Kapitalismus und die Wertegemeinschaft der „Herrenmenschen“ – Ein Interview

Prof. Dr. Rainer Mausfeld im Gespräch zum Themenkomplex Rassismus, Kolonialismus und Kapitalismus –

 

Vorurteil – Diskriminierung – Entmenschlichung. Würde diese Kausalkette einen universell gültigen Rassismus als Basis der kapitalistischen Gesellschaft beschreiben? Wenn ja – welche menschliche Eigenschaft führt zu dieser Negierung einer universellen Menschenwürde?

Rassismus in dem weiteren Sinne, wie er heute in der Rassismus-Forschung verstanden wird, ist keineswegs eine universelle menschliche Erscheinung. Er stellt also keine natürliche Reaktion auf „Überfremdung“ dar, sondern entwickelte sich erst in dem Maße, in dem man es als notwendig erachtete, soziale Ungleichheit zu rechtfertigen. Seine Entstehung hängt, wie besonders Immanuel Wallerstein aufgezeigt hat, eng mit der Entstehung kapitalistischer Organisationsweisen zusammen. Rassismus unterscheidet sich also grundlegend von Phänomenen der Fremdenangst oder Fremdenfeindlichkeit, die vermutlich universell sind.

Historische Analysen zeigen, dass Rassismus keine Reaktion auf Andersartigkeit und Fremdheit ist, sondern gerade diese „Andersartigkeit“ erst behauptet und somit erzeugt. So bringt auch der antiislamische Rassismus die Art der wesensmäßigen „Andersartigkeit“ von Muslimen erst hervor, die die „westliche Wertegemeinschaft“ für ihre eigene politische Identitätsstiftung und für die Legitimation ihrer Herrschaftsbedürfnisse benötigt.

Rassistische Diskriminierung als eine systematische Form der Entmenschlichung lässt sich also keineswegs einfach als Ausdruck einer allgemein-menschlichen Neigung verstehen oder auf individuelle Vorurteile reduzieren. Rassismus hat sich erst unter spezifischen historischen und ökonomischen Bedingungen entfaltet.

Natürlich muss auch der Rassismus – wie alle Produktionen unseres Geistes – eine geeignete Grundlage in bestimmten Eigenschaften und Neigungen unseres Geistes haben. Unser Geist zeichnet sich dadurch aus, dass wir von Natur aus über eine einzigartige Flexibilität verfügen, auf der Basis nahezu x-beliebiger Merkmale, sei es Hautfarbe, Religion, Herkunft, Geschlecht, sexuelle Orientierung, etc., andere aus der sozialen Kategorie „Meinesgleichen“ auszugrenzen. In welcher Art und in welcher Weise eine solche Ausgrenzungsbereitschaft aktiviert wird, hängt jedoch wesentlich von kulturellen Faktoren ab.

Dennoch stellt unsere Bereitschaft, auf der Basis nahezu x-beliebiger Merkmale anderen das zu verwehren, was wir an Eigenschaften und Rechten für uns und die als „Unseresgleichen“ Empfundenen beanspruchen, im gesellschaftlichen Bereich eine Art „Schwachstelle“ unseres Geistes dar, die sich leicht für Zwecke der politischen Manipulation nutzen lässt. Der „Rassismus von oben“, mit dem jeweilige Machteliten diese Neigungen unseres Geistes strategisch für ihre Belange ausnutzen, ist also anders zu behandeln als Erscheinungsformen eines „Rassismus von unten“.

Die psychischen Widerstände gegen die Idee einer universellen Menschenwürde und damit einer Gleichwertigkeit aller Menschen haben ihre Wurzeln in dieser natürlichen Neigung des Menschen, den als fremd empfundenen Anderen nicht in vollem Umfang das zu gewähren, was er an Menschenwürde ganz selbstverständlich für sich selbst beansprucht. Daher bedurfte es eines langen Prozesses und schmerzlicher kollektiver Erfahrungen, bis eine solche Idee als moralische Leitnorm kodifiziert werden konnte.

Gemeinschaft stiften durch Ab- und Ausgrenzung. Gründen sich Nationalstaaten/Nationen also zwangsläufig auf Exklusivität? Welches Modell kann dem entgegengesetzt werden, um Barbarei zu verhindern?

Solange wir eine kapitalistische Wirtschaftsordnung haben, wird sich Barbarei nicht verhindern lassen – weder innenpolitische Barbarei in Form einer psychischen und materiellen Verelendung großer Teile der Bevölkerung, noch außenpolitische Barbarei in Form von Neoimperialismus, Neokolonialismus und Krieg. Der Kapitalismus benötigt Kriege zu seinem Überleben; für die Völker des Südens hat – wie Jean Ziegler bemerkte – der dritte Weltkrieg längst begonnen.

Was Erscheinungsformen von Rassismus betrifft, so lässt sich eine Beziehung zur Idee des Nationalstaats nicht leugnen, auch wenn die historischen Beziehungen zwischen der Entwicklung europäischer Nationalstaaten, imperialem Kolonialismus und Rassismus außerordentlich komplex sind. Denn Nationalstaaten fußen ja auf der Idee – oder besser auf der Fiktion – einer weitgehend unveränderbaren ethnischen, kulturellen und sprachlichen Homogenität. Insofern gründen sich Nationalstaaten ihrem Wesen nach selbstverständlich auf Exklusivität. Diese Exklusivität als solche beinhaltet jedoch nicht zwangsläufig eine rassistische Exklusion.

Wir müssen uns jedoch immer wieder klarmachen, dass die Vorstellung einer Übereinstimmung von Volk – als einer ethnischen und kulturellen Gemeinschaft –, Territorium und Staat weder natürlich noch zwangsläufig ist, sondern durch bestimmte historische Konstellationen entstanden ist. Im Gefolge der Aufklärung sah man zunächst in Nationalstaaten eine natürliche Basis, eine Demokratisierung voranzutreiben. Dem lag die Auffassung zugrunde, dass nur Nationalstaaten wegen ihrer ethnischen Homogenität eine natürliche Grundlage für eine Demokratie bilden könnten.

Mittlerweile hat sich jedoch die Vorstellung, dass eine Demokratisierung eines weitgehend homogenen ethnischen Volkskörpers bedarf, als unhaltbar herausgestellt. Zudem haben schon im 19. Jahrhundert die Versuche, Nationalstaat und die zum Erhalt des Kapitalismus notwendige Globalisierung miteinander in Einklang zu bringen, zu Formen des Imperialismus geführt, die die Idee des Nationalstaates unterminierten. Ebenso wird in jüngerer Zeit der Nationalstaat entkernt durch die willentlich und systematisch herbeigeführte Entbettung transnationaler Konzerne aus dem Bereich nationalstaatlicher Regulierungssysteme. All dies hat dazu beigetragen, dass sich der Nationalstaat nicht mehr als brauchbares Vorbild oder Modell für die Entwicklung einer ernsthaft demokratischen Gesellschaft ansehen lässt.

Die Frage, welches Modell einer gesellschaftlichen Organisationsform der menschlichen Natur angemessen ist und zugleich geeignet ist, Barbarei zu verhindern, bezieht sich auf das wohl größte und drängendste Problem unserer Zivilisationsgeschichte. Auch wenn wir immer noch weit davon entfernt sich, klare Vorstellungen über mögliche Lösungen zu haben, lässt sich zumindest vor dem Hintergrund geschichtlicher Erfahrungen eine wichtige Eingrenzung vornehmen: Je autoritärer eine gesellschaftliche Organisationsform ist, umso eher neigt sie dazu, zu menschenunwürdigen Zuständen und Barbarei zu führen.

Das gilt auch für Organisationsformen innerhalb demokratischer Gesellschaften, etwa von Großkonzernen, die in höchstem Maße totalitär organisiert sind. Umgekehrt – und dies war nach langen blutigen Erfahrungen gerade die Einsicht der Aufklärung – verspricht eine Gesellschaftsorganisation, die auf der Anerkennung einer prinzipiellen Gleichwertigkeit aller Menschen beruht, also auf einem universellen Humanismus, am ehesten die Schaffung einer menschenwürdigen Gesellschaft zu ermöglichen. Diese Einsicht, die wir bisher trotz aller Lippenbekenntnisse kaum im erforderlichen Maße ernst genommen, geschweige denn politisch umgesetzt haben, stellt uns auch weiterhin die Leitideale bereit, durch die wir am ehesten hoffen können, uns gegen Rückfälle in Barbarei zu schützen.

Die Leitidee eines universellen Humanismus mag auf den ersten Blick als schlicht erscheinen, doch hat sie gewaltige Konsequenzen. Sie beinhaltet, dass ein jeder einen angemessenen Anteil an allen Entscheidungen hat, die das eigene gesellschaftliche Leben betreffen, und verlangt somit nach einer radikal demokratischen Gesellschaftsorganisation. Zudem beinhaltet sie, dass alle Machtstrukturen ihre Existenzberechtigung nachzuweisen und sich der Öffentlichkeit gegenüber zu rechtfertigen haben, sonst sind sie illegitim und somit zu beseitigen. Sie beinhaltet ferner, dass wir moralische Kriterien, nach denen wir Handlungen anderer bewerten, auch zur Bewertung unserer Handlungen heranzuziehen haben und missbilligt somit moralische Doppelstandards. Vor allem aber schließt die Leitidee eines universellen Humanismus alle Ideen einer Vorrangstellung der eigenen biologischen, sozialen, kulturellen, religiösen oder nationalen Gruppe aus, und somit also Rassismus, Nationalismus und alle Formen eines Exzeptionalismus.

Frantz Fanon hat in seinem Buch Die Verdammten dieser Erde unter anderem formuliert: „In den kapitalistischen Ländern schiebt sich zwischen die Ausgebeuteten und die Macht eine Schar von Predigern und Morallehrern, die für Desorientierung sorgen.“ Was bedeutet diese Feststellung für unsere mediatisierte Welt und die Macht-/Besitzverhältnisse darin?

Das Unsichtbarmachen von Macht- und Besitzverhältnissen ist natürlich in einer „marktgerechten Demokratie“‘ wichtiger denn je. Ein ganz zentrales Hilfsmittel dazu ist die affektive und kognitive Desorientierung all derjenigen, die nicht zur besitzenden Klasse – oder, wie es im 18. Jahrhundert hieß, zur „verzehrenden“ Klasse – gehören. Um die tatsächlichen Machtverhältnisse zu verdecken, bedienen sich die Machteliten einer großen Schar bereitwilliger Intellektueller, die mit hohem gedanklichen Aufwand Interpretationsrahmen und Manipulationstechniken bereitstellen, durch die sich die Interessen der herrschenden Klasse als gesellschaftliche Allgemeininteressen darstellen lassen oder durch die sich politische Lethargie erzeugen lässt.

Die entsprechenden Mechanismen einer politischen Desorientierung sind strukturell tief in alle Sozialisationsinstanzen unserer Gesellschaft eingewoben, insbesondere in Schulen und Universitäten. Folglich sind gerade diejenigen, die diese Sozialisationsinstanzen am längsten durchlaufen haben, in einer so tiefen Weise indoktriniert, dass sie die Indoktrination zumeist gar nicht mehr als solche wahrnehmen, sondern sie als kaum noch hinterfragbare Selbstverständlichkeiten ansehen. Im Bereich des Journalismus hat dieser Effekt gegenwärtig Ausmaße erreicht, die für eine Demokratie und die mit ihr verbundenen Ziele, wie soziale Gerechtigkeit oder eine Friedenssicherung, verhängnisvoll sind.

These: Sind neue Rechte von AfD über Pegida bis zu den „Identitären“ letztlich offen sichtbarer Beleg einer auf exakter Scheidbarkeit der Kulturen beruhenden Annahme von Welt, die automatisch eine Rangfolge dieser Kulturen festlegt?

Der kulturalistische Rassismus, der diesen Bewegungen konstitutiv zugrunde liegt und der sich nur notdürftig mit dem Konzept des „Ethnopluralismus“ tarnt, geht von der Vorstellung eines als weitgehend homogen zu verstehenden „Volkskörper“‘ aus. Statt Rasse-Identitäten sind es nun „kulturelle Identitäten“ oder „nationale Identitäten“ – Konzepte, die ebenso Fiktionen sind wie der biologische Begriff von Menschenrassen. Der Kulturrassismus behauptet die Unaufhebbarkeit der kulturellen Differenzen und die Schädlichkeit einer jeden Grenzverwischung zwischen unterschiedlichen Kulturen und geht stets mit der Vorstellung einer unveränderlichen kulturellen Rangordnung einher.

Und nun? Wo liegt das Modell der Zukunft; oder gibt es gar keines?

Die abendländischen Kulturen, die heute in dem kulminieren, was sich selbst als „westliche Wertegemeinschaft“ zelebriert, haben den Weg der Gewalt kultiviert. Sie haben von den Kreuzzügen über den Kolonialismus und seiner „mission civilisatrice“ bis zum gegenwärtigen „humanitären Imperialismus“ die wohl größte Blutspur in der Geschichte des Menschen hinterlassen. Zugleich haben sie die ausgefeiltesten Formen von Doppelmoral und Heuchelei entwickelt, der zufolge selbst unsere größten Gräueltaten lediglich Ausdruck unserer gutwilligen und uneigennützigen Bemühungen um das Allgemeinwohl und den zivilisatorischen Fortschritt der Menschheit seien. Nur wenn wir uns unserer geschichtlichen Verantwortlichkeiten für diesen Weg der Gewalt bewusst werden, können sich Chancen eröffnen, die es überhaupt aussichtsreich machen könnten, von Zukunft der Menschheit zu sprechen.

Wollen wir also den bisherigen Weg der Gewalt, der zunehmend unsere eigenen Lebensgrundlagen zerstört, nicht fortsetzen, so eröffnen die Leitideale, die in der Zeit der Aufklärung besonders prägnant formuliert wurden und die nun von uns weiterzuführen und umzusetzen sind, vielversprechende Perspektiven, angemessene Organisationsformen zu entwickeln, die die Bezeichnung „demokratisch“ verdienen. Das wird kein einheitliches und statisches Modell sein können, sondern es werden kontinuierliche und hochgradig situationsabhängige Prozesse von gelebten Formen einer Demokratisierung sein, die – auch ohne Anbindung an traditionelle Homogenitätskonzeptionen von Volk und Nation – von unten getragen wird. Derartige Entwicklungen in Richtung von Demokratisierungsformen, wie sie in den politischen Wissenschaften unter Bezeichnungen wie „partizipatorische Demokratie“ oder „deliberative Demokratie“ diskutiert werden, lassen sich überall auf der Welt beobachten. Sie sind geeignet, der zunehmenden Entleerung der Idee von Demokratie entgegenzuwirken und diesem Leitideal eine neue Strahlkraft zu verleihen. Dadurch bieten sie Hoffnung auf die Entwicklung einer menschenwürdigeren Gesellschaft.

Das Interview führte Marko Junghänel.

Prof. Dr. Rainer Mausfeld ist Professor für Allgemeine Psychologie an der Christian-Albrechts-Universität in  Kiel. In der Vergangenheit beschäftigte er sich unter anderem mit Psychologie im Dienste des „Kampfes gegen den Terrorismus“. Viel Beachtung fand auch sein medienkritischer Vortrag „Warum schweigen die Lämmer? – Techniken des Meinungs- und Empörungsmanagements“.

 

Dieses Interview erschien am 12.Oktober im Magazin Hintergrund

Dank an die Autoren und Jens Wernicke  für das Recht zur Veröffentlichung des Textes.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

40 Kommentare zu: “Kapitalismus und die Wertegemeinschaft der „Herrenmenschen“ – Ein Interview

  1. @pooler1970
    „Aber es bringt nichts beide Formen miteinader zu vergleichen, weil beides nicht zum gewünschten Ziel führt.“

    Es bringt sehr wohl etwas, Sowjetsystem und Marktradikalismus zu vergleichen, immerhin behauptet ja Friedman, das das Sowjetsystem schlechter sei. Und das stimmt eben an vielen Stellen nicht.
    Der Gulag der USA sind Baumwollplantagen und Gefängnisse, da ist die „Rechtssicherheit“ für Schwarze und Sowjetdissidenten schon mal sehr ähnlich. Es geht auch nicht um privilegierte in der UdSSR / Ostblock sondern hier vordringlich um eindeutig Nichtprivilegierte hie und da (z.B. Schwarze oder ältere „low skill“ Arbeitnehmer usw.).

    • Ich habe diese Perspektive durch Frau v.Werlhof im Internet auch erst ganz spät erst richtig entdeckt, so um 2009 muß das gewesen sein. Dazu empfehle ich auch immer wieder die sehr erhellende Schrift: “ Die Diskriminierung der Matriarchatsforschung- eine moderne Hexenjagd“, zu der sich eine internationale Autorengemeinschaft zusammengetan hatte aus:
      Claudia v. Werlhof, Carola Meier-Seethaler, Christa Mulack, Heide-Göttner- Abendroth,
      Charlene Spretnak, Joan Marler, Kurt Derungs.

      Ich zitiere daraus immer wieder gern, vor allem aus dem Aufsatz von Joan Marler „Der Mythos vom ewigen Patriarchat“. Z.B.:
      „Immer mehr Menschen erkennen, dass westliche Mythen und Symbole Herrschaftssysteme, Ausbeutung und Fatalismus unterstützt haben.“
      Oder: „Diese Doktrin von der universellen Geschlechterasymmetrie(interpretiert als Ungleichheit) hat in der Tat einen absoluten Status sowohl in theoretischer als auch in politischer Hinsicht im westlichen Denken erreicht.“
      Oder: „Das Starren auf Asymmetrie und Herrschaft führt dazu, dies als allgemeingültiges Glaubenssystem und Lebenspraxis von vorn herein anzunehmen und daher Analysen von Geschlechterrollen und Ideologien an Orten mit egalitären Beziehungen zu verzerren“(gemeint ist hier die Kritik an der Matriarchatsforschung und ihre Denunzierung in unserer Gesellschaft).
      Oder: „Wenn das Heilige in der Natur wohnt, dann haben wir nicht mehr die Berechtigung, die natürlichen Systeme, die das Leben erhalten, auszubeuten, zu verschmutzen und zu zerstören. Wenn das Heilige verkörpert ist, dann tragen unsere Körper eine heilige Autorität in sich. Wenn die Erde selbst der Platz des Heiligen ist, dann müssen wir lernen, in Harmonie mit der Erde zu leben.“
      Oder: „Forschungen zum Ursprung des Patriarchats, die Suche nach Evidenz für ausgewogene, egalitäre Kulturen, die Kultivierung einer auf die Erde bezogenen Spititualität und das Verlangen, neue humanere Gesellschaften zu schaffen, all das ist Kern dessen, was „Eller“ verächtlich den „Mythos vom Matriarchat“ nennt. Diese Bewegung, die Natur und Körper umfasst und die von vielen als dynamischer Prozess spiritueller und kultureller Erneuerung erfahren wird, wurde von gewissen Feministinnen(und auch Anti-Feministinnen) als peinlich und rückschrittlich angesehen. Das spiegelt die zwei grundsätzlich verschiedenen Wege innerhalb der feministischen Bewegung“.

      Wir erfahren also hier deutlich, dass die weltweite feministische Bewegung sich teilweise extremst uneinig ist, sich intern bekämpft und diametral auseinanderstrebt. Es greift also hier, wie auch überall sonst, dieses niederträchtige „Teile- und- herrsche- Prinzip“, welches wohl die stärkste Verteidigungswaffe der „Herrschaft“ , des bestehenden Patriarchats ist. Es ist zwecklos, gewaltsam dagegen anzukämpfen. Es muss eine Bewusstseinserweiterung stattfinden, mit der diese Waffe hinweggespült wird, indem die grundgreifende Ungerechtigkeit und Niederträchtigkeit von Herrschaft und Hierarchie bloßgelegt, erkannt, geächtet und letztendlich verlacht wird. Dieser Bewusstseinszustand wird auch in der Zeit vor der Herrschaft des Patriarchats gesehen von jenen, die diese erforschen.
      Eine andere Möglichkeit der Heilung gibt es meiner Ansicht nach nicht.

    • Durch dieses Interview ist mir einiges klarer geworden.
      Auch ihre Sichtweise betr. Matriarchat.
      Sie haben ja schon des öfteren darüber geschrieben.
      Eine Verlinkung dieser Sendung hätte für mich eher Klarheit gebracht.
      Werd ich mir jedenfalls noch ein zweites Mal anschauen.
      Lohnt sich den das Buch „Caliban und die Hexe“ zu lesen?
      Oder hat Claudia v. Werlhof das wesentliche gesagt?

    • Ich habe dieses Buch von Silvia Federici nicht gelesen und werde es vermutlich auch nie lesen. Man kann sich die Dame im Netz anschauen, durchaus interessant. Ob es sich für andere lohnt, kann ich natürlich sowieso nicht beurteilen. Mir hat die von mir oben genannte Schrift sehr viel Einblick gegeben. Ist ein schmales Büchlein, aber hat es in sich. Es lohnt sich sicher auch, das Werk von Göttner-Abendroth über ihre Matriarchatsforschung zu lesen. Das hatte ich eigentlich auch immer noch vor. Aber ich glaube durch Claudia und meine eigene Lebenserfahrung habe ich das Grundprinzip schon verstanden und darum geht es ja primär.

  2. „Die Frage, welches Modell einer gesellschaftlichen Organisationsform der menschlichen Natur angemessen ist und zugleich geeignet ist, Barbarei zu verhindern, bezieht sich auf das wohl größte und drängendste Problem unserer Zivilisationsgeschichte.“

    Wohl wahr. Umso erstaunlicher (für mich) das diese einfach/leicht zu beantwortende Frage nicht beantwortet wird.

    Die Umsetzung die sich aus der Antwort ergibt, ist ebenso einfach und leicht vollziehbar.

    Die Sprachverwirrung – „eingeführt“ mit dem Turmbau zu Babel – scheint auch unter gleichsprachigen Völkern perfekt. Die künstliche Verkomplizierung bis hin zur Atomisierung von Worten/Begriffen – immer zum Vorteil einiger Menschen – ist schon lange und nachhaltig state of the art.

    Kurzum, die Menschheit sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht, hat die einfachste und zielführendste aller Denken – also die logische – verlernt, respektive von klein auf aberzogen bekommen.

  3. Und ein weiterer klarer Widerspruch.

    Prof. Mausfeld:
    ‚Solange wir eine kapitalistische Wirtschaftsordnung haben, wird sich Barbarei nicht verhindern lassen – weder innenpolitische Barbarei in Form einer psychischen und materiellen Verelendung großer Teile der Bevölkerung, noch außenpolitische Barbarei in Form von Neoimperialismus, Neokolonialismus und Krieg. …
    Der Kapitalismus benötigt Kriege zu seinem Überleben‘

    Das ist logisch falsch. Denn Krieg wird, wenn überhaupt, nur von verbrecherischer Monopolpolitik benötigt, die zwar von Kapitalisten betrieben wird, der aber wesentliche Elemente der freien Marktwirtschaft – eben die Abwesenheit von Monopolen und der wirklich freie Marktzugang – fehlen. Wenn man die freie Marktwirtschaft unter ‚Kapitalismus‘ subsummiert, kann man nicht, wie Mausfeld es tut, diese Auswüchse einfach dem ganzen kapitalistischen Spektrum zuschreiben. Echte Marktwirtschaft verhindert Kriege und verhindert nationalistischen Rassismus.

    Dazu das Beispiel Libyen: Dort haben sich Monopolisten das Land quasi ‚aufgeteilt‘, mit geschlossenen Grenzen und einer deutlichen Verschlechterung sogar gegenüber der Gaddafi-Regierung. Eine solche Politik ist in der Tat kriegerisch (das Pendant in Somalia sogar barbarisch), aber nicht marktwirtschaftlich. Marktwirtschaftlicher Kapitalismus bekämpft solche Politik.

    • Marktwirtschaftlicher Kapitalismus ist ein Mytos.
      Wer seinen Gewinn immer steigern muss, kommt letztendlich an Monopolen nicht vorbei. Sonst wird er gefressen.

    • Zu „freier Marktwirtschaft.“ Einfach mal nach Milton Friedman, Chicagoer Schule, Pinochet/Chile (da gab es auch ein 9/11) suchen.
      Damals wie jetzt, exakt die gleiche Propaganda oder neudeutsch Public Relations.

    • richtig @mikeholstein .

      sollte ein „freier Marktzugang“ mal irgendwo existieren, wird er garantiert sehr schnell hintertrieben und abgeschafft mit irgendsoeiner Friedman-Schwachsinns-Begründung.

      zB sollte jeder Bank werden dürfen und selber Geld schöpfen. Da ist nur leider eine Marktzugangshürde…

    • @ Occupy Wall Street
      In Europa ist dank der EU genau der marktwirtschaftliche Kapitalismus weitgehend realisiert.

    • @ Box
      In der Tat ist die ’11‘ eine Symbolzahl sektiererischer selbsternannter ‚Freimaurer‘ (bzw. der durchgeknallten Sektensparte der ‚Freimaurer‘).
      Zu Pinochet und Allende habe ich eine ganz eigene Verschwörungstheorie (leider wirklich nur eine Theorie, da ich keine Beweise habe – ich gebe das aber eben auch offen zu). Ich glaube, dass Allende und Pinochet beide Mitglieder der Freimaurersekte waren *) und Allende NICHT am 11. September 1973 umgebracht wurde. Die Marktwirtschaftler haben aber das Thema Pinochet meines Wissens korrekt behandelt. Genau weiß ich das bei Milton Friedman. Er nahm die Pinochet dauernd als Beispiel, dass Marktwirtschft alleine NICHT ausreicht, um eine freiheitliche Politik zu haben! Marktwirtschaft ist notwendig, aber alleine nicht ausreichend für bürgerliche Freiheiten.

      *) (wie übrigens auch Gaddafi laut gerichtlicher Aussage, der in Libyen allerdings treilweise sogar echte Freimaurer-Politik machte und das Land ab 2010 selbst öffnen wollte für Tourismus und Handel, weswegen er unter anderem wohl auch abgesetzt wurde)

    • “ Er nahm die Pinochet dauernd als Beispiel, dass Marktwirtschft alleine NICHT ausreicht, um eine freiheitliche Politik zu haben! Marktwirtschaft ist notwendig, aber alleine nicht ausreichend für bürgerliche Freiheiten. “

      Ich meine: Er nahm die Pinochet-Regierung als Beispiel (nicht ‚die (Frau??) Pinochet‘ natürlich!).

    • Mal angenommen deine Idealvorstellung vom Kapitalismus würde existieren, also keine Monopole und freier Marktzugang für alle.
      Dann machen alle ständig Gewinne bei ihrem tun?
      Am besten noch etwa gleich große Gewinne, denn ein kleinerer Gewinn als der Konkurent bedeutet ebenfalls Verlust.
      Niemand macht Verluste?
      Wie soll das gehen?

    • Natürlich macht nicht jeder Gewinne in einer Marktwirtschaft.
      Es soll sogar Leute geben, die gar keine Gewinne machen wollen.

      In einem echten Markt hat aber jeder (und jede) die Chance, Gewinne zu machen und/oder in einem fairen Job zu arbeiten – und zwar unabhängig von der ‚ethnischen‘ Herkunft. Die Abwesenheit von Rassismus ist ein definierendes Element echter Marktwirtschaft.

    • „In Europa ist dank der EU genau der marktwirtschaftliche Kapitalismus weitgehend realisiert.“ 🙂
      Marktwirtschaft gibt es nur in ganz kleinen Einheiten.
      z.B. Wenn in einem Ort 4 Gaststätten sind.
      Dann kann ich als Gast mir frei aussuchen, wo ich esse.
      Preis und Qualität sind unterschiedlich – und wenn es mir in der einen Gaststätte nicht schmeckt, dann gehe ich dahin, wo ich zufrieden bin.
      Ansonsten habe ich immer mehr mit Monopolen zu tun, die international aufgestellt sind.

    • Um auch mal mit dem Mythos aufzuräumen:

      Das Märchen vom Wirtschaftswunder – Marshall-Plan | D-Mark | Marktwirtschaft | Ludwig Erhard | 2008
      bei YouTube.

    • @informator2 scheint nicht durchzublicken…
      https://kenfm.de/kapitalismus-und-die-wertegemeinschaft-der-herrenmenschen-ein-interview/#comment-101170

      „Natürlich macht nicht jeder Gewinne in einer Marktwirtschaft.
      In einem echten Markt hat aber jeder (und jede) die Chance, Gewinne zu machen“

      Hörmann beweist, dass wg. geschlossenem Kontenkreis, JEDER Gewinn des einen Kapitalisten der VERLUST eines anderen (Zwangs-) Kapitalisten ist. Also machen im Schnitt mehr als 50% der Leute VERLUST anstatt Gewinn.
      Es ist auch klar, daß dies überhaupt kein Fortschritt ist, denn schon die Höhlenmenschen konnten Gewinn machen, wenn sie Elfenbein produzierten oder sonstwas.

      Also ein Nullargument von @informator2 , dem Desinformator.

  4. Ich widerspreche diesem Artikel ganz wesentlich.

    Und zwar in mehreren Punkten:
    1) Behaupteter Zusammenhang Rassismus-Kapitalismus:
    Man kann den real existierenden Kapitalisten, und zwar auch den wirklichen Monopollobbyisten, die dem freien Markt ebenso feindlich gegenüberstehen wie Kommunisten, es aber natürlich nicht zugeben, vieles vorwerfen, aber eines GANZSICHER NICHT, und das ist Rassismus. Die wohl krasseste Neocon-Regierung bisher, die US-Regierung von George Bush junior, hat z.B. eine schwarze Frau (Condoleezza Rice) zu einer der mächtigsten Figuren der Welt gemacht. Man kann Rumsfeld als überaus dubiose Figur bezeichnen und Bushs Politik als kriegstreibend, verantwortungslos und elitenhörig, aber sicher nicht als rassistisch. Im Gegenteil: Die amerikanische kapitalistische Rechte hebt sich diesbezüglich von den europäischen mehr oder weniger sozialistischen Rechtspopulisten sehr positiv ab.

    2) Demokratie / Beteiligung an Entscheidungen:
    Es ist keineswegs wünschenswert, dass Leute, die keine Ahnung von einem komplexen zu behandelnden Thema haben, genauso an Entscheidungen beteiligt werden wie echte Experten. Daher ist radikale Demokratie, insbesondere Basisdemokratie denkbar fragwürdig und sogar bedenklich – und insbesondere repressiv, wenn sie zur Mehrheitsdiktatur wird. Echte Beteiligung erfordert Engagement und nicht nur Ausübung eines Stimmrechts bei Ja-Nein-Fragen!

    3) Nationalstaat
    Der Kapitalismus deckelt die Macht der Nationalstaaten auf ein sinnvolles und erträgliches Maß. Und gerade deshalb sind Nationalstaaten im Kapitalismus nicht mehr die Unterdrückungsinstrumente, die sie ohne marktwirtschaftlich/kapitalistisches Korrektiv werden können und auch oft werden. Und genau deshalb ist es ganz anders als Herr Mausfeld behauptet, wenn es um den Sinn der Nationalstaaten geht. Nationalstaaten sind sinnvoll, wenn die Grenzen zwischen ihnen offen sind – so wie zwischen EU-Staaten. Eine einzige globale Regierung ist viel zu gefährlich, es würde drohen, dass diese eine Diktatur würde, ggf. sogar von Sektierern, die sich als ‚humanistisch‘ hinstellen.
    Das Problem sind nicht die Nationalstaaten, das Problem sind die Grenzzäune und deren Ursachen, die fast immer im (Staats-)Versagen einzelner Regierungen liegen. Geschlossene Grenzen sind ein sicheres Zeichen gescheiterter oder ungerechter Politik (etwa wenn reiche Staaten sich von ärmeren gewaltsam abschotten).

    • „Es ist keineswegs wünschenswert, dass Leute, die keine Ahnung von einem komplexen zu behandelnden Thema haben, genauso an Entscheidungen beteiligt werden wie echte Experten.“
      Wer entscheidet denn? Wer Experte ist?
      Sogenannte Experten (z.B. Politiker), die in unserem System Dinge beschließen, stimmen oft über Sachen ab, die sie selbst nicht betreffen oder die, von denen Sie sich eigene Vorteile erhoffen.
      Da werden Gesetzte von den Kanzleien (Experten) eigener Lobby-Verbände (z.B. der Banken) geschrieben.
      Engagement und Sachverstand sind da schon vorhanden.

    • Zunächst: das Wort Mehrheitsdiktatur ist ein Widerspruch in sich und vollkommener Unsinn.
      .
      Warum Kapitalismus zu Rassismus führt, lässt sich ganz einfach erklären.
      Kapitalismus ist ein System, welches das Tun der Menschen unter das Primat des Profits stellt.
      Der Profit oder Gewinn des einen ist aber der Verlust des anderen.
      Gewinne oder Verluste können absolut oder eben auch prozentual realisiert werden.
      Bei absoluten Gewinnen und Verlusten ist das für jeden Menschen offensichtlich.
      Aber häufig sind Gewinne und Verluste in prozentualen Relationen „versteckt“ und somit nicht für jederman offensichtlich.
      Warum gehen kapitalistische Volkswirtschaften auch nicht schon innerhalb weniger Jahrzehnte ( etwa 20 oder 30 Jahre) pleite, d.h. warum ist die Masse nicht schon bald so stark verschuldet, dass sie ihren Lebensunterhalt nicht mehr finanzieren kann?
      Der Trick am ständigen Gewinn machen und den Verlierer trotzdem am arbeiten zu halten, ist das Wachstum ständig zu erhöhen und so die Illusion von einem wachsenden Wohlstand für alle aufrecht zu erhalten, während der prozentuale Anteil der Masse am Verteilungskriterium dieses wachsenden Wohlstandes (Geld) kontinuierlich schrumpft.
      Gäbe es diese Wachstum nicht, dann würde die Ungleichverteilung (durch Gewinn und Verlust) viel früher zu einem Bankrott der Arbeitnehmer führen.
      So läßt sich diese ungerechte Ungleichverteilung an der Wertschöpfung dem einfachen Mann und der einfachen Frau lange Zeit super verschleiern.
      Das ist vergleichbar mit einem Tsunamie, der den steigenden Wertverlust des Arbeitseinkommens lange unter der Oberfläche hält und dann erst am Ende sichtbar mit aller Macht über den Arbeitnehmer herreinbricht.
      Erst wenn dieser prozentuale Anteil auf ein kritisches Level abgesunken ist, und das absolute Arbeitseikommen der Masse nicht mehr reicht, um sich mit dem tägliche Bedarf einzudecken (und das trotz der gleichzeitigen Preisspirale nach unten auf der billig und immer billiger Schiene mit den bekannten negativen Begleiteffekten), erst dann erkennt die Masse ihren Verlust und fühlt sich (zu recht?) von den Gewinnern des Systems betrogen.
      Das ist kein sehr schönes Gefühl und weckt auch keine Sympathien mit den Herrschenden und den Gewinnern.
      An diesem kritischen Punkt oder vielmehr kurz davor ist es höchste Eisenbahn für die Machtelite zu handeln, d.h. von den innenpolitischen Problemen (mögliche Volksaufstände gegen die eigene Herrschaft etc.) abzulenken z.B. in dem man außenpolitische Aktionen startet und/oder gleichzeitig Sündenböcke für die katastrophale wirtschaftliche Lage im Land sucht. In solchen Situationen wurden dann gerne oft Minderheiten (Stichwort Rassismus) zu eben jenen gemacht.
      .
      Es ist schon merkwürdig, daß noch immer der Großteil der Schulabgänger die so wichtige und gar nicht mal so komplizierte Prozentualrechnung nicht versteht.
      Ein Schelm wer Böses dabei denkt.

    • @ schwarz ist weiß
      „Wer entscheidet denn? Wer Experte ist? Sogenannte Experten (z.B. Politiker)?“

      Die parlamentarische Demokratie hat, solange sie offen für Interessenverbände ist und freie Meinungsäußerung zulässt, einen quasi eingebauten Filtermechanismus, der zwar sicher nicht jeden Experten in ein Amt kommen lässt (zumal viele Experten das gar nicht wollen), aber dadurch, dass Engagement vorausgesetzt wird, automatisch eine Vorauswahl trifft, ohne jede Diktatur. Und dieses Engagement steht jedem offen, jeder kann auch Politiker werden. Das Argument der Plebiszit-Propagandisten, dass Plebiszite erst Teilhabe ermöglichen würden, stimmt nicht.

    • @Habakuk

      ‚Warum Kapitalismus zu Rassismus führt, lässt sich ganz einfach erklären.‘

      Glaube ich kaum, weil ich es gar nicht für wahr halte!

      „Der Profit oder Gewinn des einen ist aber der Verlust des anderen.“
      Der Profit eines Kapitalgebers ist schlicht und einfach die gerechte Entsprechung dafür, dass Kapitalgeber ihr Geld investieren anstatt es auszugeben oder zu horten und dabei Risiken eingehen teilweise bis zum Totalverlustrisiko. Im Handel gibt es natürlich durchaus die von Ihnen genannte Dualität, aber gerade fairer Handel – also echte Marktwirtschaft – ist ja die Möglichkeit, dass diese Dinge individuell und somit möglichts passend geregelt werden.

      Zitat:
      „An diesem kritischen Punkt oder vielmehr kurz davor ist es höchste Eisenbahn für die Machtelite zu handeln, d.h. von den innenpolitischen Problemen (mögliche Volksaufstände gegen die eigene Herrschaft etc.) abzulenken z.B. in dem man außenpolitische Aktionen startet und/oder gleichzeitig Sündenböcke für die katastrophale wirtschaftliche Lage im Land sucht. In solchen Situationen wurden dann gerne oft Minderheiten (Stichwort Rassismus) zu eben jenen gemacht.“

      Dieses Schema hat nichts speziell mit Kapitalismus oder Marktwirtschaft zu tun, ganz im Gegenteil:
      Echte Marktwirtschaft ist prinzipiell gegen Diskriminierung. In echten Märkten haben alle unabhängig von der Herkunft Zugang. Alleine die Existenz eines echten Marktes macht es Regierungen sehr schwer, dieses Schema überhaupt anzuwenden. Gibt es keine Marktwirtschaft, ist der Sündenbocksuche hingegen Tür und Tor geöffnet.

    • @ Habakuk

      ‚Warum Kapitalismus zu Rassismus führt, lässt sich ganz einfach erklären.‘

      Glaube ich kaum, weil ich es gar nicht für wahr halte!

      „Der Profit oder Gewinn des einen ist aber der Verlust des anderen.“
      Der Profit eines Kapitalgebers ist schlicht und einfach die gerechte Entsprechung dafür, dass Kapitalgeber ihr Geld investieren anstatt es auszugeben oder zu horten und dabei Risiken eingehen teilweise bis zum Totalverlustrisiko. Im Handel gibt es natürlich durchaus die von Ihnen genannte Dualität, aber gerade fairer Handel – also echte Marktwirtschaft – ist ja die Möglichkeit, dass diese Dinge individuell und somit möglichts passend geregelt werden.

      Zitat:
      „An diesem kritischen Punkt oder vielmehr kurz davor ist es höchste Eisenbahn für die Machtelite zu handeln, d.h. von den innenpolitischen Problemen (mögliche Volksaufstände gegen die eigene Herrschaft etc.) abzulenken z.B. in dem man außenpolitische Aktionen startet und/oder gleichzeitig Sündenböcke für die katastrophale wirtschaftliche Lage im Land sucht. In solchen Situationen wurden dann gerne oft Minderheiten (Stichwort Rassismus) zu eben jenen gemacht.“

      Dieses Schema hat nichts speziell mit Kapitalismus oder Marktwirtschaft zu tun, ganz im Gegenteil:
      Echte Marktwirtschaft ist prinzipiell gegen Diskriminierung. In echten Märkten haben alle unabhängig von der Herkunft Zugang. Alleine die Existenz eines echten Marktes macht es Regierungen sehr schwer, dieses Schema überhaupt anzuwenden. Gibt es keine Marktwirtschaft, ist der Sündenbocksuche hingegen Tür und Tor geöffnet.

    • Schau Dir mal den Film „Drogen: Amerikas längster Krieg“ an. –>läuft gerade auf Arte, gibts auch YouTube.
      Dann siehst Du wie Kapitalismus und Rassismus Hand in Hand gehen.

    • Zu 1) Ich möchte mal so sagen: Rassismus, das ist der polit-moralische, Volks- und andere sittliche Charaktere unterscheidende Blick auf die staatlich durchorganisierte und durchsortierte Menschheit. Eine beliebte Spielart ist die Interpretation der gesellschaftlichen Charaktere als natürlich bedingte Unterarten der Gattung Mensch (siehe z.B. die sogenannten „leistungsschwachen“ Mitbürger, oder der Tatsache, dass nur noch die „wirklich begabten“ – also die Gewinner der Konkurrenz des Leistungslernens – in den Genuß eines Masterstudiums kommen).
      Und ob eine „Condoleezza Rice“ wirklich als Beleg für Abwesenheit von Rassismus gelten kann, mag ich hier schon mal in Frage stellen.
      Zum Thema Rassismus im Kapitalismus kann man durchaus einen „Gegenstandpunkt“ haben vgl. vgl. http://www.gegenstandpunkt.com/gs/1995/1/gs19951008h2.html, hieraus hab ich auch zitiert.

      Zu 2) Es geht ja eigentlich nicht darum bei jeder Sachentscheidung mitreden zu wollen, aber es geht sehr wohl darum über die Zwecke mit zu bestimmen und das ist in den hiesigen Demokratien sowieso nicht vorgesehen. Die Zwecke werden von der Herrschaft bestimmt und stehen im wesentlichen fest: der Nation und damit der Wirtschaft muss es gut gehen, also die Bedingungen fürs Profite machen müssen stimmen.

      Zu 3) Hier ist ja wohl alles auf den Kopf gestellt: Der Nationalstaat setzt durch seine Gesetze die Bedingungen für ein erfolgreiches kapitalistisches Wirschaften. Er regelt die in einer Konkurrenzgesellschaft zu erwartenden Konflikte. Er setzt die Bedingungen wie ausländisches Kapital sich in seinem Hoheitsgebiet die Ressourcen verfügbar machen kann und darf. Die Nationalstaaten sind die Garanten für erfolgreiches kapitalisches Wirschaften und das Volk ist die ökonomische Verfügungsmasse dafür: Das kann leicht sehen an Renten und Sozialausgaben hier ist immer die Befürchtung der Gefahr für den Kapitalstandort der Maßstab an dem deren für „Allgemeinheit“ zumutbaren Kosten gemessen werden und nicht das Bedürfnis der Leistungsempfänger.
      Ums nochmal kompakter zu sagen: Bürgerliche Staaten setzen Macht und Mittel dazu ein, ihre Gesellschaft der Geltung des Eigentums und seiner Vermehrung zu unterwerfen. Sie verwalten die damit ins Leben
      gerufenen Gegensätze produktiv und setzen sich nach außen für die Förderung der
      Geschäftsmöglichkeiten ihrer Unternehmer ein, um ein Wirtschaftswachstum in Gang zu
      bringen, an dem sie partizipieren (aus http://renatedillmann.de/app/download/5804414053/Nation.pdf).

  5. Das Wichtigste, das man Kinder beibringen sollte ist, dass kein Mensch etwas für sich selbst in Anspruch nehmen darf und es gleichzeitig anderen vorenthalten:
    .
    Ich kann nicht körperliche Unversehrtheit für mich verlangen und sie anderen verweigern.
    Ich kann nicht Respekt für mich verlangen und ihn anderen verweigern.
    Ich kann nicht Freiheit für mich verlangen und sie anderen verweigern.
    Ich kann nicht Wahrheit für mich verlangen und sie anderen verweigern.
    .
    Doch wie soll man Kindern dieses Verhalten beibringen, wenn die Erwachsenen das nicht vorleben können oder wollen?
    .
    Der Kapitalismus, der unser Wirtschafts-, Gesellschafts- und Wertesystem prägt, fühlt sich nämlich ganz sicher und ganz offensichtlich nicht der Einsicht in diese Verhaltensweise verpflichtet.

  6. Die Lage, in der sich die Menschheit insgesamt befindet, ist nach meiner Wahrnehmung derart überspitzt und umfassend in niederträchtiger Schieflage, dass mir dieses Interview jetzt nur noch wie ein leises Dahinplätschern abgegriffener Denkschablonen vorkommt. Zuerst und letztendlich geht es doch um den „Weg der Gewalt“, der hier dann auch im letzten Abschnitt endlich benannt wird. Diese alles beherrschende und alles Leben ausnahmslos bedrohende von Menschen ausgehende kranke Gewalt sollte doch zuerst und endlich auch einmal gewissenhaft unter die Lupe genommen werden, ehe überhaupt über die notwendigen neuen Formen des Zusammenlebens diskutiert wird. Wenn die Frage nach der Gewalt an sich nicht diskutiert wird, fühlen sich Menschen wie ich, die auch Spezies-übergreifend Lebensgerechtigkeit fordern, von vorn herein gewissermaßen übergangen. Es scheint, als ob für die Mehrzahl „Gewalt“ ganz selbstverständlich nur erst einmal bedeutet: Gewalt innerhalb der eigenen Spezies. Aber diese Art von Gerechtigkeit, genannt „Demokratie“, genügt mir ganz entschieden nicht mehr. Gespräche im Rahmen politischer Begriffe werden der Problematik, in der sich unsere Lebenswelt befindet, nicht mehr gerecht. Wir brauchen, um die Gesamtlage bis auf den Grund zu erfassen, d.h. alles mit einzubeziehen, eine existenziell- philosophische Diskussion.

    • Ja, ich sehe es auch so, dass sich das menschliche Kollektiv in einer gewaltigen Schieflage befindet. Und gerade deshalb empfinde ich die Ausführungen von Prof. Mausfeld keineswegs als „leises Dahinplätschern abgegriffener Denkschablonen.“ Die Analyse der gegenwärtigen Situation dient der Wahrheitsfindung und erhebt nicht den Anspruch einer allumfassenden Lösung. Sie bietet jedoch Lösungsansätze und Ideen, wie es besser funktionieren könnte. Dieser Rahmen ist m.E. nach keine „abgegriffene Denkschablone“, sondern ein Gerüst, das in seiner Tragfähigkeit geprüft werden darf.
      Zum Thema der Gewalt möchte ich noch sagen, dass es immer einer gewissen Gewalt bedarf, um das eigene Überleben zu sichern. Wenn wir das Gemüse in unserem Garten ernten, ist es letztlich auch ein Akt der Gewalt. Und wer weiß schon, wie leidensfähig eine Pflanze ist? Allein dadurch, dass wir uns in der Welt bewegen, tuen wir tagtäglich anderen Lebewesen Gewalt an. Wer ist noch nicht auf eine Ameise getreten oder hat versehentlich eine Schnecke überfahren?
      Ich bin sehr für eine vegetarische-vegane Ernährung, weil sie mir persönlich mehr entspricht. Für einen Inuit wäre dies aber wahrscheinlich der sichere Tod.
      Meines Erachtens nach geht es vielmehr um die Würdigung, Achtung und Dankbarkeit für alles, was die Natur uns schenkt und auch ermöglicht. Entscheidend dafür ist die Bereitschaft sich weiterzuentwickeln zu wollen und ein Bewusstsein für die Dynamiken in dieser Welt und insbesondere für unsere eigenen, persönlichen Bestrebungen zu entwickeln. Jede Entwicklung erfolgt von innen nach außen und kann nicht erzwungen werden. Die Freiwilligkeit ist entscheidend. Das bedeutet nicht, dass wir alles so hinnehmen, ohne aktiv zu werden. Jeder von uns kann seinen Beitrag für eine bessere Welt leisten, die Augen öffnen, genauer hinschauen und positive Veränderungen in seinem Leben herbeiführen. Die Polarität des Lebens erfordert stets die Einbeziehung beider Pole. Alles andere ist auf Dauer zum Scheitern verurteilt. Die Welt ist ein Spiegel unseres Bewusstseins und aller Widerstände, die sich irgendwann entwickelt haben. Darauf sollten wir unsere Aufmerksamkeit richten. Wir erfahren die Liebe, wenn wir unsere Angst erlösen.

    • Liebe Frau Schaechtlin! Ich bin bei einigem, was Sie hier schreiben, mit Ihnen, bei anderem wieder nicht. Mein Post war, wie meistens bei mir, sehr spontan und ich bin dabei bewusst das Risiko einer Über-Provokation eingegangen.
      Die Kritik sollte sich eigentlich auch nicht gegen Prof. Mausfeld richten, den ich sehr schätze, sondern allgemein gegen die Aussparung des über-speziesistischen Fürsorge-Denkens und gegen die Relativierung oder Ignorierung der Gewalt, die ich in rein politischen Dikussionen immer finde und die ja auch Sie hier gewissermaßen vornehmen. Sie benutzen auch in Bezug auf unsere patriarchalische Viehzüchterkultur hier wieder die selben Denkschablonen, wie ich sie schon unzählige male in Foren gelesen und mündlich gehört habe. Der berühmte Inuit fehlt nie in der Aufzählung der „Beweise“, dass Menschen angeblich tierisches Protein gut vertrügen oder sogar zum Leben bräuchten. Diesen Inuit gibt es aber erst einmal meines Wissen schon lange nicht mehr und er wäre auch damals sicher nicht gestorben, wenn er in eine fruchtbare Gegend versetzt worden wäre und vegan gelebt hätte. Der Mensch ist von Natur aus ein Frucht-und Blatt-Esser und weder ein Omnivore, noch gar ein Fleischesser und es bekommt ihm auf Dauer weder körperlich noch seelisch, wenn er dieser natürlichen Veranlagung zuwiderhandelt. Dass wir mit unserem bloßen Dasein auch irgendwelche Lebewesen- und seien es nur Mikroben- abtöten müssen, rechtfertigt noch lange nicht das erfundene Recht, anderen empfindsamen Lebewesen für unseren eingebildeten Benefit das Recht auf Leben und Lebensglück zu verwehren, sie vollständig zu versklaven und sie zu reinen Nutzgegenständen zu erniedrigen. Was in der Nutztierzucht schon immer geschehen und mit der Zeit immer grauenhaftere Auswüchse angenommen hat, ist meiner Ansicht nach an Perversität und Niederträchtigkeit nicht mehr groß zu überbieten(vielleicht noch mit einem flächendeckenden Atomkrieg) und es trägt nach meiner Sicht der Dinge viel mehr zu unserem Niedergang bei, als wie sich das die meisten immer noch vorstellen. Ich habe mich schon sehr früh aus einem tiefgreifenden Entsetzen darüber mit dieser Thematik befasst und studiere und beobachte dies schon seit Jahrzehnten auf allen nur möglichen Ebenen. Deshalb habe ich mich auch nicht gescheut, ein Interview mit dem hoch gebildeten und mir sehr sympathischen Professor Mausfeld einmal zu kritisieren. Von der Ebene unseres Mitfühlens her haben wir meiner Ansicht nach kein Recht, z.B. den Schmerz einer Kuh, die ihres Neugeborenen beraubt wird(oder die Verzweiflung des Kälbchens), damit zu vergleichen, dass wir vom Baum eine Frucht abpflücken oder von der Ähre die Körner. Noch makaberer finde ich den Vergleich des Abtrennens eines Kohlkopfes mit dem Abtrennen eines Tierkopfes. Was mir z.B. aber auch oft und immer wieder großen Seelenschmerz bereitet, ist z.B. diese rigorose Rückschneidung von Bäumen, die immer mehr üblich wurde oder das bedenkenlose Umschlagen von Bäumen überhaupt. Und diese Schnittblumenindustrie finde ich z.B. auch fürchterlich. Diejenigen, die so etwas betreiben oder gut heißen, leben ganz bestimmt nicht aus innerer Überzeugung vegan.

    • @ Veganislove
      Lange Rede, kurzer Sinn: ich weise mal darauf hin, dass in kommunistischen Staaten bereits vegetarische (nicht zu reden von veganer) Ernährung in vielen Fällen ein echtes Problem ist – z.B. in Schulen, die in der Regel Ganztagsschulen sind. Die kommunistische Sowjetunion zum Beispiel hat vegetarische Ernährung diskriminiert und die in Russland vor 1917 auch durch EInfluss einiger bekannter Intellektueller wie z.B. Tolstoi florierende vegetarische Bewegung regelrecht bekämpft.
      Hier zeigt es sich besonders deutlich: Der Kapitalismus realisiert, wovon Kommunisten (jedenfalls die ehrlichen unter ihnen) träumen. Der Kapitalismus schrumpft insbesondere die Nationen auf ein gesundes Maß zurück, ohne sie zu zerstören und setzt internationale Wirtschaftsbeziehungen an die Stelle mörderischer Kriege. Der real existierende Kommunismus ‚erreicht‘ der Regel das genaue Gegenteil von dem, was er angeblich will.

    • Lieber Reformator2! Ich bin, wie man das schon aus meinem ersten Kommentar herauslesen kann, weder für den „Kommunismus“ noch für den „Kapitalismus“, weil beide sich auf dem rein materialistischen Denken gegründet haben. Und ich finde nicht, dass der Kapitalismus der Fürsorgepflicht für das aussermenschliche Leben etwa besser nachkam oder nachzukommen imstande ist, als der Kommunismus. Eher noch im Gegenteil, weil er ja das Luxusdenken und die Gier nach mehr immer noch mehr beflügelt. Ich denke, wir müssen uns aus diesen verbrauchten Denkschablonen herauslösen und stattdessen bei allem zuerst die einfache Frage nach dem Phänomen der vom Menschen ausgehenden bzw. praktizierten Gewalt stellen. Die Frage nach dieser gegen die gesamte Schöpfung gerichtete Gewaltbereitschaft, von der ja auch unsere orthodoxe Wissenschaft beherrscht ist. Letzteres ist ein Punkt, den gerade Sie bisher nicht berücksichtigt haben, bzw. bisher noch gar nicht wahrgenommen zu haben scheinen. Unser bisherige „Kapitalismus“ ist genau wie der „Kommunismus“ ein Knecht dieser überheblichen, die Gesetze der Natur missachtenden Wissenschaft, die ihre Stoßkraft und ihren Aberglauben seit dem 17. Jahrhundert entwickelt hat mit dem Glauben, dass im Grunde das All mit einer Maschinerie gleichzusetzen sei, die nur vom Menschen erforscht und berechnet werden braucht, um sie vollständig zu beherrschen. Das ist z.B. auch ein Denkelement, das in rein politischen Diskussionen gar nicht erst vorkommt und das ich dabei immer vermisse. So lange dies so ist, bringen (mir) diese rein politischen Diskussionen fast gar nichts mehr. Einstein und die Physikergruppe um ihn herum schienen diesen verkehrten Materialismusglauben durchbrochen zu haben mit ihrer Entdeckung, dass selbst im kleinsten Teilchen, im Atom, noch eine Eigenleben stattfindet und dass es insofern eine „Materie an sich“ gar nicht gibt. Trotzdem wird aber weiter auf der Ebene des descartianischen Denkens geforscht und dabei die Natur zerstört. Diese „Naturfoschung“ erforscht nun weiter nur den Tod und nicht das Leben. Sie hat bisher vor allem sehr erfolgreich erforscht, wie man das Lebendige und Heilsame am schnellsten und effektivsten zerstören, pervertieren, giftig machen und auslöschen kann(Atom-Gen-Nano-Technologie).

    • Hallo Veganislove,
      Nuevo1 hat heute das Buch von Rudolf Rockers „Nationalismus und Kultur“ empfohlen und habe mir darauf die ersten Seiten schon durchgelesen. Er spricht genau diesen Punkt an, dass Entwicklungen in der Menschheit weniger durch wirtschaftlich wissentschaftliche berechenbare Umstände geprägt wurden als von individuellen Entscheidungen der Menschen, sich den Lebensumständen anzupassen. Als erstes Beispiel wird Alexander der Große herangeführt, der aus reiner Machtgier und nicht aus wirtschaftlichen Gründen andere Länder überfallen hatte. Die wissentschaftliche Herangehensweise, immer irgendwelche Gesetzmäßigkeiten nachzujagen führt fast immer in die falsche Richtung. Karl Marx war Schüler von Hegel und Verfechter von folgendem Zitat “ Hegels Philosophie wurde daher einer der zentralen Ausgangspunkte für den Dialektischen Materialismus, der zum Wissenschaftlichen Sozialismus führte. “ Auch wenn die von Karl Marx losgetretene Idee des Kommunismus ( oder auch Sozialismus) heute als gescheitert angesehen wird, werden seine wirtschaftspolitischen Theorien weiterhin genutzt zur Erklärung der Menschheitsentwicklung. Man zieht heutzutage nur andere Schlüsse, weil die Hauptprämisse von Mangel nicht mehr gegeben zu sein scheint, wie ich häufiger schon gelesen habe. Ich glaube, dass du dieses Buch schon gelesen hast, Veganislove. Ich werde es auf jeden Fall weiterlesen und so hoffentlich in der Lage sein, deiner Vorstellung, einer existenziell philosophischen Diskussion gerecht zu werden.
      pooler1970

    • „Der Kapitalismus schrumpft insbesondere die Nationen auf ein gesundes Maß zurück, ohne sie zu zerstören und setzt internationale Wirtschaftsbeziehungen an die Stelle mörderischer Kriege.“
      In welcher Welt leben sie?

  7. Zurückgeworfen durch die Weltkriege und die danach folgende Lethargie und Depression denken wir heute Gedanken, die so schon längst ausformuliert in Büchern schlummern. Erkenntnisse, die die Revolutionäre des jungen zwanzigsten Jahrhunderts schon längst hatten, erkennen wir heute „neu“. Wir erkennen sie so lange „neu“, wie uns die Herrschenden daran hindern können sie in die Tat umzusetzen und mit der Herrschaft des Menschen über den Menschen abzurechnen.
    Ein Beispiel für meine Behauptung und dazu noch ein sehr tiefschürfender literarischer Beitrag zur Debatte stellt immernoch Rudolf Rockers „Nationalismus und Kultur“ dar. Die im Interview oben angeführten Gedanken werden hier ausgeführt und anhand der Geschichte erklärt. Die Genese des Autoritarismus aus der politischen Religion, verpflanzt über Generationen und letztendlich das Aufgehen ihrer Drachensaat in Systemen, die wir als „Kapitalismus“ / „Faschismus“ / „Bolschewismus“ beschreiben, zur Zeit des Autors. Heute müsste das Buch sicherlich erweitert werden, aber im Grunde muss es jeder und jede gelesen und verstanden haben, um die heutige Situation aus der Vergangenheit erklären zu können und sich bewusst zu werden, wo man steht.
    Aus dem Inhaltsverzeichnis:

    I – Die Unzulänglichkeit aller Geschichtsauffassungen
    II – Religion und Politik
    III – Der Kampf zwischen Kirche und Staat
    IV – Machtpolitik und Kultur
    V – Die Entstehung des nationalen Staates
    VI – Die Reformation und der neue Staat
    VII – Politischer Absolutismus als Hindernis der wirtschaftlichen Entwicklung
    VIII – Die Lehre vom sozialen Kontrakt
    IX – Liberale Ideen in Europa und Amerika
    X – Liberalismus und Demokratie
    XI – Der Staat im Lichte der deutschen Philosophie
    XII – Die Demokratie und der nationale Staat
    XIII – Die Romantik und der Nationalismus
    XIV – Sozialismus und Staat
    XV – Der Nationalismus als politische Religion
    XVI – Die Nation als Gemeinschaft von Sitte, Gewohnheit und gleichen Interessen
    XVII – Die Nation als Sprachgemeinschaft
    XVIII – Die Nation im Lichte der modernen Rassentheorien
    XIX – Politische Einheit und kulturelle Entwicklung
    XX – Politische Dezentralisation in Griechenland
    XXI – Der römische Zentralismus und sein Einfluss auf die Gestaltung Europas
    XXII – Die nationale Einheit und der Verfall der Kultur
    XXIII – Die Illusion nationaler Kulturbegriffe
    XXIV – Der Nationalismus und die Entwicklung des wissenschaftlichen und philosophischen Denkens
    XXV – Architektur und Nationalität
    XXVI – Kunst und Nationalismus
    XXVII – Soziale Probleme unserer Zeit

    Das Buch wurde zuletzt von Unruhen Publikationen neu aufgelegt und ich möchte es als feinen Rundumschlag durch die deutsche und europäische Geschichte und Philosophie jedem und jeder empfehlen, die etwas lesen wollen, was weit über Guido Knopp und Co. herausgragt, aber weder eine Verschwörungsmasche ist, à la Jan van Helsing oder sich im Sumpf marxistischer Doktrinen verliert. Die Geschichte durch die Augen der Menschen von Unten, zurückkodiert aus der üblichen Sichtweise der Menschen von Oben. Siehe [http://unruhen.org/buch-rudolf-rocker-nationalismus-und-kultur/]

    • was ist besser: Marxistische Doktrin oder marktradikale neoliberale Doktrin der Volksfeindlichkeit?
      Abscheulicher als das 2. kann es kaum gehen. Viele lebten in der Sowjetunion besser als im heutigen Schw**nesystem.

    • Ich werde mir versuchen das Buch zu besorgen, klingt sehr gut. Das viele Ideen schon lange existieren liegt auch daran, dass bevor die Medienwelt technisiert wurde durch Rundfunk und Fernsehen und so massentauglich wurde, die Menschen auch einfach mehr Zeit hatten undoktriniert sich viele Gedanken zu machen. Wir bewundern heute noch Meisterwerke der Vergangenheit und können uns nicht vorstellen, wie in früheren Zeiten solche Zustande kamen. Sei es Literatur, Musik oder Kunst. Nicht umsonst werden auch von heutigen Wissenschaftlern immer wieder Zitate von großen Vordenkern gebracht. Das einzige, was Obama zum Beispiel bekannt gemacht hatte war sein Spruch „yes we can“. Was daraus geworden ist, sehen wir ja heute. Besinnen wir uns also ein bißchen mehr der Vergangenheit. Deshalb liebe ich Geschichte.

      @freidenke
      wieso immer alles aufwiegen, auch im Stalinismus wurde Millionen Menschen in die Gulags gesteckt. Reise und Meinungsfreiheit waren Fremdwörter. Aber es bringt nichts beide Formen miteinader zu vergleichen, weil beides nicht zum gewünschten Ziel führt. Und der Begriff “ viele Menschen“ bedeutet leider auch semantisch nicht „die Mehrheit der Menschen“ .In jedem System gibt es immer viele Menschen, die irgendwie gut oder schlecht leben. Daher bitte mit solchen Formulierungen bitte vorsichtig umgehen, weil sie eine Diskussion verfärben können, sodass ihr Ergebnis wieder im Dissenz endet.
      Danke
      pooler1970

    • Einfach bei startpage oder google – Kapitalismus und die Wertegemeinschaft der Herrenmenschen PDF – eingeben und schon erhält man verschiedene Anbieter

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