Imperiale Wachstumsrekorde

Die deutsche Wirtschaft boomt: Aggressiver Außenhandel und sprudelnde Profite auf der einen, Verarmung einer ganzen Gesellschaftsschicht auf der anderen Seite.

von Susan Bonath.

Wenn sich das Kapital zu Monopolen zusammenschließt, wütet der Imperialismus. Nicht nur Aufrüstung und Kriegslust zum Zweck des Eroberns neuer Märkte kennzeichnet Imperien. Auch aggressiver Außenhandel ist angesagt, um die ökonomische Herrschaft und sprudelnde Profite zu sichern. Hierbei hält Deutschland wacker die Stellung als Vormacht der Europäischen Union (EU). Am Dienstag meldete das Statistische Bundesamt einen weiteren Rekord in Folge: Sowohl Importe als auch Exporte erreichten einen neuen Höchststand. An der wachsenden Armut im Land ändert das nichts – im Gegenteil.

Anhaltend hohe Exportüberschüsse

Alleine im März 2017 importierte Deutschland laut Statistik Waren im Wert von rund 93 Milliarden Euro. Binnen eines Jahres war dies ein Plus von 15 Prozent. Die Ausfuhr von Waren bescherte deutschen Konzernen in diesem Monat Umsätze von mehr als 118 Milliarden Euro, zehn Prozent mehr als im März 2016. Der Exportüberschuss beträgt demnach gut 25 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland innerhalb der Europäischen Imperiums weit vorne. Alleine mit Exporten in andere EU-Länder erzielte die BRD-Wirtschaft in diesem März 68 Milliarden Euro Umsatz. Die Einfuhren aus diesen Ländern lagen um elf Prozent darunter.

Die hohen deutschen Exportüberschüsse stehen seit langem in der Kritik. Das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) hatte in einer im April vorgestellten Studie die Jahresbilanz für 2016 analysiert. Die anhaltend hohen Überschüsse bei der Warenausfuhr sind danach ein deutliches Zeichen für mangelnde Binnennachfrage. Die Bundesregierung akzeptiere dies und beschleunige die Entwicklung, indem sie nicht eingreife, so die IMK-Experten. So fördere sie geringes Lohnwachstum, den Billigsektor und niedrige Sozialleistungen für Erwerbslose und Bedürftige.

Löhne drücken, Profite einstreichen

Kurz zuvor hatten die amtlichen Statistiker die Jahresbilanz veröffentlicht. Dieser zufolge hatten die Exporte 2016 ein Rekordvolumen von 1,2 Billionen Euro erreicht. Sie lagen damit um 253 Milliarden Euro höher als die Importe. Dies markiert laut Statistischem Bundesamt einen neuen Höchststand. »Die Löhne müssten stärker steigen und der Staat mehr investieren«, mahnen die Autoren der IMK-Studie. Wären die Einkommen der Beschäftigten um nur ein Prozent mehr gestiegen, erklären sie, hätte das 18 Milliarden Euro mehr in die Staatskasse gespült. Zusätzlich müssten Vermögende stärker zur Kasse gebeten werden, so ihr Plädoyer.

Sie argumentieren: »Die Mehreinnahmen könnten genutzt werden, um Straßen, Breitbandnetze, Stromnetze und erneuerbare Energien zu finanzieren.« Außerdem müsse der Staat dringend in Kindergärten, Schulen, Universitäten, Krankenversorgung und Wohnungsbau investieren. Denn öffentlichen Ausgaben bewirkten eine stärkere Binnennachfrage, somit mehr Importe und neue Arbeitsplätze. »Das würde zu einer ausgewogeneren Handelsbilanz beitragen«, so das Fazit der Studienbetreiber.

Exportüberschuss sichert imperiale Macht

Das war keineswegs die erste Rüge an die deutsche Politik. Doch die Bundesregierung bleibt untätig. Sie ignoriert auch Forderungen der EU-Kommission kontinuierlich. Die forderte die Mitgliedsstaaten wiederholt auf, ihre Exportüberschüsse unter sechs Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsproduktes (BIP) zu halten, um die Wirtschaftskraft der schwächeren Länder nicht massiv zu gefährden. Für Deutschland wären das binnen eines Jahres maximal 188 Milliarden Euro.

Das BIP bezeichnet den Wert aller im Land produzierten Waren und Dienstleistungen. 2016 lag dieser in der BRD bei 3,134 Billionen (3.134 Milliarden) Euro. Seit 1991 hat der deutsche Staat sein BIP verdoppelt. Entsprechend reicher sind die Reichen geworden.

Zahl der Armen wächst

An vielen Millionen Menschen geht das deutsche Wirtschaftswachstum allerdings komplett vorbei. Nach jüngsten Zahlen sind gut 6,3 Millionen Menschen auf Hartz IV angewiesen, darunter 2 Millionen Kinder. Mehr als eine Million Altersrentner, Erwerbsunfähige und Behinderte sind inzwischen auf ergänzende Sozialhilfe angewiesen – Tendenz kontinuierlich steigend. Hinzu kommen 800.000 Bezieher von Arbeitslosengeld I und etwa acht Millionen Niedriglöhner, die für weniger als zehn Euro pro Stunde arbeiten.

Ebenso wächst die Zahl der Obdachlosen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) schätzte ihre Zahl 2014 auf über 330.000. Bis zum Beginn des kommenden Jahres sei davon auszugehen, dass es mehr als eine halbe Million Menschen ohne Unterkunft in Deutschland geben werde, blickte die BAGW voraus. Andere Verbände gehen teilweise bereits von doppelt so vielen Betroffenen aus. Einige warnten, dass immer mehr junge Menschen unter 25 Jahren auf die Straße abrutschten. Eine deutschlandweite Analyse zur Obdachlosigkeit gibt es nicht. Mehrfach befand es die Bundesregierung im Land der Zahlen und Statistiken für zu aufwändig, diese Menschen zu erfassen.

Kein Interesse an Umverteilung

In ihrem diesjährigen Armutsbericht zählten die Wohlfahrtsverbände rund 13 Millionen Menschen in Deutschland, die von teils weit weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens leben. Sie haben also nicht einmal 1.000 Euro monatlich zur Verfügung. Im aktuellen Bericht der Bundesregierung heißt es, dass 40 Prozent der Beschäftigten mit den geringsten Einkommen 2015 real weniger verdienten als 20 Jahre zuvor.

Derweil »besitzt das reichste Zehntel der Haushalte mehr als die Hälfte des gesamten Nettovermögens«. Der ärmeren Hälfte der Bevölkerung gehöre dagegen nur ein Prozent desselben.

Dass die Bundesregierung nun erfolgversprechende Maßnahmen dagegen einleiten würde, ist nicht zu erwarten. Die zaghaften Vorschläge der SPD – längeres Arbeitslosengeld I bei Weiterbildung oder ein »Rückkehrrecht von Teilzeit in Vollzeitarbeit« – sind weniger als hauchdünne Pflaster. Höhere Steuern für Reiche sind nicht in Sicht. CDU, CSU, FDP und AfD lehnen dies am vehementesten ab.

Imperialistische Außen- und Innenpolitik

Seit seinem Beginn tendiert der Kapitalismus zur Monopolisierung. Das Ziel dieses Wirtschaftssystems war von Anfang an nur eines: Kapitalakkumulation. Wer mehr hat, kann mehr einsetzen und folglich mehr Gewinne einfahren. Dies zu sichern, ist seit 500 Jahren und länger die Aufgabe der sich immer weiter zu Bürokratiemonstern entwickelnden Staatsapparate und ihrer Regierungen.

Die notwendige Folge: Das Kapital sammelt sich in wenigen Händen. Kleinunternehmer haben es immer schwerer, gegen die mächtige Konkurrenz zu bestehen. Der Staat – auch der deutsche – fungiert zusehends als Verwalter der wachsenden Monopole.

Von den Kriegseinsätzen des imperialen »Verteidigungs«-Bündnisses NATO profitieren vor allem Konzerne: Zerrüttete, von Not und Elend geprägte Länder ermöglichen nicht nur billige Einfuhren ihrer Ressourcen. Ist die Wirtschaft zerstört, wird für große Unternehmen auch der Zugriff auf deren Binnenmärkte frei.

Aus Sicht der Kapitalbesitzer werden ökonomische Kriege um so notwendiger, je geringer die Binnennachfrage ist. Diese schrumpft automatisch, wenn eine immer größere Bevölkerungsschicht verarmt und der Markt für die verbleibenden möglichen Konsumenten übersättigt ist. Produkte wollen schließlich verkauft werden, um Profit zu bringen, koste es, was es wolle. Da spielen Menschenleben keine Rolle.

Das ist Imperialismus, wie er leibt und lebt. Steigende Exportüberschüsse sind nur ein Indiz von vielen für brutaler werdenden Imperialismus. Diese Entwicklung dient letztlich nur einer kleinen Gruppe: Den Besitzern der Monopole und ihren Geldgebern.

Danke an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

21 Kommentare zu: “Imperiale Wachstumsrekorde

  1. In bestimmten Belangen hatte Karl Marx eben doch recht:

    „Kapital“, sagt der Quarterly Reviewer, „flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher Natur. Das ist sehr wahr, aber doch nicht die ganze Wahrheit. Das Kapital hat einen horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens. Wenn Tumult und Streit Profit bringen, wird es sie beide encouragieren. Beweis: Schmuggel und Sklavenhandel.“
    Thomas Joseph Dunning, zitiert in Das Kapital, Band I, S. 801, Dietz-Verlag Berlin, 1961
    .

  2. Stabilitätsgesetz: „Magisches Viereck“
    (Lernhelfer.de/schuelerlexikon/politikwirtschaft/)
    Im Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft – kurz Stabilitätsgesetz (StWG) – sind wichtige wirtschaftspolitische Ziele und die dazu notwendigen Instrumente vorgegeben: Wirtschaftswachstum, Vollbeschäftigung, Preisstabilität und außenwirtschaftliches Gleichgewicht. Diese vier Ziele werden auch als Magisches Viereck bezeichnet. Bund und Länder haben auf gesamtgesellschaftliches Gleichgewicht zu achten, d. h. sie sollen sich antizyklisch verhalten. Die einzelnen Ziele sind durch die wechselseitige Abhängigkeit nicht gleichzeitig und vollständig erreichbar (z. B. Wirtschaftswachstum und Preisstabilität). Es existiert ein wirtschaftspolitischer Zielkonflikt. Aufgabe und Schwierigkeit der Politik besteht darin, diese Konflikte zu akzeptieren und sie auf Zeit zu lösen.

    Das ist auch so ein Taschenspielertrick, den die Schüler in der Schule lernen.

  3. Nun ist Kapitalismus leider nicht nur ein Wirtschaftssystem, das frau und man, wenn eins denn will!, abschaffen könnte und ansonsten weiter macht wie bisher, sondern ein Erscheinungsmerkmal ´der herrschenden Welterklärung verallgemeinerter Subjektivität – insofern zwingend andro-zentrisch, abstrakt-universell und der Sichtweise der sich selbst organisierenden – wiewohl toten – Materie verpflichtet. Von daher gibt es auch eine abstrakte Reichtumsform, vulgo Wert oder Werte (kommt auf’s Gleiche heraus), die sich nicht in Akkumulation erschöpft, sondern die „Verwertung des Werts“ ad ultimo vorsieht.
    Hier nur darüber zu klagen, dass dieser Wert in falschen Händen landet, greift arg zu kurz. Da halte ich es lieber mit dem bekennenden Nicht-Marxisten Karl Marx, seinen „theologischen Mucken eines Tisches“ und seinen Anmerkungen zum Gothaer Programm der seit jeher arg-tumben Sozialdemokraten oder Marxisten: Nieder mit dem Lohnsystem.

    • Aha! „Nieder mit dem Lohnsystem!“ Ausgezeichnet, und, angesichts der herrschenden Machtverhältnisse, wie soll das ablaufen?

      Und dann wäre da noch das andere kleine Problem, der eigentliche Triebmotor, die sine qua non des Kapitalismus: DIe Habgier in uns ALLEN!
      Was machen wir mit der?

    • Das alle Menschen habgierig sind – dieser Legende sollte man vergessen.
      Man muss schon unterscheiden, was sind legitime Bedürfnisse, was sind Wünsche und wo fängt die Gier an.
      Jeder wird da seine eigenen Vorstellungen haben.
      Dass die Gier und das streben nach Macht in jedem Menschen wohnt ist schlicht falsch.
      Das würde ja am Ende auch bedeuten, das der Kapitalismus menschlich ist.

    • Immer, wenn wir den uns überschaubaren Zeitraum zur Allgemeinheit hochrechnen, verlassen wir die Wissenschaft und begeben uns auf das Pflaster der vom Alltagsbewusstsein überdominierten Theorie der Verallgemeinerung des Augenscheins. Weder der Egoismus, noch Gewalt oder gar der Krieg ist ein dem Menschen innewohnendes immer dominantes Abstraktum Siehe: „Den Bewohnern der Insel Ifalik, einem Pazifik-Atoll, ist Gewalt so fremd, dass sie nicht einmal ein Wort für Mord kennen.“ [Geo 5/2017, S. 361] Anthropologische Studien ergaben, dass Gewalt zunimmt, je kärger die Gebiete im Lebensraum der Menschen sind, je weniger Ressourcen für die jeweils Einzelnen zu Verfügung stehen, so der zitierte Bericht. In anderen Worten: Die, die uns einreden wollen, der Mensch sei nun einmal des Menschen Wolf und alle andere Sichtweise auf die Menschheit ist naiv und/oder ideologisch verblendet, jene Vertreter des Kapitalismus als natürliche Existenzform des Menschen liegen falsch.

    • Wir sollten uns evtl. mehr mit dem Thema „Politische Ponerologie“ befassen.

    • @ TDVolland:

      „DIe Habgier in uns ALLEN!“
      Wie die Zigarette der Lieferant des Nikotin, ist die Unterhaltungsindustrie u.a. Hollywood und Comics etc. auch ein Lieferant und zwar für den Antikommunismus.

      Genauer liefert diese Unterhaltung im Kern die Idee für die Selbstgeißelung über die Erbschuld oder Kollektivschuld, zusammengefasst in dem Satz „der Mensch ist schlecht und es gibt nur eine kleine (elitäre) Gruppe von Menschen, die versteht was die Welt im Innersten zusammenhält“.

      Von dieser Selbstgeißelung sind selbst Atheisten nicht gefeit, oder sind es eben gerade die Atheisten, die eine nahezu religiöse Sehnsucht danach haben sich selbst zu geißeln? Weil sie meinen dadurch ihren Intellekt erst richtig spüren zu können?

      Wir erfahren gerade durch die Medien einen Religions-Hype, der im Westen durch verstärkte Islamophobie angestoßen wurde. Und Atheisten, die sich im Antikommunismus der westlichen Unterhaltungsindustrie der letzten Jahrzehnte wohlgefühlt haben, haben auch, so glaube ich, keine Schwierigkeiten damit in eine Religion zu wechseln.

      Die Unterhaltungsindustrie sagt uns „der Mensch ist schlecht“ und schon haben wir die Scheuklappen auf, um alle Anstrengungen herunterzuspielen, die die zunehmend politisierten Menschen auf der Welt unternehmen, um für eine bessere Welt zu kämpfen.

      Selbstgeißelung macht süchtig, denn sie verspricht eine religiöse Genugtuung durch den Ausgleich zwischen Gut und Böse. (Gut und Böse sind auch nur religiös verklärte Verabsolutierungen, die uns in Hollywood-Manier schmackhaft gemacht werden).

      Ich meine, im Zeitalter des Internets kann dieser Brainwash durchbrochen werden. Denn die Kameras werden mehr und mehr auf die Straßen gerichtet und dort ist der Platz wo man die Wahrheit am ehesten findet.

      Wie ein Bild mehr als 1000 Worte sagt, spricht die Erfahrung mit Politik auf der Straße mehr als 1000 Bilder. Denn plötzlich sind die religiösen Verabsolutierungen in Gut und Böse. welche in Märchenerzählungen das Fundament jeder Geschichte bereiten, wie weggeblasen, denn sie taugen nichts, um Kommunalpolitik zu diskutieren.

    • Lassen wir uns nicht auf Lorenz oder Skinner fixieren. Erich Fromm interpretiert Destruktivität als „Folge eines ungelebten Lebens“ und stellt fest, daß es nicht nur um die Besserung der materiellen Bedingungen geht. Der Primat des Habens und Hortens müsse durch den Primat des Miteinander-Teilens abgelöst werden.

      Erich Fromm:
      Psychoanalyse und Ethik
      Anatomie der menschlichen Destruktivität

    • Kladderadatsch

      Wenn du dir die Mühe gemacht hättest GENAU zu lesen, wäre dir aufgefallen, dass ich von der Habgier in uns allen geschrieben haben. Wertfrei! Ohne zu urteilen, ich habe ganz einfach nur festgestellt, dass es so ist. Du sprichst von schuldig.
      Ohne dabei den Kommunismus selber zu bewerten, sage ich auch jetzt nur wieder, dass die schwachsinnig Hollywood Anti-Kommunismus Propaganda ohne eine ungeheurer Mehrheit ebenso schachsinniger Konsumenten nicht erfolgreich sein könnte.
      US Filmproduzenten sind zumeist typische amerikanische Primitivlinge, bei denen es nicht weiter als bis zum Profit reicht, aber ohne entsprechende Konsumenten hätten sie keinen Erfolg.

      „Die Unterhaltungsindustrie sagt uns „der Mensch ist schlecht““… ach ja? „Der“ Mensch an sich, oder nur gewisse Menschen?

      Dein infantiler Positivismus, deine „guten“ Absichten“, haben noch nie ein Problem gelöst und was man Leuten wie die noch so oft erzählen, wes wird dein Verstehen immer übersteigen:

      Postives Denken ist das Gegenteil von Denken!

      Nimm dir einen Freund wie Bernhard. Der hat irgendwo gelesen, dass es im Südpazifik ein INselchen geben soll auf dem es nur gute Menschen gibt, und er glaubt sowas, weil er es glauben WILL!

      Tony Hill
      „Lassen wir uns nicht auf Lorenz oder Skinner fixieren.“
      Ja dieser Gefahr muss entgehen, aber man darf gleichzeitig nicht vergessen, dass die beiden über 90% der Menschen auf diesem Planeten völlig richtig und umfassend beschreiben!
      Wer sich dieser traurigen Einsicht verschliesst der verweigert sich der Realität und das Resultat solchen Denkens kann man ja weltweit beobachten.

    • Liebe/r TDVolland
      eine so einseitig-monokausale Theorie wie Skinners Behaviorismus, der Menschen nicht mit als mit einer Subjektfähigkeit ausgestattetes Wesen erfasst, sondern ihn ins Bild einer Black Box fasst, die Reize zu Reaktionen verarbeitet, was man fast programmieren kann, eine solche Theorie als zu „90% völlig zutreffend und umfassend“ einzustufen, das macht deutlich, warum Sie immer wieder sehr schnell und rigoros Positionen anderer abqualifizieren. Die kritische Psychologie kann hier helfen, den Menschen in seiner Vielschichtigkeit zu erfassen. Das ist in der Tat komplexer, wird aber insofern der Psychologie der Menschen eher gerecht, als Konditionierungsprogramme des Behaviorismus.

    • @ Bernhard Trautvetter
      @ TDVolland

      Leider ist m. E. so, daß (u.a.) der Behaviourismus in der Tat von der amerikanischen Elite gegen die amerikanische Bevölkerung und möglichst die Weltbevölkerung implementiert wird, zur Konditionierung und Manipulation in Medien, Werbung, PR ; eben in allen Bereichen, wo es darum geht, den Menschen zu programmieren im Sinne von correct political and consumer behavior, einschließlich sozialem Verhalten (e.g. anger management). Ich glaube, TDVolland meint, daß dies bei der Mehrheit erfolgreich ist. Was wohl wahr ist. Ebenso, daß die Mehrheit der Elite und Lorenz- Skinner-„Verfechter ist und denkt im „Recht“ zu sein, den unmündigen Bürger zu seinem Wohl zu konditionieren. Daher meinte ich auch, wir sollten uns nicht „fixieren“ lassen.

    • „wir sollten uns nicht fixieren lassen“
      Ja, das denke ich auch.

      @ TDVolland
      Danke für den Strohmann, aber Sie können ihn zurückhaben.

      Ich habe mitnichten behauptet, dass der Mensch gut ist. Das liegt daran, dass ich diesen pauschalen Worten gut und böse nichts abgewinnen kann. Ich finde Religion sinnlos. Es geht mir stets um konkrete politische Maßnahmen, die Menschen ergreifen. Und um die Kräfte, die ihnen dabei entgegenstehen.

      Es lässt sich eben kein Urteil über den Menschen erlauben, aber genau dass Gegenteil möchte uns die Propaganda der Machtelite einimpfen. Schon von Kindheit an. Denken Sie an die Natur-Dokumentationen, in denen z.B. Öl-Katastrophen oder Kriege gezeigt werden und der Kommentator wie selbstverständlich die gesamte Menschheit dafür verantwortlich macht. Anstatt die Politik anzugreifen bzw. den Ursachen mal ganz konkret auf den Grund zu gehen.

      Und nochmal zur Habgier. Wir haben unsere Freiheiten, unseren Spielraum, um uns verwirklichen. Wir leben jedoch in einem System, in welchem der Spielraum durch Kapital immens erweitert werden kann. Denken Sie nicht, dass solch ein System seine Spuren in der Erziehung hinterlässt? Wenn wir uns nach diesen Spielregeln einen Vorteil durch Geld verschaffen können, ist es nicht logisch, dass wir darüber nachdenken? Warum also halten Sie uns Habgier vor, wenn dies eine logische Konsequenz des kapitalistischen Spielbretts ist?
      Ist es verwerflich? Möchten Sie uns nach Manier der großen Religionen Schuldgefühle unterjubeln? Den Menschen schuldig- und den Kapitalismus freisprechen? So wie es die Machtelite wünscht?

      Wir können nicht alle geistig und im Wissensschatz auf einer Stufe stehen, daher mein Rat an Sie: holen Sie die Leute dort ab wo sie stehen. Versuchen Sie mal interne Kritik zu üben, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Sie werden sehen, Sie werden viel entspannter.

    • @ Kladderadatsch

      „…nach Manier der großen Religionen Schuldgefühle unterjubeln. Den Menschen schuldig und den Kapitalismus freisprechen?“
      „Wir leben … in einem System, in dem der Spielraum durch Kapital … erweitert werden kann.“

      So war das beim Ablaßhandel, und so ist das im heutigen Schuldgeldsystem des fiktiven Geldes, an das der Mensch ‚glaubt‘, und in dem er ’schuldig‘ gesprochen zum Schuldner wird und diese Schuld akzeptiert.

  4. Liebe/r nuevo, der schwarze Humor hilft in der Tat, auch wenn kapitalistische Konkurrenz und Krieg irgend etwas miteinander zu tun haben, siehe hier ganz ohne Lenin: >>http://www.wissen.de/kriege-um-rohstoffe<&lt;
    Der Verweis auf den Leninorden ist ein guter Anlass auf Lenins weitsichtige Analyse und Warnung zu verweisen, hier sein letztes Testament an seine Genossinnen kurz vor seinem frühen Tod: "Genosse Stalin hat, […] eine unermessliche Macht in seinen Händen konzentriert, und ich bin nicht überzeugt, dass er es immer verstehen wird, von dieser Macht vorsichtig genug Gebrauch zu machen. […] Stalin ist zu grob, […] Deshalb schlage ich den Genossen vor, sich zu überlegen, wie man Stalin ablösen könnte, und jemand anderen an diese Stelle zu setzen, der sich in jeder Hinsicht […] nur durch einen Vorzug unterscheidet, nämlich dadurch, dass er toleranter, loyaler, höflicher und den Genossen gegenüber aufmerksamer, weniger launenhaft usw. ist. " Auch bei diesem Thema speist sich der Prozess der Realität aus Gegensätzlichkeiten, so, wie wir es selbst auch tun. Praxis und Theorie haben ja auch nicht nur beim Imperialismus etwas miteinander zu tun. Theorieablehnung kann zur Handwerkelei von Versuch und Irrtum in der Praxis führen.

    • Wußten Sie dass dieses Testament umstritten ist? Es existieren wohl Aussagen von Lenins Schwester Maria Ulynova, nach denen dieses Testament zugunsten Trotzkys gefälscht worden sein soll.
      Es soll Chruschtschow und den Westmächten darum gegangen sein eine Propagandamaschinerie gegen Stalin ins Rollen zu bringen.

      Ich weiß es nicht, halte es aber für wahrscheinlich. Solche undifferenzierten Aussagen, wie „grob“, „höflicher“, „toleranter“ usw. sind in meinen Augen eher bei Antikommunisten zu verorten, die in einer prosaischen Elfenbeinturm-Welt leben und nicht in der harten politischen Lebenswirklichkeit des damaligen Russlands.
      Denn es sind immernoch die politischen Inhalte, die die Lebenswirklichkeit der Menschen bestimmen. Und wenn die Politik gegen die Menschen gerichtet ist – und dass wissen wir aus unserem parlamentarischen Theater – ist es ziemlich egal, ob der Politiker „nett“ oder ein Schönredner ist.

      Die überzeugten Antikommunisten sind berühmt dafür, von den politischen Inhalten abzulenken und in eine diffuse, oft nostaligische (siehe Alexander Solschenitzyn als Zarenverehrer) Gefühlswelt abzudriften. Das Wort „Antifaschismus“ nehmen solche Zeitzeugen ungern in den Mund.

      Ich will mir kein abschließendes Urteil über Stalin erlauben, aber viele Quellen, die gegen ihn genutzt werden, sind typischerweise Quellen, die mit der Arbeiterbewegung nichts am Hut haben (wollen) und viele sind bei Faschisten (manchmal erst kommunistisch, dann urplötzlich zu den Faschisten gewechselt) zu verorten. Und bei Verwendung solcher Quellen unter den Linken dreht sich mir der Magen um.

      War Stalin ein blutrünstiger Massenmörder? Kann sein, aber nach seinen sämtlichen politischen Aussagen und Handlungen, macht das eher keinen Sinn. Es ist immer verdächtig, wenn Politiker oder Intellektuelle versuchen konkrete fortschrittliche Politik auf eine Gefühlsebene der Angst zu lenken. Z.b. jetzt in den USA, wo über die Krankenversicherung „HR676“ gestritten wird, und Republikaner wie auch die Democrats vor einer schrecklichen Übernahme des Staates auf die Angelegenheiten des Bürgers warnen, aber z.B. beim Patriot Act oder der Überwachung herrscht bei den Machteliten totale Funkstille.

      Ich erinnere auch daran, dass bei der Nevada-Convention letztes Jahr, die Unterstützer von Bernie Sanders als gewalttätige Stühlewerfer gebrandmarkt wurden. Und Bernie wurde vorgeworfen diese Gewalt zu unterstützen. Es wurden keine Stühle geworfen.

      Und wenn bereits bei solch einem banalen Erreignis die Machtelite in der Lage ist für eine solche Furore zu sorgen, dann wird mir schon klar, in welchem Licht bestimmte Dinge aus der Vergangenheit an uns herangetragen werden sollen.

      Man sollte jede Kritik an fortschrittliche Kräfte, die konsequent für die Interessen der Arbeiterklasse kämpfen genauer untersuchen. Denn es ist einfach nur zu oft das gleiche Spiel.

      Außerdem sollen in Russland unter Jelzin zahlreiche Dokumente des zweiten Weltkriegs gefälscht worden sein, zu Lasten Stalins. Der Generalstaatsanwalt Wiktor Iljuchin, der sich damals gerade noch mit dem Fall auseinandersetzte starb bald darauf, 2011, mit 62 Jahren, an Herzversagen.

      Mein Fazit: Massenmord ist zu verurteilen. Und am besten sind solche Verbrechen zu vermeiden, indem der Fokus auf konkrete politische Inhalte gesetzt wird, anstatt mit persönlichen Eigenschaften von Politkern, diffusem Gefühlsgedöhns und Angstmacherei von reaktionärer Politik abzulenken. Diese Ablenkungen sollten wir der Unterhaltungsindustrie überlassen.

  5. Anbei der Hinweis auf zwei Artikel des Rubicon Magazins, welche den Irrsinn ergänzend verdeutlichen:

    Feiern in der Matrix
    Warum die Tatsache, dass Deutschland Exportweltmeister ist, kein Grund zur Freude ist.
    von Peter Frey

    Nochmal stelle ich die Frage: Warum produzieren wir, obwohl es eigentlich gar nicht notwendig ist, immer und immer mehr? Damit wir Geld verdienen können. Ist das für Sie in Ordnung? Willkommen in der Matrix.

    Denn was dort steht und was unsere Wirtschaftsweisen und Politiker als notwendige Gesetzmäßigkeit postulieren, beschreibt, dass unser GRUNDBEDÜRFNIS darin besteht, Geld zu verdienen. Damit wir uns etwas kaufen können. Ohne Geld kein Wohlstand, ja nicht einmal Grundsicherung. Wir brauchen Geld, um zu leben?

    Der Staat braucht doch aber Geld, um sich zu finanzieren. Wenn der Staat Geld braucht, warum kann er dann nicht einfach selbst die erforderliche Menge an Geld schöpfen?

    Oder glauben Sie tatsächlich, dass der Staat schlechter mit Geld umgeht als private Banken, die sich regelmäßig „auffangen“ lassen? Haben Sie diese Meinung von den „Experten“?

    Für wen wird exportiert, wer tut es und auf wessen Kosten wird es getan? Und was verstehen wir eigentlich unter Kosten?

    https://www.rubikon.news/artikel/feiern-in-der-matrix

    … und zum erwähnten BIP:

    Ruhe in Frieden, Bruttoinlandsprodukt!
    Eine einzelne, unschuldig aussehende Kennzahl zerstört unser aller Wohlergehen, unser Glück und unser friedliches Miteinander. Das BIP gehört verboten. Und zwar sofort.
    von Sven Böttcher

    „Das BIP misst weder unseren Verstand noch unseren Mut, weder unsere Weisheit, noch unser Mitgefühl […]. Es misst kurz gesagt, alles außer dem, was das Leben lebenswert macht“, und Meinhard Miegel konstatierte am eigentlich längst geschlossenen Grab der teuflischen Nummer, Wohlstand und Wachstum mittels des BIP ermitteln zu wollen entspreche dem Versuch „den Blutdruck mit Hilfe eines Thermometers zu bestimmen“.
    (…)
    Denn wo partout keine weiteren Unfälle oder Katastrophen unserer Beruhigungszahl auf die Sprünge helfen wollen, helfen wir uns selbst, indem wir wenn schon nicht lebensgefährliche, so doch möglichst viele sinnlose Transaktionen finden und befördern – beispielsweise, da unbezahlte Arbeit ins BIP grundsätzlich nicht einfließt, indem wir zwei nebeneinander wohnende Mütter von jeweils drei Kindern animierten, als Tagesmütter berufstätig zu werden und die insgesamt 6 Kinder einfach morgens über den Gartenzaun zu tauschen. Das gefällt zwar weder den Kindern noch den Müttern, wohl aber dem BIP, denn beide Mütter tragen qua Tausch als Dienstleistende zu dessen Steigerung bei. Gleiches gilt für alles bezahlte Zettelsortieren, Formulareerfinden sowie Gesetze-und-Verordnungen-Erfinden also die Hin- und Herverwaltung von Dingen, für deren Hin- und Herverwaltung es keinen vernünftigen Grund gibt – nur, eben, das BIP.

    Wir könnten uns auch den ganzen Tag honorarpflichtig gegenseitig blau anmalen und danach gegenseitig kärchern.

    https://www.rubikon.news/artikel/ruhe-in-frieden-bruttoinlandsprodukt

    • Tja, Box, sie sind einn guter Mensch.

      „Nochmal stelle ich die Frage: Warum produzieren wir, obwohl es eigentlich gar nicht notwendig ist, immer und immer mehr? Damit wir Geld verdienen können. Ist das für Sie in Ordnung? Willkommen in der Matrix.“

      Sie gehören also zu den Guten denen die Habgier fremd ist und die jede Möglichkeit zu Mehreinnahmen nicht ausnützen? Da gratulieren wir doch herzlich.

      Da es ihnen noch nicht aufgefallen ist: Das Problem sind nicht Mehreinnahmen, sondern das Problem ist DIE VERETEILUNG und die ist bekanntlich Aufgabe der Regierung. Da wir in einer Demokratie leben, wurde diese Reagierung mit der Mehrheit der Stimmen, also völlig legitim vom Volk an die Macht gebracht…

      Wenn sie den Beitrag oben GENAUER gelesen haben so ist das IMK, von dem hier wohgl nicht nur ich noch nie was gehört habe „gewerkschaftsnahe“.
      Können sie in den letzten 5 oder 10 Jahren auch nur EINE EINZIGE tatsächliche Aktion des deutschen Gewerkschaftsbundes nennen, die sich gegen diese Politik richtet?
      Gab es eine Aufruf zum Gneralstreik, oder Ähnliches?

      Statt dessen kommen sie daher und jammern über die Habgier der Konzerne und ihrer Manager, anstatt zu verstehehn, dass diese nur das tun wofür sie bezahlt werden, während es Aufgabe der Regierung ist, dafür zu sorgen ,dass WIrtschaft dem ganzen Volke dient.

      Aber so ist das wohl bei „Denkern“ die sich selber das Prädikat „Nicht Habgierig!“ ausstellen

    • Gut, ich weiß nicht. Für mich war es ein Prozeß und dann die persönliche Entscheidung anzuerkennen, was führt zu Leben und Nachhaltigkeit, was führt zu Tod und Zerstörung.

      Tatsächlich hängt mein Glücksempfinden in immer geringerem Umfang von materiellen Gütern ab, die ich besitze, viel mehr vom Umgang mit anderen Menschen.

    • Box

      Das ist erfreulich, denn mehr als lernwillig und lernfähig können wir nun mal nicht sein. Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht und so weiss ich zB dass man sehr wohl von HartzIV gut leben kann, wenn man will. Ich gebe Monat für Monat nicht mehr aus, weil ich nichts sehe was den Konsum lohnt!

      Falls ich das anfügen darf, auch sie werten meiner Meinung nach zu viel. Wenn sie sagen „….. führt zu Tod und Zerstörung“, so sollten sie dran denken, dass auch ihre Art zu leben zu Tod und Zerstörung führt.

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