Hirntod, Scheintot, Zombie. Die NATO frisst ihre Mitglieder

Von Uli Gellermann.

Den Hirntod hat Frankreichs Präsident Macron der NATO attestiert. Tatsächlich wies der Beinahekrieg zweier NATO-Mitglieder, der USA und der Türkei, alle Züge eines Hirntods des Militärbündnis auf: Der Körper, also die Truppen, bewegte sich noch, aber jene Gehirnaktivitäten, die den Bewegungen Sinn und Ziel verleihen, waren offenkundig abgeschaltet. Die türkischen NATO-Truppen versuchten die kurdischen Verbündeten der US-NATO-Armee zu vernichten.

Ein russischer Revolutionär, W. I. Lenin, hat vor langer Zeit über den Imperialismus formuliert, der sei nichts anderes als sterbender Kapitalismus. Nun scheint der Kapitalismus lebendig wie immer: Produktionsrekorde, Konsumtionsrekorde und die Beherrschung der Welt durch eine mächtige, extrem gefährliche US-Armee scheinen einem baldigen Tod des Gesellschafts-Systems entschieden zu widersprechen. Und doch sind Lenin und Macron nicht völlig von der Wirklichkeit entfernt.

Geht es um das Sterben, herrscht das Bild eines schnellen Verlöschens vor: Der Infarkt, das abrupte Ende. Doch der Tod hat viele Erscheinungsformen. Nicht selten ist er langsam und quälend. Das Sterben des modernen Kapitalismus in Form des NATO-Imperialismus ähnelt eher dem Zombie-Zustand. Die NATO ist der klassische Untote: Scheinbar lebendig laufen grauenerregende Figuren durch die Straßen der Welt und halten sich nur dadurch noch aufrecht, dass sie Menschen fressen. Zombies.

Erst jüngst in Berlin hat der US-Außenminister den Russen und Chinesen den Kampf angesagt. Am Jahrestags des Mauerfalls bezeichnete Pompeo die beiden Länder als „Regime, für die dieser Jahrestag eine angsterfüllte Warnung ist und kein Grund zum Feiern“. Und damit jeder weiß, wovor man Angst haben sollte, warnt er die NATO-Mitglieder: „Wenn Länder glauben, sie könnten die Sicherheitsgarantien der NATO in Anspruch nehmen, ohne ausreichend Geld dafür zu geben, ohne die eigenen Zusagen zu erfüllen, dann kann die NATO schon obsolet werden.“

Obsolet, überflüssig, hört sich geradezu niedlich an. Als ob die NATO-Staaten nur die Zahlung einstellen müssten, um dann fröhlich und bar jeder Verpflichtung das Bündnis verlassen zu können. Doch schon auf dem Weg zum angeblichen Ende der NATO frisst der Zombie die Völker bei lebendigem Leib: Zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes verlangt der Untote, damit er weiter die Welt bedrohen kann. Allein in Deutschland wären das 60 Milliarden Euro. Das frisst Schulen, Straßen, Krankenhäuser und letztlich die Patienten selbst.

Hirntod: Jüngst stand die Rüstungministerin in München vor rund 500 Angehörigen der Universität der Bundeswehr und schrillte in die Luft: „Wir erleben autoritäre Herausforderungen gegenüber unserer offenen Gesellschaft.“ Gemeint waren Russland und China. Und um Mißverständnisse zu vermeiden: „Wir sind zum Beispiel der zweitgrößte Truppensteller bei der Mission in Afghanistan.“ Und weiter: „Denn natürlich hat Deutschland wie jeder Staat der Welt eigene strategische Interessen. Zum Beispiel als global vernetzte Handelsnation im Herzen Europas.“

So ist das bei Zombies: Der Mund redet noch, die Gehirnfunktion ist längst weg. Keine gesunder Mensch würde die Offiziere der eigenen Armee zur Gefolgschaft mit den USA im Kampf gegen Russland und China aufrufen. Kein funktionierendes Gehirn würde den Gedanken an einen Handelskrieg an der Seite der USA denken: Den Krieg mit dem Iran zum Beispiel, der in Vorbereitung ist. Der Krieg um die Straße von Hormus.

Doch der deutsche Zombie, angesteckt von den USA, geht weiter: „Unsere Partner im Indo-Pazifischen Raum – allen voran Australien, Japan und Südkorea, aber auch Indien – fühlen sich von Chinas Machtanspruch zunehmend bedrängt. Sie wünschen sich ein klares Zeichen der Solidarität.“ Kramp-Karrenbauer hetzt die Offiziere auf, den Machtanspruch der USA im Pazifischen Raum mit „Solidarität“ zu begleiten. Mit jener Solidarität, die Leib und Leben kostet. Mit jener Solidarität, die in Afghanistan längst zu Tode geritten ist und bei der Ministerin immer noch einen kranken Stolz auf den „zweitgrößte Truppensteller“ auslöst.

Die NATO ist der höchste Ausdruck des sterbenden Kapitalismus, eines Systems, dass seine Profite mit Krieg und Kriegsandrohung erzielt. Ein System, das seine Staaten bei lebendigem Leib auffrisst. Ein System, dass die atomare Vernichtung der Erde riskiert, um die eigene Herrschaft bis zum Ende des kapitalistischen Horrorfilms zu zementieren.

Bildquelle:  miron82/shutterstock

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Dieser Artikel erschien am .November 2019 auf dem Blog Rationalgalerie.

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21 Kommentare zu: “Hirntod, Scheintot, Zombie. Die NATO frisst ihre Mitglieder

  1. Gestorben und von allen Mitgliedern als tot begriffen und eingestanden, wäre schön.

    Setzte einen um sich greifenden Verzicht auf überkommene und zunehmend unsinnige Wehrhaftigkeits-Mantren voraus.

    Den diskutiert beharrlich mit allen, die Ihr darauf ansprechen könnt !

    Lernen wir gemeinsam, ´Verantwortung´ menschenfreundlich zu buchstabieren – etwa so:
    https://diskursblickwechsel.wordpress.com/2019/11/19/der-weitreichende-unterschied-zwischen-anliegen-und-angelegenheit/

  2. Obsolete Nato? – Meiner Ansicht nach hat das Problem Klimawandel eine ganz neue Dimension. Es ist so umfangreich, dass es sich nicht mehr mittels eines kapitalistischen Hintergedankens, dem Profit, angemessen motivieren und bewältigen lässt, sondern nur mit einem echten und ungeteilten Engagement aller Menschen. Die Menschheit muss in einen „Flow“ ohne jeden Hintergedanken, nur aus Liebe zur Rettung der Erde gebracht werden. Jeder Arbeitsplatz müsste zukünftig im weitesten Sinne mit „Naturreparation“ zu tun haben, oder zumindest kompatibel damit sein. Dann gäbe es mit Sicherheit bald keine Arbeitslosigkeit mehr. Gerade die Rolle des Militärs müsste ganz neu definiert werden. Keine mörderischen Raubzüge für die Ölindustrie, sondern Einsätze in Naturnotstandszonen, Aufforsten von Wäldern, Bekämpfung des Plastikmülls in den Ozeanen usw. wäre ein endloses zukünftiges militärisches Betätigungsfeld für die Nato mit großen Abenteuer- und Bildungsnutzen für junge Soldaten ohne anschließende Kriegstraumatas und Leichenbergen. Aber noch spielt die Nato den hirntoten Kampfhund des globalen Milliardärsclubs und der Ölindustrie.

    • Bingo. Abschaffung der weltweiten Militärbudgets und Umleitung derselben in einen Recyclingplaneten. Es gibt kein Produkt, das nicht irgendwann und irgendwo aufbereitet und wiederverwendet wird. Alles Arbeitsplätze finden im Recycling statt, sofern sie nicht in der Bildung, Forschung, Medizin inkl. Pflege Kranker und Alter sind.
      Nur, wen wir uns darüber alle einig wären und die Religionen als Privatsache außen vor lassen würden, wer braucht dann noch die Bilderberger und alle die anderen Gremien der NWO? Ist nicht gerade neben der Angstmache vor Terror (Wolfgang Eggert "Aller Terror ist staatsgemacht."), Vulkanausbrüchen, Kometen und Asteroiden, genau dieses gesamte Verschmutzungsdilemma Wasser auf die Mühlen der NWO und von ihnen noch mit der Kurzlebigkeit der Produkte (im Gegensatz zu früheren Produktionen) angeheizt?

    • Guter Gedanke, aber ohne Realitätssinn. Das Gute kann man nicht erzwingen, denn es schließt jeden Zwang aus. Alles ist Erkenntnisarbeit, denn Streit, Konflikt und Kieg sind Zeichen der Unvollkommenheit, die es zu besiegen gilt. Das muss jeder allein durchleben.

    • Freischwimmer
      Immer hatten Menschen positive Visionen. Gott sei Dank, gibt es nicht nur die Offenbarung der Bibel und andere Weltuntergangsszenarien. Würden alle Waffen eingezogen, vernichtet und das Geld für uns und den Planeten ausgegeben, wäre es schon schwierig Krieg zu führen.
      Konflikt, Streit und "Krieg" kann man auch mit Worten führen. Man kann aber auch Konflikte mit Gesprächen lösen. Das nennt sich Diplomatie. Wenn wir darauf warten, bis jeder von sich aus bereits ist reif zu werden, dann werden wir die Kriege mit Waffen erdulden müssen. Dann braucht sich aber auch keiner aufregen.
      Die weltweiten Militärbudget sind pure Geldverschwendung und nutzen nur einer kleinen elitären Clique reich zu werden. Viele Menschen, die in der Rüstungsindustrie arbeiten, sind depressiv. Darüber gab es eine Sendung des Mainstream mitten in der Nacht. Leider habe ich den Titel vergessen.

  3. Ich sehe das ähnlich wie Paula. Wenn man doch den Ernst der Situation begreifen wollte – aber die meisten Leute scheinen das Historische, das jetzt passiert ist, nicht zu begreifen: Jetzt, am 7. November 2019 – nahe am 9. November 2019, dem sogenannten Schicksalstag der Deutschen – gelang den transatlantischen Falken eine Art Dammbruch: Endlich, nach so vielen Jahrzehnten unermüdlicher Indoktrination, haben sie politische Entscheidungsträger in Deutschland so weit, dass diese – ohne nennenswerten Widerstand von Seiten der Presse und Gesellschaft – bereit sind, in künftigen Kriegen auf aller Welt deutsche Bodentruppen zu entsenden – denn nichts anderes bedeuten diese Floskeln von „eigene Muskeln aufbauen“, etc…
    Das ist ein Meilenstein für diejenigen „Gruppen hinter dem Vorhang“, die Krieg wollen – und sie lassen das von Frauen sagen – raffinierterweise – denn das wirkt anders, als wenn es ein demagogischer Militarist sagen würde.

    Aber dessen ungeachtet: Wenn die Deutschen nicht aufwachen, dann könnte es sein, dass die Nachfolger vom akademischen Historiker Fritz Fischer die Schulkinder in 300 Jahren folgende "Fable convenu" lernen lassen:

    “Once upon a time there was a very barbaric and militaristic people in the middle of Europe. Even their woman had been militaristic. After this nation had already started two World Wars, they began a third World War. It took the whole world to finally defeat this barbaric people. Today there are only a few 100,000 left, scattered all over the world, living as nomads. Their language, like the dead language Latin, is only taught at universities to understand Hegel's writings.”

    (Sarkasmus aus)

    • " Jetzt, am 7. November 2019 – nahe am 9. November 2019, dem sogenannten Schicksalstag der Deutschen – gelang den transatlantischen Falken eine Art Dammbruch: … in künftigen Kriegen auf aller Welt deutsche Bodentruppen zu entsenden"

      War der Dammbruch nicht schon Jugoslawien?
      Und in Jugoslawien weiß ich jetzt nicht mehr so genau, aber in Afghanistan waren es definitiv deutsche Bodentruppen am Hindukush.

    • Ja, das war der erste große Dammbruch- aber jetzt, mit Annegret Kramp-Karrenbauers "Grundsatzrede" vor der Bundeswehr-Universität München vom 7.11.19 siehe hier:
      https://www.bmvg.de/de/aktuelles/rede-der-ministerin-an-der-universitaet-der-bundeswehr-muenchen-146670
      ist ein weiterer Damm gebrochen – künftig wird es Deutschland sehr schwer haben, eine Beteiligung abzulehnen, wenn die Verbündeten – die ich eher für Bestimmer über Deutschland halte, es "wünschen" – und zwar eine Beteiligung, bei der auch "gestorben wird", wie Maybritt Illner es hier ausdrückte: ?“ https://www.zdf.de/politik/maybrit-illner/taten-statt-worte-in-syrien-auch-mit-deutschen-soldaten-sendung-vom-24-oktober-2019-100.html
      Maybritt Ilner, schon am 24.10.19: „Deutsche Soldaten sollen dorthin, wo getötet und gestorben wird. Nichts anderes bedeutet die Initiative von Annegret Kramp-Karrenbauer.“

      Und heute, in der ZDF-Heute-Sendung, 19: Uhr, https://www.zdf.de/nachrichten/heute-19-uhr/191112-heute-sendung-19-uhr-100.html
      – da ist schon wieder geballte Bundeswehr – und ab etwa 3:33: heißt es, Annegret Kramp-Karrenbauer „wolle die Bundeswehr wieder sichtbarer machen – z. B. mit öffentlichen Gelöbnissen.“

      Hier, die Chronologie der Medien-Offensiven zum Thema in den letzten Wochen:

      1. https://www.zdf.de/politik/maybrit-illner/erdogans-krieg-wie-machtlos-ist-europa-sendung-vom-17-oktober-2019-100.html vom 17. 10.2019 – Die Ansicht Sigmar Gabriels wird einführend von einer Hintergrund-Stimme folgendermaßen kommentiert: „Diese Krise zeigt: Ein schwaches Europa wird von niemandem ernst genommen.“

      2. https://www.spiegel.de/politik/ausland/nordsyrien-kramp-karrenbauer-fordert-internationale-sicherheitszone-a-1292632.html
      Kramp-Karrenbauer fordert internationale Sicherheitszone in Nordsyrien – 21.10.2019

      3. 24.10.2019 gab es bei Maybritt Illner eine weitere Sendung in dieser Richtung: „Taten statt Worte in Syrien – auch mit deutschen Soldaten?“ https://www.zdf.de/politik/maybrit-illner/taten-statt-worte-in-syrien-auch-mit-deutschen-soldaten-sendung-vom-24-oktober-2019-100.html
      Die Sendung wird von Maybritt Illner folgendermaßen eingeleitet: „Deutsche Soldaten sollen dorthin, wo getötet und gestorben wird. Nichts anderes bedeutet die Initiative von Annegret Kramp-Karrenbauer.“ Geladen waren wieder Interventions-befürwortende Falken, wie Ruprecht Polenz. Es fielen Sätze wie: „Wir sind zu spät“. „Wir brauchen einen Fuß in der Tür“, jemand spricht an, dass Norbert Röttgen einen „Paradigmen-Wechsel“ anstrebe. Ruprecht Polenz nennt etwas, was eigentlich Krieg bedeutet „Befriedung“.

      4. Dazu sollte man noch beachten, was Wolfgang Ischinger in einem Interview mit dem Spiegel sagt: https://www.spiegel.de/politik/deutschland/wolfgang-ischinger-lobt-annegret-kramp-karrenbauer-fuer-syrien-vorschlag-a-1293103.html#js-article-comments-box-pager

      5. Und dann noch im Tagesspiegel v. 29.10.2019: „Schäuble fordert stärkeres militärisches Engagement Deutschlands“
      https://www.tagesspiegel.de/politik/heraushalten-ist-keine-option-schaeuble-fordert-staerkeres-militaerisches-engagement-deutschlands/25166690.html?fbclid=IwAR2WiFREU9ITSqueXrIAfD24rDQV5Hr7njsqvWPNeHfOAxTJbZXZgW58ZTo

      Tja – und dann die "Grundsatzrede" vom 7. 11.2019.

      Man kann also sehen: Es ist eine orchestrierte Medienkampagne – und die deutschen "Falken" von der CDU- inclusive Antlantik-Brücken-Sigmar Gabriel ziehen an einem Strang ….

      Ich sage Ihnen: Die angloamerikanischen Hintergrund-Mächte "wünschen", dass Deutschland künftig die Kastanien für die Globalisten auas dem Feuer holen soll.

    • @ A.Eberl
      Darin sehe ich eine graduelle Verschärfung, aber im Grunde nichts neues.

      Und sinngemäß über die Mehrheit der deutschen Bürger gesprochen:
      Als die Jugoslawen gebombt wurden, da habe ich nichts dagegen getan, denn ich bin ja kein Jugoslawe.
      Als die Afghanen gebombt wurden, da habe ich nichts dagegen getan, denn ich bin ja kein Afghane.

      Erst dann was zu bemerken, wenn es gegen Russen gehen könnte – wovon die Deutschen wissen, wie das ausgehen kann, also erst was zu merken, wenn es einen selber treffen könnte – das ist vielleicht etwas spät.
      Solche Schlafwandler lassen sich lenken.

    • Und wenn nun sogar die Linke in Gestalt von Thüringens Staatskanzlei-Chef Benjamin-Immanuel Hoff dafür wirbt, dass sich dtsch. Soldaten durchaus ermorden lassen sollen, finde ich das ganz besonders gruselig, bedrohlich und schlimm.
      Diese Partei war doch bisher die einzige Friedenspartei, die wir noch hatten… Nun sind die also auch umgekippt? Entsetzlich!!!

      … " Verwundung und Tod seien keine abstrakten Begriffe mehr"…
      https://www.mdr.de/thueringen/mitte-west-thueringen/erfurt/hoff-wirbt-fuer-gesellschaftliche-debatte-ueber-rolle-der-bundeswehr-100.html

      Und ich fürchte, die Mehrheit unserer Bevölkerung befürwortet dies obendrein und hat absolut nichts dagegen, seine Nachkommen ermordet in Kisten zurück zu bekommen:

      …"Das gespenstische Schauspiel deutscher Soldaten, die mit preußischem Schneid ein „Ich schwöre!“ in die Fernsehkameras brüllen, verdeutlichte erneut, an welche Traditionen die deutsche herrschende Klasse wieder anknüpft. Um die Rückkehr Deutschlands zu einer aggressiven Großmachtpolitik gegen den Widerstand der Bevölkerung durchzusetzen und den deutschen Militarismus wiederzubeleben, soll die Öffentlichkeit mit Kriegspropaganda überflutet werden."…

      https://www.wsws.org/de/articles/2019/11/14/gelo-n14.html
      https://www.zdf.de/nachrichten/heute-19-uhr/videos/grosses-geloebnis-vor-dem-reichstag-100.html

      Mich gruselt es…

  4. zu den diversen Kommentaren: Ich finde den Artikel von Uli Gellermann nicht schlecht. Das mit dem "hirntot" stimmt in jedem Falle, weil Krieg führen immer voraussetzt, dass eine Abtötung des Geistes vorliegt. Geistig gesunde Menschen führen keine Krieg. Wie der amerikanische Congressman Dennis Kuchinich so schön frei übersetzt sagt: Es wird behauptet, Krieg sei die Fortsetzung der Diplomatie mit anderen Mitteln. Nein! Krieg ist Krieg. Und Diplomatie ist Diplomatie. (Youtube: War with Iran! Are you kidding me? Dennis Kuchinich) Es gibt einen interessanten Artikel aus 2007 (!) von Norbert Rief unter dem Thema "US-Rüstungsindustrie: Das große Geld mit dem Krieg" auf dem österreichischen Portal Die Presse. Ohne Krieg würde die heutige deindustrialisierte USA, die die meisten Produkte importiert, in der Tat wirtschaftlich zerfallen. Das britische Empire fand deshalb den 1. Weltkrieg gegen Deutschland so wichtig, weil Deutschland ein wirtschaftlicher Konkurrent war, auch im Hinblick auf die Anmeldung von Patenten. 100 Jahre nach dem 1. Weltkrieg sind wir schon wieder einer der führenden Patentanmelder. Nach dem 2. Weltkrieg wurden unsere Patente von den Siegern mitgenommen. Insgesamt sind wir ein sehr unbeliebtes Volk und unsere Ministerin für Verteidigung AKK (die Abkürzung erinnert mich immer an AKW) legt die verbalen Grundlagen für die Schuldfrage, falls es wieder einen Krieg gibt in Europa gibt, den man danach noch mit überlebenden Deutschen diskutieren kann. Aber das ist alles noch Theorie. Die Situation im Jemen ist keine Theorie und scheint sich in Richtung Genozid eines ganzes Volkes zu bewegen. Wann sind wir auf der Straße? Wenn sie eines der ältesten Länder des Nahen Ostens, den Iran, dem Erdboden gleich machen?

    • @ Paula
      "Wann sind wir auf der Straße?"

      Wozu sollten wir auf der Straße sein?
      Ernsthafte Frage, die naheliegende Antwort "na um gegen Krieg zu demonstrieren" ist klar, aber wozu?
      Es können 100.000 auf der Straße sein, dann ignorieren die Politiker 100.000
      Es können 1.000.000 auf der Straße sein, dann ignorieren die Politiker 1.000.000
      Wozu?

  5. @ A.Eberl
    "Ich habe den Eindruck, dass weder Herrn Gellermann noch den Kommentatoren das Gravierende dieser Vorstöße von Kramp-Karrenbauer und Ursula von der Leyen und anderen klar ist, denn sonst würden Sie viel alarmierter sein über den (angeblichen??) Niedergang des gegenwärtigen Imperiums."

    Ihnen ist etwas klar und Sie reagieren darauf, wie Sie darauf reagieren.
    Andere reagieren darauf nicht so wie Sie und daraus schlussfolgern Sie, weil die Anderen anders reagieren, deswegen wäre denen das nicht klar.

    "Laut Professor Andrea Bosco brauchte nämlich das frühere "niedergehende Imperium", das British Empire, den Ersten Weltkrieg, weil es sonst viel früher zerfallen wäre! "

    Und genau so sieht es jetzt für USA aus.
    Aber ob ein Imperium durchsetzen kann, was es braucht, weil Gegenspieler so selten DUMM sind wie die 1910er Deutschen, oder ob es Gegenspieler wie in den 2010ern gibt, das ergibt eine andere Situation, denn ein Imperium kann ja wollen was es will, aber ob es können kann …
    Den gegnerischen König matt setzen will ja jeder Spieler wollen, aber ob er in der konkreten Situation auf dem Brett können kann, das gehört auch dazu und dementsprechend auch zur Betrachtung der Sache.
    Mit Alarmismus würde bei jeder Figur des Gegners auf dem Spielbrett die Alarmglocke schrillen und die Figuren stehen ja auch alle an ihrer Stelle mit einer bestimmten Absicht, aber wenn man wegen lauter ,Alarmglockenschrillen wegen jeder Figur den Überblock verliert, aus dem man sehen könnte, wo die wirklich kritische Stellung ist, dann ist der Alarmismus eher hinderlich.
    The Grand Chessboard …

    • @ A.Eberl
      Der Widerstand ist in China, Russland, Iran …
      Leider nicht die pazifistische Variante, aber wenn militärische Abschreckung immerhin einen großen Krieg verhindert, ist das schon was.
      Wobei die Chinesen sich hauptsächlich wirtschaftliche Hebel geschaffen haben.

  6. Ich habe den Eindruck, dass weder Herrn Gellermann noch den Kommentatoren das Gravierende dieser Vorstöße von Kramp-Karrenbauer und Ursula von der Leyen und anderen klar ist, denn sonst würden Sie viel alarmierter sein über den (angeblichen??) Niedergang des gegenwärtigen Imperiums. Laut Professor Andrea Bosco brauchte nämlich das frühere "niedergehende Imperium", das British Empire, den Ersten Weltkrieg, weil es sonst viel früher zerfallen wäre!

    Nochmal zu Kramp-Karrenbauers Kern-Aussage, dass „Deutschland angesichts strategischer Herausforderungen aktiver werden“ müsse, …„Denn natürlich hat Deutschland wie jeder Staat der Welt eigene strategische Interessen.“ Damit ist unverblümt ausgesagt, dass Krieg als Mittel zur Durchsetzung egoistischer Handelsinteressen oder anderer Interessen irgendwie zulässig sei – und sie sagt das in aller Offenheit! Und das, obwohl unser Grundgesetz Militär nur zur Verteidigung bei echter Bedrohung des Landes oder bei einem echten Bündnisfall erlaubt und obwohl es das UNO-Gewaltverbot gibt, das besagt, Staaten sollten ihre Konflikte ohne Gewalt lösen.

    Und nochmal: Sie sagt das in aller Öffentlichkeit! Was heißt das, dass so ein Vorstoß von einer Deutschen kommt? Wieso in dieser Deutlichkeit nicht von Macron? Wieso nicht von einem hochrangigen Briten? Wieso nicht von einem Amerikaner? Wenn das nur nicht wieder eine Falle ist, die den Deutschen später mal wieder auf die Füße fällt! Denn dass dieser Vorstoß mit transatlantischen Kreisen abgesprochen ist, das erscheint mir ziemlich sicher.
    Übrigens: Arthur Balfour hat sich in solcher Offenheit im Jahre 1907 außerhalb seiner Kreise nur in einem Zweiergespräch ausgedrückt, nämlich in einem Gespräch mit dem amerikanischen Diplomaten Henry White. Ansonsten hat man sich in Großbritannien als „zivilisiert“ ausgegeben, als Land, das das Völkerrecht achte. Doch: Der amerikanische Diplomat Henry White und der britische Oppositionsführer Arthur Balfour hatten 1907 eine sehr offene Diskussion, die von Whites Tochter festgehalten wurde und in der es ebenfalls nur um egoistische Handelsinteressen ging
    Zitat:
    Balfour: „Wir sind vermutlich Narren, dass wir keinen Grund dafür finden, Deutschland den Krieg zu erklären, bevor die Deutschen zu viele Schiffe bauen und uns den Handel wegnehmen.“
    White: „Sie sind im Privaten ein sehr moralischer Mensch. Wie können Sie da überhaupt nachdenken über etwas politisch dermaßen Unmoralisches wie das Provozieren eines Krieges gegen eine harmlose Nation, die ein ebenso großes Anrecht auf eine Marine hat wie Sie? Wenn Sie mit dem deutschen Handel konkurrieren wollen, dann arbeiten Sie härter.
    Balfour: „Das würde bedeuten, unseren Lebensstandard zu senken. Vielleicht wäre es für uns einfacher, einen Krieg zu führen.“… (Quelle: Wolfgang Effenberger: Europas Verhängnis 14/18 – Die Herren des Geldes greifen zur Weltmacht, S. 41)

    Dazu muss man wissen, dass die „Society of the Elect“, also der höchst einflussreiche Kreis um Lord Alfred Milner, zu dem auch Balfour zählte, eine extrem deutschfeindliche Propaganda betrieben hat: John P. Cafferky schreibt in „Lord Milner’s Second War“ ab S. 70 über die methodisch organisierten, antideutschen Pressekampagnen in Times, Spectator und National Review. Die Milner-Gruppe orchestrierte und schürte eine Reihe von Ängsten: Ängste vor deutschen Spionen, Ängste vor deutschen Saboteuren, Ängste vor einer deutschen Invasion, Ängste vor deutschen fünften Kolonnen, Ängste vor der deutschen Marine – ohne den geringsten Beweis.

    Und wenn ich mir ins Gedächtnis rufe, welche Ängste vor gar nicht langer Zeit im ZDF vor Erdogan und Putin geschürt wurden, dann erkenne ich Parallelen.

  7. Naja, auch wenn Trump, Pompeo, Pence, Bolton, Biden, Clinton und/oder wie sie alle hießen und noch heißen werden auch schon so aussehen … betteln und hausieren müssen sie um die 2%, weil USA insofern pleite ist, sich die Militärausgaben nicht mehr leisten zu können.
    Also der Kapitalismus als solcher ist quicklebendig, nur das aktuelle Imperium geht den Weg aller Imperien.

  8. Moin, Uli Gellermann, indem Sie die Rolle des Kapitalismus skizzieren, als
    "Ein russischer Revolutionär, W. I. Lenin, hat vor langer Zeit über den Imperialismus formuliert, der sei nichts anderes als sterbender Kapitalismus. Nun scheint der Kapitalismus lebendig wie immer: Produktionsrekorde, Konsumtionsrekorde und die Beherrschung der Welt durch eine mächtige, extrem gefährliche US-Armee scheinen einem baldigen Tod des Gesellschafts-Systems entschieden zu widersprechen. Und doch sind Lenin und Macron nicht völlig von der Wirklichkeit entfernt."
    Vereinfachen Sie die Situation, und kommen leider auch nicht in der Folge dahin, die Rolle der Nato/USA der Nato richtig zu analysieren. Vielleicht war es auch gar nicht so gedacht, aber ein paar Anmerkungen hierzu von mir:
    Der Kapitalismus in Reinkultur von Marx und Engels untersucht, hat als ein zentrales Element die Konkurrenz zu anderen Kapitalisten. Lenin entwickelte in seiner Imperialismustheorie den Monopolkapitalismus (er nennt dies Imperialismus), indem er konstatiert, dass die Kartelle und Trusts eben die Konkurrenz obsolet machen. Mit staatlicher/politischer Hilfe werden die Interessen der einzelnen Monopole weltweit durchgesetzt.
    Und hier kommt dann auch die Nato ins Spiel, die gegruendet wurde gegen den Einfluss der damaligen Su, und heute Aufgaben bekommen hat, die weit darueber hinaus gehen. Mit dieser militärischen Macht und den ueber 1000 Stuetzpunkten der USA selber sollen die Monopole des US-Imperialismus rund um den Globus selber verteidigt werden.
    Wenn es heute so aussieht, als wenn der US-Imperialismus schwächelt, so nur deswegen, weil Russland/Putin und China eine sehr kluge Politik dagegen entwickelt haben.
    Ansonsten volle Zustimmung zu Ihrem Kommentar!

    mfG

    • Ob nun Imperialismus oder Sozialismus, Monopol und Alternativlosigkeit hat man hier wie da.

      Im Sozialismus wird man nur mit der Illusion verhohnepiepelt, man hätte als Pöbel Einfluss – vermutlich sogar auf das Große und Ganze.Zum Totlachen.

      In welchem Staat hat je das Volk etwas zu sagen gehabt?

      Im roten China, im braunen Hitlerismus oder im korporatistischen Superstaat? Nirgends hat das Volk die Wurst vom Brot gezogen!

  9. Ich habe gefürchtet, dass am 9.11. was passieren würde- fürchtete einen Anschlag – aber stattdessen kam am 7. 11.19 Frau Kramp-Karrenbauers Grundsatzrede in der Bundeswehr-Universität in München. Sie sagte:

    „Es besteht breite Übereinstimmung, dass Deutschland angesichts der strategischen Herausforderungen aktiver werden muss. […] Ein Land unserer Größe und unserer wirtschaftlichen und technologischen Kraft, ein Land unserer geostrategischen Lage und mit unseren globalen Interessen, das kann nicht einfach nur am Rande stehen und zuschauen. Nicht einfach nur abwarten, ob andere handeln, und dann mehr oder weniger entschlossen mittun, oder auch nicht mitzutun. […] Unsere Partner im Indo-Pazifischen Raum – allen voran Australien, Japan und Südkorea, aber auch Indien – fühlen sich von Chinas Machtanspruch zunehmend bedrängt. Sie wünschen sich ein klares Zeichen der Solidarität. […] Wir sind die Handelsnation, die von internationaler Verlässlichkeit lebt.
    Wir sind neben China führend in der internationalen Containerschifffahrt – und auf freie und friedliche Seewege angewiesen. […] Denn natürlich hat Deutschland wie jeder Staat der Welt eigene strategische Interessen. Zum Beispiel als global vernetzte Handelsnation im Herzen Europas.“ Quelle: https://www.nachdenkseiten.de/?p=56209
    Jens Berger: Nachdenkseiten, 8.11.2019

    Diesen Rede-Ausschnitt sollte man sich genauer anschauen:
    Gleich zu Anfang eine irreleitende, unklare Formulierung: „Es besteht breite Übereinstimmung…“
    Diese breite Übereinstimmung besteht eben NICHT! Umfragen aus jüngerer Zeit beweisen, dass die große Mehrheit der Deutschen keinen Bundeswehr-Einsatz will. Unter diesen KenFM-Text https://kenfm.de/aufstand-der-friedliebenden/ stehen ein Kommentar von Josef Gabriel Twickel und ein weiterer von mir, in denen wir beide aufzählen, welche Umfragen der letzten Jahre zeigen, dass eine große Mehrheit der Deutschen eben KEINE Auslandseinsätze will.
    Aber was die Bevölkerung will, zählt offenbar nicht.

    Danach appelliert Kramp-Karrenbauer in ihrer Rede an das schlechte Gewissen: „…Ein Land unserer Größe .. kann nicht am Rande stehen.. unsere Partner… wünschen klares Zeichen von Solidarität“ (so, als ob wir sie im Stich lassen würden, dabei haben wir gar kein Militär-Bündnis mit Australien, Japan, Südkorea und Indien – sie sind zwar Handelspartner, aber keine militärischen Verbündeten) … „freie, friedliche Seewege“, bis sie schließlich die Katze aus dem Sack lässt:
    „Denn natürlich hat Deutschland… eigene strategische Interessen…“

    Eine weitere, Orwell'sche Floskel ist: „Internationale Gestaltungsmacht“ zu sagen, während man mögliche Kriegseinsätze meint: siehe hier: https://www.wetterauer-zeitung.de/politik/kramp-karrenbauer-plant-nationalen-sicherheitsrat-zr-13201018.html
    In diesem Artikel gibt es wieder eine Wischi-Waschi-Formulierung: „Sie höre aus allen Richtungen, dass Deutschland eine Rolle als "Gestaltungsmacht" annehmen müsse, sagte die Ministerin am Donnerstag in einer Grundsatzrede vor dem Führungsnachwuchs der Bundeswehr in München.“ Aus welchen Richtungen ? Das ist unschwer zu erraten: Ich vermute: Transatlantische Thinktanks, die US-amerikanische NATO-Botschafterin Kay Hutchison, Ischinger, Röttgen, Gauck usw… Wenn man schon von „Gestaltung“ schwätzt, dann sollte man wenigstens ehrlich sein und zugeben, dass externe Kräfte wie transatlantische, Thinktanks, supranationale NATO-Funktionäre sowie deren deutsche Marionetten eine demokratisch nicht legitimierte „Mitgestaltung“ an innerdeutschen Entscheidungs-Prozessen in Bezug auf die deutsche Außenpolitik betreiben.

    Ja, Deutschland ist wirklich fremdbestimmt.

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