KenFM im Gespräch mit: Julian Aicher („Die sanfte Gewalt – Erinnerungen an Inge Aicher-Scholl“)

Julian Aicher kommt aus einer aufmüpfigen Familie. Der Familie Scholl.

Seine Mutter, Inge Aicher-Scholl, gründete diverse Bildungseinrichtungen, um die Botschaft der von den Nationalsozialisten getöteten jüngeren Geschwister Hans und Sophie Scholl nachhaltig unter die Menschen zu bringen. Es ging ihr zeitlebens um die Vermittlung eines Weltbildes, das ohne Feind auskommt. Als Autorin des Bestsellers „Die Weiße Rose“ schloss sich Inge Aicher-Scholl schon früh der Friedensbewegung an. Sie demonstrierte gegen die atomare Nachrüstung in der BRD und legte sich auch noch als Rentnerin mit der Staatsgewalt an, wenn es darum ging, der Rüstungsindustrie die Stirn zu zeigen und couragiert für den Frieden einzustehen. Taten statt warten.

Julian Aicher trägt dieses „Revoluzzer-Gen“ ebenfalls in sich. So arbeitet er als Journalist und Publizist mit dem Schwerpunkt erneuerbarer Energien. Aicher glaubt nicht nur an die Energiewende, er treibt sie auch voran. Lokal, vor allem im Allgäu. Besonders Wasserkraft hat es ihm angetan und gehört für ihn wie Sonnenstrom zum Gesamtkonzept, um die Öl- und Gaskriege überflüssig zu machen.

Julian Aicher spricht im Interview mit KenFM über unsere kafkaeske Gegenwart. Wie dicht stehen wir heute vor dem Abgrund? Oder ist das alles Panikmache? Wie umgehen mit dem Trend zu radikaleren Parteien? Wie umgehen mit Flüchtlingswellen, Welthunger, Eliten-Presse, Neoliberalismus? Der Demontage des Sozialstaates!

Wie umgehen mit der eigenen Geschichte?

Julian Aicher ist ein sehr nachdenklicher Mensch. Er stellt sich als Individuum den Fragen unsere Zeit aber vor allem sieht er genau hin. Sehr genau.

Inhaltsübersicht:

00:00:37 – Wer ist Julian Aicher?

00:03:37 – Familiäre Wurzeln und literarische Aufarbeitung

00:11:59 – Lebenserfahrungen als Nachfahre der Familie Scholl

00:18:04 – Die Weiße Rose, Prägungen der 30er und 40er Jahre

00:30:11 – Inge Aicher-Scholl: Lebensdaten

00:37:15 – Opposition, Alternative Medien – damals & heute

00:57:27 – Missbrauch des Namens Scholl & die Partei AFD

01:09:30 – Familienname Scholl: Vermächtnis & Verpflichtung?

01:24:20 – Einschätzungen der Familie Aicher zur Palästinaproblematik

01:29:27 – Antideutsch und deutsche Mentalitäten

01:36:32 – Eine Botschaft an die jüngere Generation

01.42:15 – Medienkonsum von Julian Aicher

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6 Kommentare zu: “KenFM im Gespräch mit: Julian Aicher („Die sanfte Gewalt – Erinnerungen an Inge Aicher-Scholl“)

  1. Ein phänomenales Gespräch mit einem symphatischen Gesprächspartner. In der heutigen Zeit des Verschleierns und Unter-dem-Tisch-halten von deutschen militärischen Aktivitäten im Ausland, ist es besonders wichtig, die Friedensbewegung zu stärken. Die Erinnerung an den Widerstand der Geschwister Scholl ist wertvoll, auch für kommende Generationen.

    Welch eine Schande, dass deutsche Politiker wieder Soldaten an der russischen Grenze aufmarschieren lassen. Diese Politiker müssten durch einen Sturm der Entrüstung aus ihren Ämtern gejagt werden.

  2. Julian Aicher bedient keine Klischees.
    Zwangsläufig waren da starke Reflexionsflächen in seiner
    Entwicklung/Sozialisation
    einmal durch seine Eltern, beide starke und unabhängige
    Persönlichkeiten – Vater Deserteur, Mutter Schwester von
    Sophie und Hans Scholl – beide engagiert für den Frieden
    und gegen Kriege.
    Er hat die Herausforderung angenommen und das Beste
    daraus gemacht – nämlich ganz eigene und zeitgenössische
    Friedensakzente gesetzt.
    Weil der Name Helmut Schmidt fällt. Dieser gebildete
    (beide, er und Loki hatten das Glück zum Besuch der
    Lichtwark Reformschule) und ehrenswerte Mensch sprach
    vom Krieg als dem ‚Schei..krieg‘.
    Zur Widerstandsgruppe, um Cato Bontjes van Beek (1920-1943)
    hatte er persönlichen Kontakt und mahnte jene zur Vorsicht,
    wobei er einmal ihre Zusammenkunft in Fischerhude in Wehr-
    machtsuniform aufsuchte (was damals wahrscheinlich sicherer
    war als in Zivil).

  3. Ich fürchte, die Krieger, also die Religions-, Handels-, Humanitäts-, Werte-, Demokratie- und Kriegen-durch-Kriege-Missionare werden sich keinen Krieg nehmen lassen. Neueste Erfindungen: Datenkrieg, Cyberkrieg, Dronenkrieg, Weltraumkrieg…Es geht immer ums Kriegen. Und davon nie genug. Der Wasserkrieg ist parallel zu den Öl- und Gaskriegen weltweit durch Privatisierung bereits in vollem Gange. Sonnenstrom wäre längst allgegenwärtig, wenn nicht durch die Krieger bekämpft. Es gab mal den Vorschlag, das Mittelmeer abzulassen, um dort Sonnenkollektoren aufzustellen, was auf Jahrhunderte Afrika und Europa mit Strom versorgen sollte. Den Erben der Kolonialherren der Seewege konnte das nicht gefallen. Man stelle sich vor, wie das den „Strom“ von Immigranten und die Zahl der Ertrunkenen verhindert hätte. Zugegeben: Eine ausgesprochen kreative Idee. Vielleicht im Sinne Einsteins, der uns mahnte Kreativität über Daten zu stellen. Nun gibt es dafür einen „Strom“ von Flüchtlingen. Nicht wirklich kreativ. Human schon gar nicht.

    • @Tony
      leider ist der Krieg dem Kapitalismus innewohnend, er KANN NICHT ohne kriegerische Auseinandersetzung, das ist systemimmanent!
      Welches Etikett man auf den Krieg klebt ist dabei sowas von egal. Die eine Gruppe (des Kapitals) ist der anderen spinnefeind und sofort und immer zum Krieg bereit, wenn es um die Neuverteilung von Resourcen geht.
      Einig sind sie sich nur im Kampf gegen die, die ihnen die Werte schaffen und die sie dann auf den Schlachtfeldern verheizen.
      Das ganze Geschwafel von ‚Verantwortung übernehmen‘ hat nur damit zu tun, dass nun der deutsche Imperialismus sich wieder stark genug fühlt, um auf der internationalen Machtbühne mitzumischen.
      Das Märchen von der schlecht ausgerüsteten Bundeswehr ist dafür erfunden und die Kriegstreiber schreien ja schon schamlos und laut nach Aufrüstung, quer durch den deutschen Mainstream.
      Und die Linke ergeht sich in Gefechten zwischen Partei -und Fraktionsspitze.
      Wer hat diese Figuren in die Partei gelassen und ihnen diesen Weg ermöglicht?
      Es könnte zum Verzweifeln sein..
      Was mich besonders an dem Interview freut, ist das die Rolle der KPD benannt wird, danke!
      Man sollte sie mit neuem Leben erfüllen, die einzige Partei gegen Krieg und Hartz IV und für wirkliche (Räte)Demokratie.
      Ihnen alles gute

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