Jochen Scholz über Clintons Wahlkampfhelfer bei der SPD und den Kosovo-Krieg

Ausschnitt aus KenFM-Positionen 7: „Journalismus oder Propaganda – wenn Recherche zum Risiko wird.“ Hier in voller Länge zu sehen: https://kenfm.de/kenfm-positionen-7/

Bis in die Achtziger Jahre war politischer Journalismus in Deutschland einfach. In den Parlamenten gab es echte Lager. Wer zwischen schwarz, rot, grün und gelb unterscheiden wollte, musste kein Experte sein. Personen und ihre bekanntesten Köpfe standen sich frontal gegenüber. Helmut Kohl und Joschka Fischer waren kein „Team“, so wie Herbert Wehner und Franz-Joseph Strauss nie im selben Lager standen.

Was also tat der politische Journalist in der Regel? Er setzte sich nicht zwischen alle Stühle, sondern entschied sich für eine der ihm bekannten Seiten. Zu diesen Seiten gab es die entsprechenden Gazetten, Sender und Redaktionen. Man musste nicht groß recherchieren oder Gegenrecherche leisten, um im Geschäft zu bleiben. Es reichte z.B., in der FAZ oder der WELT eher konservative Positionen als „richtig“ zu verkaufen, während man beim SPIEGEL oder STERN linken oder liberalen Politikern nach dem Mund redete.

Sicher gab es immer auch investigative Reporter, die lagerübergreifend nach dem großen Skandal suchten und diesen auch fanden – nur war das immer die Ausnahme. Dieser Journalismus machte immer extrem viel Arbeit, und er konnte nicht auf einem betonierten Weltbild aufbauen. Wer im Dreck wühlte, wurde berühmt, aber eben auch berüchtigt. Die Politik mag solche Journalisten nicht.

Mit dem Entstehen der großen „Mitte“ in der Politik – alles ist verhandelbar und wenn es um die Macht geht, sind auch sämtliche Positionen jederzeit ins Gegenteil drehbar – hat der Journalist ein Problem. Er kann sich nicht mehr zurücklehnen, sondern muss die Realität tatsächlich erforschen, um sie autark medial zu erschaffen. Medienrealität. Nur wie macht man das?

An diesem Punkt scheitern die meisten Kollegen heute, denn sie haben es nie gelernt. Erschwerend hinzu kommt, das mit dem Internet das Informationsmonopol der Mainstream-Medien und damit des Staates verloren gegangen ist. Dieser Verlust fester Orientierungspunkte, der Medienmacher und Medienkonsumenten gleichermaßen verunsichert, hat zum Verlust dessen geführt, was man früher Vertrauen nannte, was in Wahrheit aber nur ein deutlich kleinerer Ausschnitt der Wirklichkeit war.

2016 leben wir in einem Informations-Overkill. Wahrheit und Propaganda sind kaum noch zu unterscheiden, und echte Recherche wird kaum noch bezahlt. Wenn sie dennoch stattfindet, kann sie zum Berufsrisiko werden, das die journalistische Karriere vorzeitig beendet.

Die 7. Ausgabe von POSITIONEN beschäftigt sich mit dem Thema: „Journalismus oder Propaganda – wenn Recherche zum Risiko wird.“

Unsere Gäste Frieder Wagner, Aktham Suliman, Jochen Scholz und Walter van Rossum wissen, was es bedeutet, den Beruf des Journalisten so auszuüben, dass man auch dann noch recherchiert, wenn man erkennen muss, dass man dabei ins Fadenkreuz der Mächtigen gerät.

+++

Dir gefällt unser Programm? Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten hier: https://www.kenfm.de/kenfm-unterstuetzen/

4 Kommentare zu: “Jochen Scholz über Clintons Wahlkampfhelfer bei der SPD und den Kosovo-Krieg

  1. Ich habe im Dez. 2015 eine Beschwerde und Strafanzeige gestellt wegen der Teilnahme der Bundeswehr an der Vorbereitung für einen Angriffskrieg (Syrien-Einsatz Deutschlands). Sechs Monate später bekam ich eine Antwort, dass die Strafanzeige nicht akzeptiert wurde – aber in dem Brief stand, dass zahlreiche Strafanzeigen gegen Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und Verteidigungsministerin Dr. Ursula von der Leyen eingegangen seien. Die Deutschen haben also reagiert – sie lassen sich doch nicht alles gefallen – aber vermutlich wurden ihre Beschwerden genauso abgelehnt, wie meine.
    Nun aber habe ich erfahren, dass von Volker Reusing und Wolfgang Effenberger („Wiederkehr der Hasardeure“) eine Verfassungsbeschwerde eingereicht wurde wegen desselben Themas :Dass der Einsatz der Bundeswehr in Syrien grundgesetzwidrig ist – und dass diese Verfassungsbeschwerde letzte Woche entgegengenommen wurde. Hier kann man sie finden: http://unser-politikblog.blogspot.com
    Ich bete, dass das Verfassungsgericht dem Grundgesetz entsprechend entscheidet und dass die Bundeswehrbeteiligung an den „Einsätzen“ der NATO abgebrochen werden muss – denn sie sind gegen unser Grundgesetz.

    • „Ich bete, dass das Verfassungsgericht dem Grundgesetz entsprechend entscheidet…“

      Den Zahn lass dir ziehen. Das wird nicht passieren. So etwas benötigt ein funktionierendes RECHTSsystem.

      Dazu sollte man wissen, das das Verfassungsgericht selbst der größte Beuger des GG ist – „naturgemäß“. Denn es hat nicht nur die meisten Gelegenheiten, sondern ist auch Sakrosankt.

  2. Es hat „geklappt“: Gerhard Schröder wurde Bundeskanzler und Fischer sein Außenminister. Und beide machten beim Krieg gegen die unabhängige Republik Jugoslawien mit und Schröder, Fischer und Scharping haben das Volk angelogen. https://www.youtube.com/watch?v=HBHefedY4fw „Es begann mit einer Lüge“

    Schröder hat erst viel später zugegeben, dass er mit dem Krieg gegen Jugoslawien das Völkerrecht gebrochen habe. Joseph Fischer hatte im Februar/März 1999 das Parlament und das Kabinett belogen, „indem er den geheimen Annex B des Rambouillet-Vertrags verschwieg und damit die erste Beteiligung Deutschlands an einem Krieg – noch dazu an einem Angriffskrieg – nach dem Zweiten Weltkrieg ermöglichte.“ (Zitat aus: Wolfgang Effenberger: Geo Imperialismus – Die Zerstörung der Welt, Rottenburg 2016, S. 24.)
    Schröder und Fischer haben mit der friedenspolitischen, deutschen Tradition eines Willy Brandt und Dr. Helmut Kohls gebrochen. Das war der verhängnisvolle Beginn, ein schwerer Fehler, den andere Kanzler vermieden haben! Macht gegen Zugeständnisse. Damit haben sie ein übles Beispiel gegeben. Aber mit Dr. Angela Merkel nahm dann das Verhängnis so richtig seinen Lauf. Sie sendete bereits als Oppositionspolitikerin die entsprechenden Signale: Am 13. September 2002 hielt sie als CDU-Vorsitzende eine Rede im Deutschen Bundestag, in der sie vor einem „deutschen Alleingang“ warnte. https://www.youtube.com/watch?v=izcpOXCyssg
    Darüber hinaus reiste sie nach Washington und verfasste am 20. Februar 2003 einen Artikel für die Washington Post mit dem Titel: „Schroeder doesn`t speak for all Germans.“ https://www.washingtonpost.com/archive/opinions/2003/02/20/schroeder-doesnt-speak-for-all-germans/1e88b69d-ac42-48e2-a4ab-21f62c413505/
    Sie hat sich ausgerechnet der US-Administration angebiedert, die für illegale Kriege und Lügen steht.
    Vermutlich ist sie durch dieses Verhalten den entsprechenden Kreisen in Übersee aufgefallen, nämlich dem Kreis um den Präsisdenten George W. Bush, Mitglied bei Skull & Bones – und das ist meiner Ansicht nach der Kreis, der Kriege will – und ich habe Grund für diese Ansicht!
    Es könnte durchaus sein, dass die Rede und der Artikel ihr den Weg zur Kanzlerschaft geöffnet haben, denn schließlich hat auch ihr Vorgänger „US-Wahlhilfe“ im Gegenzug für die „richtige Einstellung“ bekommen. Das heißt, Oppositionspolitikerin Merkel fiel damals dem Bundeskanzler Schröder und auch der Mehrheit der friedliebenden Deutschen in den Rücken, denn immerhin wollten Schröder und Fischer beim Irakkrieg 2003 nicht mehr mitmachen, von dem heute erwiesen ist, dass die vorgegebenen Kriegsgründe erlogen waren. Aber der Preis für diese persönliche Macht, die die wahren Mächtigen ihr verliehen haben, ist, dass sie Deutschland immer tiefer und tiefer in die NATO-Kriegspolitik hineinzieht – gegen den Willen ihres Volkes – aber wir haben ja nichst zu sagen. Um der Macht willen hat sie die deutsche Friedenspolitik eines Willy Brandt und eines Dr. Helmut Kohl verraten. Ich kann sie nur noch verachten – ebenso, wie ich Joschka Fischer verachte – und auch die Olivgrünen Jem Özdemir und Kathrin Göring Eckhart, die beide eine Flugverbotszone über Syrien fordern und damit den Weg in den Dritten Weltkrieg ebnen würden. Sind sie so naiv oder wollen sie absichtlich Deutschland und Europa in den Abgrund reißen?

    Übrigens: Bevor G.W. Bush 2001 Präsident wurde, wurde im September 2000 in der Denkfabrik PNAC eine Schrift verfasst:
    REBUILING AMERICA’S DEFENCES
    Strategies, Forces and Ressources
    For the New Century
    A Report of
    The Project for the New American Century (PNAC)
    Ein Mitverfasser war Robert Kagan. Und der ist auch bei Skull & Bones.

    • Soweit mir bekannt, wurde G. Schroeder mehrfach angeklagt wegen des Völkerrechtswidrigen Angriffskrieges. Natürlich wurden die Klagen seitens der Staatsanwaltschaft abgewiesen.

Hinterlasse eine Antwort