Geht Ami home?

Ein Beitrag von Willy Wimmer.

Kaum hatte der amerikanische Botschafter in Berlin, Herr Grenell, die für viele Deutsche „frohe Botschaft“ in diesen Tagen in die Berliner und deutsche Wirklichkeit hinausge-trump-etet, taten sich in der Öffentlichkeit Bruchlinien auf. Den einen konnten es nicht genug Soldaten sein, die möglicherweise aus Deutschland abgezogen werden. Andere dachten an ihre Mitgliedschaft in dem einen oder anderen amerikanisch verpflichteten Netzwerk und diese empfanden die Meldung in den Mittagsnachrichten am 9. August bedrohlich. Davon hängt unter Umständen ihre Position und Einflussmöglichkeit in einer Weise ab, die dem Menschen auf der berühmten Straße wenig geläufig ist. Vor allem dann, wenn von der Publizistik über den Literaturbetrieb bis hin zu Wirtschaft und Politik damit auch die freiwillig übernommene Aufgabe zählt, die angelsächsische und vor allem amerikanische Deutung der Geschichte als eigene Erkenntnis auszugeben und dem deutschen Volk gegenüber zu vertreten. Wie sagte es der in Deutschland hoch angesehene ehemalige sowjetische Botschafter, Herr Valentin Falin, in einem Gespräch vor wenigen Jahren? Für ihn war die Geschichte „der letzten zweihundert Jahre eine einzige angelsächsische Lüge“. Eine entsprechende Erkenntnis mag auch bei den Amerikanern um sich greifen.

Anders kann man es kaum erklären, wenn das „Zentral-Ereignis der letzten einhundert Jahre“, die Konferenz von Versailles nach Ende des Ersten Weltkrieges von der Bundesregierung und der gesamten NATO-Mitgliederschaft in diesen Wochen unter den Tisch gekehrt und schamhaft verschwiegen wurde. Es scheint die Erkenntnis zu dämmern, dass die Menschen in einer wachsenden Zahl die offiziell verordneten Geschichtslügen nicht mehr glauben. Es geht kein Weg nach Christopher Clark und Wolfgang Effenberger daran vorbei: ohne Versailles kein Adolf Hitler und ohne Adolf Hitler kein Zweiter Weltkrieg. Offensichtlich hat man auf offizieller Seite eine panische Angst davor, dass die Menschen wieder die Antworten für die Zukunft durch Fragen an die Geschichte erfahren wollen.

Bis tief in den deutschen Literatur-Kommerz hinein führt das dazu, Autoren in fremdenfeindlicher und rassistischer Konsequenz eine Nähe zu Russland zu attestieren. Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sind in Deutschland hoffähig, wenn es sich gegen Präsident Putin und die Russen richtet. Bei der aktuellen Politik der Bundesregierung wird dieses Bild denjenigen übergestülpt, die sich im Lande selbst auf Recht und Verfassung berufen, weil anders der regierungsseitig anhaltende „fortdauernde Verfassungsbruch“ nach dem ehemaligen Verteidigungsminister, Prof. Dr. Rupert Scholz, nicht durchgezogen werden kann. Es ist der Bundesregierung anzuraten, sich Gedanken über ein herausgehobenes Gedenken an die Konsequenzen des Röhm-Putsches auf den Rechtsstaat Deutschland zu machen. 

Diese Dimension tut sich auf, wenn man die Worte des Botschafters Grenell vernimmt. Man kann sich daran erinnern, daß in der Zeit des Kalten Krieges bis zur letzten Champagner-Flasche und Anti-Baby-Pille die Saus-und Braus Attitüde der sogenannten Schutzmächte und Verbündeten alles vom deutschen Steuerzahler bezahlt werden musste. Das, was Herr Botschafter Grenell verlautbaren lässt, erinnert an Besatzungskosten unseligen Angedenkens. Will das die amerikanische Regierung oder glaubt die Trump-Administration, dass dies die genaue Beschreibung der Bundesrepublik Deutschland sei? Wenn einem alles egal ist, dann lässt man so die „politische Sau raus“. Aber, was müssen wir für eine Regierung haben, die das alles sang-und klanglos hinnimmt?

Bald dreißig Jahre nach der Wiedervereinigung ist es ratsam, sich Gedanken darüber zu machen, warum amerikanische Truppen überhaupt noch in Deutschland sind? In diesen Tagen hat der NATO-Generalsekretär, Herr Stoltenberg, im fernen pazifischen Gebiet, nach internationalen Presseberichten Studenten darauf eine Antwort gegeben. Man habe nach dem Ende des Kalten Krieges  für die NATO neue Aufgaben gesucht – und sie offenbar in den völkerrechtswidrigen Kriegseinsätzen auch gefunden – um die lästigen Fragen danach nicht mehr hören zu müssen, warum es eine offensichtlich sinn-und zwecklose NATO überhaupt noch gebe. So falsch ist diese Ansicht nicht, wie der noch im Amt befindliche amerikanische Präsident Trump seit Jahren und sehr öffentlich herumposaunt. NATO-obsolet: dafür müsste man eine „Greta finden“.

Die Beschäftigung mit der jüngsten Vergangenheit in der Zeit des Kalten Krieges macht aber noch etwas anderes geradezu glasklar. Im Vorfeld der Wiedervereinigung hat im Sommer 1988 die amerikanische Regierung die Ansicht deutschen Parlamentariern gegenüber vertreten, dass „die gesamte sowjetische Militärpräsenz in Mitteleuropa nur dem Schutz von Mütterchen Russland nach den Erfahrungen mit Napoleon und Hitler gelten würde“, also rein defensiver Natur sei. 

Und die amerikanische Militärpräsenz? Die Antwort hat vor einigen Jahren der damalige Chef des US-Instituts Stratfor, Herr George Friedman, bei einer berüchtigten Rede in Chicago gegeben. Danach haben die USA seit der Gründung des Deutschen Reiches 1871 alles unternommen, eine gegen dieses Deutsche Reich gerichtete Politik zu machen. Das ist ihnen über die Finanzierung von Frankreich und England im Ersten Weltkrieg, den eigenen Kriegseintritt 1917, Versailles 1919 mit seiner ausgelegten Lunte für einen Zweiten Weltkrieg und die Unterstützung von Adolf Hitler gegen die staatliche Ordnung Deutschlands hinlänglich gelungen. Herr George Friedman hat aber seine Aussagen nicht alleine auf Deutschland bezogen. Für ihn war es erklärte amerikanische Politik seit 1871, jede vernünftige Zusammenarbeit auf dem Kontinent zwischen Russland und Deutschland zu hintertreiben. Das ist die Rolle, die heute wesentlich dem Agieren der amerikanischen Militärbefehlshaber in Europa beigemessen wird. Jede Nacht, die Gott geschaffen hat,  rollen die amerikanischen Militärgeräte an Dresden vorbei nach Osten. Russland ist in diesem Denken dran.

Alle diejenigen, die sich am 1. September 2019 in Warschau treffen, um an den Ausbruch des Krieges 1939 zwischen dem Deutschen Reich und Polen zu erinnern, sollten sich fragen, warum sie sich nicht schon in Versailles getroffen haben oder danach, warum Herr Präsident Putin nicht eingeladen wurde oder danach, was als nächstes ansteht? 

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung.

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Bildhinweis: flysnowfly / Shutterstock

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9 Kommentare zu: “Geht Ami home?

  1. Herr Wimmer spricht hier an, dass Frankreich und Großbritannien während des Ersteln Weltkriegs aus den USA finanziert wurden. Nicht nur das, sie bekamen auch Rüstungsgüter. Doch wie kam es dazu, dass mächtige Industrielle und Banker während des Ersten Weltkriegs in den USA vor allem die Alliierten unterstützten, wo doch die USA offiziell neutral waren? Dazu kann ich Infos liefern:

    Folgende Informationen über die Unterstützung der Alliierten durch Banken und Rüstungsbetriebe in den USA habe ich aus Geschichtswerken von Walter Millis, aus Terry Boardmans youtube-Videos und von Wolfgang Effenberger, Christopher Lambert und anderen Historikern – und auch dem Guardian:
    Schon am 15. August 1914 hatte der idealistische und pazifistische US-Außenminister William Jennings Bryan eine Note an die Großbank J. P. Morgan & Co. telegraphiert, in der er betonte: “In the judgment of this Government, loans by American bankers to any foreign nation which is at war are inconsistent with the true spirit of neutrality.” = dt: „Nach dem Urteil dieser Regierung sind Kredite amerikanischer Bankiers an eine ausländische Nation, die sich im Krieg befindet, unvereinbar mit dem wahren Geist der Neutralität.“

    Tja – doch wo Profite locken –

    Die Börse in New York war zwar kurz nach dem europäischen Kriegsanfang geschlossen worden, doch bald entwickelte sich auf dem Bürgersteig vor dem Gebäude der Börse ein „Outlaw“-Wertpapiermarkt, auf dem die Preise hochgetrieben wurden. Das sah im Herbst 1914 der Bankier Henry P. Davison, Partner beim Bankhaus J. P. Morgan &Co., ein großer Sympathisant für die Alliierten. Dieser Outlaw-Wertpapiermarkt widersprach Davisons Idee von einem „geordneten Einkauf.“ Er hielt es für seine patriotische Pflicht, die Organisation des alliierten Einkaufs selbst zu übernehmen und so die amerikanische Industrie vor der „Demoralisierung eines zu schnellen Reichtums zu bewahren.“ Am 26. November 1914 reiste er nach Großbritannien, um das Ganze mit der britischen Regierung zu besprechen.
    Nun ist es interessant, zu wissen, dass es von 1902-1909 in England einen „Dining Club“ gab, eine Art frühen Thinktank, in dem sich die maßgeblichen Leute und Hintermänner des British Empire versammelten, z. B. Richard Haldane, Sir Edward Grey, Arthur Balfour, Bertrand Russel, H. G. Wells, Sir Robert Cecil, Alfred Milner, der Presse-Spezialist für Militärgeschichte, Charles Repington, Halford Mackinder, Leopold Maxse, Sidney und Beatrice Webb und Leo Amery. Und in diesem frühen Thinktank war auch ein Vertreter der G. P. Morgan Bank dabei. (Siehe Wolfgang Effenberger: Europas Verhängnis 14-18 Kritische angloamerikanische Stimmen zur Geschichte des Ersten Weltkriegs, S. 98 und Terry Boardman: June 16 – The Shadow of 1916 on Britain’s Momentous EU Decision: In, Out or Something Else? Ab Min. 39.16 ttps://www.youtube.com/watch?v=1yqD3CmiU9c

    Viele andere amerikanische Bankiers und Industrielle erkannten die Profitmöglichkeiten, die durch die moderne Kriegsführung geboten wurden. Schon Anfang November traf sich der Chef der Bethlehem Steel Works, Charles M. Schwab, mit Interessenten in London und schloss Verträge über Rüstungsgüter ab. Der deutsche Botschafter, Graf Bernstorff erhob den Vorwurf, „er habe Munitionsaufträge im Wert von nicht weniger als 100.000.000 Dollar“ angenommen. Dies wurde geleugnet aber, als Schwab wieder in New York ankam, sagte er, dass die Zeit des „Wiederauflebens von Big Business unmittelbar bevorstehe.“

    In Bezug auf den Ersten Weltkrieg wird das deutsche Kaiserreich vielfach angeprangert, es habe die Seekriegsregeln gebrochen und einen barbarischen, uneingeschränkten U-Boot-Krieg geführt. Doch oft beginnt das Narrativ am hinteren Ende der Entwicklung und lässt aus, dass Großbritannien die Seekriegsregeln schon kurz nach Ausbruch des Krieges verletzt hat, durch De-Fakto-Handelsblockade, Erklärung der gesamten Nordsee zum Kriegsgebiet Anfang November 1914 und illegale Offshore-Blockade (Fernblockade) ab 1. März 1915. Doch der Reihe nach: Durch vielerlei geschickte Maßnahmen von Seiten der britischen Politik, entstand folgende Situation: Die Alliierten konnten in den USA einkaufen – auch Rüstungsgüter – die Mittelmächte konnten es nicht und so entstand bei den Deutschen eine tiefe Bitterkeit, darüber, dass der eigene Sohn durch eine in den „neutralen“ USA hergestellte Granate elend zugrunde ging oder verkrüppelt wurde. Schon bald nach Kriegsbeginn verschwand der amerikanische Überseehandel mit Deutschland und Österreich-Ungarn fast ganz. Den Alliierten war nach dem Völkerrecht gestattet, Deutschlands Häfen zu blockieren – doch zunächst verhängten sie keine Blockade im juristischen Sinne. Es war auch klar, dass die Alliierten das Recht hatten, „Konterbande“ (Schmuggelware) zu beschlagnahmen, die für den Feind bestimmt war. „Konterbande“ bedeutete aber in erster Linie Rüstungsgüter. Gewöhnliche Waren, auch Nahrungsmittel, konnten als „bedingte Konterbande“ beschlagnahmt werden, wenn sie für den Gebrauch der feindlichen Streitkräfte bestimmt waren. Dann gab es noch das Durchsuchungsrecht. Schon vor dem Krieg hatte sich gezeigt, dass mit diesen Prinzipien in der Praxis sehr viele Unklarheiten verbunden waren, was zur Londoner Seerechtsdeklaration von 1909 geführt hatte, in der die allgemeinen Regeln festgelegt wurden, doch diese Londoner Seerechtsdeklaration war zwar von allen Großmächten unterzeichnet, aber nicht ratifiziert worden. Wenn keine Blockade regelmäßig erklärt wurde, hatten die amerikanischen Exporteure und Importeure die Freiheit, ihren normalen Handel mit der Zivilbevölkerung Deutschlands und Österreich-Ungarns fortzusetzen. Doch wenn die Alliierten zunächst auch keine legale Blockade der Mittelmächte errichteten, so hatte die Royal Navy doch die unangefochtene Oberherrschaft über alle Seehandelswege nach Deutschland und Österreich-Ungarn und war nicht gewillt, diesen Handel zu erlauben, egal, was das Völkerrecht fordern mochte.
    Fortsetzung folgt

    • Doch als die Mittelmächte von der Welt wirtschaftlich isoliert wurden, verschwanden damit auch einige der lukrativsten Märkte für die USA und etwa 13 Prozent des US-Außenhandels fielen weg.
      Die Briten waren sehr geschickt. Zunächst schien nirgendwo das Völkerrecht deutlich erkennbar verletzt worden zu sein, nirgendwo gab es eine abrupte Abkehr von früheren Präzedenzfällen oder eine schroffe Ablehnung der Argumente und trotzdem hörte der amerikanische Handel mit den Mittelmächten irgendwie auf. Ein großer Teil des amerikanischen Außenhandels wurde nämlich normalerweise auf britischem Boden abgewickelt – plötzlich stand dieser halt nicht mehr für den Handel mit Deutschland oder der angrenzenden neutralen Länder zur Verfügung. Die neutrale Schifffahrt konnte plötzlich mit dem Beinahe-Monopolisten Lloyds keine Versicherungen mehr abschließen oder wurde durch die vagen Drohungen einer möglichen Beschlagnahme gebremst, die zu erklären die Briten vertrödelten, so dass dem Schiffer durch die Zurückhaltung der Waren Kosten anfielen und dergleichen.
      Ab Oktober 1914 verhängten die Briten ein Ausfuhrverbot aus ihren eigenen Kolonialgebieten für so wichtige Rohstoffe wie Wolle, Fleisch, Gummi und Mangan. So schlossen die amerikanischen Hersteller direkt mit der britischen Regierung Abkommen, in denen sie sich zur Einhaltung des Embargos verpflichteten. Und als die kriegsbedingten Bedürfnisse der Alliierten größer wurden, begriffen die amerikanischen Industriellen und Exporteure, dass hier Märkte warteten, die viel zu lukrativ waren, um sie dem Risiko des Verdachts vom Handel mit dem „Feind“ auszusetzen.
      Auch in Europa drohten die Alliierten, den gesamten, lebensnotwendigen Außenhandel der europäischen Neutralen zu unterbinden und zwangen sie damit, sich an der Blockade zu beteiligen.
      Anfang November 1914 erklärten die Briten die gesamte Nordsee zum Kriegsgebiet. Sie warnten alle Handelsschiffe nicht nur vor Minen, sondern auch vor alliierten Patrouillenbooten auf der Suche nach Schiffen, die des Handels mit dem Feind oder des Schmuggels verdächtig waren. Alle neutralen Handelsschiffe sollten nur über die Straße von Dover in die Nordsee einlaufen dürfen, wo sie in den Downs bequem durchsucht werden konnten. Diejenigen, die versuchten, die nördliche Route zu benutzen, wurden gewarnt, dass sie dies „auf eigene Gefahr“ taten.
      Obwohl das Völkerrecht das „Durchsuchungsrecht“ auf hoher See erlaubte, lehnten die Briten dies wegen des U-Bootkriegs ab – klar – während so ein britisches Kriegsschiff ein neutrales Handelsschiff auf Schmuggelware durchsuchte, lief es Gefahr, von einem U-Bood versenkt zu werden. Ein alliiertes Kriegsschiff war ein völlig legitimes Ziel für ein deutsches U-Boot – deshalb diese Forderung an neutrale Handelsschiffe, sich in britischen Häfen durchsuchen zu lassen.
      Schließlich wurde am 4. Februar 1915 durch Deutschland verkündet, dass ab dem 18. Februar 1915 die Gewässer rund um Großbritannien zum Kriegsgebiet erklärt würden – aber die Briten hatten zuerst damit angefangen, ein riesiges Meeresgebiet zum Kriegsgebiet zu erklären – die Nordsee – schon am 4. November 1914 – siehe oben.

      Am 1. März 1915 wurde dann die totale Offshore-Blockade gegenüber Deutschland von den Alliierten verkündet, die jeglichen weiteren Handel der Neutralen mit dem Deutschen Reich untersagten. Eine Offshore-Blockade war illegal, sie verbot Einfuhr und Ausfuhr aller Waren in und aus den Mittelmächten. Den Mittelmächten bereitete die Offshore-Blockade und der einseitige Handel der USA mit den Alliierten große Probleme. Der republikanische Senator Robert M. La Follette aus Wisconsin schrieb in der September-Ausgabe (1915) seines La Follette’s Magazine :
      „Beim ersten Zusammenstoß des großen europäischen Krieges kam der feierliche Appell von Präsident Wilson…. „die Vereinigten Staaten müssen neutral bleiben, und zwar sowohl in der Tat als auch im Namen….“ Aber wenn man die Aktienkurse um 600 Prozent in die Höhe treiben kann, indem man Munition herstellt – zur Hölle mit der Neutralität! Was sorgen sich das Bankhaus Morgan und die Rüstungsfirma Schwab um den Weltfrieden, wenn es im Weltkrieg große Profite gibt? … Der Aktienwert der Schwab-Firma, der vor Beginn der Belieferung der Alliierten bei einem Marktwert von sieben Millionen lag, wird heute mit einem Gesamtwert von 49 Millionen angegeben. Und jetzt sind wir dabei, die Finanzmittel für die Alliierten bereitzustellen…“
      Fortsetzung folgt.

    • Und Waffen wurden eben auch auf Passagierschiffen transportiert:
      Am 16. Januar 1915 begann der Cunard-Liner Orduna aus New York seine Fahrt nach Liverpool – mit hundertfünfundfünfzig friedlichen Passagieren und zwei 14-Zoll-Haubitzen an Deck. Sie gehörten zu den ersten Produkten des geschäftigen Treibens in Mr. Schwabs Kleinstadt Bethlehem in Pennsylvania. Und am 20. März 1915 stach bereits der White Star Liner Adriatic von New York aus in See, mit 300 Passagieren und 150 Panzern für die alliierte Front. Die Orduna machte am selben Tag die Leinen los, mit einhundertfünfundneunzig Passagieren und zwei weiteren 15-Zoll-Haubitzen aus Bethlehem auf ihrem Hauptdeck und jede Menge an leichteren Geschützen und Granaten im Laderaum. Jeden Tag gab es ca. 5000 Gefallene. Zwar gab es zahlreiche tapfere Gesetzesvorlagen, die ein Embargo für den Export von Munition forderten, aber die kamen leider nicht durch. Damit wurde von der US-Administration Wilson eine wertvolle Gelegenheit verpasst, denn im Völkerrecht gab es wirklich nichts, was ein Munitionsembargo an alle Kriegsparteien hätte verhindern können.

      Die USA erlebten dann im Sommer 1915 einen gigantischen Boom. Die Nachfrage im Stahlhandel war so hoch wie noch nie und die Preise stiegen ständig. Der Güterverkehr brach langsam zusammen ob der Last der Nachfrage. Aber es gab ein Problem: Den Alliierten ging das Geld aus. 1915 waren Großbritannien und Frankreich schon erschöpft. Sie hatten solche Schulden, dass sie ohne amerikanische Kredite gar nicht mehr weitermachen konnten. Und die Kredite kamen – zuerst von J. P. Morgan. Am 10. September 1915 traf ein anglo-französisches Gemeinsames High Commission (Hochkommissariat?) unter der Leitung von Lord Reading in New York ein, um vom amerikanischen Volk den ersten alliierten Kriegskredit zu bekommen und am 25. September 1915 unterzeichneten die Bankiers der Morgan-Bank mit dieser Reading Commission einen Vertrag. Das Darlehen betrug $500.000.000. Der anglo-französische Kredit von 1915 war natürlich nur der Vorläufer späterer noch viel größerer Kredite. Vermutlich wäre der Krieg ohne diese Kredite und ohne diese Munitionslieferungen aus den USA an die Alliierten früher beendet worden.
      Die U-Boot-Flotille der deutschen Marine bestand anfangs aus sechzehn Booten. Die Lusitania wurde am 7. Mai 1915 versenkt, es befanden sich insgesamt 1959 Seelen an Bord, von denen 1195 vermisst wurden. An Bord hatten sich aber auch 4200 Kisten Munition befunden. Dass sie Munition geladen hatte – und nicht zu knapp – wurde am 30. Juli 1982 von der britischen Regierung bestätigt, als sie durch eine Meldung eine Gruppe Wracktaucher davor warnte, sich dem Wrack des ehemaligen Cunard-Liners zu nähern. Es befinde sich eine große Menge Munition im Wrack und einige von dieser sei noch immer explosiv. Siehe hier: ttp://www.theguardian.com/world/2014/may/01/lusitania-salvage-warning-munitions-1982
      Nachdem die Lusitania vesenkt worden war, waren auch 124 Amerikaner mit ihr gestorben. Dennoch kam es nicht sofort zum amerikanischen Kriegseintritt, da Bethmann-Hollweg und Graf Bernstorff sich dafür einsetzten, dass der U-Boot-Krieg eingeschränkt wurde. Am 1. September 1915 gab der deutsche Botschafter in den USA, Graf Bernstorff dem neuen US-Außenminister Lansing die formelle Zusicherung seiner Regierung, dass Passagierschiffe künftig nicht mehr torpediert würden, außer mit entsprechender Warnung und Vorkehrungen für die Sicherheit von Nichtkombattanten. Doch nachdem das ernstgemeinte Friedensangebot von Reichskanzler Bethmann-Hollweg vom 12. Dezember 1916 von den Entente-Mächten abgeschmettert wurde, setzten sich endgültig die deutschen Militärs durch und der uneingeschränkte U-Boot-Krieg wurde am 1. Februar 1917 verkündet. Doch all das oben Geschilderte – und noch mehr als das – ist dieser Verkündigung vorausgegangen.

  2. GG Art 120
    (1) Der Bund trägt die Aufwendungen für Besatzungskosten und die sonstigen inneren und äußerenKriegsfolgelasten nach näherer Bestimmung von Bundesgesetzen.
    … interessant … in der „Verfassung“ eines souveränen und unbesetzten Landes hätte ich genau das Gegenteil erwartet …
    Also wenn der Bund von Syrien, Mali oder Afghanistan besetzt wird , trägt die Bevölkerung per Gesetz die Kosten … hmmm … wird schon seine Richtigkeit haben … steht in den Verfassungen der andern Länder sicherlich ähnlich drin …

  3. Der ‚Ami‘ geht nie mehr nach Hause. Nicht freiwillig, solange er es vermeiden kann. Warum auch?
    Diese selten anti-intellektuelle ‚Drohung‘ von Grenell weist ihn lediglich als maximalen Schmalspurdilettanten (kein Widerspruch: Grenell ist so grandios inkompetent, dass er noch nicht mal das Zeug für einen veritablen Versager hat) aus.
    Trotz aller zwischenzeitlichen Nachkriegsverträge gilt das Vorbehaltsrecht der Amerikaner gegenüber der Bundesregierung.
    Wir zahlen und halten die Klappe bzw. replizieren fleißig die Stichwortkärtchen, die man uns zuschiebt.
    Atombomben waren schon immer hier und bleiben hier, werden nur ‚runderneuert‘.
    Weitere Raketen kommen, um ggf. den atomaren Riegel durch Ukraine und Weißrussland zuzumachen, damit Russland definitiv isoliert bleibt von Westeuropa und dieses auch nicht in Versuchung kommt da etwas dran zu ändern.
    Blöde Idee?
    Nein. Der Tornado, der diese Bomben aus Büchel bisher dahin tragen sollte wäre maximal bis Minsk gekommen.
    Kein atomarer Bomber der Bundeswehr könnte bis Russland fliegen ohne nachzutanken.
    Und ob da der Russe tatenlos beim Betanken zugucken würde und ein Eindringen in den Luftraum von 1 Dutzend verwendungsfähiger Tornados nicht konterkarieren könnte…
    Es geht also um die Geographie VOR Russland.
    Eine Nachrüstung mit Mittelstreckenraketen diente demselben Zweck.
    Eine Zerstörung der militärischen Schlagkraft Russlands mittels dieser Waffen aus den verfügbaren Positionen wäre unmöglich.
    Ukraine und Weißrussland sind völlig verzichtbar aus Sicht der Strategen.
    Die Tornados sind schon sehr lange für diesen Zweck nicht geeignet gewesen, aber bisher war der Zweck auch noch nicht so aktuell wie jetzt.
    Darum die Nachrüstung, weil das mit diesen Mittelstreckenraketen problemlos möglich ist und durch Russland kaum zu verhindern.

  4. „Danach haben die USA seit der Gründung des Deutschen Reiches 1871 alles unternommen, eine gegen dieses Deutsche Reich gerichtete Politik zu machen.“
    Seit fast 150 Jahren lassen sich die Deutschen von den Amis am Nasenring vorführen?
    Das mag glauben wer will.

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