KabarettFM #3 – Pokemon Kill, eine Videokonferenz (Prinz Chaos II.)

Nach jedem Amoklauf findet sich irgendein zumeist konservativer Politiker, der Killerspiele für die Ursache des Phänomens hält und ein Verbot dieser Games fordert. Gleichzeitig macht die Bundeswehr einen Stand auf der größten Computerspielemesse. Sie wirbt dort für den Krieg im richtigen Leben.

Anderswo – oder vielleicht auch hier? – gedeiht diese Zusammenarbeit zwischen Spieleindustrie und Militär schon sehr viel weiter. So finanziert das Pentagon auch mal selbst die Entwicklung eines Kriegsspiels.

Auch im echten Krieg spielen Computergames eine riesengroße Rolle: Vor, während und nach dem Einsatz.

Wie nah also liegen Spiel und Realität beieinander?
Was ist harmlos und was gefährlich?

Diese Fragen kann man sich auch bei Pokemon Go stellen, dem Hype Nr. 1 des Sommers 2016. Denn was als alberner Spielspaß daherkommt, eröffnet Akteuren im Hintergrund ungeahnte Möglichkeiten. So schreibt das Online-Magazin „Playstation Choice“: „Mittels Pokemon Go ist ein Geheimdienst in der Lage, nahezu zu jeder Zeit von überall Bilder zu bekommen, evtl. sogar Videos. Alleine durch das spawnen von seltenen Pokemon oder das Einfügen eines entsprechenden Pokestops ist man in der Lage, eine Langzeitüberwachung zu installieren.“

Aber kommen diese Daten überhaupt zu den Geheimdiensten? Dafür spricht vieles. Google arbeitet seit Jahren intensiv mit NSA und CIA zusammen.

„Alle erhobenen Daten gehen in den Besitz der amerikanischen Firma Niantic (…) Niantec ist ein Google-Ableger, der damit sein AR-Spiel Ingress erweiterte, das bereits auf Google Maps beruhte. Letztes Jahr machte sich Niantic selbständig, Google ist jedoch weiter beteiligt, ebenso Nintendo und die zu Nintendo gehörende Pokémon Company.“

Auf Google aber können sich die Geheimdienste verlassen. Schon 2003 gab der Konzern Daten seiner Suchmaschine an die NSA weiter – kostenlos!

In der dritten Ausgabe von KabarettFM verwandelt sich Prinz Chaos in den Chef eines Startup-Unternehmens, das die sensationelle Idee hat, Pokemon Go innovativ und ganz im Sinne der Militärs weiterzuentwickeln: Pokemon Kill!

In einer Video-Konferenz mit Larry, Karim und Madeleine werden letzte Bedenken aus dem Weg geräumt…

8 Kommentare zu: “KabarettFM #3 – Pokemon Kill, eine Videokonferenz (Prinz Chaos II.)

  1. Erschreckend nahe an der Realität ist es schon, denn in anderen Bereichen wird es ja schon in andern Größenordnungen praktiziert. Ich denke da z. B. an Spekulationen auf Lebensmittel mit der Folge von Millionen von Hungertoten mehr.
    Und nicht vergessen: Die Drohnenpiloten sind so weit von Geschehen entfernt, dass sie sehr einfach verdrängen können, dass sie Menschen ermorden.

    • Noch ein Urteil zur Ausführung: Es ist vielleicht noch nicht Kabarett von Feinsten, aber ich finde, der Prinz Chaos II macht Fortschritte.

  2. Ich finde meine Vorredner haben recht in Bezug auf den Humor, der etwas zu kurz kam.

    Leider ist das wahrscheinlich viel zu nah an der Realität und könnte sogar von Lobbyisten noch als Idee der Umsetzung dienen, sehe ich das richtig? Die Gefahr besteht m. E. schon, wenn es nicht schon längst in solch großem Stil verwirklicht wurde, man hört ja nur das, was man hören soll in solchen Kreisen, Gottseidank gibt es noch Menschen die aufwachen wie Euch, oder ein Willy Wimmer u. v. a. m.

  3. Ist gut gemeint, aber zu plump umgesetzt. Wirkt so wie Marxistenhumor (Musste spontan an diese steinzeitkommunistische MLPD denken) – gestelzt, zwanghaft politisiert und unauthentisch. Dem Künstler, der das verursacht hat, merkt man an, dass ihm mehr an der Aussage hängt, als am Humor und dass ihm das Thema in Wahrheit immernoch total ernst ist. Das beschwert alles nur macht daraus so einen schwerfälligen, langweiligen – ich nenne es mal – „Propagandahumor“…
    Also da müsste sich noch so einiges entwickeln…
    Ich finde zum Beispiel das Ding von Uwe Boll ganz gut: „Postal“ oder „Rampage“ I-III
    Besonders ersteres ist ein gutes Beispiel, wie man politisch inkorrekt Humor macht und dazu trotz allem eine Message rüberbringt. Vielleicht eher so wie „Postal“ kritischen Humor versuchen.
    Ein weiteres super Beispiel ist der Klassiker „Das Leben des Brian“… einfach mal diesen Blues erfahren und dann weiter probieren – die Idee ist natürlich klasse und sowas braucht es auch. Es muss aber reinknallen und darf nicht so müde und durchschaubar sein.

  4. cool, der spiegel so ganz nebenbei mit den koksresten bei 7:04 . Paßt voll zum exaltierten checkerhabitus — gekoppelt mit dem damit verbundenen, das gespräch tragenden zynismus´.

    Schöne idee auf der ganzen strecke; die menschenverachtung — und die machbarkeit des unmöglichen — künstlerisch umzusetzen und mit wenig mitteln ins bild zu setzten. Bravo, applaus.

Hinterlasse eine Antwort