KenFM im Gespräch Classics mit: Hans-Jürgen Krysmanski („0,1% – Das Imperium der Milliardäre“)

In unserer neuen Rubrik „KenFM im Gespräch Classics“ zeigen wir ab sofort besonders sehenswerte Interviews aus unserem reichhaltigen Archiv.

Am 9. Juni 2016 verstarb der Münsteraner Soziologe Hans-Jürgen Krysmanski. Er war Professor für Soziologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster.

Aus Anlass seines Todes veröffentlichen wir das Interview mit Prof. Krysmanski, das erstmals in 2013 bei KenFM erschien, hiermit erneut. Das ursprünglich zweiteilige Interview haben wir nun in einem Beitrag ungekürzt zusammengefasst. Mit der Wiederveröffentlichung des Interviews wollen wir einmal mehr die herausragenden Forschungen von Prof. Krysmanski würdigen.

Anders als in den Vereinigten Staaten ist das Thema Elitenforschung in Deutschland noch weitgehend im Winterschlaf. Alle Pyramidengesellschaften wurden und werden von der Spitze her regiert. Alle. Ihnen liegt eine Struktur zugrunde, die an das Militär erinnert. Wer die Massen erreichen und beherrschen will, kann dies nur über die jeweiligen Eliten bewerkstelligen.

Die Geschichte kennt die politischen Eliten, sie ist mit den Eliten der Kirche vertraut. Hinzu kamen später die intellektuellen Eliten, im 20. Jahrhundert die Eliten der Wissenschaft und des Sports.

Das 21. Jahrhundert hat eine völlig neue Form der Elite hervorgebracht. Die Geldelite. Es handelt sich hier um ein Machtzentrum, das weitgehend unsichtbar agiert, dafür aber global die Strippen zieht. Wenige Tausend Superreiche weltweit verfügen über ein permanentes Barvermögen von 500 Mio. Dollar – Minimum. Einige Hundert unter ihnen besitzen Milliarden im dreistelligen Bereich. Für diese Menschen haben Gesetze oder nationale Grenzen keine Bedeutung mehr. Sie stehen über dem Gesetz. Nicht selten stellen sie den Gesetzgeber.

Die Geldeliten beherrschen die öffentliche Meinung und die internationalen Geldflüsse. Sie besitzen maximale Medienmacht und beherrschen den Finanzsektor. Alles, was wir über diese Eliten Erfahren, geschieht im Zuge eigener Inszenierung. Davos oder Bilderberger-Treffen sind die „Bambi-Verleihungen“ der Geldelite, denn auch sie kennen untereinander eine Form der Konkurrenz.
Hans-Jürgen Krysmanski beschäftigte sich über 30 Jahren mit dieser Klientel, und hat dazu zahlreiche Bücher veröffentlicht.

KenFM traf ihn 2013 in Hamburg, um mit ihm unter anderem über sein Buch „0,1% – Das Imperium der Milliardäre“ zu sprechen. Das Gespräch kann helfen, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Es geht um das Gesamtbild, nicht nur um einzelne Puzzleteile.

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38 Kommentare zu: “KenFM im Gespräch Classics mit: Hans-Jürgen Krysmanski („0,1% – Das Imperium der Milliardäre“)

  1. FANPOST in memoriam …
    Diese Koppelung von Integrität, Güte und Sachverstand auf der Ebene von Weisheit und Herz ist überwältigend. Darüber hinaus, glaube ich, war es Herr Krysmanski, der das Lächeln erfunden hat. Und noch einiges mehr.

  2. Als Teilnehmer diverser Geldsystem-Foren im Internet kann ich die Frage inzwischen beantworten, wo genau der Fehler des heutigen Geldsystems liegt.

    Zunächst einmal muss man es wissen, dass Geld dadurch entsteht, dass Banken Geld aus dem Nichts verleihen.

    Geld hat aber nicht deshalb einen Wert, weil darauf Geldwerte abgebildet sind oder weil es schlechthin ein Tauschmittel ist, zumal es normalerweise auch nicht einleuchten sollte, dass bedrucktes Papier einen Wert haben könnte.

    Vielmehr hat Geld einen Wert, weil man nur mit diesem bezahlen kann und weil es für große Teile der Bevölkerung künstlich verknappt wird.

    Wenn beispielsweise die Bundeskanzlerin in China für Freihandel wirbt, dann hat sie es nicht verstanden, dass Geld eben gerade nur in einer Nebenfunktion und wegen eines Denkfehlers ein Tauschmittel ist.

    Außerdem ist es doch der Fall, dass Chinas Machteliten ständig sehr viel Geld in irgendwelchen Steuersümpfen deponieren, weil man doch nur so zu „wirtschaftlicher Stärke“ gelangt.

    Aber das Volk dort wird schon bereits wegen vergleichsweise kleiner Delikte zum Tode verurteilt.

    Jedenfalls ist uns bislang kein funktionierendes Geldsystem bekannt und obwohl dies so ist, wirbt die Kanzlerin in China für etwas, das sich allein auf Betrug der Banken stützt und insofern für „freien Handel“ mit Geld.

    Warum auch sonst sollte das Finanzwesen daran interessiert sein, dass es ausgerechnet unseren etablierten Parteien dermaßen viele Geldzuwendungen zukommen lässt? Die Linkspartei nimmt meines Wissens nach keine Zuwendungen der Banken an, aber sie hat komischerweise dann doch ein vergleichsweise gutes Budget, was einige Kleinparteien mit möglicherweise noch besseren Inhalten eben gerade nicht haben.

    Die Politik redet zudem ständig von unserer „starken Wirtschaft“.
    Wir sind aber bei unserem fehlerhaften Wirtschafts- und Finanzsystem nicht deshalb stark, weil wir einen Gemeinwohlnutzen erzielen, sondern weil wir andere Wirtschaftsteilnehmer letztlich daran hindern sich bei den Banken zu entschulden.
    Unsere vermeintliche soziale Marktwirtschaft würde doch ohne diesen Fehler gar nicht funktionieren.

    Was die großen Einzelhandelsketten und Konzerne antreibt, ist eben gerade kein faires Wirtschaften.

    Dabei gewinnt man bei uns den Wettbewerb um das „Entschuldungsmittel“ GELD nicht so sehr mit Fleiß, sondern mit immer mehr wirtschaftlicher Stärke und Unternehmensgröße, die jedoch den Nebeneffekt hat, dass man damit andere Wirtschaftsteilnehmer behindert und diskriminiert.

    Jedenfalls gibt es bei unserem System einmal die Geldverknappung bei den meisten Bürgern, weil ein sehr großer Teil des ständig durch die betrügerischen Geldschöpfungen der Banken in Umlauf gebrachten Geldes von vergleichsweise wenigen „Arbeitgebern“ oder sonstigen Geldanlegern eingenommen wird.

    Gleichzeitig pumpen die Banken doch mit ihren betrügerischen Geldschöpfungen immer mehr Geld ins System hinein.
    Diese beiden Effekte gleichen sich in etwa aus und dadurch hat man dann wieder stabiles Geld.

    Wegen der Geldillusion ist es uns aber doch gar nicht bekannt, wie viel Geld und Schulden es auf der Welt gibt. Dadurch kann uns die Politik beliebig regieren, bis das System irgendwann am Ende ist.

    Und ist es nicht ein wenig komisch, dass die Bundesverteidigungsministerin neuerdings immer mehr Notwendigkeiten für Aufrüstung sieht, während man doch gleichzeitig ca. 35.000 Pflegekräfte doch gar nicht bezahlen kann?
    Schließlich sei es doch offensichtlich, dass Rüstung Geld kostet. Hier geht es dann aber letztlich um die Verschleppung des weltweiten Finanzkollaps, weil das System eben gerade nur mit immer mehr Schulden funktionieren kann. Gleichzeitig kann es sich mit der Zeit immer weniger Inflation leisten, wodurch immer mehr Armut vorprogrammiert ist.

    Dann leisten sich die Kommunen ständig diverse Einträge ins Schwarzbuch des Bundes für Steuerzahler, weil sie doch nur so einen Grund haben könnten, dass sie sich wieder neues Geld von den Banken ausleihen , das diese doch immer wieder aus dem Nichts schöpfen.

    Jedenfalls bringt der Staat mit dem ständigen Sozialisieren von Schulden oder etwa mit der EZB-Geldpolitik immer neues Geld in Umlauf. Dadurch steigt die Pro-Kopf-Verschuldung der Deutschen immer mehr an, wodurch Deutschland ständig wettbewerbsfähiger wird.

    Gleichzeitig sind es doch vergleichsweise wenige Personen, die das Entschuldungsmittel GELD doch ständig kassieren.

    Dieses viele Geld, das in unserem Geldwesen doch die Entschuldugnsfunktion haben sollte, wird dann von den Milliardären nur zu einem sehr kleinen Teil wieder ausgeben, wodurch es für die Mehrheit der Bürger mit der Zeit immer schwieriger wird, zur eigenen Pro-Kopf-Entschuldung der eigenen Staatsschulden beizutragen, wodurch sich gleichzeitig auch die Geldmenge immer mehr ausweiten muss, was deshalb der Fall ist, weil man sich ständig wieder neues Geld bei den Banken „ausleiht“.

    Die Politik scheint es also nicht zu wissen, dass es letztlich der Konsum ist, der das Einkommen möglich macht.
    Wenn aber vergleichsweise wenige Personen mit der Zeit einen ständig größeren Teil des Volkseinkommens erzielen, um damit ihre eigenen Profite immer mehr auszubauen, dann hat dies insofern auch den Nebeneffekt, dass es für die meisten Bürger mit der Zeit immer schwieriger wird, überhaupt Geldeinnahmen zu erzielen, weil das viele Geld, das doch zur Entschuldung benötigt werden müsste, gar nicht in den breiten Geldumlauf gelangen kann, weil es von wenigen Milliardären eingenommen wird.

    Dann kommen bei unserem System auch die Interessen von Staaten dazu. Die Wirtschaft eines Staates funktioniert vor allem dann besonders gut, wenn man auf nationaler Ebene einen stabilen Geldwert hat, was jedoch vor allem nur mit einer ungerechten Gesellschaft der Fall ist.

    Mit unserem CDU/ CSU-Selbstverständnis verschieben wir immer mehr Altersarmut etc. in die Zukunft.
    Erst locken wir das Finanzkapital mit etwas zu guten Abschreibungsmöglichkeiten für Unternehmen nur so an. Dann müssen wir das Ausland immer mehr retten, wodurch unsere uneinbringlichen Target 2-Forderungen immer mehr ansteigen.

    Außerdem liebäugelt Jens Weidmann mit dem EZB-Chefposten, obwohl die Fortsetzung der jetzigen Politik mit der Zeit immer gefährlicher wird.

  3. Laut der WELT gab es 2017 etwa 195 Milliardäre in Deutschland.
    Das sind bei 80 Millionen Einwohnern, 195 geteilt durch 800000 (1%), gleich 0,000243%.
    Also ne ganze Ecke weniger als 0,1%, wie Sie in Ihrer Anmoderation schrieben…

    • Apropos : Völlig neue Form der Elite?

      zur Erinnerung …

      Banker : „Kein Job, kein Geld, keine Ahnung, wie es weitergehen soll? Da sind Sie genau richtig bei mir. Hier ist Ihr Vertrag!“

      Otto (nimmt den Vertrag und liest) : „Hiermit bestätige ich den Erhalt von viel Geld. Dafür verpflichte ich mich unwiderruflich zu …“

      Banker (unterbricht) : „Das Kleingedruckte sollten Sie besser nicht lesen, mein Freund.“

      Otto : „Ja aber warum denn nicht?“

      Banker : „Das ist schlecht für die Augen.“

      Otto : „Ach so, das ist prima! Ja und jetzt?“

      Banker : „Jetzt bekomme ich noch eine schöne gut leserliche Unterschrift von Ihnen.“

      Otto unterschreibt.

      Der Banker steht auf und holt einen Stapel Geldscheine aus dem Tresor.

      Banker : „Ihr Geld!“

      Otto : „Soviel?“

      Banker : „Nicht ganz! Denn es geht ab : Bearbeitungsgebühr, Stempelgeld und meine Treueprämie.“

      Otto : „Aber das ist alles für mich?“

      Banker : „Und, wenn ich Ihnen noch einen guten Rat geben dürfte. Seien Sie erfolgreich!“

      Tolle Möchtegern-Elite …

  4. “ Das 21. Jahrhundert hat eine völlig neue Form der Elite hervorgebracht. Die Geldelite. Es handelt sich hier um ein Machtzentrum, das weitgehend unsichtbar agiert, dafür aber global die Strippen zieht. “

    Alsob nicht schon in 17ten Jahrhundert Holland die Geldelite regierte.
    Alsob nicht zwischen die Weltkriege in Frankreich die Geldelite regierte, Francois de Wendel mit Rothschlid
    Jean-Noël Jeanneney, ‚Francois de Wendel en République, L’Argent et le Pouvoir 1914-1940, Paris 1976

    In wie weit jetzt eine globale Geldelite regiert, ich sehe das noch nicht.
    Gibt es keine beinahe Krieg zwischen westen und Russland ?
    Hat nicht die westliche drohung China und Russland zusammen getrieben ?

  5. Ich glaube nicht, dass es das „Imperium“ Amerika gibt. Die Erschaffung eines mit einem Staatsnamen ausgestatteten Gewaltimperiums ist nur militärisches Mittel zum Zweck und gleichzeitig Tarnung. Es geht ausschließlich um die Erhaltung des Jahrhunderte alten, mathematisch-kriminellen, ausbeuterischen, exorbitanten Reichtum für Wenige schaffenden Geldsystems. Und da ist es ganz egal in welchen Ländern die Protagonisten dieses genialsten aller Raubinstrumente sitzen. Krieg ist die forcierte kriminelle Wirkkraft von Geld mit brutaleren Mitteln. Und da sind mörderische False Flag OPs und Patriot Act…usw. inclusive. Was zählt bei „amerikanischen“ Kriegen ist nicht die Unterwerfung eines Feindes, sondern die „Auffrischung“ der Traumatisierung der Menschen, welches die psychologische Grundlage dafür bildet, das das ausbeuterische Geldsystem von der Menschheit überhaupt respektiert und gefürchtet wird und als eine quasi höhere Gewalt hingenommen und angenommen wird. Ähnlich, wie ein Bankräuber zur Unterstreichung seiner Forderung das Geld heraus zu rücken, mal eben in die Decke schießt. Das kranke, einerseits Armut und andererseits Dekadenz erzeugende Zinseszinsgeld, ist letztendlich gedeckt und erhält seine glaubhafte Zahlkraft nur durch Drohung mit Gewalt und Zerstörung. Durch was sollte es auch sonst gedeckt sein? Da ist ja nichts, außer Rüstung und Militär. Vielleicht noch das Lächeln von Donald Trump oder Hilary Clinton, oder irgendeinen anderen Präsidenten. Krieg und das Militär ist die Pistole in den Händen der Räuber – (oder der Tribut- und Schutzgeldeintreiber) – gegenüber der Menschheitsbank. Die Menschheit ein Bank? Ja natürlich. Die Menschheit schafft die Werte. So gesehen ist die Menschheit die einzige Bank, die es überhaupt gibt. Auf jeden fall too big to fail, aber nur mit sehr schlechten Sicherheitsvorkehrungen aus gestattet. Wer sich dem Räuberpistolen-Dollardiktat in der Vergangenheit nicht beugen wollte, wie z.B. Saddam und Gaddafi hat die wahre Werthaltigkeit des Dollars erfahren. — Aber wie schon gesagt, es geht gar nicht um Amerika. – Es gibt ein weltweit über den Globus verstreutes Land, das auf keiner Karte verzeichnet ist, welches ich als das wahre Imperium ansehen würde. Es setzt sich zusammen aus den verstreuten Refugien der Kriegs- und damit Geldprofiteure. Kafka hätte es vielleicht das globale Schloss genannt. Dieser Begriff ist leider schon vergeben. Ich nenne es jetzt mal REFUGIA. Wenn Amerika im Sinne seines Landes, seiner Bürger und seiner Kultur seit Jahrzehnten ununterbrochen Kriege führt, wieso wächst denn überall in diesem Land die Armut und der allgemeine Verfall? Wieso profitiert dieses Land nicht von all seinen Siegen und Beutezügen? Weil die Leute, die diese Kriege führten, den Staat Amerika nur als Tarnung und Vorwand für ihre Feldzüge benutzten. Sie sind nämlich ausschließlich Bürger von REFUGIA (alias das Schloss) und dieses Splitterland hat sehr wohl in unglaublichen Ausmaß profitiert. Das globale, multilinguale REFUGIA blüht und gedeiht. Seinen Bürgern geht es prächtig. Auch unsere wohl genährten sogenannten Staatsvertreter sind fast ausnahmslos Bürger/innen von REFUGIA und nur dessen Wohl und Gedeihen verantwortet. REFUGIA ist überall und nirgends. Es ist da wo die schönsten, scheinbar noch heilen Orte dieser Welt sind, da wo niemals Kriege hin kommen werden, da wo Umweltzerstörung noch kein Thema ist. Seht ihr ein Grundstück mit prächtigen, schmiede eisernen Tor und einer grandiosen Villa darauf, vielleicht mit einem kleinen Privatzoo anbei und diversen Wasserspielen, dann gehört dieses kleine Stück Land vielleicht zu Refugia. Auch in Ländern wie Griechenland leben trotz des Staatsniedergangs sehr viele Refugianer. Refugia hat vielleicht 10.000.000 Einwohner vielleicht auch 20.000.000…. Es besteht aus 0,00001 % vielleicht auch 0,0000378 % der Weltbevölkerung, die am Zinseszins der weltweiten Schuldendienste bombastische Nettogewinne einfahren. Die gleichen Leute, da geh ich jede Wette drauf ein, sind die Kriegsprofiteure und zwar von allen Kriegen.

  6. Die sogenannte „Philanthropie“ ist teil es Raubs. Damit wird das Verbrechen weichgespült, das geraubte reingewaschen!

    Am Superreichtum gibt es also gar nichts freundliches und akzeptables!
    Bei Zahlung ordentlicher Steuern, gäbe es keine Superreichen, keine Philanthropisten, keine Schuldknechtschaft von Staaten und Gesellschaften!

    • Darüber hinaus werden auch Betrugsmaßnahmen als Wohltaten verkauft, Sie z.B. “ Financial Inclusion“ Microkredite mit monatlich 1% Verzinsung an alle. die noch irgens einen Art von pfändbare Sicherheit haben..Wird sogar von der Deutschen Entwicklungshilfe über die GIZ unterstützt,

  7. Professor Krysmanski erwähnt die Privatisierung des Wassers!

    Bei den meisten Menschen reicht die Perspektive auf die Privatisierung des Wassers nur auf Grundwasserquellen!

    Der globale Wasserkreislauf, im Untergrund auf der Oberfläche und in der Luft wird privatisiert!

    Bitte unbedingt lesen!

    1960, #CIA Memorandum zur #Klimakontrolle!
    http://geoarchitektur.blogspot.com/2017/02/1960-cia-memorandum-on-climate-control.html

    #Krieg um #Wasser, #SRM über #Yemen, #Syrien & #Irak in der Troposphäre für mehr Öl & Gas.
    http://geoarchitektur.blogspot.de/2015/07/war-on-water-krieg-um-wasser.html

    Saudis führen Krieg um Wasser & Energie, mit #SRM über #Yemen, #Syrien & #Irak, für mehr Öl & Gas.
    http://geoarchitektur.blogspot.de/2015/07/war-on-water-krieg-um-wasser.html

    Wasserarmut und Wasserreichtum!
    http://geoarchitektur.blogspot.com/2016/09/wasserarmut-und-wasserreichtum.html

  8. Ein Verbesserungsvorschlag: Statt einzelner „Classics“ (oder zusätzlich) wäre es sehr hilfreich, eine komplette, übersichtliche Liste ohne Bilder, aber mit Datum zu haben, die sich über alle Formate erstreckt. Die Liste sollte alphabetisch nach den Namen der Gesprächspartner geordnet sein und sich über alle Formate erstrecken. Gegenwärtig ist es sehr umständlich, einen alten Beitrag wiederzufinden.

  9. Anbei als Ergänzung, ein Artikel zu „Mechanismen der Herrschaftssicherung:“

    Hintergrund: Die Illusion der freien Märkte
    19 Dez 2017
    Wie der Staat hinter den Kulissen den Kapitalismus künstlich am Leben hält. Exklusivabdruck aus „Chaos: Das neue Zeitalter der Revolutionen“
    von Fabian Scheidler

    Es gehörte schon immer zu den schmutzigen Geheimnissen des Kapitalismus, dass er mit freien Märkten sehr wenig zu tun hat und von Anfang an untrennbar mit staatlichen Herrschaftsstrukturen verflochten war. Die frühneuzeitlichen Staaten gewährten Händlern und Bankiers wie den Fuggern Monopolrechte als Gegenleistungen für Kredite, mit denen die Landesherren Söldner und Rüstungsgüter bezahlten. Nur durch diese Kredite konnten die sich neu formierenden Territorialstaaten ihre Macht aufbauen. Und nur durch die Monopole konnten die Händler und Bankiers die enorme Konzentration von Kapital in ihren Händen erreichen, ohne die der Kapitalismus undenkbar wäre. Die ersten Aktiengesellschaften des 17. Jahrhunderts waren Schöpfungen von Staaten und wurden von ihnen mit Charterbriefen, Monopolrechten und sogar militärischen Mitteln ausgestattet. Bis heute sichern Staaten für private Unternehmen weltweit Handelswege und setzen Eigentumsrechte durch – oft gegen den massiven Widerstand lokaler Bevölkerungen, wenn es etwa darum geht, neue Kupferminen oder Tagebaue zu erschließen, Pipelines zu bauen oder Kleinbauern für Palmölplantagen zu vertreiben. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich darüber hinaus einige weitere Methoden entwickelt, mit denen Staaten die Maschinerie der endlosen Geldverwertung in Gang halten. Drei Strategien sind dabei von besonderer Bedeutung: Subventionen, leistungslose Einkommen aus Eigentumsrechten und Aneignung durch Schulden. Diese Dreifaltigkeit der Tributökonomie wird immer wichtiger, je instabiler die Weltwirtschaft wird. Denn sie beschert dauerhafte Geldflüsse auch dann, wenn sich am Markt kaum noch Profite durch den Verkauf von Gütern und Dienstleistungen erzielen lassen.
    Konzerne am Tropf

    In fast allen Staaten der Erde existiert ein komplexes Subventionsdickicht, durch das private Konzerne mit Steuergeldern kontinuierlich gefördert werden. In den letzten Jahrzehnten ist dieses Subventionsnetz zu einer Art Herz-Lungen-Maschine für den dahinsiechenden Kapitalismus geworden. Ein Großteil der 500 größten Konzerne der Erde würde ohne die massive Unterstützung durch Steuergelder längst bankrott sein. Schauen wir uns die mächtigsten Branchen einmal nacheinander an:
    (…)
    Rente statt Profit

    Das Subventionswesen für Konzerne, für ihre Shareholder und Manager, ist Teil einer größeren Struktur, die man bisweilen als »Sozialismus für Reiche« oder »Neofeudalismus« bezeichnet hat. Den oberen Schichten ist es gelungen, sich ein »bedingungsloses Maximaleinkommen« zu sichern, das von ihren Leistungen und Verfehlungen weitgehend entkoppelt ist. Nicht Markterfolge erhalten und vermehren die großen Vermögen und Einkommen, sondern Strategien der Privilegiensicherung, insbesondere durch Einflussnahme auf den Staat. Die staatliche Gabenökonomie für Superreiche verbindet sich mit dynastischen Strukturen, in denen Macht und Reichtum wie einst beim Adel durch die Geburt vererbt werden.
    (…)
    Die künstliche Verknappung immaterieller Güter

    Das Tributsystem erstreckt sich auch auf immaterielle »geistige Güter« wie etwa wissenschaftliche Entdeckungen, technische Erfindungen, kulturelle Leistungen, Software, Markennamen und sogar die genetischen Codes von Lebewesen. »Geistige Eigentumsrechte«, die eine exklusive Verfügung über solche Güter garantieren, sind bei näherer Betrachtung ein sehr seltsames juristisches Konstrukt. Sie verknappen künstlich, was eigentlich im Überfluss da ist und durch intensivere Nutzung nicht weniger wird, sondern mehr. Wenn jemand etwa einen Softwarecode nutzt, wird er einem anderen nicht weggenommen, sondern vervielfältigt sich. Die Kosten dafür gehen gegen Null. Natürlich müssen Programmierer von etwas leben; aber Patentgebühren fließen in den seltensten Fällen in die Hände der tatsächlichen Urheber, so wenig wie Mieten in die Hände der Bauarbeiter fließen, die die Häuser einst erbauten. Stattdessen sind sie vor allem eine Methode von Kapitalbesitzern, um in einem Wirtschaftssystem, in dem es immer schwieriger wird, durch Produktion Profite zu machen, dauerhaft leistungslose Einkommen zu generieren.
    http://www.free21.org/die-illusion-der-freien-maerkte/

  10. 1991 gab es 273 Milliardäre weltweit. Laut statista gibt es 2017 aktuell 2043 Dollarmilliardäre weltweit. Gemessen an 7,5 milliarden Weltbevölkerung, wären das 0,00002724% der Menschheit.

    Wikipedia schätzt die Zahl der Dollarmillionäre weltweit auf 30 Millionen. Das wären 0,4% der Menschheit.

    Letztlich ist das völlig egal, da arme nicht arm sind weil reiche reich sind, sondern weil mächtige Menschen – wobei Macht Reichtum bedingt – zu mächtig sind. Arme wären nicht reich-er, wenn Reiche arm wären.

    Aber niemand wäre arm, niemand müsste hungern, alle hätten sauberes Trinkwasser usw, wenn die Macht auf alle Menschen gleichmäßig verteilt wäre.

    Hört also auf von arm und reich zu fabulieren – man kann es eh schon lange lange nicht mehr hören – sondern konzentriert euch auf Macht und Ohnmacht. Da liegt der Hase im Pfeffer begraben.

    • Geld verleiht Macht; mehr Geld mehr Macht. Weniger Geld weniger Macht. Geld muss kontrolliert werden, wo Macht ist; nicht wo Ohnmacht ist, so wie es jetzt üblich ist. Da liegt der Hund begraben.

  11. Ich bin Tony dankbar für den Hinweis auf Colin Wilson hier, weil ich auch auf Wikipedia einen Textteil von ihm gefunden habe, der etwas von dem ausdrückt, was ist zu diesen auf nachprüfbaren Fakten begrenzten Zustandsanalysen unserer westlichen Menschengesellschaft hier auf KenFM oft schon kommentieren wollte, wie jetzt auch hier:

    „Die Magie(…) ist die Wissenschaft der Zukunft. Ich glaube,der menschliche Geist hat einen Punkt der Evolution erreicht, wo er im Begriff steht, neue Kräfte zu entwickeln- Kräfte, die einst als magisch angesehen wurden. Tatsächlich hat er schon immer größere Kräfte besessen, als wir heute zu erkennen vermögen: Kräfte der Telepathie, der Präkognition von Gefahren, des Zweiten Gesichts, der Thaumaturgie(Heilkraft); aber diese Kräfte waren Teil unseres instinktiven animalischen Erbes. In den letzten rund tausend jahren war die Menschheit dann emsig damit beschäftigt, eine andere Art von Kräften – die intellektuellen – zu entwickeln. Ihr Ergebnis ist die westliche Zivilisation. Die unbewussten Kräfte sind nicht verkümmert, aber sie sind „in den Untergrund“ gegangen. Und jetzt hat sich der Kreis geschlossen: der Intellekt hat gewisse Grenzen erreicht, die er nicht mehr überschreiten kann, solange er nicht einige seiner verlorenen Kräfte wiedergewinnt. Jeder, der ein wenig Ahnung von den Strömungen der neueren Philosophie hat, wird verstehen, was ich meine: der Intellekt ist eng, starr und logisch geworden; und er versucht, die weiter ausgreifende Intuition durch eine mikroskopische Detailbesessenheit zu ersetzen. Er hat sich von seiner Quelle abgeschnitten“.

    Ich glaube auch nicht, dass wir jetzt noch viel weiter im Begreifen unserer Existenz und unseres Lebens kommen, wenn wir immer noch genauer und immer noch ausführlicher die von aussen sichtbaren Fakten beleuchten und dabei die psychologischen und Philosophischen Aspekte möglichst beiseite lassen. Wir machen damit dann im Grunde das selbe mit den Superreichen und den Superprofitören, als wie diese es mit uns tun: wir versuchen, sie zu betrachten, zu zerlegen und zu analysieren wie fremde Insekten unter Mikroskopen in wissenschaftlichen Labors. Damit schwimmen wir aber nur mit in diesem unseligen Maintream oberflächlichen, mechanischen Analysetums und setzten nichts erlösendes dagegen. Damit verstärken wir nur die Kluft, die von dieser krankhaften homozentrischen Beherrschsucht im Menschen zwischen Menschen und Menschen und Menschen und anderen Lebewesen und der gesamten lebendigen Welt mit Gewalt überall hineingeschneist wurde.
    Wir kommen dieser krankhaften und lebensabschneidenden Beherrschsucht auch entgegen, indem wir die Diskriminierung unserer grenzenlosen Empfindungswelt artig mit aufgreifen mit der Abwertung von Worten wie „Magie“ oder „Esoterik“.

    • Magie, Esoterik oder Para-, etc. sind nur Label, Code, Begriff. Wenn zwei das gleiche tun, muss das noch lange nicht das selbe sein. Das gilt auch für die Verwendung dieser Begriffe, unter denen selten das selbe verstanden wird, und die eben auch missbraucht werden können. Wichtige Entdeckungen in den Wissenschaften wurden fast immer von Außenseitern gemacht. Da Wissenschaft nie abgeschlossen war/ist, befinden wir uns ausserdem immer „vorher“. Ob Wissenschaft oder Mythos, Para-, Esoterik, Religion etc., die Parole darf nur nicht heissen: Glaube an die Autoritäten, oder „Kopf ab“.
      Die Atmosphäre einer modernen rational-industriellen Gesellschaft mit ihrem Antagonismus von Mensch und Natur vermindert psychokinetische Effekte und kann sie ganz zum Verschwinden bringen; die Atmosphäre einer Stammesgesellschaft begünstigt sie. Durch die Trennung geistiger und materieller Operationen schuf die moderne Wissenschaft eine objektive Situation, in der sich die Ergebnisse der früheren spirituellen Magie nicht mehr wiederholen lassen. In Asien auf dem Lande bei indigenen Stämmen, habe ich selbst solche spirituelle Magie erlebt.
      Aberglaube für den Skeptiker. Aber wirklichen Aberglauben finden wir, wo Menschen geistigen Führern kritiklos folgen, seien diese Inquisitoren, Politiker, Wissenschaftler oder Parawissenschaftler.

    • PS:
      Fällt mir gerade ein:

      Van Goghs gemalte Wirbel – Sternennacht – entsprechen physikalischen Gesetzmässigkeiten für Turbulenzen, wie Wissenschaftler feststellten. Entsprechende Strukturen fanden die Forscher auch in „Straße mit Zypresse und Stern“ und „Weizenfeld mit Krähen“, die beide 1890 kurz vor seinem Tod entstanden. Und wie Forscher in Tests mit Hummeln feststellten, zogen Hummeln Van Goghs Sonnenblumen den Blumendarstellungen anderer Maler vor.
      NB: hyperbolische Wirbel in der Natur.

    • Diese Situation, in die sich die Menschheit seit weiß nicht wie vielen Jahrtausenden begann, hinein zu bewegen, kann ja nun aber nicht einfach zurückgedreht werden, bis zu einem Punkt, den dieser oder jener für den Ausgangspunkt der Fehlentwicklung hält. Obwohl ich alles andere als kirchengläubig bin, finde ich doch immer wieder Ausdrücke aus der Bibel, meist dem Neuen Testament, für unsere heutige Zeit passend. Ich dachte da gerade an „Das Jüngste Gericht“.
      Es wird eine geistige Reinigung geben(müssen), wie auch immer diese sich auf unsere Welt auswirken mag. Wenn ich dann tatsächlich von (meiner)Intuition sprechen darf, so möchte ich sagen, dass ich noch nie eine Weihnachtszeit erlebt habe, in der ich allgemeine Friedfertigkeit so stark empfunden hätte. Für mich haben solche Empfindungen immer stärker an Bedeutung gewonnen, aber in dieser künstlich aufgebaute Welt erzeugt das noch keinen Wiederhall. Was sind denn schon Gefühle? Das wird sich definitiv ändern. Die unterdrückte Empfindungswelt wird sich durchkämpfen wie das Blümlein durch den harten Beton. Das Leben ist nicht ausrottbar.

    • Der überbordende Kontrollwahn des Menschen hat ihn mit seiner Erlebniswelt von der übrigen Natur abgeschnitten- er lässt kein Vertrauen mehr zu. Er geht auch immer einher mit dem Sadismus, mit dem Hass und überhaupt mit allen niederträchtigen Gemütsbewegungen.

    • Was auffällt ist, dass sich um alle menschliche Gewalt so akribisch herum gelogen wird. Wenn wir „menschlich“ sagen, so meinen wir doch gewaltfrei, obwohl wir wissen, dass es in der Welt nichts gewalttätigeres gibt, als den Menschen. Gewalt und Lüge sind Geschwister. Das eine kann ohne das andere nicht leben. Ich schrieb mal etwas von der „Unheiligen Dreifaltigkeit“ Lüge, Gewalt und Selbstbetrug.
      Wie kommen wir aus diesem Dilemma wieder heraus? Sie lesen doch sowieso so viel. Lesen Sie doch mal „The World Peace Diet“, gibt es jetzt auch in Deutsch: „Ernährung und Bewusstsein“ von Will Tuttle. Hat in Erziehungswissenschaften an der Uni Berkeley in Kalifornien promoviert. Er ist zudem Pianist, Komponist und Zen-Mönch. Gerade war er wieder auf großer Asien-Tour, wo er mit seinem Buch schon lange bekannt und beliebt ist.

    • Tuttle spricht von Bewusstsein, und tatsächlich geht es ihm – so mein Eindruck! – in erster Linie, darum, Bewusstsein zu verändern, was er kommerziell erfolgreich tut und auch durchaus anstrebt, indem er sich zur Marke macht für sich und seine „byproducts“. Irritierend finde ich, dass er in Japan Zen-Meditation betrieben hat, aber – wie mir scheint! – ACHTSAMKEIT/ MINDFULNESS nicht von BEWUSSTSEIN unterscheidet. Mein Eindruck! ist, dass er typisch amerikanischer Prediger ist, der kommerziell erfolgreich ist – mit einer Reihe von „associated products“, aber ACHTSAMKEIT (wie vom buddhistischen Mönch geübt, wenn er ein Insekt auf dem Weg zertritt und sich Gedanken darüber macht, ob er das „durfte“; oder der Indianer, der den Bison erlegt, und sich beim Bison und dessen Seele entschuldigt , sich bedankt und ein Opfer bringt; im Tischgebet verkommt Achtsamkeit zum unbewussten Ritual), – solche Achtsamkeit nicht von Bewusstsein unterscheidet.
      Aber dies ist ein Ost-West-Problem, das darin besteht, dass östliche Buddhisten die westliche „Aufklärung“, Christentum und Romantik verstehen lernen müssen und westliche Aufgeklärte den Buddhismus verstehen lernen müssen.
      Tuttle verkauft eine Sache – die eigentlich der ACHTSAMKEIT wert wäre – als bewusstseinsverändernde „Droge“. Typisch kapitalistisch. Noch jede gute Sache wurde dem Markt geopfert.
      Meine bescheidene Meinung: (Nicht nur) weil die Sache keine bewusstseinsverändernde Droge ist, aber vor allem wenn Achtsamkeit fehlt, wird Veganismus Gewalt und „das Böse“ nicht aus der Welt schaffen.

      Einige Sentenzen aus Gleichsatz.de:
      Luzifer ist der Licht- und Bewußtseinsbringer. Doch mit dem Bewußtsein kommt für den Menschen auch das Böse in die Welt, da erst durch das Bewußtsein eine Unterscheidung von Gut und Böse möglich ist.
      Nichts kann dem Geist bewußt werden, was nicht vorher gefühlt wurde.
      Erkenne die Leere deines Bewußtseins als Buddhaschaft.
      Um eine unveränderliche, absolute Wahrheit zu finden, muß ein Mensch über die Grenzen seines eigenen Bewußtseins und seiner eigenen Existenz hinausgehen.
      Meditation als Mittel zur Reinigung das Bewußtseins.

      Quelle:
      http://www.gleichsatz.de/kago/lea/bewusst.html
      http://www.gleichsatz.de/b-u-t/can/einf_.html#hubern – Kritisches Denken für Anfänger

    • Zu van Gogh: Wir haben die grenzenlose Wirklichkeit von Natur aus in uns. Sie wurde nur durch den Beherrscherwahn unterdrückt. in manchen Menschen ist sie so stark, dass sie sich trotzdem ihren Weg in diese verkümmerte Menschen-Welt hinaus bahnt- aber dann meist mit dem Preis von großem Leid und großer Qual. So war es auch bei Nietzsche und vielen anderen.

    • Tony: Vorurteilshafte Verkopftheit, wie das, was sie jetzt über Will Tuttle vorbringen, ist ja das, worunter die Welt so leidet. Schade. Unser Dialog ist damit zuende.

    • Was bei den „gebildeten“ fehlt, ist Herzensbildung. Das heißt, die Herzen sind verkümmert. Bei „ungebildeten“, Kindern und Tieren finden wir sie noch am häufigsten.

  12. Zum Jahreswechsel, für Suchende, als Outsider Abgestempelte oder sich als Outsider Fühlende eine Buchempfehlung:
    Colin Wilson
    Der Outsider
    Eine Diagnose des Menschen unserer Zeit
    Mit einer Einführung von Eugen Gürster
    Scherz & Goverts Verlag Stuttgart 1957
    Deutsche Übertragung von Lieselotte und Hans Rittermann
    Titel der englischen Originalausgabe: The Outsider
    Erschienen bei Victor Gollancz, London 1956
    (Im Internet als pdf)

    Einführung:

    Dies ist ein Buch, bei dem es unmöglich ist, von der Person seines Autors abzusehen. Und kaum
    wichtiger als sein Inhalt sind die Umstände, unter denen es zustandegekommen ist. Colin
    Wilsons »Outsider« gehört zu jenen Büchern, deren Erscheinen niemand erwartet hat und die für
    viele Kritiker und Leser eine Verlegenheit bedeuten, weil sie in kein Gedanken-Schema unterzubringen sind. Der Autor ist 25 Jahre alt, der Sprößling einer Londoner Arbeiterfamilie, der keinerlei höhere Schulbildung in sich aufgenommen hat. Mit 16 Jahren war seine Ausbildung in
    einer öffentlichen Schule abgeschlossen. Auf Grund eines erfolgreich bestandenen Examens für
    mittlere Beamte wurde er mit 17 Jahren einer Steuerbehörde in Leicester zugeteilt. Er hat diese
    Tätigkeit, wie er später versichert, immer gehaßt. Bald darauf wird er in die Royal Air Force
    einberufen. Nach halbjähriger Militäxzeit wird er frei und faßt den Entschluß, nie mehr in seine
    Beamtentätigkeit zurückzukehren. Zu diesem Entschluß hat seinen eigenen Worten zufolge ein
    Satz beigetragen, den er bei H. G. Wells gefunden hat: »Wenn dir dein bisheriges Leben nicht
    gefällt, dann kannst du es ändern.« Colin Wilson durchwanderte einen Sommer lang ganz
    England, nahm da und dort Zufallsarbeit auf und schlief meistens im Freien. Für eine kurze Zeit
    reiste er nach Frankreich, wo er unter den Einfluß eines extravaganten Bruders der Tänzerin
    Isidora Duncan geraten ist. Wilson versichert, daß Duncans »Philosophy of Actionalism«
    (Philosophie des Ausdrucks durch Tätigkeit) auf ihn nicht ohne Eindruck geblieben ist. Duncan
    vertrat unter anderern die Meinung, der wahre Künstler müsse heutzutage imstande sein, auch
    alle praktischen, von seiner Zeit geforderten Tätigkeiten auszuüben. Nach seiner Rückkehr nach
    England erhielt der Autor sich durch die Arbeit am Leben, die er gerade vorfand, einmal als
    Angestellter eines Bestattungsinstituts, ein andermal als Kellner in einem Espresso-Cafe. Um die
    Miete zu sparen, hatte er monatelang auf der Hampsteader Heide am Rande Londons in einem
    Schlafsack geschlafen.
    Während er am Abend als Kellner arbeitete, las und schrieb er tagsüber in dem großen Lesesaal
    des Britischen Museums. Colin Wilson scheint zu jenen Autodidakten zu gehören, die plötzlich
    durch einen starken äußeren Eindruck oder durch die Bekanntschaft mit einem einzigen Buch
    zum Bewußtsein ihrer eigentlichen Natur und Aufgabe kommen. Die Lektüre einer populärwissenschaftlichen Zeitschrift, die ihm mit 11 Jahren in die Hände fiel, betrachtet er auch heute noch in der Rückerinnerung als entscheidendes Ereignis in seiner geistigen Entwicklung. Mit 13
    Jahren, gesteht er, habe er alles zusammengelesen, was in den Leihbibliotheken seiner Nachbarschaft an populärwissenschaftlichem Lesestoff aufzutreiben war. Es ist bezeichnend für ihn,
    daß er sich schon mit 14 Jahren gedrängt fühlte, an einem Buch zu schreiben, in dem er, zunächst
    zu eigenem Gebrauch, alle bisher erarbeiteten Erkenntnisse der Menschheit zusammenfassen
    wollte. Noch heute, nach elf Jahren, erinnert er sich, welchen geistigen Schock für ihn die erste
    Bekanntschaft mit Bernard Shaw, und zwar mit dessen Schauspiel »Mensch und Übermensch«
    bedeutete, das er zufällig im Dritten Programm des Britischen Rundfunks zu hören bekam. Colin
    Wilson ist also ein Amateur im weitesten Sinne des Wortes; und erst wenn wir uns klar sind, daß
    sein Buch vom Outsider das Buch eines Amateurs ist, eines Autodidakten, der mit einer
    Lesebesessenheit ohne Beispiel alles in sich aufzunehmen versucht hat, dessen er in seiner Lebens-
    und Arbeitssphäre habhaft werden konnte, können wir seine Bedeutung richtig würdigen.
    Sein Buch ist ein Paradox, ja ein Ärgernis, – nicht nur darum, weil hier ein junger Mann ohne
    jegliche akademische Schulbildung den Anspruch erhebt, gewissermaßen die geistige Summe
    aus unzähligen wissenschaftlichen und schöngeistigen Werken zu ziehen, die ihm in die Hand
    geraten sind, und auf Grund einer unbändigen geistigen Leidenschaft sich an die Aufgabe
    herantraut, »das Wesen der Erkrankung der Menschheit um die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts
    « zu diagnostiziezen. Nicht wenige unter uns werden mit 24 Jahren im Aufblitzen einer
    Erkenntnis, die uns neuartig und unvergleichlich vorkam, das elektrisierende Gefühl erlebt
    haben, daß man eigentlich der Mitwelt seine Vision vom Dasein mitteilen müßte. Aber unser
    Buch blieb ungeschrieben, weil unsere Vision in keine deutliche Gestalt zusammenfließen wollte
    und doch wohl auch, weil wir die anhaltende geistige Leidenschaft nicht aufbrachten, um Welt
    und Leben aus unserem eigenen, so spürbar begrenzten Gesichtswinkel aus darzustellen. Colin
    Wilson ist solcher anhaltenden Passion fähig gewesen, er hatte die geistige Besessenheit, die nötig
    war, um seinen Mitmenschen klarzumachen, daß die Welt um ihn herum deshalb so aus den
    Fugen war, weil sie für seinen Outsider-Typus keinen rechten Platz mehr hatte. Nichts wäre
    leichter, als ihm nachzuweisen, daß die beachtlichen Kenntnisse und Erkenntnisse, die er in einer
    stupenden Leseleidenschaft sich angeeignet hat, immer noch fragmentarisch und zufällig sind.
    Wesentlicher ist, daß er, der mit der täglichen Not des Existenzkampfes früh bekannt geworden
    war, während seines selbstgewählten Exils im Lesesaal des Britischen Museums die Einsicht
    gewonnen hat, daß der Menschheit nicht so sehr durch bessere soziale Systeme, durch generelle
    Hebung des Lebensstandards als durch die Neubesinnung auf etwas geholfen werden konnte, das
    er freilich vage genug als eine »neue Religion« bezeichnet.
    Sein Buch hätte wohl nicht den aufsehenerregenden Erfolg in den Ländern englischer Sprache
    erzielt, ja kaum einen Verleger gefunden, wenn er nicht den Einfall gehabt hätte, das geistige
    Unbehagen seiner Zeitgenossen, das er in seinen zahllosen Lesestunden immer deutlicher herausspürte, in einen erkennbaren Typus zu verdichten. Vielleicht ist er auf der richtigen Spur, wenn
    er unsere Epoche als die des Outsiders bezeichnet. Gewissermaßen schlagartig hat Colin Wilson
    unsere Zivilisation durch Herausarbeitung gerade des Typus definiert, für den sie keine Verwendung
    hat. Man sagt über eine Gruppe, einen Verein, einen Klub etwas sehr Defnitives aus,
    wenn man ihn durch die Aufzeigung der Typen beschreibt, die ihm unter keinen Umständen
    angehören können – oder angehören wollen. Nicht mit Unrecht haben Londoner Kritiker bemerkt,
    daß der Outsider durchaus kein zeitgenössischer Sonderfall sei, – ja, daß im Grunde alle
    größeren und kleineren Geister, die Geschichte gemacht haben, alle Merkmale dieses Typus
    aufweisen. Trotzdem trifft dieser Einwand nicht das Wesentliche an dem vorliegenden Buch. Ich
    glaube, daß unsere Zeit deutlicher als andere dadurch bestimmt ist, daß sie die auch in ihr
    unvermeidlichen Outsider-Figuren in extreme und lebensgefährliche Situationen hineintreibt und
    damit ihre möglichen und wünschenswerten Einwirkungen auf die Insider wenn nicht ad
    absurdum führt, so doch verfälscht oder reduziert, – heißen diese Outsider nun Nietzsche, Tolstoi
    oder Strindberg (der erstaunlicherweise bei Wilson nicht auftaucht). Auch die Verzweiflung der
    Outsider und die Einsamkeit ihrer Existenz gehören in die Geschichte einer Zeit, die gewöhnlich
    von einem »Insider« geschrieben wird. Die Tatsache, daß dieses Buch so viele tausende von Lesern
    gefunden hat, hängt andererseits auch damit zusammen, daß die vielen »Innenseiter« heute
    ihres Innenseitertums gar nicht mehr so völlig bewußt sind, ja, daß sich jeder heute Lebende in
    irgendeinem Winkel seines Daseins auch als Outsider empfinden kann.
    In Zeiten, in denen die gemeinschaftliche Existenz durch ein bestimmtes Religionsbild geformt
    ist, – in denen sich die wesentlichen menschlichen Beziehungen innerhalb einer von allen
    stillschweigend akzeptierten Gesellschaftsordnung abspielen, braucht man nicht lange zu fragen,
    wer »dazugehört« und wer draußensteht. In solchen Zeiten nimmt selbst der Philister, diese Karikatur des geborenen »Insiders«, und der Bohemien die ihm gebührende Stelle ein. Prekär wird
    die Sache erst, wenn keiner mehr sicher ist, wohin er eigentlich gehört, und die Freiheit der Wahl
    von einer immer größeren Mehrheit nur noch als Möglichkeit erlebt wird, die eigene Existenz auf
    einem individuellen Wege doch zu verfehlen. Erst in einer solchen Situation kann es dann sein,
    daß die Millionen Insider, die sich mit der ihnen zugefallenen Lebenssituation abgefunden
    haben, an den Outsidern ihrer Zeit Lebenselemente, vitale Dränge entdecken, die ihnen im
    eigenen Dasein auszuleben versagt geblieben sind. In solchen Zeiten nehmen die Outsider wie in
    einern stellvertretenden Opfer die Verzweiflung, das Ungenügen am Dasein auf sich, die bei der
    Mehrheit der Mitlebenden, sei es durch den übermächtigen Druck des Schicksals, sei es infolge
    mangelnder Willenskraft unausgetragen geblieben sind. Dadurch, daß er der Natur immer mehr
    Geheimnisse abgezwungen und für seine praktischen Lebensbedürfnisse nutzbar gemacht hat, ist
    der Mensch zum nur sich verantwortlichen und auf sich gestellten Regenten der Welt geworden.
    Eigentlich wollte er nur ihr Regisseur sein, aber heute glaubt er zu entdecken, daß er auch noch
    das Stück werde schreiben müssen, in dessen Dienst sich der Aufbau der ganzen technischen
    Apparatur verwenden ließe. Es bleibt ihm, will er weiterleben, nichts anderes übrig, als eine Welt
    zu »organisieren«, die er ja schließlich nicht gemacht hat, deren Wesen ihm aller wissenschaftlichen
    Forschungsarbeit zum Trotz ein Geheimnis geblieben ist. Daß die Menschheit
    inzwischen auf ihrer Zick-Zack-Wanderung an einem Punkt angelangt ist, an dem sie sich zwar
    nicht durchschauen, aber doch vernichten kann, ist eine Entdeckung, deren geistige Konsequenzen
    im Bewußtsein der Zeitgenossen noch nicht verarbeitet werden konnten. Die
    Möglichkeit der Herstellung der Atombombe, die einem fern vom Leben und Denken der
    Mehrzahl der Zeitgenossen arbeitenden und planenden Gremium von ein paar Eingeweihten
    nicht durchschauen, aber doch vernichten kann, ist eine Entdeckung, deren geistige Konsequenzen
    im Bewußtsein der Zeitgenossen noch nicht verarbeitet werden konnten. Die
    Möglichkeit der Herstellung der Atombombe, die einem fern vom Leben und Denken der
    Mehrzahl der Zeitgenossen arbeitenden und planenden Gremium von ein paar Eingeweihten
    plötzlich gelungen war, ist der Menschheit gewissermaßen wie ein Dachziegel aufs Haupt
    gefallen.
    Der in den Slums von London herangewachsene Colin Wilson war 7 Jahre alt, als sich die
    Menschheit in den zweiten Weltkrieg einzutreten anschickte, der auf der Oberfläche noch als ein
    Kampf zwischen zwei Machtgruppen um die politische Endherrschaft aufgefaßt werden konnte.
    Aber dieser Krieg und der ihm vorausgehende hätten ja gar nicht geführt werden können, wenn
    nicht auch in den Massen der »Insider« ein noch nicht durchschauter Drang zur Selbstzerstörung,
    zur Katastrophe wirksam gewesen wäre. Es gehört zu den tragischen Ironien der Weltgeschichte,
    daß eine Zeit, die den Glauben an die unbedingte Freiheit des Individuums als ihren letzten
    Glauben erlebt, – daß gerade eine solche Zeit jedes Einzelwesen immer unentrinnbarer in die
    Teilnahme an jenen totalen Zerstörungsunternehmungen hineinnötigt. In solchen Zeiten ist es das
    besondere Los der Outsider, daß sie als Barometer des Katastrophenklimas ihrer Zeit fungieren.
    Und ihre besondere Tragik ist damit gegeben, daß die Mehrzahl der Zeitgenossen solche
    Sturmsignale nicht ablesen will und vielleicht auch nicht mehr ablesen kann. Man braucht nur zu
    beobachten, wie die Menschen der technischen Epoche am Morgen en masse an ihre Arbeitsstellen
    verfrachtet werden und wie sie am Abend nicht weniger en masse vor ihren Vergnügungspalästen
    Schlange stehen, um darüber Bescheid zu erhalten, wie der Einzelmensch
    durch unsere zivilisatorische Ordnung von früh bis spät einem immer unentrinnbareren Lebensrhythmus eingefügt ist, während das hohe Lied vom freien Menschen munter weitererklingt.
    Jeder von uns bewegt sich innerhalb eines solchen Netzes technischer Zwänge und mechanischer
    Verpflichtungen, ohne die die Weitererhaltung der eigenen Existenz gar nicht mehr möglich
    wäre, Verpflichtungen, gegen die sich wahrscheinlich die geduldigsten unserer Vorfahren
    aufgelehnt hätten.
    In einer solchen Zeit schreibt ein Amateur ohne wissenschaftliches Training sein Buch vom nicht
    angepaßten Menschen, der manchmal bewußt, manchmal auch nur dumpf entschlossen ist, seine
    Existenz nicht von den sozialen Bedingungen und den geistigen Konventionen seiner Zeit bestimmen
    zu lassen, sondern sie mehr oder minder gewaltsam zu durchbrechen. Nur ein Amateur,
    im guten Sinn des Wortes, der sich in ein paar hektischen Jahren ein Bild der Menschheit zusammenliest, wie es sich in den Werken ganzer und halber Genies widerspiegelt, konnte die Naivität aufbringen, gewisse philosophische Fragen, die die Menschheit zu allen Zeiten bewegt haben, so zu stellen, als wären sie vor ihm überhaupt noch nicht ernsthaft gestellt worden. Man
    behauptet nicht zu viel, wenn man feststellt, daß einige Jahre akademischen Trainings in Oxford
    oder Cambridge genügt hätten, um einem wissensdurstigen, jungen Menschen ein für allemal abzugewöhnen, die Fragen: »warum leben wir eigentlich noch, – worauf ist denn unser Leben angelegt, – leben wir nicht vielleicht alle ein verkehrtes, unserer inneren Bestimmung gar nicht
    angemessenes Leben?« in einer so provozierenden Direktheit zu stellen. Solche Fragen heute
    noch einmal mit dem Pathos des jungen Colin Wilson aufzuwerfen, ist in England ganz besonders
    »shocking«, das sich im Laufe seiner geistigen Entwicklung den beinahe undurchdringlichen
    Panzer eines strikt auf die empirische Erkenntnis gegründeten Tatsachenbewußtseins zugelegt
    hat. In einer Sphäre, in der sich echte philosophische Bildung geradezu daran zu erweisen
    pflegt, daß gewisse Fragen gar nicht mehr gestellt werden (etwa die nach der geistigen Bestimmung
    unseres individuellen Daseins oder jene andere, ob das Leben einen Sinn habe oder nötig
    habe), erscheint unser Buch, ganz unabhängig von seinen Meriten und Mängeln, beinahe als eine
    Provokation.
    Mit solchen Tabus hat unser Autor gebrochen, und bei der Beurteilung seiner Arbeit dürfen wir
    nicht aus dem Auge verlieren, daß hier ein unverbildeter und im akademischen Sinne ungebildeter
    Mensch in der Tiefe seines Wesens jene Grundfragen neu entdeckt, die sich eben der Mensch,
    wie es nun scheint, um keinen Preis ausreden lassen will. Stärker vielleicht, als es dem Autor
    bewußt ist, bedeutet sein Buch einen freilich manchmal stammelnden, manchmal allzu selbstsicheren Protest gegen das Zeitideal der »integrated person«, der in den Prozeß des Gemeinschaftslebens möglichst störungsfrei und problemlos eingebauten Person. In dem Sinne ist es das Dokument einer nicht immer deutlich artikulierten Revolte gegen eine Zeitauffassung, der im
    Grunde alle unsere Soziologie, Psychologie, und vor allem unsere Politik zu dienen entschlossen
    scheinen.
    Noch einmal sind wir genötigt, den Leser zu erinnern, daß hier ein sehr junger, am Rande der
    Bildungswelt seines Landes aufgewachsener Autor sich zum Wortführer eines solchen Protestes
    ernannt hat. Nur so ist es auch zu erklären, daß er sich über die Schicksalstatsache nicht allzu
    viele Gedanken gemacht hat, warum es überhaupt Insider gibt, die sich mit den sozialen und geistigen Bedingungen ihrer Zeit mehr oder minder resigniert abzufinden vermögen. Aus seiner
    Darstellung geht jedenfalls hervor, daß für ihn die Hinnahme gegebener Existenzbedingungen,
    das Einfügen in die einem zugefallene Lebenssituation nur aus einer gewissen »mob-mentality«,
    aus der zaghaften und halbentschiedenen Übernahme bisher gültiger Konventionen, aus einem
    Mangel an Lebensmut, kurz: an Mut zum Outsider erklärt werden muß. Es scheint ihm noch
    nicht möglich, zu sehen, daß die Hinnahme gegebener Lebensverhältnisse, daß die scheinbare
    passive Resignation bei der Übernahme eines uns zugekommenen Schicksals auch aus einem
    tieferen Gefühl für die Tragik der menschlichen Existenz überhaupt herrühren könnte, – aus einem
    tieferen Einblick in den Leidenscharakter des todverfallenen Daseins und an die durch keinen
    dramatisch-individuellen Ausbruch je zur Gänze aufzuhebende Rätselhaftigkeit jeglicher
    Existenz auf dieser Erde. Daß sich einer auf einer dünnen Eisdecke vorwärts zu bewegen getraut,
    muß nicht unbedingt für seine stärkere Vitalität oder auch nur seine unbedingte Willensentschlossenheit zeugen; es könnte auch ein Zeichen dafür sein, daß er sich nicht ganz klar darüber ist, wie dünn die Eisdecke unter ihm ist. Vielleicht hat er Glück und das Eis bricht diesmal nicht ein. Aber auch das heißt noch lange nicht, daß er für die anderen, für die geborenen oder gewordenen Insider einen neuen Pfad entdeckt hat.
    Durchaus hat man bei der Lektüre dieses Buches den Eindruck, daß der Autor seine Vision nicht
    erst erblickt hat, nachdem er sich durch eine ihn immer wieder überschwemmende Flut von Büchern
    hindurchgekämpft hatte. Vielmehr scheint ein ihm zunächst nur verhüllt vorschwebendes
    Bild vom Menschen durch eine ungewöhnlich leidenschaftliche Absorbierung der Werke außerordentlicher Geister allmählich klarere Umrisse angenommen zu haben. Deutlich bestimmt ist
    Wilsons Outsider-Typus zunächst nur im Negativen: er kann und will sich nicht mit dem Leben,
    wie er es vorfindet, bescheiden, das praktische Geschäft der Lebenserhaltung, dem er die meisten
    seiner Mitmenschen mehr oder minder unabgelenkt hingegeben sieht, interessiert ihn nicht oder
    doch nur ganz gelegentlich. Der Autor scheint aber die Verpflichtung, zu einem positiver umrissenen
    Porträt seines Outsiders zu kommen, von der Lektüre eines Buches zu der des nächsten zu
    verschieben, und mehr als einmal sieht es so aus, als lese er weiter und weiter, immer leidenschaftlicher, als müsse er auf diesem Wege schließlich bei einer eindeutig ablesbaren großen
    Gegenfigur zum Durchschnittsmenschen landen, dessen Haltung zum Dasein ihm unerträglich
    erscheint. Sein Grundkonzept läuft gewissermaßen auseinander, weil er sich noch nicht darüber
    ins reine gekommen scheint, daß die von ihm vorgeführten Outsider-Figuren durch zwei elementare
    Tendenzen gekennzeichnet sind, die nicht ohne weiteres miteinander etwas zu tun haben:
    das Verlangen nach Allwissen, – und den anderen Drang, das Leben, das die meisten in einem
    gemäßigten Klima dahinzuleben willens sind, dort auszuprobieren, wo höhere, ja die höchsten
    Temperaturen vorherrschen. Manchmal wird bei ihm eine gewisse Scheu spürbar, es deutlich
    auszusprechen, daß die meisten der von ihm dargestellten Figuren nach gar nichts anderem hinzudrängen scheinen als nach der Selbstvergöttlichung. Wer es sich wie so viele der in dem Buche
    heraufbeschworenen Gestalten zum Prinzip macht, alles bisher Erkannte und Akzeptierte zunächst
    einmal radikal zu bestreiten, meldet damit ja schon den Anspruch an, daß er und vielleicht
    nur er allein erkannt hat, worauf das Leben angelegt ist, – daß er, um ein Wort von Jakob Burckhardt
    anzuführen, vor allen anderen »in die Pläne der Vorsehung« eingeweiht ist. Aber der russische
    Tänzer Nijinskij, der sich in diesen Reigen der Denker und Dichter hineingemischt hat,
    spricht es ja unmißverständlich aus: »Ich bin leibhaftig Gott. Jedermann hat die Fähigkeit dazu,
    aber keiner macht Gebrauch davon.« Warum sollten wir sonst in der Outsider-Parade dieses Buches
    auch die Figur eines einem Scharlatan zum Verwechseln ähnlichen russischen Mystagogen
    vorfinden, der sich von seinen bescheideneren Mitmenschen nur dadurch zu unterscheiden entschlossen scheint, daß er sich des Besitzes eines nur ihm zugänglichen und rational nicht weiter
    nachprüfbaren Geheimwissens rühmt?
    Es spricht nicht gegen den Wert dieser Arbeit, daß sie immer wieder im Leser Gedanken anregt,
    die über die bewußte Absicht des Autors hinausgehen. Sein naiv-ungestümes Philosophieren hat
    für den Leser auch darum seinen Reiz, weil in diesem Buche oft ganz unvermittelt Bücher und
    Autoren, die er aus eigener Lektüre zu kennen glaubte, in einen unerwarteten, neue Perspektiven
    eröffnenden Zusammenhang gestellt werden.
    Gegen Ende des Buches scheint es, als durchschaute es der Autor, daß er sich eine im Grunde
    unmögliche Aufgabe gestellt hat. Seine exemplarischen Outsider, von deren Existenz her auch
    noch auf die Existenz der vielen, allzuvielen Insider eine Art indirekten Wertes hinstrahlen soll,
    sind gerade auf Grund ihres Verlangens nach Totalität zum Scheitern verurteilt. Ja, man wird den
    Eindruck nicht los, daß sie, einmal zum Extremsten entschlossen, zum Scheitern sehnsuchtsvoll
    hindrängen, – nach dem physischen Untergang im Selbstmord (unabhängig davon, ob er ausgeführt
    wird), nach der Selbstaufgabe im Wahnsinn, nach dem Zerfließen des Individuums in irgendeinem
    Mystizismus.
    Der Outsider-Mensch, wie ihn Colin Wilson sehen will, ist durch eine Bedingung charakterisiert
    oder vielmehr verengt, die ihn schließlich aufhebt. In einer prinzipiellen Bemerkung sagt der
    Autor von ihm:
    »Seine menschliche Natur würde gern etwas finden, worauf sie mit vollkommener Bejahung
    antworten könnte. Aber seine Ehrlichkeit hindert ihn, eine Lösung anzuerkennen, über die er
    nicht debattieren kann.« Das heißt in der Praxis: mit der letzten Leidenschaft zu einem extremen
    Punkt hinstreben, wo das Unsägliche, in Kategorien nicht mehr Ausdrückbare erlebt wird, – wo
    die Totalität des Lebensprozesses wie in einem jähen Blitz des Erkennens übersehbar wird, – wo
    alle Sinne zur stärksten Ausdruckssteigerung kommen; der Qutsider drängt also in Gebiete hinein,
    in denen Verstand und Vernunft nicht mehr zuständig sein können, aber er bleibt nach des
    Autors Konzept mit der Bedingung beladen, daß er auch noch in dieser äußersten Situation über
    alle seine Erlebnisse zu räsonieren imstande sein muß. So sind die vielen Outsider dieses Buches
    mit der Sisyphos-Aufgabe belastet, das Unmögliche innerhalb des Bereiches der Möglichkeit zu
    leisten.
    In diese Paradoxie scheint der Autor dadurch hineingenötigt worden zu sein, daß er den religiösen
    Outsider aus seiner Betrachtung ausklammert. Von der Notwendigkeit einer neuen Religion
    wird bei ihm des öfteren gesprochen, ja sogar davon, daß die Menschheit verloren sei, wenn sie
    nicht von der Gewalt einer solchen neuen Religion ergriffen werde. Wir dürfen auch hier nicht
    vergessen, daß dieses Buch gar nicht den Anspruch erhebt, eine in sich gefestigte Weltanschauung
    vorzutragen. Es ist vielmehr als eine Art geistigen Logbuches abzulesen, in dem ein zum
    Selbstbewußtsein erwachender Mensch seine eingeborene Unfähigkeit, das Dasein als eine praktische Affäre zu erleben, vor sich und seinen Mitmenschen dadurch rechtfertigt, daß er die höchsten Geister und die seitsamsten Randgestalten als Kronzeugen aufruft. Es kann nicht bezweifelt
    werden, daß für viele Leser dieses Buches auch auf ihnen scheinbar vertraute Gestalten ein unerwartetes und aufregendes Licht fällt, weil sie von einem » Hungerleider nach dem Unerreichlichen « nun wirklich in extremis angerufen werden. Ich möchte hier nur als ein Beispiel jenes unheimlich aktuelle Dostojewskij-Wort anführen, das Wilson ausgegraben hat, um die Unzulänglichkeit eines gewissen zeitgenössischen rationalen Humanismus zu erweisen, – jenes Wort von der Zivilisation, die doch nur darauf hinauslaufe, die menschliche Eindrucksfähigkeit ihres Menschentyps ins Leere hinein zu potenzieren: »Und gerade durch die Entwicklung dieser Vielseitigkeit wird der Mensch womöglich auch im Blutvergießen noch Genuß finden … Ist es Ihnen
    nicht aufgefallen, daß die raffiniertesten Blutvergießer fast ausnahmslos die zivilisierten Menschen
    gewesen sind …«
    Vorzüge und Mängel dieses Buches sind mit der einen Grundtatsache gegeben, daß wir in ihm
    dem Prozeß des Philosophierens gewissermaßen im Naturzustande beiwohnen können. Hier hat
    nicht ein Autor aus purem Geltungsdrang ein Buch geschrieben, um der Welt möglichst emphatisch
    seinen Standpunkt klarzumachen oder gar um ihr eine neue Kur für ein altes Übel anzubieten.
    Hier hat sich vielmehr ein mit einem ungewöhnlichen kritischen Vermögen ausgestatteter
    Geist auf alle Bücher gestürzt, die ihm in seiner verengten Lebenslage erreichbar waren, um in
    einer Welt mit sich selbst ins reine zu kommen, deren soziale, politische und geistige Grundvoraussetzungen ihm unheimlich fremd geblieben waren. Ich glaube, daß Colin Wilson mit dieser ungewöhnlichen Anstrengung seinen Mitmenschen einen großen Dienst geleistet hat. Der Leser wird für sich selber herausfinden, wie sehr der Autor in seinem passionierten Bemühen, inmitten einer auf ihn hereinbrechenden Sturzflut von fremdem Geistesgut einen eigenen Standpunkt zu behaupten, mit heftigen Anfällen von Selbstüberschätzung zu kämpfen hat. Aber solche Anfälle sollten wir nicht minder gleichmütig in Kauf nehmen wie die Neigung des Autors zu vorschnellen Synthesen; es ist ein Kaufpreis, den wir zu zahlen willens sein sollten, um dem heute schon raren und vielleicht bald aussterbenden Schauspiel beizuwohnen, wie hier aus einem Naturdrang heraus die großen Werke der Menschheit noch einmal intensiv daraufhin abgeklopft werden, ob sie vielleicht noch unentdeckte Geheimnisse enthalten.
    Das Buch endet, man kann es nur mit einem englischen Ausdruck sagen, mit einer »anticlimax
    «. Statt uns mit einer Lösung oder mit einem Lösungsversuch zu kommen, entläßt uns der
    Autor mit der Versicherung, er betrachte sein Buch als nicht vergeblich geschrieben, wenn er im
    Leser den Wunsch erregt habe, gewisse philosophisch angehauchte Werke von G. B. Shaw noch
    einmal im Lichte unserer Zeitprobleme nachzulesen. Man sieht, die Schockwirkung, die der Autor
    im Alter von 13 Jahren beim Mithören von »Mensch und Übermenseh« erlebt hat, hält noch
    an. Und die Grenzen seiner heutigen inneren Erfahrung sind vielleicht dadurch bezeichnet, daß er
    Shaw nicht als geistvollen Ironiker verstanden wissen will, sondern geradezu religiösen Denker.
    Das elementare Glaubensbekenntnis aller der in diesem Buche an uns vorüberziehenden Geister
    könnte durch einen Satz von Aldous Huxley ausgedrückt werden: »Life is not enough«. Auch
    der Autor selbst spricht an einer eindrucksvollen Stelle seines Buches davon, daß gewisse kriminelle
    Typen in Dostojewkijs »Totenhaus« gerade darum das Interesse des Lesers in ihren Bann
    schlagen, weil an ihnen ein Element des Mehr-als-nur-Menschlichen zum Ausdruck kommt. Und
    es spricht für seine geistige Leidenschaft nicht minder als für sein natürliches Ungenügen an der
    empirisch beschreibbaren Wirklichkeit, daß er die talentiert verfaßten und erfolgreichen Romane
    seiner Londoner literarischen Freunde als zu leicht, zu ungewichtig darum empfindet, weil ihre
    Themen und ihre Figuren eben nur menschlich, allzu menschlich seien, – so menschlich seien
    sie, daß man »schon nach der Lektüre der ersten 50 Seiten so etwas wie eine intellektuelle Konstipation
    « zu verspüren beginne. Aber wie gesagt, die Konzeption seines Buches erlaubt ihm
    noch nicht, weiter vorzudringen als zur Verklärung und Verabsolutierung jener immer blinden
    Lebenskraft, die doch schon der verzweifelte Heroismus eines Nietzsche ad absurdum gedacht
    und gelebt hat.
    Daß der Autor in den Zug seiner Outsider-Figuren Pascal, den er gelesen zu haben scheint, nicht
    aufgenommen hat, bleibt seltsam; denn das Grundparadox, von dem der Autor nicht loskommen
    kann, – der mit der menschlichen Existenz gegebene elementare Widerspruch zwischen der immer
    kümmerlichen und begrenzten Menschenexistenz und dem immer neu und unabgeschreckt
    erhobenen Anspruch, das Vollkommene zu entdecken und vielleicht zu verwirklichen, ist ja gerade
    von Pascal so einzigartig dargelegt worden, daß eigentlich nur Varianten, aber nicht Steigerungen
    dieser Erfahrung vorstellbar sind. Halten wir uns daran, daß der Autor entschieden erklärt
    hat, sein Buch sei nichts als der Ausdruck einer »leidenschaftlichen, ganz persönlichen Überzeugung
    «. Heute ist er jedenfalls noch zu passioniert, zu kurz erst der Springflut des andrängenden
    heterogensten Bildungsgutes entstiegen, als daß er sich schon mit der weisen Erkenntnis von T.
    S. Eliots »Simeon« begnügen könnte: »Not for me, the ultimate vision« – unangemessen für
    mich: die letzte Vision.
    Hier hat ein Zeitgenosse, der von früh an unter nicht eben günstigen Bedingungen um seine
    nackte Existenz kämpfen mußte, ein Buch geschrieben, um es deutlich zu sagen, wie sehr der
    Mensch verkümmert, wenn von ihm das Leben nicht anders verwirklicht wird als im individuellen
    und gruppenmäßigen Kampf um materielle Selbstbehauptung. Er hat es in einer Zeit
    geschrieben, da auf immer weiteren Gebieten unserer Erde die Voraussetzungen systematisch
    vernichtet werden, unter denen Qutsider-Existenzen überhaupt noch möglich werden können.
    Denn jene »Entfremdung« von der Wirklichkeit der umgebenden Welt, die für Colin Wilson
    geradezu das geistige Zeichen ist, an dem eine feinere, zukunftsträchtigere Art Mensch zu erkennen
    ist, – sie wird heute von einer noch immer wachsenden Anzahl von Zeitgenossen als ein Zustand
    erlebt, der durch gesellschaftliche Mittel abgeschafft werden sollte. Die Frage, welchem
    Typus heute an vielen Punkten unserer Welt ein prinzipieller Krieg erklärt ist, kann beantwortet
    werden: Dem Outsider. Die Menschen des Westens stehen heute mehr als einmal in einer Attitüde
    geistiger Unbestimmtheit da, wenn ihnen vom Osten her vorgehalten wird, daß sie gar nicht
    mehr in der Lage seien, ein verbindliches Gedankenbild oder gar ein Credo anzubieten. Aber
    vielleicht könnten sie doch dadurch zu kräftigerer Selbstbestimmung und Selbstdefinition kommen,
    daß sie sich als Mitteilhaber einer Zivilisation erleben, die noch Outsider dulden will.
    Ein englischer Kritiker hat von diesem Buch und seinem Autor festgestellt: »He has given my
    mind a shake.« Es wird, vermute ich, nicht allzuviele Leser geben, die diesem Satz nicht zustimmen
    können. Und ich glaube auch, daß viele darin übereinstimmen, daß diese mit natürlichem
    geistigem Ungestüm vorgetragene Anmeldung der Wichtigkeit und Legitimität einer Outsider-
    Existenz heute im rechten Moment kommt.

    • Hallo Tony,
      danke für den Einführungstext. Den werde ich noch einige Male lesen, um ihn in seiner ganzen Dimension zu verstehen.
      Von wem ist der Text? Wer ist der Scharlatan mit dem nicht nachprüfbaren Geheimwissen?
      Und danke für den Hinweis auf die Achtsamkeit, die für mich ein Mittel ist, um dem geprägten Bewusstsein ein Moment des Innehaltens zu gewähren und die Identifizierungen zu prüfen oder loszulassen.

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