Im Gespräch: Katrin McClean („Aufgewachsen in Ost und West – 64 Geschichten für eine wirkliche Wiedervereinigung“)

Ossi versus Wessi. Die Geschichte zeigt: Seit dem Mauerfall, als Deutsche wieder mit Deutschen vereint wurden, herrschen Klischees. Aus unterschiedlichsten Perspektiven werden Vorurteile konstruiert, geglaubt und in der jeweiligen Gesellschaft tief verankert.

Im Westen erzählte man sich: „Die drüben hatten ja nichts. Die können froh sein, dass sie jetzt unseren Wohlstand inklusive Kapitalismus genießen dürfen.“

Im Osten bemerkte man schnell: „Ganz schön wenig Sozialverhalten hier.“

Und schon war der „Schmarotzer-Ossi“ geboren, der ja undankbar sei und doch froh sein könne, von diesem viel höher entwickelten Land BRD nun zu profitieren.

Spannend ist nur: Die aktuellen einschränkenden Maßnahmen der Bundesregierung, allen voran der Bundeskanzlerin, selbst ehemals ostdeutsche Bürgerin, erinnern vorwiegend jene aus den so genannten neuen Bundesländern an die repressiven Begebenheiten der DDR – oft auch an eine Stasi in neuem Gewand.

Werden wir erneut gespalten? Baut sich eine neue Mauer in den Köpfen der Menschen auf? Oder ist in Deutschland alles Friede, Freude, Spreewaldgurken?

Katrin McClean, die beide deutsche Staaten erlebt hat und daraus berichten kann, bringt eine weitere subjektive Sichtweise ein, aber auch eine differenzierte.

Die Autorin gibt im Gespräch und in ihrem Buch „Aufgewachsen in Ost und West“ mit 64 Geschichten, geschrieben von Menschen aus Ost und West, ganz individuelle Einblicke darüber, wie sie die Spaltung Deutschlands und die „neue Normalität“ nach 1990 erlebten.

Heute, am 3. Oktober 2020, wird 30 Jahre Wiedervereinigung gefeiert. Was von der Euphorie, der Feierlaune oder einer gelungenen Vereinigung ost- und westdeutscher Bürger noch übrig ist, kann sich jeder selber beantworten.

Hier könnt ihr das Buch bestellen: https://www.buchkomplizen.de/Alle-Buecher-oxid/Aufgewachsen-in-Ost-und-West.html

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50 Kommentare zu: “Im Gespräch: Katrin McClean („Aufgewachsen in Ost und West – 64 Geschichten für eine wirkliche Wiedervereinigung“)

  1. was für ein wunderbares Gespräch. Vielen Dank Frau Mc Clean und auch Danke an Ken Jebsen. Mal wieder Bildungsfernsehen vom Feinsten. Ganz und gar nicht vorstellbar, dass ein solches Gespräch etwa bei der ARD gezeigt werden würde. Nicht einmal um 2.00 h nachts.

  2. Ein wunderbares Gespräch, in dem das unmittelbar Erlebte gut rüberkommt.
    Ähnlich interessant fand ich das Interview, das Günter Gaus mit Regine
    Hildebrandt 1991 geführt hat. Hierdurch hatte ich schon eine Vorstellung
    davon, dass mit der Abwicklung der Betriebe den Menschen neben ihrer
    Existenzgrundlage auch ihre Beheimatung in ihren Vereinen und Freizeit-
    clubs genommen wurde. Natürlich war die Bespitzelung durch IM selbst
    innerhalb von Familien ein Thema, Bautzen, Mauerschüsse bei Republik-
    flucht.
    Gleichzeitig ist mir in diesem Gespräch klar geworden, dass man gleiche
    Zeiträume hüben und drüben mit einander vergleichen muss. Und weil
    einer zur gleichen Zeit nicht beides sein kann, fände ich ein Gespräch
    zu dritt mit Albrecht Müller interessant mit seiner Sicht auf die entsprechende
    West-Zeit. Sein Buch "Die Revolution ist fällig" gibt ziemlich genau wieder,
    wie ich den Westen erlebt habe. Ich erinnere mich noch sehr gut an die
    lebhaften Debatten in SPD-Ortsvereinen, oft mit Teilnahme ihres
    Bundestagsabgeordneten, der die Gesprächsergebnisse höheren Orts einbrachte
    und wiederum davon Rückmeldung machte.

    Auf keinen Fall kann man die DDR-Zeit so direkt der Zeit jetzt in Gesamt-
    Deutschland gegenüberstellen, denn die Systeme haben sich jederzeit auch
    beeinflusst. Vor der Vereinigung durch Ideen, Beispiele und nach der
    Vereinigung ganz direkt durch die unmittelbaren Folgen für die Wirtschaft.
    Ab den 1980er Jahren gab es in der BRD das Problem geringer werdender
    Wachstumsraten und in der Folge Arbeitslosigkeit. Um 1990 habe ich erstmals
    in einem Text von Norbert Reuter von gesättigten Märkten in 'entwickelten'
    Volkswirtschaften gehört (auch der unseren). Die Ökonomen aus der abgewickelten
    DDR verstanden noch weniger als viele von uns, dass man doch nicht sagen
    könne, dass die Privathaushalte keine Bedarfe mehr hätten. Ich habe jetzt einen
    Text von Karl Georg Zinn gefunden, der gut und leicht verständlich wiedergibt, was
    es damals damit auf sich hatte.
    http://denk-doch-mal.de/wp/karl-georg-zinn-vollbeschaeftigung-durch-wachstum-ist-obsolet/

    Die Menschen der DDR erlebten nicht nur die Abwicklung durch die Treuhand,
    sondern eine BRD, jetzt mit einen kurzen Vereinigungsboom, dann aber die
    zunehmenden Krisen. Der Rest ist gemeinsame Geschichte, aber mit unterschiedlichen Ausgangspunkten (Arbeit, Rentenansprüche, Verlust ihrer vertrauten Produktions-
    bedingungen etc.).

    Eine Draufsicht von außen:
    eine BRD an der kurzen Leine der USA, vereinigt sich mit der DDR zu einem
    größeren Gebilde an der kurzen US-Leine, dann die EU-Osterweiterungen, ebenfalls
    mit dem Ziel ein immer größeres Marktdurchdringungsgeschehen für die Konzerne.
    Und immer nach dem Muster Verheißung – Ernüchterung
    DDR, Ukraine und jetzt Weißrussland?

    Meine Hoffnung, wenn ich an das denke, was in den letzten Monaten der DDR
    geschah, war, dass es zwei Deutsche Staaten mit unterschiedlichem Gesellschaftssystem
    geben könnte, und ich die Wahl hätte, mich für den einen oder anderen Teil zu entscheiden
    Insofern war der Anschluss auch für mich eine Enttäuschung.

    Beide Deutschlands wurden geprägt durch Propaganda – nicht selten im
    Vergleich zum Klassenfeind.
    Und die Jugend erlebte mit Rock'n'Roll, Twist, Bigband-Sound eine Befreiung.
    Was nicht bemerkbar war, dass wir damit zur amerikanischen Lebensart hingeführt
    wurden.

  3. Leider geht auch diese Autorin der bürgerlichen Demagogie auf den Leim und schimpft auf den "Stalinismus". Stalin hatte Recht, als er kurz vor seinem Tod sagte: "Sobald ich tot bin, verspeisen Euch die Kapitalisten zum Frühstück." Die größten Helfer selbiger waren Chrustschow und Gorbatschow.

    • Gorbatschow war naiv, keine Frage! Aber der "Stalinismus", besser die Zeit, in der Stalin Generalsekretär der KPdSU war, war eine Schreckensherrschaft. Stalin war einer der schlimmsten Despoten die es gab. Wilküliche Verhaftungen, Aussetzung der Rechtsstaatlichkeit, auch in der DDR in dieser Zeit, Verschleppung von Menschen in GULAGs etc. Da ist "schimpfen" darüber nur eine recht milde Kritik. Stalin intressierte sich für Menschenleben ebensowenig wie Hitler sondern nur für den eigenen Machterhalt.
      Wenn Du also den "Stalinismus" für irgendwas Erstrebenswertes ansiehst bzw. Stalins Handel, so solltest Du vielleicht noch einmal Bücher über dies Zeit studieren.

    • Ich kann nur wiederholen, was ich weiter unten schon gesagt habe:
      Wenn von Stalinismus die Rede ist, bekommt man in der Regel nichts als propagandistische Klischees frei nach Mc Carthy zu hören. Vielleicht ein Hinweis auf die Realität der Geschichte. Nach dem Bürgerkrieg waren sehr viele derer gefallen, die als Menschen mit dem Bewusstsein der Arbeiterklasse zum Aufbau des Sozialismus fehlten. Auf der anderen Seite waren "die Weißen" zwar besiegt aber nicht verschwunden. Und die taten ihr Bestes den neuen Staat zu verunmöglichen. Da blieben Stalin zwei Möglichkeiten. A. Aufgeben. Die Folgen kann man sich vorstellen. B. Die Menschen mit dem Knüppel in der Hand zu ihrem Glück zu prügeln. Eine dritte Möglichkeit bot sich nicht an. Das war nun nicht schön, doch ehe man die vielen unschönen Dinge aufzählt, zu denen es aus vielen Gründen kam, sollte man auch einen Blick auf das Erreichte werfen, wie: 70% Analphabeten lernten das Lesen. Ein moderner Industriestaat wurde geschaffen. Gesundheitsvorsorge, Bildung, Kultur in großer Vielfalt usw. waren gratis. Arbeitsplatzsicherheit, Sicherheit der Wohnung usw. – Dazu kam, dass der "Kalte Krieg" in Wahrheit 1917 begann und nichts unversucht gelassen wurde, den neuen Staat zu unterminieren. Alles zusammen dürfte auch für Stalins Paranoia gesorgt haben. Du hörst die Ratten im Gebälk, aber Du kannst sie nicht erwischen. Dann nimmst Du allzu leicht auch gern die Falschen.
      Das nur um anzudeuten, dass die Zusammenhänge kompliziert sind und ein einfaches Klischee der Sache niemals gerecht werden kann. Und das ist natürlich längst nicht alles…
      UND: Gegenüber dem mordenden Imperium – heute so wie auch gestern – waren die Fehler in der Zeit des Stalinismus geradezu vernachlässigbar. Und ohne Stalin würden heute die Zeugen Coronas bzw. Blockwarte eine Armbinde mit dem bekannten Knickkreuz tragen.

    • Stalin war super. Leider nur exklusiv für Stalinisten.

      Für die anderen eher so mittel. Bis tödlich.

      Und ohne Stalin ginge es der Welt heute viel schlechter. Naja, ist schon wieder Staatsbürgerkunde?

  4. Es gibt noch einen sehr wichtigen Punkt, der mir in der öffentlichen „Debatte“ zu kurz kommt:
    Der 'Wessi!
    Wenn es um Einheit und Wiedervereinigung geht, wird immer noch nur-auf-den-Ossi-geschaut:
    Einst hatte man den unzufriedenen Ossi zum Jammerossi erklärt, ausdauernd den ´grau/braunen Ostdeutschen´ in Stein gemeißelt. Aber wer will schon als graubraun-gemeißelter Stein des Anstoßes in die Geschichte eingehen? Oder als Jammerossi?
    Jetzt, nach 30 Jahren eingebläuter DDR- und Wende-geschichte werden Fehler in der politischen und medialen Umsetzung der „Einheit“ eingeräumt. Man suggeriert Gehör. Vielleicht auch, weil der medial in-Stein- gemeißelte-graubraune-Ostdeutsche ins Rollen gekommen ist und es bröckelt?
    Wieso geht es eigentlich nur um den Ossi, wenn wir von (Wieder-) Vereinigung reden und von Einheit, Einigkeit? (Oder geht es etwa um Einverleibung eines entfremdeten Körpers?) Sind Ost und West sich einig?? Und: wieso weiß der Westdeutsche so wenig vom Ostdeutschen, wo doch nicht wenig über ihn berichtet wird?
    Was weiß der Ossi vom Wessi?
    Was weiß der Wessi vom Ossi? …
    „Der schlaue Fuchs, der stellt sich dumm; beim Wessi isses anders rum.“
    Mal ernsthaft: Dieser zum Individualisten sozialisierten Wessi , was ist das für einer? Wie tickt denn der?
    Und was wäre eine Annäherung? Den Wessi sozialisieren und den Ossi individualisieren? Oder sich entgegenkommen im Bewusstsein seiner Verschiedenheit, Eigenheiten? Wobei das Wort „eigen“ sehr gut auf die Menschen, die ich, eine West-sozialisierte, hier in der lausitz kennengelernt habe, zutrifft.
    Es gibt sehr viel, was sehr lohnenwert wäre, wenn wir Westdeutschen uns, unser Denken, unsere Haltung mehr hinterfragen würden. Wie sind meine Sichtweisen und Meinungen zustande gekommen? Beruhen sie auf eigenen Erfahrungen, oder aus übernommenen Ansichten. Wie sehr bestimmt meine Sozialisierung mein Denken und Handeln. Nehmen wir nur das „Deutscher sein“ als Beispiel. Ich gehöre der Generation der Nachkriegsenkel an. Das heißt, dass ich mit der Schuldfrage bzgl. 3. Reich immer wieder individuell konfrontiert worden bin. Das hat sich einverleibt, Schuld und Scham, Deutsche zu sein. Das ist sehr verbreitet in meiner Generation, obwohl wir ja erst in den 60-ern geboren sind. Diese individuelle Schuld und Scham ist mir hier so gut wie gar nicht begegnet. Dass die Greueltaten stark verurteilt werden, ja, aber nicht individuell als Schuld aufgeladen sind. Im Westen, möchte ich behaupten, war das aber so. Allein die tatsache, wie in Berlin (von da kenne ich´s) andere kulturen gefeiert werden, wie wir Deutschen deren Patriotismus beklatschen, uns selbst mit den Flaggenfarben anderer Länder bekleiden (Brasilien, jamaica, u.a. t-shirts, Taschen etc). Aber wer mit einem Deutschland t-shirt ausserhalb der fußballsaison rumläuft, wird gleich als Nazi eingestuft. Das ist doch unverhältnismäßig. Ich habe anfangs hier im osten auch gedacht, dass das wohl alles nazis sein müssen, die die deutsche Flagge hissen. Aber nein! Hier lebt eine Liebe zur Heimat, und Deutsch-sein ist kein Makel. Genau das, was ich in Brasilien, Frankreich u.a.Ländern erlebt habe; genau das, was so viele Westdeutsche auf Reisen beeindruckt. Die Verbundenheit mit ihrer Heimat. Und wer ´s als Deutscher braucht, sich mit seinem Land so verbunden zu fühlen, dass er´s nach außen tragen möchte. Wieso nicht? Wie unfrei sind diese intellektuellen Freidenker, die das verurteilen, gar blindwütig bekämpfen (siehe Antifa).

    Kann aus einem gestörten Verhältnis zu den eigenen Wurzeln ein gesunder Baum wachsen?

    Aber daraus ergibt sich ja auch die Frage: Ist die NS-Diktatur im Westen wirklich aufgearbeitet? Wo der Westen doch auch immer wieder die Aufarbeitung der DDR-Diktatur fordert. (Wobei… w e n n man das schon fordert, sollte in einem Atemzug auch die Aufarbeitung der Wende gefordert werden!)
    Es gibt noch viele Baustellen in und zwischen Ost und West. Die erste Hürde zu überwinden, meine ich, liegt darin, sich seiner Sozialisation/Konditionierungen bewusst zu werden. Der Wessi ist individualistisch geeicht, der DDR-ler gemeinschaftlich. Wenn man sich über die eigene Prägung und die des anderen bewusst wird, kann man sich auf Augenhöhe begegnen und, vor allem, bereichern und ergänzen. ((„…Durch die intensiven Gespräche mit DDR-Bürgern ist mir noch einmal mehr klar geworden, wie wichtig eigentlich der Austausch zwischen Wessis und Ossis ist. Wir sind jeweils so unterschiedlich sozialisiert worden, was sich auch im Denken, Fühlen, Erleben widerspiegelt. Die einen mehr in Richtung Individual-Bewusstsein und die anderen mehr im Bewusstsein der Gemeinschaft. Das prägt die Menschen sehr unterschiedlich: Wo es auf der einen Seite vorwiegend um Selbstverwirklichung, um die Optimierung individueller Fähigkeiten geht, steht auf der anderen Seite mehr die Gemeinschaft im Vordergrund, Teil von etwas Größerem zu sein. Der Selbstverwirklicher dreht sich mehr um sich selbst und seine Optimierung, und der Gemeinschaftsmensch lebt mehr aus der Zugehörigkeit zum Kollektiv. Wie die Erde auch beides in sich vereint: Sie dreht sich um sich selbst und zieht ihre Bahnen um die Sonne. Der Mensch als Individuum kreist um sich selbst, wenn aber die Bindekraft (Zugehörigkeit, Zusammenhalt) zu etwas Größerem als er selbst, verloren geht, wird er aus der Bahn geworfen. Was die DDR-Regierung zwanghaft versucht hat zusammenzuhalten, ist unter ihrem ausgeübten Druck explodiert und in viele Einzelteile zerstoben. Viele sind aus der Bahn geworfen, selbst heute noch, nach 30 Jahren. Warum? Weil das westliche System ihnen keinen (Zusammen)-halt bieten kann?…“
    Im Allgemeinen hab ich gar nicht damit gerechnet, dass die intensivere Beschäftigung durch das Zeitzeugen-Projekt bei mir noch mal ein richtiges Feuerwerk im Kopf auslösen würde. Wie sehr dann erst bei denen, die diese Zeit ja am eigenen Leib erfahren haben! Bei mir als Wessi war’s aber auch so, dass der Blick nicht, wie sonst so üblich, im Osten und bei den „Ossis“ hängengeblieben ist. Er hat sich sozusagen vom Stativ gelöst und schwenkt zwischen Ost und West hin und her. Durch die intensive Auseinandersetzung mit den Teilnehmern und ihren Erinnerungen ist nicht nur ein viel differenzierteres Bild vom DDR-Leben entstanden – mehr noch: es hat den Vergleich mit dem westlichen System herausgefordert, insbesondere mit den heutigen Verhältnissen. Viele Aspekte haben eine ganz andere Dimension bekommen. Irgendwann ist mir auch aufgefallen, dass Diktatur und Sozialismus und somit auch Demokratie und Kapitalismus nicht unweigerlich zusammengehören. Wenn heute generell von der DDR-Diktatur gesprochen wird, schwingt da ganz subtil auch gleich die These des gescheiterten Sozialismus mit. Aber, streng genommen, ist ja nur der von oben diktierte Sozialismus gescheitert. Der Versuch eines demokratischen Sozialismus hatte schlechte Karten und wurde damals am Runden Tisch verspielt. Somit weiß man auch nicht, was draus geworden wäre. Jedenfalls, die schönen Erinnerungen aus der DDR-Zeit, die waren alle im Sozialen, im Miteinander und nicht im Diktatorischen begründet. Da ich nun mal im Politischen nicht besonders versiert bin, war das ein überraschendes Aha-Erlebnis: Was vorher ein diffuses Gefühl war, unterscheide ich jetzt: einerseits Diktatur, andererseits Sozialismus…“))

    Nun denn, wer Spaß am Lesen hat, in´s DDR-Leben reinschnuppern, sich neue Impulse holen möchte: Die e-Book-Version "Früher waren die Häuser grau und die Menschen bunt…" ist unter www.forst-stadtentwicklung.de eingestellt.

    • Hier möchte ich nur einmal EINEN Punkt herausgreifen: Ich zitiere d.s.: "Ich gehöre der Generation der Nachkriegsenkel an. Das heißt, dass ich mit der Schuldfrage bzgl. 3. Reich immer wieder individuell konfrontiert worden bin. Das hat sich einverleibt, Schuld und Scham, Deutsche zu sein." Zitatende. Heißt das, dass Du schon diese ganze Zeit nichts gedacht hast? Wie konntest Du Dir so einen Unsinn zu Gemüte führen? Es ist doch sofort zu sehen, dass die Nachkriegsgenerationen – und wenn sie das noch so gern gemocht hätten, Ironie aus – an NICHTS beteiligt sein konnten, das irgendeine Schuld diesbezüglich hätte über sie bringen können. Wie sagten auch KZ-Überlebende immer wieder: "Die Nachkriegsgeneration trifft keine Schuld!". Ich finde, soweit sollte man schon mal denken.
      Und noch eins, was wohl nicht von allen zu erwarten ist. Bekennt man sich dazu, eine Geschichte zu haben, und das gilt nicht nur für Deutsche, auch für Europäer, vielleicht die ganze Welt – dann kann man aus dieser etwas lernen und wiederum daraus so etwas wie eine "historische Verantwortung" entwickeln und wahrnehmen. So etwa, dass Menschlichkeit allem Denken und Handeln vorauszugehen hat. Da kann man aus dem Holocaust viel lernen, etwa Menschen nicht vernichten zu wollen. Oder aus dem Vietnamkrieg, dass man Kriege nicht einfach willkürlich lostreten darf. Auch nicht im Irak. Man kann auch daraus lernen, dass man Menschen nicht wie beim Tontaubenschießen aufs Korn nehmen darf, wie jüngst vor Gaza zu beobachten war, wo man sich fragt, was haben die Israelis bloß aus dem Holocaust gelernt? Nun ja, gewiss nicht alle! Ich kenne viele, die das kritisieren, zum Beispiel in JVP = Jewish Voice for Peace (In Palästina, natürlich), die auch BDS unterstützen. Damit will ich dieses komplexe Thema beschließen, das ich allenfalls angekratzt habe.

    • <a class='bp-suggestions-mention' href='https://kenfm.de/members/wildenfelser/' rel='nofollow'>@Wildenfelser</a>. Lieber Wildenfelder, Zu meiner Kindheit wurde uns diese Schuld und Scham, deutsch zu sein, schon subtil eingebläut. Nicht zu vergessen: im Westen sind wir damals auch schon mehr zu Individualisten "sozialisiert" worden. Da hat auch jeder für sich einen Packen Schuld und Scham mit auf den Weg bekommen. Da bin ich doch kein Einzelfall. Viele, viele, gerade auch in der MultikultiSzene (ich spreche von Berlin, wo ich 30 Jahre gelebt habe.) haben kein sehr liebevolles Verhältnis zur eigenen deutschen Herkunft. Dann sind da auch noch die offensichtlichsten "Früchte" dieser Agenda: die Antideutschen. Persönlich kam auch noch die Erfahrung dazu, als Jugendliche am jüdischen Viertel in Paris eine Zeitlang verbracht zu haben. Da fanden mich einige Rabbis auch nicht so toll…weil ich deutsch bin. Grundsätzlich glaube ich, dass wir Menschen im Sozialisationsprozess durch so vieles geprägt werden, ohne dass wir uns darüber gleich bewusst sind. Manche vllt nie. Das ist auch ein Punkt, der meines Erachtens zu Missverständnissen zwischen Ost und West führt, weshalb solche Bücher wie von k.mc lean ja auch eine Brücke zum gegenseitigen Verständnis sein kann. Mehr mag ich auch nicht an der Sache weiter rumkratzen. Nur noch das: Wenn ich nicht in den Osten gezogen wäre und hier die Leute mit ihrer Liebe/Verbundenheit zur Heimat kennengelernt hätte, würde ich es sicherlich immer noch nur bei Brasilianerin, Afrikanern, Franzosen, (was auch immer) gut heißen und bei Deutschen schnell in Verbindung mit Nazis bringen. Heute sehe ich das differenzierter, Dank der Leute, die ich hier kennengelernt habe. Allerdings… das muss ich auch sagen: Stolz oder so was in der Art empfinde ich jetzt nicht: hab ja nichts dafür getan, als Deutsche geboren zu sein. Und das Bedürfnis nach kultureller Zugehörigkeit kann ich auch nicht in mir finden. Jedem wie erst braucht. Was ich aber auch nicht mehr in mir finde, ist dieser Schuld/Schamkomplex. Das tut gut und dafür bin ich dankbar. Wer weiß, ob s ohne Umzug in den Osten, ohne die Menschen hier, auch so gekommen wäre. Wir können so viel voneinander lernen…

  5. „Und wenn du´n Plumpsklo gebaut hast… du hast ´n Sozialismus aufgebaut. So war das früher…“

    <a class='bp-suggestions-mention' href='https://kenfm.de/members/kenfm/' rel='nofollow'>@KenFm</a>
    Ihr preist die Basiskultur? Bitteschön!
    Im folgenden Ausschnitte aus dem Zeitzeugenbuch zum Thema Leben in der DDR und die Wende. (Titel:"Früher waren die Häuser grau und die Menschen bunt…"). Ist sogar kostenlos. http://www.forst-stadtentwicklung.de/

    ((„…Denne ma, als die Decke schon fast fertig war, eenen Abend, wie’s so kommt, da ham wa eenen ganz schön genascht und Rudi ganz schön besoffen. Ich sag zum Franze: „So, den einen Nagel hau ich noch rein. Denn machen wa Feierabend.“ Ich hau den Nagel rein. Der Nagel trifft ‘ne Leitung. Batsch! Licht aus. Jetzte ham wa da rumgerudert: „Wo krieg’n wa Licht her?“ Der Rudi total besoffen. Der musste ja noch die Treppe runter. Der is’ dick! So richtig dick! Oijoijoi, was nu? Denn geht das Licht auf einma’ wieder an … und wieder aus und an … und aus. Irgendwie ham wa’n die Treppe runter gekriegt. Oijoijoi, was machen wa mit dem? Denn war da noch so’n kleener Dackel. Der musste och noch mit. Was nu? Nach Hause bringen können wa den so nich’. Die Frau hätte getobt. Da fällt mir mein Bruder ein. Der liegt genau auf’m Weg. Ich zu Franze: „Komm, den schaff’n ma zu meinem Bruder. Irgendwo legen wa den da nieder. Weiter schaff ich’s och nich’.“ Kommt in dem Moment genau ‘n Kohleauto vorbei, ‘n LKW, und ich kannte den. Ich sag: „Lothar, guck ma’ hier“ und zeig auf den halbtoten Rudi. „Mensch!“, meent er, „was machen wa mit dem?“ Ich sag: „Der muss bei dir ins Auto rein. Den schaffste jetze zu meinem Bruder.“ Da ham wir den dicken Sack, der war bestimmt zwei Zentner und mehr, dorte in das Kohleauto reingehievt. (lacht) Ja und der Lothar, der das Kohleauto fuhr, hat ‘n denne bei meinem Bruder abgeladen. Da ham se den dorte uff die Couch gepackt. Den Dackel mit dazu. In der Früh wusste der Rudi gar nich’, wo er is. (lacht) Das war Ostern, und der Dackel …(lacht) … das ganze Osterzeug gefress’n, die Kinder ihre Schokolade und so…“))
    ((„…Bei mir war det och so: Eigentlich brauchte ich gar nich’ viel unter der Woche einkaufen. Mein Mann kam ja immer im Wechsel donnerstags oder freitags im Wochenturnus nach Hause. Der is’ denn Wochenende einkaufen gefahr’n, und ich hab im Haus sauber gemacht. Da musst ich unter der Woche nich’ mehr viel einkaufen. Vielleicht ma wat beim Fleischer oder so. Wenn de denn von Arbeit mit Fahrrad nach Hause gefahr’n bist und ‘ne Schlange irgendwo gestand’n hat, biste abgestiegen, hast dich hinten angestellt und gefragt: „Wat gibt’s ‘n hier?“ Und als Antwort kam denn: „Ja det weeß ich noch nich.“ Aber du hast dich erst ma’ angestellt. (lacht) Die Letzten wussten nich’, wat et vorne gibt, aber egal: stellst dich schon ma’ hin. Wenn de denn so über die Türschwelle warst, denn haste geseh’n, was es gibt. Oder hat sich denn eventuell auch nach hinten rumgesprochen. Aber … du hast eben da gestanden und gewartet auf das was kommt. …“))

    oder zum Thema ´Wende´:
    ((„…Ich kenn’ viele, viele, die von der DDR enttäuscht sind, aber mindestens genauso viele, die von der Wende enttäuscht sind. Was ich ja so schlimm find’, wie nach der Wende och alles dicht gemacht wurde: Kneipen: weg; kleine Geschäfte: weg, alles is’ jetze so unpersönlich. Alles anonym. Überall wo Gemeinschaft war: Brigaden weg … alles weg. Manchma’ frag ich mich, ob se das bewusst so gemacht ham. Denn hat ma’ ja die Leute besser unter Kontrolle, wenn jeder nur für sich is’. Wenn de dir das so anguckst, heute … Man merkt’s balde täglich….))

    ((„…Wie der Kapitalismus so drauf is, das hab ich ja erst ‘ne Weile später mitgekriegt. Gleich zur Wende war ich in Ost-Berlin. Hatte da zwei Baustellen in Weißensee. Ich war ja schon zur DDR-Zeit selbstständig. Genau in der Nacht, wo die Mauer fiel, lauf ich so rum in der Stadt, hab mir alles angeguckt, dann: „Ooh!“ Zack! Die Wende! Bin ich rüber. Da hab ich so gedacht: „Im Westen kannste dich alleine hochstrampeln. Aber Scheiße war! Nichts! Am nächsten Tag bin ich wieder rüber und denne noch ma’, die 100 Mark abpassen. Bin also so rumgeschlendert. Da seh ich ‘nen Klempner mit Rohre hantier’n. Der hat das Rohr irgendwo eingespannt, dreht dran, irgendwie elektrisch, und das hat gesessen! So was hab ich im Leben noch nie gesehn! Als DDRBürger … Ich zu dem hin: „Mensch, du hast ja ‘ne Technik hier und dies und das. Is’ alles so schön hier bei euch!“ „Ach“, meent er, „hör ma’ uff! Als Handwerker wirste hier och nich’ reich.“ Ich wollte dem das nich’ abnehmen, überhaupt nich’ abnehmen. Ich wollte das nicht glauben! „Mensch!“, denk ich, „musst dich nur ‘n bissel anstrengen.“ So, wie wir’s in der DDR gewohnt war’n: arbeiten und arbeiten und los. Muss ja was werden. Aber der hat recht gehabt! Heute kriegste nur Knüppel in ‘n Weg geschmissen. Wenn ich mich mit anderen Ossis unterhalte, sagen die och: „Wenn de dir alles aufrechnest, war’s früher besser.“ Früher haste vielleicht auch 800 Mark verdient. Davon konnteste aber leben. Die Miete war, wenn’s hochkommt, 60, 70 Mark und all die andern Festkosten, die war’n minimal. Da haste noch weit über die Hälfte zum Leben gehabt….))

    ((„… Der Wessi sagt: ‘Ich bestimme und ihr habt euch uns anzupassen. Schließlich sind w i r die älteren (BRD-Bürger), die länger in der Bundesrepublik leben’. Das ist das, was mich wütend macht!! Wir haben unser ganzes Leben lang nichts gemacht und nur drauf gewartet, dass die Wessis kommen und uns sagen: ‘Ihr seid zu doof!’“))
    oder
    ((„..Die DDR, also für mich war det nu wirklich Heimat. Kuck ma, die Leute, die ‘89 auf die Straße gegangen sind, ham bloß geschrien: „Die große Freiheit! Die große Freiheit!“ Die ham immer nur diese Nachrichten geseh’n (Westfernseh’n), wo se überall hinfahr’n können, und wat et da allet so gibt, ne? Und weiter ham die nich’ gedacht … ham die nich gedacht! Kuck ma, eingesperrt in unserm Wohnort war‘n wir ja auch nich’. Wir hatten auch uns’re schönen Fleckchen Erde. Ich hab wirklich schöne Urlaube hier gehabt: Ostsee, im Erzgebirge, … In Thüringen gab’s ja wirklich schöne Fleckchen Erde. Was will man mehr? Was ham die damals gedacht? Was ham die gedacht? Alles Gute wird mitgenommen und bleibt, das Schlechte fällt weg und der Westen übernimmt das Gute? Ich mein, dass Kapitalismus dort herrscht, war ja jedem bekannt. Was ham die sich gedacht, wie Kapitalismus aussieht? Ham die gedacht, jetzt kommt der Osten und jetzt wird alles gut?…“
    „.. überleg’ dir doch ma’, wat hatten wa denn allet? Wir hatten ‘ne gute Kinderversorgung, bezahlbares Wohnen, ‘ne mehr oder weniger gute Gesundheitsreform. Und diese Wohnung, die wir bis zur Wende hatten. Det war so schön! Da ham wa auf ‘ner ganzen Etage in ‘ner alten Villa gewohnt. 128 qm, 56,- Mark Miete! Und das war viel zur DDR-Zeit. Die ersten Jahre nach der Wende ging’s uns finanziell gut, solange wir die DM hatten. Ich bin zwar gleich nach der Wende entlassen worden, aber mein Mann hatte ‘nen guten Verdienst. Da ham wir mat’riell wirklich ‘n gutes Leben gehabt. Keine Frage! Bis det nachher anfing … warte ma’ … Anfang ‘97. Da ging’s denn los, wo die Firma nich’ mehr gezahlt hat. Sowat gab’s nich’ in der DDR! Da hast du regelmäßig dein Geld gekriegt….
    …Wir ham so schöne Hofpartys gefeiert, oder wenn die Männer nich’ da war’n: wir ham, kannste sagen, aus einem Topf gegessen. Ich war mit Frühstück dranne, die nächste hat zu Mittag gekocht. Im Sommer ham wir’s uns draußen richtig schön gemacht und zusammen gegrillt. Und die, die damals über uns gewohnt hat, die guckt mich heut’ nich’ ma’ mehr an! Die sagt nich’ ma’ mehr „Guten Tag!“. Allerdings wurde die auch damals arbeitslos. Det is’ nich’ so, det die ihre Arbeit behalten hat, aber tat trotzdem so wunders wer se is’. Det war damals die Zeit nach der Wende, wo die Gehässigkeit anfing, diese Anscheißerei erst so richtig los ging. Jeder wollte der Beste sein. Jeder hatte Angst um seinen Arbeitsplatz. Weil die, die Arbeit hatten, konnten sich mehr leisten. Dazu kam diese Angeberei und Neiderei. …“))

    ((„..Nach der Wende bin ich bei ‘ner Konfirmation von ‘ner Nichte in Neu Petersheim dabei gewesen. Also nichts, gar nichts geschmückt! Da kam der Pfarrer mit so ‘nen hässlichen, braunen Pappkartons, keene Schrift druff, nichts! Vorne war’n 3 oder 4 Konfirmanden, mussten da runterknien und so’n Zeugs. Da hat der denen Werbeartikel geschenkt von irgendwelchen Seifenfirmen! Ich dachte, ich bin im falschen Film. Hinterher muss es dann bei mir ‘klick’ gemacht ham. Warum hat der das gemacht? Wahrscheinlich hat der von den Firmen was gesponsert gekriegt. Beim Essen später is’ der Pfarrer zu jedem ma’ hin an die Tische, hat sich überall so’n bissel durchgefressen. Irgendwann kam er och zu dem Vater von dem Mädchen, was konfirmiert wurde. Der Vater hat dem dann so durch die Blume zu versteh’n gegeben, dass er das gar nicht gut fand. Ich hab ja och zu meiner Angelika gesagt: „Das kann doch wohl nich’ wahr sein!“ Meine Jugendweihe war richtig, richtig schön, mit Blumen und so. Also, richtig schön geschmückt! Aber heut geht’s immer nur um Profit. Überall!…“))
    Oder:
    ((„…Was willste nu deinen Kindern heute noch sagen, nach was die sich richten sollen? Einzelkämpfer werden? Immer nur seinen schnellen Gewinn aus allem rauszieh’n? Und dabei die Erde, die Natur verschandeln? Wir können gar nicht ohne die Natur! Gold, Silber, Erz, Erdöl, Erdgas, Lithium … alles, alles kommt zuallererst aus der Erde. Die Kohle kommt aus der Erde. Wenn du ‘n Haus oder so bauen willst: Du brauchst den Kies, Sand, Kalk … alles kommt erst ma’ aus der Erde, von der Natur. Unser Essen, Wasser … alles! Alles! Und das ham die Verbrecher erkannt. Da greifen se zu. Was machen se draus? Ob’s Arzneimittel sind oder Glyphosat, scheißegal was: aber hat erst ma’ seinen Ursprung in der Erde. Die beuten alles und jeden aus, wo se nur können. Unglaublich! Im Fernsehen kam ma’ ’n Bericht über so ‘ne Fischer, irgendwo in Asien, wo die Fischerei verboten wurde, weil die großen Fischereien alles abgefischt ham. Jedenfalls sind so ‘ne kleenen Fischer mit ihre Kutter da rausgefahr’n und ham schwarzgefischt, weil se ja ihre Familie ernähren mussten. Zweie, Dreie ham se festgenommen. Die Medien das schön gefilmt. Am Ende vom Lied hamse die Boote von den armen Fischern draußen auf’m Meer gesprengt. Unsere Medien ham das als Erfolg hingestellt: „Jetzt sind die Boote weg. Jetzt können se nich’ mehr illegal fischen.“ So ungefähr hamse’s gebracht. Jetzt musste dir vorstellen: Die Menschen hamse die Boote beraubt, die Familien müssen hungern. Das ganze Eisen, was im Schiff verbaut is’, is’ weg. Es muss neu aus Erz wieder hergestellt werden. Das Meer wurde mit dem ganzen Öl und so verseucht und unsre Medien freu’n sich drüber….“))

    Als West-Sozialisierte bin ich vor einigen Jahren von Kreuzberg in die Lausitz gezogen. Die Menschen, die ich hier kennengelernt habe, haben mir ein viel lebendigeres Bild vermittelt vom früheren DDR-Leben, vom Wende-trauma und dem Leben bis hin zur Vor-Corona-Zeit. Schöne, schaurige, tragische, kämpferische, lustige, verrückte Erinnerungen bunt zusammengewürfelter DDR-Bürger haben sich daraufhin in die Buchseiten gegraben … lassen ein Leben und Lebensgefühl auferstehn, das West-Sozialisierte erstaunen lässt uund überraschen uund schmunzeln uund schaudern – uundundund, lebendig bunt – anders halt, als die medial aufbereitete, einheitlich graugetünchte-DDR -Version .
    Unterschiedliche, irgendwie berührende Erinnerungen sind in diesem Büchlein zusammen gekommen…Der Versuch, die Dialekte beizubehalten, hat nicht immer geklappt, aber ausgereicht, um auch die Menschen, die erinnern, ein wenig zu erspüren.
    Was offenbart sich dem Leser, der in der DDR gelebt hat? Vertrautes… Heimat …
    Was dem Einen unter ihnen Schnipsel seiner zwar verbrieften, schlussendlich aber verkappten Identität sind, sind dem Anderen gerade mal Schnipsel einer verflossenen Identifikation. So oder so, in jedem von ihnen wecken sie Heimat.
    Und was eröffnet es dem Leser, der die DDR nur aus den Medien kennt? Dem `Wessi` und der jüngeren Generation mögen die Erinnerungen als Lego-Bausatz dienen, mit denen er sich sein eigenes Bild (mehr geht nicht mehr) vom Leben in der DDR, der Wende und den `Überlebenden dieser Epoche` machen kann.
    ((„…Diese Epoche ist unwiederbringlich vorbei … Stückwerk … Geschichte. Was bleibt, wenn der letzte DDR-Bürger gegangen ist? Erinnerungen: nicht mehr wie der Geruch, der im Raum liegt, nachdem die Speisen schon alle verzehrt sind, das Geschirr abgetragen. Die Gesellschaft hat sich bereits aufgelöst. Nur hier und da sitzen noch ein paar am Tisch, bis das letzte Glas geleert ist. Wenn ich diese Leute befrage, wie das Essen geschmeckt hat, mit den letzten Resten von Aromen in der Luft, anziehend und abstoßend zugleich, wenn ich diese Leute also befrage, werde ich mir sicherlich ein umfangreicheres Bild vom Essen machen können, schmecken werde ich es aber trotzdem nie mehr können. Es ist verzehrt und das Geschirr abgetragen. ..“))
    Vieles, sehr vieles, was mir an Erinnerungen zugetragen worden ist, war mir, als Wessi, völlig neu. Es scheint auch so, dass im Osten viel mehr Menschen den Medien gegenüber viel kritischer eingestellt sind als der Wessi, haben sie doch Staatsfernsehn schon mindestens einmal hinter sich. Demgegenüber stellen die MSMedien den ´Ossi` eher als Hinterwäldler dar, graubraun, der ´Demokratie erst noch lernen muss`. Allerdings musste ich feststellen, dass wir Wessis, die wir vom Ufer der selbsternannten Aufgeklärten und Guten kommen, auch noch viel lernen können und ob wir wirklich aufgeklärter, freidenkender, demokratischer…besser sind? Mitnichten. Was mich auch so beeindruckt hat, wie jeder fähig ist, sich selbst zu helfen. Der maurer ist nicht nur maurer, er kann auch Glaseer, elektriker, Mechaniker, Bauer etcetc. Alles in einer Person. Und ich rede hier nicht von Ausnahmen!
    Ich wusste z.B. auch nicht,
    dass die Brigaden verbreitet als eine Erweiterung der Familie erlebt wurde. (Also keine Stress erzeugende Aufteilung von Arbeitsplatz und Privatleben gemäß westlichem Lifestyle. FB u.a. Unternehmen scheinen übrigens eine ähnliche Strategie für deren Angestellte zu verfolgen); ((„…Aber so wie’s war, war schön, irgendwie ruhiger. In der Brigade, det war och richtig familiär. Det war nich’ so wie heute: Arbeit is’ Arbeit und privat is’ privat, nee! Wir ham zusammen gefrühstückt, det war einfach ‘ne Harmonie! Wir ham über Familie gesprochen. Wenn de Probleme in der Familie oder so hattest, gab’s immer ‘n offenes Ohr. Du brauchtest dir och keenen Einzelnen raussuchen, mit dem de mehr konntest. Nee, am Tisch, mit allen zusammen. So war det jedenfalls in meiner Brigade. Da ham auch alle zugehört. Anscheißerei kam och ma’ vor, aber denn ham alle aus deiner Brigade zu dir gehalten. …“))
    Ich wusste zwar, dass man die Partei nicht kritisieren durfte, aber nicht, dass man den Arbeitgeber ganz schön hart ´rannehmen konnte – ohne seinen Job zu riskieren – im Gegensatz zum Westen . („Es gab den Brigadier und den Vertrauensmann. Da musste ich regelmäßig zur Rechenschaftslegung. Was denkste, was da manchmal los war! Und ich dachte: „Donnerwetter!“ Der Betriebsleiter und sein Gremium, die ham vorne gesessen und alle Vertrauensleute vom ganzen Betrieb, von allen Baustellen, sind gekommen … rein … und denn ging’s los: „So, des ham wa geschafft, da war Scheiße, da war das … Mann, Mann! Da gab’s Pfeffer! Da gab’s richtig Pfeffer!“ „Von welcher Seite?“ „Von den Vertrauensleuten, von den Arbeitern!“ „Die haben sich das getraut?“ „Ahja, freilich!“…)
    ich wusste auch nichts von Subotnik, den Timur Trupps, von den Patenschaften, Hausfesten, von den sogenannten Rückübertragungen ((„…zur großen kam dann noch die kleine Abwicklung…“))
    oder was das Stasi-thema angeht, meinte einer auf meine Frage: ((„…Wie erkennt man einen ehemaligen Stasi?“ „Das merkste, wenn de ‘ne Weile mit den Leuten zusammen bist. Das merkste folgendermaßen: zum Beispiel beim Marienkäfer. Der kam manchma’ bei mir arbeiten, mit der roten Loretta. Zur DDR-Zeit war’n se in hoher Stellung und für ’n Sozialismus eingenommen. Jetzt kam die Wende, da müssen se gemerkt ham: „Aha, hier is’ was falschgelaufen. Ich hab für die Falschen Beifall geklatscht.“ Denn hat er gemerkt, dass er mit’m Sozialismus falsch gelegen is’, mit seiner Ideologie. Jetzt kam also der Westen, und da se ja Hörigkeit gelernt ham, setzt sich das fort: die sind wieder hörig. Weißte? Das is’ mir auch bei andren so aufgefall’n: bei Werner, bei Tümpelkröte und bei dem und bei dem … bei vielen….“)).
    Oder:
    ((„.. Ach! … Stasi! Det war gar nich’ so, wie immer gesagt wird. Du hast in der Kneipe och Witze über die Partei gerissen. Klar, gab’s den einen oder and’ren, der dich ma’ angeschissen hat. Aber ich sag ma’: Früher haste mit die Stasileute am Tisch gesessen und Bier gesoffen, und heute? Heute wirste doch überall überwacht! Wenn de zu Kaufland einkoofen gehst, kriegste danach ‘ne SMS: ‘wie war’s bei Kaufland?’ Jetzt wollen se ja sogar noch Bargeld abschaffen. Denn wissen die ja sogar, wat du abends uff’m Abendbrot hast. Ick find det heute mit Überwachung noch viel, viel schlimmer als früher. Viel schlimmer! Damals haste dir ja noch so ungefähr denken können, wer bei de Stasi is’ und wo du ‘n bisschen vorsichtig sein musst. Und in die Kneipen … da wussteste einfach, dass mindestens ein, zwei Mann von de Stasi da drin sitzen. Aber Spaß haste trotzdem gehabt….“))
    Oder:
    ((„… eine andere Episode: ich wurde Bauverantwortlicher für die Kirche in Sacro. Also Kirchenanhänger und Genosse. Das war eigentlich schon ‘n Ding für sich. In der Stasiakte war’s denen gerade mal 7 Zeilen wert. Aber wie ich zu dem andern da, dem Pilzsucher mit Schlips, „du Arschloch!“ gesagt habe, da haben die 2 Seiten drüber geschrieben! Wie ich so was sagen kann und so. Ich hab auch noch andere Worte zu dem gesagt und gemeint: „Du musst mal überlegen! Ich bin hier für die Energieversorgung verantwortlich. Da muss ich mich ja wohl auskennen. Und wenn hier mehr Leitungen wie normal verlegt werden, dann könnt ihr euch noch so verstecken. Im Endeffekt braucht dieses Objekt mehr Strom wie ganz Cottbus als Bezirksstadt. Dann weiß ich doch, dass ihr das nicht nur zum Fitnessüben nehmt. Das ist doch ganz offensichtlich. Selbst der Klassenfeind weiß schon längst Bescheid. Der ist schon vor 2 Stunden hier vorbeigefahren.“ – „Wieso haben sie das nicht angezeigt?“ – „Na, was soll ich anzeigen? Ihr seid doch gleich hinterhergekommen!“ – „Wie kommen sie darauf?“ – „Na wer mit solchem Tempo mit ‘nem Lada 2107 hinterherfährt, das kann kein Privater sein. Außerdem dürfen die Amis doch überall fahren.“))

  6. Hat da jemand gewonnen, wer hat gewonnen….? Das sollte doch klar sein.
    Also, wer hat gewonnen?
    1. Die westliche Bewusstseinsindustrie. Die gewinnt immer. In Ost und West.
    2. Die westlichen Investoren. Die konnten schließlich den größten Raubzug der dt. Geschichte durchziehen.
    Damit war der "Löwenanteil" verteilt und was die Reste betrifft….
    3. Alle die, die im Westen mit der Karriere nicht vorwärts kamen und dann im Osten alle "besseren" Stellen übernehmen konnten, im Rechtswesen, an Unis, usw. alles, was irgendwie interessant war. Die "Kolonialtruppe".
    4. Vielleicht noch ein paar clevere Ossis, die auch verstanden etwas an sich zu reißen, das ihnen nicht gehörte.
    Sonst noch wer? Habe bestimmt ein paar vergessen…. Anpassungspolitiker oder wie man die nennen soll….

  7. Ich habe noch nicht das ganze Interview gesehen und hole es später nach, da ich momentan zu erschöpft bin.
    Vorneweg ein Riesenkompliment für Ken Jebsen. Stets hochkarätige Gäste und klar struktuierte Interviews, wo diese auch zu Wort kommen. Jebsen ist für den Deutschen Journalismus wie die Beatles für den Rock'n'Roll.

    Die Abwertung der DDR in den Medien, auch bei uns in der Schweiz, war mir schon damals suspekt, obwohl ich keine besondere Sympathie für dieses Land empfand. Plötzlich galt alles "als marode"..das wurde in den Nachrichten routiniert herunter gebetet, damit man Konzerne (über die Treuhand) für einen Apfel und ein Ei kassierte.
    Auch fand ich die "Abwertung" der Ossis Anfang der 90er suspekt. Zuguterletzt finde ich als Schweizer den Sächsischen Dialekt sehr schön.
    Vielleicht sind in aktuellen C-Zeiten die Menschen in den ostdeutschen Bundesländern zu Recht sensibler.

  8. Tag der deutschen Einheit
    Nicht meine Einheit

    Der große Bankraub

    Heute jährt sich zum 30. Male die Wiedervereinigung, doch bleibt Deutschland auch 2020 ein gespaltenes Land. Historisch betrachtet war die Einheit keine Unternehmung auf Augenhöhe, sondern eine feindliche Übernahme. Der Ausverkauf des Ostens an den Westen ist ein monströses Verbrechen und dessen Nachwirkungen hallen bis in die Gegenwart nach. (…)
    Doch über der Freude über die Errungenschaften der Friedlichen Revolution liegt ein dicker, fetter neoliberaler Schleier. Denn natürlich wuchs hier zusammen, „was zusammengehört“ (Brandt), doch war dies kein Zusammenschluss von Gleichen auf Augenhöhe, sondern eine feindliche Übernahme, ein Ladendiebstahl, ein Banküberfall. Horst Köhler, damals Staatssekretär im Finanzministerium, und sein Mitarbeiter Thilo Sarrazin stürzten vorsätzlich drei Millionen Ostdeutsche in die Arbeitslosigkeit, um den Osten so an das geringere Beschäftigungsniveau des Westens anzugleichen. Sarrazin – mit dem ideologischen Rüstzeug seiner Doktorarbeit über die Rentabilität von Sklavenarbeit in den US-Südstaaten ausgestattet – wandte seine arbeitsmarktpolitischen Erkenntnisse von den „N***sklaven“ nun auf die Ostdeutschen an. Die Mafiaorganisation Treuhand ließ ihre neoliberalen Heuschrecken über die „neuen Länder“ (was für ein Wort, ganz so, als hätte es in der DDR kein Brandenburg oder Meck-Pomm gegeben…) hinwegfegen und hinterließ flächendeckend Brachland. Das Tafelsilber der Ostdeutschen wurde in Wild-West-Manier einfach geraubt und dem Westen überschrieben.
    Wenn gewöhnliche kleinkriminelle Verbrechen eine gewisse Größe, ein gewisses Maß überschreiten, ist es für die Menschen schwer bis unmöglich, sie überhaupt noch als Verbrechen zu erkennen. Wie sagte Bertolt Brecht doch gleich?
    Bankraub ist eine Unternehmung von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank.
    Damals wurden ganze Unternehmen für eine D-Mark an westliche Banken, Konzerne und Personen „verkauft“. Stahl, Kohle, sämtliche Industrien bis hin zum Restaurant um die Ecke – alles, was Geld bringt, wurde an kriminelle Investoren auf der Suche nach dem schnellen Geld verschachert. 19.500 Unternehmen wurden dabei privatisiert, Tausende weitere abgewickelt. 25.000 kleine Geschäfte und Restaurants wurden verkauft, ebenso rund 50.000 Immobilien; allein der Deutschen Bank wurden 112 Niederlassungen in bester Lage für Peanuts regelrecht hinterhergeworfen. Vom einstigen „Volkseigentum“ wurden durch den Raubzug der Treuhand 85 Prozent an Westdeutsche übertragen, 10 Prozent an ausländische Investoren und peinliche 5 Prozent blieben im Osten.
    Du musst in der Weltgeschichte lange suchen, um einen ähnlich monströsen Fall von Umverteilung, von staatlich organisiertem Diebstahl zu finden: 16 Millionen Ostdeutsche wurden vom Westen buchstäblich ausgeraubt.
    (Hinweise des Tages, NachDenkSeiten, JusticeNow!)

    • Es war das erste freie Ostparlament, das den Anschluss ans GG wollte.
      Das war der schnellere Weg. Und eben nicht eine Wiedervereinigung mit endlich einer Verfassung.
      Hat aber ein Stimmrecht nach Proporz und nicht 1:1 nach sich gezogen. Eine Wahnsinnstat und Dummheit sondergleichen.

      Der Westen hat gedrängt, die Alliierten haben Kohl in Straßburg erpresst, nachdem man ihm mit dem Tod von Herrhausen bereits gewarnt hatte.

      Es wäre bitter nötig gewesen, sich Zeit zu lassen.

      Aber es gab eben auch den praktischen Aspekt, dass man die immer weiter laufende Flucht in den Westen stoppen wollte. Das wollten beide Seiten mit schnellem Anschluss und v.a. Westmarkt.

      Diesen Zug der Zeit gab es einfach. So vielen wollten auf Gedeih und Verderb weg.

      Das kann man doch nicht ausblenden.

      Als Lafontaine etwas von Sonderwirtschaftszone zum Schutz der DDR-Exportwirtschaft redete, wurde er der Lächerlichkeit Preis gegeben und am Ende abgestochen.

      Aber nochmal: Das Ostvolk hatte die Faxen Dicke. Und sich entschieden. Dafür kann ich nichts und ich will dafür auch kein schlechtes Gewissen haben. Die hätten 89 auch bleiben können und das Land aufbauen.

    • Die DDR hatte also auch ihre Schattenseiten? Nur gut, dass der Westen keine hat. Wo Menschen zugange sind – außer im Westen – werden bekanntlich Fehler gemacht. Das ändert aber rein gar nichts an der Wahrheit dessen, was "Box" oben sagt.

    • Liebes "medium", da kann ich Dir nur ironisch antworten: "Frag nach bei Merkel!". Oder besser noch bei G. W. Bush und Obama. Die westliche Selbstdarstellung zeigt "uns" immer "fehlerfrei" und "recht habend", besonders auch im zerbomben von Ländern. WIR SIND DIE GUTEN wurde auch schon offiziell bestätigt. Schaut man dagegen auf den gewesenen Ostblock oder die DDR: "Alles Stasi oder was?". Gib zu: Die westliche Heuchelei ist unschlagbar und hält jeden Rekord.

    • Ich identifiziere mich nicht dem deren WIR. Oder ist es Ihr WIR?
      Ich sehe, dass diese Dinge geschehen. Schon vor 1989. In allen Teilen der Erde.
      In allen Regimen. Ost wie West.

      Selbsthass, weil eine Besatzungsverwaltung tagein tagaus Scheiße baut. Ohne mich!
      Da sind Sie bei mir falsch verbunden.

      Das spielt nur jemandem in die Karten, der es mit mir nicht gut mein, Mit Ihnen vermutlich auch nicht.

      Also was soll das Ost-West-Bashing?

      Sie sind der gute Ossi und ich der dumme Wessi? Und jetzt hat wer gewonnen?

      Das ist weit unter Kindergartenniveau.

    • Daniela Dahn, Rainer Mausfeld

      Tamtam und Tabu – Die Einheit: Drei Jahrzenhnte ohne Bewährung

      Das Jahr 1990 kann als einer der wichtigsten Momente der Nachkriegsgeschichte angesehen werden, da es einzigartige Chancen bot – sowohl für eine internationale Friedensordnung wie auch für eine erneuerte Demokratie, die dann diesen Namen verdiente. Heute wissen wir, dass diese Chancen aus geopolitischen Interessen und denen der Kapitaleigner gezielt blockiert und somit verspielt wurden. Warum war dies, entgegen den großen Hoffnungen der Bevölkerung so leicht?

      Die Leichtigkeit, mit der eine kleine Minderheit von Besitzenden Macht über eine große Mehrheit von Nichtbesitzenden ausüben kann, gleiche einem »Wunderwerk«, bemerkte zur Zeit der Aufklärung der große schottische Philosoph David Hume. Diese Leichtigkeit der Machtausübung ist seit der Antike eines der großen Rätsel der politischen Philosophie, eines, das in einer Demokratie in noch größerem Maße erklärungsbedürftig ist.

      Hume erkannte auch, wohin man den Blick zu richten hat, wenn man dieses Rätsel entschlüsseln will, nämlich nicht lediglich auf die rein physische Macht, die es auf den Körper abgesehen hat, sondern auf die Formen der Macht, die auf die Psyche zielen. Wer über Mittel verfügt, mit denen sich auf der Klaviatur des menschlichen Geistes so spielen läßt, daß Meinungen und Affekte in geeigneter Weise gesteuert werden können, verfügt über einen Einfluss, der kaum noch als Macht erkennbar ist und gerade darum eine besondere Wirksamkeit entfalten kann.
      (…)
      Im Verlauf der Ereignisse von 1989/90 gelang es, die Stimmung eines Großteils der DDR-Bevölkerung in wenigen Wochen in die vom Westen gewünschte Richtung zu lenken. Diese Monate bieten also ein paradigmatisches Studienfeld zu den sozialtechnischen Mitteln, mit denen Einstellungen und Verhalten einer ganzen Bevölkerung auf den Kopf gestellt wurden. Es geht in diesem Band folglich um die Rolle von Medien und deren Techniken der Affekt- und Meinungsmanipulation – Techniken, die sich heute gern hinter so harmlosen Begriffen wie »Perception Management« oder »Soft Power« verbergen. Es geht auch um eine partielle Rekonstruktion und Entschleierung des damaligen medialen Tamtams, mit dem sich eine freie Urteilsbildung behindern und Affekte lenken ließen. Und es geht schließlich darum, wie man emanzipatorische Alternativen, die die Stabilität der herrschenden Machtordnung zu gefährden drohten, aus dem öffentlichen Denkraum verbannen konnte. Kurz: Es geht um das Markieren von politischen Tabus. Diese Denkblockaden sind anhaltend Wirksam. Immer wieder wurde festgestellt, dass sich heute die meisten Menschen eher das Ende der Welt als das Ende des Kapitalismus vorstellen können. Die politischen Tabus, wie sie vor allem in der Nachkriegszeit in kapitalistischen Demokratien errichtet wurden, blockieren die Entwicklung von angemessenen gesellschaftlichen Lösungen für die immer bedrohlicher werdenden ökologischen, gesellschaftlichen und zivilisatorischen Notlagen, die unsere gegenwärtige Wirtschaftsordnung hervorbringt. Die Bewältigung der damit verbundenen gewaltigen probleme, die durch die Corona-Krise noch einmal scharf konturiert hervortreten, werden durch Tamtam und Tabu, also durch das Arsenal hochentwickelter Techniken des Meinungs- und Affektmanagements, der Indoktrination und Ablenkung, der Angsterzeugung und der Ächtung emanzipatorischer Alternativen, massiv erschwert. Gerade deshalb gilt es, diese Waffen immer wieder durch öffentliche Demontage ihres Zündmechanismus zu entschärfen – was hier am Exempel versucht werden soll. Der Leser wird dabei nicht, wie bei Bombenentschärfungen üblich, aus Sicherheitsgründen auf Distanz gebracht, sondern mit voller Absicht dem Risiko des Dabeiseins ausgesetzt.
      (…)
      Wie war es möglich, das in vierzig Jahren gewachsene Selbstbewusstsein einer Bevölkerung in einem Vierteljahr auf den Kopf zu stellen? Im November 1989 sprachen sich 86 Prozent der DDR-Bürger für den »Weg eines besseren, reformierten Sozialismus« aus, nur fünf Prozent für einen »kapitalistischen Weg« (erhoben von den Leipziger Instituten für Jugend- und Marktforschung).
      Diese bemerkenswerte Einmütigkeit wurde von einer Ende Dezember 1989 veröffentlichten Spiegel-Umfrage bestätigt, in der trotz Maueröffnung immer noch knapp drei Viertel der Ostdeutschen wünschten, dass die DDR ein selbständiger souveräner Staat bleiben sollte. Bei der Volksakmmerwahl im März 1990 wählten ebenso viele den Weg einer Einheit im Kapitalismus. Zu diesem Phänomen ist nicht alles gesagt. Es ist sogar fast gar nichts dazu gesagt. Ahnt man warum? Wer ein Tabu übertritt, wird selbst tabu. Denn das Übertreten ist ansteckend. Der- oder diejenige muss gemieden werden, wird zur sozialen Gefahr.
      (…)
      Schuld sind wir alle

      Ende November fordern die Jusos mehr Demokratie in der Bundesrepublik. Gerade Bayern und Baden-Württemberg könnten sich »in Sachen Demokratie von der DDR bald überholt« betrachten, wenn sie zum Beispiel nicht auch, wie an der Humboldt-Universität, die Wahl unabhängiger Studentenräte zulassen würden. Der Demokratisierungsdruck beginnt, auf den Westen überzugreifen.
      Am 1. Dezember berichtet die FAZ über den Aufruf »Für unser Land« von 36 DDR-Bürgerrechtlern und Künstlern, die sich aus Sorge vor politischer und wirtschaftlicher Vereinnahmung für den Erhalt der DDR aussprechen. Zu den Initiatoren gehören Christa Wolf und Stefan Heym. Aus dem Westen kommt prominente Unterstützung unter anderem von Günter Grass und Max Frisch. In den nächsten sechs Wochen unterschreiben über eine Million DDR-Bürger dieses Anliegen, darunter der spätere CDU-Ministerpräsident Lothar de Maizière, der die Einheit erst nach einem Besuch bei Kohl vorantreiben wird. Der Sprecher der Ost-SPD, Markus Meckel, will zu dieser Zeit auch lieber noch über Konföderation verhandeln. Er kritisiert Kohls Endziel der Wiedervereinigung, das dieser in seinem Zehn-Punkte-Programm in einer Bundestagsrede überraschend verkündet hat. Es sei zu bezweifeln, ob dies im Interesse der DDR liege und ob die Bevölkerung der DDR sie wirklich wolle, so Meckel. Der »Mauerfall« hat bei den politisch Aktiven noch keinen Fall der Überzeugungen bewirkt.
      (…)
      Die Aufkäufer sind da

      Westfirmen dürfen rechtzeitig vor Weihnachten mit Anzeigen in der DDR werben, selbst in der auflagenstärksten Zeitung Junge Welt mit ihren 1,6 Millionen Exemplaren. Die Welt berichtet, die Düsseldorfer Kemper's Deutschland GmbH, »Makler für Immobilien in erstklassigen Citylagen«, hat bereits Kontakte in der DDR und Ostberlin aufgenommen. Sie seien auf viel Interesse gestoßen. Daneben die Meldung, dass die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels »intensive strategische Planspiele über die Chancen im DDR-Markt« bestätigt. Günter Gaus warnt am Ende des Jahres in seiner »Rede an die Deutschen« (Blätter für deutsche und internationale Politik): »Während sonst Leute, die Geld haben, die Orte von Revolutionen meiden, kann man hier, wenn man sich auskennt, die westlichen Gesichter studieren, etwa im Palasthotel, wo ich wohne – die Aufkäufer sind da!«
      (…)
      Bundespräsident Richard von Weizsäcker ermahnt Mitte Dezember im DDR-Fernsehen als Erster die westdeutsche Publizistik, sie solle die Vorgänge in der DDR »nicht für hiesige Zwecke instrumentalisieren«. Die hiesigen Zwecke sind für die Konservativen der Erhalt und die Festigung des Status quo in der BRD.
      Zu Weihnachten bringt Der Spiegel Nr. 52/1989 Ergebnisse der ersten DDR-repräsentativen Umfrage im Auftrag von Spiegel und ZDF. Um zu verstehen, wie und wann Einstellungen sich dramatisch verändert haben, muss man zunächst wissen, wie die Ausgangslage war. »Die Volksmeinung in der DDR schien zur Zeit der Umfrage eindeutig zu sein: Nur 27 Prozent wollten, dass >die DDR mit der BRD einen gemeinsamen Staat bilden soll<. 71 Prozent sprachen sich dafür aus, >dass die DDR wie bisher ein souveräner Staat bleiben soll<.« 44 Prozent können sich langfristig eine Konföderation oder einen Staatenbund vorstellen. Das entsprach gar nicht der von Kohl gleich nach der Öffnung der Mauer geäußerten Gewissheit, dass die DDR-Deutschen nichts als die Einheit wollen. Da war also noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Zumal nach westlichem Maßstab ungewöhnlich viele, nämlich 53 Prozent, angeben, sie wüssten noch nicht, wen sie bei der nächsten Wahl wählen würden.

      Ein weiterer Beleg dafür, wie offen die Situation noch war. Viele neue Bürgerrechtler sind nach dieser Umfrage noch gar kein Begriff, haben also nicht dieselben Chancen wie in Ost und West bekannte Parteien. Die SED müsse auf ihre auflagenstarken Zeitungen verzichten, schlägt Der Spiegel schon mal vor. Noch ist die Bild-Zeitung nicht, wie im Westen, das meistgelesene Blatt, aber es wird nicht mehr lange dauern, bis auch diese Angleichung vollzogen ist.

      Die meisten parteilosen DDR-Bürger sind dafür, die VEB in genossenschftliches Eigentum zu überführen, manche für Privatisieren. Die meisten SED-Mitglieder sind dagegen. Nur 37 Prozent aller Befragten befürworten »ein Wirtschaftssystem ähnlich wie in der BRD«. Das ist nun wirklich erstaunlich. Hat sich doch die Meinung verfestigt, dass man in der DDR von Anfang an nichts anderes wollte als so zu leben wie im Westen. Ende 1989 war trotz Begrüßungsgeld bei offener Mauer, trotz besonderer Hilfe bei Job- und Wohnungssuche, trotz Volkszorn schürender Tatsachen und Fakes, trotz Stasi-Pranger noch keine flächendeckende Abkehr von der DDR vollzogen.

      Erstaunlich, dass 63 Prozent in der DDR mit ihren Wohnungen zufrieden sind, im Westen 79 Prozent (unter Jugendlichen äußern sich im Osten allerdings vierzig Prozent negativ.) 79 Prozent der Befragten erklären, dass sie »bestimmt hier bleiben«, fünfzehn Prozent halten es für wahrscheinlich, nur ein Prozent sitzt auf gepackten Koffern. Gerade mal sechs Prozent können noch verstehen , weshalb man heute noch wegwill, über die Hälfte versteht es gar nicht. Kaum jemand bezweifelt im Osten, dass der Lebensstandard im Westen höher, die Wirtschaft leistungsfähiger und der Umweltschutz besser ist. Aber mit ebenso großer Mehrheit sind sich die Ostdeutschen zu Weihnachten bewußt, dass sie bei der sozialen Sicherung, der Gleichberechtigung der Frauen und der Betreuung der Kinder überlegen sind. »In diesen Zahlen tritt ein Selbstbewusstsein vieler DDR-Bürger zutage«, wundert sich der Spiegel.

      Rückblickend war es schon erstaunlich, dass große Mehrheiten den Initiatoren der »friedlichen Revolution« so lange folgten. Leuten, die sie kaum kannten, die nicht professionell organisiert waren und auch weniger Medienpräsenz hatten als die Profis.

      Um diesen Stolz abzubauen, werden künftig viele Anstrengungen unternommen werden.
      (S. 8-10, 14, 15, 31, 35, 39-41)

    • Wir haben bis heute keinen Blassen, wie es zum Umkippen der DDR kam.

      Wer will, kann sich bei dem verstorbenen Ferdinand Kroh in seinem Buch "Wendemanöver" ein paar Impulse holen, was in den 80ern so alles lief.

      Ich kann und muss nicht allen Schlussfolgerungen nachlaufen, nicht alle Punkte müssen verbunden werden, aber es entsteht ein kurioses Bild der Politik zwischen Ost und West.

      Die Solidarität der Politiker hüben wie drüben schien nur bedingt dem Volk zu gehören, da muss man sich auch für den Osten nichts schönreden.

      Die DDR hatte es zu Beginn schwer, als die Russen abgeräumt haben. Dann war es mäßig leichter, denn der Export nch Osten war von Seiten Russlands nur bedingt gewünscht, man hatte eigene Problem.
      Und am Ende hatte Moskau einfach keine Luft mehr, diesen aus der Zeit gefallenen Projektstaat zu halten. Die DDR war auch am Ende alleine zuhause. Moskau hatte sich verdünnisiert.

      Warum Gorbatschow das alles so billig verggeschenkt hat? Vielleicht Befehl von oben. Wer weiß denn schon wirklich, wer die Wixgriffel am Joystick des Kommunismus hatte. Bei den Verstrickungen ins Hochfinanzmillieu von Beginn an ist es doch lachhaft zu glauben, dass die Bankster nichts zu sagen hatten.

      Rothschild hats gegeben und Rothschild hats genommen. Oder war es Warburg? Olof Aschberg lässt grüßen.

      Das Spiel um rot oder brauch ist dann nur noch zynische Show, abkassiert haben dieselben Logenbrüder.

      Hört man im roten Millieu nicht gern.

    • medium, was soll die Vermengung völlig unterschiedlicher Dinge. Ihre Aussagen stimmen einfach nicht.
      Vielleicht lesen Sie mal Siegfried Wenzel "Was war die DDR" oder Daniela Dahn

      und bevor Sie wieder sauer werden, nur weil im Osten nicht alles schlecht war, stellen Sie doch einfach mal die positiven Aspekte Ihres Systems dazu. ("wenn mal wieder Kommunismus-Wochen bei K-FM sind." u. Ähnliches von medium)

      Jedenfalls:
      Ende 1989 wollten 3/4 der Ostdeutschen keine schnelle Einheit sondern die DDR weiterentwickeln, lediglich 5 Prozent wollten Kapitalismus!
      Dann folgten massive Werbekampagnen aus dem Westen mit den fortwährenden Versprechen von den blühenden Landschaften und das es allen besser gehen würde bei einer schnellen Wiedervereinigung. Garniert mit den neuen Deutschlandfahnen, entsprechenden Aufklebern und dem Ruf "Wir sind ein Volk". Obwohl man die Folgen für die Ökonomie und die Menschen ganz genau kannte hat sich Kohl für diese Strategie und damit seinen Machterhalt entschieden. Genauso wie jetzt bei sarscov2.

      Auch das beide Seiten die Auswanderung stoppen wollten stimmt nicht, die DDR Führung forderte die BRD Regierung immer wieder auf, die Fluchtprämien nicht mehr zu zahlen – ohne Reaktion der BRD-Führung.

    • Was soll denn mein System sein? Weil ich keinen Bock auf Ostzone hätte, bin ich Kapitalist. Sie haben ja ein schattiges Gemüt!

      Und was soll denn 75% Wunsch nach Reformsozialismus Ende 89 Wertgewesen sein, wenn schon im März dann alle Hurra-die-Westmark-kommt gewählt haben.

      Da lügen Sie sich wohl die eigene Hucke voll!

      Meine ERfahrung mit Menschen aus der DDR ist vielfältiger.

      Aber das Mißtrauen 89 und 90 war groß. Und es gab zuhauf die Furcht, dass die alte Kaste doc nochmal zuckt und wieder zusperrt. Nicht nur die Bananen haben die treuen Kommunisten arglistig manipuliert.
      Das Volk hatte einfach zu wenig Zutrauen, dass nicht wieder alles ins Öde kippt.

      Nicht nur, aber eben in relevanter Größe auch.

      Dieser Umsturz war so wenig politisch wie spontan vom Volk. Mann!

      Wo kam denn der "Auftstand" her? Aus der Staatskirche? Unter wohlwollendem Gewährenlassen der Dienste aus Ost und noch weiter Ost?

      Lass es wie ein Volksaufstand aussehen!

      Und genau so wurde dann auch gewählt!

      Eine einzige Enttäuschung. Aber für viele Wendemenschen, die um 90 ins Erwachsenenleben gekommen sind, war es eine Befreiung bis auf den heutigen Tag.

      Was sagen denn denen? Alles Doofe oder was? Wie kriegen wir denn die ins Boot?

      Und nur als Tipp: Ich bin hier das Krokodil in der Show und halte den Spiegel vor, weil hier alle glauben, die Unzufriedenen würden alle fröhlich zum Sozialismus überlaufen. Denkste, Puppe. Und diese Botschaft anzudeuten, dafür bin ich als Partycrasher in der Filterblase engagiert.

      Sonst träumt ihr euch noch zu Tode. Hallo wach, Genossen, nur weil ihr unter dem System leidet, gilt das eben nicht für alle anderen auch.

      Kann gar nicht verstehen, wie man das immer wieder ausblenden kann, Ihr seid eine jämmerliche Minderheit und tut so, als müssten alle Euch folgen. Das ist voll daneben. Gerade im Proletariat, da ist nichts zu holen. Und ich stecke jeden Tag knietief drin. Bei Wind und Wetter. Aber null. Die haben den Kanal voll bis obenhin.

      Aber Sozialismus? Oh Mann, ist dieser selbstgefällige Diskurs hier Panne! So weit weg von den Menschen.

      Aber eal, dafür ist der Onkel ja da und sagt es Euch jedesmal von Neuem: Auf den Stuß hat keiner Bock!

    • Oh ja, ich habe ein großes Verständnis der "Ostdeutschen" die nach der sogenannten "Wende" ein Stück Heimat, Kindheit und Orientierung verloren haben, während die "Westdeutschen" sich systemtheoretisch überlegen fühlten.

      Doch das sind auch nur Pauschalurteile und jede einzelne Lebensbiographie hat weit mehr zu berichten. Aber wir alle wollen ja lieber den großen historischen Wurf verstehen und uns nicht über Einzelschicksale Gedanken machen. Das wäre ja befremdlich nah.

      Mein Vorurteil das mir in seiner Gänze noch nicht wiederlegt wurde, ist die völlige Unwissenheit vieler Rheinländer und Bayern, auch noch Jahre nach der "Wende", denn die politischen, sozialen und gesellschaftlichen Verhälnisse orientierten sich mehr nach der Sendung "Alfred das Ekel".

      "Tear down this wall", forderte Bush 1987 in Berlin, hatte er Insiderwissen eine mögliche Zukunft schon im Kopf?, oder musste Gorbatschow den Sprung nach vorne wagen und die Unterstützung zur DDR aufgeben, weil sein eigenes Land den Rüstungswettlauf nicht stand halten konnte? Wir wissen nichts, was alles im verborgenen Hintergrund sich abspielte.

      Heute über 30 Jahre danach sind es in der Mehrzahl die "Ostdeutschen", die den Braten zum "Maskenball" riechen, während sehr viele "Westdeutschen" die gegenwärtige Situation einfach nicht wahr haben wollen und an eine vorrübergehende Infektionsgeschichte glauben.

      Die Umverteilung ist noch nicht zu Ende und ist größer als 1989. Der Bankraub geht weiter, wenn wir nicht die "Bosheit" der Kapitalmärkte, bewusstseinstrübene Medienlandschaft und uns in unterschiedlichen dem Geldbeutel abgestimmten Rechtslandschaften bewegen.

      Wir alle glauben nur an die Geschichte, die wir gerade so ertragen können oder besser ausgedrückt, die Geschichten, die in unser Gedankenkonzept passen.

    • Freischwimmer, daß es Vorabsprachen gab zwischen den Großmächten wollte ich nicht in Frage stellen, ist mir auch bekannt. Aber es muß sich doch die Bevölkerung ermächtigen, ein Hegemon wird keine Freiheit schenken, kann er auch gar nicht. Mit "medium, Ihre Aussagen stimmen einfach nicht", waren auf die fortwährende Verteufelung des Ostens bezogen.

      Zitate medium
      "Und was soll denn 75% Wunsch nach Reformsozialismus Ende 89 Wertgewesen sein, wenn schon im März dann alle Hurra-die-Westmark-kommt gewählt haben. –> dazwischen lag eine massive mediale Werbekampagne, lauter falsche Versprechen und kaum öffentlich wahrnehmbare Gegenstimmen, 'alle' stimmt trotzdem nicht

      Da lügen Sie sich wohl die eigene Hucke voll! –> das sind nachprüfbare Tatsachen
      Meine ERfahrung mit Menschen aus der DDR ist vielfältiger. –> vollkommen irrelevante Behauptung

    • medium, ich weiß selbst, daß die Demos Leute führen, die von Gleichheit nichts wissen wollen. Aber nachdem man den Ostdeutschen in den 90 Jahren auf allen! Kanälen eingeredet hat, sie wären einfach zu blöd, sich Arbeit zu suchen, am Besten gleich noch zu blöd um zu arbeiten, obwohl das ganze Land ja radikal deindustrialisiert war, haben das viele inzwischen übernommen. Warum nicht mal die Geschichte ein bißchen genauer entlang der Tatsachen erzählen.

      Chancengleichheit für alle heißt eben nicht zwangsläufig ökonomische Unfähigkeit.

    • Die alltägliche politische Sprache von Politikern und Journalisten geht jedoch in der Regel weit über traditionelle Formen populistischer Kommunikation hinaus. Diese politisch-journalistische Alltagssprache fällt in eine gänzlich andere Kategorie volkstümlicher Vereinfachungen und volkstümlicher Affektnähe. Sie fällt überhaupt nicht mehr in eine Kategorie rationaler Kommunikation, denn die Sprache hat hier alle argumentative Struktur eingebüßt und dient hier nicht mehr einer möglichst rationalen Vermittlung von Überzeugungen und Gesichtspunkten. Sie wird nicht mehr als ein Instrument betrachtet, mit dem sich durch argumentative Bemühungen um eine Objektivierung subjektiver Interessen eine gemeinsame Basis zur Kommunikation über unterschiedliche Denkwelten bereitstellen läßt.
      Vielmehr artikuliert sich in der von Politikern und Journalisten zumeist favorisierten Sprache ein tiefer Anti-Intellektualismus und mit ihm eine Geringschätzung, wenn nicht gar Verachtung für das Argument überhaupt. In derartigen Diskurssimulationen, wie sie die Medien tagtäglich inszenieren, gibt es nichts mehr, das sich durch Argumente oder empirische Befunde widerlegen ließe. Jeder Widerlegungsversuch würde nur ein neues Rauschen an Wörtern hervorrufen, bei denen längst die Frage bedeutungslos geworden ist, was sie und ob sie überhaupt etwas bedeuten. Selbst die Bezeichnung »Diskurssimulation« wäre ein Euphemismus, da die Vorstellung von dem, was eigentlich simuliert werden soll, schon längst nicht mehr vorhanden ist. Alles ist möglich, alles ist zulässig – nach dem Motto: My Ignorance is as good as your knowledge! Was alleine zählt, ist der Zustimmungseffekt bei den Adressaten. In der politischen Kommunikation scheint mittlerweile der letzte verbliebene Hort von Rationalität bei den PR-Agenturen zu liegen, die noch einer gewissen technischen Rationalität folgen, wenn sie möglichst wirkungsstarke Worthülsen entwickeln und erproben. Bei den politischen Anwendern dieser sorgfältig auf Effekt getrimmten Worthülsen geht es hingegen nur darum, im politischen Streit publikumswirksam zu siegen und mit geeigneten Signalwörtern möglichst wirkungsvoll »Freund« und »Feind« zu markieren. In solchen Formen politischer Diskursverwahrlosung und Diskursverrohung ist Sprache nur noch Fortsetzung der Faust mit anderen Mitteln.
      Zugleich dient die durch eine Verwendung bedeutungsleerer, doch effektstarker Worthülsen hervorgebrachte politische Diskursvermüllung – der gegenüber sich jedes altmodische Reden über fake news nur noch als lächerlich erweist – einem weitergehenden machtstrategischen Ziel, bei der Bevölkerung – in Hannah Arendts Worten – grundsätzlich die Befähigung blockieren oder zu zerstören, überhaupt irgendwelche Überzeugungen ausbilden zu können.
      (Rainer Mausfeld, Angst und Macht – Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien, S. 43/47)

    • "Warum nicht mal die Geschichte ein bißchen genauer entlang der Tatsachen erzählen."

      Aber wir können uns doch kaum darauf einigen, was alles Tatsachen sind, geschweige denn, was diese waren.

      Der Bankraub durch Sarrazin und Köhler ist für mich unbestreitbar.

      Aber ich beiße damit nur allzu oft gerade bei Ossis auf Granit!

      Und jetzt?

      Es gibt diese Ost-West-Achse nicht!

      Nicht in dem Sinne, wie es von Menschen empfunden wird.

      Ich sehe nur, dass es auch hier viele gibt, welche das sehen und verärgert sind. Aber nur weil ich das teile, muss ich doch nicht die Lösung in einem zurück zum Sozialismus sehen.

      Das ist definitiv nicht der Fall. Wenn es 2 dyfunktionale Systeme gibt, dann bin ich für keines von beiden.

      Sondern richte meinen Fokus auf die Fehler beider Systeme und bin nicht bereit, mit den Osten schön zu saufen.

    • Sozialismus bezeichnet Ideologien, welche die Überwindung des Kapitalismus und die Befreiung der Arbeiterklasse aus Armut und Unterdrückung (soziale Frage) zugunsten einer an Gleichheit, Solidarität und Emanzipation orientierten Gesellschaftsordnung propagieren.

      Und wenn sie das ganze noch demokratisch gestalten, was ja im Grunde bereits durch die Aufhebung der Unterdrückung angedeutet ist, so wie das auch von den DDR Bürgern schließlich vorgesehen war, verhindern sie damit seine Entartung.

      Es ist überdeutlich, daß die Mächtigen dieser Welt, das zu allen Zeiten, immer wenn die Unterdrückten sich versuchten zu emanzipieren, auf das schärfste bekämpfen.

    • Hr.Fr medium: Also, ich sehe das als eine perfide Strategie, damals wie heute: 89/90 haben sie die DDR Bürger schwimmen lassen; die alte Normalität war völlig weggebrochen, zusammengestürzt und noch keine existenzsichernde in Aussicht. Diese ganze Ungewißheit, die extra so lange hinausgezogen wurde, damit schließlich alle nach der BRD und der DM schreien. Und heute? Damit alle nach dem Impfstoff schreien.
      Das sollte uns, die wir uns mitunter hier, bei kenfm, rubikon etcetc bilden, austauschen und unsre Meinungen kundtun, doch genug Anlaß geben, uns zu e i n e r Faust zusammenzuschließen, gegen die Strategen da oben.

  9. Die DDR hatte auch ihre Schattenseiten. Etwa auch Ärzte aus anderen Klinikbereichen hätten sich der Psychiatrie bedient, um andere Menschen ruhig zu stellen.
    (vgl. TAZ, 2.5.1990)

    Mir selbst ist es im Zusammenhang einer Reha-Maßnahme, an der ich in 84/85 nicht so richtig freiwillig teilgenommen habe, selbst passiert, dass ich zu Zwangsinjektionen geschleift wurde. Infolge der Dosierung begannen sich bei mir Gegenstände zu bewegen. Sechs Wochen Lüneburg folgten. Die dortige Ärztin bescheinigte mir eine Psychose.
    Etwa ein 3/4 Jahr später wurde ich von dem betreuenden Allgemeinmediziner und meinem Einrichtungsleiter in die Psychiatrie in Lüneburg geschleift. Ich bekam dort wochenlang sehr erhebliche Dosierungen. Arztgespräche zu bekommen war in den ersten sechs Wochen fast unmöglich.
    Der für meine Einweisung verantwortliche Mediziner teilte dem Krankenhaus in Lüneburg dann Jahre später schriftlich mit, dass ich Halluzinationen gehabt hätte, weshalb ich in eine "Anstalt gehört habe".

    Focus, 13.11.2013
    Jagdflugzeuge, Panzer und Millionenbeträge schickte die Stasi an Kämpfer in der Dritten Welt

    Stern, 22. Juni 2006
    Letztes Todesurteil der DDR
    Nahschuss ins Hinterhaupt

    In den Zellen des MfS-Gefängnisses Hohenschönhausen herrschte noch Terror, als die SED bereits entmachtet war.
    (vgl. Spiegel, 04.05.2009)

    Mehr als 3,5 Milliarden Mark zahlte die Bundesrepublik, um insgesamt 33.755 Häftlinge aus der DDR frei zu bekommen.
    (vgl. Welt, 13.11.2012)

    Ikea ist nur eines von vielen westlichen Unternehmen, die in der SED-Diktatur Häftlinge für sich produzieren ließen.
    (vgl. Welt, 30.11.2012)

    STASI WOLLTE KRITISCHE DDR-BÜRGER IN ISOLIERUNGSLAGER SPERREN
    (vgl. Thüringische Landeszeitung, 11.09.2014)

    Welt, 07.11.2014
    Die DDR war in Wahrheit gar nicht pleite

    Volksstimme, 20.11.2019
    Ein besonders inniges Verhältnis verband den MfS-Spitzenoffizier (Schalck) mit dem exponierten Antikommunisten Franz Josef Strauß.

    FAZ, 06.09.2015
    Strauß soll im Krieg für CIA-Vorläufer spioniert haben

    Aber ist es wirklich nur so, dass es uns einfach nur nicht gelingt eine funktionierende Gesellschaft hinzubekommen?

    Es gibt jedenfalls immer wieder Vorfälle, die unser bisheriges Verständnis für die Welt ins Wanken bringen.

    72 Stunden an Bord eines außerirdischen Raumschiffs? – Die Reise des Herrn Wiesengrün |
    (vgl. ExoMagazin, 04.12.2013)

    In 2009 wäre ich dann infolge einer Wundstelle beinahe im Unfallkrankenhaus gestorben. Ich habe eben auch nach Erhalt eines Luftröhrenschnitts eine blasse Erinnerung an eine größere Visite in einer Kapelle, auch mit Papstkrone.
    Der ehemalige Papst bezog sich darauf, dass ihm mein inzwischen verstorbener Vater bekannt ist und er nannte auch seinen Namen.
    Jedenfalls engagiert sich der Nachbar meines Elternhauses sehr erheblich für die katholische Kirche, weshalb es die Visite aus Rom tatsächlich gegeben haben wird.
    Zu Beginn meiner Behandlung musste ich es unterschreiben, dass ich und mein Vater für die Krankenhauskosten haften. Meine Stationsärztin hatte es auch mal erwähnt, dass der Krankenhaus 666 kostete.

    Webseite "Schauungen" zum Antichrist
    ‚Und dann hat er a gesagt, von dene Leit, die ausschaun wie die Herndl (Hörner) aufhabn’, in der Kirche die Hörner aufhaben, also die … dabei sind das doch die Bischofsmützen, wenn man die so von der Seitn sieht, schaut das aus wie Hörner. Die sind a mit dem schwarzen Mann.‘

    In Ray Nolan's Buch "Die Siebte Offenbarung" gibt es dann eine Person mit einer "schwarzen Hose", was ich etwas merkwürdig finde, weil hier auch wieder die Farbe "schwarz" vorkommt.

    • Vielen Dank für die Hinweise zu den Schattenseiten, die gerne unterm Teppich bleiben, wenn mal wieder Kommunismus-Wochen bei K-FM sind.

      Wenn die "Verteidiger" der guten Seiten der Ostzone nicht so penetrant alles zukleistern würde und ein wenig die Würde besäßen, alles Aspekt zu benennen und betrachten, dann könnte man ja in einen Diskurs treten.

      Aber blindlings Gläubige kann ich nicht ernst nehmen. Es fehlt auch an der Größe, die Dinge unentschieden und schwebend im Raum stehen lassen zu können. Aber ohne eindeutige schwarz-weiß Latrinenparolen geht es bei den Dummen nicht.

      Und wenn man ganz spielerisch die Anti-Position einnimmt, dann kommen genau jene Ignoranten einem mit dem Vorwurf der Ignoranz und bemerken es nicht. Dunning-Kruger lässt grüßen.

      Es ist die Krankheit unserer Zeit, dass man immer alles in Gut oder Böse einteilen können muss.

      Es gab Gutes und es gab Schlechtes kommt in der Welt der 1 und 0 der digitalen Deppen nicht vor.

    • Die DDR hatte also auch ihre Schattenseiten? Nur gut, dass der Westen keine hat. Wo Menschen zugange sind – außer im Westen – werden bekanntlich Fehler gemacht. Das ändert aber rein gar nichts an der Wahrheit dessen, was "Box" oben sagt.

  10. Sehr schönes Gespräch!
    Kohl wäre allein von den Wessis damals nicht mehr gewählt worden. Die sogenannte Wiedervereinigung brachte ihn wieder, gleich wie Merkel heute, in die "Wählergunst", Höchstwerte. Mir war damals, als Wessi, klar, dass die Ossis völlig verarschtr werden würden. was dann ja, das ist mir heute vollkommern klar, auif beiden Seiten statt fand. Alle wurden verarscht, was der Wessi so wirklich erst durch Corona bemrkt. Es herrscht Götterdämmerung im ganzen Land.

    Die ehemalige BRD – das muss ich mir merken, denn ich empfinde das ähnlich in meiner Identität, den Bruch, der mit dem 11.09.01 Wirklichkeit wurde, für mich.

    • Die Bezieher von Hatz haben schon vor Corona bemerkt, dass es die BRD so nicht mehr gibt.

      Und diese Risse waren auch spätestens Mitte der 90er sichtbar. Alles eine Frage der sozialen Schicht, aus der man kommt.

      Alle Hoffnungen konnte am am Tag der ersten "freien" Volkskammerwahl fahren lassen, als nämlich festzuhalten galt, dass das Volk nahezu ungebrochen Blockparteien gewählt hatte.

      Von da an, ging es auch im Westen bergab.

  11. ++ Im Osten bemerkte man schnell: „Ganz schön wenig Sozialverhalten hier.“++
    Alles klar, Mangelsolidarität,
    Tauschwirtschaft,
    Bückware,
    Volkskammerwahlen 99,9% für die Volksfront,
    blaue Fliesen tauschen gegen Toilettenpapier, in Berlin-Ost im Schaufenster, in den Ländern im Konsum oder HO seit Wochen nicht zu kaufen,
    informelle Mitarbeiter überall, die Kinder, den Ehemann, die Ehefrau ausspioniert und denunziert,
    aber sonst war alles gut, so warm und so kuschelig betreut vom Abschnittsbevollmächtigten.

  12. Ich habe keine Ahnung, was eine Regierung entschieden hätte, wenn es den Druck der Alliierten nicht gegeben hätte; und ich bin kein Fan von Kohl, Schäuble und Lafontaine, aber es hat ganz offensichtlich vehementen Druck gegeben, die "Einheit" auf spezielle Anweisung von außen zu exekutieren. Preisgabe der D-Mark war nur eines. Kriminelles Verschenken von Infrastruktur wie z: B. in Leuna an die Franzmänner was anderes.
    Herrhausen war gleich dran. Kohl wusste sicher, wem das Zeichen galt. Und er ist nicht in den Abwehrkampf gegangen. Vermutlich wären die Alliierten wirklich ausgrückt?
    Und wer immer noch gemuckt hat, der wurde wie Schäuble angeschossen oder Lafontaine gemessert.
    Danach hatte vollends alle verstanden, was gewünscht war. Und als Rohwedder immer noch zögerte, hat man auch ihn "erzogen".
    Danach war Ruhe und der Ausverkauf GANZ Deutschlands begann. Es gibt kein exklusives Vorrecht der Ossis, sich betrogen zu fühlen.
    Alle Deutsche haben verloren. Diese sentimentale Spaltung in Opfer erster und zweiter Klasse ist inakzeptabel.

    Und warum?

    Weil es ist das Ost-West-Konzept doch mehr als zweifelhaft. Ich kenne genügend Ossis, die für ihre kleine oder große Existenz auch Wendegewinner sind. Und immer noch dankbar dafür sind, was ich in der Ausschließlichkeit NICHT nachvollziehen kann, dass grob zitiert, "die CDU damals Nägel mit Köpfen" gemacht hat.
    Die würden von all dem, was hier beklagt wird, nichts, aber auch gar nichts unterschreiben.

    Und wenn wir hier, wie bei Corona und anderen Themen, nicht die Brücke gebaut bekommen, dann halt nicht.

    Böses Westen, guter Osten, das ist Folklore.

    Wollten Ihr den Osten zurück? Dann viel Glück!

    "Und so schwenkte Deutschland auf den französischen Kurs ein. Der deutsche Kanzler Helmut Kohl stimmte beim Gipfel in Straßburg am 9. Dezember 1989 für den Beschluss, im Dezember 1990 die Regierungskonferenz zur Herstellung der Währungsunion einzusetzen. Damit war das Ende der Mark besiegelt.

    Was er wirklich empfand, berichtete Kohl erst Jahre später, im Frühsommer 1997, in kleiner Runde. Damals "habe ich mit die dunkelsten Stunden meines Lebens durchgemacht", sagte Kohl einem "Spiegel"-Bericht aus dem Jahr 1998 zufolge. Und im vertraulichen Gespräch mit US-Außenminister James Baker gestand Kohl am 12. Dezember 1989 im Blick auf die Wirtschafts- und Währungsunion laut Sitzungsprotokoll des Bundeskanzleramts: Diesen Entschluss habe er "gegen deutsche Interessen" getroffen."

    aus: diepresse.com/611374/wahrungsunion-das-ende-der-deutschen-atombombe

    • Übrigens:

      Herrhausen wurde am 30.11.89 getötet.

      Kohl Erlebnis in Starßburg datiert auf den 09.12.89.

      Gibt es da noch Fragen?

  13. Das war ja nun ein langes Interview. Macht es schwer, zu kommentieren. Aber vielleicht… schön, dass sich Katrin McLean die Realität der DDR nicht aus dem Gehirn hat waschen lassen. Ich gehe davon aus, dass das erst in der nächsten oder übernächsten Generation so richtig funktioniert und die gute alte Anti-Commie-Propagada ausreichend eingeflößt ist.
    Was noch? … Hmmm… da hatten wir mit dem Zerfall des Ostblocks den größten Raubzug der Menschheitsgeschichte. Und natürlich sind die Räuber nicht verschwunden sondern sie rauben in noch größerem Stil weltweit weiter. Ich nenne das Imperialismus und Neokolonialismus oder auch die "Internationale des (Finanz-) Kapitals", die einzige Internationale, die tatsächlich Macht über den gesamten Globus gewonnen hat. (Siehe Corona. Stöckchen hingehalten, Pfiff und der Globus springt darüber).
    Und dann fiel das Wort "Kultur". Die der DDR ist weg. Wegdesinfiziert. Ansonsten wurde die Hälfte der deutschen Kultur zwischen 1933 und 1945 "verbrannt". Der Rest (BRD) wurde nach 45 gegen Coca Cola und Jeans eingetauscht. Was ist übrig? Ich habe gerade meine Lupe nicht zur Hand und sehe nichts. Manchmal entdecke ich zufällig mit der Lupe etwas, doch das bleibt am Rand. (Siehe auch Katrins "self publishing". Kaum gepublisht und schon verschwunden. Möge ich hier irren).
    Und dann erwähnt Katrin "Werte". Ja, da haben wir im Westen (!) durchaus ein Kiste voll davon. Bei Sonntagsreden werden immer einige hervorgeholt und wie schlapprige Marionetten hochgehalten. Dann kommen sie in die Kiste zurück.
    Werte der DDR, Solidarität, Frieden, Augenhöhe zwischen Mensch und Mensch usw. sind vergiftet. Die rührt niemand an.
    Ach ja… und da fällt noch (so ähnlich) der Satz: "In diesem Lande leben wir wie Fremdlinge im eigenen Land".
    Sagt eine Minderheit. Eine kleine Minderheit. Und das wird sie in diesem Land des vorauseilenden Gehorsams und der perfekt arbeitenden Bewusstseinsindustrie immer bleiben. Und nein, ich schließe nicht mit der üblich gewordenen – oft schon zwanghaft wirkenden – positiven Aussicht.

    • Erinnert mich gerade… habe verschiedentlich bei einem Händler für fast nichts einige Bücher aus der DDR-Zeit gekauft. Der hatte sich deren erbarmt, als die aus den Bibliotheken hinausdesinfiziert wurde. Auch das ein Aspekt der Kulturvernichtung, sogar ohne Bücherverbrennung auf Marktplätzen.

    • Zur Abrundung des Bildes würde ich parallel zu diesem Interview auch das von Margarita Bityutski mit Katrin McCleanbei RT empfehlen. https://www.youtube.com/watch?v=oraflhXlYQY Ich meine, Margarita hat mehr Verständnis für das Thema, als irgendein Wessi. Nichts für ungut, Ken 🙂
      Und noch etwas…. bin das nur ich oder ist es nicht auch schon eine Diskrimierung, wenn die Länder der DDR jetzt "Neue Bundesländer" heißen? Da kommen also die Neuen, die Ahnungslosen Ossis zur BRD hinzu. Die haben keinen Schimmer von nichts und sind deshalb nicht ernst zu nehmen? Was ist das denn? Da fände ich die "östlichen Bundesländer" oder so etwas eher tragbar.

  14. Danke KenFM für dieses Interview und danke Katrin McClean. Allein der Anfang ist toll. bin kein Fan von totalitären Systemen, "durfte" auch in der DDR aufwachsen.
    Der Stalinismus war in der DDR leider kein Thema, aber auch die BRD beschäftigte sich nicht mit ihren NAZIS in der Regierung, Reinhard Gehlen kennt kaum niemand, oder will niemand kennen.
    Bildung DDR 1 Bildung BRD weit dahinter.
    Ein Staat wächst mit dem Bewusstsein seiner Bewohner.

    • Nur am Rande. Wenn von Stalinismus die Rede ist, bekommt man in der Regel nichts als propagandistische Klischees frei nach Mc Carthy zu hören. Vielleicht ein Hinweis auf die Realität der Geschichte. Nach dem Bürgerkrieg waren sehr viele derer gefallen, die als Menschen mit dem Bewusstsein der Arbeiterklasse zum Aufbau des Sozialismus fehlten. Auf der anderen Seite waren "die Weißen" zwar besiegt aber nicht verschwunden. Und die taten ihr Bestes den neuen Staat zu verunmöglichen. Da blieben Stalin zwei Möglichkeiten. A. Aufgeben. Die Folgen kann man sich vorstellen. B. Die Menschen mit dem Knüppel in der Hand zu ihrem Glück zu prügeln. Eine dritte Möglichkeit bot sich nicht an. Das war nun nicht schön, doch ehe man die vielen unschönen Dinge aufzählt, zu denen es aus vielen Gründen kam, sollte man auch einen Blick auf das Erreichte werfen, wie: 70% Analphabeten lernten das Lesen. Ein moderner Industriestaat wurde geschaffen. Gesundheitsvorsorge, Bildung, Kultur in großer Vielfalt usw. waren gratis. Arbeitsplatzsicherheit, Sicherheit der Wohnung usw. – Dazu kam, dass der "Kalte Krieg" in Wahrheit 1917 begann und nichts unversucht gelassen wurde, den neuen Staat zu unterminieren. Alles zusammen dürfte auch für Stalins Paranoia gesorgt haben. Du hörst die Ratten im Gebälk, aber Du kannst sie nicht erwischen. Dann nimmst Du allzu leicht auch gern die Falschen.
      Das nur um anzudeuten, dass die Zusammenhänge kompliziert sind und ein einfaches Klischee der Sache niemals gerecht werden kann. Und das ist natürlich längst nicht alles…

    • Danke ich stimme da zu.
      Was heute auch in jeder Diskussion vergessen wird, war die damalige Epoche sprich Zeit, Bildung & nicht vergessen der relegiöse Einfluss der Menschen. Die Klischees über andere Menschen und Völker wurde schon in der Schule, Kirche & Elternhaus gelegt.
      Wir diskutieren praktisch immer vom "hohen Ross" und wissen es natürlcih viel besser, leider und besonders auch die ständig zitierten Ex- Perten. Es kommen sowieso nur die zu Wort, welche in das jeweilig herrschende System passen.

  15. Ein sehr schönes Gespräch, aber ich möchte nicht der einzige Kommentator sein.


    daher warte ich ein Weilchen.
    Nur am Rande – wo war die Zielgruppe? Ich habe den Abschluß vermißt, Ostdeutsche sind wie Ziegenböcke mit gesenkten Hörnerm 😉

    • Ich habe ordentlich angestoßen auf die Filme! Jetzt kann sich diese Tür schließen, endlich.

      Über Systeme kann man verallgemeinernde Aussagen machen, über die einzelnen Leben beinahe überhaupt nicht.
      …und ich habe auch im Westen mir sehr wichtig gewordene Menschen kennengelernt.

    • Was Viele aus der DDR betrifft – da passt besser: "Mit Speck fängt man Mäuse!". Hat lange gedauert, bis wenigstens einige Mäuse Bauchgrimmen bekommen haben und bemerkt, dass dieser Speck voller Maden war.
      Wie sagte eine (ältere) Bekannte? "Ich habe damals immer nur mit einem Ohr hingehört, wenn von Kapitalismus und Imperialismus die Rede war. Erst jetzt habe ich begriffen, wie wahr das alles war!".

    • Ja, Wildenfelser, wer hat schon geglaubt, das ausgerechnet über den "Klassenfeind" die Wahrheit erzählt wurde, wo doch bei alltagsrelevanten Sachen so offensichtlich gelogen wurde. Ich habe auch lange gebraucht, daß auf den real existierenden Staat zu beziehen.
      "Mit Speck fängt man Mäuse!" Allerdings, und nicht nur Ossi's! : ))
      Bildung hilft, (selber) Denken muß wieder schick gemacht werden und Mitgefühl für den Anderen braucht's… dann kommen wir auch wieder raus aus dem Schlamassel.

      War die Westpresse damals wichtig für die Entscheidung? Das war mir nicht bewußt, aber ich war auch kein Organisator. Die Vernetzung klappt auch jetzt ausreichend mit Netz, Zeitung und Alternativen Medien.

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