Im Gespräch: Christian Kreiß („Das Mephisto-Prinzip in unserer Wirtschaft“)

„Es war die Art zu allen Zeiten, (…) Irrtum statt Wahrheit zu verbreiten.“ (Mephistopheles; aus: Goethes Faust)

Wahrheit, Klarheit und lösungsorientierte Gedankengänge erhalten wir von Professor Christian Kreiß. Er doziert an der Hochschule Aalen und vermittelt nicht etwa die banalen Glaubensgrundsätze des neoliberalen Kapitalismus, wie man es von einem ehemaligen Banker erwarten könnte – Professor Kreiß legt den Fokus auf das große Ganze.

Zum Beispiel erfahren wir, dass „die unsichtbare Hand des Marktes“, wie Adam Smith das so schön formulierte, nicht etwa ein großartiger Geist ist, der alles regelt und soziale Ungleichheit von alleine ausgleicht. Es ist laut Kreiß eher der mephistophelische „Geist, der stets verneint“ und zu allem Unglück auch noch eine Kraft besitzt, die im Gegensatz zu Goethes Zeilen, stets das Gute will, jedoch das Böse schafft.

Auch wenn sich diese Art von kunstvoller Lyrik noch so schön anhört, im Gespräch wird Klartext gesprochen. Die Situation heute: wahrscheinlich stehen wir kurz vor einem großen Crash, wenige multinationale Konzerne entscheiden, was wir essen, trinken oder kaufen können. Viel zu ernst also, um all das ausschließlich in Metaphern zu packen.

Auf diesem 90-minütigen Streifzug durch die Geschichte und die Entwicklungsstufen des Finanzmarktes, kommen wir vorbei am „Erfolgskonzept“ Krieg, landen aber letztendlich bei alternativen Denkweisen und einem spannenden Ausgleichsmechanismus, der Reichen wie Armen gleichermaßen nützt.

Ist die „unsichtbare Hand“ nämlich nicht auffindbar, müssen wir eben selbst Hand anlegen. Ein erster Schritt auf diesem Weg das Buch von Christian Kreiß „Das Mephisto-Prinzip in unserer Wirtschaft“ – völlig antikapitalistisch, nämlich kostenlos.

Hier der Link zur Website „Menschengerechte Wirtschaft“: https://menschengerechtewirtschaft.de/

Klicken. Lesen. Anders machen. Und ab geht es in eine lebenswerte Zukunft für uns alle.

Inhaltsübersicht:

0:04:59 Zinsgegner Martin Luther

0:17:22 Der ökonomische Zeitgeist

0:26:53 Die unsichtbare Hand des Marktes

0:39:16 Wohin geht das Geld?

0:46:32 „Erfolgskonzept“ Krieg

0:56:00 Über eine Krise zu alternativen Denkweisen

1:06:56 Bankenkrisen, Gewinnmaximierung, Produktivität

1:17:36 Visionen für das Jahr 2050

1:26:13 Die 20-Stunden-Woche

1:30:20 Lebenswerte Städte durch Dezentralisierung

1:39:15 Der Sinn des Lebens

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34 Kommentare zu: “Im Gespräch: Christian Kreiß („Das Mephisto-Prinzip in unserer Wirtschaft“)

  1. Ein interessantes Gespräch.
    Am bemerkenswertesten fand ich den zweimaligen Hinweis von Herrn Kreiß, dass man "ruhig und sachlich" vortragen muss, wenn man Dinge am System kritisiert. Dann glauben die Zuhörer es auch bzw. denken über das Gesagte nach und man erreicht ein Darübernachdenken. Eine Binsenweisheit.

    Ein Wink mit dem Zaunpfahl für Ken Jebsen?

    Wie auch immer: An der Missachtung des obigens gesagten kranken die alternativen Medien, wie ich finde. Sie, wie aber auch ihre Anhänger, sind oftmals zu aggressiv, vermitteln allein durch die Tonlage in Sprache und Schrift einen Kampfgeist, durch den Otto Normalbürger abgeschreckt wird. Und bleiben damit unter sich.

    Für mich _die_ Äußerung des Gespräches!

  2. Liebes Team und lieber Christian Kreiß
    (…LINK… https://kenfm.de/im-gespraech-christian-kreiss/#comment-180090)
    will nochmal nachfragen und …

    ein sehr authentisches, nachvollziehbares Gespräch mit vielen wichtigen Anregungen und Hinweisen!

    Danke wiedermal für diese sehr hohe Qualität!

    Meine Nachfrage ergibt sich aus dem Kontext:
    `Wo landet das Geld?`
    (ca. ab hier …LINK… https://www.youtube.com/watch?v=6DyCSHWmofc&t=39m44s)

    Ist in diesem Kontext die Frage

    `Woher kommt das/Wie entsteht das (was wir mit) Geld (umschreiben) im Kern / im Wesentlichen?`

    nicht die Wichtigere … erst recht, wenn man `Mephisto` als einen Prinzip-Anteil benannt hat?

    Ergänzende Frage:

    Wie hoch ist der VORfinanzierungsanteil in den folgenden Bereichen bei den Dingen,
    die sich `unmittelbar` auf unsere/die jeweilige Wirtschaftsleistung/Bilanz/Bruttosozialprodukt auswirken:

    a) Private Haushalte
    b) Öffentl. Haushalte
    c) Hauptakteure der Realwirtschaft
    d) Finanzdienstleistung
    e) …

    ???

    Gibt es dazu ungefähre Angaben bzw Quellen?

    Vielen Dank und viele Grüße in die Runde

  3. „Neoliberalismus … erfunden in 70er Jahren“
    Das ist natürlich schon völlig falsch. Der Neoliberalismus beginnt mit dem Sieg der Angebotstheorie mit dem Gleichgewichtsmodell von Walras (1874). Der Frühliberalismus von Smith war eine sehr ernste Wissenschaft …
    Ich frage mich, wo Ken immer wieder so oberflächliche Scharlatane findet? So viel Unsinn schon längst nicht mehr gehört !!!!!!!!!!!! Dieser Mensch ist ein geborener Pfaffe, hat keine Ahnung was Wissenschaft ist. Mit Pfaffen ist nichts getan. Bei solchen "Gegnern" wird der Noeliberalismus ewig leben

    DIE BISHERIGEN PARADIGMEN DER WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFT
    http://marktwirtschaft-neu-denken.de/Aufbau/ba/tbch_ba.php

    • Ich habe wenige Bücher so oft gelesen wie Smith.
      Nun ich bin liberal im Sinne, dass jeder buchstäblich alles sagen darf (alles!). Man darf aber gerade deshalb sagen, dass jemand Blödsinn spricht. Und dieser Pfaffe spricht Unsinn über Smith.

    • Gott schütze und vor den Guten!!! Der gute ist der Gläubige und der Gläubige ist in seiner Seele ein blutrünstiger Terrorist, der nur die nächste Gelegenheit sucht. Das Gegenteil ist die Wissenschaft. Der Glaube hat nie in der Geschichte das Gute gebracht, nur die Wissenschaft: analytisches (logisches) Denken in Modellen. Nur die Wissenschaft hat in der Geschichte Armut, Krankheit, Strapaze und Lebensrisiken verringert und in vielen Fällen ganz neue Möglichkeit für körperliche und geistige Affirmation eröffnet. Nur die Wissenschaft kann eine neue ökonomische Ordnung entwerfen und realisieren.

    • Dieser "Gläubike" möchte das System erhalten. Die neu geschaffene Geldmenge würde mit seinen Methoden endlich auf dem Markt landen und so Rendite und Inflation ermöglichen.
      Einziger Vorteil – unsere Generation müßte dann nicht erleben, wie sich Menschen die Köppe einschlagen – doch verschoben wäre nicht aufgehoben.

    • "Dieser "Gläubige" möchte das System erhalten." – Alcedo
      Meine Vermutung: FFF, Zinsgegner, Grüne … sind Scharlatane, die das "System" dem Volk aufdrignt … Es soll Eindurck entstehen, das "System" lässt sich heftig kritisieren, aber ohne Folgen, weill Dummheit keinem "System" je gefährlich war
      Das Volk mit einem dummen Zeug beschäftigt, dass es nicht denkt

    • "Das Volk mit einem dummen Zeug beschäftigt, dass es nicht denkt"
      Funktioniert hervorragend, den Sozialwissenschaften sei dank.

      Sollte es je wieder zu neuen Gestaltungsregeln kommen bin ich aber auch für Fließgeld, nicht für Zins.

    • "bin ich aber auch für Fließgeld, nicht für Zins"
      Das haben wir gerade. Und nun??????

      Johann Silvio Gesell: Das Nachfrageproblem als Geldhortungsproblem

      Die selbst gebastelte Weltphilosophie eines Autodidakten und Krämers
      http://marktwirtschaft-neu-denken.de/Aufbau/ba/50n/ba50n.php?tbch=ba&ordner=50n&auslese=bah150&schp=keynes

    • Gsell hatte doch gerade ein Schwund- also Fließgeld. Und stimmt, das haben wir gerade wieder durch den Negativzins, da der Negativzins jedoch in einer extremen Ungleichverteilung der Vermögen beginnt kommt keine Bewegung in den Markt. Zum Fließgeld gehört eine echte Leistungsgesellschaft, also annähernd gleiche Startchancen. Herausragende Fähigkeiten können gerne honoriert werden, aber eben nicht über Generationen hinweg.

      Damit gerät Geld wieder zum Hilfsmittel und kann nicht mehr zur Einkommensgenerierung genutzt werden.

    • Alcedo =>
      Blutegel, Aderlass, Magenreinigung … waren kein Unsinn. Natürlich bei ganz spezifischen Umständen. Auch Zinsverbot war kein Unsinn. Es war der Stand des Wissens(chaft). Blutegel, Aderlass, Magenreinigung … Zinsverbot sind aber heute ein UNSINN – wie es die Praxis gerade zeigt.
      Sie sind ein Zeug der heutigen Schamanen, Scharlatane, denkufähigen Menschen, Gutgläubigen, der "dümmsten Vereifacher"

    • Wenn jemand so denkt und schreibt:

      "Gott schütze und vor den Guten!!! Der gute ist der Gläubige und der Gläubige ist in seiner Seele ein blutrünstiger Terrorist, der nur die nächste Gelegenheit sucht. Das Gegenteil ist die Wissenschaft. Der Glaube hat nie in der Geschichte das Gute gebracht, nur die Wissenschaft: analytisches (logisches) Denken in Modellen. Nur die Wissenschaft hat in der Geschichte Armut, Krankheit, Strapaze und Lebensrisiken verringert und in vielen Fällen ganz neue Möglichkeit für körperliche und geistige Affirmation eröffnet. Nur die Wissenschaft kann eine neue ökonomische Ordnung entwerfen und realisieren."

      Dann soll man ihn reisen lassen. Er braucht den harten Aufprall.

  4. Liebes Team und lieber Christian Kreiß

    ein sehr authentisches, nachvollziehbares Gespräch mit vielen wichtigen Anregungen und Hinweisen!

    Danke wiedermal für diese sehr hohe Qualität!

    Meine Nachfrage ergibt sich aus dem Kontext:
    `Wo landet das Geld?`
    (ca. ab hier …LINK… https://www.youtube.com/watch?v=6DyCSHWmofc&t=39m44s)

    Ist in diesem Kontext die Frage

    `Woher kommt das/Wie entsteht das (was wir mit) Geld (umschreiben) im Kern / im Wesentlichen?`

    nicht die Wichtigere … erst recht, wenn man `Mephisto` als einen Prinzip-Anteil benannt hat?

    Ergänzende Frage:

    Wie hoch ist der VORfinanzierungsanteil in den folgenden Bereichen bei den Dingen,
    die sich `unmittelbar` auf unsere/die jeweilige Wirtschaftsleistung/Bilanz/Bruttosozialprodukt auswirken:

    a) Private Haushalte
    b) Öffentl. Haushalte
    c) Hauptakteure der Realwirtschaft
    d) Finanzdienstleistung
    e) …

    ???

    Gibt es dazu ungefähre Angaben bzw Quellen?

    Vielen Dank und viele Grüße in die Runde

  5. Was Adam Smith betrifft, hat er mit seinem Segen des Egoismus grundsätzlich recht.
    Warum die heutige Marktwirtschaft diesen Segen eben gerade nicht liefert, ist insbesondere die Tatsache, dass Geld keinen positiven Wert hat, sondern ähnlich wie ein Schuldschein funktioniert.

    Wir müssen uns insofern Gedanken machen, wie wir die gar nicht mal schlechte Idee von Adam Smith irgendwie anders umsetzen.

    Was die Zinskritik betrifft, gibt es das vorgelagerte Problem, dass Geld gar kein Tauschmittel ist, sondern wie bereits gesagt ein Schuldschein. Daher erübrigen sich auch weitere Analysen, ob der Zins sinnvoll ist.

    Ähnlich ist auch die Diskussion bezüglich einer Einführung einer Vermögensteuer überflüssig, solange die gesamte Geldlogik ohnehin falsch ist.

    Jedenfalls haben doch unsere öffentlichen Haushalte immer mehr Schulden, aber das viele Geld, mit dem diese vielen Schulden jemals zurückgezahlt werden könnten, das besitzen wenige Bürger, oft auch im Ausland.

    Weil man sich jetzt keine Dritten Weltkrieg leisten will, könnte es sein, dass der Coronavirus in einem Labor entwickelt würde. Dafür gibt es jedoch bislang keinerlei Beweise.

    Was die Gewinnmaximierung betrifft, müssen wir es einfach nur verstanden haben, dass die Gewinne in Wirklichkeit die Schulden anderer Leute gegenüber den Banken sind, die diese vor allem auch nie wieder zurückzahlen können.

    Jedenfalls schafft die Politik doch Arbeit und müsste sie doch eigentlich abschaffen. Außerdem versuchen Politiker einfach nur Wahlen zu gewinnen und es müssten doch vielmehr die guten Inhalte sein, die sich in Wirklichkeit durchsetzen.

    Aber unser Bundesfinanzminister Olaf Scholz will doch jetzt die Schuldenbremse lockern, weil man doch ohne neue Schulden keine Einkünfte erzielen kann. Dass jetzt auf diese Weise unsere Schulden noch viel schneller ansteigen als unsere Realwirtschaft, scheint ihn nicht zu stören.

    Jedenfalls wird es nicht ganz so einfach sein eine bessere Alternative zum derzeitigen Wirtschaftssystem zu erfinden.

    Bei den vereinzelt bereits schon entwickelten Alternativen zum jetzigen Geld wissen wir es nicht hinreichend, ob diese funktionieren.

    • "Was Adam Smith betrifft, hat er mit seinem Segen des Egoismus grundsätzlich recht."
      Sagt der Herr Kreiss auch – und er sagt, dass es dabei auf die Dosis ankommt.

      Und ich denke, dass er damit meint, dass wir berücksichtigen müssen, dass aber jedeR von uns berechtigte egoistische Interessen hat und es deshalb unsere Aufgabe ist, uns gefälligst friedlich über die Erfüllung unserer Interessen zu einigen.
      Denn genau das tut die "unsichtbare Hand des Marktes" nicht.

  6. Wenn aus jedem Banker-Saulus ein sympathischer Banker-Paulus werden würde, wären wir im Banker-Schlaraffenland.
    Luther's Ablehnung des Zinswuchers war begrüssenwert, aber nicht neu. Das frühe Christentum lehnte den Zinswucher genauso ab. Durch die Verfremdung des Christenstum unter den Kaisern, Päpsten und Kirchen wurde der Zinswucher wieder normale Gepflogenheit.

  7. Beachtenswert sympathischer Mann, der im Sinne "geistiger" (sprich: rationaler) Überlegungen sicher vieles zu sagen hat, bzw. sagt. Gleichwohl scheint er mir etwas Wesentliches noch nicht erkannt zu haben, bspw. wenn er an die Macht der Aufklärung, die sie durchaus haben kann, glaubt, bzw. auf sie setzt. Die Aufklärung krankt, wie jeder gute Gedanke schlicht an einem Mangel des Bewusstseins, bzw. des Denkens, als fast einzigen Ausdruck (westlichen) Bewusstseins. Es ist eine Krankheit, die im Grunde zur menschlichen Entwicklung gehört, und bspw. schon im AT beschreben wurde – wenngleich vor allem von Kirchenvertretern meist falsch gedeutet -, eine (im eigentlichen Sinn des Wortes) geistige Krankheit, die Verengung des Bewusstsein auf das Rationale. Descartes hat diese Krankheit entdeckt, jedoch zu einem Götzen erhoben. Das geschieht, wenn wir Denken und Bewusssein gleichsetzen – statt seine wahre Bedeutung und sein wahres Wesen zu erkennen. Leider ist dies heut auch symptomatisch für dei vielen klugen (und belesen, gebildeten) Menschen unserer Zeit.
    Das Problem: auf der physischen Ebene haben wir keine Zeit (da diese zum physischen gehört) zur Aufklärung mehr – selbst, wenn sie funktionieren würde. Die Menschheit steht schlicht an einem evolutionären Scheideweg, bei dem es heisst "Alles oder Nichts" – es geht um´s Überleben. Und dieses Übeleben gelingt nicht, wie wir doch unschwer erlebt haben dürften, durch Aufklärung. Aufklärung gelingt, in der Masse nur und in soweit, wenn eine genügend große Masse (die sog. kritische Masse) vorhanden ist. Und deshalb scheint mir die Überlebensfrage der Menschheit von eben dieser "kritischen Masse" abzuhängen. Einer "kritischen Masse", die sich Ihrer selbst *bewusst* ist; die im wahrsten Sinn des Wortes erkannt hat, das Alles Eins ist, während unser physisches Leben jene Scheinwelt ist, welche unsere klägliche Ratio (von wegen Mephisto – lieber Herr Kreiß) zum Götzen erhebt – er (sie) kann eben nicht anders.
    Namaste

    • Hallo Phonac, m. E. liegen Sie gründlich daneben, wenn Sie Herr Kreiss diese Rationalität zuschreiben: "Gleichwohl scheint er mir etwas Wesentliches noch nicht erkannt zu haben, bspw. wenn er an die Macht der Aufklärung, die sie durchaus haben kann, glaubt, bzw. auf sie setzt. Die Aufklärung krankt, wie jeder gute Gedanke schlicht an einem Mangel des Bewusstseins, bzw. des Denkens, als fast einzigen Ausdruck (westlichen) Bewusstseins. Es ist eine Krankheit…eine (im eigentlichen Sinn des Wortes) geistige Krankheit, die Verengung des Bewusstsein auf das Rationale."

      Die Entdeckung und durchgehende Enttarnung von Mephisto als tatsächliche ideengebende Wesenheit der heutigen Volks- und Betriebswirtschafts'wissenschaft' weist schlagend über unsere "klägliche Ratio" hinaus.

      Lesen Sie in sein neues Buch rein, das er kostenlos als PDF ins Netz gestellt hat. Dort lese ich auf Seite 232 z. B. völlig offen: "Zuletzt möchte ich noch den Philosophen und Begründer der Waldorfschulen, Rudolf Steiner zitieren: „Daher ist diese Lösung der sozialen Frage einfach gegeben in der Anerkennung der gött-lich-geistigen Natur des Menschen, in der Anerkennung dessen, dass dasjenige, was vom Menschen hier als physischer Leib auf der Erde herumgeht, nur der äußere Ausdruck ist für etwas, was in jedem Menschen aus der Ewigkeit herein leuchtet."
      Damit ist Folgendes gemeint: Nur wenn ich in meinem Gegenüber den göttlichen Funken sehe, den göttlichen Kern, etwas Ewiges sehe, unabhängig von Religion oder Konfession, nur dann ist auf Dauer wirkliche Menschenwürde, wirkliche Menschenliebe möglich. Aber nicht nur im Menschen, sondern auch im Spatz, im Marien-käferlein, in der Birke, im Amethyst: Wenn ich überall das Göttli-che durchscheinen sehe, dann werden wir Menschen langfristig anders mit der uns anvertrauten Natur, der uns anvertrauten Kre-atur umgehen. Und dann werden wir auch miteinander anders, freiheitlich, menschenwürdig umgehen. So können wir Mephisto nutzen, überwinden und schließlich erlösen."

  8. Einige Anmerkungen:
    – Negativzinsen könnten der beginnende Übergang zum (wünschsenswerten) Schwundgeld sein. Geld soll keine (langfristige) Aufbewahrungsfunktion haben, weil der Geldumlauf dadurch behindert wird (der Rubel muss rollen).
    – Materialismus ist die Ursache des Kapitalismus. Das Gegenteil von Materie ist Geist. Eine Überwindung des Kapitalismus kann daher nur durch die Anerkennung einer geistigen Welt erreicht werden.
    – Es gibt einen allgemein gültigen Erfolgsfaktor im Kapitalismus: "Kundenzufriedenheit". Wenn Qualität, Preis, Service usw. stimmen, ist geschäftlicher Erfolg, Gewinn, Vermögen … gar nicht zu vermeiden.
    – Soweit durch wirtschaftliche Tätigkeit (Produktion, Handel …) nach Abführung von Steuern und Abgaben Vermögen entsteht, ist durch Erbschaftssteuer und ggf. Vermögensabgaben für "Gerechtigkeit" zu sorgen. Alternativ könnten Spenden an das Bildungswesen möglich sein (s. Bill Gates).
    – Architektur: Wenn München aus dem bestände, was nach '45 gebaut worden ist, wäre die Stadt unbewohnbar.
    – Scruton: "Architektur ist die Einladung der Menschen an die Götter, unter ihnen zu hausen." Unsere Häuser und Städte sind häufig eine Beleidigung der Götter und Menschen.
    – Bäume gehören in den Wald. In Stadtparks, an Spielplätzen und bei einzelnen Alleen sind sie ok. Ansonsten verursachen Bäume in Städten Dreck, Schäden an der Pflasterung, an Leitungen und Kanälen im Untergrund und sie rauben den Menschen in ihren Wohnungen Licht, Luft und Sonne.
    – Das Bildungswesen muss entstaatlicht werden. Die Schulen wurden vom Staat zur Ausbildung von Soldaten und verwertbaren Arbeitern und Angestellten benutzt. Die Zeit ist reif, um das Schulwesen von staatlichem und kurzfristigem wirtschaftlichen Einfluss zu befreien. Schulen sollten auf kommunaler Ebene von Lehrern und Eltern selbst verwaltet werden.

  9. Ich habe bisher nur die Hälfte des Gesprächs gehört und stelle trotzdem fest, dass der Professor nur die Symptome des Kapitalismus bedauert, was mich freut, aber wissenschaftlich nichts zu einer Analyse beiträgt.

    Er kommt mir vor, wie Wissenschaftler aus den Jahrhunderten vor Galileo, die mit dem geozentrischen Weltbild tolle Leistungen erbracht haben, sei es in der Nautik, Astronomie, Kalender etc.

    Aber heute wissen wir, dass sich die Erde um die Sonne dreht und ohne Einstein's Relativitätstheorie würde kein Navi (Zeitdilatation) funktionieren.

    Wenn man den Kapitalismus wirklich analysieren will, dann muss man mit der Kritik der politischen Ökonomie (Das Kapital) von Karl Marx anfangen und sich von dort weiterentwickeln. Da hilft kein Adam Smith weiter, auch wenn der mal was Richtiges feststellte.

    Was die Lehre an den Universitäten betrifft, so haben wir in den 70ern schon im 1. Semester die Axiome der bürgerlichen Ökonomie kritisiert. Arbeit, Boden und Kapital seien die Produktivkräfte, darüber haben wir gelacht. Homo Oeconomicus? In jedem Verkäuferseminar lernt man, dass es gilt, die Herzen des Kunden zu erobern, deren Verstand finde dann schon Gründe dafür.

    Der Autor findet als Ursache der Krise ein Auseinanderklaffen von Angebot und Nachfrage – jaja, die Erde ist eine Scheibe, läßt sich beides gut erklären. Ist aber nicht so.

    Das scheint ihm ja auch ansatzweise klar zu sein, wenn er richtigerweise feststellt, dass die Manager und Kapitaleigner Sklaven des Kapitals seien. So ist es. Die können gar nichts anders machen als eben das, was sie machen. Deswegen MÜSSEN sie auch die Politik und die Forschung an den Unis in ihrem Sinne beeinflussen. Etwas anderes von denen zu fordern, wird in Gänze einfach nicht funktionieren.

    Insofern hat Susanne Bonath trotz aller Kritik mehr vom Wesen des Kapitalismus verstanden als Christian Kreiß und ich vermisse in diesem Sinn ihre Beiträge auf Kenfm.

    Ich hoffe, kenfm findet mal einen Ökonomen zum Interview, der wirklich substantiell Analytisches zum Wesen des Kapitalismus beitragen kann.

    • Tja Luther.?
      Dann Recherchieren sie mal weiter Herr Doktor Christian Kreiß
      https://www.youtube.com/watch?v=VDpzzz-ECc8&t=1s
      Luther hielt sich Sklaven und Verbrannte mehr Menschen auf dem Scheiterhaufen als die Katholen,aber sehen sie selbst.

    • Galileo musste nicht erst das katholische Weltbild analysieren um seine Entdeckungen zu machen. Was er hergenommen hat um das alte Weltbild zu zertrümmern war ein Fernrohr, keine Leselampe.

      Marx ist nichts weiter als der Bastardsohn des kapitalismus. Wie im Interview richtig angemerkt wird: auf das rechte Maß kommet es an, und das irgendjemand immer wieder bereit ist mit dem Schraubenschlüssel runterzusteigen um den Laden am Laufen zu halten.

  10. Der Vorteil des intensiven Gedankenaustauschs der Sendung "im Gespräch" ist für mich zugleich ein ein kleines "positives Hemmnis": Es ist so interessant, dass ich es mir für eine ruhige Stunde aufbewahren muss! Chapeau!

  11. Ein wundervolles Gespräch. Danke

    Schon der Name des Autors Chr. Kreiß zeugt von Geburt im Sinne von Kreißsaal. Ein Ort der Niederkunft um das sich alles dreht bzw. kreist, und auf den Punkt gebracht wird.

    Letztendlich geht es um die Frage, ob der Mensch ein Besserer werden kann/muss oder ob es eine Ordnung gibt, in dem menschlicher Egoismus gesellschaftlich gezähmt, ohne (politische) Bevormundung, vorstellbar ist.

    Kapitalismus, Sozialismus etc. hatten möglicher Weise zu gewissen Zeiten ihre Berechtigung im Sinne einer gesellschaftlichen Bewusstwerdung. Heute zeigen sie sich jedoch als gravierende Irrwege gegen das Menschsein in Form einer Funktionsideologie. Eine offene zukünftige und friedvolle Gesellschaft braucht ein völlig neues Denken. Ansatzpunkt wäre eine soziale Dreigliederung nach R. Steiner.

  12. Einerseits sehr erfrischend und belebend, einen Ex-Banker reden zu hören, der den Zugang zu einer anderen Art Geistigkeit gefunden hat, als sie ein Studium der Betriebs- oder Volkswirtschaft bieten kann. Andererseits werden z.B. Wesen und Herkunft der "leistungslosen Spitzeneinkommen" (ein Begriff, den ich auf Ken FM gelernt habe) nicht so gut ergründet und weniger präzise herausgeschält wie in dem Buch – oder Büchlein -, das ich in diesem Zusammenhang allen nur wärmstens empfehlen kann: "Marktwirtschaft reparieren", von Oliver Richters und Andreas Simoneit, beide Physiker, erschienen im oekom Verlag.

    Letztlich steht auch das dort aufgestellte Gedankengebäude unter einer Prämisse, der Leistungsgerechtigkeit, die allerdings sehr eingängig und plausibel erscheint, obwohl man ja in der Tat auch sie in Frage stellen könnte. Aber unter ihr, dieser Prämisse, kommt man sehr elegant fast ohne jede Transzendenz oder Moralität zu besseren Ergebnissen als die, die wir derzeit erleben. Steuern auf Grundbesitz und Erdressourcenverbrauch statt auf Früchte der eigenen Arbeit, Zerschlagung bzw. Zurückdrängung unnötig großer und überhaupt unnötigerweise präsenter Machtgebilde (z.B. Großkonzerne).

    • Man könnte Alternativen auch noch ganz anders angehen, obwohl da immerhin im Anriss mal produktive Ansätze zur Erwähnungkommen . . .

      – schau bei Interesse enmal hier rein:

      https://diskursblickwechsel.wordpress.com/2019/11/25/autopoiesis-statt-kratie/

    • "leistungsloses Spitzeneinkommen" ist ebenso ein schöner Begriff wie "leistungsloses Vermögen" (dazu zählen nicht nur die Leerverkäufe und andere Börsengeschäfte, sondern auch die Erbschaften, weil der Erblasser die Leistung erbracht hat, falls er sie es nicht selbst geerbt hat).
      Schade, dass wir mit einem leistungslosen, bei vielen Menschen Kreativität frei setzenden Grundeinkommen so ein Problem haben, dass wir bereit sind Milliarden in Europa (nicht nur in Deutschland) für die Verwaltung von Grundsicherungen der verschiedenen Staaten auszugeben. Dazu kommen noch Sachkosten und damit befasste "Rand-industrien". Viele brauchen Psychologen, Ärzte, Alkoholentzug etc, weil sie mit ihrer Situation nicht fertig werden und sich auch noch abgestempelt fühlen.
      Die Begriffe "leistungslos" sollten öfter verwendet werden, wenn man den oberen Rand der Gesellschaft analysiert.

  13. Wie immer ein sehr interessantes Interview.
    Ein weiteres Interview was sehr gut zu diesem hier passt, und wo konkrete Lösungsvorschläge für die aktuellen Probleme geboten werden, inklusive "Revolution per Stimmzettel" und gut ausgearbeitetem Parteiprogramm:
    https://youtu.be/AuGEc8quvI0

    Den Mann sollte KenFM meines erachtens nach auch ganz dringend mal Interviewen.

    Tolle Arbeit die Ihr leistet.

    LG

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