Israel in der militärischen Sackgasse (II)

Über Syrien ist der Luftraum gefährlich geworden. Seit dem Abschuss des israelischen Kampfjets F-16 ist der Himmel über Syrien nicht länger eine Promenade für die israelische Luftwaffe, wo sie sich nach Belieben tummeln kann.

Meinung von Rainer Rupp.

Nach dem Libanon (siehe vorangehenden Artikel) ist auch über Syrien der Stern Davids im Sinkflug. Aber was hat das bewirkt? Dank russischer Hilfe hat es dort einen Paradigmenwechsel gegeben. Die israelische Luftwaffe hat ihre Dominanz im syrischen Luftraum verloren. Die Regeln haben sich daher grundlegend geändert. Selbst die von israelischen Jets aus sicherer Position über dem Libanon gegen Syrien abgefeuerten Raketen erreichen nur noch zu einem kleinen Teil ihre designierten Ziele.

Im April 2017, unmittelbar nachdem die USA den syrischen Militärstützpunkt Shayrat in der Provinz Homs mit 59 Tomahawk-Marschflugkörpern angegriffen hatten, erklärte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Generalmajor Igor Konaschenkow, dass die Effizienz der syrischen Luftverteidigungssysteme erhöht werde. Gleichzeitig würden die syrischen S-200-Luftverteidigungssysteme mit russischer Hilfe wiederhergestellt und effizienter gemacht. Weiter sagte er, dass diese Luftabwehrkomplexe auch zum Schutz des russischen Militärs in Syrien eingesetzt werden.

Knapp vier Monate später, am 25. August 2017, berichtete die TASS dann bereits über die Vollendung des Projekts. In Syrien sei Dank der Bemühungen russischer und syrischer Militärexperten ein einheitliches Luftverteidigungssystem aufgebaut worden. Dazu zitierte die Nachrichtenagentur den Generalstabschef und stellvertretenden Kommandeur der russischen Luftstreitkräfte, Generalmajor Sergei Meshscheryakov. Der hatte anlässlich des Internationalen Militärtechnischen Forums 2017 bei einer Podiumsdiskussion über die Erfahrung der russischen Armee in Syrien folgendes zu berichten:

Heute wurde in Syrien ein einheitliches integriertes Luftverteidigungssystem eingerichtet. Wir haben die Integration und technische Verbindung der russischen und syrischen Luftaufklärungssysteme sichergestellt. Alle Informationen über die Situation in der Luft kommen von syrischen Radarstationen zu den Kontrollpunkten der russischen Gruppierung der Streitkräfte.

In der DDR hatte man gerne mit absichtlich falscher Grammatik gefragt: „Was lernt uns das?“ Drei Dinge sind für die weitere Analyse ausschlaggebend, denn sie haben nicht nur unmittelbare militärische, sondern auch politische Auswirkungen.

  1. Nicht nur dass die syrischen Luftverteidigungssysteme wieder funktionieren, sondern wichtig ist auch, dass ihre Effizienz erhöht wurde, das heißt sie wurden modernisiert.
  2. Die Ausbildung von Soldaten an den allseits gefürchteten russischen Luftabwehrkomplexen S-300 oder S-400 dauert angeblich mindestens zwei Jahre, bis die Besatzungen „selbst im Schlaf“ schnell und richtig reagieren. Diese Zeit hatten Russland und Syrien bisher nicht. Stattdessen haben die Russen die syrischen S-200-Systeme modernisiert. Die wurden bisher von den Israelis als „sowjetischer Schrott“ belächelt. Aber vor dem Hintergrund zunehmender Hinweise, dass die israelische F-16 mit einer Rakete aus dem S-200-System über eine große Distanz abgeschossen wurde, dürfte ihnen das Lachen vergangen sein.
  3. Die syrischen Systeme sind voll mit den russischen Systemen integriert. Somit dienen sie ausdrücklich auch dem Schutz russischer Soldaten in Syrien. Zudem ist mit hoher Sicherheit davon auszugehen, dass in den syrischen Luftabwehrkomplexen auch russische Soldaten integriert sind, die dort als Verbindungsoffiziere arbeiten oder ihre syrischen Waffenbrüder an den modernisierten Geräten und Abläufen ausbilden.

Vor allem der dritte Punkt hat schwerwiegende politische Implikationen. Denn unter den neuen Bedingungen ist jetzt jeder Angriff Israels oder seiner westlichen Unterstützer auf einen syrischen Luftabwehrkomplex gleichbedeutend mit einem Angriff auf russische Soldaten beziehungsweise auf einen Teil des russischen Schutzschildes in Syrien.

Indirekt hat der israelische Generalstab den Erfolg der syrischen Luftabwehr und somit die neue Lage zum Nachteil Israels anerkannt. Anstatt angesichts der niederschmetternden Ergebnisse der beiden Luftangriffswellen vom 10. Februar wie erwartet martialisch mit neuen, noch schwereren Angriffen zu antworten, war die Reaktion der Generäle sehr verhalten. Man werde weitere Maßnahmen erst einmal „studieren“ müssen, hieß es.

Die Warnung des russischen Präsidenten Wladimir Putin in einem Telefongespräch mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, keine Aktionen zu unternehmen, die russische Leben und den russischen Abwehrkomplex bedrohen, macht es dem israelischen Militär nicht einfacher, eine harte „Bestrafung“ der Syrer zu konzipieren. Wahrscheinlich wird sich die israelische Militärführung einfach zum Sieger erklären. Dadurch kommt der Generalstab weder medial noch politisch in Zugzwang und kann seine verbliebenen Optionen in Ruhe „studieren“. Die jüngste Verlautbarung aus Israel scheint in diese Richtung zu weisen:

Am 14. Februar berichtete die israelische Zeitung Haaretz, dass die israelischen Luftangriffe vom 10. Februar fast die Hälfte der syrischen Luftabwehrkomplexe zerstört habe. Als Quelle gab die Zeitung „hochrangige israelische Offiziere“ an. Laut dieser Quelle war die Operation vom 10. Februar „ein Erfolg“, ungeachtet der Tatsache, dass die F-16 abgeschossen wurde.

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Dieser Beitrag erschien zuerst am 18.2.2018 bei RT-Deutsch.

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6 Kommentare zu: “Israel in der militärischen Sackgasse (II)

  1. Ich sehe das als zu viel Mühe das alles hier auf deutsch zu wiederholen, aber auf USA Sites wurde detailliert erklärt das die militärische Technologie des Westens weit hinter die von Russland und China ist.
    Ob das alles stimmt, schwer zu beurteilen, aber es gibt eine Reihe von Vorfälle die das bestätigen könnten.
    Vielleicht diese Abschusse auch.

  2. @Bernhard Neelen
    Da hast Du allerdings auch wieder recht.
    In Wirklichkeit wollte er bestimmt sagen „Beim Kosovo wollten die Amerikaner – also die Guten – eine Militärbasis auf dem Balkan aufbauen, während auf der Krim die Russen – also die Bösen – ihre Militärbasis nicht verlieren wollten…“ 😉

    • Kosovo ist die Region am reichsten in Mineraliën.
      Im zweiten Weltkrieg kam das Blei für U Boote Batteriën von dort.
      Für mich, dasselbe wie Katanga und Kuwait, und Burundi, wenn ich die Name richtig habe, das winzige Öl Stätchen im norden Borneo.
      Und vielleicht auch Afghanistan, ich habe lange nicht verstanden was die USA dort will, aber es kann Lithium sein, für die Umwelt freundlische elektro PKW’s.
      In Mali hat Frankreich seine Uranium Quellen.
      Rund 1900 klebte an Kongo Gummi das Blut von geschätzt zehn Millionen Kongolese.

      Adam Hochschild, ‘De geest van koning Leopold, en de plundering van de Congo’, ( King Leopold’s Ghost. A Story of Greed, Terror and Heroism in Colonial Africa, 1998), 1998, 2003, Amsterdam

  3. Danke für den guten und informativen Beitrag.
    Was mir ein wenig fehlt sind jedwede Hinweise oder auch jegliches Infragestellen der ungeheuren Chuzpe der israelischen Regierung und der restlichen NATO-Staaten zu meinen, über und in einem – immer noch – „souveränen“ Staat mit ihrem Militär schalten und walten zu können wie sie wollen. Um dann empört zu reagieren, wenn dieser Staat sich wehrt – und das auch noch erfolgreich. Das geht ja mal gar nicht!
    Es ist bestürzend zu sehen, wie sehr ein solches Vorgehen mittlerweile anscheinend komplette „Normalität“ geworden zu sein scheint, frei nach dem Motto: „Völkerrecht? Wasndas?“.

    • @Kai Galka
      Das Völkerrecht wird sowieso gebogen wie es grad passt. Bei einer Diskussion über die Vergleichbarkeit der
      Kosovo-Volksabstimmung zur Krim-Volksabstimmung wurde mir von einem führenden Völkerrechtler erklärt:
      “ Beim Kosovo kam es ja zu Menschenrechtsverletzungen, daher war es gerechtfertigt die Separation anzuerkennen“!…..Daraufhin mein Einwand; „…hätte man also erst warten müssen bis auf der Krim jemand gestorben wäre?“. Darauf hin er; “ Nein!!!! diese Argumentation sei Zynisch und von daher nicht zu führen – so könne man nicht argumentieren“!

      Sprache- Recht- Gesetze- Meinung…..nichts was auf Dauer gültig wäre.

    • Sie haben nie Spinoza gelesen.
      Der Schrieb das Recht immer basiert ist auf Macht.
      Noch ist die USA die Weltmacht, also, wer kann die USA zwingen ?

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