Hope. How come and how long?

Von Dirk C. Fleck.

Etwa eine Woche, nachdem uns eine US-Präsidentin Hillary Clinton erspart geblieben ist, begann ich, mich in den zahlreichen Videos zu, über und mit Donald Trump umzusehen, wie viele von euch vermutlich auch. Sie wurden auf Facebook so zahlreich gepostet, als wäre das soziale Netzwerk von einem Meteoritenschauer getroffen worden. Neunzig Prozent der Videos zeichneten ein anderes Bild von Trump, als das, was uns vom Mainstream im Wahlkampf vorgesetzt wurde. Apropos Mainstream – ich kann das Wort nicht mehr hören. Zu häufig wurde es zu hart angepackt und in billigen Empörungspamphleten von uns Friedensfreunden als rhetorische Waffe mißbraucht. Schließlich ist es unter der andauernden Grabbelei wie eine empfindsame Frucht in sich zusammen geschrumpelt, und trieft nun faulig vor sich hin. Mainstream – mir wird übel.

Aber zu den Videos. Donald sah gut aus in jungen Jahren. Smart. Seine elektrisierende Energie war immer gradlinig auf den Erfolg gerichtet. Zweifel daran, dass sein Weg nach oben führen würde, nach ganz oben, dass dieser Weg eigentlich kein Ende hat, war in den Dokumentationen, Interviews und Liveauftritten, die ich gesichtet habe, nicht zu spüren. Allerdings war ihm lange Zeit nicht klar, wohin die Reise gehen sollte, er ist ein Spieler, die Politik stand nicht zwangsläufig im Focus.

Und jetzt wird es kompliziert. Ich glaube, dass Donald Trump sich nur aus einem ganz bestimmten Grunde entschlossen hat, der 45. Präsident seines Landes zu werden. Er, der im Big Business alle schmutzigen Tricks kannte und natürlich auch anwendete, war zutiefst empört über das Maß an Skrupellosigkeit, das sich das „Establishment“ mittlerweile unverfroren gönnt. Sie fahren es an die Wand, Donald! Diese Erkenntnis muss wie eine Erleuchtung über ihn gekommen sein. Sie muss schmerzhaft gewesen sein, denn Trump und das Establishment waren so gut wie ein Begriff. Seine Analysen und Statements zum Ist-Zustand sind jedoch bemerkenswert. Tatsache ist: die US-Wirtschaft geht am Tropf, ihr Schuldenberg reicht bis in ferne Galaxien, die industrielle Infrastruktur ist vom Rost befallen, der Arbeitsmarkt eine einzige Katastrophe. Das ist nicht gesund, so funktioniert Wirtschaft nicht, muss sich der Dagobert in Trump gesagt haben, weil er die Strukturen, in denen er seine Gewinne scheffelte, zerbröseln sah. Außerdem hat er wohl ein feines Gespür für soziale Erschütterungen, die aufgrund einer völlig abgehobenen und nur der Gier-Elite nützlichen Politik am Boden der Tatsachen zu spüren sind. Wo es inzwischen gärt, wo die Mistgabeln aus den Schuppen geholt werden. So darf ein Trump nicht untergehen, so nicht! Also beschloss er Präsident zu werden, um die Dinge wieder gerade zu rücken. Damit es wieder einen fairen Wettbewerb gibt, in dem Schlitzohren wie er die Konkurrenz geschickt über den Tisch ziehen können. Come on, this is America. Amerika must be fun, Leute! Jobs für alle. Befriedet das Land und es nützt uns da oben enorm.

Ach, Mr. President, was wissen wir schon über Sie. Ich weiß nur, dass Sie uns Hillary Clinton erspart haben und damit die fortdauernde Provokation Russlands, die sehr schnell zu einem Atomkrieg hätte führen können. Man muss  seine finanzielle Schieflage auch anders als durch Kriege lösen können, mögen Sie sich sagen. Wenn Sie diesen Weg tatsächlich gehen, wenn sie, wie versprochen, Partnerschaft statt Feindschaft anstreben, hätten Sie sich schon jetzt um die Menschheit verdient gemacht. Allein mir kommen Zweifel. Geht nicht gegen Sie, Mr. President, aber hat es jemals einen Politiker gegeben, der sich nach seiner Wahl durch das Volk noch um selbiges gekümmert hätte, der sich den wahren Strippenziehern nicht zu Füßen geworfen hätte, wie beispielsweise Ihr Vorgänger? Nennen Sie mir einen Namen. Ihnen fällt keiner ein? Sie wollen der erste sein? Gut. Wir sind gespannt. Es sind noch zwei Monate bis zu Ihrer Amtseinführung. Eine lange Zeit. Falls Sie diese unbeschadet überstehen sollten (It`s America!), bleibt zu hoffen, dass die Wahlmänner, die Sie für sich gewinnen konnten, Sie auch tatsächlich zum Präsidenten wählen.  Sie wissen doch, da fließen gerade eine Menge kollossaler Bestechungsgelder…

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

13 Kommentare zu: “Hope. How come and how long?

  1. Die Wahrheit liest sich immer am besten an den Gesichtern ab und nicht nur die Wahrheit darüber, wie sich ernährt wird, sondern auch über die Jahre darüber, was sich mental bei Menschen verändert hat. Man vergleiche nur einmal das abgelichtete Gesicht von Obama bei seinem Besuch damals zum Amtsantritt in Berlin mit dem von jetzt. Daraus lese ich, dass er das alles, was er während seiner Amtszeit mit veranlasst hat, nicht freiwillig getan hat. Es wurde ihm im Laufe der Zeit nach und nach verklickert, was er zu tun und was er zu lassen habe. Erpressbar ist jeder – und umso mehr, wenn er Familie hat.
    Wir wissen alle nicht, in wie weit die wahren Interessen von Donald Trump mit denen des MIK(mil.,ind.Kopl.) kollidieren oder nicht. Ich persönlich kann mir in diesen Menschen jedenfalls von vorn herein schon kein humanitäres Konzept hineindenken. Reiner Zweckoptimismus bringt’s auch nicht. Aber ich hoffe natürlich weiterhin auf Wunder. In meinem privaten Bereich bemerke ich schon immer mehr eine Veränderung im Bewusstsein der Menschen. Da fühlen es immer mehr, dass der von oben vorgeschriebene Kurs auf der Schiene des Machtsystems nicht der richtige ist. Ich glaube nicht an eine Veränderung dieses verkehrten Kurses durch einen US-Präsidenten jetzt. Im besten Fall sekundär, als Reaktion auf etwas ganz anderes…

    • Es bleibt die schwache Hoffnung, dass mit Trump noch andere Kräfte mit ans Ruder kommen und dass diese Kräfte nicht ganz so durchgeknallte Pläne haben wie jene, die hinter Clinton standen.

    • Statt einer (vorgeblichen) Verschwörung gegen Trump wird es Obama sehr viel mehr darum gehen, insbesondere Deutschland weiterhin als militärisch-nachrichtendienstlichen Brückenkopf gegen Russland zu sichern. Und das die Sanktionen gegen Russland verlängert / verstärkt werden sollen. Die Herren sehen ihre Felle davon schwimmen.

      Insbesondere müssen sie damit rechnen, das in 2017 ihre letzte Bastion Merkel und damit mglw. Deutschland ausfällt. Ebenso Österreich, Frankreich, Italien und weitere linientreue Regierungsführer.

      Und wir wiederum müssen leider damit rechnen, das die CIA in Kürze schwerwiegende terroristische Vorfälle initiert, die insbesondere die Beziehungen zwischen Russland und Deutschland dramatisch verschlechtern und einer kurzfristig massiven Aufrüstung von Deutschland Vorschub geben sollen. Wie Verteidigungsminister Michael Fallon jüngst offenbarte, ist Großbritannien 2018 bereit für einen Krieg gegen Russland.

      Amerika selbst ist für die Obamafraktion mittlerweile von nachrangigem Interesse. Das Kriegsvorhaben gegen Russland wird keinesfalls fallengelassen und verteidigt bis zu Letzten. Man siehe dazu auch die wüsten Drohungen von McCain gegen Trump: n8waechter.info/2016/11/mccain-an-trump-wehe-sie-schliessen-frieden-mit-russland/

    • Solange das feststellbare Ergebnis des leider-immer-noch-Präsidenten Obama auf das verspeisen einer Currywurst beschränkt, ist doch alles in bester Ordnung. Ich gehe davon aus, das verspeisen einer Currywurst keine weiteren negativen weltpolitische Ereignisse verursacht.

  2. Die Bürger in Europa stehen sehenden Auges vor einer unmittelbar drohenden militärischen Auseinandersetzung mit Russland. Dies forciert durch zunehmend kriegsvorbereitende Maßnahmen (EU-Sanktionen, NATO-Übungen, große US-Waffenlieferungen, Modernisierung der Nuklearwaffen, Erhöhung der Rüstungsetate, uvm.). On Top die unverhohlene Kriegsbefürwortung von einer US-Präsidentschaftskandidatin mit guten Gewinnaussichten. Und all das wird weitgehend schweigend hingenommen. Überall Hysterie und Panik jedoch dann, als ein anderer Kandidat die US-Präsidentschaft gewinnt. Ein Kandidat wie Trump, der im Wahlkampf hässlichen Parolen gegen Minderheiten und Randgruppen in Amerika outet, wird als Bedrohung für Europa aufgefasst. Ein unberechenbarer Trump ängstigt, ein absehbarer nuklearer Winter jedoch nicht.
    Der Krieg wird erwartet, ein Trump jedoch nicht. Was für eine merkwürdige Menschenwelt.

  3. Ich denke, man sollte den Handlungsrahmen des Präsidenten nicht überschätzen, wie heißt es doch so schön bei Brecht: Die im Dunkeln sieht man nicht! Die „graue Emminenz“ im Hintergrund wird ihm beizeiten schon ihre Instrumente zeigen.

    Für mich ist das Verhalten der Medien und der Politik hierzulande viel interessanter, denn deren Verhaltensmuster, treu im A…h der Macht zu stecken, ist ja nun unübersehbar. und nun aufeinmal nicht mehr? Hetzen gegen den neuen amerikanischen Präsidenten, statt sofort die Hacken zusammenzuschlagen, wie ist das möglich? Haben sie den Schuß nicht gehört? oder wissen sie um Kräfte, von denen wir nichts wissen, die wir nur ahnen können? So sehr ich Ken Jebsens leidenschaftliches Statement zur Abwahl von Clinton genossen haben plagen mich seither Bauchschmerzen, ob wir uns nicht so früh freuen – jenseits der Person Trump

    Willy Wimmer teilt jedenfalls in diesem neuen Interview https://de.sputniknews.com/politik/20161117313403127-wimmer-obama-besuch/ diese Befürchtung.

  4. Lieber Herr Fleck,

    ich sehe die Situation so ähnlich wie Sie.
    Möglicherweise hat er sich ja auch gedacht, „Für mich hab ich jetzt alles erreicht. Was könnte ich denn jetzt noch machen? Altruismus hatte ich noch nicht, das probiere ich jetzt mal aus. Vielleicht ist das ja auch ganz nett.“
    Schön wäre es, aber mer waas es ned..
    Vielleicht gibt es nach dem Teddy bear ja irgendwann mal eine Donald duck, die als Plüschtier in die Kinderzimmer Einzug hält. Wobei.. das mit dem Knopf im Ohr.. *grübel*

    Träumende Grüße aus dem Taunus,
    waldbaer *spekulatiusmampf* 😉

  5. „Etwa eine Woche, nachdem uns eine US-Präsidentin Hillary Clinton erspart geblieben ist,…“

    Ich hoffe inständig, das ist keine voreileige „Feststellung“.

    So eine voreilige Feststellung wie ich sie zur Zeit des Politik und Kanzlerwechsels der Kohlschen Ära traf. Seitdem bin ich übrigens geheilt von voreiligen Jubelschreien bezüglich Kanzlerwechsel.

    Ein Kohl = die Strecke von einem Fettnäpfchen zum nächsten usw. Was haben „wir“ ihn verhöhnt, verkohlt, teilweise gehasst, diesen Kohleintopf. Für viele von uns nur genießbar, wenn er mit Hack oder sonstigem Fleisch getunt und unendlich verlängert wird – PS sind nun mal höchstwichtig kauf und genußentscheidend.

    Und was haben wir dafür bekommen? Das was wir verdienten. Obwohl, das hätte man seinem ärgsten Feind kaum an den Hals gewünscht. Hatte man das (bestätigte) Gefühl Kohl verkauft Deutschland an Europa, hatte man dann das (bestätigte) Gefühl Schröder will ihn unbedingt übertrumpfen und verkauft Deutschland an die ganze Welt.

    Kein Bundeskanzler hat jemals mehr Leid und Unheil über das Volk gebracht als Schröder. Kein Bundeskanzler hat Deutschland mehr niedergerichtet als dieser unsägliche Schröder – möge er auf Ewig in der Hölle schmoren.

    Merkel versucht zwar verzweifelt Schröder zu übertrumpfen, aber das ist wirklich eine Megamammutaufgabe. Auch wenn sie weiterhin mit voller Hingabe daran arbeitet, wird es schwer Schröder in dem Grad der Hinrichtung Deutschlands zu übertreffen.

    Wie sehr und wie oft wünschte ich mir schon Kohl zurück. Diesen fast verhassten Dr.Kohl.
    Bleibt zu hoffen, das die Amerikaner und/oder wir uns nicht Obama zurückwünschen…

    „Apropos Mainstream – ich kann das Wort nicht mehr hören.“

    Ich auch nicht. Das einzig wahre und zu-treffende Wort ist LÜGENPRESSE.

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