Karl Marx als Verschwörungstheoretiker

Ein Artikel für das Online-Magazin Rubikon von Florian Ernst Kirner:

Es gab Zeiten, da waren es gerade die Linken, die darauf bestanden haben, dass beispielsweise hinter dem Putsch in Chile am 11. September 1973 die CIA stand. Geht es um einen anderen 11. September und die Machenschaften verschworener Kreise heute, sind auch manche Linke sehr schnell mit dem Vorwurf der „Verschwörungstheorie“ bei der Hand.

In der aktuellen Ausgabe des Magazins „Marx21“, welches auf dem linken Flügel der Linkspartei zu verorten ist, findet sich der Artikel „Verschwörungstheorien – Mit Marx gegen die Illuminaten“ von David Meienreis. Eine Replik von Florian Ernst Kirner.

Hier weiterlesen: Rubikon-Beitrag.

20 Kommentare zu: “Karl Marx als Verschwörungstheoretiker

    • (8)

      jetzt ist nur die Frage, wie sich der Rattenschwanz an Menschenmassen zähmen lässt, der besinnunglos-hörig hinter den oft narzisstisch gestörten Machthabern herrennt.

  1. Da das westliche Konglomerat imperialer Nationen, nun durch einen direkten Angriff seines populärsten Vertreters, der USA, auf die syrische Armee, über Marschflugkörper, wieder einmal sein Antlitz in verabscheuungswürdigster Weise dargeboten hat, ist es wohl überdeutlich daß auch unter einer Präsidentschaft Trump alles beim Alten bleibt.

    Auch beim türkischen Staatspräsidenten Erdogan dürfte alles beim Alten sein, die Begehrlichkeiten hinsichtlich Syriens und alter Größe sind ungebrochen, hat er doch seine Sturmtruppen gleich zum Sold geboten.
    Hier dürfte der Wahn, gleichsam mit der angewachsenen Machtfülle, durch einen gefälschten Putsch, gewachsen sein.

    Bisher wurden die Komponenten für Giftstoffe, neben Menschen und anderem Material, für die Angriffe unter falscher Flagge, noch stets überwiegend über die Türkei verschoben.

    Es sollte auch nicht unerwähnt bleiben, daß sich die Auftritte wie jetzt der von Nikki Haley und wie einst der von Colin Powell, vor der UNO, gleichen wie ein Ei dem Anderen.

    Da der Zögling des Westens, der islamische Staat, sich immer mehr in der Defensive befindet und langfristig unterliegt, greifen die westlichen Nationen die syrische Armee nun direkt und nicht mehr aus „Versehen“ an.
    Nebenbei testet man dabei, wie weit man gehen kann, ohne eine direkte Konfrontation mit der Russischen Föderation zu provozieren.
    Wobei Weltkrieg 3 durchaus versehentlich ausgelöst werden kann, berücksichtigt man, daß Russland und hier auch nicht zu vergessen Iran, eingekreist und mit dem Rücken zur Wand, nicht weiter zurückweichen können.

    China verhält sich derweil ziemlich zurückhaltend, hofft es doch auf ein Auskommen mit der Trump Administration.
    Doch sollte die chinesische Administration hier vielleicht bedenken, da nun die üblichen Lügen und anderen alten Methoden offenkundig sind, teile und herrsche ist ebenfalls aktuell.
    Ein gefallenes Syrien würde Kräfte für den Angriff mit den gleichen Methoden auf Iran und Russland freisetzen.
    Es wurde bereits mehrfach dargelegt, fällt Russland, so ist als letztes China an der Reihe.

    • Das Grundwort in diesem Kompositum ist ‚Theorie‘. Verschwörung ist Bestimmungswort und Ablenkung von der Absicht, das Theoretisieren, das Analysieren mittels Theorien, Thesen, Antithesen – das Denken überhaupt! – zu verbieten. Nicht die Vielfalt der Thesen, die Vielfalt des Einfältigen, des bedenkenlosen Glaubens, wird gefordert und gefördert. Und die Parole heißt: Glaube an die Autoritäten, oder Kopf ab! In der Wissenschaft nicht anders. Dort heißt es ‚Thesis‘.
      Zu ‚Verschwörung‘ Josef Pulitzer:
      „Es gibt kein Verbrechen, keinen Kniff, keinen Trick, keinen Schwindel, kein Laster, das nicht von Geheimhaltung lebt. Bringt diese Heimlichkeiten ans Tageslicht, beschreibt sie, macht sie vor aller Augen lächerlich, und früher oder später wird die öffentliche Meinung sie hinwegfegen. Bekanntmachung allein genügt vielleicht nicht; aber es ist das einzige Mittel, ohne das alle anderen versagen.“
      Zu ‚Glauben‘ Karl Kraus:
      „Wie wird die Welt regiert und in den Krieg geführt? Diplomaten belügen Journalisten und glauben diese Lügen, wenn sie diese gedruckt sehen.“
      Wir sehen, es geht auch darum, ihnen den Glauben an sich selbst und an ihre eigenen Lügen zu lassen.

  2. Um den letzten Satz …

    „Um es in abgewandelter Form mit Erich Fried zu sagen: Wer über die Machenschaften der Geheimdienste nicht reden möchte, sollte von der Demokratie schweigen!“

    … nochmals zu unterstreichen. Durch Terror soll einmal mehr für Fakten gesorgt werden:

    Nach Giftgasangriff in Syrien: Washington zu eigenen Maßnahmen gegen Damaskus bereit
    https://de.sputniknews.com/politik/20170406315208088-giftgasangriff-syrien-washington/#comments

    Obama provozierte Giftgasangriffe in Syrien – russischer UN-Botschafter
    https://de.sputniknews.com/politik/20170406315208826-obama-syrien–giftgas-angriffe/

  3. Eine Verschwörungstheorie ist ja per se nichts Schlechtes, wenn sie mit der Intention der Wahrheitssuche aufgestellt wird und vor allem klar als solche gekennzeichnet wird. Man sollte Verschwörungstheorien nicht als Fakten präsentieren! Eine Verschwörungstheorie ist so etwas wie ein Anfangsverdacht gegen eine Gruppe. Was aber nicht in Ordnung ist, ist, wenn Verschwörungstheorin dazu eingesetzt (mißbraucht) werden, Propganda zu betreiben oder zu desinformieren.
    Dank der Zeugenaussage und auch Enthüllung von Dimitri Khalezov (Google nach 911thology) ist zum 11. September 2001 weit mehr in der Öffentlichkeit bekannt als die ‚Verschwörungstheoretiker‘ behaupten.
    Beim Pinochet-Putsch ist das anders. Hier ist man nach wie vor auf Verschwörungstheorien angewiesen. Meine Theorie ist, dass Pinochet damals nicht ermordet wurde, sondern der Mord/Selbstmord vorgetäuscht wurde, um die in Wahrheit große Nähe Pinochets zu Allendes zu vertuschen. Das ist aber nur eine Verschwörungstheorie. Hat jemand klare Fakten, die diese Theorie stützen oder widerlegen?

    • PS: Ich meine natürlich Allende: Meine Theorie ist, dass Allende(!) nicht ermordet wurde und auch nicht Selbstmord betrieb. Kleine Verwechslung Allendes mit Pinochet, ich kann verstehen, wenn Links über diese Verwechslung empört sind, sorry.

    • Korrektur: Ich kann verstehen, wenn Linke (nicht ‚Links‘) über diese Verwechslung empört sind, sorry.

      PPS: Wann gibt es hier eine Korrekturfunktion?

    • @ Thatsit:

      Eine Verschwörungstheorie ist ja per se nichts Schlechtes, wenn sie mit der Intention der Wahrheitssuche aufgestellt wird und vor allem klar als solche gekennzeichnet wird. Man sollte Verschwörungstheorien nicht als Fakten präsentieren!“

      Erklären Sie das mal Psiram, den Politikern, die gleich aufgrund von Behauptungen in einen Krieg rennen möchten, Wikipedia und einem großteil der Medienlandschaft.

      Wiederholen Sie nur lang genug eine Lüge, eine Behauptung – und obwohl es eine Lüge ist : irgendwann glauben es Ihnen ein Großteil der Menschen…

  4. Um es vorweg zu nehmen ich bin weitestgehend bei Herrn Kirner. Dazu einige(!) Passagen aus dem Text, ergänzt durch einige Anmerkungen.

    Zitat: „Geht es um einen anderen 11. September und die Machenschaften verschworener Kreise heute, sind auch manche Linke sehr schnell mit dem Vorwurf der „Verschwörungstheorie“ bei der Hand.“

    Nun, bei diesen „Linken“ liegt offenkundig ein Etikettenschwindel vor, vorsätzlich oder versehentlich sei einmal dahingestellt.

    Zitat: „Diese Annahme, dass das System chaotisch und unkontrollierbar sei, stellt das Gegenstück zu der Vorstellung dar, das System sei nach dem Masterplan einer winzigen Clique perfekt gelenkt. Beides ist falsch, aber ich will mich hier mit der These vom unbeherrschbaren Systemchaos beschäftigen, die viele traditionelle Linke immer wieder anführen. Ich halte diese Idee für grundfalsch.“

    Eine Offensichtlichkeit, begründet durch die enorme Laufzeit, erwirkt durch permanente Anpassung.

    Zitat: „Die Menschen machen ihre Geschichte nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen. Aber sie machen sie selbst.“

    Stimmt, denn die Akteure und Wirkmittel sind bekannt.

    Zitat: „Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Auseinandersetzung mit Verschwörungen und mit Geheimdiensten in der Geschichte und in der Geschichtsschreibung der Arbeiterbewegung einen so großen Raum eingenommen hat, dass man sich gar nicht genug wundern kann, wie lapidar der gesamte Themenkomplex offenbar von einigen Marxisten heutzutage abgetan wird.“

    Dieser Umstand ist wohl eher gewollt als zufällig, passend zum Etikettenschwindel.

    Zitat: „Richtig daran ist, dass der Kapitalismus unabwendbar Wirtschaftskrisen hervorbringt. Sie werden von daher nicht durch die herrschende Klasse „gemacht“, sondern sie entstehen zwingend durch die inneren Widersprüche des Kapitalismus.“

    Meiner Meinung nach, nicht ganz korrekt. Das System ist gemacht und es bringt zwingend Krisen hervor. Diese werden Nutzen bringend verstärkt, abgemildert oder bei Bedarf aufgehoben.
    Das Ganze läuft mehr oder minder reibungslos im Sinne der Akteure, solange sich diese einig sind.

    Zitat: „Aber es bedeutet eben sehr wohl, dass auf den Kommandohöhen des Kapitals ein bewusster Umgang mit Krisen längst Einzug gehalten hat.“

    Dieser bewußte Umgang läuft schon länger, z.B. wurde die Krise zwischen Wk 1 und Wk 2 zur massiven Monopolbildung genutzt, nachdem zuvor die Krise befeuert wurde.

    Zitat: „Sie alle sind die Sachwalter und Strategen der kapitalistischen Misere und ihre ungeheuerliche Macht ist das Ergebnis des Kapitalismus und nicht dessen Ursache.“

    Meiner Meinung nach, an dieser Stelle, aber später im Text schon, nicht ganz korrekt. Ursprünglich hatte jemand die Macht, ein System wie den Kapitalismus einzuführen, nicht in seiner jetzigen Ausprägung, aber die Saat wurde gesät.
    Macht und die Ursache dafür oder besser, Ursache und Wirkung bedingen sich hier, als gegenseitige Verstärker, wobei eine eindeutige Zuordnung schwierig ist.

    Zitat: „Dem ist nun zweifellos nicht so. Würden die Superreichen lediglich ausgewechselt, würde sich vermutlich sehr wenig ändern, solange das System bleibt wie es ist.
    Andererseits jedoch würde es auch nicht Nichts bedeuten, wenn „die Verschwörer aus dem Verkehr gezogen“ wären – wenn beispielsweise John F. Kennedy gelungen wäre, die CIA „in 1000 Teile zu zerschlagen und in den Wind zu verstreuen“.“

    Hier wäre es wohl hilfreich davon Abstand zu nehmen, zu meinen, den Schlüssel zum Allheilmittel zu besitzen.

    Zitat: „ „Das eigentliche Problem ist nicht, dass einige geheime Verschwörer sich illegal Macht und Reichtum aneignen, sondern dass eine winzige Minderheit ganz legal die Welt als ihr Privateigentum behandelt. Wer Verschwörungen ein Ende setzen will, muss die Welt demokratisieren.“
    Das ist sehr schön und richtig gesagt. Aber die Wahrheit ist immer konkret. Und am Ende hat man es in der konkreten Auseinandersetzung um Demokratie nicht mit dem „tendenziellen Fall der Profitrate“ zu tun und leider auch sehr selten ganz direkt mit jener winzigen Minderheit, die die Welt als ihr Privateigentum behandelt.
    Sondern man bekommt es mit den Agenturen der Machtausübung zu tun, die in ihrem Auftrag handeln. Von ihnen wird man dann mit gesteuerten Diffamierungs- und Rufmordkampagnen eingedeckt. Sie decken die Mörder des NSU. Sie organisieren die globale Totalüberwachung der Kommunikation. Sie haben alle entscheidenden Medien infiltriert. Sie liefern durch ihre Operationen Kriegsgründe.“

    Für mich sehr stimmig. Die Mächtigen dieser Welt sind nicht mächtig aus sich heraus, sondern durch ihre Wirkmittel in vielerlei Form. Ergänzend, Macht wird nicht ergriffen, sondern verliehen, denn der Verleiher verspricht sich selbst davon einen Vorteil.

    Zitat: „Um es in abgewandelter Form mit Erich Fried zu sagen: Wer über die Machenschaften der Geheimdienste nicht reden möchte, sollte von der Demokratie schweigen!“

    Stimmt. Womit der Kreis geschlossen ist und wir wieder beim Etikettenschwindel vom Anfang sind.
    Es gilt weiterhin auf die Mechanismen aufmerksam zu machen und bewußt zu machen wohin das letztendlich führt, vor allem jenen, die Macht allzu leichtfertig verleihen.

  5. Wer so einen Quark richtig findet, der denkt nicht. Der wiederholt Angelesenes:

    „Das eigentliche Problem ist nicht, dass einige geheime Verschwörer sich illegal Macht und Reichtum aneignen, sondern dass eine winzige Minderheit ganz legal die Welt als ihr Privateigentum behandelt. Wer Verschwörungen ein Ende setzen will, muss die Welt demokratisieren.“

    Dass „eine winzige Minderheit ganz legal die Welt als ihr Privateigentum behandelt“ ist eben NICHT das Problem. Dass sieben MIlliarden andere dies dulden, DAS ist das Problem.

    „Wer Verschwörungen ein Ende setzen will, muss die Welt demokratisieren.“

    Noch so ein Kinderkram. Erstens hat noch keiner einen Weg gefunden WIE Man das denn anstellen könnte und zweitens zeigt sich ja im bereits demokratisierten Teil dieser Welt, dass das nun wirklich keinen grossen Unterschied macht. Denn leider hat man auf diesem Planeten nur eine winzige MInderheit an denkenden bewussten Menschen, während die Masse unbewusst, habgierig, aggressiv und neidisch ist.

    Um eine Demokratie zu schaffen die den Namen verdient, bräuchte man Demokraten.
    Um Demokraten zu haben bräuchte man eine Demokratie, i der man die Menschen zu solchen bilden könnte.

  6. Karl hat in der Schule stets seinen Turnbeutel vergessen.

    Aber das mag ich an ihm. Außerdem hat er noch gute Analysen über den Kapitalismus verfasst. Ich wäre gern so schlau wie er. Aber immerhin, das mit dem Turnbeutel haben wir gemeinsam.

  7. Das haste einiges auf den Tisch geworfen.
    Weiß gar nicht, wo ich anfangen soll…

    Fangen wir am Anfang an: eine durchdefinierte Terminologie ist der Beginn einer jeden Kommunikation, vollkommen „richtig“.
    Korrekt angewandte Wissenschaft macht’s vor, sollte als notwendiges Teilgebiet in jedwede (Schul)bildung einfließen.
    Damit sollten unhinterfragte Begriffe abgearbeitet sein; ich setze allerdings einiges beim Leser/Zuhörer voraus und vertrete rigoros die Annahme „if you don’t ask, you’ll never know“ (fragst Du nicht, wirst du niemals wissen).

    „Die fehlende Netzwerkanalyse kapitalistischer Verschwörungen“
    möchte ich mal mit „https://yourlogicalfallacyis.com/personal-incredulity“ kommentieren und den Akteuren eine akute Feindbildsucht unterstellen. Das ist meiner Erfahrung nach des Idioten Ausrede, auf jemanden einhacken zu dürfen.
    Und irgendwer formulierte es mal so treffend: „um herauszufinden, wer Dich beherrscht, finde heraus, wen Du nicht kritisieren darfst.“.

    Die folgende Gegenüberstellung halte ich für ein Emporkommen des Neoliberalismus in einem Sinne, der sich Rosa vielleicht ebenfalls entzog:
    die schiere Annahme, dass ein Individuum für sein Handeln alleinig verantwortlich sei, ist eine Bankrotterklärung der „nature vs. nurture“ (Natur gegen Aufbringung) Debatte, wobei ich klar auf „nurture“ Seite stehe.
    Anbei sei erwähnt, dass schon im Mutterleib Input ans Kind vermittelt wird und diese Anlagen zum Umgang mit der Umwelt „primen“ (vorbereiten).
    Kurzum: es ist eine semantische Spielerei, denn beide verweisen auf die menschengemachte Geschichtsschreibung. Würde gern von Dir wissen, was du damit ausdrücken wolltest.
    Und um mal kurz mit dem Determinismus aufzuräumen sei gesagt, dass das Verhalten eines Individuums in bekannten Räumen äußerst berechenbar ist, wohl aber das Zusammentreffen einiger Individuen diverse „Abnormalitäten“ hervorbringt. Die Situation als solche bedarf in jedem Falle einer Beleuchtung. Man kann daraus (höchstens) Tendenzen ableiten.
    Vielleicht ist es auch nur mein vielfältiger Geist, der hier bissig wird. 😉
    Allgemein sei gesagt, dass „die Wahrheit“ immer obsiegt, lediglich das „wann“ steht in Frage.

    Der Folgeabsatz entzieht sich weitestgehend meiner Kenntnis, allerdings ist jegliches lapidares Abtun von geschichtlichen Schlüsselereignissen (und deren Genese) ziemlicher Raubbau an der Vernunftbegabung des Menschen.

    Wie chaotisch ist der Kapitalismus?

    Heh… Ich habe mal im semi-Spaß dieser – plakativ ausgedrückt – herrschenden Kaste eine kollektive paranoide Psychose unterstellt.
    Und meines Erachtens nach stellt keiner dieser Knispel „die Systemfrage“, sodass sie sich auf der selben Abstraktionsebene die Speichen mit Stöcken zerhauen. (Fahrradanalogie, das Internet ist voll davon…)
    Und wer etwas Zeit hat, darf sich gern diesen Vortrag antun: https://www.youtube.com/watch?v=w0FhKSeUqTk&t=588s Geht recht hölzern los, aber im Verlauf haut der Kerl richtig hart in die Selbstverantwortungskerbe.
    Insgesamt möchte ich den Absatz unterstreichen und mir geht das unhinterfragte Getue gewaltig auf den Sack, weil’s so ’ne Art Windmühlenkrieg ist… Um mal Ken Jebsen zu zitieren: „[…] und, dass man das jedem Einzelnen erklären … muss.“ https://www.youtube.com/watch?v=Fvc01ijkoqc

    Alan Greenspan, die FED und die „schöpferische Zerstörung“

    Nenn mich Zyniker, aber ich lese seitens jedes Protagonisten dieses Bullshits: „dat ging nur in die Büx, weil ihr nicht dran geglaubt hab; hier mal die Lösung […].“

    Zum letzten Absatz: wo mit Selbstverständnis ein Regelwerk durchgesetzt wird, was aber inherent nicht verstanden wurde, da herrscht mitnichten die Vernunft.
    Hm, habt ihr hier eigentlich noch Dirk Pohlmann rumsitzen?
    Der könnt vielleicht mit dem Betreiber der Website „gnosticmedia.com“, Jan Irvin ein Interview führen. Der hat da ’ne ziemliche Arbeit geleistet, die ich aber noch nicht auseinandernehmen konnte – Depression, der Dirnenspross.

    So long

    Andreas

  8. @ schwarz ist weiß

    „Verkünden“ ist das ‚Gesetz-und-Ordnungskonzept‘ wie gehabt. Dagegen, auch weil Vernunft nicht allumfassend sein und Unvernunft nicht ausgeschlossen werden kann: Kreatives Experimentieren und spielerisches Entdecken als anarchistisches Unternehmen. Domestikation von Haustieren und der Ackerbau waren keine Problemlösungsversuche, sondern der Mensch kam spielerisch, zufällig und unabsichtlich auf ihren Nutzen. Das Verstehen kommt erst nach dem Ereignis. Eine neue Haltung, die neue Aufgaben mit sich bringt, kann sich das dafür nötige Gehirn schaffen (nebenbei Engels‘ Vermutung über die Funktion der Hand bei der Menschwerdung). Ich denke, die (zufällige) Möglichkeit / Nichtmöglichkeit des anarchistisch-kreativen Experimentierens und spielerischen Entdeckens kann die menschliche Natur und das fûr die Anarchie nötige Gehirn schaffen. Der Homo Oeconomicus kann sich dabei zum Homo Ludens in ihm voll entwickeln. Ob die menschliche Natur eher ein Hindernis ist? Warten wir auf den Zufall.

  9. Wen interessiert denn noch Marx? Der war doch schon zu seiner Zeit ein ewig gestriger, der den progressiven Tendenzen, bspw. der Pariser Commune völlig hilflos gegenüberstand, mit seinem Jakobinergeist.
    Wenn es auch nicht den Nagel auf den Kopf trifft, Marx und seine abstrakten, unpraktischen Schriften als Verschwörungstheorie abzustempeln, so muss man trotzdem zunächst mal mit Marx aufräumen, denn sonst kann in der Linken kein neuer Geist entstehen. Und ein neuer Gist muss sich entwickeln, denn die Linke ist voll in der Sackgasse.
    Also nicht das „Linkssein“ ist in einer Sackgasse – das kann ja überall aufkeimen und niedergehen, ohne, dass es das „Linkssein“ an sich interessiert… Nein, die „Linken“ sind in der Sackgasse – weil sie „Linke“ sind.
    Zum „Linkssein“ haben sich ja meistens Leute entschieden, die etwas zum besseren verändern wollten. So starteten die meisten. Aber das, was sie da angeboten bekommen ist eine Mogelpackung: Mit abstrakten politischen Phrasen, marxistischer Religion und dem die linken Gruppen und Parteien umwehenden Kirchenstaat ist keine Veränderung zum positiven zu bewegen, lediglich Konfrontation. Aber Konfrontation und Kritik sind nun mal keine wirklich schöpferischen Attribute des „Linksseins“.
    Und deshalb kann das „Linkssein“ immer nur Teil des Problems bleiben, kann aber nie Teil der Lösung werden, denn die Lösung unserer gesellschaftlichen Probleme kann nicht dogmatisch sein, wie das „Links“- aber auch das „Rechtssein“ sowieso jede bürgerliche Vorstellung und Religion nur auf Dogmen basieren – Nein, die Lösung dieser Probleme, so mannigfaltig sie auch sein mögen, ist eben die Befreiung von solchen Dogmen, allen voran vom Staat – sei er noch so pseudokommunistisch und ostalgisch.
    Der Staat und die Kirche sind die Statthalter des Dogmas auf der Erde, „Gott“ und „Recht“ einige seiner Namen – das den Dogmen anhaftende Denke ist menschenverachtend, selbstverachtend damit, weil es nicht den Menschen und sein WOhlergehen an die Stelle der obersten Priorität stellt, sondern eben das jeweilige Dogma… egal, führt jetzt zu weit – aber Marx war auch so ein Dogmatiker, der sich bei Zerschlagung der Commune lebhaft freute, so zumindest das Zitat, weil sich damit seine Interpretation der Dinge angeblich durchsetzen würde und nicht die Lesart der französischen Sozialisten, allen voran Proudhon.
    Aber es ist gerade Proudhon und noch viel mehr, die von ihm inspirierten, wie Bakunin und Kropotkin, später dann noch umfangreicher Rudolf Rocker, bei denen ein freier Geist auch freie gesellschaftliche Vorstellungen zeitigte, während aus marxistischem Dogmatikergeist heraus nur Diktaturen erwuchsen.
    Wer das nicht kapiert, der kann wegen mir gerne „links“ bleiben – aber menschlich ist eben viel, viel mehr. Wohlergehen, Fortschritt und Freiheit überschreiten die engen Grenzen politischer Kirchengebilde bereits, bevor deren Exponenten überhaupt kapieren, was um sie herum geschieht.

    • Paul Feyerabend: Wider den Methodenzwang, Skizze einer anarchistischen Erkenntnistheorie.
      David Graeber

    • „Bildet die menschliche Natur, wie immer sie aussehen mag, eine gute Ausgangsbasis für die Entwicklung anarchistischer Lebensformen, oder stellt sie dafür eher ein Hindernis dar? Wir wissen nicht genug, um diese Frage zu beantworten. Wir können der Antwort nur durch Experimentieren und praktische Entdeckungen näherkommen, nicht durch leere Verkündigungen.“
      (Noam Chomsky)

    • „Wen interessiert denn noch Marx?“ – Mich. „zunächst mal mit Marx aufräumen“ ist ja nicht so ganz falsch, aber ihn und sein Werk in Bausch und Bogen zu verdammen ist ein mehr als schlechter Witz. Ich empfehle dazu – unter anderem – besonders das Werk und zunächst die Videos von Richard D. Wolff. Widerlege ihn und seine Argumente und wir sprechen uns wieder.

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