KenFM im Gespräch mit: Gunther Moll („Hallo, hier spricht mein Gehirn“)

Prof. Gunther Moll ist Kinderpsychiater an der Universitätsklinik Erlangen. Hier leitet er seit über zehn Jahren die Kinder- und Jugendabteilung für psychische Gesundheit.

Moll hat selber fünf Kinder, ist also auch dann noch mit der Zielgruppe seines Berufes in Kontakt, wenn die Arbeit ruht.

Das merkt man. Prof. Moll ist politisch engagiert und fordert die Bundesregierung immer wieder dazu auf, Politik nicht für, sondern MIT Kindern zu gestalten. Das ist bitter nötig, denn auch in einem der reichsten Länder der Erde, der BRD, leben zwei Millionen Kinder unterhalb der Armutsgrenze. Das hat Konsequenzen für ihr ganzes Leben.

Prof. Moll ist der Autor mehrerer Bücher, die sich vor allem mit der Gehirn-Entwicklung des Kindes beschäftigen. 2012 veröffentlichte er zusammen mit seinem Sohn die Broschüre „Die Kinderwagen-Revolution“. Es geht um Menschenrechte, die, so Moll, keine Empfehlung sind, sondern Verpflichtung für die Politik.

Wer sich wie Prof. Moll tagtäglich mit schwer psychisch erkrankten Kindern beschäftigt, stößt dabei permanent auf eine der Hauptursachen. Es ist unser genereller Umgang mit dem eigenen Nachwuchs. Kinder gelten in Deutschland sehr oft als Störfaktor. Wer Kinder hat, ist nicht „flexibel“ genug, um im Neoliberalismus bestehen zu können.

Was ist von einer Gesellschaft zu halten, die die eigenen Nachkommen daher immer häufiger an die Verhältnisse „anpasst“ und Kinder mit Medikamenten ruhigstellt?

Wie muss man es bewerten, dass Kinder, die nicht kindgerecht aufwachsen, da sie z.B. unter Bewegungsmangel leiden, von der Pharma-Industrie als höchstprofitable Kunden vermarktet werden und dabei auch noch von der Politik unterstützt werden?

Wer wie Prof. Moll diese Fakten benennt, bekommt sehr schnell Probleme und wird verleumdet, denn er gefährdet ein Milliarden-Geschäft mit dem „Dauerpatient“ Kind.

Prof. Moll redet im Gespräch mit KenFM nicht um den heißen Brei. Er will, dass die Opfer dieser Politik, Kinder, endlich zu Wort kommen: „Wenn erst einmal ein paar 14-Jährige im Bundestag sitzen, dann wird unsere Demokratie erst lebendig“.

Wäre das so, dann hätten wir in diesem Land mehr Lehrer, kleinere Klassen und Schulen, die nicht aussehen, als könnte man sich ihre Instandhaltung nicht leisten. Wie immer hängt es am Geld, das erst fließt, wenn Kinder in Behandlung müssen.

Parallel plant unsere Regierung, 70 Milliarden in Rüstung zu investieren, während die Kinder von Hartz IV-Empfängern sozial auf dem Abstellgleis landen. Hier ist Krankheit vorprogrammiert. Das ist kein Zufall, das hat System.

Prof. Moll legt als einer der renommiertesten Kinder-Psychiater der Bundesrepublik Deutschland den Finger in die Wunde.

Inhaltsübersicht:

00:01:54 Die Anpassungsfähigkeit des Gehirns im Laufe der Jahre

00:12:26 Die BRD als Lebensraum und die Rolle der Kinder in unserer Gesellschaft

00:29:58 Fehler im Bildungssystem – zu große Gruppen und mangelnder Bezug zur Realität

00:40:06 Die Rechte der Kinder

00:55:18 Wofür ist Geld da und wofür nicht? – Hausgemachte Kinderarmut in Deutschland

01:17:32 Die Fehlinterpretation der Emanzipation der Frau

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33 Kommentare zu: “KenFM im Gespräch mit: Gunther Moll („Hallo, hier spricht mein Gehirn“)

  1. Finde ich einen sehr wichtigen Gesprächsgast.
    Habe da einige Gedanken mir gemerkt, die ich in Summe für eine Lösung gut finde – wo ich zunächst aber auch die aktuelle Situation beleuchten möchte.

    Vieles, was Herr Prof. Moll sagt, lässt sich auch auf die Erwachsenen übertragen.
    Denn etwas, was für Kinder als Lernprozess ( in der Schule z.B.) als ideale Bedingungen vorgelebt wird, kann ebenso günstig fortgeführt werden im Erwachsenenalter:

    Beispiel „ideales Lernen“:

    – Eine Gruppe Schüler schaut zu
    – Eine andere Gruppe Schüler arbeitet unter Lehreraufsicht vor den zuschauenden Schüler im Chemieunterricht
    – eine weitere Gruppe sind zwei Schüler die selbstständig etwas mit Chemie experimentieren
    und eine letzte Gruppe besteht aus den Schülern, die den anderen Schüler erklärt, wie das Experiment gelaufen ist.

    Es ist nicht ganz das Bild, was Herr Prof. Moll wohl meinte, aber es kommt schon dem Bild etwas näher:
    https://www.kamira.de/konzept/neues-lernen/

    Wichtige Aussagen sind auch, ob inhaltliche Themen oder Gespräche in die Umwelt und das Umfeld des Kindes / Erwachsenen passen.

    „Was hat einen Effekt?“ ( so oder so ähnlich ist eine der Aussagen im Video von Prof. Moll)

    Ein interessanter Gedanke, den Herr Prof. Moll als möglicher Kultusminister umsetzen wollte:
    „Stoff um die Hälfte kürzen“ – also, dass der Schulstoff noch zur Hälfte Raum lässt für das, was Kinder wirklich wollen. Wo sie sich ausprobieren können.

    Auch das lässt sich auf die Erwachsenen übertragen, z.B. auf Arbeitssituationen oder das Thema Bücher.
    Buchempfehlungen sind wichtig – wenn gleichzeitig auch Raum bleibt für Menschen, sich individuell konstruktiv mit den Themen der Bücher zu beschäftigen.

    – Die Natur : „Erst das bewegen, dann das denken“ ( sinngemäß Satz von Prof. Moll aus dem Interview)
    Also : je mehr Flexibilität ich als Mensch in meinem Alltag habe, desto eher eröffnet sich mir persönlich ein Horizont neues zu erleben und neue Vernetzungen und Ideen zu produzieren.

    Fragen, die hier in meinem Beitrag jetzt gleich stehen werden, können und könnten auch in jedem Gespräch mit anderen Menschen genutzt werden:

    „Was würden Sie / Dich motivieren etwas zu tun, um mehr mit anderen Menschen zu unternehmen?“ ( Demo/ Friedensaktivität / Vernetzung etc.)
    „Wie lassen sich Menschen abholen, die ausgegrenzt sind oder sich so fühlen?“ ( im Hinblick auf Vernetzung, gemeinsame Lösungssuche etc. wichtig)

    Zu den Kindern ab 14 in den Bundestag, dachte ich erst : „schwierig“. Weil es kommt die Pubertät, das mögliche Rebellieren und sich abgrenzen lernen – aber dann dachte : „wow. gute Idee – schlimmer als die Lethargie und der Fraktionszwang der oft einheitlich wirkenden Parteiaussagen; egal ob schwarz, rot, grün, gelb… es kann nur besser werten – auch mit 14 Jährigen“

    Dann der Vergleich von Herrn Jebsen: 70 MRD Rüstungsbudjet und 2 Millionen Kinder in Armut.
    Auch ein Thema, was Herrn Prof. Moll sichtlich bewegt im Interview.

    Kinderrechte. Ein Thema, was medial zu wenig im Fokus ist. Kinder sollen „heranwachsen“ , „lernen“ was Ihnen in der Schule „beigebracht“ wurde, um dann später; wenn sie selbst groß sind erst später Vater oder Mutter zu werden, da das Kindergeld einkommensabhängig gezahlt wird, wie Herr Prof. Moll ausgeführt hat.

    Das erinnert etwas an die Theorie der Georgia Guidestones. Die Menschheit reduzieren. Im Einklang mit der Natur leben; aber nur, wenn es 500.000.000 Menschen gibt – also der „Rest“ müsste irgendwie weg. Da kommt bei näherer Betrachtung ein Sammelsorium von Geschäftskonzept zum Vorschein, Beispiele:

    – Adipositas ( Herr Jebsen sagt sinngemäß: „ein Geschäftskonzept mit Medikamenten usw.“ )
    – dann die Ablenkung über Computerspiele ( wenn das Kind sonst keinen Alltag mit Kontakten zu anderen Kindern hat, ist das ein Problem)
    – Nachrichten mit Krieg, Terror, Angst, Armut ( = erzeugen Stress im Kopf von Kindern wie Erwachsenen)
    – Filme über Krieg, Kriegsspiele am Computer ( = erzeugen Stress, da gleiche Hirnareale aktiviert)
    – Fraktionszwang ( = kann Ohnmacht erzeugen, da es den Politiker ihre Handlungsfreiheit und Entscheidungsfreiheit nimmt.)
    – Werbung über sämtliche Konsumartikel ( = erzeugen Minderwertigkeitsgefühle :“ Du brauchst das, sonst bist Du nichts wert“)

    Wie sehr das ganze auch konzeptionell umgesetzt wird, lässt sich an den ganzen Neubauten von Einkaufsstädten, Malls und dem immer größer werdenen Berliner Flughafen erkennen – die Gier, den Menschen immer noch mehr Angebote unterbreiten zu wollen, ist den Erbauern des Flughafens aktuell selbst zum Verhängnis geworden.

    Ein Buch, was ich an der Stelle empfehlen kann, bezogen auf den Gedanken des Konsums:

    „Robert Misik: Alles Ware: Glanz und Elend der Kommerzkultur“

    Er beschreibt u.A. ziemlich deutlich, wie sehr die Menschen von dem natürlichen Drang in die Natur zu gehen abgelenkt werden, indem Sie in Einkaufsstädte gehen, die künstliche Straßen imitieren, Pflanzen angebaut werden; um den Kunden möglichst lange in der Nähe der Verkaufsgeschäfte zu halten.

    Was ich etwas kritisch sehe, ist der Gedanke von Prof. Moll die Kinder mit auf die Arbeit zu nehmen.

    Kritisch sehe ich das deswegen, weil es in ( ich glaube )Japan ein Konzept gibt:

    – Betriebskindergärten
    – Betriebssportvereine
    – Betriebsschulen

    usw.

    Also, das heisst: der Mensch wird in einen sozialen Stand geboren, wächst als Kind ständig in Betreuung seines Arbeitgebers und dessen Regeln auf.

    Eine kleine Vorstufe davon ist es, wenn die Kinder regelmäßig auf die Arbeit genommen werden.

    Ich befürworte den Gedanken, Kinder mit auf die Arbeit zu nehmen, wenn das Unternehmen anerkannt soziale Werte vorlebt – aber: bei wievielen profitgesteuerten Unternehmen ist dies letztlich der Fall?

    Daher bin ich skeptisch.

    Ich fange nun mit einem Gedanken zur Lösung an, mit dem Zitat am Schluß, was wirklich auf den Punkt ist:
    https://www.youtube.com/watch?v=Hc09fxZH8Xo&t=96m30s

    Wenn man aufzeigen könnte und das kann man, das psychische Störungen abhängig sind von der Umgebung – wie ein Mensch lebt; und was er erlebt und erfährt und erfahren muss: dann müsste sich ja ( und da sind wir wieder bei der Politik) die Politik ändern oder die Lebensbedingungen der Menschen ändern.

    Hier ist auch schon eine Idee, welche mir gestern als Lösung kam ( deutschlandweit möglich):
    https://kenfm.de/joern-brodersen/#comment-119818

  2. Hallo ihr Lieben,
    ich würde mich gerne erkundigen inwiefern der Chefarzt die Homosexualität betrachtet, im Sinne ich hatte kürzlich gelesen, dass nun im Lehrplan an Grundschulen verankert ist, dass man Rollenspiele spielt und zwar dass Kinder Schwule oder Lesben spielen sollen, die sich verpartnern wollen. Meine Frage wäre inwiefern sich Homosexualität dadurch antrainiert werden könnte und ob die Elite dies als Ziel hat.

    • Die sexuellen Vorlieben bzw. die Anziehung zum jeweiligen Geschlecht kann kaum einer manipulieren, sehr wahrscheinlich werden bzw. wurden solche Versuche unternommen, daher hat man ja die Erkenntnis, dass es so kaum funktioniert.
      Was aber sehr gut funktioniert, ist der Vorgang der Missbildung von Fehlidentitäten. Weiss ein Mensch nicht wer er ist und wo seine Wurzeln liegen, ist er Futter für jede Art von Kontrolle sowie Beherrschung.
      Diesen Prozess kann man jetzt sehr gut an der Bewegung des Transgendertum beobachten.
      Das ist eine ganz Perfide Angelegenheit. Die Persönlichkeitsrechte die absolut von der Verfassung geschützt sind, aber in der Praxis stetig eingeschränkt werden, missbrauchen die Manipulatoren dazu, indem sie diese dem Transgendertum öffnen. Klappt auf perfider Art und Weise wie geschnitten Brot.
      Keiner weiss mehr wer er ist und identifiziert sich mit Abnormalitäten, dazu kommt noch, dass diese Menschen unzufrieden mit sich selbst sind und werden die perfekten „Konsumzombies“. Parallel dazu kommt die Taktik des Teilens der Zivilgesellschaft und somit auch die gewünschte Spannung.
      Ein sehr ausgeklügetes aber perfides Programm.
      In dieser ganzen Verwirrung, glauben die Ahnungslosen, das sei etwas Normales das dem Zeitgeist unterliegt.

    • Ob Homosexualität „antrainiert“ werden kann würde ich einfach mal, kritisch gesehen, so stehen lassen. Fakt ist, dass sich ein homosexuelles Paar nicht fortpflanzen kann. Damit hat sich das Thema für mich erledigt. Bei den alten Griechen war Homosexualität auch nichts Unnatürliches. Lasst die Natur Natur sein und ermöglichen wir den Homosexuellen ein (würdiges) Leben ohne Diskriminierung.

  3. Genau… Bayern, mit einer halben Million HartzIV kindern, denen am Monatsende das Geld fürs Mittagessen fehlt, ist die letzte Stufe vor dem Paradies… wer Erlangen kennt, der weiss sowieso wovon ich rede.
    Ja, man sollte ihn zum Bildungsminister machen. Da würde der Horsti ganz schnell 30000 neue Lehrer einstellen, damit die Klassen kleinber werden und das würde er dann durch Erhöhung von Erbschafts-, Vermögens-, und Finanz Transaktionssteuer finanzieren.
    Irgdnwo wird die Grenze zu, Albernen überschritten.
    Und die eigen Kindererziehung sieht so aus?:

    „Du isst jetzt den Salat!“ Non volio, sagt das zweisprachige Kind, das am besten für es ist! Ich esse jetzt eine Eisbecher!

    usw usw usw….

    Ein paar gute Ideen und Denkanstösse, aber dann merkt man doch der Herr sollte vielleicht ab und zu mal unter Erwachsene gehen, (ich weiss, das ist schwer in Franken) statt unter dreijährigen zu leben? Ein wénig arg viel Absurditäten, aber zumindest den guten Willen kann man ihm nicht ansprechen

    Es ist eine eigenartige Sache mit den kenfm Interviews, manchmal kann man sich nicht davon losreissen, und manchmal wird man immer verzweifelter und schaltet dann aus, so als letzte Rettung.

  4. Ich bin auch der Meinung, dass Kinder oft wesentlich besser entscheiden würden als die meisten ach so gebildeten Erwachsenen. Man sollte sich nie die Arroganz aneignen, dass man nur weil man schon erwachsen ist, auf jeden Fall Bescheid weiß. Kinder sind klein, aber nicht blöd. Sie sind zwar in einigen Dingen unerfahren, sie haben aber noch nicht eingeimpft bekommen, dass die Dinge so mega kompliziert sind, wie wir erwachsenen immer glauben.

    Unser Schulsystem ist leider überwiegend dazu da uns auf das Belohnungs- und Bestrafungssystem danach vorzubereiten. Wir pressen Kinder in Klassen, damit sie schon früh messbar und vergleichbar werden. Daher befinden sich in den Klassen auch gleichaltrige.

    Ich möchte dabei gerne wieder mal auf die Studie von einem gewissen George Land aufmerksam machen, die aufzeigt, dass das verbreitete Schulsystem einen Beitrag zur geistigen Verödung leistet.

    Folgende Seite habe ich dazu gefunden (Ich habe nichts mit dem Betreiber der Seite zu tun), die einen ganz guten Überblick über die Ergebnisse verschafft.

    Can Creativity be Taught? Results from Research Studies

    Kindern wurde ihre Offenheit noch nicht vollständig aberzogen. Daher lässt sich sehr viel von Ihnen wieder erlernen, was wir bereits vergessen haben. Es hieß in meiner Jungend schon des Öfteren Kinder an die Macht. Ich denke, dass unsere Gesellschaft wesentlich sozialer ausfallen würde, wenn dies der Fall wäre.
    Vor Allem denken Kinder noch nicht so kompliziert wie wir erwachsenen.

    @fanofkenjebsen
    Privatschulen und Eliteunis sind leider scheinbar hin und wieder der Parkplatz für Kinder um die man sich nicht kümmern möchte bzw. die man sehr gerne erfolgreich nach eigenen Maßstäben sehen möchte. Ob die das selber auch so sehen, steht da glaube ich nicht zur Debatte. Was da an vernachlässigtem und missverstandenem Kindermaterial angeliefert wird, möchte man sicher oft garnicht erst wissen.

    Gustav Heinemann hat einmal gesagt:

    Man erkennt den Wert einer Gesellschaft daran, wie sie mit den Schwächsten umgehen.

    Also, wie wir mit Kindern und alten Menschen umgehen.
    Und da lässt sich leider festhalten, dass für diese beiden Bereiche nicht so viel übrig ist.

    Auch hier sehe ich leider auch das leidige Problem, dass mir überall begegnet.

    Geld

    Reform des Schulsystems würde erstmal Geld kosten, mit einem Nutzen, der sich den Entscheidern scheinbar nicht erschließen will.

    Unsere Lern- und Fehlerkultur ist einfach für die Füße.
    Wann lernen wir am schnellsten und nachhaltigsten? Wenn wir Interesse an etwas haben, also unbeding etwas darüber lernen wollen!

    Bleibt friedlich…

    Ich

  5. Ein weiteres Highlight von kenfm; das Interview mit Herrn Moll. Wer etwas über sich selbst und seine Entwicklung im Nachgang erfahren möchte, sollte sich dieses Interview unbedingt ansehen/anhören. Man kann daraus sehr viel für die Zukunft lernen. Wie entwickelt sich so ein Mensch? Welche Einflüsse wirken da? Was kann man selbst bei Kindern oder Enkeln tun?

    Nach den Interviews mit Daniele Ganser und Rainer Mausfeld, ist für mich dieses Interview das Beste, was kenfm bisher angeboten hat und das ist ne Menge. Der Main-Stream-Journalismus kann sich daran orientieren, so er lernfähig ist.

  6. Ich habe über 40 Jahre lang unterrichtet, hauptsächlich in Privatschule, die sich als reformpädagogisch beschrieben, also hauptsächlich mit Kindern wohlhabender Eltern. Ich fand das Gespräch mit Herrn Prof. Moll deshalb hochinteressant.

    Ich muss aber in 2 Punkten Widerspruch einlegen.
    1. Kinder lernen eine Fremdsprache mühelos, wenn man eine Person, z.B. eine Kindergärtnerin, damit beauftragt, nur Englisch mit dem Kind/den Kindern zu sprechen. ICH SAGE NICHT IMMER ODER NICHT OFT! Und das als „native speaker“, die oft dafür zuständig war, nur Englisch zu reden. Manche Kinder werden in der Tat nach dem Kindergarten Englisch „können“.
    Mein Mann und ich haben unsere Kinder konsequent zweisprachig erzogen. Mein Sohn weigerte sich jahrelang nur ein Wort Englisch zu reden, auch wenn, z.B. seine Großeltern kein Wort Deutsch konnten. Meine Tochter sagte mal – sie war ungefähr 8 Jahre alt – „I don’t did it.“ Ich sagte, „Es heißt: ‚I didn’t do it.‘ Ihre Reaktion: „I don’t can speak so good English. I’m not from England.” Ich bin übrigens Amerikanerin und wir befanden uns gerade in den USA.
    Im Laufe der Zeit lernten beide Kinder fließend Englisch. Die Noten in Englisch waren bis zur Oberstufe nur mittelmäßig. Ab dann machte die langjährig zweisprachige Erziehung sich erst wirklich bemerkbar. Mein Sohn ist erwiesenermaßen hochbegabt (IQ Test), meine Tochter vermutlich auch. Ich sage es hier nur, weil man nicht meinen sollte, die langsame Aneignung der 2. Fremdsprache nur vom IQ abhängt. Es gibt wohl unzählige andere Faktoren.
    2. Kinder sollen ab 14 wahlberechtigt sein. Hier stellt sich die Frage, was zuerst erfolgen soll: Eine bessere Erziehung oder Wahlrecht. Prinzipiell halte ich es für möglich, dass 14-jährige denkfähig sind und sich genug Fachwissen aneignen können, um politische Entscheidungsprozesse zu verstehen und eine Meinung zu bilden. Nur, solche Kinder kann man lange suchen. In Privatschulen sind solche Kinder jedenfalls kaum anzutreffen. Dort sind Trinkfestigkeit, Kiff-freudigkeit, Mode, die Rolex-Uhr, das Wochenende, das (angestrebte) erste Auto und etliches mehr viel wichtiger. Nicht jeder Elftklässler an einem Eliteinternat weiß wo der Äquator liegt, oder warum es ein Äquator gibt. Das heißt, dass dieser Mensch auch kaum in der Lage versetzt werden kann, Klimazusammenhänge zu verstehen.
    In zwei weiteren Punkten möchte ich mein Senf dazu geben.
    1. Prof. Moll fordert ein anderes Bildungssystem. Aber auch nach hundert Jahre Reformpädagogik liegt immer noch vieles im Argen.
    Eine Freundin beschrieb ein Eliteinternat, wo ich arbeitete treffend als „Aufbewahrungsanstalt für gestörte Kinder mit Wohlfühlcharakter“. Ich kann bezeugen: Dort wurden die Kinder gestörter entlassen, als sie eingeliefert wurden. Manche, die „normal“ ankamen, liefe nach kürzester Zeit mit der Schafherde mit. Wer als Lehrer etwas merkte und den Mund aufmachte wurde gekündigt, oder ging von alleine, weil man für das was man erlebte nicht mitverantwortlich sein wollte. Ich denke also, dass es erstmal einmal reicht, wenn wir unser Schulsystem ändern. Wenn wir mündige Vierzehnjährige in Hülle und Fülle haben, können sie von mir aus gerne wählen. Und Privatschulen sind GARANTIERT NICHT die Antwort!!!

    Ein Schulsystem zu reformieren ist sehr schwer. Zu viele Köche verderben den Brei: Lehrer, Erzieher, Hilfsassistenten, Schüler, Eltern, Großeltern, Bürokraten, Chefs, und in Falle von Privatschule, die Besitzer – jeder hat eine Vorstellung, wie die ideale Schule zu sein hat. Die Kommunikation in Schulen funktioniert hinten und vorne nicht. Die Leute halten sich an Kleinigkeiten auf und verlieren den Blick für das Ganze. Hervorragende Lehrer werden fristlos entlassen. Ja-Sager, auch Nieten, haben bessere Chance ihre Stelle zu behalten.
    2. Ich stimme zu, dass Kinder optimal gefördert werden sollen. Aber ich weiß aus Erfahrung, dass viele Schulprobleme entstehen, weil die Augen und Ohren nicht richtig funktionieren. Ich bin Gymnasiallehrerin für Englisch und Geographie (I. und II. Staatsexamen) und ausgebildete Montessori-Lehrerin für die Klassen 1 bis 6. In keiner Ausbildung habe ich irgendetwas über Seh- oder Hörstörungen gehört. Ich schnappte aber im Laufe der Zeit einiges auf. In den privaten Grundschulen, wo ich gearbeitet habe – hier in Deutschland – habe ich etliche Kinder zu einem Facharzt geschickt. Die Kinder waren unkonzentriert, konnten kaum lesen, oder kaum Mathe. Die Ärzte behaupteten häufig, die Augen seien in Ordnung. Der empfohlene Optometrist stellte dann eine Winkelfehlsichtigkeit oder Wahrnehmungsstörung fest. Die Ohrenärzte behaupteten, die Ohren hören perfekt, aber das Kind konnte die Laute nicht einordnen, wie Audiologen feststellten. Wenn die Kinder fleißig die vorgeschlagenen Übungen ausführten, machten sie plötzlich Riesensprünge.
    Also mein Appell an Prof. Dr. Moll: Bevor sie einen Therapieplan aufstellen, stellen Sie bitte fest, ob die Kinder und Jugendlichen wirklich gut sehen und hören können. Und lassen sie nicht nur von „Fachidioten“ untersuchen, sondern auch von Audiologen, Optometristen, Motopäden usw. Vielleicht lassen sich dann einiges an Medikamenten oder Klinikaufenthalten einsparen.
    Auch Rückenprobleme können „psychische“ Störungen verursachen. Ein Wirbel befindet sich an die Verbindungsstelle zwischen vegetativem und somatischem Nervensystem. Wenn man diese Wirbel verrenkt können Depressionen und Unruhezustände auftreten. Leider erfahren viele Ärzte etwas über solchen Zusammenhänge nur durch Zufall. Entschuldigen Sie bitten, wenn ich etwas anspreche, was Sie schon wissen. Leider bin ich von vielen Fachärztin falsch beraten bzw. behandelt worden.

    • Haben Sie gewusst, dass der IQ-Test im 1. Weltkrieg entwickelt worden war, um feststellen zu können, dass nicht jeder „Idiot“ an ein Flag-Geschütz ran durfte der dann die eigenen Einheiten abschoss?
      Quasi ein Relikt des Krieges.

      Ich kann nur von meiner Erfahrungswelt mit den beobachteten Phänomenen bei Kindern schildern, dass diese rein logisch sowie vernünftig mit den Wissen was Gerald Hüther („Jedes Kind ist auf seine Weise hochbegabt.“ ) sowie vielen Aussagen von Gunther Moll zu erklären sind.
      Also dieser Glaube, dass ein Gehirn durch genetische Veranlagung geprägt ist, oder wie ein Muskel funktioniert, gehört in die Tonne des letzten Jahrhunderts.
      Dass man an diesen Glauben wie an die Scheibenwelt oder das geozentrische Weltbild so hartnäckig festhält, ist verständlich. Die einen wollen noch ihre Macht- sowie Deutungshoheit bewahren, die anderen sind verwirrt und brauchen somit Halt. Was ist das Günstigste woran man festhalten kann? Den Status Quo.

  7. Ein aus meiner Sicht außerordentlich bemerkenswertes Interview. Das die empirischen Erkenntnisse eines ideologiefreien Experten abfragt. Über die Potentialität menschlicher Existenz. Zwischen genetischer Herkunft, Erziehung, Erfahrung, Bildung.

    Wenn es Potentialität für uns als handelnde Wesen gibt, was eine in seiner Tröstlichkeit gar nicht zu unterschätzende Auskunft ist, dann ist es gleichsam wie 5 vor 12 an der Zeit, die Prioritäten zwischen uns und um uns rum ganz anders zu handhaben.

    Herr Moll hätte, glaube ich, ausführen können, daß unvoreingenommene 14 – Jährige beispielsweise durchaus dazu in der Lage wären, die prekären Gefahren der Atomkraft abzuschätzen. Wenn Zeit dafür gewesen wäre.

    Kein 14 – Jähriger mit halbwegs entwickeltem Menschenverstand nämlich würde der Atomlobby die unbezahlbaren Risiken ihrer tödlichen Technologie abkaufen. Weil man mit 14 schon Zusammenhänge erfassen kann. Daß man nicht unendlich Sarkophage über Tschernobyl errichten oder in Fukushima das Meer vergiften kann. Das kann ein 14 Jähriger begreifen.

    Mit 14 kann man errechnen, wie lange es braucht, daß der pazifische Müllstrudel, der mittlerweile 7 mal so groß ist, wie die Bundesrepublik, alle Ozeane füllt … wenn die Produktion und Verwertung von Plaste so voranschreitet, wie bisher.

    Mit 14 kann man den Sinn verbindlicher Regularien, den Sinn unter anderem von Völkerrecht verstehen. Daß es zunächst mal verboten gehört, andere Länder anzugreifen. Um Völkerschlachten und Weltkriege zu verhindern. So ein überregionaler, zivilisatorischer … so ein kategorischer Imperativ … ist für die Intelligibilität eines 14 Jährigen keine Herausforderung.

    Auch die Regeln der Schwerkraft sind mit 14 in der Schule schon durch. Ob man baustahlbewährte Wolkenkratzer mit kerosinbetriebenen Aluminiumgeschossen in den freien Fall zwingen kann, ließe sich vom Physiklehrer einigermaßen zweifelsfrei abfragen. Die 14 Jährigen haben Pubertät. Was gewiß nicht einfach ist. Aber doof müssen sie darum nicht sein. Herr Gerber.

    Ich frage mich zuweilen wie schockstarr fasziniert, warum denn jetzt nicht mal einer, irgendeiner der amtierenden Parlamentarier in unserem demokratischen Deutschland grundsätzlich Klartext über die lebensbedrohlicheren Aspekte des menschengemacht Umgreifenden redet. Über Atomkraft. Über Müllstrudel. Über die völkerrechtswidrige Kriegstreiberei der NATO. Über den tödlichen Raubbau an der natürlichen Substanz des Planeten.

    Eins und eins ist zwei. Mein Cousin war im Kosovo. Als Fußvolk. Und hat nach seiner Rückkehr zwei Jahre gebraucht, um an multiplen Krebsen elendig zu krepieren. Uranmunition. So was gibt es ! Hört, hört ! Wenn diese Munition quasi unendlich lebensbedrohlich bis tödlich strahlt, frage ich mich, warum jene, die diese Munition einsetzen, nicht zu Kriegsverbrechern erklärt werden. Ich frage mich, wie so was überhaupt sein kann.

    Mir sagt der Herr Moll … um im Kontext zu bleiben …, daß wir von Natur aus gar nicht so verblödet sein müssen, wie wir schon immer voranschreiten. Daß Gefahr in Verzug ist. Daß jetzt mal gut ist. Daß wir handelnde Wesen sind. Daß wir Dinge anders machen können.

    Oder anders. Wenn der Mensch ein von Hause aus ganz und gar nicht zuende definiertes, ein reizoffenes, und emphatisch allererst von der Berührung her bestimmtes Geschehen ist, dann haben wir das gute Recht, Gerechtigkeit einzuklagen. Nach Kant ! Es ist Zeit für Kant ! Es ist Zeit für den kategorischen Imperativ ! Keiner hat das Recht, den Planeten zu verwüsten ! Keiner hat das Recht, entlang imperialer Bombenkriege ganze Kulturen auszulöschen.
    Der Kapitalismus ist das Ende vom Lied. Auch das kann ein 14 Jähriger verstehen. Daß, wenn alle Zeitgenossen nur auf geldwerten Profit gebürstet sind, nachhaltiges Gut im Rennen um schnellen Gewinn nicht vorne liegen kann.

    Nicht die Rechten, die Glatzen mit der Keule, hauen uns aus der Bahn. Es sind die Ingenieure. Die die Dinge, die sie entdeckt oder erfunden haben, meistbietend an die erheblicheren Potentaten verhökern. Wenn sie sie nicht gleich in deren Auftrag erstellt haben.

    Herr Gerber ! Das machen nicht die 14 Jährigen ! Mich beängstigt eine ganz andere Alterskohorte ! Einstein und Konsorten ! Ich befürchte die Zauberlehrlinge ! Die Naturgewalten übertreiben. Können. Einer von denen reicht hin.

    Holger Strohm. Herr Jebsen hat auch den interviewt. Ich hab mir das Buch dazu gekauft. Seite 200 bin ich ausgestiegen. Weil ich in Physik nie gut war. Konnte ich das nicht wirklich zuende kapieren.
    Aber. Ich war mal Schachspartakiedesieger. In Potsdam. 1983. Der beklopptesten einer bin ich auch nicht.

    Ich glaube. Wir verstehen das nicht. Wir können das nicht glauben und nachvollziehen. Wie ohne Skrupel die geschichtsmächtigen Zeitgenossen unterwegs sind. Wie sie unter falscher Flagge schreiben und reden und singen lassen, was sie wollen. Wie sie lügen. Daß es so viel einfacher ist, Chaos zu inszenieren als Frieden zu stiften. Das macht mich als alten Spieler ein wenig ratlos.

    Aber. Egal. Das Leben fängt immer wieder an. Von vorne. Und weil die immer wieder jüngere Generation auch überleben will, muß sie sich mit dem Wahnsinn der vergangenen Generation auseinandersetzen.

    Herr Moll. Meinte. Meines Erachtens. Daß man nicht unbedingt und von Hause aus als Mensch den Planeten ruinieren muß. Muß man nicht. Steht nirgendwo geschrieben. Kann man anders machen. So was. Daß man sich durchaus auch auf s Friedlichste verständigen könnte. So was. Beispielsweise.

  8. Ein wirklich sehr schönes Gespräch! Vielen Dank an Gunther Moll, solche Menschen brauchen wir in der Kinderpsychiatrie!
    Es ist immer wichtig, wenn Kinder „Auffälligkeiten“ zeigen, die Eltern mit ins Boot zu holen, um die Kontexte zu analysieren.

    Es liegt niemals an den Kindern und Eltern können viel dafür tun, um in einer liebenden Beziehung mit ihren Kindern zu sein.

    Das unsere „Gesellschaft“ also wir Menschen, so eine kinderfeindlich Umgebung aufgebaut haben, liegt an den vielen Traumatisierungen, denen wir selbst als Kinder ausgeliefert waren.
    Hierzu möchte ich einen Artikel verlinken, der vor kurzem auf Rubikon erschienen ist:
    https://www.rubikon.news/artikel/wirklicher-frieden-setzt-heilung-voraus

    Wir müssen dringend etwas für unsere Kinder und Enkelkinder tun, Lebenswelten für sie schaffen, in denen sich ihre Potenziale voll entfalten können…
    Kinder sind „Potenzialbomben“, die sind Eroberer, Entdecker, Erfinder, Künstler…So ein kleiner Mensch ist ein regelrechtes Wunderwerk und es bricht mir jedes Mal das Herz, wenn ich mit erleben muss, wie sie schon sehr früh erzogen und verbogen werden, um in unsere krankes System zu passen.

    Das muss aufhören…und sehr viele Eltern fangen damit an. Es werden Schulen gegründet, wie z.B. in Berlin: https://www.startnext.com/apego-schule-berlin
    Solche Projekte sind „Macher-Projekte“ und davon brauchen wir ganz, ganz viele!

  9. Sehr schön gesagt:Einer muss anfangen, dann kommen immer ehr dazu.
    Doch um das nicht tun zu müssen, egal ob aus Schwäche, Angst, Unsicherheit,heißt es, jeder muss bei sich anfangen.
    So wird es nie zu eine Umbruch kommen! Ist der überhaupt gewollt?

    • Liebe Anette,
      wir müssen es wollen! Und ja, ich glaube, wir können es noch schaffen, wenn wir uns von der Destruktivität lösen und stattdessen in die Konstruktivität gehen…Klar muss jeder bei sich selbst anfangen…er muss den Willen dazu aufbringen!

      Und es fangen schon sehr viele an, denen können wir uns anschließen. Das Pax Terra Musica war ein wundervoller Anfang. Fangt an selbst zu gestalten in den Bereichen, wo ihr die Möglichkeiten habt, werdet kreativ. Erinnert Euch daran, wie ihr als kleine Kinder die Welt erobern wolltet…Diese Energie ist ja nicht weg, sondern nur „verschüttet“.

      Buddelt Euch daraus, auch wenn es vielleicht schmerzhaft ist, doch es ist nicht unmöglich!

    • Mamomi,
      ein schweres Unterfangen, vor allem in Zeiten wo die Kinder von ihren Eltern nicht betreut werden können.
      Damit meine ich die Schule!
      Lehrer oftmals desinteressiert, Kinder aus verwahrlostem Elternhaus, sich selbst überlassen und das in der Mehrheit, dass sogar die Lehrer auf geben, da haben die Kinder, die frei, dennoch sich geliebt fühlend, keine Chance.
      Und damit meine ich die Kinder , die eher 50€ in die Hand bekommen, natürlich immer auf Mode bedacht sind , denen ein Handy mehr wert ist ,als ein Klassenkamerad,
      Wollen will man schon, nur können ist hier die Frage?
      Das kann nur gelingen, wenn man sein Kind so hat aufwachsen lassen, dass ihm ein Haustier, die Natur allgemein, vor allem Freundinnen wichtiger erscheinen, als ein Mode-Label!
      Der Weg dorthin muss schon früh gegangen werden.

  10. Die Gespräche bei KenFM sind immer sehr lehrreich, sie erweitern den eigenen Horizont und tragen alle irgendwie zum Gesamtbild bei, das uns die Systemmedien schon lange nicht mehr vermitteln. Dabei spielt fast keine Rolle, ob man den Aussagen zustimmt oder nicht. Man muß sich sowieso stets eine eigene Meinung bilden, aber das ist eine Kunst, die dem Herdentrieb folgende Schlafschafe leider nicht beherrschen.

    Prof. Moll hat sicher recht, wenn er den Fraktionszwang als ein Grundübel unserer „Demokratie“ ansieht, die nichts weniger als eine Volksherrschaft ist. Eine „Volksherrschaft“ im wörtlichen Sinne kann es in einer größeren Gemeinschaft wohl kaum geben, aber ein Staat sollte zumindest dem ganzen Volke dienen und nicht vorrangig einer sogenannten „Elite“, die ihre vorgegaukelte „Demokratie“ wie einen zähen Schleim über alles legt. – Kann sein, daß eine Formaldemokratie gar nicht die geeignete Herrschaftsform ist, um jedem Menschen von Geburt an die gleichen Zukunftschancen zu bieten, soweit es denn überhaupt möglich wäre. Aber das soll hier nicht weiter ausgeführt werden.

    Überhaupt nicht zustimmen kann ich Prof. Moll bei dem Gedanken, Kinder an die Wahlurne und sogar ins Parlament zu bringen. Das würde bedeuten, die Fehlentwicklungen der letzten Jahrzehnte, vor allem im Erziehungswesen – Fehlen von ERZIEHUNG -, auf die absurde Spitze zu treiben. Wenn er glaubt, Kinder seien weniger manipulierbar und weniger anfällig für blöden Herdentrieb, dann ist er in meinen Augen hochgradig naiv, sogar gefährlich naiv. Das Ergebnis wäre eine Kindertyrannei bzw. eine Herrschaftsform, in der die Kinder in einer Weise mißbraucht werden, die sie gar nicht durchschauen können.

    In der Menschheitsgeschichte ist die natürliche Herrschaftsform das Gegenteil einer Kindertyrannei, nämlich ein Rat der Alten, Menschen mit Lebenserfahrung, ein „Senat“, wie er bei „Naturvölkern“ noch heute üblich ist. Wahrscheinlich tendiert ein Rat der Alten zu einer oligarchischen Bevorteilung der Oberschicht, aber ein weiser Rat, der das Ganze im Auge hat, tut das eben nicht. Man müßte eine Staatsorganisation finden, die uralte Lebensregeln mit Erfahrungen der letzten Jahrhunderte verbindet.

    • Für mich ist es immer wieder erschreckend, welche Bilder von Kindern in erwachsenen Menschen vorherrschen…
      Es wundert mich überhaupt nicht, dass unsere Gesellschaft so kinderfeindlich ist…puh!
      Kinder mit 14 Jahren, die nicht in das herrschende Bildungssystem gezwungen wurden, sondern sich frei entfalten konnten, so wie es Gunther Moll sich wünscht, wären sehr wohl in der Lage, diesen Wahnsinn, den wir „Alten“ angerichtet haben, wieder in ein Gleichgewicht zu bringen, wenn Sie eine gültige Stimme bekämen.

      Von Kindertyrannei kann nur jemand schreiben, der selbst keine Kinder ins erwachsene Leben begleitet hat und auch keine Enkelkinder hat.

      Die Erfahrungen der letzten Jahrhunderte haben genau diese Menschen geschaffen, die wir heute haben. Ich empfehle das Buch von Lloyd de Mause: Hört ihr die Kinder weinen – eine psychogenetische Geschichte der Kindheit.
      Dort heißt es: Die Geschichte der Kindheit gleicht einem Albtraum, aus dem wir gerade erst erwachen.

      Dass jeder selbst einmal ein Kind war, scheinen die Erwachsenen zu vergessen und auch, wie sie erzogen wurden…
      Heute gibt es junge Eltern, die sich ihrer selbst bewusst werden und somit auch in eine ganz andere Beziehung zu ihren Kinder gehen können: Es geht um BEziehung und nicht ERziehung.

    • Ich sehe keinen Alptraum, „aus dem wir gerade aufwachen“, sondern einen immer mehr ausufernden Wahnsinn. Wer meint, Kinder seien weniger manipulierbar als Erwachsene, ist ein Opfer dieses Wahns.

      Alle Versuche, einen „neuen Menschen“ zu erschaffen, führen zur Tyrannei der angeblichen Erneuerer, auch wenn sie ursprünglich die besten Absichten hatten. Es gibt keinen „neuen Menschen“ und keinen 14-jährigen Besserwisser, der die Welt in Ordnung bringen könnte. Der Mensch ist wie er ist, und nur im Rahmen seiner Stärken und Schwächen kann man vielleicht eine Organisationsform finden, die allen annähernd gleiche Chancen bietet. DAS ist die Lehre aus der Geschichte.

    • Lieber Wolfgang Gerber,
      dann setzen Sie sich doch dafür ein, ihren Möglichkeiten entsprechend, dass dieser Wahnsinn aufhört! Es geht nicht darum einen „neuen“ Menschen zu schaffen, das brauchen wir gar nicht, wir sind perfekt, so wie wir sind!
      Haben sie schon einmal kleine Kinder beobachtet, sind die Vater oder Großvater?
      Diese kleinen Wesen haben alles was sie brauchen und das haben wir auch, wenn wir uns von dem „Schrott“,der uns anerzogen wurde, befreien…und auf uns selbst besinnen!

      Das Leben beginnt mit der Zeugung, wir werden geprägt, von dem was unsere Mutter in der Schwangerschaft erlebt hat, wie unsere Geburt verlaufen ist und ob wir liebende und zugwandte Eltern hatten, die uns nicht einschränkten, sondern uns vor Gefahren bewahrten, uns Geborgenheit und Halt gaben…Die uns vertrauten und uns loslassen konnten, wenn wir eigene Schritte in die Autonomie wagten. Die uns Fehler machen ließen, die uns unseren eigenen Erfahrungsraum gaben und da waren, wenn wir sie brauchten. Die uns getröstet haben, wenn wir schmerzvolle Erfahrungen machten; die nicht besserwisserisch da standen und sagten: da habe ich dir doch gleich gesagt!

      Doch ich weiß nicht, ob Sie meinen Gedanken- und auch Erfahrungsansatz verstehen. weil wir möglicherweise in ganzen unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten beheimatet sind?

      Ich bin Mutter von zwei wunderbaren Kindern, die ich nie erzogen haben…die die Zwangverschulung „überlebt“ haben, weil sie immer meine Kinder waren und ich sie nie zu „Schülern“ machte.
      Inzwischen bin ich Großmutter von ebenso wunderbaren Zwillingsjungs, die zurzeit meine „Lehrmeister“ sind.

      Der Slogan meiner Tochter: Zwillinge wünscht man sich nicht, die bekommt man geschenkt!
      Und ja, diese beiden quicklebendigen inzwischen 4 1/2 jährigen Jungs, sind ein Geschenk für uns. Sie zeigen uns, wie Leben geht und ja, fordern uns auch…doch auf eine Art und Weise, die noch einmal neue „Verknüpfungen“ Gehirn ermöglichen 🙂

    • Ich stimme Wolfgang Gerber weitgehend zu, insbesondere was seine Bedenken bezüglich des Wahlrechts für Kinder betrifft.

      Wer nicht glaubt, wie tägliche Gehirnwäsche/Manipulation seitens der Mainstreammedien und der Werbeindustrie funktioniert, der schaue sich wenigstens an, wie Werbung bei Kindern funktioniert.

      Liebe Mamomi, haben sie schon mal versucht, Ihrem Kind/Enkel auszureden, die Markenartikel zu kaufen, die gerade in sind? Das war sinnlos bei meinen Söhnen und ist so bei meinen Enkeln.

      Nur nebenbei: Die Wahlberechtigten ab 18 haben es beispielsweise geschafft, die Werbung für Tabak für Erwachsene einzuschränken. Toll! So gehirngewaschen, daß sie vergessen haben, das Verbot jeglicher Werbung, die sich an Kinder richtet, zu fordern.

      Insofern sehe ich auch einen immer mehr ausufernden Wahnsinn!

    • Ich verstehe nicht, was Ihre Ausführungen damit zu tun haben, Kinder in der Politik verheizen zu wollen und davon etwas Gutes zu erwarten. Wir sind schon von lauter erwachsenen Schlafschafen umgeben, die in jede Richtung manipulierbar sind. Für die Einsicht, daß Kinder noch viel stärker manipulierbar sind, braucht man keine besondere Ausbildung, es genügt der gesunde Menschenverstand. Ihre Kinder mögen ja besonders fabelhaft sein, aber die meisten Kinder starren nur noch manipuliert und verblödet in ihr dämliches Smartphone. Wie unten schon jemand schrieb, die anderen würden auf jeden Fall ihre Kinder mobilisieren; die sind auch fabelhaft, dienen dann aber leider ganz anderen Interessen.

      Ich würde das Wahlalter eher heraufsetzen, wenn ich nicht davon ausginge, daß Wahlen so gut wie nichts verändern.

    • Wir, die Eltern wollen manchmal unsere Kinder sehen , wie wir sie uns vor stellen…ein enormer Trugschluss. Beispiel..Meine Tochter, so ich meiner Freundin gegenüber sagend, wehrt sich nie, lässt sich alles gefallen…
      Sie:Das stimmt nicht, du guckst nur nicht hin.
      Ich…wann soll das anders gewesen sein…?Sie :Jetzt, deh ´dich um, wir saßen im Wohnzimmer.
      Ich traute meinen Augen nicht, mein Kind auf dem Bauch sitzend eines anderen Mädchen, schimpfend wie ein Rohrspatz, das war mir eine Lehre für´s Leben.Sie war 4 Jahre alt…
      Ab dem Zeitpunkt drehte ich den Spieß um, kaufte ein Haustelefon und spielte Mutter und Kind…ich war ihre Tochter.
      Was dabei raus kam, der Tonfall, die Aussagen…ich wiederhole sie lieber nicht.
      Das wiederholten wir in unregelmäßigen Abständen.Was ich dabei lernte war, ich sah mein Kind und mich ganz anders…, viel besser, lieber…:-)
      Deshalb bin ich sehr vorsichtig damit, wenn Eltern, Großeltern Kinder, Enkel bewerten!

  11. sehr beeindruckende Innenansichten.
    Jeder weiß, dass der Export-Weltmeister D vom starren Eurosystem profitiert. Export-Waren und nationale Löhne sind um 31% zu niedrig – im Vergleich zur Eurozone.
    Die „EU-Nehmerländer“ darben deshalb mit bis zu 50% Arbeitslosigkeit, was das Hamsterrad weiter beflügelt.

    Mit billigem Humankapital läuft der Wettbewerb – ein wichtiger Biobrennstoff der marktkonformen Demokratie.
    Wenn also der Staat nicht in die Tarifautonomie eingreifen darf, so könnte er aber festsetzen, dass nicht 40 Stunden Lebens-Vollzeit gearbeitet werden soll, sondern entsprechend um 31% reduziert – also nur 28 Stunden pro Woche.
    Natürlich bei vollem Lohnausgleich.

    Die Festsetzung der max. Arbeitszeit durch ein starkes EU-Parlament – wäre
    a)
    das einzige Regularium in der Eurozone, wie man ein faires Wirtschaften innerhalb des starren Eurosystems mit unterschiedlicher nationaler Wirtschaftskraft erreichen würde.

    b)
    Der ökonomische Zwang im Spar-Wettbewerb nach Unten wäre beendet. Ein Länderfinanzausgleich findet mittels realer Arbeitszeit statt.

    c)
    Lohnabhängige kämen wieder zu sich und könnten neben ihrer 28 Std-Arbeit ihren wirklichen Interessen nachgehen. Womöglich sind das ihre eigenen Kinder, denen sie u.a. spätere Psychotherapie-Kosten ersparen.

    d)
    es gäbe die Möglichkeit eines evolutionären Übergangs von der harten Realität in eine neue „utopische postkapitalistische Gesellschaft“
    Maschinen produzieren Maschinen, Freizeit entsteht die man jetzt mit den eigenen Kindern verbringen kann, Gemeinschaft im Netz arbeitet das ab, was noch anfällt und die neue Gesellschaft verordnet sich eine faire neue Geldordnung.

    Stattdessen arbeitet man 40 Std. Lebens-Vollzeit für fiktive Forderungen auf Target 2 Konten bei der EZB, also sogenanntes „Geld“, das man sowieso abschreiben kann – statt sich um die eigenen Kinder kümmern zu können.

    https://www.bundesbank.de/Navigation/DE/Aufgaben/Unbarer_Zahlungsverkehr/TARGET2/TARGET2_Saldo/target2_saldo.html

    aktuelle Forderungen der Bundesbank an EZB aus TARGET2:
    Betrag: 860.763.854.658,11 Euro
    (Stand: 30. Juni 2017)

    Da frag ich mich nach dem Motiv – und fand kürzlich ein Zitat v Friedrich Nietsche 1844-1900, hier der Link zur Uni Frankfurt:

    Gefahr im Reichtum. –

    „…Nur wer Geist hat, sollte Besitz haben: sonst ist der Besitz gemeingefährlich.

    Der Besitzende nämlich, der von der freien Zeit, welche der Besitz ihm gewähren könnte, keinen Gebrauch zu machen versteht, wird immer fortfahren, nach Besitz zu streben:
    dieses Streben wird seine Unterhaltung, seine Kriegslist im Kampf mit der Langeweile sein.
    So entsteht zuletzt, aus mäßigem Besitz, welcher dem Geistigen genügen würde, der eigentliche Reichtum: und zwar[846] als das gleißende Ergebnis geistiger Unselbständigkeit und Armuth….“

    Die geistige Armut wird dann zwangsläufig an die Kinder weitergegeben. Sehr einleuchtend, die Erkenntnis von 1879.

  12. Zitat von oben: „Er will, dass die Opfer dieser Politik, Kinder, endlich zu Wort kommen: „Wenn erst einmal ein paar 14-Jährige im Bundestag sitzen, dann wird unsere Demokratie erst lebendig“.“

    Was fuer ein deprimierender Unsinn. Man koennte meinen, dass Politik heutzutage schon so infantilisiert ist, dass es da kaum mehr einen Unterschied macht — aber mit Kinderwahlrecht und derartigem Unsinn wuerde dieses dann die Norm (man kann nicht mehr auf Vernunft etc. zumindest verweisen — bloss das „Gefuehl“ bleibt).

    Ist dem Mann noch nicht aufgegangen, dass wohl jeder Krieg mit „Kindern“ motiviert wird? Er glaubt wohl, dass nur „seine Kinder“ eingesetzt werden, aber die anderen werden nachziehen, keine Angst. Dann gibt es nur noch Furcht und Manipulation. Man erinnere sich doch z.B. an „syrische Kinder“.

    Er stellt sich die Welt wohl als Dorf vor.

  13. Leider sagen Feministen immer wieder das Kirche, Küchen und Kinder Frauen in eine minderwertige Position halt.
    Mehr Frauen müssen in führende Positionen.
    Meine Frau, als Kind, erfuhr was es ist keine gute Mutter zu haben.
    Wenn sie schwanger wurde von unseren Ersten gab sie ihren sehr interessante Job auf.
    Als die Kinder etwa fünfzehn waren war es schwierig wieder Arbeit zu finden, aber es gelang.
    Unsere Kinder haben und hatten keine besondere Probleme.

    • Hallo Pieter Kamp!
      Schade, dass du in deinem Kommentar nicht erwähnt hast, welche Rolle der Vater deiner Frau für sie gespielt hat, bzw. welche Rolle du, als Vater für eure Kinder spielst. Eben auch ein Problem für Feministen (wie mich ;)), dass das so oft, weil nicht erwähnt, bedeutungslos erscheint und die Verantwortung für die Kinder, in der Wahrnehmung der Menschen fast nur, oder sogar ausschließlich, bei den Müttern liegt.
      P.s.: Die 3Ks waren früher Kinder, Küche, Kirche. Heute ist es Kinder, Küche, Kapitalismus.

      Sonnige Grüße,
      Christin

    • Schon länger beantragen Frauen die Scheidung…die Rolle das Vater ist dann bescheiden….was vorher geschah?
      Es ist schade das auch dieses Thema verallgemeinert aus fällt, denn so wie es versagende Väter gibt, stehen auch viele Mütter ihnen nichts nach!
      Ich bin altbacken, keine Feministin

    • Christin
      leider hatte meine Frau auch kein guten Vater.
      Ihre Jugend war unglücklich, das wollte sie vermeiden für die Kinder.
      Ob ich ein guter Vater war, meine Frau sagt das ich viel tat mit unsere Kinder.
      Aber mein Beruf liess mich, wenn ich zurück blicke, doch zu wenig Zeit.
      Ich ging weg als alle noch in Bett waren, viertel nach sieben, und war halb nach sechs zurück, müde.
      Am Wochenende hatte ich Zeit.

    • Annette,
      meine erste Frau ging weg, unser Kind war damals fünf, ich sah sie nur einmal in die drei Wochen, ein Wochenende.
      Mit die Erziehung hatte ich leider fast nichts zu tun.
      Sie ist jetzt mitte vierzig, habe ein gutes Verhältnis, und bin sehr froh das sie ihre Halbschwester seht wie Schwester, und meine Frau als gute Freundin.
      Die Enkelkinder sind heutige Kinder, haben vier Grossväter und vier Grossmutter, die älteste beginnt zu verstehen wie es so gekommen ist.

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