machterhaltes als Motor des Ganzen? Wo ist der politische Gegner einer Linken im Parlament um überhaupt Oppositionsarbeit leisten zu können? Eine Rechte gibt es nicht, zumindest nicht politisch vertreten. Gegner ist die breite unbewegliche Einheitsmasse aus CDU/CSU, SPD, GRÜNE, selbst die FDP ist defakto aus dem Rennen… Der Kampf ist nicht zu gewinnen und die Bestrebungen innerhalb der Linken, sich dieser Einheitsmasse anzupassen sind mehr als deutlich. aus diesem politischen Gesamtversagen heraus, hat nat. eine AfD ein ganz leichtes Spiel mit platten Parolen.

    Und mal ganz ehrlich, darf sich ein bekennender "Rechter" nicht im Rahmen einer Friedensbewegung genau so GEGEN Krieg positionieren? Seit wann ist Frieden Links und Krieg Rechts? Frieden ist Neutral, allumfassend, es ist Frieden!!!

    • ,,Und mal ganz ehrlich, darf sich ein bekennender „Rechter“ nicht im Rahmen einer Friedensbewegung genau so GEGEN Krieg positionieren? Seit wann ist Frieden Links und Krieg Rechts? Frieden ist Neutral, allumfassend, es ist Frieden!!!“

      Jawoll, toller Schlussatz. So sehe ich das auch! Bomben töten jeden. Wer gegen Krieg ist, sollte auch immer bereit sein, seine Ideologie hinten anzustellen. Alles andere kann danach Diskutiert werden.

    • „Und mal ganz ehrlich, darf sich ein bekennender „Rechter“ nicht im Rahmen einer Friedensbewegung genau so GEGEN Krieg positionieren? Seit wann ist Frieden Links und Krieg Rechts? Frieden ist Neutral, allumfassend, es ist Frieden!!!“

      Ein Satz der Prominent bleiben muß. Jedenfalls ist jeder Mensch der der Entspaltung zuspricht auf dem richtigen Weg.

    • Zum Rechts-Links-Thema:
      In der Tat muss eine erfolgreiche Friedensbewegung in vielen poltischen/weltanschaulichen Bereichen Unterstützer finden. Allerdings warne ich vor einer Orientierung ohne Kompass. Rechts heißt für mich: Nationalismus, der bei allen politischen Fragen das Individuelle auf Kosten einer Fiktion von sog. Gemeinsamkeiten eines vermeintlich homogenen Volkes in den Vordergrund stellt + Militarismus, der oft mit dem Nationalismus verknüpft ist, autoritäres Law-and-Order-Denken + Faschismus, der das alles vereint.
      Ich weiß, wovon ich spreche: in meiner Stadt ist die Landeszentrale der NPD. Damit will ich nichts zu tun haben, im Gegenteil: Wir haben den Anfängen zu wehren, wenn wieder wie einst Nazis versuchen, was schon einmal vor einigen Jahrzehnten zur Katastrophe führte.

    • Herr Trautvetter, die Landeszentrale der NPD hat solange ihre Berechtigung, wie Menschen dank Fehlinformation diesem Gedankengut verfallen. „Wehret den Anfängen“ bedeutet nicht, derartige Institutionen zu verteufeln, sondern durch Aufklärungsarbeit den Nährboden zu entziehen. Aufklärungsarbeit beginnt in den Köpfen viel früher, lange bevor irgendwer eine Landeszentrale einer NPD von innen sieht.

      Haben Sie mal durchgezählt, wieviele Pkw-Heckscheiben mit „Todesstrafe für Kinderschänder“ beklebt sind? Das ist bereits Gedankengut aus dem 3. Reich von Leuten, die sich niemals in eine derartige Ecke stellen lassen würden.

      Die Linke, die sogenannte Mitte sind immer wieder diejenigen, welche dem rechten Mob durch Ihre „Gegendemos“ die nötige Plattform bieten. Stellen Sie sich vor in einer Stadt wie Leipzig oder Köln, 200, vllt. 300 Nazis die ohne jedewede Anteilnahme oder gar Beachtung ihre Demoroute absolvieren, stellen Sie sich vor, diese Demo wird aktiv vom Rest der Menschen gemieden indem bspw. die Geschäfte für die Zeit der Demo auf der Route schließen, die Bürger aktiv einen anderen Weg wählen, statt zu gaffen, Fenster geschlossen werden, das Leben drumherum aktiv zum Stillstand kommt <= deutlicher kann man diesen Menschen nicht sagen: "Ihr seid nicht willkommen!", statt durch hunderte oder tausende von Gegendemonstranten dafür zu sorgen, dass das (mediale) Interesse überhaupt erst entsteht, getreu dem Motto, ein Zeichen setzen zu müssen. DAS wäre ein Zeichen! Sehen sie wie effektiv eine angemeldete "Rechtendemo" mit noch viel weniger Leuten als eingangs beschriebene 200 oder 300 Teilnehmern sein kann? Die Arbeit übernehmen die "Linken" freiwillig und dankbar. Oma Hilde, die vom Führer noch einen Handkuss bekommen hat, stimmen Sie nicht mehr um, allerdings weilt die absehbar nicht mehr unter uns. Der junge Mitläufer wird erkennen, dass er auf einem Holzweg ist, wenn seine Haltung nicht geteilt wird und er kurzerhand in einem leeren Raum steht, den er gut besucht gerade eben betreten hat.

      Die Fragen kommen ganz von allein und die Antworten kann diesem jungen Menschen definitiv kein Ortsgruppenführer oder Landesparteizentralenoberhaupt geben!

    • …spinnen Sie doch den Gedanken mal weiter. Hätten Sie als „rechter Demonstrant“, als derartiger Veranstalter oder Organisator Lust auf ein zweites Mal? Was meinen Sie, wieviele Teilnehmer ihrer eigenen Veranstaltung könne sie beim nächsten Mal noch mobilisieren, wenn die angedachte Wirkung einfach verpufft.

      Das sind doch genau die Phänomene, mit denen die Montagsdemos, all die Mahnwachen zu kämpfen haben – DESINTERESSE. Wenn das irgendwann einmal in den Köpfen der Linken angekommen ist, kann man wirklich mal durchzählen, wie groß der „rechte Rand“ tatsächlich ist und ob es sich überhaupt lohnt, dort jedesmal den ganz großen „Gegendemozauber“ zu versuchen oder ob es nicht wesentlich effektiver ist, die paar Hanseln wieder argumentativ mit Perspektive auf den richtigen Weg zu bringen?!

    • Herr Trautvetter, gerade der NSU-Prozess zeigt doch mehr als deutlich, wer da alles seine Hände mit im Spiel hat(te). Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich will hier definitiv nichts schön reden, verharmlosen oder dergleichen – ich stelle mir nur mittlerweile sehr ernsthaft die Frage, ob die rechte Sau hier nicht seit Jahren durch’s Dorf getrieben wird um eine Rechtfertigung für die Arbeit der Dienste zu haben und um ein Mittel zu produzieren, mit dem ich Angst schüren kann?

      Die RAF als erklärter Gegner wurde ja kurzerhand als aufgelöst erklärt (von wem auch immer)?!

    • Und ja, natürlich wollen Zeichen gesetzt werden, ob nun mittels einem Brandanschlag auf eine unerwünschte, weil aufgedrückte Flüchtlingsunterkunft oder durch brennende Polizeifahrzeuge vor den Wachen – die Gewalt geht immer (!!!) von beiden extremen Lagern aus und es ist weder die eine, noch die andere Seite tollerierbar!

  4. Sehr geehrter Herr Schürer, stimmt, Pedram Shayar überarbeitet leider seine Website an der Stelle, die zu dme Text-Link geführt hat.
    Ich habe ihn per Mail gebeten, dazu eine Lösung anzubieten. Die steht aus.
    Zu Ihrem Nachhaken:
    Es gab gerade kürzlich Texte im Netz mit diesen alten immer wiederjehrenden Vorwürfen. Hier etwas von U. Gellermann dazu: https://kenfm.de/telepolis-macht-die-kriegsgraetsche/
    Ich werde Ihnen noch heute mit mehr Ruhe, als ich im Moment habe, ausführlicher antworten.

  5. Schöner Artikel, der zeigt wie kompliziert doch alles ist oder gemacht werden kann.

    Ich muss aber die Frage stellen, warum man konsequent ,,rechtes Gesindel“ nicht einfach mal zum nachdenken zwingt?
    Mir ist die mediale Verurteilung bewusst. Blogger etc die sich dann die Mäuler zerreißen…

    Nun aber zu meiner These: Wenn PEGIDA oder ähnliche Bewegungen etc gegen die Islamisierung oder allg. ausgedrückt “Überfremdung“ sind etc wäre es dann nicht am sinnvollsten sie zu einem Gespräch zu bewegen um dann die Frage zu stellen: Warum sind denn die vielen Muslime denn hier?
    Die Antwort sollte beim ,,Spazierer“ etc lauten: Wegen den Kriegen! Ergo: keine Kriege, keine ,,Islamisierung des Abendlandes“ – Sehr viele User werden sich da mit mir einig sein, das ein Flüchtling eben nicht aus Langeweile oder anderen Gründen, ein Flüchtling ist.

    So ein “simples“ Gespräch sollte doch ausreichen um einen Konsenz zur NATO etc zu finden, schlichtweg um Wirksamkeit durch Zahlen an sich für den Frieden einsetzende Menschen zu gewinnen. Zumal laut Statistik die meisten PEGIDA-Anhänger angeblich aus der bürgerlichen Mitte kommen, also etwas schlauer als der “brüllende, pöbelnde Glatzkopf“ . Ich denke, dass so einfache Aussagen tatsächlich fruchten würden, und was wäre es für ein Bild wenn plötzlich vor der Dresdner Frauenkirche als Beispiel, 10.000 Leute: ,,Keinen Krieg!“ skandieren würden + die sonst als Gegendemonstranten auftretenden Bürger.

    Vielleicht ist das hoffnungsloser Optimismus das der “deutsche Michel“ sowas begreift, bereit wäre diesbezüglich nachzudenken aber doch auch ein Versuch wert, oder nicht?

    MfG

    Hofnarr

    • Eine Anmerkung zum versehentlich nach unten gerutschten Kommentar von

      @ schwarz ist weiß
      „PEGIDA (e.V.) ist doch vom System inszeniert worden.
      Die sind Teil des Systems, genau so wie die AFD.
      Über diese Leute wird doch in den Nachrichten (wenn auch negativ) am laufenden Band berichtet.
      Sogar der B. Höcke war schon Gast in einer Talkshow.
      Da werden nur die Unzufriedenen gesammelt.
      Last euch nicht verarschen!“

      Aber es geht noch besser: das System inszeniert nicht nur seine Buhmänner.
      Es inszeniert auch seine Opposition selber.
      Das hat den Vorteil, daß man die dann bei Bedarf besser steuern kann.

      Bei „campact“ scheint es sich um so eine Organisation zu handeln, wie kürzlich von den nachdenkseiten aufgedeckt wurde (s. http://www.nachdenkseiten.de/?p=35390 ).
      Was ich damit meine, wird unter Punkt 6. dieses Artikels näher eläutert.

      Zitat daraus:
      „Auf der Seite findet sich eine Kopie der Liste des Board of Directors, auf der Mattias Fiedler, Geschäftsführer der Bewegungsstiftung, als Mitglied genannt wird (bestätigt durch (2)). Diese Stiftung hat die gleiche Adresse wie campact und im Vorstand beider Organisationen sitzt Herr Christian Bautz. Herr Fiedler und Herr Bautz werden als Gründungsmitglieder der Bewegungsstiftung genannt, aber über Herrn Fiedler werden auf Anhieb bemerkenswert wenig Informationen im Internet gefunden. Er agiert wohl lieber im Hintergrund.
      Es mag ja praktisch sein, wenn man sich seine eigene Opposition organisiert, die den Unwillen der Massen ins Ungefährliche kanalisiert, aber das kann nicht im Sinne einer Friedensbewegung sein. Ich sehe die Gefahr, dass campact durch ihre Aktionen gegen TTIP und Ceta – so lobenswert sie auch sind, ich habe sie selbst finanziell unterstützt – , wohl wissend, dass sie am Ende nichts ändern werden, eine Reputation oder wie man heute sagen würde, eine „street credibility“ erworben haben, die zur Mobilisierung für eine Konfrontation mit Russland genutzt werden könnte. Ich will nicht behaupten, dass dies tatsächlich geschieht, aber ich halte die im genannten Artikel aufgezeigten Mechanismen für hinreichend gefährlich. Es wäre zu wünschen, dass zumindest alle Organisationen, die sich der Hilfe von campact bedienen, über diesen Hintergrund aufgeklärt sind.“

    • Eine Anmerkung zum versehentlich nach unten gerutschten Kommentar von

      @ schwarz ist weiß
      „PEGIDA (e.V.) ist doch vom System inszeniert worden.
      Die sind Teil des Systems, genau so wie die AFD.
      Über diese Leute wird doch in den Nachrichten (wenn auch negativ) am laufenden Band berichtet.
      Sogar der B. Höcke war schon Gast in einer Talkshow.
      Da werden nur die Unzufriedenen gesammelt.
      Last euch nicht verarschen!“

      Aber es geht noch besser: das System inszeniert nicht nur seine Buhmänner.
      Es inszeniert auch seine Opposition selber.
      Das hat den Vorteil, daß man die dann bei Bedarf besser steuern kann.

      Bei „campact“ scheint es sich um so eine Organisation zu handeln, wie kürzlich von den nachdenkseiten aufgedeckt wurde (s. ..w.nachdenkseiten.de/?p=5390 ).
      Was ich damit meine, wird unter Punkt 6. dieses Artikels näher eläutert.

      Zitat daraus:
      „Auf der Seite findet sich eine Kopie der Liste des Board of Directors, auf der Mattias Fiedler, Geschäftsführer der Bewegungsstiftung, als Mitglied genannt wird (bestätigt durch (2)). Diese Stiftung hat die gleiche Adresse wie campact und im Vorstand beider Organisationen sitzt Herr Christian Bautz. Herr Fiedler und Herr Bautz werden als Gründungsmitglieder der Bewegungsstiftung genannt, aber über Herrn Fiedler werden auf Anhieb bemerkenswert wenig Informationen im Internet gefunden. Er agiert wohl lieber im Hintergrund.
      Es mag ja praktisch sein, wenn man sich seine eigene Opposition organisiert, die den Unwillen der Massen ins Ungefährliche kanalisiert, aber das kann nicht im Sinne einer Friedensbewegung sein. Ich sehe die Gefahr, dass campact durch ihre Aktionen gegen TTIP und Ceta – so lobenswert sie auch sind, ich habe sie selbst finanziell unterstützt – , wohl wissend, dass sie am Ende nichts ändern werden, eine Reputation oder wie man heute sagen würde, eine „street credibility“ erworben haben, die zur Mobilisierung für eine Konfrontation mit Russland genutzt werden könnte. Ich will nicht behaupten, dass dies tatsächlich geschieht, aber ich halte die im genannten Artikel aufgezeigten Mechanismen für hinreichend gefährlich. Es wäre zu wünschen, dass zumindest alle Organisationen, die sich der Hilfe von campact bedienen, über diesen Hintergrund aufgeklärt sind.“
      PS: wahrscheinlich wird dieser Beitrag später noch ein zweites Mal eingeblendet, wenn er ausreichend „geprüft“ ist. Ich hab den Link zu den nachdenkseiten extra verstümmelt, damit mein Beitrag dieser „Prüfung“ entgeht. Denn die kann schon mal nervige mehr als 24 Stunden dauern – und dann ist die Diskussion schon fortgeschritten.

    • @klassenkampfstattweltkrieg
      mir ging es bei PEGIDA etc lediglich um die potenzielle Medienwirksamkeit. Selbst wenn sie nicht inszeniert wären, wäre es doch ein schönes Spektakel eine solche Querfront zu bilden. Qui bono? Dem Frieden – im besten Fall, also warum nicht versuchen?

      Nico Semsrott (junger Kabarettist, kann ich nur empfehlen) zeigt es schön auf und sie ja auch: ,,Die Rechten spielen mit der Angst und den Gefühlen der Menschen´´. Und da begreife ich nicht, warum die Friedensbewegung (egal in welcher Form) das nicht auch macht.
      Es wäre am Ende vielleicht kein Frieden aus einer inneren Überzeugungen oder gar eines Reifeprozesses heraus, am wahrscheinlichsten aus Rassismus (in der letzten Ausgabe von Positionen wird ja positiver und negativer Rassismus (bleibt beides am ende Rassismus) beschrieben) aber wenn es doch hilft?

      Gab es denn “damals“ eine andere Qualität bei den Friedensaktivisten oder war es nicht doch eher die Quantität, die dafür sorgte das es überhaupt wahrgenommen wurde? Ich freue mich sehr über eine Antwort aller KenFM-User und Autoren, besonders auf meine letzte Frage.

      MfG

      Hofnarr

    • @ Hofnarr
      Frieden sollte jeden bewegen und ich zweifle nicht daran, dass sich viele Menschen angesprochen fühlen. In der Vergangenheit waren die Sozialisten für den Frieden, Monarchisten dagegen. Das gleiche in der Weimarer Republik, als die Linken vorwiegend gegen den Krieg, die Rechte ausdrücklich dafür waren. Ab dem dritten Reich, nach der Vernichtung der Linken und teilweisen Integration der bürgerlichen Kräften, waren es die Kirchen und sie sollten auch nach dem zweiten Weltkrieg diese Rolle einnehmen. Gegen konservative Kräfte in einer Friedensbewegung spricht nichts, siehe Herrn Wimmer an, der ausdrücklich rheinischer Konservativer ist.

      Neue Rechte, Völkische Sektierer oder Neonazis nutzen jedoch die Proteste nur zur Eigendarstellung und tragen zur Spaltung innerhalb der Friedensbewegung bei. Es lassen sich auch keine Sozialreformen mit Sozialisten machen, die jede soziale Verbesserung als Bestechung der Arbeiterschaft (Dienstleister wie Putzfrauen und Altenpfleger sind damit jetzt auch gemeint) bewerten. Dafür wäre eine radikale Positionierung zum Frieden sehr wichtig, denn eine Friedensbewegung, die diesen Konsens durch Partikularinteressen aufhebt ist leider immer schwach, sobald diese sichtbar werden. Unter uns, die Mahnwachen sind die Folgen einer Friedensbewegung, deren größter Erfolg und Niederlage, jener Konsens gewesen sind. Es ist ja nicht so, dass die Gegner der Widerbewaffnung, des Einsatzes der Nato im Kosovokrieg 1999 keine Abneigung gegenüber den Vereinigten Staaten gehabt hätten, die sie im Falle der Sowjetunion einerseits, Russland andererseits kaum hatten. Nationalistische Untertöne, einseitige Kritik an den Vereinigten Staaten, die Unterstützung von Organisationen wie PKK, Hamas und Hisbollah sind ja keine Neuigkeiten, sondern ließen sich lange beobachten. Solange dies aber alles unter der Botschaft Frieden kaum hörbar wurde, störte es nur wenige Kritiker. Die Mahnwachen stehen also recht gut in dieser Tradition und sie waren lediglich in ihrer Zerstrittenheit stärker.

    • „Frieden sollte jeden bewegen und ich zweifle nicht daran, dass sich viele Menschen angesprochen fühlen.“
      Schön wäre es.
      Dieses Thema findet in Gesprächen nicht statt!
      Von den Ursachen und Hintergründen ganz zu schweigen.

  6. Frieden ist eben nicht gleichzusetzen mit einem „inneren Frieden“, sondern Ergebnis der Sorge, der Forderung nach einer Stärkung des Rechts und das Vorhandensein eines Bürgerethos. Eine Gesellschaft, die sich vom Krieg freikaufen kann, macht sich keine Sorgen um ihre Kinder. Eine Friedensbewegung, die wegen einer scheinbare Rationalisierung (Drohnen) und Ästhetisierung (Embedded Journalism) des Krieges, noch keine neuen Instrumente gefunden hat, um das Schrecken sichtbar werden zu lassen, ist chancenlos. Der Wegfall alter Milieus (Christen waren in der Vergangenheit stark in der Friedensbewegung aktiv) und die mangelnde Politisierung einer Erlebnissgesellschaft sind weitere Gründe.

    Die Mahnwachen für den Frieden scheiterten, weil sie keine genuine Friedensbewegung, sondern eine zerstrittene politische Bewegung war, darin der Frieden neben einer rabiaten Systemkritik (Jebsen rief zum Nichtwählen auf) lediglich eine wichtige Rolle spielte. Der Abgang des ehemaligen Linken und heutigen Neuen Rechten Jürgen E. verdeutlicht dies besonders deutlich. Letzlich gelang es der jetzigen Mahnwachen-Gruppe nicht die gesellschaftlichen Unmutsstimmungen aufzufangen, das taten dafür die Neuen Rechten umso besser. Herr Jebsen hat sich, so mein Eindruck, von einer Verknüpfung der Friedensforderung mit einer Systemkritik zwar nicht völlig verabschiedet, da dies mit letzter Konsequenz auch unmöglich ist, aber er hat die Friedensforderung jetzt wieder für größere Schichten der Bevölkerung geöffnet, da eine Positionierung zum Frieden leichter fallen dürfte, als zu einem System. Gesellschaftliche Kräfte haben CETA schwer angreifen können und von TTIP wird nur noch leise gesprochen. Es ist Zeit, die Bevölkerung für die Friedensforderung zu gewinnen. Dafür müsste aber das Unrecht und die Schrecken sichtbar werden, d.h. durch ein Symbol, nicht durch Zahlen und Tabellen.

    • “ Es ist Zeit, die Bevölkerung für die Friedensforderung zu gewinnen. Dafür müsste aber das Unrecht und die Schrecken sichtbar werden, d.h. durch ein Symbol, nicht durch Zahlen und Tabellen.“

      Panzer auf die Straße, des Nachts ein paar mal um die Häuserblöcke geschrubbt – dann wird das schon…

    • „Letztlich gelang es der jetzigen Mahnwachen-Gruppe nicht die gesellschaftlichen Unmutsstimmungen aufzufangen, das taten dafür die Neuen Rechten umso besser.“
      Die Rechten spielen mit der Angst und den Gefühlen der Menschen.
      Da werden Szenarien an die Wand gemalt, was Besitzstände (und sein sie noch so klein) in Abrede stellen.
      Das fürchtet die Masse mehr als einen Krieg, weil sie sich einen Krieg nicht vorstellen kann.
      Ein Krieg ist zu abstrakt.
      Aber wenn Fremde in großen Zahlen in ein Land kommen, wo der Wohlstand eh schon sehr ungleich verteilt ist, haben viele Angst noch mehr nach unten zu rutschen.
      Die Sache scheint realer – ein Krieg ist für die Masse nicht vorstellbar.
      So etwas gibt es real nur im TV.

    • PEGIDA (e.V.) ist doch vom System inszeniert worden.
      Die sind Teil des Systems, genau so wie die AFD.
      Über diese Leute wird doch in den Nachrichten (wenn auch negativ) am laufenden Band berichtet.
      Sogar der B. Höcke war schon Gast in einer Talkshow.
      Da werden nur die Unzufriedenen gesammelt.
      Last euch nicht verarschen!

    • @Der Souverän
      „Panzer auf die Straße, des Nachts ein paar mal um die Häuserblöcke geschrubbt – dann wird das schon…“
      Vielleicht wäre es ein Anfang, wenn die Medienanstalten statt eine fliegende Drohne, den Einschlag einer Rakete zeigen. Auf jedem Fall sollen sie mit den perfiden Fadenkreuzbildern aufhören. Das kommt Propaganda sehr nahe, ich nehme nicht die Sichtweise des verantwortlichen Piloten ein und ich werde dadurch auch nicht Verständniss für den Piloten haben. Die Greul im Vietnamkrieg bewegte die Studenten, nicht das Landen eines Helikopters. Es reicht also eine kleine Dosis.

      @ Schwarz ist Weiß
      Die Neuen Rechten sind den Linken in den Landtagswahlen überlegen, man soll das anerkennen. Anders ist eine Behandlung unmöglich. Da hilft auch das Wissen um die Manipulation der Ängste nicht viel. Es hilft auch nicht, dies den Wählern der AfD wie Compact und Junge Freiheit Lesern zu erklären. Fakt ist: Die Neuen Rechten werden gewählt und sie haben bereits die Grünen hinter sich. Die Linke ist in der Pflicht als Partei der Arbeiter und der von Arbeitslosigkeit betroffenen oder bedrohten Klientel hier endlich stärker zu werden. Es gibt in Deutschland nämlich die Tendenz, lieber einen Tyrannen zu haben, als einen Pfennig aus der Tasche der Reichen zu nehmen. Man könnte ja vom zweiteren irgendwann selbst betroffen sein.
      Ja, Kriege außerhalb der eigenen Erfahrungswelt sind abstrakt, aber die Darstellung des Krieges in den letzten Jahrzehnten hat viel dazu beigetragen. Man hat die Wahrnehmung (Krieg hat einen eigenen Geruch, sei es das Blut, verfaultes Fleisch, aber das lässt sich nicht übertrage) weiter eingeschränkt.

    • „Die Greul im Vietnamkrieg bewegte die Studenten, nicht das Landen eines Helikopters. Es reicht also eine kleine Dosis.“

      Nein – eben nicht. Die kleine Dosis haben wir jetzt und jede Menge Lügen dazu.

      Zur Zeit des Vietnamkrieges gab es noch keine in Flaum eingebettete Journalisten. Da flimmerten ganz andere Beiträge über den Verblödungskasten. Da gab es noch richtig viel Blut, Fleischfetzen, abgerißene Gliedmaßen, lodernde Menschen usw usf zu sehen. DAS war das unerträgliche für das Volk! DESWEGEN sind sie auf die Straße gegangen.

      Heute muß man tätig werden, sich selbst bemühen, googlen, recherchieren um solche Bilder und Filme zu sehen, die es ja zuhauf gibt.

      Das macht man – also die Massen – aber nicht. Und schon ist alles gut und die Frage nach dem Grillwetter, welche Grillwaren gekauft werden müssen, rückt in den Vordergrund – oder wie irgend ein verk….. Fußballverein gespielt hat…

    • @ Der Souverän
      Wir sind uns einig, nur der Begriff ist ein anderer. Was sie als volle Dosis beschrieben haben deckt sich mit dem, was ich kleine Dosis nannte. Einerseits wegen der Wahrnehmungseinschränkung (Geruchssinn und Tastsinn wird nicht angesprochen, der Hörsinn nur eingeschränkt, denn die Lautsprecher übertragen nicht die Lautstärke, zudem fehlt die Synästhesie), andererseits wegen dem Wissen um die Entfernung ist die Dosis Krieg deutlich geringer als im Kriegsgebiet. Ich ging vom Krieg, sie von der Information über den Krieg aus.

  7. „Von Sally Perel habe ich auch diesbezüglich gelernt: Gib niemals auf!“

    Von mir habe ich gelernt, das selbst gelerntes unübertroffen ist. So lernte ich auch aufzugeben, wenn weitermachen keinen Sinn macht, kontraproduktiv ist, schädlich ist, Schaden zufügt usw.

    Am besten lässt sich das wohl mit Krieg verdeutlichen, wenn beide Kriegsparteien sagen: Gib niemals auf…

    „Es ist unrealistisch, das unmöglich Erscheinende nicht zu wollen.“

    Das passt sehr gut zu eurer – denn die meine ist es nicht – postfaktischen Zeit.
    Und in die Amizeit respektive Amidenken passt es auch…

    „Wir sind jetzt ein Imperium“, sagte ein Bush-Berater zu dem Journalisten Ron Suskind von der „New York Times“, „und wir schaffen uns unsere eigene Realität. Während Sie diese von uns geschaffene Realität studieren, schaffen wir bereits neue Realitäten, die Sie wiederum studieren können. Wir sind die Akteure der Geschichte, und Ihnen, Ihnen allen bleibt nichts, als die Realität zu studieren, die wir geschaffen haben!“

    Dumm und unangenehm wird es nur, wenn sich die Richtigen nicht dieser vorgegebenen Pseudorealität beugen. Dann geht son geistiger Dünnschiß schon mal in die Hose…

    Ich möchte die Menschen auf ihrem Weg von der Hoffnungslosigkeit über die Trostlosigkeit in die Aussichtslosigkeit begleiten. (Matthias Beltz)

  8. Lieber Herr Trautvetter,

    mit Ihrer Anmerkung: „Ken Jebsens Formulierung von damals kann für sich genommen so verstanden werden, dass aus ihr eine Holocaust-Leugnung spricht.“ liegen Sie meiner Meinung nach falsch.

    Eine aus dem Zusammenhang gerissene Bemerkung kann man immer mißverstehen, wenn man dies möchte. Wenn man aber den Kontext berücksichtigt in dem Herr Jebsen seinerzeit seine Anmerkung formulierte, dann kann man diese Anmerkung nicht in der Art mißverstehen, daß mit ihr der Holocaust geleugnet werden sollte.

    Ich habe – nachdem ich dank des unsäglichen Auftritts von Jutta Ditfurth bei 3SAT erstmals auf Ken Jebsen aufmerksam geworden bin – sehr gründlich recherchiert, was es mit dieser Anmerkung von Ken Jebsen auf sich hatte und wie Herr Broder sie aus dem Zusammenhang gerissen und absichtlich falsch interpretiert hat. Es gibt nicht den geringsten Zweifel, daß die Behauptung falsch ist, Herr Jebsen hätte mit seiner damaligen Anmerkung auch nur im entferntesten andeuten wollen, daß es den Holocaust nicht gegeben habe.

    Ich finde es sehr bedauerlich, daß Sie hier so alte Kamellen wieder neu aufkochen ohne offenbar ausführlich genug recherchiert zu haben was genau geäußert worden ist.

    Sie sollten das richtig stellen!

    • Sehr geehrter Herr Schürer,
      ich sage nicht, dass Ken Jebsen mit diesem Zitat den Vorwurf der Verleugnung des Holocaust rechtfertigt.
      Wenn Ich schreibe, dass der Satz für sich genommen missverständlich ist, dann bestätige ich Ihre Einsicht, dass er aus dem Zusammenhang gerissen wurde. Ob jemand mit einem solchen isoliert um-interpretaierbaren Satz tut, was ihm viele bis heute vorwerfen, hängt von der Argumentation dazu ab. Und da gebe ich Ihnen Recht. Ich brühe hier nichts Altes auf, sondern gehe darauf ein, dass es immer wieder bis heute unsäglich undifferenzierte Rückgriffe auf Henryk M. Broders Einordnung gibt, die dann viele mit in die Schublade einer sogenannten Querfront werfen. Ich hoffe, dass wir das durch eine sachliche Argumentation in aller Öffentlichkeit endlich aus dem Diskurs der alternativen Spektren bekommen, in denen auch ich einige Angriffe erfahre.
      Danke für Ihr Nachhaken.
      Ich meine nicht, dass ich etwas richtig stellen muss, allerdings betone ich gerne, dass es nicht wissenschaftlich ist, etwas aus dem Zusammenhang zu reißen. Und es wirderspricht der Würde der Friedensbewegung, wenn dann auf einer Fehlinterpretation wie bei Jutta Ditfurth und anderen Menschen herabgewürdigt werden.

    • Sehr geehrter Herr Trautvetter,

      „ich sage nicht, dass Ken Jebsen mit diesem Zitat den Vorwurf der Verleugnung des Holocaust rechtfertigt.“

      Entschuldigen Sie bitte, aber ich verstehe diesen Satz nicht. Was wollen Sie damit sagen?

      „Wenn Ich schreibe, dass der Satz für sich genommen missverständlich ist, dann bestätige ich Ihre Einsicht, dass er aus dem Zusammenhang gerissen wurde.“

      Aber das ist doch eine Banalität. Jeder Satz kann – aus dem Zusammenhang gerissen – falsch interpretiert werden.

      „Ich brühe hier nichts Altes auf, sondern gehe darauf ein, dass es immer wieder bis heute unsäglich undifferenzierte Rückgriffe auf Henryk M. Broders Einordnung gibt, die dann viele mit in die Schublade einer sogenannten Querfront werfen.“

      Bei so einem sensiblen Thema sollte man sich um eine klare Ausdrucksweise bemühen. Das haben Sie leider nicht getan.

      Ich habe Ihre Einlassungen folgendermaßen verstanden:

      „Die Stimmungsmache gegen die Friedensbewegung setzt seit Henryk M. Broders Veröffentlichung einer nicht öffentlich intendierten Mail von Ken Jebsen immer wieder bei KenFM an.“

      Aha – da klingelt es bei mir schon zum ersten Mal. Die Email war nicht öffentlich tendiert. Da hatte sich Herr Jebsen wohl gedacht, da kann er mal seine wahre Meinung vom Stapel lassen. Dann hat ihn leider der Broder dabei erwischt.

      „Seine längst im Humanistischen Grundkonsens auf Pedram Shayars Website (4) aufgekündigte frühere Zusammenarbeit mit dem aus der Linken nach ganz rechts über gelaufenen Herrn Elsässer wird dabei wiederholt als Ausgangspunkt der Herabwürdigung genutzt.“

      Aha – Herr Jebsen hat also mal mit dem Rechten Elsässer zusammen gearbeitet. Für mich waren die drei von Jutta Ditfurth in der 3SAT-Sendung diffamierten Personen – Ken Jebsen, Lars Mährholz und Jürgen Elsässer – drei Unbekannte. Da mich aber das Thema „Friedensbewegung“ interessiert und ich schon lange hoffte, daß sich da mal wieder was tut nahm ich die Aussagen von Frau Ditfurth (die ich als aufrechte Kämpferin für die gute Sache in Erinnerung hatte) zum Anlaß um zu recherchieren, was es mit diesen Montagsmahnwachen und ihren Machern denn tatsächlich auf sich hatte. Dabei stellte ich fest, daß es sich bei Lars Mährholz um einen bis dato relativ unpolitischen Menschen handelte, der seiner Unzufriedenheit mit den bestehenden Verhältnissen durch konkrete Aktionen Luft machen wollte. Daß Herr Elsässer mal ein Linker und jetzt eher ein Rechter ist. Und daß Herr Jebsen ein ehemaliger Radioredakteur ist, den man aufgrund antisemitischer Äußerungen an die Luft gesetzt hatte. Daß Letzteres auf einer durch absichtliche Falschdarstellung frei erfundenen Behauptung des sich selbst als Mediennutte bezeichnenden Pornoverfassers Broder beruhte konnte ich schnell verifizieren und insofern als haltlos erkennen. Man müßte darüber eigentlich kein weiteres Wort mehr verlieren. Es sei denn, wenn es darum geht die Methoden des Herrn Broder offenzulegen. Ich lauschte dann auch einem Streitgespräch auf youtube zwischen den Herren Jebsen und Elsässer. Dabei stellte ich fest, daß diese beiden Herren sehr unterschiedliche Standpunkte vertraten. Ich erfuhr auch, daß Herr Jebsen – nachdem er von den Montagsmahnwachen gehört hatte – dort zu einem der aktivsten Unterstützer wurde. Auch Elsässer trat anfangs auf diesen Veranstaltungen auf. Außerdem verfaßte Herr Jebsen gelegentlich Artikel für das Magazin von Elsässer, dessen Name ich nicht mal erinnere.

      Jetzt hätte ich gerne recherchiert, wie sich denn Herr Jebsen von dieser „Zusammenarbeit“ mit Herrn Elsässer genau distanziert hat bzw. wie er sie da aufgekündigt hat. Leider führt der von Ihnen hierzu als Quelle angegebene Link (4) ins Nirvana.

      „Seltsam, dass Herr Broder trotz vieler Entgleisungen in die rassistische Stimmungsmache als Kronzeuge nicht zu mehr Vorsicht führt.“

      Was soll das nun wieder heißen. Eine weitere Ihrer schwer verständlichen Formulierungen. Ich vermute mal Sie geben damit Ihrer Verwunderung Ausdruck, daß es Herrn Broder angesichts des Drecks, den er selbst am Stecken hat überhaupt gelingt als glaubwürdig wahrgenommen zu werden?

      „Ken Jebsens Formulierung von damals kann für sich genommen so verstanden werden, dass aus ihr eine Holocaust-Leugnung spricht. Es kommt allerdings bei der genauen Bewertung darauf an, wie er argumentiert und begründet, was er nicht immer tut. In einem späteren Interview mit den Netzpiloten (5) bezeichnet er demgegenüber den Holocaust als das größte Verbrechen der Geschichte. Ohne diese Korrektur hätte es weder das Interview mit mir noch mit meinem Freund Sally Perel gegeben.“

      Aha – das klingt für mich nun wiederum so, als hätten Sie selbst Broders Ausführungen für glaubwürdig gehalten. Und es bedurfte erst einer expliziten Korrektur der eigenen Aussagen durch Herrn Jebsen damit Sie und Ihr Freund Sally Perel ihm die Ehre zuteil werden lassen konnten, ihm ein Interview zu geben.

      „…bezeichnet er demgegenüber den Holocaust als das größte Verbrechen der Geschichte. …“

      Wemgegenüber? Seiner eigenen früheren gegenteiligen Darstellung gegenüber? So würde ich diese Formulierung auffassen, wenn ich es nicht besser wüßte. Und jeder, der es nicht besser weiß, wird es wohl auch so auffassen.

      Fazit Ihrer Einlassungen: Herr Jebsen hat seine ehemalige Zusammenarbeit mit dem Rechten Elsässer eingestellt und seine frühere Holocaust-Leugnung korrigiert. Der Herr ist damit nicht mehr Pfui und darf jetzt bei der Friedensbewegung mitmachen.

      Wenn Sie es nicht so gemeint haben, dann sollten Sie das noch einmal unzweideutig klarstellen. Sonst gehören Sie auch zu denen, die – nachdem Herr Broder nach dem Motto, wenn man nur genug mit Dreck wirft, bleibt schon was hängen – verschämt andeuten, daß an dem Dreck, der da an Herrn Jebsens Anzug klebt ja wohl ein Körnchen Wahrheit dran sein müsse.

      Sie zitieren hier die beiden Vorwürfe, mit denen von interessierter Seite seit Jahren versucht wird Herrn Jebsen herabzuwürdigen (ehemalige Zusammenarbeit mit Elsässer, Holocaust-Leugnung) ohne ausreichend klar zu machen, daß diese beiden Vorwürfe an den Haaren herbeigezogen sind.

      Warum tun Sie das? Nur journalistische Ungeschicklichkeit? Das ist noch die günstigste Annahme, die ich in diesem Fall zu Ihren Gunsten machen kann.

    • Lieber Herr Schürer,
      wenn ich hier Gastautor bin, wenn ich KenFM ein Interview gab, dann steht schon einmal fest, dass die Ausgrenzungsversuche gegen Ken Jebsen auf meine Kritik stoßen.
      Zum Glück habe ich den Humanistischen Grundkonsens über ecosia hier wieder gefunden: http://www.internetz-zeitung.eu/index.php/1916-offener-brief-von-pedram-shayar-attac-an-die-mahnwache-erfurt – Viele massive Vorwürfe laufen ins Leere, wenn man diesen Test mit einbezieht.
      Sie fragen:
      >> „ich sage nicht, dass Ken Jebsen mit diesem Zitat den Vorwurf der Verleugnung des Holocaust rechtfertigt.“
      Entschuldigen Sie bitte, aber ich verstehe diesen Satz nicht. Was wollen Sie damit sagen?<>Propaganda bildet u. a. die Grundlage für Bernays „Big Think“-PR-Kampagnen, die sich dadurch auszeichneten, dass sie eine große Zahl von Akteuren mit in die PR-Kampagnen einbezieht. Die neue Propaganda nach Bernays erfasst die Öffentlichkeit in ihrem Denken und Handeln nicht als bloße einzelne Individuen, sondern als eng miteinander verbundenes Gebilde aus untereinander abhängigen Zellen:
      „Sie [die neuen Propagandatechniken] befassen sich nicht mehr nur mit dem Individuum oder der Gesellschaft als Ganzes. Sie widmen sich vielmehr auch und vor allem der Anatomie der Gesellschaft mit ihren zahllosen, verästelten und miteinander verwobenen Gruppierungen. Sie sehen den Einzelnen nicht nur als Zelle innerhalb der Gesellschaft, sondern als Zelle, die in gesellschaftlichen Einheiten organisiert ist. Wird der Nerv des Organismus ‚Gesellschaft‘ an einem sensiblen Punkt gereitzt, wird automatisch eine Reaktion bei bestimmten anderen Elementen dieses Organismus hervorgerufen.“ (S. 34)
      Diese Mechanismen wurden nicht nur in den 1930er Jahren von den Nationalsozialisten, insbesondere von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels benutzt, sondern funktionieren auch heute noch so, um u. a. die Bevölkerung für die Durchführung von Kriegen zu motivieren oder bestimmte Inhalte in den Massenmedien verstärkt zu thematisieren.
      Bernays sah nicht nur die technischen Möglichkeiten für eine landesweite Steuerung der öffentlichen Meinung gegeben, sondern auch die Notwendigkeit dies zu tun:
      „Je komplexer unsere Zivilisation wird und je deutlicher sich zeigt, wie nötig die im Hintergrund arbeitenden Führungsinstanzen sind, desto konsequenter werden die technischen Mittel zur Steuerung der öffentlichen Meinung entwickelt und eingesetzt. Mithilfe von Druckerpresse, Zeitung, Eisenbahn, Telefon, Telegraph, Radio und Flugzeug können Gedanken rasch, ja sogar zeitgleich im ganzen Land verbreitet werden.“ (S. 21)<<
      Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Propaganda_(Buch)
      Hier wird deutlich, dass die Nazis die Massenpsychologie studiert und für ihre Manipulation gezielt eingesetzt haben, um für ihre verbrecherische Politik massenhaft Unterstützung / Hinnehmen und sogar Mittäterschaft zu generieren. So gesehen, ist der Holocaust nicht geleugnet, sondern durch einen sicher bis heute relevanten Zusammenhang eingeordnet.

    • Lieber Herr Trautvetter,

      „wenn ich hier Gastautor bin, … dann steht schon einmal fest, dass die Ausgrenzungsversuche gegen Ken Jebsen auf meine Kritik stoßen.“

      So hätte ich dies eigentlich auch erwartet. Ihr Wischi-waschi-Umgang mit dem Thema kann aber durchaus dazu führen, daß Sie von den KenFM-Bashern noch als Kronzeuge dafür zitiert werden, daß selbst unter KenFM-Freunden keine Klarheit darüber herrscht ob Herr Jebsen denn nun den Holocaust mal geleugnet hat und mal mit Rechten zusammengearbeitet hat.

      „… wenn ich KenFM ein Interview gab, dann steht schon einmal fest, dass die Ausgrenzungsversuche gegen Ken Jebsen auf meine Kritik stoßen.“

      Ich hätte nichts dagegen, daß Sie Frauke Petry ein Interview geben. Ganz im Gegenteil, da würden Sie mal ein Publikum ansprechen, das noch nie etwas von Ihnen gehört hat. Das wäre doch eine tolle Chance! Ich würde daraus nicht schließen, daß Sie einer Meinung mit Frauke Petry sind – es sei denn, Sie würden dies in dem Interview bekunden.

      Ansonsten habe ich irgendwie den Eindruck, daß wir aneinander vorbei reden.

      Mir müssen Sie nicht erklären, was Herr Bernays zum Ausdruck bringen wollte. Denn genau in diesem Sinne wurde er ja seinerzeit von Ken Jebsen zitiert.

      Eine andere Interpretation wurde ihm nur von Herrn Broder angedichtet.

    • Lieber Herr Schürer, liebe Mitlesende,
      ich freue mich, dass wir uns wenigstens in der Einschätzung zu Herrn Broders Diffamierung einig sind.
      Zu der Frag, mit wem ich gerrne rede: Ich bevorzuge Gespächspartner mit offenen Ohren und Worten.
      Zur Frage eines Gesprächs mit Frauke Petry: Ich gebe Menschen, die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit transportieren und das Individuelle hinter der Fiktion einer homogenen Volksgemeinschaft herunter fallen lassen, ungern eine öffentliche Kulisse.
      Menschen, deren Kommunikationsverhalten in mir den EIndruck erwecken, die Sinnesorgane sind vor allem Schießscharten, aus denen ein Gewehr für den Abschuss bei der geringsten Öffnung des ‚Gegners‘ heraus auf mich gerichtet sind, meide ich gerne. Aber vielleicht ist das für Sie wieder Wischiwaschi. Leben wir eben damit, dass wir uns in einigen Punkten uneinig sind.

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