Kampf um ein besseres Schulsystem: am Ende ist immer Resignation

Offener Brief von Stephanie Richter und Einleitung von Dirk C. Fleck.

Stephanie Richter (46) ist eine engagierte und couragierte Kämpferin für ein grundlegend anderes Schulsystem. Die Pädagogin und Mutter einer erwachsenen Tochter wunderte sich bereits während ihres Studiums darüber, dass sämtliche reformpädagogischen Erfolgsgeschichten wenig bis gar keinen Einfluss auf die staatlichen Schulen haben. Zum anderen war sie bestürzt darüber, dass die Kinder auf das Thema, welches ihre Zukunft entscheidend mitbestimmen wird, nur sehr unzureichend vorbereitet werden, nämlich auf die systematische Zerstörung unserer Lebensgrundlagen, die das kapitalistische Gier-System weltweit in Szene gesetzt hat. Folgerichtig beschäftigte sie sich in ihrer Examensarbeit mit ihren negativen Erfahrungen in der Grundschule und deren Auswirkungen auf das Lernen. Die Arbeit zum 2. Staatsexamen hatte das Thema Anbahnen eines ökologischen Bewusstseins über die ästhetische Auseinandersetzung mit der Natur.Ein Praxisbericht mit wunderbaren Ergebnissen, wie sie sagt. Die staatlichen Schulen nahmen sie immer gern.

Für Stephanie Richter waren diese Anstellungen allerdings eine ernüchternde Erfahrung, da sie keine Möglichkeiten vorfand, mit Kindern so arbeiten zu können, wie es ihrer Vorstellung vom Lernen entsprach. Als Konsequenz wechselte sie die Seiten und arbeitete sechs Jahre in einer Freien Alternativschule, bis diese aus finanziellen Gründen geschlossen werden musste. Danach war sie Privatlehrerin der Kinder einer renommierten Artistin und reiste mit dem Zirkus durch Frankreich. Später arbeitete sie in einem Waldkindergarten. Schließlich machte sie sich mit Naturerlebnis-Workshops selbständig. Kurze Exkurse als Vertretungslehrerin in verschiedenen staatlichen Grundschulen dienten ihr hin und wieder zum Geld verdienen. Manch eine Klasse kam dabei in den Genuss, z.B. einen Bachlauf zu erkunden oder einen Schnitz-Workshop im Wald zu machen. Mit Lehrerkollegen fanden viele ehrliche und wunderbare Gespräche statt. Am Ende jedoch siegte immer die Resignation, nach dem Motto Man muss ja, was soll man denn machen?

Zur Zeit arbeitet Stephanie Richter an einer demokratischen Schule in Nordhessen mit einem sehr engagierten Team zusammen. Um das Projekt auf Kurs zu halten, schrieb sie jetzt einen offenen Brief an das Team und an die Eltern der von ihnen betreuten Kinder, den wir hier gerne veröffentlichen.

Dirk C. Fleck

Offener Brief an das Team und die Eltern der Freien Schule

Liebe Team-Kollegen, liebe Eltern,

seit 2003 bin ich auf der Suche nach einer Schule, an der Kinder die Freude am Begreifen behalten, sie ihre Gegenwart und Zukunft mitgestalten können, und an der sie vorbereitet werden auf ihre Zukunft in einer immer komplexer werdenden Welt voller Herausforderungen. Meine Hoffnung, dass wir das an einer der seltenen Demokratischen Schulen so umsetzen könnten, war groß.

Inzwischen bin ich zu folgender Erkenntnis gelangt: Das Konzept kann noch so wunderbar und frei sein, auch hier schaffen die Strukturen des Konstrukts Schuledie Rahmenbedingungen – sei es durch Vorschriften der Landesschulbehörde oder durch den allgegenwärtigen Einfluss der normalenSchulen, die wie selbstverständlich suggerieren, man müsse belehren und kontrollieren, damit Lernprozesse stattfinden. Diese Strukturen, inklusive der Schulpflicht / dem Schulanwesenheitszwang, behindern nach meiner Erfahrung freies, lebensnahes und gegenwartsbezogenes Lernen – nicht zuletzt, weil Eltern immer wieder verunsichert sind.

Die Corona-Schulfrei-Phase hat mir noch einmal besonders deutlich gemacht, wie viel, wie schnell, wie begeistert Kinder lernen, wenn sie aus eigener Motivation in ihrer individuellen Lebenssituation handeln dürfen und müssen, und dafür Wertschätzung – anstelle von Bewertung – erfahren.

Sie kümmern sich z.B. um Gemüsepflanzen, beobachten und versorgen Tiere, klettern auf Bäume und informieren sich über essbare Wildpflanzen und bedrohte Vogelarten. Sie drehen, schneiden und vertonen Filme, machen Musik, bauen Hütten und Regale, diskutieren über Politik und engagieren sich in regionalen und internationalen Naturschutzgruppen. Sogar die Lese- und Schreibkompetenz verbessert sich bei einigen plötzlich in ungewohnter Geschwindigkeit, weil (z.B. Briefe oder Tagebuch) schreiben in diesen Zeiten wieder Sinn ergibt.

Im Vergleich dazu erscheint mir das Meiste, was ich in meiner Zeit als Grundschullehrerin mit Kindern machen musste, als pure Zeitverschwendung. Mit stetigem Fokus auf die Hauptfächer ging es meistens darum, die Motivation im Bereich Lesen, Schreiben und Rechnen zu wecken und diesbezüglichen Defiziten mit großem Aufwand zu begegnen. Dabei ist es doch eigentlich kein Wunder, dass Kinder angesichts des alltäglichen Überangebots von Computern, Handys, Tablets und Sprachassistenten den Nutzen dieser Kulturtechniken immer weniger begreifen. Das kann uns dazu veranlassen, einmal hinzuschauen, ob es heute nicht Lernfelder gibt, die erst einmal wichtiger sind.

Warum ändert sich das Bildungssystem nicht genau so rasant und komplex, wie unsere Lebenswelt es tut? Mit dem bestehenden Bildungssystem binden wir die Kinder auf unsere Vergangenheit und bereiten sie nicht auf deren Zukunft vor, da kann ich dem Schulleiter und Familienvater Oliver Hauschke nur zustimmen.

Und auch Gerald Hüther spricht mir mit folgender Aussage aus der Seele: Die Schule im herkömmlichen Sinne hat als Vorbereitung auf das Leben ausgedient. Und genau deshalb wird es höchste Zeit, dass auch Eltern verstehen, dass die Bildung, die sie sich für ihr Kind wünschen, nicht in den Einrichtungen stattfindet, wo sie ihr Kind jeden Tag hinschicken.

Welche Fähigkeiten brauchen unsere Kinder denn, wenn sie erwachsen sind? Und: Was lernt man heute wirklich noch in der Schule? Früher war die Schule der Ort, an dem man Heranwachsenden Bücher / Informationen / Wissen zur Verfügung stellte – was zuhause nicht möglich war. Heute gibt es einen unerschöpflichen Informations- und Wissens-Pool an jedem Ort zu jeder Zeit. Die Weltbevölkerung wächst, und mit ihr potenziert sich die Entstehung und Verbreitung von immer mehr zeitgemäßen Inhalten (und großen Herausforderungen!).

Das Lernen findet im Menschen statt, nicht in der Schule. Ich möchte mit Kindern und Erwachsenen die Lust am Begreifen erleben und aktiv an der Gestaltung unseres Lebens und unserer Zukunft mitwirken! Wenn ich den Zustand unserer Lebensgrundlagen, unserer Tier- und Pflanzenwelt, unserer Gesellschaft im Blick habe, werde ich von der pflichterfüllenden Lehrkraft zur begeisterten Entdeckerin neuer Wege: Ich möchte vollen Einsatz geben, um Lösungen für die drängenden Herausforderungen unserer Zeit zu finden bzw. bereits vorhandene Lösungen umzusetzen. Wenn ihr mich fragt, müssen wir in diesen Zeiten hauptsächlich eins: uns zusammentun, um unsere Lebensgrundlagen zu bewahren!

r Mathe, Deutsch, Prüfungen, Abschlüsse und „Förder-Bürokratie bin ich nicht mehr verfügbar! Ich mache auch keine Lernstandserhebungenmehr mit Kindern. Mich interessiert der Lernstand der Erwachsenen bezüglich Konsumverhalten, Umgang mit Ressourcen, und nicht zuletzt bezüglich dem Umgang mit Gefühlen und Bedürfnissen, unserem Miteinander! Und mich interessiert der Lernstand derer, die in Politik und Wirtschaft das Sagen haben und offensichtlich immer noch nicht begreifen, dass eine Fortführung des turbo-kapitalistischen Systems das Fortbestehen der Menschheit auf dem Planeten Erde gerade an die Wand fährt!

Ich möchte endlich ehrlich sein zu euch Eltern, und euch mitteilen, wie absurd ich das finde, was man hier Bildungssystemnennt! Und ich möchte ehrlich zu den Kindern sein und ihnen sagen, was in dieser Gesellschaft, in die sie so selbstverständlich hineingewachsen sind, destruktiv ist und sich dringend verändern muss. Ich möchte ihnen nicht länger suggerieren, weiter sowäre ein möglicher Weg. Ich bedaure, dass man sie an Überfluss, Medienkonsum, Zucker, Fleisch und Wettbewerb gewöhnt, aber es versäumt hat, sie Stille, Empathie, Natur, Emotionen, natürliche Grenzen, Herausforderungen und Gemeinschaft erleben zu lassen. Ich möchte das mit ihnen nachholen!

Hier ein Beispiel für die Absurdität, die sich auch an unserer Schule ereignet:

rzlich habe ich mit dem 12-jährigen Adrian gearbeitet. Lernstandserhebung im Fach Deutsch und Vorbereitung auf den Schulwechsel. Schauen, ob er Nomen, Verben und Adjektive benennen kann, wie der Stand seiner Rechtschreibkompetenz ist, ob er die wörtliche Rede beherrscht und Fragen zu einem Text schriftlich beantworten kann, usw. usf. Immer wieder schweift der Junge ab, fängt an, von aktuell brisanten Inhalten zu sprechen, die ihn beschäftigen. Er weiß enorm viel! Sein themenübergreifendes Verständnis von den komplexen Vorgängen auf diesem Planeten hat er nicht aus der Schule. Seine Fragen und Ideen sind voller Lebendigkeit und Bedeutung in der heutigen Zeit. Energisch unterbreche ich ihn immer wieder, um ihn zum Bearbeiten der Aufgabenzu drängen. Es muss ja sein…

Muss es das wirklich??

Das, was ich Adrian eigentlich sagen möchte, ist Folgendes:

Mit welcher Arroganz wollen die für dieses System Verantwortlichen dir eigentlich vorschreiben, was du zu lernenhast? Und wer übernimmt überhaupt wirklich konsequent Verantwortung für deine Zukunft? Du hast doch schon längst viel mehr Durchblick als die meisten Erwachsenen da draußen. Sie können vielleicht Rechtschreibung und Kopfrechnen, aber was wollen sie dir denn von deiner Zukunft erzählen, wenn sie selbst nicht in der Lage sind, ihre Lebensgrundlagen zerstörende Verhaltensweisen zu ändern? Ich sehe meine Aufgabe darin, dich dabei zu unterstützen, deine (berechtigte!) Wut in Handlungsenergie zu verwandeln; mit dir und Anderen nach Alternativen und Lösungen für die drängenden Probleme unserer Gegenwart zu suchen. Lass uns jetzt anfangen. Der Schulzwang hindert uns doch nur daran!

Sind wir doch mal ehrlich, wer hat die Schule denn vermisst?

Den Kindern fehlt das Spielen mit ihren Freunden.

Es gibt ein paar Eltern, die sich die Wiederöffnung der Schule wünschen, weil sie arbeiten müssen und keine Betreuung für ihre Kinder haben.

Und Ihr Lehrer? Wünscht Ihr Euch eine Rückkehr in den Schulalltag, wie er vor Covid-19 war?

Natürlich gibt es Kinder, die aus dem sogenannten sozialen Brennpunkt stammen und nur noch Ballerspiele am PC spielen würden, wenn sie nicht zwischendurch in die Schule müssten. Oder welche, denen zuhause wohlwollende und interessante soziale Kontakte fehlen. Aber für diese Kinder müssen wir erst recht eine andere Lösung finden als eine Zwangsveranstaltung mit völlig antiquierten Inhalten und Methoden!

Stellt euch z.B. vor, es gäbe (anstelle von Schule) in jedem Bezirk einen Begegnungs- und Lernort, an dem man Musik-, Kunst-, Sport-, Natur-, Theater-, Film-, Buch-, Bau-, Garten-, …-Projekte machen, zusammen kochen, Freunde und interessante Menschen aus seinem nahen Umfeld treffen kann. Einen Ort, an dem man Vorbilder trifft. Menschen, die ihre Begeisterung und ihr Wissen weitergeben und für eigene Lernprozesse offen sind. Menschen, mit denen man Freude und Anstrengung, Sorgen und Erfolge teilen kann. Mit denen man gemeinsam etwas erreicht, was für die eigene Zukunft wirklich relevant ist. Und das freiwillig und kostenfrei, zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar.

Wir haben zwei Möglichkeiten:

Im Rahmen der bestehenden Schulzwangslage ein Konstrukt des so frei wie wir dürfenmöglichst sinnvoll zu füllen,

oder uns mit anderen zusammenzuschließen, für das Lernen unserer Kinder (und unser Leben generell) selbst Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam mutig nach neuen Wegen zu suchen.

Ich entscheide mich für den mutigen Weg, und ein erster Schritt ist, diesen Brief zu veröffentlichen.

+++

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

+++

Bildquelle: Pressmaster / shutterstock

+++

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

+++

KenFM jetzt auch als kostenlose App für Android- und iOS-Geräte verfügbar! Über unsere Homepage kommt Ihr zu den Stores von Apple und Google. Hier der Link: https://kenfm.de/kenfm-app/

+++

Abonniere jetzt den KenFM-Newsletter: https://kenfm.de/newsletter/

+++

Jetzt KenFM unterstützen: https://www.patreon.com/KenFMde

+++

Dir gefällt unser Programm? Informationen zu weiteren Unterstützungsmöglichkeiten hier: https://kenfm.de/support/kenfm-unterstuetzen/

+++

Jetzt kannst Du uns auch mit Bitcoins unterstützen.

BitCoin Adresse: 18FpEnH1Dh83GXXGpRNqSoW5TL1z1PZgZK

17 Kommentare zu: “Kampf um ein besseres Schulsystem: am Ende ist immer Resignation

  1. Stephanie sagt:

    Liebe Stephanie Richter,
    Ihr Brief spricht mir aus dem Herzen. Als Lehrerin für DaF habe ich u.a. jahrelang Deutschförderunterricht an einer öffentlichen Schule gegeben. Zum Glück musste ich nie Noten geben. Obwohl ich in kleinen Gruppen arbeiten konnte und viel Freiheit beim Gestalten meines Unterrichts hatte, blieb mir doch oft nichts anderes übrig, als die Schüler dabei zu unterstützen, irgendwie in diesem Schulsystem zurechtzukommen. Letztes Jahr habe ich entschieden, dass das nicht mehr mein Weg sein kann und habe die Schule verlassen. Seither arbeite ich selbständig als Lehrerin, d.h., soweit die aktuellen Maßnahmen das zulassen.

    Meine eigene inzwischen erwachsene Tochter hat wenigsten in den ersten drei Jahren eine freie Montessori-Schule besucht. Das kam meiner Vorstellung von kindgerechtem natürlichem Lernen schon sehr nah. Sie ist jeden Tag gerne in die Schule gegangen.

    Homeschooling könnte unter Umständen ein Teil der Lösung sein, aber sicher nicht für alle Beteiligten und nicht ausschließlich. Kinder brauchen andere Kinder, damit Lernen wirklich Spaß macht und sie sich gegenseitig inspirieren können.

    Ich habe mir immer genau so etwas vorgestellt, wie Sie den „Begegnungs- und Lernort“ beschrieben haben: ein Ort, wo Projekte zu ganz verschiedenen Themen aus unterschiedlichen Bereichen des Lebens stattfinden können, wo Kinder und Jugendliche auch die Freiheit bekommen, selbst zu entscheiden, was und wie sie lernen wollen. Es müssten auch nicht immer Lehrer sein, die Schüler unterrichten. Menschen, die von dem, was sie im Leben tun, begeistert sind und ihre Erfahrungen und ihr Wissen an Jüngerer weitergeben wollen, können ebenso wertvolle Lehrmeister sein. Und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man das Interesse an Lesen und Schreiben auch spielerisch fördern kann. Es gibt so viele unterschiedliche Möglichkeiten, das Lernen spannend zu gestalten und die Kinder wirklich auf das Leben vorzubereiten, auf eine gemeinsam gestaltete, friedliche, gesunde, lebensbejahende und ökologisch nachhaltige Zukunft. Und natürlich geht es auch darum, das alles im JETZT zu leben. Gemeinsam.

    Ich bin für den mutigen Weg. Ich gehe mit. (Gibt es vielleicht auch eine Gruppe auf Telegram?)

    Vielen Dank für den schönen Brief!

    • Stephanie Richter sagt:

      Liebe Stephanie,
      herzlichen Dank für diesen Kommentar, der mich sehr berührt.
      Ich freue mich – ein weiterer mutiger Mensch, der unseren Weg mitgeht!

      Tatsächlich sind wir gerade dabei, einen solchen, genau wie von Ihnen beschriebenen Lernort, hier in unserem Dorf in Nordhessen aufzubauen.

      Gleichzeitig gibt es einige Vernetzungsportale, die gerade neu entstanden sind und sich mit immer mehr engagierten Menschen füllen.

      Facebook hier: https://www.facebook.com/Schule-im-Wandel-100701675022940/

      Instagram hier: https://www.instagram.com/schuleimwandel/

      und auch eine Telegram-Gruppe "Austauschgruppe Freie Bildung Deutschland"

      Ich freue mich auf gegenseitige Unterstützung 🙂

      Herzliche Grüße
      Stephanie Richter

    • Stephanie sagt:

      Liebe Stephanie Richter,
      vielen Dank für deine Antwort! 🙂 Leider kann ich die Austauschgruppe auf Telegram nicht finden, und bin weder bei facebook noch bei instagram. Wäre aber sehr an einem Austausch interessiert und würde mir Euren Lernort gerne ansehen, wenn möglich. Ich wohne auch in Hessen. Gibt es eine andere Möglichkeit Euch zu finden?
      Herzliche Grüße

    • Stephanie Richter sagt:

      Gerne auch über Mail: willkommen@mona-online.com 🙂

  2. Marko sagt:

    Tja ich bin Lehrer und freue mich auf die Öffnung der Schulen. Das Mathematikunterricht notwendig, wichtig und richtig ist, sieht man doch einfach daran, dass die große Mehrheit der Deutschen in der Coronakrise daran scheitert ein Diagramm zum R-Wert richtig zu lesen und den Unterschied zwischen Änderungsrate und dem Integral zu begreifen. Gleiches gilt für ein Verständnis exponentieller Zusammenhänge. Da braucht es einfach Matheunterricht und ich verwende in meinem halt aktuelle Statistiken und Beispiele.
    In meinem anderen Fach tauchten auch vorher schon Ganser, Mausfeld und grundlegende Inhalte im Bereich der Propagandatheorie auf. Weiterhin sehe ich zumindest viele meiner Kollegen sehr interessiert an Themen der Ökologie und der gerechten Ökonomie nur ist es sehr schwierig diese Inhalte den Lernenden zu vermitteln, wenn man gegen ein Umfeld (Medien, Politik etc.) kämpft, dass dies verhindern will.
    Weiterhin sieht man doch, dass es einen eklanten Mangel an Bildung gibt. Die Kinder lesen zu wenig und wenn dann eben nicht mehr Schätze unserer litararischen und humanistischen Tradition sondern Dinge, die sie eben nicht Teil eines Projektes Menschheitsfamilie werden lassen. Man frage mal im Bekanntenkreis inwieweit die S. Goethe, Shakespeare, Kant, Storm etc. kennen.

  3. freigeist369@8 sagt:

    Vielen lieben Dank für diese Ehrlichen und muttigen Worte,
    sie sollten ein Vorbild für alle Lehrer in Deutschland sein.
    Ich habe diese Scheiße selber mit erleben müssen, wie Lehrer genau wie Schüler so gefrustet
    waren und aus diesem Grund versuchten nur irgendwie durch zu kommen, den nächsten Tag zu überstehen.
    Damals war ich noch ein Kind und konnte die zusammenhänge nicht verstehen, habe aber deutlich gespürt das hir etwas nicht stimmt. Heute erlebe ich das selbe mit meinen Kindern, und sehe das dahinter ein Plan steckt der 25 Jahre später immer noch der selbe sein muss. Es ist traurig das das System so gebastelt wurde das selbst Lehrer kein Mitspracherecht haben
    das die Schüler nichts gegen diese Misshandlung tun können ( auf den ersten und zweiten Blick).
    Ich sage es reicht jetzt, wenn mit Anträgen, Vorträgen, Studien, Statistiken, Diskusionen, Beschwerden, Demonstrationen und Briefen nichts erreicht wurde nach 25 Jahren dan hat für mich dieser Müll ein System, und dieses System hat für mich ein Gesicht unsere Parteien alle samt wie sie in die Kamara lügen und mitmachen.
    Selbst die guten Seelen innerhalb der Parteien die versucht haben etwas zu ändern und jetzt stattdessen mit Schwimmen statt sich gerade und aufrecht zu erheben und mit allen Eltern und Lehrern gegen dieses Gesicht zu kämpfen.
    Es reicht jedes Jahr werden mehr und mehr Kinder und Eltern aber auch Lehrer in dieses unglück getrieben und wir wollen das zulassen ?
    Es reicht Ich habe zwar kein Fachwissen zu diesem Thema ausser meine Meinung und Erfahrung aber ich fordere alle Menschen Deutschlands dazu auf jetzt etwas zu tun und erst aufzuhören wenn es eine Reform des Schul-Systems erzwungen hat. Die Misshandlung und zerstörung unserer Kinder und Mitmenschen muss uns doch so am Herzen liegen das wir nicht nur etwas tun sonder Kämpfen bis das Ziel für unsere Kinder erreicht haben. 25 Jahre später erkennt selbst der größte Vollideot das die Politik nichts ändern will den anscheinend sind änderungen von einem Tag auf den anderen möglich siehe Corona Maßnahmen. Wir brauchen ein Team von Lehrern und Pädagogen die eine Vorderung an die Politiker Verfassen für die Kinder sowie Eltern und Lehrer kämpfen können um eine neue Basis zu schaffen von der aus die eigentliche Bildung unserer Kinder sich entfalten kann ohne grenzen ohne regeln die sie in einem Schema fest halten.
    Ich bitte euch korregiert mich wo Ihr könnt, aber Stellt endlich dieses Team zusammen und formuliert eine Basis Vorderung an die Politik und Veröffentlicht diese damit es eine Stoßrichtung für diese Bewegung gibt.
    Ich entschuldige mich für meine Rechtschreibung und bedanke mich aus tiefstem Herzen bei allen Menschen die bis Heute gegen eine Politik kämpfen die sie alleine nicht bezwingen können doch den Mut Davids in sich Tragen.
    Ihr seid nicht Alleine der rest hat einfach noch geschlafen.
    Wacht auf meine Lieben es ist Zeit etwas zu tun

    • Stephanie Richter sagt:

      Danke!

      Deshalb vernetzen wir uns jetzt zu einer großen Bewegung, die letztendlich die Verantwortlichen zum Handeln bewegen soll. Schüler, Lehrer, Eltern schließen sich zusammen und holen auch die mit ins Boot, die sich die ganze Zeit noch nicht getraut haben.

      Facebook: https://www.facebook.com/Schule-im-Wandel-100701675022940/
      Instagram: https://www.instagram.com/schuleimwandel/

  4. phlox sagt:

    Liese sich so ein Lernen anfangs in Intervallen einführen? Also als Versuch, etwa nach 1 Grundschuljahr
    ein paar Monate lang, dann weiter nach einem aufs Wesentliche reduzierten Curriculum ein weiteres Schul-
    Modul, dann wieder freies Lernen usf.
    Die Persönlichkeiten, die so heranwachsen, könnte man dann wählen lassen, was sie weiter belegen wollen,
    etwa wie an UNIs.

    • Stephanie Richter sagt:

      Das System braucht anscheinend so kleine Schritte. Kinder könnten sofort so lernen. An vielen Freien Schulen wird das seit Jahrzehnten mit Erfolg praktiziert.

  5. Albrecht Schollenbruch sagt:

    Es ist ein freudiges Erlebnis, diesen Beitrag zu lesen und in ihm die eigenen Gedanken zu diesem so wichtigen Thema wieder zu erkennen. Da ich in einer Zeit zur Schule ging, als der "Bildungsturbo" noch nicht montiert war, habe ich die gegenwärtige menschenverachtende effizienzorientierte Schulpolitik nur als Beobachter mitverfolgt. Es widert mich an, sehen zu müssen, dass meine Kinder und Enkel von einem "Bildungssystem" wesentlich mitgeprägt werden, das existenziell wichtige Themen komplett vernachlässigt und statt dessen eine "leistungsorientierte" geistige und moralische Gleichschaltung fördert. Ich wünsche allen Lehrern den Mut und die Empathie von Frau Richter.
    Großartig!!!

  6. Matthias sagt:

    Bis vor kurzen war Homeschooling in Deutschland verboten. Man mußte damit rechnen daß die Polizei die Kinder abholte und man vielleicht sogar das Sorgerecht abgesprochen bekam.
    Mit Covid 19 hat sich alles umgedreht. Eltern durften oder sollten sogar Homeschooling mit Ihren Kindern machen. Wer hätte das gedacht? Auf einmal vertraute der Staat den Eltern und ermahnte sie Verantwortung für die eigenen Kindern zu übernehmen.
    Ich finde das eine großartige Sache und hoffe daß Eltern dadurch viel gelernt haben. Ich denke nähmlich sie sind die besten Lehrer. Ich habe so eine Erfahrung selbst durchgemacht und bin daran stark gewachsen. Was für eine Freude gemeinsam mit meinen Kindern zu lernen und die Welt zu entdecken.
    Ich denke wir brauchen in Deutschland ganz nötig eine aktive Homeschooling Bewegung. Homeschooling sollte endlich erlaubt werden und sogar vom Staat gewisse Förderungen erhalten.
    Wir brauchen starke Kinder und dafür brauchen wir starke Eltern die bereit sind Verantwortung für die Erziehung ihrer Kinder zu übernehmen.
    Unser Wirtsschaftssystem hält so viel vom freien Wettbewerb. Wie wäre es mit einem freien Erziehungswettbewerb? Eltern und Homeschooling versus staatliches Schulsystem. Wer hätte nach 12 oder 13 Jahren die besseren Resultate?
    Wie wäre es Eltern die Homeschooling machen ein Gehalt anzubieten, da ja der Staat auch für jeden Schulplatz viel Steuergelder investiert?
    Das Schulamt könnte Lernziele bestimmen und Prüfungen alle zwei oder drei Jahre durchführen. Eltern die Homeschooling machen wollen, können sich vernetzen und Erfahrungen austauschen und Sportaktivitäten organisieren.

    Es gibt schon sehr viele gute Bespiele in anderen Ländern, leider ist in diesen Bereich Deutschland ein Schlußlicht. Unsere Politiker wollen gerne selber alles bestimmen and denken das dumme Volk braucht Führung.
    Im Grunde haben sie vielleicht Recht sonst hätte sich das Volk beschwert und aufgelehnt. Vielleicht hilft Covid 19 um uns mehr Selbstvertrauen zu schaffen? Vielleicht ist das Volk doch nicht ganz so dumm und kann aus dem Dornröschenschlaf aufwachen?
    Vielleicht gibt es doch genug Eltern die sich jetzt entscheiden selbst Verantwortung für die Erziehung ihrer Kinder zu übernehmen?
    Warum sollten wir Eltern auch dem Staat vertrauen unsere Kinder zu erziehen? Sind unsere Politiker solche Experten in Kindererziehung? Wieso können sich unsere Politiker anmaßen besser zu wissen was für meine Kinder gut und wichtig ist?

    Unser staatliches Schulsystem zu reformieren ist wohl eine schwere vielleicht auch aussichtslose Aufgabe.
    Was wir brauchen sind auf alle Fälle Alternativen.
    Und um solche Alternativen auszuprobieren muß den Eltern das Recht zurückgegeben werden selbst ihre Kinder zu erziehen.

  7. ZUDKEMZW sagt:

    Schöner Brief. Danke.

    Die Frage nach der Umsetzung stellt sich sogleich: Wer bietet den Raum für solche Lerngruppen an? Gibt es schon Vernetzungsmöglichkeiten? Macht man einen Stand in seiner eigenen Straße auf und spricht mit den Anwohnern auf Flohmärkten und Straßenfesten?

    Wer lehrt? Gibt es genügend Praktiker, die ihre Zeit zur Verfügung stellen würden? Reduzieren Menschen ihre 40 Stundenwochen, wo sie es könnten?

    Ich würde mich gleich als Lehrerin zur Verfügung stellen und die Dinge an Kinder weiter geben, die ich selbst weiß. Zeit hätte ich, weil ich meine Arbeitszeit vor vielen Jahren schon reduziert habe.

    Dazu müsste die Schulpflicht allerdings fallen, oder nicht? Sehe ich das richtig?
    Wer traut sich an dieses heiße Eisen? Petitionen, Parteien, Wahlen? Wird eine neue Partei dieses einbringen und die Schulpflicht-Abschaffung in ihr Programm aufnehmen? Wie schafft man das?

    Wer hat Vorschläge und wo werden die gesammelt und formuliert?

    Mehr Fragen als Antworten.

    • Stephanie Richter sagt:

      Diese Fragen stellen sich sehr viele Menschen, und es werden immer mehr. Auch wenn ich selbst eigentlich lieber im Wald bin – das Internet stellt effektive Möglichkeiten zur Vernetzung bereit.
      Ich empfehle auf Instagram https://www.instagram.com/schuleimwandel/
      Bei Facebook gerne Freundschaftsanfrage stellen https://www.facebook.com/stephanie.richter.927
      Ich leite dann weiter.
      Wir bauen einen solchen Lernort gerade bei uns im Dorf auf und tauschen uns mit anderen Initiativen aus.

  8. Meinenstein sagt:

    Vielen dank Herr fFeck für die Veröffentlichung und vielen Dank vorallen Dingen an die Autorin des offenen Briefes!
    Whow! ein bärenstarker Text!

    Und sie hat soooooo Recht, in dem was Sie tut! Es ist gut von solchen Menschen zu erfahren und ihrem Mut, die Dinge klar beim Namen zu nennen und sich so ausdauernd zu engagieren!

    Zwei Sätze sind bei mir hängen geblieben, die ich sehr beeindruckend finde:

    "Für Mathe, Deutsch, Prüfungen, Abschlüsse und „Förder“-Bürokratie bin ich nicht mehr verfügbar! Ich mache auch keine „Lernstandserhebungen“ mehr mit Kindern. Mich interessiert der Lernstand der Erwachsenen bezüglich Konsumverhalten, Umgang mit Ressourcen, und nicht zuletzt bezüglich dem Umgang mit Gefühlen und Bedürfnissen, unserem Miteinander! Und mich interessiert der Lernstand derer, die in Politik und Wirtschaft das Sagen haben und offensichtlich immer noch nicht begreifen, dass eine Fortführung des turbo-kapitalistischen Systems das Fortbestehen der Menschheit auf dem Planeten Erde gerade an die Wand fährt!" * Grandios auf den Punkt gebracht!*

    "Mit welcher Arroganz wollen die für dieses System Verantwortlichen dir eigentlich vorschreiben, was du zu „lernen“ hast? Und wer übernimmt überhaupt wirklich konsequent Verantwortung für deine Zukunft? " * Wohl wahr!! *

    Ich habe meinen Ingenieurtudenten auch immer gesagt, geht auf die Baustelle, geht in die Werkstätten. Nehmt Euch einfach mal ein Stück Stahl, ein Stück Holz, Beton, Ziegelstein, etc. und bearbeitet diese Stück von Hand, Nur so lernt ihr das Material kennen, wie es riecht, wie schwer es ist, wie aufwändig es ist dieses zu bearbeiten, welche Verbindungen können jeweils hergestellt werden, etc., etc. . Das Begreifen ist es, das Anfassen, Fühlen und Riechen, sich daran abarbeiten und damit herumexperimentieren. Das das knüpft grundlegende neuronale Vernetzungen (nenn ich jetz mal so), die Mensch sein Leben nicht vergisst, beflügelt die Fantasie und lässt die Gedanken in die geeigneten Bahnen laufen, da kommen die richtigen Fragen auf, usw. . .
    Das fehlt nicht nur den Kindern, dieses Defizit lässt sich getrost bei jungen Erwachsenen und Studenten feststellen.
    Frau Richter darf ihre Kurse gerne auch an den Universitäten anbieten. Hier sind diese genauso notwendig.

    Ein toller Brief!

    🙂

  9. KaraHasan sagt:

    Die Schulen von heute, so habe ich den Verdacht, arbeiten mit denselben Erziehungsmethoden, wie eine Irrenanstalt oder eine Justizvollzugsanstalt. So einen großen Untershied gibt es da zwischen den Beiden ja nicht nicht wirklich.

    • Nevyn sagt:

      Natürlich zieht sich eine gewisse Grundhaltung zum Menschen durch die ganze Gesellschaft. Insofern bereiten die Schulen eben doch auf das Leben vor, weil die Art der Beeinflussung des Geistes auch danach genauso weiter geht, durch Medien und staatliche Verwaltungen. Es ist eben genau nicht das Ziel, dass sich Menschen möglichst frei entwickeln, sie sollten im Gegenteil angepasst und für die Machtausübung und -erhaltung gefügig sein. Menschen mit freiem Geist waren seit jeher eine Gefahr für die Herrschenden und die bestimmen die Form der Prägung. Gepredigt wird es natürlich anders herum. Double Bind.

      Gibt es Auswege? Sicher, aber die sind mühsam und riskant und beginnen alle bei einem selbst.

Hinterlasse eine Antwort