Hallo, frustrierte Mittelschicht

Von Susan Bonath.

Tagein, tagaus höre ich euch Mittelschichtler jammern. Ihr tragt die gesellschaftliche Hauptlast. Von euren mühsam erschufteten Einkommen müsst ihr längst weit mehr als »den Zehnten« abdrücken. Ihr finanziert das Militär, die Polizei, die Politiker, die Kriege, die ausgeuferten Bürokratenapparate, … Ach nein, um dieses Dilemma geht es den meisten von euch nicht. Euer Hauptproblem kotzt ihr in die Onlineforen und die verrauchte Luft der Kneipenstammtische: Es ist die wachsende Unterschicht.

Ja, liebe Mittelschichtler, man zweigt von euch auch die Kohle ab, um das wachsende Elend zu finanzieren. Und wenn ich in die Kommentarspalten der Zeitungen schaue, habt ihr sogar »Lösungen« parat. Und die sehen dann so aus: »Hartz IV nur noch ein Jahr, dann gar nix mehr. Sollen die ihren Arsch bewegen.« Oder: »Sofort raus mit dem schmarotzenden Rumänenpack!« und auch: »Arbeitslager für faule Schweine und Asylanten wären ein Programm.« Das ist also eure »Endlösung«. Ihr predigt den Faschismus.

Ich will euch nicht mal absprechen, frustriert zu sein. Jeder kleine Selbständige ist zurecht sauer, wenn ihm von einem Monatsgewinn von 1.300 Euro nach Abzug von Steuern, Beiträgen für Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung keine 500 Euro zum Leben bleiben. Jeder Arbeiter mit einem Monatsbrutto unter zweieinhalbtausend Euro hat ganz klar die Arschkarte. Und ihr jammert weiter: 60 Stunden jede Woche malocht ihr, seht eure Kinder kaum und täglich um fünf Uhr morgens klingelt euer Wecker. Ich kenne das.

Aber was ich nicht verstehe: Warum seid ihr so grausam? Warum wehrt ihr euch nicht gegen die Ursache? Gegen das Schonprogramm für die leistungslos Reichen, die sich das Gros eurer hart erarbeiteten Abgaben einstecken? Ihr habt sie doch sicher schon gesehen: Die Luxusjachten in griechischen Häfen, die Prachtvillen in Südspanien, die lächelnden Gesichter von deren Besitzern auf den Titelseiten der Illustrierten. Würde das Geld dieser Multimillionäre und Milliardäre vernünftig verteilt, müssten von euren Steuergeldern keine armen Schlucker durchgefüttert werden. Dann müsstet ihr viel weniger arbeiten, denn die Arbeit könnte gerecht auf alle aufgeteilt werden. Niemand würde Lebensmittel verbrennen, um die Preise oben zu halten. Kein Kind müsste verhungern. Kein Obdachloser draußen schlafen. Kein Haus müsste leer stehen und verrotten. Also ihr Mittelschichtler: Warum seid ihr so grausam?

Aber ihr wollt keine Antworten, die drastische Konsequenzen verlangen. Ihr wollt nach unten treten. Als Opfer fühlt man sich scheiße. Dabei wisst ihr, dass längst auch ihr mit einem Bein im Abgrund steht. Ihr redet euch ein, ihr könntet euch immer weiter optimieren, noch ein bisschen tiefer buckeln vor der Obrigkeit, noch etwas freundlicher lächeln – obgleich euch überhaupt nicht danach zumute ist.

Und ihr hasst es einfach, auf dem Weg in euer Büro Pennern begegnen zu müssen. Schmutzige Menschen, alte und junge, manchmal sogar Kinder, eingerollt in Schlafsäcken auf Pappkartons – bei drei Grad unter Null. Ihr denkt, die sollen ihren Arsch bewegen, ohne euch zu fragen, ob ihr den euren unter diesen Umständen noch einen Zentimeter weit bewegen könntet. Ihr fragt nicht: Wer oder was hat diese Menschen dorthin getrieben? Glaubt ihr im Ernst, eine Roma-Mutter sitzt freiwillig bei Nässe und Kälte in der Berliner Friedrichstraße herum, um zu betteln? Was würde ihr und ihren Kindern geschehen, wenn sie nach Rumänien oder Serbien zurückmüsste? Auch dort müsste sie betteln, um ihre Kinder irgendwie zu ernähren, weil Roma überall die schlechtesten Chancen haben. Warum habt ihr kein Mitgefühl?

Schon klar, ihr habt Panik. Weil euer Kredit euch aufzufressen droht. Weil ihr Inhaber eines sicheren Arbeitsplatzes immer weniger werdet. Logisch, die sicheren Jobs werden weniger. Ihr seid sauer, weil ihr im Hamsterrad tretet und tretet, um euer Einfamilienhäuschen inklusive Zinsen und Zinseszinsen abzuzahlen. Und weil ihr dieses Hamsterrad so abgrundtief hasst. Wer hasst es nicht!

Doch immerhin: Ihr dürft euch mit Erlaubnis der Kapitalbesitzer als »Leistungsträger« fühlen. Man erzählt euch, ihr seid besser, weil ihr so fleißig tretet und ihr glaubt es. Man erklärt euch, all jene, die der »heilige Arbeitsmarkt« nicht mehr braucht, seien faule Nichtsnutze, und ihr glaubt es. Man predigt euch, jede Arbeit, selbst die schädlichste, sei sinnvoller als keine. Auch das glaubt ihr bereitwillig. Und morgen befolgt ihr in euren Behörden, an euren Schreibtischen, in euren Firmenbüros, an euren Maschinen wieder die Dienstanweisungen eurer Herren. Acht Stunden am Stück. Oder zehn. Klar, ein solches Leben ist kacke.

Ihr Mittelschichtler, habt ihr eigentlich schon mal eine Fabrik von vor dreißig Jahren mit einer Produktionshalle von heute verglichen? Ich kenne eine, da arbeiteten 1986 noch an die 1.000 Beschäftigte. Heute stehen dort drei Mann an großen Kästen mit bunten Schaltern. Drei weitere drücken Knöpfe am Fließband. Von diesem Fließband allerdings heben Roboter wohl 100 mal mehr Produkte pro Tag, als es vor dreißig Jahren fleißige Hände taten.

Erkennt ihr das Problem? Heute zahlen nur noch sechs Mann Steuern und Rentenbeiträge – damals waren es an die 1.000. So ähnlich sieht es in fast allen Produktionsstätten aus. Was tun die restlichen 994 Leute aus dieser Fabrik heute, oder besser: Die Hunderttausenden Freigesetzten aus allen Fabriken? Sitzen sie im Callcenter, um Omas mit kleinen Renten unsinnige Zeitungsabos aufzuschwatzen? Oder drücken sie ahnungslosen Mittelschichtlern Aktien aufs Auge, damit diese an der Arbeit verdienen können, die andere hart arbeitende Mittelschichtler nicht entlohnt bekommen? Oder sind sie erwerbslos, weil sie plötzlich faul geworden sind? Vielleicht sitzen sie ja auch in Jobcentern und sanktionieren ehemalige Mittelschichtlern das Essen und die Wohnung weg, weil die nicht als Leiharbeiter enden wollten. Merkt ihr was? Die Sache hat einen Haken. Ihr pisst die Falschen an!

Und dabei steht ihr da, ungläubig und voller Hass blickt ihr auf die Verelendeten. Plötzlich kampieren auch in eurer Stadt ost- und südeuropäische Tagelöhner zusammen mit deutschen Abgehängten in Abrisshäusern. In Griechenland liegt die offizielle Arbeitslosenquote bei 25 Prozent. Wohlgemerkt: Die offizielle! In ganz Europa sind mehr Menschen erwerbslos, als auf deutschem Boden leben. In vielen Ländern gibt’s nicht mal Sozialhilfe für sie. Versteht ihr? Die haben zwei Möglichkeiten: Entweder sie geben sich dem Hunger- oder Kältetod hin. Oder sie beschaffen das Notwendigste zum Leben auf andere Weise. Was würdet ihr tun, wärt ihr selbst betroffen? Ihr glaubt, das könne nicht passieren? Da irrt ihr euch. Ein Unfall, eine schwere Krankheit kann jeden treffen. Und wenn euch danach keiner mehr einstellen will? Ihr wisst, was euch dann blüht. Eure »Lösungen« sollten euch spätestens dann im Halse stecken bleiben.

Wisst ihr nicht, dass die Kapitalbesitzer von verarmten Erwerbslosen profitieren? Das sind all die Menschen, denen sie keine Löhne mehr zahlen müssen, weil sie sie nicht mehr brauchen. Und weil ihr alle Angst habt, auch dort zu landen, drücken sie auch eure Gehälter – und ihre Profite wachsen weiter. Ihr kleinen Selbständigen müsst eure Produkte für immer weniger verschleudern. Denn die großen Konzerne beherrschen längst euren Markt. Doch selbst die kriegen irgendwann Probleme: Wenn nämlich ihr als Konsumenten wegfallt. Doch ich befürchte, die werden sich auch einen Scheißdreck um euch scheren. Sie werden sich die Welt aufteilen und weiter herrschen. Dann werden sie euch als Nichtsnutze bezeichnen.

Auch ich stehe jeden morgen meist noch vor fünf auf, um meine Brötchen, meine Miete, mein Wasser, meinen Strom, mein Internet… bezahlen zu können. Um meine Familie zu ernähren. Wir brauchen alle Geld. Ohne Moos kriegt man nicht mal ein schimmeliges Brot. Ihr habt vielleicht gelesen, dass »containern« in den Mülltonnen der Supermärkte verboten ist. Aber kein Erwerbsloser, kein Roma, kein Bulgare, kein Flüchtling hat dazu beigetragen, dass ich so viel arbeiten muss. Ich weiß, wer mich abzockt: Die verschonten Reichen, die Millionen- und Milliardenerben, die Bänker, die Immobilienhaie, die Finanziers, die Investoren. Das wisst ihr auch. Nur ist nach unten treten sehr viel leichter.

Und so fange ich an, euch zu hassen. Ihr in euren Reihenhäuschen, mit euren heißgeliebten und zu Tode gehassten Jobs. Ihr Bürokraten, ihr Wertpapierverkäufer, die ihr kürzlich euch am Elend der EU-Ausländer erfreutet, als Springer und Co. berichteten, dass sie keine Sozialhilfe mehr erhalten sollen. »Richtig so!«, schriet ihr. Und Schlimmeres. So wir ihr unter jeden Hartz-IV-Artikel kotzt, dass man doch sortieren müsse. In »Arbeitswillige« und »Faulpelze«. Und die Arbeitswilligen? Die könnten eurer Meinung nach auch im Steinbruch schuften für einen Teller Suppe und ein Stück Brot am Tag. Wer das nicht will, soll verhungern. Nur bitte nicht direkt vor euren Augen. Doch ihr werdet dabei sein, wenn es euch oder eure Kinder trifft.

Mir wird übel, wenn ich eure Kommentare lese. Wenn ich euch auf der Straße hetzen höre, wird mir angst und bange. Dann weiß ich: Mit euch wird ein zweites, drittes, viertes Auschwitz möglich sein. Mit euch, die ihr imperialistische Kriege duldet und Waffenlieferungen ohne Ende – zum Beispiel in den Jemen, wo gerade täglich Menschen, vor allem Kinder verhungern. Wo Krieg ist, hat kein Supermarkt offen. Wo Krieg ist, wird kein Getreide angebaut. Und für jede Hilfslieferung bezahlt ihr auch. Und die Rüstungskonzerne verdienen sich dumm und dämlich. Das toleriert ihr. Ihr habt ja noch die Opfer, die ihr hassen könnt.

Ich bin überzeugt: Ihr »braven Bürger« werdet eines Tages ungerührt Statistiken Verhungerter und Erfrorener verfassen. Denn ihr seid die fleißigen Untertanen. Eure Empathie, euer Mitgefühl, eure Menschlichkeit habt ihr dem Mammon geopfert. Eure Mittelklassewagen haben hohe Preise. Ihr seid nicht bereit, auch nur drei Zentimeter über euren Gartenzaun hinauszudenken. Dafür verachte ich euch.

Danke an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

44 Kommentare zu: “Hallo, frustrierte Mittelschicht

  1. Mir wird übel, wenn ich mich auf die energetisch-emotionale Gestimmtheit der Autorin einfühle.

    Der Abscheu, den Sie der Mittelschicht unterstellen, bewegt Sie selbst. Selten so viel Fäkalsprache in einem kurzen Artikel gelesen. Bitte verschonen Sie uns mit ihrem Müll, der im Gewand der aufgeklärten Nächstenliebe daherkommt.

  2. Ja so ist es, genau diese Besserverdienerschicht(Mittelschicht) ist es auch die die Massenmigration fordert und dadurch aus Deutschland ein Niedriglohnland macht und die Unterschicht massiv angreift. Da ihr Besitz oder ihre Jobs nicht gefährdet sind haben sie auch kein Problem damit. Hauptsache die arbeitende Bevölkerung muss sich um die Job zerfleischen und der Lohn kann immer weiter gedrückt werden. Mich kotzt diese Mittelschicht die da auch vor der russischen Botschaft in Berlin demonstriert auch an.

  3. Der Artikel ist aus emotionaler Sicht ansatzweise verständlich, aber überhaupt nicht hilfreich. Unterschicht hasst Mittelschicht, links hasst rechts – und umgekehrt. Die nur so genannte Elite – ich bevorzuge Kapital-Inzucht – freut sich darüber. Wie wollen wir denn die zwei Haupt-Prioritäten dieser Zeit in unser Staatswesen bekommen, wenn wir solche Diskussionen vom Zaun brechen?
    Zur Erinnerung: 1. Reiche enteignen, d.h. 100% Vermögenssteuer oberhalb 10 Millionen, und generell 100% Erbschaftssteuer. 2. Kompletter Gewaltverzicht, d.h .raus aus der NATO und Rüstungsstopp. Das hat nichts mit Hass zu tun und keiner muss verhungern. Davon kann man Rente, Sozialreform und Energiewende bezahlen. In Ihrer Welt, Frau Bonath, wird nur alles immer schlimmer. Ich will eine komplett andere, nämlich diese Diskussion führen. Meinetwegen streiten wir noch über Freibeträge, aber die grundsätzliche Richtung muss stimmen. Im momentan tobenden Krieg „Reich gegen Arm“ schwächen Sie mit Ihrer Argumentation die Falschen, nämlich uns Arme. Wir sind 99%. Wir müssen uns nur einigen. Schreiben Sie dafür, statt für das Gegenteil.

  4. Aufrüttelndes Schreiben, nur leider an die falsche Adresse:

    Von Susan Bonath.
    Tagein, tagaus höre ich euch Mittelschichtler jammern. Ihr tragt die gesellschaftliche Hauptlast. Von euren mühsam erschufteten Einkommen müsst ihr längst weit mehr als »den Zehnten« abdrücken. Ihr finanziert das Militär, die Polizei, die Politiker, die Kriege, die ausgeuferten Bürokratenapparate, … Ach nein, um dieses Dilemma geht es den meisten von euch nicht. Euer Hauptproblem kotzt ihr in die Onlineforen und die verrauchte Luft der Kneipenstammtische: Es ist die wachsende Unterschicht.

    Dem ersten Teil stimme ich zu, die Mittelschicht trägt wohl die Hauptlast.
    Was ich aber bis jetzt nicht feststellen kann, dass die Mittelschicht jammert. Auch erlebe ich sie weder in Onlineforen
    noch an Kneipenstammtischen ihren Unmut über die wachsende Unterschicht auskotzen.

    Ja, liebe Mittelschichtler, man zweigt von euch auch die Kohle ab, um das wachsende Elend zu finanzieren. Und wenn ich in die Kommentarspalten der Zeitungen schaue, habt ihr sogar »Lösungen« parat. Und die sehen dann so aus: »Hartz IV nur noch ein Jahr, dann gar nix mehr. Sollen die ihren Arsch bewegen.« Oder: »Sofort raus mit dem schmarotzenden Rumänenpack!« und auch: »Arbeitslager für faule Schweine und Asylanten wären ein Programm.« Das ist also eure »Endlösung«. Ihr predigt den Faschismus.

    Das wachsende Elend scheint ja tatsächlich ein Thema zu sein,
    das den normal arbeitenden Menschen Heute bewegt.
    Was nun den Mittelschichtler angeht, und darunter verstehe ich
    Ärzte, Rechtsanwälte, Mitelständische Privatunternehmer,
    Beamte, sehe ich auch bei diesen Menschen eine Sorge, dass die Gesellschaft auseinander treibt.
    Ein Besitztum wahren, und Ausgrenzen ist doch eher selten zu hören. Im Gegenteil, die Beschimpfungen vom schmarotzenden Rumänen, von Hartz 4 Empfängern in der sozialen Hängematte,
    höre ich eher aus der Ecke, die eigentlich betroffen ist.

    Ich will euch nicht mal absprechen, frustriert zu sein. Jeder kleine Selbständige ist zurecht sauer, wenn ihm von einem Monatsgewinn von 1.300 Euro nach Abzug von Steuern, Beiträgen für Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung keine 500 Euro zum Leben bleiben. Jeder Arbeiter mit einem Monatsbrutto unter zweieinhalbtausend Euro hat ganz klar die Arschkarte. Und ihr jammert weiter: 60 Stunden jede Woche malocht ihr, seht eure Kinder kaum und täglich um fünf Uhr morgens klingelt euer Wecker. Ich kenne das.

    Hier sehe ich auch ein großes Problem, da ja diese Menschen sich nicht auf den Staat verlassen,
    sondern sich selber helfen wollen. Leider wird diese Eigeninitiative eher bestraft als gefördert.
    Allerdings sind diese Menschen wohl eher nicht der Mittelschicht zuzurechnen.

    Aber was ich nicht verstehe: Warum seid ihr so grausam? Warum wehrt ihr euch nicht gegen die Ursache? Gegen das Schonprogramm für die leistungslos Reichen, die sich das Gros eurer hart erarbeiteten Abgaben einstecken? Ihr habt sie doch sicher schon gesehen: Die Luxusjachten in griechischen Häfen, die Prachtvillen in Südspanien, die lächelnden Gesichter von deren Besitzern auf den Titelseiten der Illustrierten.

    Die Forderung könnte man ja jedem Unterschichtler ebenso stellen,
    und in der Regel fangen ja auch die Unterschichten zu rebellieren an.
    Der Aufruf, „mach kaputt was euch kaputt mach, nach Rio Reiser“ Betrifft jeden,
    der in diesem System nicht mehr leben will.

    Würde das Geld dieser Multimillionäre und Milliardäre vernünftig verteilt, müssten von euren Steuergeldern keine armen Schlucker durchgefüttert werden. Dann müsstet ihr viel weniger arbeiten, denn die Arbeit könnte gerecht auf alle aufgeteilt werden. Niemand würde Lebensmittel verbrennen, um die Preise oben zu halten. Kein Kind müsste verhungern. Kein Obdachloser draußen schlafen. Kein Haus müsste leer stehen und verrotten. Also ihr Mittelschichtler: Warum seid ihr so grausam?

    Stimmt, aber warum ist in diesem Fall die Mittelschicht grausam,
    das ist doch eher eine Oberschicht, die diese System antreibt.
    Die sind doch die Grausamen, welche wegschauen und in ihren goldenen Gettos leben.

    Aber ihr wollt keine Antworten, die drastische Konsequenzen verlangen. Ihr wollt nach unten treten. Als Opfer fühlt man sich scheiße. Dabei wisst ihr, dass längst auch ihr mit einem Bein im Abgrund steht. Ihr redet euch ein, ihr könntet euch immer weiter optimieren, noch ein bisschen tiefer buckeln vor der Obrigkeit, noch etwas freundlicher lächeln – obgleich euch überhaupt nicht danach zumute ist.

    Das verhalten einzelner Menschen, auf der Karriereleiter voran zu kommen, ist Geschmaksschache,
    aber trifft nicht grundsätzlich zu. Da tun sie den Menschen Unrecht.
    Schließlich gehen noch immer 50 % zu Wahlen, in der Hoffnung auf Verbesserung der Verhältnisse.
    Auch spürt man eine starke Empathie wenn Not am Mann ist.
    Ob Hochwasser oder Tsunami, die Menschen spenden und sind in der Regel erst mal hilfsbereit.

    Und ihr hasst es einfach, auf dem Weg in euer Büro Pennern begegnen zu müssen. Schmutzige Menschen, alte und junge, manchmal sogar Kinder, eingerollt in Schlafsäcken auf Pappkartons – bei drei Grad unter Null. Ihr denkt, die sollen ihren Arsch bewegen, ohne euch zu fragen, ob ihr den euren unter diesen Umständen noch einen Zentimeter weit bewegen könntet.

    Von Hass kann ,zu mindest bei mir, keine Rede sein,
    aber ein Befremden darüber, dass man durch betteln seinen Erwerb bestreitet, ist vorhanden.
    Zumal bei 3 Grad Kälte ich mir diesen Lebensunterhalt beschwerlich vorstelle.
    Da müsste das Selbstwertgefühl schon weit im Keller sein, um mich dieser Demütigung auszusetzen.

    Ihr fragt nicht: Wer oder was hat diese Menschen dorthin getrieben? Glaubt ihr im Ernst, eine Roma-Mutter sitzt freiwillig bei Nässe und Kälte in der Berliner Friedrichstraße herum, um zu betteln? Was würde ihr und ihren Kindern geschehen, wenn sie nach Rumänien oder Serbien zurückmüsste? Auch dort müsste sie betteln, um ihre Kinder irgendwie zu ernähren, weil Roma überall die schlechtesten Chancen haben. Warum habt ihr kein Mitgefühl?

    Hier muß ich dann doch polemisch fragen, was hält einen Menschen in einer Ethnischen Gruppe,
    wenn diese Gruppe sich nicht selbst versorgen und organisieren kann.
    Es gibt sicher viele Roma, die sich nicht durch einen Clanführer dazu verpflichten lassen,
    setze dich an den Hauptbahnhof und halt die Hand auf.
    Das scheint mir nicht unbedingt ein Armutsproblem unserer Gesellschaft zu sein,
    und die Mittelschicht hat das sicher nicht verursacht.

    Schon klar, ihr habt Panik. Weil euer Kredit euch aufzufressen droht. Weil ihr Inhaber eines sicheren Arbeitsplatzes immer weniger werdet. Logisch, die sicheren Jobs werden weniger. Ihr seid sauer, weil ihr im Hamsterrad tretet und tretet, um euer Einfamilienhäuschen inklusive Zinsen und Zinseszinsen abzuzahlen. Und weil ihr dieses Hamsterrad so abgrundtief hasst. Wer hasst es nicht!

    Klar, dass ich lieber Lottomillionär währe, und das es mir stinkt zu arbeiten,
    und sicher haben einige Menschen sich finanziell übernommen,
    da sie den Verlockungen einer Werbemaschine nicht widerstehen konnten.
    Auch klar, das einige unverschuldet durch Krankheit ihren Lebensstandart nicht halten können,
    Aber auch hier erkenne ich nicht, wo das Problem liegt.
    Man kann ja die Veranlagung des Menschen nach Streben nicht abschaffen.
    Warum kämpft dann der Unterprivilegierte überhaupt ums Überleben,
    wenn nur die Vernunft sich durchsetzt, würden wir besser alle vom Balkon springen. Dann wäre das Problem gelöst.

    Doch immerhin: Ihr dürft euch mit Erlaubnis der Kapitalbesitzer als »Leistungsträger« fühlen. Man erzählt euch, ihr seid besser, weil ihr so fleißig tretet und ihr glaubt es. Man erklärt euch, all jene, die der »heilige Arbeitsmarkt« nicht mehr braucht, seien faule Nichtsnutze, und ihr glaubt es. Man predigt euch, jede Arbeit, selbst die schädlichste, sei sinnvoller als keine. Auch das glaubt ihr bereitwillig. Und morgen befolgt ihr in euren Behörden, an euren Schreibtischen, in euren Firmenbüros, an euren Maschinen wieder die Dienstanweisungen eurer Herren. Acht Stunden am Stück. Oder zehn. Klar, ein solches Leben ist kacke.

    Ob wir Mittelschichtler, wie gesagt, Ärzte,Rechtsanwälte…. Morgens wider an unsere Maschinen gehen,
    und für für den Kapitalbesitzer die Drecksarbeit machen, buckeln und treten,
    und wirklich glauben, dass jede Arbeit gut ist, auch wenn man davon nicht leben kann… glaube ich nicht.
    Aber ich sehe diesen Satz auch eher als Aufschrei, über unser Arbeitszustände.

    Ihr Mittelschichtler, habt ihr eigentlich schon mal eine Fabrik von vor dreißig Jahren mit einer Produktionshalle von heute verglichen? Ich kenne eine, da arbeiteten 1986 noch an die 1.000 Beschäftigte. Heute stehen dort drei Mann an großen Kästen mit bunten Schaltern. Drei weitere drücken Knöpfe am Fließband. Von diesem Fließband allerdings heben Roboter wohl 100 mal mehr Produkte pro Tag, als es vor dreißig Jahren fleißige Hände taten.

    Stimmt und ist sicher ein Problem. Unter Adolf wurde dafür der Arbeitsdienst eingeführt.
    Ist ja auch keine Lösung. Maschinensteuer wurde schon des öfteren angedacht,
    In Angelsächsischn Ländern, wird bewusst auf Montagetechniken verzichtet,
    die den Montageablauf vereinfachen. Nur um Menschen in Arbeit zu halten.
    Da müssen Lösungen gefunden werden, da Autos keine Autos kaufen.

    Erkennt ihr das Problem? Heute zahlen nur noch sechs Mann Steuern und Rentenbeiträge – damals waren es an die 1.000. So ähnlich sieht es in fast allen Produktionsstätten aus. Was tun die restlichen 994 Leute aus dieser Fabrik heute, oder besser: Die Hunderttausenden Freigesetzten aus allen Fabriken? Sitzen sie im Callcenter, um Omas mit kleinen Renten unsinnige Zeitungsabos aufzuschwatzen? Oder drücken sie ahnungslosen Mittelschichtlern Aktien aufs Auge, damit diese an der Arbeit verdienen können, die andere hart arbeitende Mittelschichtler nicht entlohnt bekommen? Oder sind sie erwerbslos, weil sie plötzlich faul geworden sind? Vielleicht sitzen sie ja auch in Jobcentern und sanktionieren ehemalige Mittelschichtlern das Essen und die Wohnung weg, weil die nicht als Leiharbeiter enden wollten.

    Merkt ihr was? Die Sache hat einen Haken. Ihr pisst die Falschen an!

    An der Stelle wird das System gut erklärt, welches mit der Liberalisierung des Arbeitsmarktes los ging.
    Menschen werden aus ihren Betrieben ausgegliedert, Gewerkschaften verlieren ihren Einfluss,
    eine Dienstleistungsgesellschaft entsteht, in der keine Wertschöpfung erfolgt.
    ( Friseure schneiden Friseuren die Haare)
    Wo ist der Ausweg, Offene Grenzen oder Abschottung.
    Eine Frage die ja mit Handelsabkommen und Dienstleistungsabkommen angegriffen wird.
    Leider jedoch mit so vielen Verschlechterungen verbunden ist, dass sie nicht akzeptiert werden können.

    Und dabei steht ihr da, ungläubig und voller Hass blickt ihr auf die Verelendeten. Plötzlich kampieren auch in eurer Stadt ost- und südeuropäische Tagelöhner zusammen mit deutschen Abgehängten in Abrisshäusern. In Griechenland liegt die offizielle Arbeitslosenquote bei 25 Prozent. Wohlgemerkt: Die offizielle! In ganz Europa sind mehr Menschen erwerbslos, als auf deutschem Boden leben. In vielen Ländern gibt’s nicht mal Sozialhilfe für sie. Versteht ihr? Die haben zwei Möglichkeiten: Entweder sie geben sich dem Hunger- oder Kältetod hin. Oder sie beschaffen das Notwendigste zum Leben auf andere Weise. Was würdet ihr tun, wärt ihr selbst betroffen? Ihr glaubt, das könne nicht passieren? Da irrt ihr euch. Ein Unfall, eine schwere Krankheit kann jeden treffen. Und wenn euch danach keiner mehr einstellen will? Ihr wisst, was euch dann blüht. Eure »Lösungen« sollten euch spätestens dann im Halse stecken bleiben.

    Das Problem der Osterweiterung, und damit der Schaffung eines Lohngefälles
    wurde von den meisten Menschen in Deutschland mit Skepsis gesehen,
    von den ehemaligen Ostblockstaaten jedoch als Chance.
    Das Dilemma, jetzt alles kaufen zu können, aber kein Geld zu haben,
    wurde anscheinend bewusst in diesen Ländern ausgeblendet.
    Ebenso sind die Arbeitslosenzahlen in den Südlichen Staaten
    durch ungleiche Wirtschaftsverhältnisse zu erklären.
    An dieser Stelle immer wieder die Borniertheit des Mittelstandes anzuklagen, ist zu Einfach,
    Auch wenn der Beitrag uns wach rütteln soll, sehe ich da kein gleichgültiges Wegschauen.
    Eher Unbehagen über die Naivität einzelner Länder

    Wisst ihr nicht, dass die Kapitalbesitzer von verarmten Erwerbslosen profitieren? Das sind all die Menschen, denen sie keine Löhne mehr zahlen müssen, weil sie sie nicht mehr brauchen. Und weil ihr alle Angst habt, auch dort zu landen, drücken sie auch eure Gehälter – und ihre Profite wachsen weiter. Ihr kleinen Selbständigen müsst eure Produkte für immer weniger verschleudern. Denn die großen Konzerne beherrschen längst euren Markt. Doch selbst die kriegen irgendwann Probleme: Wenn nämlich ihr als Konsumenten wegfallt. Doch ich befürchte, die werden sich auch einen Scheißdreck um euch scheren. Sie werden sich die Welt aufteilen und weiter herrschen. Dann werden sie euch als Nichtsnutze bezeichnen.

    Auch ich stehe jeden morgen meist noch vor fünf auf, um meine Brötchen, meine Miete, mein Wasser, meinen Strom, mein Internet… bezahlen zu können. Um meine Familie zu ernähren. Wir brauchen alle Geld. Ohne Moos kriegt man nicht mal ein schimmeliges Brot. Ihr habt vielleicht gelesen, dass »containern« in den Mülltonnen der Supermärkte verboten ist. Aber kein Erwerbsloser, kein Roma, kein Bulgare, kein Flüchtling hat dazu beigetragen, dass ich so viel arbeiten muss. Ich weiß, wer mich abzockt: Die verschonten Reichen, die Millionen- und Milliardenerben, die Bänker, die Immobilienhaie, die Finanziers, die Investoren. Das wisst ihr auch. Nur ist nach unten treten sehr viel leichter.

    Und so fange ich an, euch zu hassen. Ihr in euren Reihenhäuschen, mit euren heißgeliebten und zu Tode gehassten Jobs. Ihr Bürokraten, ihr Wertpapierverkäufer, die ihr kürzlich euch am Elend der EU-Ausländer erfreutet, als Springer und Co. berichteten, dass sie keine Sozialhilfe mehr erhalten sollen. »Richtig so!«, schriet ihr. Und Schlimmeres. So wir ihr unter jeden Hartz-IV-Artikel kotzt, dass man doch sortieren müsse. In »Arbeitswillige« und »Faulpelze«. Und die Arbeitswilligen? Die könnten eurer Meinung nach auch im Steinbruch schuften für einen Teller Suppe und ein Stück Brot am Tag. Wer das nicht will, soll verhungern. Nur bitte nicht direkt vor euren Augen. Doch ihr werdet dabei sein, wenn es euch oder eure Kinder trifft.
    Mir wird übel, wenn ich eure Kommentare lese. Wenn ich euch auf der Straße hetzen höre, wird mir angst und bange. Dann weiß ich: Mit euch wird ein zweites, drittes, viertes Auschwitz möglich sein. Mit euch, die ihr imperialistische Kriege duldet und Waffenlieferungen ohne Ende – zum Beispiel in den Jemen, wo gerade täglich Menschen, vor allem Kinder verhungern. Wo Krieg ist, hat kein Supermarkt offen. Wo Krieg ist, wird kein Getreide angebaut. Und für jede Hilfslieferung bezahlt ihr auch. Und die Rüstungskonzerne verdienen sich dumm und dämlich. Das toleriert ihr. Ihr habt ja noch die Opfer, die ihr hassen könnt.
    Ich bin überzeugt: Ihr »braven Bürger« werdet eines Tages ungerührt Statistiken Verhungerter und Erfrorener verfassen. Denn ihr seid die fleißigen Untertanen. Eure Empathie, euer Mitgefühl, eure Menschlichkeit habt ihr dem Mammon geopfert. Eure Mittelklassewagen haben hohe Preise. Ihr seid nicht bereit, auch nur drei Zentimeter über euren Gartenzaun hinauszudenken. Dafür verachte ich euch.
    Danke an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

    Die letzten Sätze sind wohl als Rundumschlag auf unser Gesellschaft gemeint,
    nur wer wir hier angeklagt? Klagt sich Susa Bonat als Verfasser nicht selber mit an,
    da er ja jeden Tag im Hamsterrad mit rennt ?

    • Sie haben ganz gut analysiert, woran es bei den Vorurteilen der Autorin hakt. Was bringen solche Pauschal-Verurteilungen und Rundumschläge, die Schuldgefühle bei den Falschen einflößen sollen?
      Und zu den Roma: Leider gibt es bei den Roma das Problem, dass der Roma-König oft recht gut lebt – seine „Untertanen“ aber eher nicht- ich habe da erschütternde Berichte gelesen. Er lebt ganz gut- sogar recht reich – mit Herrensitz – etwas abseits vom Roma-Dorf in Rumänien hat er sich eine tolle Villa hingestellt – vom Geld, dass junge Roma-Mädchen durch Prostitution in Deutschland für ihn erarbeiten müssen – und Kinder für ihn erbetteln müssen – und ältere Frauen für ihn erbetteln müssen… und junge Burschen für ihn erarbeiten müssen ,wie auch immer…
      Es ist ein Vorurteil vieler Linken, dass die sogenannte „Unterschicht“ nicht selbst ausbeute… Man muss doch realistisch sehen, dass es in jeder „Schicht“ sozial eingestellte Menschen mit mitleidigen Herzen und auch gar nicht sozial eingestellte Menschen gibt.

      Ich glaube, die Autorin braucht im Sinne der Dialektik ein Feindbild und sie hat sich dafür „die Mittelschicht“ ausgesucht. Die Vorwürfe sind ja wirklich die heftigsten, die man Deutschen überhaupt machen kann – diese Nazivergleiche sollen wohl aufrütteln, sind aber de facto nur ungerecht und dumm. Sie baut (bewusst? – halbbewusst? – unbewusst?) die „faschistische“ Mittelschicht als Antithese zur „guten“ Arbeiterschaft auf… und damit bedient sie genau die Strategien derjenigen, die im Sinne des „Teile und Herrsche“-Systems die Menschen voneinander abspalten wollen, sie auseinander bringen wollen.
      Seit Jahren schon ist beobachtbar, dass das Feindbild „Muslim“ und das Feindbild „deutscher Rechtspopulist“ aufgebaut werden und ich halte es für sehr gut möglich, dass Geheimdienste dementsprechend Vorurteile verbreiten – und was böte sich da besser an, als anomyme Hasskommentare im Netz zu streuen, die die verschiedenen Gesellschaftsschichten gegeneinander aufbringen sollen? Gleichzeitig kann man dann wunderbar fordern, dass „man doch was gegen diese vielen Hasskommentare tun müsse – und klammheimlich die Zensur einführen und somit das Grundrecht auf die freie Meinungsäußerung einschränken. Sie glauben das nicht? Geheimdienste udn Verfassungsschützer und vor allem Geheimgesellschaften arbeiten nach der Hegelschschen Dialektik – sie schaffen eine These UND die dazugehörige Antithese, um dann die Entwicklung in ihrem Sinne lenken zu können. Warum war wohl der Verfassungsschutz in der NSU-Affaire verstrickt? Warum ließen westliche Geheimdienste die Bildung des IS zu (DIA 2012)?
      Interessant ist übrigens, dass man meine Diskussionsbemühungen zu diesem Thema Dialektik immer konsequent ignoriert und ein Linker mich reflexartig in die rechte Ecke geschoben hat, als ich die Hegelsche Dialektik als Geheimdienst-Strategie angesprochen habe. Es wird fast NIE diskutiert. Arbeiten links stehende Gruppierungen etwa selbst nach dialektischen Methoden? Dieser Text von Susan Bonath, der sehr heftige Ressentiments schüren will, erweckt in mir schon den Verdacht, dass so etwas dahinter stecken könnte.

  5. Liebe Susan Bonath,

    ein tolles Stück und auch noch gut geschrieben, danke dafür.
    Was wir leider erleben ist ein tasten im Dunkeln, da werden mit den allerbesten Intentionen die tollsten und wunderbarsten dinge gerufen und sogar von manchen, soweit es eben geht gelebt.
    Wir sollten die Eliten nicht unterschätzen, Sie wissen genau was sie tun. Der Widerstand wird, sobald er sichtbar wird unterlaufen, Gewalttäter und Kriminelle werden eingeschleust, die ‚man‘ für die Anführer hält werden sozial-und wenn das nicht hilft auch physisch beseitigt.
    Nach fast 100 Jahren Oktoberrevolution ist man so erfolgreich damit, dass das Wort Kommunist zum Schimpfwort verkommen ist.
    Die Klassiker, Marx, Engels und Lenin hat man verunglimpft und sogar versucht lächerlich zu machen. Die Linke ist ein Haufen der mit eine funktionierenden Arbeiterpartei nichts mehr gemein hat.
    Der DGB ist corrumpiert und hat Gewerkschaftsbosse die sich für gar nix mehr schämen.
    Die viel geschmähte SED, die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands ist gegründet worden, weil viele es satt hatten sich spalten und gegeneinander aufhetzen zu lassen. Das war nämlich der Zusammenschluss der SPD mit der KPD.
    Warum wollten die das? Weil die Kommunisten so gern gemeinsame Sache mir einem Gabriel oder Nahles machen würden? nein!
    Weil in den KZ’s nicht gefragt wurde ob du Sozi bist oder Kommunist, die haben dich genauso umgebracht.
    Die haben ihr verschimmeltes Brot miteinander geteilt. Mit 5 Mann in einem Bett geschlafen. Dich wieder zusammengeflickt wenn die SS mit dir fertig war. Deiner Mutter den Brief geschrieben und rausgeschmuggelt und Ihr gesagt das Du totgeschlagen wurdest und nicht ‚auf der Flucht‘ erschossen.
    Da waren es der Herbert und der Günter, der Dieter und der Klaus und der Paul, alles Mittelschicht…ja nicht nur Arbeiter, ach ja und der Toni aus Italien und der Jaap aus Holland und der Jan aus Polen mit dem Igor aus Irkutsk.
    Die haben den Widerstand organisiert, auf die Gefahr fürs eigene Überleben, Folter und zum Krüppel geschlagen zu werden.
    Nicht die Homo’s und die Juden und die Sinti und Roma sondern die Kommunisten und Sozialdemokraten. Weil sie die am meisten gedisziplinierten waren, mit einer Ideologie-ist ja heute auch ein Schimpfwort.
    Es wird solange nichts aber auch gar nichts passieren bis sich nicht die Kommunisten an die Spitze der Bewegung setzen und gegen alle Diffamierungen und Gemeinheiten eine breite Basis errichten auf der man Widerstand aufbauen kann.
    Alles andere ist gut gemeint aber zum Scheitern verurteilt.
    Lesen bildet, Marx, Engels & Lenin und lasst uns die alten Fehler nicht wiederholen.

  6. Da steht doch bei KenFM-Netiquette das Hasspropaganda unerwünscht sei und im Gegensatz dazu, dass „Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.“
    Genauso widersprüchlich das ist, ist auch der Beitrag von Frau Bonath, den man auch in einem Satz bezeichnen könnte: „Die Arbeitslosen wie Harz 4 Empfänger sind die Jobgarantie, für all diejenigen die heute noch eine Arbeit haben, wo es nervt die Garantie finanzieren zu müssen!“
    Es scheint also unter der Oberfläche zu brodeln und was ist wenn der Mittelstand zusammenbricht?
    Kommt es dann zum Bürgerkrieg oder einer Revolution und wer wird denn da das oder die Opfer sein?
    Vielleicht sollte man dazu auch einmal die andere Seite sehen, also das man von Harz 4 doch eigentlich sehr gut leben kann bzw. unter den richtigen Umständen sogar besser als der Mittelstand.
    LG Thomas Borchert

    • @Vielleicht sollte man dazu auch einmal die andere Seite sehen, also das man von Harz 4 doch eigentlich sehr gut leben kann bzw. unter den richtigen Umständen sogar besser als der Mittelstand.

      Solch ein Schlag ins Gesicht für Mio HartzIV Empfänger, ist unterste Schublade, zumal man nicht einmal das kleine Einmaleins beherrscht .
      Das man selbst hier so etwas lesen muss, unglaublich!

    • Werte Annette.
      „Niemand weiß welche Bilder ich gesehen habe, Niemand außer Jesus“ ist die Übersetzung eines Gospelsongs, wo ich Ihnen schreiben möchte, dass ich schon vom Mittelstand mit Eigentumswohnung, so mal ganz unterhalb von Harz 4 gelandet war.
      Das ist die eine Seite.
      Ich bin aber auch Manager meines eigenes Lebens, der genügend Erfahrungen als „Assistent der Geschäftsleitung“eines Großhandels mitnehmen könnte, also wie man strategisch mit Finanzen umgehen muss – und einmal leihweise Harz 4 bekam (private Rentenversicherung war zu hoch bzw. ich musste diese auflösen, um mich vom Amt nicht verwursten zu lassen = volles Risiko)
      und mit einer sehr konkreten Strategie meine Bezüge einsetzte.
      Ca. 180 € für Rauchen, Telekommunikation und Strom und ca. 100 € für Essen und Trinken im Monat – also auch mit der Tafel.
      Mir standen somit ca. 120 € je Monat zur freien Verfügung, egal ob man damit in den Puff oder ein Schlucken ging – egal.
      Nur was mir nicht egal war, ist, dass ich mir einen Roller für 500 € kaufte, um Fahrkosten richtig einzusparen und den Spaß danach.
      Bitte rechnen Sie mir kaufmännisch vor, wie Sie mit ca. 1200 € netto, 120 € zur freien Verfügung haben – bitte, weil Sie haben es nicht!
      Alle anderen Kosten wurden vom Amt vorausbezahlt und somit gab mir das Amt Zeit!
      Zeit die man nutzen kann, um sein Wissen & Können zum Einsatz bringen zu können, die der normal arbeitende Mensch nicht hat und die 120 € vielleicht oder gar nicht!
      Ich schon.
      Harz 4 ist und kann daher eine Chance sein, nur muss man dazu kalkulieren und Finanzstrategie erlernt haben!
      Ich schieße nicht unterste Schublade, sondern war gezwungen von diesem System leben zu müssen, wo Sie mir doch bitte einmal vorrechnen können, also wenn Sie mögen, wie man von 60 € mit Lebensmitteln im Monat überleben kann?
      Von: „zumal man nicht einmal das kleine Einmaleins beherrscht“ kann keine Rede sein!
      Ich werde es Ihnen beweisen, aber zeigen Sie es mir erst einmal wie das gehen soll – also satt und das es an Nichts fehlt.
      Sorry, aber mit den armen Harz 4 Empfängern kann ich wenig anfangen, weil diese Menschen nicht wissen, welche Werte sie besitzen und(!) wie man diese richtig und diszipliniert nutzt – und das ist nicht mein Problem!
      Ich arbeite heute wieder als „Assistent der Geschäftsleitung“ und „alles Gut!“
      = Hilfe darf immer nur eine Hilfe zur Selbsthilfe sein und die anderen bleiben hängen, in ihren Banane – System, weil sie nicht rechnen können!
      LG Thomas Borchert

    • Werter Herr Borchert,
      @= Hilfe darf immer nur eine Hilfe zur Selbsthilfe sein und die anderen bleiben hängen, in ihren Banane – System, weil sie nicht rechnen können!

      Das erzählen Sie einmal einem HartzIV Kind auf dem Schulhof, dessen Eltern die ihr Haus verkaufen , die angesparte Versicherung kündigen müssten und den Erlös, bis auf einen Freibetrag erst verbrauchen mussten, eh staatliche Hilfe in Anspruch genommen werden konnte.Dann dem Kind erklären mussten, es wird seine Freunde zurück lassen müssen und dieses nicht nur ein Mal.!
      Noch erbärmlicher wird es, sollten HartzIV Ehepaare ein intelligentes Kind haben, dann beginnt ein Kampf, der darauf hinaus läuft, dass die Bildung auf einem Gym versucht wird zu unterbinden.Sollte das dem JC nicht gelungen sein, nein es gibt keine Ruhe.Es gibt regelmäßige Aufforderungen an das Kind sich vom Gym bestätigen zu lassen, dass es dort noch gemeldet ist, diese zeitweise monatlich.Sollten die Eltern noch immer nicht eingeschüchtert sein , kommen regelmäßige Aufforderungen dahingehend, dass das Kind, mitlerweile 16 Jahre, zumindest 3Std täglich arbeiten geht..Reklame vor Schulbeginn austragen etc etc…das bis hin in die Zeit der Abi Arbeiten.Sollten die Eltern das für ihr Kind nicht übernommen haben, stehen die Chancen schlecht für dessen Zukunft.Haben sie aber getan, das Abitur wurde bestanden, dann ist der lange Arm der JC immer aktiv, man möchte die Bewerbung, sollte das Kind studieren wollen, für die Uni vorzeigen, denn schließlich gehört das in die Akte!
      Da ist Hilfe zur Selbsthilfe nicht feststellbar, auch nie gewollt.
      ‚Da ich über Jahre viele Menschen zu Ämtern, Gerichten begleitet hatte, persönliche Erfahrung mit dem JC mehr als genug hatte, kann ich Ihnen nur attestieren..Sie haben weder von Politik, noch vom realen Leben Kenntnisse, Ihre Chance beinhaltet, sie müssen vom JC menschlich geschützt worden sein, wurden psychisch nie nieder gemacht, kennen keine Drangsalierungen, Sanktionen aus dem Nichts, Befürchtungen auch ohne Sanktionen kein Geld zu bekommen, Gratulation, das hat dann aber nichts mit Ihrer Einstellung zu tun, sondern mit Glück.Und wer das nicht hat, der will nicht Manager seines Lebens sein, obwohl er es vor viele Jahre war?!
      Ich wünsche Ihnen alles Gute,einen ehrlichen AG, vor allem Gesundheit und das ist aufrichtig gemeint, denn ich habe Mitleid mit Menschen, die nicht im Heute angekommen sind, weil der Sturz für sie besonders kräftig weh tut!!!

    • Herr Borchert,

      nur zur Ergänzung, denn Sie können einem sehr im Magen liegen, eine schwere Kost, menschlicher seits.
      Denn diese Seite führten Sie nie an, tun so als würden Menschen gern auf Kollegen, die Gesellschaft allgemein verzichten, obwohl dieses Eremitenleben kräftig an der Psyche nagt..
      Wer sich schon über Jahre den Kampf gegen Vorurteile gewidmet hat, der muss sich eingestehen, schwache Charaktere benötigen Menschen, auf die sie eintreten können und sie nehmen an Anzahl immer noch nicht ab! Ist dass das das Bild von Erfolgsmenschen, die sich auch noch damit brüsten sich in unser System gut intigriert zu haben..?
      Nein, wenn das die Zukunft sein soll, dann ist es besser auf Kinder, die man solcher rohen, arroganten Gesellschaft aussetzen würde, zu verzichten!

    • Werte Anette.
      Sorry wenn ich über Ihre Antwort ein wenig schmunzeln musste, da Sie sich zum einen widersprechen und zum anderen Sie genau die Punkte ansprechen, woran es bei manchen hapert.
      Fangen wir mal bei dem Ersparten an.
      Ihnen als KenFM Kennerin müsste es doch eigentlich bewusst sein, dass irgendwann in der nächsten Zeit unser Geldsystem zusammenbrechen wird und damit sind die Ersparnisse weg.
      Dahingehend ist es doch besser, wenn man seine Ersparnisse abhebt und in wirkliche Werte investiert, wie z.B. lang haltbare Lebensmittel oder in eine Option wie Mietvorauszahlungen.
      Zum Hausverkauf.
      Das einzige was ich den Kindern erzählen könnte, ist, dass Ihre Eltern einfach zu dumm sind bzw. waren, dass Haus an einen Familienangehörigen oder wirklich guten Freund zu verkaufen, um es im selben Moment zu mieten – ganz klar mit Vorverkaufsrecht.
      Damit bleibt das Haus den Eltern erhalten und so einfach ist der Weg frei für Harz 4.
      Denn wenn die Schröderregierung mit der Agenda 2010 schon dafür gesorgt hat, dass Haus- oder Wohnungsbesitz in die Händen der obersten 10.000 übergehen soll, dann bedarf das, dass man da einen Riegel vorschiebt.
      Man kann sicherlich dieses Harz 4 beurteilen, aber mich nicht dafür verurteilen das es so ist, wie es ist, da ich es nicht erfunden oder auf den Weg gebracht habe.
      Das ist aber nur das eine.
      Das andere ist, dass man es doch einmal mit Dankbarkeit versuchen sollte.
      Also das wir hier in Deutschland in einer sozialen Marktwirtschaft leben und wenn der Job futsch ist, man nicht wie in anderen Ländern auf der Straße landet, nicht um das tägliche Brot betteln muss und auch Krankenversichert ist.
      Schon mal daran gedacht?
      All das ist sicherlich eine sehr bescheidene Situation und benötigt ein sehr genaues Finanzmanagement, bietet aber dennoch ein lebenswertes Leben und(!) man bekommt Zeit geschenkt, die man sinnvoll nutzen sollte.
      Sprich, wenn keine Arbeit zur Verfügung steht, dass man dann Dinge tätigt, die man schon immer machen wollte – kein Plan, vielleicht die Musiksammlung auf der Festplatte aufräumen – Hauptsache der Tag hat Struktur!
      Außerdem empfiehlt es sich, bevor einem die Decke auf dem Kopf fällt und die psychische Belastung sich ähnlich wie im Gefängnis, sprich im Loch verhält bzw. dazu führen kann (Siehe ARTE Filmproduktion „Lebendig begraben“ eine 450,- € Tätigkeit anzunehmen, Hauptsache irgendwie ins Arbeitsleben kommen, weil ist man drin, dann ergibt sich der Rest meist von allein.
      Von daher bleibe ich dabei, dass erstens Jeder der Manager seines Lebens ist bzw. werden kann und auch soll und Harz 4 als Hilfe zur Selbsthilfe anzusehen ist, wo man sicherlich seinen Teil dazu beitragen muss.
      Ach und was Sie ferndiagnostisch meinen in mich hineininterpretieren zu wollen, kann ich nicht akzeptieren, da Sie mein Leben und was ich alles erlebt habe, nicht kennen und somit auch nicht beurteilen können.
      LG Thomas Borchert

    • Die Mittelschicht schielte immer nach oben, dabei trat sie gern nach unten, aus der Befürchtung heraus, einmal selbst unten zu sein..Erfahrungen sollen ja klug machen , wollen wir ihnen jetzt erst einmal den Lernprozess gönnen!

  7. Mit Verlaub, Frau Bonath, so sehr ich Ihren Zorn (man sollte wirklich mal zwischen Wut und Zorn unterscheiden) nachvollziehen kann, und ich gebe Ihnen in allen Punkten recht.
    Ihre Schimpfkanonade hat jedoch ein Problem: Sie führt zu nichts. Es ist ein logischer Zirkelschluss. „Die Welt ist schlecht, und ich sage das jetzt mal (mit gut belegten Beispielen), und deswegen ist die Welt schlecht.“
    Anprangern alleine führt zu nichts.
    Wenn Sie mir erlauben, möchte ich Ihnen, nur so als Beispiel, ans Herz legen, sich dieses Programm mal durchzulesen:
    https://deutsche-mitte.de/wofuer-steht-deutsche-mitte/
    Gute Idee, oder? Ob das jetzt umsetzbar ist..
    Aber immerhin, ein neuer Gedanke!
    Über einen konstruktiven Diskurs mit Ihnen – darüber würde ich mich freuen. :o)

    • Ja, die Deutsche Mitte! Ich bin Mitglied.
      Leider sehe ich für diese (einzig richtige) Partei wenig Chancen.
      Ich finde es gut, dass du auf die DM aufmerksam machst!
      Aber nach so viel Beiträgen von Christoph Hörstel und so vielen Klicks immer noch nur 2000 Mitglieder?!
      Den Menschen ist einfach nicht zu helfen.
      Entweder sie sind total Gehirn gewaschen von der Propaganda in diesem Lande,
      oder völlig desinteressiert,
      oder einfach nur dumm und hohl.
      Ich kann diesen Artikel sehr gut verstehen!
      Die Blödheit der Menschen kennt einfach keine Grenzen.

    • Das Parteiprogramm sollten sich Politiker daran halten, ist von der Deutschen Mitte sehr ausgewogen und menschlich!

  8. Liebe Susan Bonath, liebe Community,

    ich kann Dich wirklich sehr gut verstehen. Es ist zum Verrücktwerden, da es doch so offensichtlich ist, was geschieht. Ich glaube nicht, dass nicht auch jeder „ungebildete“ Hauptschüler – und er ist natürlich zumindest ein wenig gebildet und außerdem durchaus lernfähig, auch ohne vorweisbare Abschlüsse! – erkennen könnte, was seit langer Zeit schon geschieht, jetzt aber ziemlich offensichtlich ist.

    Es ist so, wie Du es beschrieben hast. Ja, und es stimmt, ich bemerke, wie borniert viele Menschen sind. Ja, und auch mir entschlüpfen manchmal entsprechende Bemerkungen, wie zum Beispiel „Es geht ihnen einfach noch zu gut“.

    Aber wir, Sie und ich und viele andere, wissen es doch besser, oder?

    Ich kenne einen Millionär persönlich. Der Arme wird entweder gemieden, weil er ein „scheiß-reicher“ ist, und bei seinen „Freunden“ kann er sich nicht wirklich darüber sicher sein, wer wirklich ein Freund ist. Ich stelle mir das sehr belastend vor, und das viele Geld kann ihm da leider auch nicht helfen. (Ja, ja, er kann jede Menge Hilfe bezahlen…, aber wie „arm“ ist das?)

    Ich kenne eine Frau von 60 Jahren, die als Kind schwer verletzt wurde, von einem Mann Kinder bekam, der sie prügelte, die viel von Sozialhilfe und dem später gefolgten Hartz IV abhängig war, weil sie psychisch gar nicht voll da war. Dennoch hat sie ihre zwei Söhne großgezogen – mit vielen Fehlern und mit Liebe -, und sie hat trotz aller Widrigkeiten in ihrem Leben immerhin noch zwei Ausbildungen absolviert. Heute hat sie einen Arbeitsplatz in einer nachhaltigen Branche. Sie ist stark.

    Ich kenne einen Mann, der ist selbständig, gehört der sog. Mittelschicht an, ist verheiratet, hat Kinder, ein Haus, mehrere Autos, ist selbstständig tätig, gesellschaftlich integriert, hat genug Geld für den täglichen Bedarf und darüber hinaus. Er ist der Meinung, dass es „mal wieder Zeit für einen Krieg ist, um die Wirtschaft anzukurbeln“. Er ist sehr behütet aufgewachsen, hat materiell gesehen keinen Mangel erleiden müssen. Aber ich weiß, dass er großen psychische und vor allem spirituellen Mangel erleiden musste und muss. Er hat sich in seiner vermeintlichen Sicherheit verschanzt. Er ist ganz genauso arm dran, wie ein Bettler, nur eben leidet er auf andere Weise.

    Ich könnte hier noch viele Beispiele aufführen, doch mir geht es darum:

    Verurteile niemanden, denn Du kennst seine Geschichte nicht, du kennst auch die Gefühle und die innere Zerrissenheit eines Menschen nicht.

    Eine kleine Geschichte noch: vor ein paar Jahren ging ich mit einem Freund durch die Innenstadt von Bremen. Es begann zu regnen, und so suchten wir den Schutz eines riesigen Baumes. Dort kam dann ein Mann auf uns zu, bettelarm, mit fettigen Haaren, insgesamt sehr ungepflegt, auch der Hund an seiner Seite sah „zum Fürchten“ aus. Er sprach uns an. Ich sah die sich formenden Lippen meines Bekannten, wissend um seine abwehrende, auch mich beschützen wollende Haltung. Ich kam ihm zuvor, und sprach meinerseits den Mann an, er solle sich ruhig zu uns stellen. Dann erzählte er uns seine Geschichte, und ich war den Tränen nahe. Er war einer „aus der Mittelschicht“, Architekt, alleinstehend, keine Geldsorgen. Dann Krankheit, Pech und – weil er psychisch nicht gefestigt war bzw. entsprechend schlimm auch verletzt wurde – auch noch ein Nervenzusammenbruch. So und ähnlich geht es vielen.

    Deshalb sage ich noch einmal: Verurteile niemanden, denn Du kennst seine Geschichte nicht, Du kennst auch die Gefühle und die innere Zerrissenheit eines Menschen nicht.

    Gandhi soll einmal gesagt haben, dass er bereit sei für den Kampf um Gerechtigkeit zu sterben, aber er sei nicht bereit, dafür zu töten (sinngemäß).
    Jesus riet, „die andere Wange hinzuhalten“.

    Es geht darum:

    Wir kommen aus diesem Schlamassel nur heraus, wenn wir zusammenhalten.
    Wir kommen aus diesem Schlamassel nur heraus, wenn wir uns in Toleranz üben.
    Wir kommen aus diesem Schlamassel nur heraus, wenn wir zuallererst uns selbst anschauen.
    Wir kommen aus diesem Schlamassel nur heraus, wenn wir uns selbst stark machen.
    Wir kommen aus diesem Schlamassel nur heraus, wenn wir aufeinander zugehen.
    Wir kommen aus diesem Schlamassel nur heraus, wenn wir uns in wertfreier Liebe üben.

    Wahrheit, Einfachheit und Liebe.

    Wir kommen aus diesem Schlamassel nur heraus, wenn wir uns gewaltfrei uns selbst und anderen gegenüber verhalten. Gewaltfrei meint absolute Zurückhaltung in Sachen Verurteilung und dem Aufbau und Erhalt von Feindbildern. Wir kennen alle diesen „Reflex“, zu reagieren, uns zu „wehren“, wenn wir verletzt werden, angegriffen werden. Wir können lernen, diesen Punkt bei uns selbst zu erkennen. Dann können wir nach und nach lernen, inne zu halten, die Reaktion hinauszuzögern. Irgendwann müssen wir nicht mehr „reflexartig“ reagieren. Wir können bewusster agieren.

    Das ist es, worin wir uns selbst üben sollten. Und wir sollten unsere Mitmenschen auf die Möglichkeit eines solchen bewussten, wertfreien und mitfühlenden, von Liebe, Achtung und Anerkennung getragenen Miteinanders aufmerksam machen. Und wir sollten nicht eine Sekunde „Urlaub“ davon machen. Wir sollten es trainieren – immer und überall. Im Alltag, am Arbeitsplatz, in der Familie, im Verein, auf der Straße….

    Es ist unabdingbar, die Perspektive, den Blick zu verschieben. Mut zu machen für eine andere Denkweise, die aus einem anderen Erleben heraus entsteht. Mitgefühl kann nur wachsen und gedeihen, wenn wir unseren eigenen Schmerz sehen und annehmen können. Ansonsten bilden wir ganz automatisch Feindbilder, weil wir uns selbst von eben diesem Schmerz ablenken müssen.

    Im Klartext: Wir dürfen Angst vor allem Möglichen haben (Verlust des Arbeitsplatzes bis hin zur Obdachlosigkeit zum Beispiel). Der Punkt ist das Erkennen und Wissen um diese Angst, unsere Offenheit, damit umzugehen. Dann können wir dem Obdachlosen auf Augenhöhe begegnen, ihm zuhören und vielleicht helfen, ihm aber auf jeden Fall mit Achtung und Respekt begegnen. Dann dürfen wir endlich aufhören, „die anderen“ zu verurteilen und damit den Krieg zu nähren.

    Und noch etwas, das mir wichtig erscheint:

    „Dann entziehen wir dem Neoliberalismus, den Ausbeutern, den Nährboden, uns gegeneinander auszuspielen!“

    Liebe Grüße an alle
    Brigitte Schneider aus Worpswede

    • Du sagst die Wahrheit.
      Da sollte die Reise hingehen.
      Wenn wir Menschen das nicht begreifen wird sich nichts ändern.
      Zum ersten mal in der Geschichte der Menschheit stehen wir an einem Punkt an dem das greifbar wird.
      Jeder einzelne der das erkannt hat und so achtsam und wahrhaftig mit jedem Augenblick seiner Zeit umgeht wird andere einfach nur mit seinem Tun ermutigen auch so bewusst zu werden.
      Ich hoffe und wünsche dass das gelingt!
      Den Text von Susann kann ich aber nachvollziehen.
      Es ist oft schwer mit so viel Blindheit, Egoismus und Hass umzugehen der uns doch stark umgibt.
      Man weiß, wenn mehr Menschen einfach nur ihre Energie in die richtige Richtung lenken würden, wäre all die Ungerechtigkeit und all das Elend vorbei,
      und man kommt sich oft als sei der Kreis der „Sehenden“ einfach zu klein und all die Dumpfheit die uns umgibt macht dann wütend.
      Auch diese Seite gibt es in mir.
      Ich versuche aber die andere, achtsame zu nähren.
      Danke für deinen positiven, wahren Text!

  9. Persönlich kenne ich niemanden, der das denkt, was Sie interpretieren. Sie beschreiben nicht die Welt, in der ich lebe, aber Sie haben einen anderen Blickwinkel, kennen andere Menschen – meine Wahrnehmung ist anders. Ich bin umgeben von empathischen Menschen, vielleicht nicht der Durchschnitt…Ich kenne auch viele ignorante Menschen, aber sie sind nicht böse oder Böse im Denken.

    Den Vergleich mit den Konzentrationslagern halte ich für unangebracht.

    Ich sehe die Probleme bei den Eliten und in dem System, das die Menschen abrichtet nach unten zu treten, weil selbst auf sie getreten wird. Die Menschen, die sie beschreiben, sind Opfer und Täter zugleich. Die eigene Erniedrigung zu durchbrechen, nicht weiterzugeben, ist schwierig, erfordert es, an sich selbst zu arbeiten. Das sind Fälle für Psychologen. Ich gebe den Menschen, die nach unten treten nicht die Schuld dafür. Sie können nicht anders um ihr eigenes Selbstwertgefühl zu erhalten, und ich kann mich leider auch nicht davon freimachen, daß ich nicht auch Druck weitergeben würde.

  10. Auch wenn es verständlich ist, dass Wut und Verzweiflung sich Bahn brechen, in Angesicht dieses kranken Systems, in dem die eigentlichen Machtzentren unsichtbar bleiben und viele Menschen die Augen vor der Realität verschließen, so bringt uns doch Hass, Bitterkeit und Verachtung nicht weiter.

  11. Mein Kommentar ist für FFMMIKE weiter unten. Leider lässt das System das Antworten darunter nicht zu.

    Hallo Herr FFMMIKE,
    auch wenn Sie explizit Frau Bonath angesprochen haben, möchte ich mich gerne zu Ihrem Statement äußern. Sie müssen es ja nicht lesen 😉

    Ich habe mich sehr gefreut, dass Sie – so wie ich – konsequent auf überflüssigen Konsum verzichten und Sie tun das offensichtlich freiwillig, chapeau!
    Es gibt da aber etwas, was ich nicht verstehe: Sie verfügen über eine abgezahlte Eigentumswohnung und sagen gleichzeitig, sie waren nie ein Zinssklave. Haben sie vielleicht eine Erbschaft oder ein Lotto-Gewinn dafür nutzen können? Sonst wäre das nämlich in Ihrer Schilderung ein kleiner Widerspruch.

    Und dann finde ich es in der heutigen Zeit schön für Sie, dass Sie einen Job haben, den sie gerne machen, denn das ist leider immer seltener der Fall. Sind Sie Angestellter oder sogar Beamter?
    Und Sie können sich auch Urlaub leisten, so dass ich davon ausgehe, dass Sie über ein ausreichendes Gehalt verfügen. Und ist es richtig, dass Sie keine familiären Bindungen wie eine Ehefrau, Kinder o.ä. haben? Ich frage deshalb, weil Ihnen dann Ihr Einkommen ganz zu Ihrer eigenen Verfügung steht. Wenn das stimmt, dann scheinen Sie ein richtiger Glückspilz zu sein, wenn ich das mal so salopp sagen darf.

    Und jetzt wage ich – mit einigen Annahmen, da Sie die Fragen ja noch nicht beantwortet haben können – eine Fiktion für Ihre Zukunft:
    Sie verlieren ihren Job als Angestellter, weil Sie krank geworden sind oder das Unternehmen den Standort schließt. Sie sind mit Ihrer Eigentumswohnung räumlich gebunden und finden keinen neuen Job mit annähernd gleich guten Bedingungen. Sie werden länger arbeitslos und sind nach 2 Jahren Hartz4-Empfänger. Die Eigentumswohnung müssen Sie verkaufen, weil sie als unangemessen eingestuft wird. Aus finanziellen Gründen können Sie mit Ihren ehemaligen Arbeitskollegen auch nicht mehr in Urlaub fahren und verlieren soziale Kontakte.
    Und dann können Sie so richtig von Ihrer Konsumverzichtshaltung profitieren, nur nicht mehr freiwillig, sondern weil Sie keine andere Wahl mehr haben.

    Sollten Sie allerdings Beamter sein und eine nette Familie haben, die Sie bedingungslos liebt und immer zu Ihnen hält, dann sind Sie wirklich auf der Sonnenseite des Lebens; nur bitte bedenken Sie, dass Sie die Ausnahme sind und nicht die Regel in dieser Zeit.

  12. Sehr geehrte Frau Bonath,
    man weiß doch gar nicht, wer die anonymen Kommentare im Netz, die Sie anprangern, verfasst hat. Vielleicht waren ein paar frustrierte Mittelständler dabei, aber man weiß nicht, ob sie wirklich repräsentativ für die Ansichten des Gesamt-Mittelstandes sind. Es können auch Trolle, pubertierende Jugendliche, Pöbler und sogar Geheimdienstler sein, die die Gesellschaft spalten wollen.
    Recht haben Sie mit diesem Satz: „Ihr (der Mittelstand) tragt die gesellschaftliche Hauptlast. Von euren mühsam erschufteten Einkommen müsst ihr längst weit mehr als »den Zehnten« abdrücken. Ihr finanziert das Militär, die Polizei, die Politiker, die Kriege, die ausgeuferten Bürokratenapparate,…“
    Heute sind, wie schon in den 20er Jahren, die Mittelständler, genau wie die Arbeitschaft, die Ausgebeuteten – aber die Mittelständler werden leider von allen Seiten gerne beschimpft: Von den Linken, von Noch-Bundespräsident Gauck, der sie als „Problem“ sieht, von den Intellektuellen und erst Recht von den Eliten. Sie sollen das angeblich „tumbe“ Volk ausmachen, das angeblich den „Verführern“ und Rattenfängern hinterherliefe und für den Anstieg der „Rechtspopulisten“ verantwortlich sei. ABer ist das wirklich so? Im Geschichtsunterricht habe ich früher gelernt, es seien nicht die Arbeiter gewesen, die Hitler gewählt hätten, sondern die kleinen Angestellten – also der untere Mittelstand. Viel Literatur der „Moderne“ befasste sich mit der Mentalität des Mittelstands, man unterstellte ihm „Spießbürgertum“, Kadavergehorsam, reaktionäres Gedankengut, „Nach-unten-Treten-und-nach-Oben-buckeln“ – genau, wie Sie es leider in diesem Text tun und wie es sogar manche Journalisten der NachDenkSeiten tun, die ich eigentlich sehr schätze. Sogar sie begegnen derjenigen Gruppe, die das dt. Volk zahlenmäßig am meisten ausmachen, mit unterschwelligem Misstrauen. Und die SPD, die Linken und die Grünen erst Recht. Aber wie war es in den 20er und frühen 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wirklich?
    Am 31. Juli 1932 (nach der Welt-Wirtschaftskrise von 1929 und der darauf folgenden Massenarbeitslosigkeit von 30%) erreichte die NSDAP 37 % der Stimmen, siehe hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Reichstagswahl_Juli_1932 Es brauchte also erst die in den Klammern genannten, wirtschaftlichen Katastrophen, damit die NSDAP 37 % erhielt und die damalige Propaganda-Hetzpresse wird wohl kräftig mitgeholfen haben.
    Aber schon am 6. Nov. 1932 erreichte die NSDAP nur noch 33%. Doch dann sandten Industrielle einen Brief an Hindenburg, in der sie darum warben, Hitler zum Reichskanzler zu ernennen. Das war die „Industriellen-Eingabe“: https://de.wikipedia.org/wiki/Industrielleneingabe
    ES WAREN ALSO DIE DAMALIGEN ELITEN, DIE HITLER WIRKLICH ZUR MACHT VERHOLFEN HABEN, nicht der „Mittelstand“. „Die Industrielleneingabe war ein von neunzehn oder zwanzig Vertretern der Industrie, der Finanzwirtschaft und der Landwirtschaft unterzeichneter Brief, der am 19. November 1932 an den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg gerichtet wurde mit der Aufforderung, Adolf Hitler zum Reichskanzler zu ernennen. Der Reichspräsident kam dieser Aufforderung nicht unverzüglich nach, sondern berief am 2. Dezember 1932 zunächst Kurt von Schleicher zum Reichskanzler.“ Das heißt, selbst der Repräsentant der obersten Elite, Hindenburg, der sich selbst als „Statthalter der Hohenzollern“ sah und sowohl ARbeiterschaft als auch Mittelstand verachtete und ihm eigentlich kein Mitspracherecht einräumen wollte und der die Parlamente nur als Quatsch-Buden verachtete, wollte also Hitler nicht sofort zum Reichskanzler ernennen… Aber
    am 30. Januar 1933 berief Hindenburg dann Adolf Hitler zum Reichskanzler.

    Von wegen, „die Deutschen“ oder „der Mittelstand“ hätten Hitler gewählt… Hitler war ein Elitenprojekt – der Großunternehmer … Und Thyssen war ein wesentlicher Fürsprecher für die Wahl Hitlers
    Eine Partei braucht Geld, um mächtig zu werden. Woher kam das Geld für die NSDAP?
    Ich kann aus Antony Suttons Werk: „America’s Secret Establishment – An Introduction to the Order of Skull & Bones“ etwas beitragen, was die Finanzierung der Nazis betrifft – und da war die Union Banking Corporation in New York beteiligt : Auf S. 167 befindet sich die schwer lesbare Kopie des ECHTEN geheimen Berichts vom 4. September 1945, verfasst von Fritz Thyssen. Dieser Bericht schlüpfte durch die US-Zensur, weil das Büro der Geheimdienststelle nichts von der Verbindung zwischen Fritz Thyssen und der Union Banking Corporation in New York wusste. Dokumente, die die Wall Street mit Hitler verbanden, wurden nämlich sonst aus den US-Kontrollrats-Aufzeichnungen entfernt. Dieser Geheimbericht von Thyssen über seine Bank für Handel und Schiff (No. EF/Me/1 vom 4. September 1945), Titel: „Finanzielle Unterstützung für die Nazi-Partei“ liefert den Nachweis, dass der Hauptstrom der Gelder für Hitler von Fritz Thyssen und seiner Bank für Handel und Schiff kam, die davor „von Heydt’s Bank“ hieß. Diese Information deckt sich mit Beweisen in Antony Suttons: „Wall Street und der Aufstieg Hitlers“ und dem schwer auffindbaren Buch „Hitler’s Secret Backers“ (Shoup); sie decken sich sogar bis zu den Namen der beteiligten Menschen und Banken, z. B. Thyssen, Harriman, Guaranty Trust, von Heydt, Carter, und so weiter.
    Doch was steht in dem geheimen Bericht, über dem „RESTRICTED“ steht:
    G. Finanzielle Unterstützung für die Nazi Partei
    Fritz Thyssen schreibt darin, dass seine erste Verbindung zur Nazi-Partei durch General Ludendorff entstand… Ludendorff bat Thyssen um finanzielle Hilfe. Thyssen stimmte zu, wollte aber der Partei das Geld nicht direkt geben, sondern über Ludendorff und Letzterer gab es der NSDAP. 1923 stellte Ludendorff ihn Hitler vor.
    1930 oder 1931, so erinnerte sich Thyssen, fragte ihn EMIL KIRDORF, ob er aus dem Ausland Kredite für die NSDAP bekommen könnte. KIRDORF sandte HESS zu Thyssen; HESS war zuerst zu Kirdorf gegangen und berichtete dass er das Braune Haus in München erworben hätte und es nicht bezahlen könnte, und KIRDORF sagte, er könne ihm nicht helfen, aber dass er Thyssen fragen solle. Thyssen sagte HESS zunächst, dass er seinen Wünschen nicht entsprechen könne, aber, um seinen guten Willen zu zeigen und weil Kirdorf ihn zu ihm gesandt habe, würde er ihm einen Kredit über eine holländische Bank in Rotterdam verschaffen, die Bank für Handel und Schiff ( auf holländ: Bank voor Handel en Scheepvaart N.V., die die Union Banking Corporation in New York kontrollierte!!)
    Thyssen beschaffte den Kredit, indem er einen Brief schrieb, in dem er veranlasste, dass, wenn die Bank HESS einen Kredit gäbe, er ihn in drei Jahren zu gleichen Raten zurückzahlen würde. … Er sagte, er wählte eine holländische Bank, weil er in seiner Position nicht wollte, dass deutsche Banken da mitmischten und weil er dachte, dass es besser sei, mit einer holländischen Bank Geschäfte zu machen und er dachte er würde die Nazis etwas mehr in der Hand haben. Hitler behauptete (so sagte Thyssen), dass niemand ihm jemals helfe. [!!! Er war also NICHT beliebt!!!]
    Der Kredit war etwa 250 000-300 000 Reichsmark – dieselbe Summe, die er davor gegeben hatte (wann? etwa 1923??)…
    Thyssen sagte, er wisse nicht, ob 1926 [?? sehr schwer lesbar auf der Kopie] noch jemand anderes von den Industriellen die Partei finanziell unterstützt habe; er sei der Haupt-Unterstützer gewesen. Später hätten TENGELMANN, KIRDORF, VOUGLER, K… alle beigesteuert; das sei so eine Art Steuer gewesen, die der ganzen Industrie auferlegt worden sei. Die Begründung dafür sei gewesen, dass Hitler die Kommunisten bekämpfen würde: es sei klar gewesen, dass die Macht entweder den Kommunisten oder den Nazis zufallen würde…
    Seine Beiträge an die Partei seit diesem Tag seien nicht groß gewesen – der Anteil, den die Industrie eben gegeben habe. Er half ihnen in der Reitschule an seinem Heimatort. 1932 spendete er zwei kleine Beträge an den Gauleiter T… [??]…. Zu dieser Zeit gab er ihm eine nette Summe, so etwa 20 000 Reichsmark. Daraus sei ein jährlicher Beitrag geworden; er sei nicht sicher ob diese Summe mehr wurde. Er sei etwa 1931 oder 1932 Parteimitglied geworden. …Es sei richtig, zu sagen, dass seine einzigen Beiträge aus seinen persönlichen Ressourcen an die Partei die jährlichen Gebühren waren, die Abonnements der verschiedenen Partei-Schriften und die Winterhilfe von 20000 bis 50000 Reichsmark. Mit anderen Worten: Der Gesamtbetrag, den er der NSDAP und ihren Geschäftspartnern in jedem Jahr zahlte war etwas mehr als 50000 Reichsmark;
    Doch interessant ist der zweite Kredit, den er 1930 oder 1931 über seine holländische Bank besorgte, als Hitler behauptete, das niemand ihm jemals helfe. Diese holländische „Bank voor Handel en Scheepvaart N.V.“ kontrollierte die Union Banking Corporation in New York!! Und Sutton schreibt auf S. 169: „The Union Banking Corporation of New York City was a joint Thyssen-Harriman operation with the following directors in 1932“ : E. Roland Harriman, Mitglied bei Skull & Bones seit 1917, war Vize-Präsident von W.A. Harriman & Co., New York , H.J. Kouwenhoven, ein Nazi-Banker, war Managing Partner der August Thyssen Bank und Bank voor Handel Scheepvaart N.V. (die Transfer-Bank für Thyssens Fonds,
    Knight Woolley, Mitglied bei S&B seit 1917, war Geschäftsführer des Guaranty Trust, New York und Geschäftsführer der Federal Reserve Bank of N.Y.
    , Ellery Sedgewick James, Mitglied bei S& B Gesellschafter, Brown Brothers & Co., New York. seit 1917 und Prescott Sheldon Bush, Partner Brown Brothers, Harriman, Mitglied bei S&B seit 1917 und Großvater von G. W. Bush!

    Ja, so waren die Connections. Hitler war ein Projekt der Eliten, nicht des Mittelstands.
    Ja, die Deutschen, im Großen und Ganzen damals haben gefehlt, dass sie sich nicht mehr gegen Hitlers Macht- und Kriegspolitik gewehrt haben, dass sie die Reichskristallnacht und die KZs nicht bekämpft haben und dass sie teilweise im Krieg sich zu furchtbaren, massenvernichtenden Verbrechen haben treiben lassen – oder zur Duldung derselben. Aber was ist all dem vorausgegangen? Es bedurfte jahrzehntelanger Vorbereitung, um das deutsche Volk damals dazu zu treiben: Erster Weltkrieg, nach Kriegsende Hungerblockade durch die Briten, irrsinnige Reparationszahlungen durch den Versailler Vertrag, Besetzung des Rheinlands durch französische Truppen, Streit um das Saarland, Börsencrash von 1929, Massenarbeitslosigkeit von 30 %, Propaganda durch eine hetzerische Presse. All das hat die Generationen von damals geprägt und sie rechneten mit dem Hass der umliegenden Völker auf sie, hatten erfahren, dass sie keine Gnade und kein Verständnis erwarten konnten… die Aufbürdung der Allein-Kriegsschuld am Ersten Weltkrieg (obwohl der in britischen Hinterzimmern von ganz wenigen „zurechgefingert“ worden war), die Hungerblockade nach dem Waffenstillstand, die Besetzung des Rheinlands wegen einer Lappalie hat ihnen gezeigt, dass sie, trotz Wilsons Phrasen von „Selbstbestimmung“ der Völker und „gerechten 14 Punkten“, nach dem Ersten WEltkrieg nicht mit Gerechtigkeit behandelt wurden, sondern fertig gemacht und ausgeraubt wurden. Ich denke, das hat zu seelischen Verhärtungen geführt. Das entschuldigt sie nicht, aber wer Geschichte verstehen will, muss alle Fakten berücksichtigen.

    Deshalb halte ich es nicht für sinnvoll, wenn man heute wieder den deutschen Mittelstand basht. Bitte Vorurteile abbauen.

    • Ein sehr wesentlicher Kommentar, der deutlich Ross und Reiter benennt.

      Parallelen aus der Historie gibt es auch zum italienischen Faschismus. Herr Ploppa erwähnt das in seinem Buch „Die Macher hinter den Kulissen“ und es gibt bei entsprechender Suche eine Vielzahl an Quellen im Internet.

      Z.b. hier:
      John Jay McCloy: Wegbereiter im Nachkriegsdeutschland

      „Danach lebte McCloy ein Jahr in Italien und versorgte
      Mussolini mit Krediten. Seine Hauptaufgabe war die Vergabe von
      umfangreichen Krediten an die Regierungen von Deutschland und
      Italien. Ebenfalls finanziert wurden diese Kredite von DuPont,
      General Motors, IBM, Ford, und sehr viele Kredite gingen
      direkt an das damals größte Chemieunternehmen IG Farben.“

      https://buergerstimme.com/Design2/2014/07/john-jay-mccloy-wegbereiter-im-nachkriegsdeutschland/?print=pdf

      Ein aktuelles Beispiel zum offen agierenden Faschismus ist derzeit die Ukraine. Ein Elitenprojekt, die Finanziers sind die Üblichen.

  13. Wer würde nicht hin und wieder seinem Zorn durch ein paar geharnischte Worte Luft verschaffen. Das ist möglicherweise besser als jemanden aufzuknüpfen.

    Der Begriff der Mittelschicht ist per Definition bewußt unscharf. Nicht wenige der Mittelschicht halten sich für Oberschicht und ebenso halten sich nicht wenige der Unterschicht für Mittelschicht.

    So kann man viele Menschen in lähmender Angst davor halten, daß sie ihre empfundene Schicht verlassen müssen.
    Angst die den Verstand vernebelt und sich ebenso in Zorn transformieren läßt.

  14. Guten Morgen,

    da lässt du ganz schön Dampf ab.

    Viel Frust und Wut spricht aus deinen Zeilen und wer von uns kann sich schon davon freimachen? Viel Wahrheit spricht aus deinen Worten und ja in dieser Welt läuft einiges ganz schön verkehrt. Offensichtlich sind wir aber gerade in einer Zeit des Aufwachens und Umdenkens verlange nicht zuviel von der Masse. Schau dir die Menschen an da draußen, du hörst Ihnen doch offensichtlich gut zu. Meinst du die, von denen du sprichst, sind aktuell auch nur im Ansatz in der Lage zu erfassen was um uns herum eigentlich passiert? Bist du es?, sind wir es? Am Ende zeigst du gerade genau die selbe fehlende Empathie, die du den anderen vorwirfst. Du wirst Ihnen kein Mitgefühl beibringen indem du selbst keins mit ihnen hast. Die Mensch- Werdung ist nunmal ein verflucht komplexer Prozess. Wir haben uns nicht frei dafür entscheiden können unser Leben zu Leben, mit bestimmten Genen auf die Welt zu kommen, bestimmte Erfahrungen zu machen und in ein bestimmtes Umfeld hineinzuwachsen. Stell dir mal Friedrich Müller vor, der sein Weltbild aus eben diesen Komponenten + 4 Stunden Fernsehen am Tag zusammengebaut hat und damit an die aktuellen Gegebenheiten hinreichend angepasst ist. Meinst du sein Gehirn bekommst du in einen veränderungsbereiten Zustand wenn du ihn als empathieloses Kapitalisten- Arschloch spiegelst und damit seine emotionalen Verarbeitungsareale überaktivierst wodurch er kognitive noch weiter blockiert wird? 🙂

    Schönes Wochenende

  15. Mittelschicht oder sogar die Armen. Das sind dann aber die ,die „Familie Geissens“ schaut. Man nennt sie auch „die schrecklich Glamouröse Familie“. Und es total als normal ansieht das man zu sehen kann wie die ihr (hart)verdientes Geld rausschmeissen und sich über kaltes Essen aufregen wo man dann selbst froh wäre man hätte so etwas im Teller.
    Ist es nicht absolut schräg wie man mit Geld und Macht umgeht? Das so eine Sendung geschaut wird und ja sogar geliebt?
    Und dann am nächsten Tag aber wieder hausieren geht mit dem „gejammere“?

  16. Hallo Frau Bonath,

    schön, dass Sie versuchen mich anzusprechen…. ich bin ein klitzekleines Teilchen dieser Mittelschicht…
    aber leider finde ich mich in Ihrem Artikel nicht wieder… 🙁 das gilt auch für meinen Freundes und Bekanntenkreis…. alles Mittelschicht…. ich kann Ihnen versichern, in unseren Kreisen wird gar nicht so viel gejammert und auf die armen Bedürftigen drauf geschlagen…

    Ich finde es schön, dass Sie sich hier mal ausgekotzt haben…. das befreit und erleichtert die Seele und sorgt auch körperlichen Beschwerden wie einem Magengeschwür oder gar einem Herzinfarkt vor…. somit ist alles gut… mich würde echt mal interessieren, welcher Klasse Sie angehören…. Unterschicht?, Mittelschicht?, oder gar der Oberklasse? oder laufen Sie komplett aus der Reihe und Sie sind (nur) eine Intellektuelle ohne Klassenzugehörigkeit?..

    Als eine solche Intellektuelle, falls Sie eine sind, kann man sich natürlich immer überlegen fühlen und auf andere und deren vermeintliche oder tatsächliche Unvollkommenheit zeigen….

    Ich jammere übrigens auch nicht über meinen Job, ich mache den gern und vertrage mich super mit den Kollegen… wir fahren sogar zusammen (freiwillig) in Urlaub… ich hab kein Reihenhäuschen, sondern ne abgezahlte Eigentumswohnung…. nix großes, aber gehört mir…. das funktioniert aber nur, wenn man unter seinen Verhältnissen lebt und einen scheiß auf Prestige gibt… ich war nie ein Zinssklave, was das angeht…. kann mir schon seit Jahren ne angenehme vier Tage Woche gönnen…. liegt aber auch daran, dass ich kaum fixe Kosten habe… keine Daueraufträge, außer KENFM, keine Versicherungen außer ner KFZ Haftpflicht, kein Rister, keine Lebensversicherung, kein Sky Sport, kein Zeitschriftenabo und vor allem NIEMALS ETWAS AUF KREDIT KAUFEN!!! Kredit ist vorgezogener Konsum der in der Zukunft ausfällt und mit Zinsen teuer bezahlt wird… aber das ist ja bekannt…

    Das kann ich total empfehlen, sich einfach befreien von allem überflüssigen Kram…. man geht dann ganz leicht durch das Leben…. Wenn man das begriffen hat, nicht an Dingen zu hängen, nichts festzuhalten, einfach los zulassen….
    Wenn ich mir z.B. ein neues T-Shirt kaufe, dann ist entweder ein anderes kaputt oder ich miste ein anderes aus…. dazu braucht es nur etwas Verständnis, dass verhaftet sein im Materiellen als auch Geistiges verhaftet sein Zwillingsbrüder sind und sich Beide bedingen… auch Ideologien kann man loslassen… auch das befreit….

    Ich bin gerne bereit Ihnen eine Einführung in die Welt des zufriedenen Mittelstandes zu geben…. wäre ja vielleicht auch mal ne Story wert…. aber möglicherweise ist der zufriedene „Mittelständler“ auch wieder zu kritisieren… na, wer weiß das schon…. 🙂

    • Liebe FFMMIKE.
      Du bist ein Zinssklave, denn du kannst nicht von deinen (Millionen Euro) Zinsen leben, finanzierst aber das Leben der reichen 10% einfach nur dadurch, dass du bei diesem Geldsystem mitmachst. Denn in allem, was du kaufst und auch in deiner Miete stecken Zinsen. Natürlich, wenn du wenig konsumierst, ist es sehr lobenswert. Hier ein nettes Video dazu: https://www.youtube.com/watch?v=C1qOhGPDSJ4&t=345s

      hier auch ganz interessant: https://www.youtube.com/watch?v=WzrdUz1E9s0
      https://www.youtube.com/watch?v=HRCVudUEF4s&t=2s

      Du kannst gerne weiter auf Facebook mit mir diskutieren

      Mfg

      Joe Blue

    • @John Blue

      Hi John,

      ja, dass ist mir durchaus bekannt, dass ich immer Zinssklave sein werde…. das mit dem Zinssklaven war auch eher so von mir gemeint, dass ich ich grundsätzlich nix auf Kredit kaufe, mit Ausnahme eines Kredits für eine Wohnung welche ich vor Jahren gekauft habe…. das ist aber Vergangenheit und erledigt….. das war wohl nicht so klar von mir rübergebracht….. also formurliere ich es so: Ich bin kein Zinssklave über das für einen Mittelschichtler unvermeidbare Maß hinaus. Ich glaube so passt es jetzt…. 🙂

  17. Zwischen dem Erkennen eines Problems („Ja, da müsste eigentlich etwas unternommen werden.“) und dem Entschluss, tatsächlich etwas zu unternehmen, liegt ja auch noch mal eine große Barriere, die überwunden werden muss. Das heißt: Selbst die, die eine Notwendigkeit zum Handeln einsehen, gehen lieber ihrem Freizeitvergnügen nach, als konkret etwas zu tun.

    • Dem ist so, manchmal derartig auffallend, so dass man die Grenze zur Selbstdarstellung nicht mehr fest stellen kann, denn niemand fordert dazu auf sich zusammen zu tun!
      Wir sind anscheinend zum größten Teil nur ein Volk der großen Klappe…
      Diese Feststellung ist nicht von mir, sie wurden mir zugetragen als ich mich im Ausland als Deutsche outete, was ich gern umgehe!

    • Und die Leute tun gut daran, ihre Bedürfnisse zu wahren, natürlich auch ihr „Freizeitvergnügen“ 😉 Was für ein herrlicher Begriff, der soviel Hass auf das Leben auszudrücken vermag, wie es so manche Hasspredigt nicht schaffen würde 😉
      Als ob der Mensch dazu da wär, nur in seiner von anderen bestimmten und reglementierten „Freizeit“ „vergnügt“ zu sein 😉

      Nein, eine Emanzipationsbewegung muss auf Basis der Bedürfnisse der Menschen funktionieren und darf sich nicht abstrakten Begriffen, wie „Volk“ oder „deutsch“ oder sowas selbst zum Opfer machen.
      Das Denken in diesen pauschalen Begriffen bedeutet immer die Geringschätzung der eigenen Kraft und Persönlichkeit und trägt bereits im Keim die Bereitschaft sich einem neuen Diktator zu Füßen zu werfen, ganz gleich wie der auftritt – ob nun als „neue“ Regierung oder als politisch-religiöser Führer.

      Man darf sich auch über das Beginnen keine großen Vorstellungen machen – es geht darum zusammenzufinden, sodass Krieg und Herrschaft nicht mehr stattfinden kann: Das kann man ja bestens mit dem „Freizeitvergnügen“ – es geht mir nur schwer über die Fingerspitzen – vereinbaren.
      Das „Freizeitvergnügen *schluck* schließt sich mit einem persönlichen Kampf ja gar nicht aus, denn der persönliche Kampf um Freiheit ist keiner für die Privilegien anderer oder die „Belange der Nation“, eher gegen diese, und deshalb ist es wichtig, dass er sich nicht als Bürde im Leben der Menschen auftut, sondern als Befreiung im ALltag – bspw. durch das Erstarken Gegenseitiger Hilfe statt der Abhängigkeit von Hartz4.

      Wenn erstmal begriffen wird, dass Befreiung KEIN Kampf für ein politisches Kirchengebilde wie eine Kommunistische Partei oder eine Nation ist, sondern ein Kampf und ein Bewusstsein für die eigenen Bedürfnisse heißt und selbstverständlich für die der anderen, dann haben darin solche abstrakten Begriffe keinen Platz mehr. „Du bist Deutschland“ ist dann heilbar.

      In handfesten Projekten wie der solidarischen Landwirtschaft wird dies schon heute offenbar und schon heute profitieren Viele von ihrem antikapitalistischen Kampf der ihnen gesundes Gemüse auf den Tisch „zaubert“. Es ist also nicht so, als sei die Welt voller Zauderer….

    • Mi viel sofort ins Auge…

      @In handfesten Projekten wie der solidarischen Landwirtschaft wird dies schon heute offenbar und schon heute profitieren Viele von ihrem antikapitalistischen Kampf der ihnen gesundes Gemüse auf den Tisch „zaubert“. Es ist also nicht so, als sei die Welt voller Zauderer….

      Sie wissen aber sehr wohl, dass die meisten Menschen nicht auf dem Land wohnen…und Gemüse auf dem Balkon kaum zu züchten ist, sofern ein Balkon überhaupt zur Verfügung steht,schier unmöglich!.Eine Anleitung für eine große Mehrheit , ist das Aufziehen von Gemüse etc nun wahrlich nicht.!Wer es könnte und nicht tut, dem ist aber nicht zu helfen!

    • KenFmFan,

      ich habe den Link, sowie geladene Karte verschickt, alle Verwandten lehnen diese Höfe ab, Solawi ebenso, im Bekanntenkreis keine andere Reaktion, Mitglied werden, Grundstück besitzen, selbst einkaufen nur 1x wöchentlich.Es ist sehr verzwickt aufgebaut. Bei entfernten Bekannten, ach so! Man springt auf den vorbei fahrende Zug.
      Was will man machen, wenn man nicht einmal gesund angebaute Nahrungsmittel erhalten möchte?.
      Familie kann man nicht ändern, aber den Bekanntenkreis verkleinern, so viele Fehlgriffe…es ist zum Verzweifeln.

    • Annette,
      Dann werden Sie doch Mitglied und laden Familie und Bekannte zum leckeren gesunden Essen ein. Der Bekanntenkreis muß nicht verkleinert werden – mit Solawi vergrößert er sich – nette Leute und interessante Projekte sind inklusive.

  18. Das hierin beschriebene Kleinbürgertum war schon immer ein Hebel, den die Herrschenden zur Teilung der Untertanen benutzt haben. Sie privilegieren diese Leute als Zuckerbrot und beschneiden ihre Privilegien sofort wieder als Peitsche. Diese „Erziehung“ im großen Stil bedeutet nichts anderes, als Hoffnung zu schüren und sie dann zu zerstören. Das psychologische Konzept dahinter geht voll auf:
    Zum Einen sind die Leute von dem bisschen Erfolg so aufgegeilt, dass sie wirklich daran glauben, „aufzusteigen“ zu einem Punkt, an dem sie Freiden und Sicherheit empfinden würden. An dem das Chaos um sie herum endet.
    Aber dieser Punkt kommt nie – DOCH sie würden immernoch alles dafür tun. Es ist eine politische Religion, die sie antreibt, der Mythos der bundesrepublikanischen Sozialpartnerschaft, der kräftig von allen politischen Lagern geschürt wird. Nazis und „Christdemokraten“, „Sozialdemokraten“, „Grüne“, „Linke“ – sie sind alle in dem Punkt gleich, als dass sie den Staat als Ausgleich der Klasseninteressen hinstellen – der sozialen Belange usw. was der Staat ja gar nie sein könnte, wöllte er sich nicht selbst auflösen und der Staat – als Gefäß der Macht, hat noch nie in der Geschichte die Tendenz gehabt, sich selbst aufzolösen. Das Schwinden seiner Macht verheißt immer Kampf und Bewusstsein von Unten!
    Jedenfalls ist es so, dass die nun mehr enttäuscht aufgesatchelte kleinbürgerliche Menge da steht: Auf der einen Seite mit enttäuschten Hoffnungen, auf der anderen mit dieser Geilheit auf mehr Erfolg, an dem die Herrschenden sie mal kurz schnuppern ließen.
    Auf ihre Hoffnungsträger, die Reichen, werden sie nie sauer sein können, denn tief drin, wollen sie ja selbst immer Sklaventreiber sein.
    Es ist für die Reichen und Herrschenden also eine positive Rückkopplung, was da im Kopf der Kleinbürger abläuft: Sie können sie bequem verarschen und in den Krieg schicken, denn auch hier kann man „aufsteigen“. Und sie können die sich automatisch anstauende negative Energie, ob der sich NIE erfüllenden „Aufstiegshoffnungen“ auf die Arbeiterklasse lenken.

    Denoch sind die Produzenten des gesellschaftlichen Reichtums nicht die Kleinbürger sondern die Arbeiterklasse weltweit. Das war nie anders, wird nie anders sein. Und eben diese Klasse wird immer benachtteiligt sein, wenn sie sich nicht selbst wehrt. Behält sie die Vertreterreligion des Parlamentarismus bei, ich rede hier gar nicht von „Demokratie“, dann wird das wieder nichts, denn sie werden es gewohnt bleiben herumkommandiert zu werden.

    Die einzige Lösung besteht in einem Klassenkampf, der bewusst selbst verwaltet geführt wird, in dessen Verlauf schon das Bewusstsein entstehen muss, dass kein Mensch unter der Schande des Beherrschtseins stehen darf, wenn es Frieden und Interessenausgleich geben soll.

    Keine Paertei und kein Staat können das für die Menschen regeln, das müssen sie selbst tun. Sie müssen dagegen kämpfen einer Klasse anzugehören und sich im Alltag auch so verhalten.

    Als Beispiele effektiven Klassenkampfes können das Errichten hierarchiefreier Kollektivbetriebe angeführt werden.
    Hierin sollte die Führung des Betriebes den Arbeitern des Betriebes obliegen, die sich basisdemokratisch absprechen. Sie sollten auf jedenfall überbetrieblich in einer ebenso syndikalistischen Gewerkschaft vernetzt sein, die ihre Belange nicht an die Gewerkschaftsbonzen des DGB verkauft, sondern sie müssen diese Belange selbst mit anderen Arbeitern aus anderen Betrieben verwalten.
    Es muss eine ganz neue Gesellschaft aus diesen kleinen Keimen der Selbstverwaltung entstehen und aus ihnen muss sich die stärkste Waffe der Arbeiterklasse entfalten: Der Generalstreik.

    Aber dieser Generalstreik gegen die zentralistische Gesellschaftsverfassung muss unterfüttert werden, mit entsprechenden Strukturen. Es kann nicht sein, dass die Streikenden persönliche Nachteile hätten, die vermieden werden können, in dem beispielsweise die Risiken vor dem Kampf minimiert werden.
    Beim Streik besteht das Risiko des Arbeitsplatzverlusts, des Hungers und der sozialen Kälte, besonders im Heimatland der sozialen Kälte „Deutschland“.
    Zur Arbeitslosigkeit:
    Arbeit meint hier eine fruchtbare Tätigkeit, die auch den Ausführenden etwas bringt. Ich meine damit nicht die Lohnarbeit, die manche damit leider verwechseln.
    Arbeitslosigkeit ist schlimm und kann damit vermieden werden, indem die Arbeiterklasse Betriebe aufbaut, die eben Arbeitslose aufnehmen, damit sie ihrem Leben innerhalb der Gesellschaft Sinn geben können. Aber diese Betriebe müssen frei sein und nicht kapitalistisch. Solidarische Landwirtschaft, Kollektivbetriebe, Genossenschaften und alles sollte durch eine bestens vernetzte Gewerkschaftsbewegung aktiv koordiniert werden.
    Wer dank entsprechender Strukturen in der Arbeiterklasse keine ANgst vor einem Rauswurf hat, der streikt viel eher, denn er weiß die Solidarität der anderen hinter sich!
    Hunger: Bevor die Arbeiterklasse überhaupt an irgendwelche offenen Insubordinationen denken kann, sollte sie sich und ihre Organisationen so weit ausbauen, dass diese in der Lage sind, ohne die Kontrolle der Großkonzerne die Menschen zu ernähren. Wer seine Bedürfnisse selbst in der Lage ist zu decken, die Klasse, die das schafft, braucht keine Klassengesellschaft mehr, sie ist dann nicht mehr durch ihre Angst erpressbar, vor Hunger und Ausgeschlossen sein.
    Soziale Kälte – in dem von mir skizzierten Bestreben der Arbeiterklasse sich selbst zu befreien, muss die Bewusstwerdung und die Solidarität einen festen Platz finden. Die Erziehung weg vom bürgerlichen Konkurrenzdenken muss oberste Priorität haben. Das soziologische Gefasel der Dreckspädagogen von der Uni muss sich aus den Hirnen verpissen und einer erbaulichen und freudvollen Kooperation weichen. Es können hier keine verbiesterten Intellektuellen geduldet werden, die die Arbeiterklasse mit ihrem Geschwafel von „Gender“ oder irgendsoeiner Szene-Scheiße von Luxusproblemen spalten. Das ist Privatsache und selbstverständlich über die angestrebte Freiheit der Persönlichkeit eines jeden~+*Innen abgedeckt. Aber es ist kein Politikum, weil das Politikum ist die Ökonomie!

    Ich hoffe die Geschichte, deren Wiederholung die Autorin angeschnitten hat, nimmt endlich mal einen interesanten Lauf – dass die Leute aus ihrer eigenen Geschichte lernen, statt sich die Geschichte aus Herrschendenperspektive weiter anzutun, dieses Guido-Knopp-Gelaber.

    Zu allem ist der erste Schritt Klassenbewusstsein zu entwickeln und aus diesen Klassenverhältnissen, die einer ökonomischen Apartheid gleichkommen, ausbrechen zu wollen. Wir sind Arbeiterklasse, aber wir wollen freie Menschen sein. Und das ist das Ziel – nicht die eine Unterdrücke gegen eine andere tauschen, bspw. jene durch eine Kirche oder eine Partei.

    Und man sollte sich die Geschichte der Arbeiterklasse un ihrer Kämpfe selber erschließen. Besonders die Geschichte des Anarchismus, des Anarcho-Syndikalismus und des Syndikalismus – hierbei dürfte die Unwissenheit der Meisten frappant sein, denn diesen Teil der Geschichte haben die Herrschenden, Marxisten, Sozialdemokraten, Nazis, Kapitalisten und die anderweitig Religiösen geflissentlich von uns fern gehalten!

    Lesen, lesen, lesen – und darüber nachdenken und dann immer wieder Versuche in der Praxis machen. Publizieren, im Betrieb agitieren, in den Berufsschulen agitieren usw. Betriebe aufbauen, Geld sammeln, Gebäude kaufen, Fahrzeuge und Technik kaufen, Zentren für Kultur und gegenseitige Hilfe aufbauen – jeder kann was machen dazu, dass diese Gesellschaft von innen heraus eine Freie Gesellschaft wird!

  19. Kann ich nonk nur zustimmen, ein Top-Artikel! Aber nicht alle „Mittelschichtler“ sind so drauf, dass ist mir etwas zu einfach.
    Es gibt einige, aus meinem Bekanntenkreis, die sehr gerne aus diesem Hamsterrad rausspringen möchten. Da fehlt eigentlich nur der richtige „Bolzenschneider“, der den, von Volker Pispers in seinem Programm angeführten „Stacheldraht im Kopf“ den wir seit Jahren verpasst bekommen, endlich mal durchschneidet. Aber die Kombination aus Berieselung mit Schwachsinn, Propaganda, Brot&Spiele-Programme und Dummhaltung durch die „Lücken-Presse“ plus Ängste schüren funktioniert (noch) zu gut.
    Ich gebe aktuell jedem Verwandten, Bekannten oder Menschen mit dem ich ins Gespräch komme, den Hinweis auf alternativen Journalismus alá Ken-FM, Nachdenkseiten, Propagandaschau, etc… damit sie auch mal sehen, dass es auch eine ganz andere Sicht der Dinge gibt. Nicht nur dieses peinliche vorlesen von Propaganda in ihren Nachrichten-„Shows“
    (ja genau daher kommt das, alles nur „Show“, glaub der Kleber würde auch 2 Sätze Hänsel und Gretel vorlesen, wenn er es aus versehen im Teleprompter eingespielt bekommt, bis er es dann merkt 🙂 ).
    Das Feedback besteht dann aus einer Variaton von…“..bist du Verschwörungstheorethiker oder so?“ über „..ich weiss nicht, sind die nicht alle rechts und Putinversteher?“. Aber es ist immer mal jemand dabei der sagt „…interessant, das hab ich so noch gar nicht gesehen“…“..muss ich mich mal tiefer einlesen, da war noch ein interessanter link dabei“
    Ich glaube wir sind aktuell vielleicht an der Stelle der „Revolution“, an der wir einfach erst einmal mehr Menschen darauf aufmerksam machen müssen, daß diese Art des Journalismus bzw. der Berichterstattung existiert.
    Und wenn einer von zwanzig sich davon überzeugen lässt und er wiederum zwanzig Leute darauf aufmerksam macht und wieder einer überzeugt wurde usw., dann wird vielleicht auch mal der „Stacheldraht im Kopf“ bei den Menschen durchtrennt und dann sind „wir“ viele.
    So wünsche ich einen schönen Abend und sage nur ,(mit einem Titel aus einem meiner Lieblingsalben „Queensrÿche-Opertation Mindcrime“ )
    REVOLUTION CALLING

    N8 zusammen

    • Und die Zeit brennt uns nicht unter den Fingern, denn so richtig es ist was Sie vorschlagen, aber mindestens 10 verlorene Jahre sind nicht mehr aufholbar!
      Wir haben ein gefährliches Datum, Herbst 2017, wenn die Rechnung der Politiker auf geht, dann werden wir mit reden nichts verhindern!

  20. Als HartzIV seine Sternstunde erlebte, ging ein Fluch für Mio Menschen durch unser Land.Mio-fache
    Diskriminierung, Entrechtung, Chancenlosigkeit, Hetze auf böseste Art, ausgeführt durch die eigenen Mitbürger, angeführt durch Politiker und Presse!Heute weiß man,deren Lebensjahre wurden staatlich verkürzt, das ist Mord auf Raten und ganz Deutschland guckt zu, spendet gern für andere Hilfsbedürftige, Hauptsache die Vertriebenen aus der Gesellschaft erhalten nichts.
    Ohne schlechtem Gewissen treibt man die Entehrung weiter, von der Kassiererin bis hin zur Anwaltsgehilfin, Ärzten, Apothekern,Elektriker , aus allen Schichten …sie hauen drauf, haben noch immer nichts verstanden und nun glaubt man sie würden die große Politiker erkennen?Ein bisschen viel verlangt von Köpfen, die sich nur damit beschäftigen, wie sie ihren Angst vor dem Absturz aushalten sollen.
    Würde man den Hetzer freie Hand geben, wir hätten keinen einzigen HartzIV Empfänger mehr, unsere Straßen würden frei von Bettlern sein und ohne Wohnung Lebende hätten sicherlich bald mehr als genug Wärme…am Ende ihres Lebens!

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