KenFM im Gespräch mit: Jean Feyder („Leistet Widerstand!“)

Jean Feyder ist gebürtiger Luxemburger. In seinem Heimatland, sowohl von der Fläche als auch von den Einwohnern her, eines der kleinsten in ganz Europa, gibt es eine McDonalds Filiale, der es gelingt mit 13 Mitarbeitern 3,7 Milliarden Euro zu erwirtschaften. Welch bemerkenswerte Konzentration an fleißigen Arbeiterbienen!

Die Einsicht, dass es dabei nicht mit rechten Dingen zugehen kann, hat sich jedoch spätestens seit den LuxLeaks auch über die Landesgrenzen des Zwergstaates hinaus verbreitet. Luxemburg ist ein Land der Briefkastenfirmen. Ganze 27 % des dortigen Bruttoinlandsproduktes entfallen auf den Finanzsektor. Dieser bietet den großen multinationalen Unternehmen wie Apple, Amazon, Ikea und Co. eine bunte Palette an „Steueroptimierungsmöglichkeiten“, die deren Gewinne in ungeahnte Höhen wachsen lassen.

Feyder legt sich mit genau diesem Finanzsektor an. Er kritisiert das neoliberale Dogma der „offenen Märkte“, die nur dann offen sind, wenn sich die finanzkräftigen Strippenzieher dadurch ein gutes Geschäft erhoffen. Da er es nicht nur bei Kritik belassen möchte, widmet er sich in seinem Buch „Leistet Widerstand! Eine andere Welt ist möglich“ der Frage, inwieweit der Einzelne gegen diese zum Himmel schreienden Ungerechtigkeiten selber aktiv werden kann. Eine längst überfällige Beleuchtung des Weges von der Erkenntnis hin zur konkreten Handlung.

Inhaltsübersicht:

0:05:01 Die Botschaft des Buches – zusammengefasst von Ken Jebsen

0:09:04 McDonald’s Kapitalismus im Steuerparadies Luxemburg

0:16:18 Public Private Partnerships – Staatsmissbrauch in Perversion

0:27:39 Freihandel schafft Wirtschaftsflüchtlinge

0:39:50 Eigenproduktion statt Import

0:49:21 Entwicklungshilfe mit Bedingungen und Steuerparadiese

1:03:48 Solidarität in Europa

1:09:16 Palästina

1:20:16 Kubas Weg in die Unabhängigkeit

1:27:55 Papst Franziskus: „Diese Wirtschaft tötet.“

1:30:14 EU-Politik und EU-Krisen aktuell

1:35:58 Widerstand lokal leisten

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14 Kommentare zu: “KenFM im Gespräch mit: Jean Feyder („Leistet Widerstand!“)

  1. Sehr viel Moral und wenig Aufklärung.

    Wieso sollte man Wiederstand leisten, wenn Zusammenhänge nur in einem moralischen Kontext gekleidet werden?

    Scheinbar ist es in den Alternativen nicht möglich, dass Theoretische Gebilde der vorherrschende Ökonomie auseinanderzunehmen. Es ist doch nicht so schwer, die einfache Frage zu beantworten, auf welcher theoretischen Grundlage der „Freihandel“ basiert und gibt es denn die realen Bedingungen, die diese Theorie im Ansatz erfüllt.

    Das liberale/neoklassische Wirtschaftsmodell, ist nicht wirklich schwer zu verstehen. Und wenn man sich als Alternativ im Sinne von Aufklärung verstehen will, kann man sich auch Gäste einladen, die in der Lage sind, mit logischen Argumente den Bürger Ökonomik verständlich näherzubringen. Solange hier und in anderen sogenannten Alternativen Medien nur die Moralkeule geschwungen wird, wird sich auch nichts ändern. Ganz im Gegenteil, es wird zu Fehlinterpretation kommen.

    Siehe unten: der eine (jan heffner) kann sich Anarchie als Modell vorstellen, (bohnat) sieht in Marx die Lösung, der „dritte“ will ein Vollgeldsystem, der „vierte“ sieht Zinsen als übel der Welt usw.!

    So kann das nix werden!

    • Freut mich, dass Sie nicht nur so ganz böse schimpfen können, auch wenn Sie meinen Namen immer wieder falsch schreiben 😉

      Aber mal eine Anmerkung: Ohne, dass Sie die enteignen, die „uns“ dank ihres Besitzes an Produktionsmitteln (womit sie auch über die Waffen verfügen) letztlich mit Waffengewalt unterdrücken, also uns für ihren Nutzen zur Arbeit zwingen (und zwar einzig aus diesem Grund), können Sie gar nichts bewegen. Weil Ihnen gehört ja nichts. Wenn Sie also bspw. mit vielen anderen in den Wald ziehen, sich dort hütten bauen und sagen: Mit dem System will ich nix zu tun haben, schicken die ihre bewaffnete Polizei. Die wird Ihnen und Ihren Kumpels schon Dampf machen. Dasselbe tun Sie, wenn Sie etwa beginnen, irgendeinen Ersatz für deren Geld unter die Leute zu bringen (dann sitzen Sie schneller im Bau, als Ihnen lieb ist). Über Abschaffung von Zinsen oder so Dinge wie „Gemeinwohlökonomie“ können Sie nachdenken, bis Sie schwarz werden. Solange Ihnen nix gehört, bekommen Sie gar nichts hin.

      Das gegenwärtige Wirtschaftsmodell ist kapitalistisch. Eine andere Frage ist, ob es „liberal“, also bürgerlich, oder faschistisch gemanagt wird.

      Es ist deshalb kapitalistisch, weil es nach wie vor auf ständiger Akkumulation von Kapital basiert. Kapital ist nicht einfach nur Geld, Produktionsmittel oder Rohstoffe. Zu Kapital wird selbiges, wenn es in den Verwertungsprozess (Geld > Ware > mehr Geld) eingebracht wird. Und genau das ist eben der irrationale Selbstzweck von Kapitalismus. Dass sich durch den Akkumulationsprozess immer mehr Vermögen oben konzentriert, dass es zu wachsenden Monopolen, also riesigen Akkumulationsgesellschaften (siehe BlackRock) kommt, ist logisch. Ebenso logisch ist es, dass sich dann die Macht dort oben konzentriert, dass mit fortlaufender Verwertung aller Ressourcen und dem Schwinden der Abschöpfungsquelle (Arbeitskraft) auch neue Anlagemöglichkeiten schwinden, dass die Staaten mit den mächtigsten Kapitalisten zu kriegerischen Imperien werden, weil sie ja neue Märkte erobern müssen, dass das Kapital dorthin geht, wo es noch billiger produzieren kann usw… Kapitalismus wird immer zum Imperialismus. Und der Staat war schon immer der Manager des Spiels.

      Und genau das ist Ökonomie. Und richtig, wenn man mal das vulgärökonomische pseudointellektuelle Geschwurbel der Marktanbeter weglässt, ist Kapitalismus wirklich nicht so schwer zu verstehen. Zumal wir heute – anders als Marx damals – schon den Lauf der Dinge mehrfach durchlebt haben. Weil wir sehen können, was passiert ist und was passiert.

      Beste Grüße

    • Kapitalismus ist nicht gleich Kapitalismus!

      Das ist der Punkt, den offensichtlich nur wenige verstehen wollen. Das Marx`sche Modell reicht eben nicht aus um Ökonomik zu verstehen, denn seine Perspektive beginnt beim Arbeiter und endet bei der Besitzklasse.

      Den historisch gewachsenen Staat, als Mittler zwischen Arbeit und Kapital gab es zu seiner Zeit nicht.

      Daher ist es auch völlig egal, wer Eigentümer/Besitzer ist, denn ein Kompetenter/Bürger-Staat würde per Gesetz sagen können: Grundversorgung (Energie, Wasser, Bahn usw.) wird staatlich organisiert und Ihr Unternehmer (von denen wir Innovationen/ Produktivität usw. bekommen) dürft natürlich mehr verdienen, bis zur Grenze x und dann wird besteuert. Darüber hinaus, würde dieser Kompetente Staat sagen: unsere Ökonomik steuern wir in Richtung sinnvoller Ökologie und Nachhaltigkeit um. Wenn der Staat sich dann noch Gedanken macht, wie in internationalen Beziehungen sinnvoller und stabiler Austausch funktioniert, wäre das ein Kapitalismus den ich befürworten würde. Auf diesen Weg ist nur ein Land dieser Erde und heißt China.

      Diese Form des Kapitalismus, setzt natürlich voraus, dass die Perspektive sich verändern muß. Weg vom „bösen“ Kapitalisten, hin zum vernünftigen Staat. Was sie als „Systembedingt“ abstempeln, sehe ich als versagen staatlich-ökonomischer Kompetenz. Was die Geschichte von Ricardo über Marx bis Keynes gelehrt haben sollte, das es einen Staat bedarf, der den Kapitalismus permanent steuert. Den Kapitalismus allein gelassen, führt immer zu massiven Verwerfungen mit tödlichem Ausgang.

      Und wenn die alternativen Medien nicht langsam anfangen Ökonomik im Kreislaufzusammenhang auf Makroebene den Bürger näherzubringen, werden die MS Medien und die politischen Verkünder weiterhin so dumm daherreden können.

      Daher meine Kritik, es wird zu wenig nachgedacht.

    • „Den historisch gewachsenen Staat, als Mittler zwischen Arbeit und Kapital gab es zu seiner Zeit nicht.“
      Von welcher Zeit reden Sie?
      Eine der Aufgaben des Staates ist es, von Beginn an, das Privateigentum zu schützen.

      Es stellt sich für mich die Frage ob Eigentum, das durch Ausbeutung erlangt wurde überhaupt Eigentum sein kann?
      Durch Ausbeutung erlangtes Eigentum ist eine Form von Diebstahl.
      Dieser Diebstahl wird aber vom Staat nicht verfolgt – ganz im Gegenteil, er wird unter gesetzlichen Schutz gestellt.
      Demnach schützt der Staat Diebstahl durch entsprechende Gesetze.

      „Das Eigentum stellt eine Rechtsposition zu einer bestimmten Sache dar. Häufig spricht man in diesem Zusammenhang auch von einem sogenannten Herrschaftsrecht. Das bedeutet, dass der Eigentümer nach Belieben mit seiner Sache verfahren darf. Er darf andere Personen von jeder Einwirkung ausschließen.“
      (JuraForum)

      Diesen Sachverhalt kann man, so wohl moralisch als auch ideologisch, betrachten.
      Der Sachverhalt bleibt der Selbe!

    • Hat es in der Historie der Menschheit zu irgendeiner Zeit, an einem Ort den Zustand einer Tabula Rasa gegeben, wo Menschen sich auf Augenhöhe begegneten, um die Definitionen von Staat, Volk sowie deren Aufgaben klar auzuarbeiten und festzusetzen? Oder hat immer nur eine Macht die andere ersetzt?
      Solange die Antwort nur mit Nein beantwortet werden kann, werden viele Menschen nach einem „Reset“ sehnen.
      Kein Wunder, dass TV-Serien sowie Kinofilme über apokalyptische Szenarien so populär wie beliebt sind.

    • Aus meiner Sicht ist das Grundproblem, dass der Mensch die Dinge auf zwei Weisen betrachtet und wahrscheinlich auch immer betrachten wird.
      Das sind die egoistische und die altruistische bzw. gesellschaftliche Wertung. Und je nach dem, welches der Beiden obligt oder wie er geprägt wurde, richtet die Person
      Das Ganze kann man auch auf die Gesellschaft übertragen.
      Aus meiner Sicht wäre ein Gleichgewicht erstrebenswert, aber diesen Kampf werden wir nie loswerden.

  2. Anmerkung zu den erwähnten Mikrokrediten, da hier die Verlogenheit und Kriminalität diverser Kreise sehr gut zum Vorschein kommt und auch, da das geschieht, was z.B. Herr Mausfeld erwähnt, das Establishment passt sich sofort an, wenn’s nicht gar sogleich intendiert war. Auf dem Spielfeld der Geldhaie können sie keinen Blumentopf gewinnen, manche Spieltische kann man nur umstoßen:

    Von Mikrokrediten über finanzielle Inklusion zur Bargeldabschaffung

    Die große Überschneidung der Mitglieder zwischen Consultative Group und Besser-als-Bargeld-Allianz ist kein Zufall, denn das Hauptanliegen beider Gruppierungen ist letztlich dasselbe: möglichst viele Menschen möglichst eng in das von den USA dominierte formelle Finanzsystem einzubinden.
    Die Consultative Group verfolgte dieses Ziel , indem sie in den 1990er Jahren daran arbeitete, das Mikrokredit-Modell des späteren Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus groß zu machen. Zu Anfang hatte Yunus mit seiner Grameen Bank in Bangladesch armen Menschen subventionierte Kredite gegeben. Das passte zur Idee, den Armen zu helfen. Die Weltbank und ihre Consultative Group taten zweierlei: Sie bewarben die Idee und sie korrumpierten sie. Sie argumentierten, das Ganze könne nur „nachhaltig“ funktionieren, wenn es Gewinn abwerfe. So entwickelte sich dank der Unterstützung aus Washington eine große kommerzielle Mikrokredit-Branche. Sogar die Grameen Bank stellte auf ein gewinnorientiertes Geschäftsmodell um. Ungebildeten Dörflern ohne Kapital und Sicherheiten werden dabei Kredite zu sehr hohen Zinsen in der Größenordnung von 30 Prozent, manchmal auch mehr als 100 Prozent, aufgeschwatzt. Die Ähnlichkeit mit den Subprime-Krediten für Hauskäufe an nicht kreditwürdige Amerikaner sind kaum zu verkennen. Auch das Schneballsystem der Subprime-Kredite, an dem viele Banker extrem gut verdienten, war zur Begründung und Tarnung mit sozialpolitischer Weltverbesserungs-Folklore unterlegt worden. Es sollte angeblich darum gehen, auch den ärmsten Mitgliedern der Gesellschaft, insbesondere den Farbigen, Zugang zu Hauseigentum zu verschaffen. GCAP-Mitglied Citibank war in beiden Subprime-Branchen eine ganz große Spielerin.
    Die Nähe der beiden Geschäftszweige – Immobilien und Mikrokredite – spiegelt sich in vielen Lebensläufen wider. So war der stellvertretende Direktor der Initiative für Finanzdienste für die Armen der Gates-Stiftung, Jason Lamb, vorher für das Management des operationellen Risikos von Washington Mutual zuständig gewesen. Das war die Bank, die wohl am skrupellosesten und exzessivsten Subprime-Immobilienkredite vergeben hatte und wenige Tage nach Lehman Brothers zusammenbrach. Die Bankerin Mona Kachwaha leitete zuerst das Risikomanagemnt für Immobilienkredite der Citibank, dann deren Mikrokreditgeschäft. Derartige Biografien sind in dieser Szene keine Seltenheit.
    Mit Kleinkrediten an Arme läßt sich Geld verdienen. Diese Erkenntnis kommt von Muhammad Yunus selbst. Er hatte festgestellt, daß sich hohe Rückzahlraten erreichen lassen, wenn man die engen sozialen Bindungen der Dörfler für sich arbeiten läßt. So werden teure Kredite an Gruppen vergeben, deren Mitglieder sich später gegenseitig unter moralischen Druck setzen, um die Kreditwürdigkeit der Gruppe zu wahren. Oder die Dorfgemeinschaft bürgt für die Kreditnehmer. Auf diese Weise konnten die Mikrokreditgeber trotz der exorbitant hohen Zinsen lange Zeit geringe Ausfallraten und entsprechend hohe Profite sicherstellen.
    Yunus durfte dem ersten wissenschaftlichen Beirat der Consultative Group vorstehen. Seine Versprechungen waren grandios. Innerhalb einer Generation werde das Mikrokreditmodell die Armut auf der Welt besiegen, versprach er 1997. Unsere Kinder würden ins Armutsmuseum gehen müssen, um zu verstehen, was Armut war. Vor allem die Lage der Frauen werde sich entscheidend verbessern.
    Die Mikrokreditbranche wuchs in vielen Ländern so stark, daß die Märkte bald abgegrast waren. Die Voraussetzungen dafür, daß Yunus‘ Versprechungen in Erfüllung gingen, waren also da. Was jedoch passierte, kam in den optimistischsten Planungen nicht vor: Immer mehr Kreditnehmer kamen wegen der hohen Zinsen in Schwierigkeiten. Die armen Leute hungerten lieber, nahmen ihre Kinder von der Schule oder verkauften Vieh oder Land, als daß sie sich für zahlungsunfähig erklärten. Oder sie nahmen einen zweiten Kredit auf, um den Schuldendienst für den ersten zu leisten. Wenn gar nichts mehr half, nahmen sich viele Familienväter aus Scham das Leben. Immer wieder kam es regional zu Selbstmordepidemien.
    Diese Schneeballsysteme brachen ab 2008 in vielen Ländern in sich zusammen, darunter in Nicaragua, Pakistan, Indien und Bangladesch. Die Mikrokreditkrise in Bangladesch führte zu einer Untersuchung der Grameen Bank durch die Regierung. Yunus wurde zwangsweise aus der Führung seiner Bank entfernt.
    Daß es zu weit verbreiteten Exzessen kam, wird nicht bestritten. Bundesbankchef Jens Weidmann warnte Anfang 2017: „Die indische Mikrofinanzkrise von 2010 zeigt uns, was passieren kann, wenn zu viele Subprime-Schuldner Zugang zu Krediten bekommen.“ Eine Studie von 2014, die das große „gemeinnützige“ Mikrokredit-Unternehmen Finca aus Washington in Auftrag gegeben hatte, belegt dies ebenfalls. In dem Bericht steht: „Finca und unsere Kollegen in der Gemeinschaft der sozial verantwortlichen Kreditgeber sind erpicht darauf, eine Schuldenkrise in Mexiko zu vermeiden, wie sie in anderen Ländern große Verwerfungen verursacht hat.“ Man erfährt von einer Umfrage unter Mikrofinanzpraktikern aus 79 Ländern, die ergab, daß Überschuldung überall die große Sorge war. Die Autoren betonen: „Diese Situation ist verheerend für Kreditnehmer und ihre Familien, die mit immer weiter steigenden Schulden, extremen Strafzinsen und manchmal brutalen Eintreibepraktiken zu tun bekommen und deshalb immer noch einen weiteren Kredit aufnehmen, um die alten zu bedienen.“
    Was man von der Sorge des hoch bezahlten Finca-Managements um die Armen zu halten hatte, wurde 2016 klar, als Finca seine mexikanische Tochter und deren Kunden an das Unternehmen Te Creemos verkaufte und verriet. Te Creemos gilt als einer berüchtigsten Kredithaie der Branche mit Zinssätzen über 100 Prozent. Schon 2014 war der Finca-CEO mit nur grenzwertig-gemeinnützigen 1,2 Millionen Dollar entlohnt worden. Nach dem erfolgreichen Verkauf von Finca Mexiko dürfte den Gepflogenheiten in der Branche zufolge nochmals viel Geld an die weltverbessernden Manager geflossen sein.
    Die Branche und ihre Fürsprecher reagieren geschmeidig, wenn sie genötigt werden, sich für die verheerenden Auswirkungen ihres Tuns zu rechtfertigen. Sie verweisen meist darauf, daß schwarze Schafe für das Desaster verantwortlich gewesen seien und nicht etwa das mit solchem Nachdruck beworbene gewinnorientierte Modell. Bill Gates hatte noch eine andere Variante parat. Ihm zufolge waren die hohen Kosten der physischen Interaktion mit den Kreditnehmern schuld, daß die Anbieter sehr hohe Zinsen verlangen mußten. Deshalb engagiere sich seine Stiftung nun so sehr für die Digitalisierung des Zahlungsverkehrs.
    (Norbert Häring, Schönes neues Geld, PayPal, WeChat, Amazon Go Uns droht eine totalitäre Weltwärung, S. 38-42)

    • 🙂 Er wusste, dass er keine Pause machen durfte.

      Sein Buch ist prima zu lesen. Kann ich sehr empfehlen. Es ist erstaunlich, was trotz der weltweiten neoliberalen Herrschaft an so vielen Orten anderes erfolgreich ausprobiert wird. Feyder führt das kranke System vor und bleibt dennoch optimistisch.

  3. Die meisten haben ja keine Lust mehr auf Kapitalismus. Doch was wollen wir ersteben? Wirtschaftlich gesehen, sind die Lösungsvorschläge bei Marx nicht nur dürftig, sondern nicht vorhanden.
    Die einzigen konstruktiven und folgerichtigen Wege haben die freiheitlichen Sozialisten, Syndikalisten, Anarchisten erdacht und in der Geschichte durchgeführt. Hier kann man sich inspirieren und Ideen sammeln, wie genau kann gesellschaftliche Selbstorganisation und Selbstbestimmung aussehen: Kollektivbetriebe, lokale Börsenstrukturen zur Verteilung gesellschaftlich produzierten Reichtums, kein Staat, lokale Selbstorganisation, globale Bedarfswirtschaft.
    Kein Europa der Nationalstaaten, sondern ein Europa der darin tatsächlich Lebenden und ihren tatsächlichen Beziehungen.

    • Einstein hatte einst den weisen Satz gesagt: „Man kann die Probleme nicht auf jener Ebene lösen, auf der sie entstanden sind.“ Das bedeutet, dass es völlig kontraproduktiv ist, zu sagen, dass zum Beispiel der Sozialismus, Kapitalismus, der Anarchismus, der Voluntarismus oder der Libertarismus das beste System ist. Daraus schlussfolgere ich, dass man sich auf eine höhere Ebene, nämlich der „Metaebene“ begeben soll, wie es einst Franz Hörmann bezeichnet hat. Was ist nun die Metaebene im gesellschafts- und wirtschaftssystemischen Kontext? Das is die Demokratie. Die Demokratie ist nicht der Gegenspieler von Kapitalismus, Sozialismus, Anarchismus, Libertarismus usw. Sondern sie liegt all über diese Systeme. Daher „Metaebene“. Die Bevölkerung des jeweiligen Staates oder der jeweiligen Region sollte selbst entscheiden, welches System sie haben will. Das ist bis jetzt aber in der dokumentierten Menschheitsgeschichte noch nicht passiert. Die Herrschenden haben den Aspekt „Demokratie als Metaebene“ dem Volk immer vorenthalten, damit ihr gewünschter Status quo weiterhin erhalten bleibt. Wir sollten zuerst partizipatorische Demokratie anstreben, bevor wir über die Umsetzung eines neuen Systems nachdenken.

    • Lieber Herr Heffner,

      Zitat: „Die meisten haben ja keine Lust mehr auf Kapitalismus.“

      Ich glaube, die meisten haben immer noch nicht verstanden, wie Kapitalismus geht, haben die Marktreligion verinnerlicht und leiden trotzdem an den Symptomen. Letzteres kanalisiert sich dann in Aggressionen, welche dann politisch erwünscht und massenpsychologisch erforscht gezielt gegen Minderheiten, Fremde, Arme etc.umgeleitet wird.
      Einige Sozialpsychologen sprechen vom narzisstischen Syndrom in unserer Gesellschaft alias: Vermarkte dich! Sei besser, schneller, schöner, gestylter, einzigartiger als der andere! Box deine Konkurrenten aus dem Weg! Jeder ist dein Konkurrent! Gefalle deinem Chef von allen Sklaven am meisten!

      Zitat: „Kapitalismus. Doch was wollen wir ersteben? Wirtschaftlich gesehen, sind die Lösungsvorschläge bei Marx nicht nur dürftig, sondern nicht vorhanden.“

      Hm, nun ja, mich plärren immer ganz viele an Die dumme Bonath habe ja gaaar keine Lösungen. Dabei stimmt das nicht. Aus der Anaylse ergeben sich für denkfähige Individuen – und das sind Menschen – natürlich Lösungen. So auch bei Marx. Wobei man unterscheiden muss zwischen dem Kapital, das eines der bemerkenswertesten wissenschaftlichen Werke ist, und seinen philosophischen Werken. Marx beschreibt ganz lang, breit und klar die Ursache: Privateigentum an Produktionsmitteln. Und er beschreibt, warum das die Ursache ist. Denn dieser Umstand, also Privateigentum an Produktionsmitteln (nicht zu vergessen mit der Couch oder der Zahnbürste), führt dazu, dass die Kapitaleigentümer nur aufgrund des einzigen irrationalen Selbstzwecks des Kapitalismus irgendwas produzieren (und dafür Lohnarbeit einkaufen): Ihre Profite ständig zu mehren.

      Diesen Umstand erkennt auch Jean Feyder nicht. Er tut, was viele wirklich gut tun: Die Symptome treffend beschreiben. Doch wenn ich nicht weiß, wie und für welches Ziel ich effektiven Widerstand leisten muss, um die Probleme zu beheben, läuft es ins Leere.

      Wenn man aber, wie Marx es schon im vorvorigen Jahrhundert erkannt hatte, weiß, dass die Ursache das Privateigentum an Produktionsmitteln ist und wenn man dann noch weiß, dass ein Nationalstaat im Kapitalismus dazu da ist, die Profitmaschine der Kapitaleigentümer zu managen, und zwar in deren Sinne, dann ergibt sich die Lösung: Die Kapitalisten enteignen. Das funktioniert nicht mit Wattebäuschen und nicht mit Bittebitte an den Manager namens Staat. Sondern nur durch Organisatoin.

      Das aber wollen die meisten nicht hören. Da kriegen sie dann Beißreflexe nach dem Entweder-oder-Prinzip: Buuuh, pöhser Sozialismus hat ja nicht funktioniert, = Gulag und Diktatur, = alle arm, = leere Geschäfte, etc. Dann werden selbst die, die wirklich am Arsch sind, zu Verteidigern des Kapitalismus, also völlig gegen ihre Interessen und in untertänigem Gehorsam gegenüber den Abzockern und Profiteuren (=Kapitaleigentümer und deren Pressesprecher in der Politik).

      Ich denke, das liegt an mehreren Faktoren:

      1. hat die staatliche Propaganda-Maschine den Menschen 20 Jahre lang den Floh ins Ohr gesetzt, es gebe so etwas wie „soziale Marktwirtschaft“ und diese könne funktionieren. Schon in den 70ern ging die den Bach nach und nach runter, und zwar aus Gründen der normalen Entwicklung des Kapitalismus (zunehmende Kapitalkonzentration in immer weniger Händen, technologischer Fortschritt, der Arbeitskräfte freisetzt, zyklische Krisen durch den Widerspruch zwischen Kapital und Lohnarbeit, …), die zwangsläufig im Imperialismus endet. Das beständig wiederholte Märchen der Propagandisten, wonach Wachstum ohne Ende irgendwann auch den ärmsten Schlucker erreiche, ist zur Religion geworden. Es ist aber, wie wir erleben, schlicht nicht wahr.

      2. tut der – staatlich ebenfalls geförderte – exorbitante Bildungsmangel das übrige. Das heißt nicht, das jeder auf eine Uni gehen soll. Im Gegenteil: Der vulgärökonomische Müll, mit dem man dort hardcore-indoktriniert wird, macht in der Regel noch dümmer und marktreligiöser. Vermutlich wird der Mensch durch diese Marktreligion einfach am selbst denken gehindert. Denn würde man selbst denken, käme man z. B. darauf, dass wir heute, anders als 1945 bis 1989, keinen Mangel mehr, sondern massive Überproduktion haben und über Technologie verfügen, die bedarfsgerechte Produktion und Verteilung weltweit möglich macht. Und man käme darauf, dass „Sozialismus“ in einem einzigen Land, das rohstoffmäßig vom globalen kapitalistischen Markt abhängig bleibt, gar nicht funktionieren kann. Und man muss auch nicht darüber diskutieren, dass Stalin, der ja auch die DDR und den restlichen Ostblock mitgeprägt hatte, kein guter Mann für das Vorhaben in vielerlei Hinsicht war.

      3. Die Angst um den eigenen Fressnapf: Es ist ja so im Kapitalismus, dass auch die Lohnabhängigen sehr unterschiedlich privilegiert sind. Psychologischer Effekt: Wer irgendwas in seinen Besitz bringen konnte, klammert daran – und zwar aus Todesangst. Menschen müssen ja essen, brauchen im Winter einen warmen Hintern, benötigen Kleidung. Und sie gewöhnen sich auch an zahlreiche Annehmlichkeiten. Die Angst ist verständlich, man hat ja auch die verelendeten Obdachlosen in Berlin und Frankfurt vor Augen. Aber die Angst führt dazu, zwanghaft an einem irrationalen, gefährlichen System festzuhalten. So machen die meisten weiter, reden sich den Mist schön, verdrängen jeden Gedanken an die Zukunft ihrer Kinder, nach dem Motto: Solange es noch geht…
      Daraus resultiert meines Erachtens nach auch eine Verweigerungshaltung gegenüber diesbezüglicher Bildung, die zum Erkennen der Ursachen führen könnte. In gerade aggressivster Weise wird ja das aufoktoyierte Weltbild verteidigt. Entsprechend folgt die „Radfahrer“-Reaktion: Nach oben buckeln, nach unten treten. Dafür bekommt man ja entsprechende Feindbilder geliefert, wie „faule Arbeitslose“, „Sozialschmarotzer“, „Asylanten“, die“in den Sozialstaat einwandern“ wollten, Arbeitsmigranten – also arme Schlucker, auf die man ohne Mühe treten kann.

      Ich will hier keine Propaganda für irgendeine Gesellschaftsordnung machen. NIchtsdestotrotz steuert die Menschheit auf ein wirkliches inferno zu, wenn sie die Marktreligion nicht beendet und wenn weiterhin Kapitaleigentümer und ihre Herrschaftsinstrumente, die Nationalstaaten, die Macht besitzen (die sie letztlich mit Waffengewalt trotz aller Pseudo-Demokratie durchsetzen) und die unselige Maschine immer weiter bis zum Crash treiben. Es wird Megakriege und extreme Hungerkatastrophen mit MILLIARDEN Toten geben. Und ein riesiger Teil des Planeten wird unbewohnbar. So eine Kugel kann ja nicht unbegrenzt ausgeplündert werden. Genau das ist eine logische Folge, für die es nicht viel Denkanstrengung braucht. Aber genau das wird penetrant in panischer Angst vor Verlusten (was ja auch wieder mit der Marktreligion zu tun hat) verdrängt.

      Das Ziel kann also nur sein, die Kapitaleigentümer zu enteignen und die Produktion gesellschaftlich nach Bedarf mit gerechter Verteilung der Arbeit zu organisieren. NUR auf diese Weise wird man auch die Fluchtursachen beseitigen können. Dazu gehören auch die Gesamtkapitalisten (Nationalstaaten) als Manager des ganzen entmachtet. In dieser Hinsicht ist auch jeder kontraproduktiv, der suggeriert, mit Bittebitte an den Staat für milde Gaben könne das Problem gelöst werden. Also so, wie es die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften tun. Das ist schlicht Blödsinn, zu glauben, gemeinsam mit der Ursache der Probleme eben die Probleme beseitigen zu können.

      Und weil manche immer einen konkreten Plan verlangen: Es gibt den oben beschriebenen Weg. Aber ein Plan muss sich aus den konkreten Umständen ergeben. Dazu ist es aber notwendig, das Dilemma zu verstehen. Und sich mit genannten Zielen zu organisieren. Und zwar letztliich nicht nur national, sondern international.

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