KenFM am Telefon: Monika Krüger zu Glyphosat in der EU

Rohrreiniger für alle!

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) gibt umstrittenes Breitband-Herbizid, Rufname „Roundup“, erneut zur landwirtschaftlichen Nutzung in der EU frei – für weitere fünf Jahre. Bedenken? Keine.

Das heute als „Roundup“ bekannte Pflanzenschutzmittel begann seine Karriere in den 50er Jahren – als Rohrreiniger.

Heute ist Glyphosat/Roundup der Blockbuster unter den Pflanzenschutzmitteln. Dass es dabei Tieren, Menschen und Ackerböden erheblich zusetzt, scheint keine Rolle zu spielen. Monsanto und Co sind Teil der mächtigen Pharma-Lobby. Welche Möglichkeiten hat der Verbraucher, sich gegen diese intransparente Hinterzimmerpolitik zur Wehr zu setzen? Und vor allem: Was richtet Glyphosat bei Mensch und Tier an?

KenFM sprach dazu mit Prof. Monika Krüger der Uni Leipzig über Nutzen, Profit und Langzeitschäden.

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19 Kommentare zu: “KenFM am Telefon: Monika Krüger zu Glyphosat in der EU

  1. Requiem (ending)
    When the last living thing
    has died on account of us,
    how poetical it would be
    if Earth could say,
    in a voice floating up
    perhaps
    from the floor
    of the Grand Canyon,
    „It is done.“
    People did not like it here.
    –Kurt Vonnegut, A Man Without a Country, 2005

    • Dieser Vers aus einem Hölderlin -Gedicht fiel mir dazu ein:

      Geh unter, schöne Sonne, sie achteten
      Nur wenig Dein, sie kannten Dich, Heilige nicht,
      Denn mühelos und stille bist Du
      Über den Mühsamen aufgegangen.

    • Da recherchieren sie mal selber im Netz.Das wird in Deutschland genauso verlogen behandelt, wie es hier bei allen anderen Bereichen üblich und typisch ist. Die Felder mit grüner Gentechnik wurden hier als „Testgelände“ deklariert. Vor ein paar Jahren gab es noch mutige Umweltaktivisten, die auf diesen Feldern möglichst viel Zerstörung angerichtet haben. Wie das heute ist, weiß ich im Moment auch nicht. Ich weiß nur, dass sie damals so idiotische angebliche Schutzgesetze diskutiert und wohl auch erlassen hatten, die einen gewissen Abstand zu anderen Feldern vorschrieben. Aber dieser Abstand schützt die anderen Feldern nicht vor Kontaminierung durch hybrides Saatgut, weil der Wind die Saat von einem Feld zum anderen wehen kann.
      Ein kanadischer Getreidebauer (Percy Schmeiser) wurde sogar einmal von MONSANTO wegen Diebstahl verklagt, weil auf seinen Feldern vereinzelt hybride Pflanzen sprossen. Die Sporen waren von den naheliegenden Gen-Getreide-Feldern hinüber geweht und richteten ja in Wirklichkeit für Percy Schmeiser großen Schaden an. Dieser Prozess, in dem sich Herr Schmeiser und seine Frau mutig gegen das weltmächtige MONSANTO zur Wehr setzten, war damals ein Riesenskandal.

    • Das fände ich nicht begrüßenswert, weil damit nur Druck von der gewissenlosen und verbrecherischen Gift- Zulassungs- Politik genommen wäre. Man muss um ein generelles Verbot kämpfen. Außerdem wäre die Vergiftungsgefahr auch bei bewussten Konsumenten nicht gebannt, sondern nur gemindert. Denn dieses Gift geht ja auch ins Grundwasser und der Wind kann Stäube von Glyphosat-behandelten Feldern auf andere Felder wehen. Es gibt ja heute in der Monokultur so große Felder, dass sich riesige Staubwolken wie in der Wüste erheben können. Es hab in den neuen Bundesländern sogar vor einiger Zeit einen Fall, dass durch so eine Staubwolke von einem riesigen abgeernteten Feld auf der Autobahn wegen plötzlicher Sichtbehinderung ein schwerer Unfall sich ereignete.

  2. Die politischen Foren müssen unbedingt den Bereich Wissenschaft, Ernährung und Ökologie in ihre politischen Betrachtungen mit einbeziehen, denn sonst entsteht da ein allgemeiner Tunnelblick , der die gesamte Wirklichkeit in seiner Einseitigkeit verfälscht, bzw. gar nicht wahrnimmt. Auch wenn es wahrscheinlich die Schrecken und die seelischen Schmerzen nur noch erweitert, muss zugegeben werden, dass schon lange ein Krieg gegen das gesamte Leben auf diesem Planeten tobt, der innerhalb aller Lebensbereiche stattfindet. Und ich meine, dass die Bereiche Wissenschaft, Medizin, Ernährung und Ökologie insofern mindestens genauso wichtig oder eher noch wichtiger sind, diskutiert zu werden, als die Banken und die herkömmlichen Kriege. Nicht zuletzt, weil wir alle darauf durch unseren Lebensstil am meisten Einfluss nehmen können. Vor allem der auch hier immer noch bei vielen herrschende unerschütterliche Glaube an das, was uns heute alles als „Wissenschaft“ verkauft wird, bereitet mir Sorge. MONSANTO z.B. ist zwar für viele nur noch ein Schimpfwort, aber ich habe nicht den Eindruck, dass von diesen viele den Einfluss der pervertierten Wissenschaft auf das gesamte planetare Leben sich auch nur ansatzweise vergewärtigen.

    Als Beispiel für den Missbrauch von Wissenschaft möchte ich hier nur einmal einige sich widersprechende Aussagen bringen von den jeweils diametral gegensätzlichen Standpunkten aus Wirtschaft(hier Monsanto) und seriöserer, unabhänger Wissenschaft.

    Eine Werbeaussage von Monsanto:
    „Die Biotechnologie ist eine Methode der Zukunft, die uns bereits heute zur Verfügung steht. Sie nicht zu akzeptieren ist ein Luxus, den sich unsere vom Hunger gebeutelte Welt nicht leisten kann.“

    Amory und Hunter Lovins, Gründer des Rocky Mountain Institute, das sich mit dem Umgang unserer Ressourcen beschäftigt:
    „Genetisch veränderte Nahrungspflanzen werden nicht entwickelt, weil sie produktiv sind, sondern weil sie sich patentieren lassen. Ihr wirtschaftlicher Wert liegt nicht darin, den Ertrag kleiner Landwirtschaftlicher Betriebe zu steigern. Ihre ökonomischen Vorteile sind vielmehr, dass sie sich als Futtermittel für die Tiermast eignen, deren Produkte den Reichen zugute kommen“.

    Hendrik Varfaillie, Vorstandsmitglied und Finanzchef von MONSANTO:
    “ Der größte Fehler, den wir machen können, liegt darin, nur langsam voranzuschreiten. Sonst ist der Zug vielleicht angefahren und wir sitzen nicht drin“.

    Erwin Chargaff, eremitierter Professor für Biochemie an der Columbia Universität in New York und Entdecker der „Chargaff-Regeln“, der wissenschaftlichen Grundlage der DNS-Doppelhelix:
    „Ich habe das Gefühl, dass die Wissenschaft eine Grenze überschritten hat, die besser unangetastet geblieben wäre…
    Eine neue Lebensform kann man nicht zurückrufen… Sie wird uns und unsere Kinder und Enkel überleben. Ein Angriff auf die Biosphäre, der nicht wieder rückgängig gemacht werden kann, war in den letzten Generationen noch undenkbar. Ich wünschte, dass meine Generation nicht diese Schuld auf sich geladen hätte.“

    Bob Shapiro, Vorstandsvorsitzender von Monsanto:
    “ Wir Leute aus der Branche können aufatmen… Schließlich sind wir die technischen Experten. Wir wissen, dass wir recht haben. Die Gegner verstehen offensichtlich unsere Wissenschaft nicht. Sie haben ihre eigenen geheimen Ziele- wahrscheinlich die Zerstörung des Kapitalismus“.

    Dr. med. Wald, Nobelpreisträger der Medizin und Professor für Biologie an der Harvard-Universität:
    „Die Gentechnik konfrontiert unsere Gesellschaft mit Problemen, die bislang weder in der Geschichte der Wissenschaft, noch in der Geschichte des Lebens auf der Erde jemals vorkamen. Durch sie liegt die Fähigkeit, lebendige Organismen neu zu gestalten, in menschlichen Händen. Doch diese lebendigen Organismen sind das Ergebnis von drei milliarden Jahren allmählicher Evolution… Bisher haben sich lebende Organismen sehr langsam entwickelt. Neue Lebensformen hatten lange Zeit, um sich in ihre Umwelt einzufügen. Doch jetzt werden ganze Eiweiße über Nacht in völlig neue Kombinationen eingefügt. Die Konsequenzen hiervon sind von niemandem abzusehen…. Diesen Weg weiterzugehen mag nicht nur unklug, sondern sogar gefährlich sein. Potenziell könnte es zu neuen Krankheiten bei Tieren und Pflanzen, zu neuen Krebserregern und neuen Epidemien führen“.

    Phil Angeli, Unternehmenssprecher von MONSANTO, New York Times, 1999
    „Monsanto sollte sich nicht um die Sicherheit seiner Biotech-Nahrung kümmern müssen. Wir interessieren uns dafür, so viel wie möglich zu verkaufen. Um die Sicherheit muss sich die Lebens-und Arzneimittelbehörde FDA kümmern“.

    Offizielle Angaben der US-Lebens-und Arzneimittelbehörde FDA über die Vorgehensweise bei genmanipulierten Pflanzensorten und daraus hergestellten Nahrungsmitteln:
    „Letztendlich ist es der Nahrungsmittelhersteller, der dafür verantwortlich ist, dass seine Produkte ungefährlich sind“.

    Tatsachen aus dem Jahr 2000.
    Anteil der weltweit transgen genutzten landwirtschaftlichen Fläche, auf der im Jahr 2000 Sojabohnen angebaut wurden 54%.
    Anteil der weltweit transgen genutzten landwirtschaftlichen Fläche, auf der im Jahr 2000 Mais angebaut wurde: 28%.
    Anteil der weltweit transgen genutzten landwirtschaftlichen Fläche, auf der im Jahr 2000 Baumwolle angebaut wurde 9%.
    Anteil der weltweit transgen genutzten landwirtschaftlichen Fläche, auf der im Jahr 2000 Raps angebaut wurde 9%.
    Nahrungspflanze, die Monsanto in den Jahren 2003 oder 2004 auf großen Flächen anbauen wollte(angebaut hat?):
    „Roundup Ready“-Weizen.

    Prozentsatz, um den der Mineralstoffghalt von biologisch angebauten Lebensmitteln im Durchschnitt höher liegt, als der Mineralstoffgehalt konventioneller Nahrungsmittel:
    Kalium – 63%
    Chrom – 78%
    Jod – 73%
    Eisen – 59%
    Magnesium – 138%
    Kalium – 125%
    Selen – 390%
    Zink – 60%

    Alle Angaben mit genauen Quellenangaben aus dem Buch: „Food Revolution“ von John Robbins, das in Deutschland im Jahr 2003, in USA 2001 erschienen ist.

    • „Auch wenn es wahrscheinlich die Schrecken und die seelischen Schmerzen nur noch erweitert, muss zugegeben werden, dass schon lange ein Krieg gegen das gesamte Leben auf diesem Planeten tobt, der innerhalb aller Lebensbereiche stattfindet.“

      Krieg gegen das gesamte Leben – genau so ist es. Einen Blick auf das Gesamtbild zu werfen ist unerträglich und ich weiß nicht, ob ich vor Zorn schreien, oder um die Erde weinen soll.

      Danke für das ZItat von Bob Shapiro. Unfassbar…

  3. Zeit wurds, dass das Thema mal auf den Tisch kommt. Aber das war doch kein Alleingang von Landwirtschafts-Schmidt. Zitat aus dem Rubikon von Ullrich Mies:

    „Damit Merkel nicht als Koalitionskillerin dasteht, haben sich die Damen und Herren des Bundessicherheitshauptamtes die perfide Lügennummer mit dem Landwirtschaftsminister als „Alleinentscheider“ ausgedacht. Dümmer und lächerlicher geht es nicht: Eine mediale Propagandanummer der Chefideologen des neoliberalen Fake-Journalismus.

    Fakt ist: Merkel hat sich laut Aktenvermerk der Leitungsebene des Landwirtschaftsministeriums vom 24.08.2017 auf dem letzten Großagrariertag (Deutscher Bauerntag) für den Einsatz von Glyphosat ausgesprochen. Wer Verwaltungshandeln kennt, weiß, der Ministerial- und Verwaltungs-Fisch stinkt immer vom Kopfe her. Niemals hätte sich ein Minister — zumal in einem so gravierenden Fall — auch nur gewagt, eine derart schwerwiegende Entscheidung in einem EU-Gremium zu fällen, wenn nicht „Rückendeckung“ von der Chefin vorliegt. Alles andere ist Schwachsinn in Reinform. Insoweit ist die ganze Nummer, Schmidt habe sich „eine Rüge der Kanzlerin“ eingefangen, dummes Schmierentheater, Show für das Breitenpublikum und abgekartet von vorne bis hinten. Wenn diese Lügennummer keine wäre, wären Schmidt und die Leitungsebene der Agrarindustrieförderer schon nicht mehr im Amt und seine Stimmabgabe in Brüssel — weil nicht autorisiert — storniert.

    Nach der Glyphosat-Entscheidung des Regimes und Freigabe durch die Autokraten-EU ist das Geschäftsmodell und die Fusion Bayer/Monsanto „in trockenen Tüchern“.“ Zitat Ende

    Und wir wissen doch spätestens seit 2008, seit der Arte Doku „Monsanto – Mit Gift und Genen“, wie gefährlich dieses Zeug ist. Von 2015 gibt es noch eine neuere Arte Doku „Chronisch vergiftet – Monsanto und Glyphosat“. Beide Dokus sind bei YT zu sehen, wenn man diesen Horror aushalten kann.

    Hab diese Woche gelesen, dass es in Frankreich u Italien auch verboten bleibt. Und wir können ja nicht mal mehr auf die „Amis“ schimpfen, es ist ja jetzt bald Bayer, die in guter alter Tradition die Welt vergiften.

    Was mich ein bisschen tröstet, da denke ich bekennend richtig gemein; die Bauern, die es auf die Felder kippen, werden selbst sehr krank. Typischer Fall von Saat und Ernte.

  4. Weniger bekannt scheint zu sein, dass Monsanto mit dem Dayton Project (Teil des Manhattan Project) und Polonium zu Fat Man und Little Boy (Hiroshima und Nagasaki) beitrug. Die Tatsache, dass Polonium von Monsanto als Initiator verwendet wurde, war bis in die 1960er Jahre geheim. Mit DDT, PCB, Agent Orange, Roundup etc. rundet sich das Bild ab, dass, wenn etwas so richtig „schmutzig“ (Dirty Dozen) ist, dann ist Monsanto dabei beim Absahnen. Perfide Täuschung darf man auch vermuten beim Label „Grüner Gentechnologie“.

    • Daß Glyphosat wahrscheinlich krebserregend ist, ist nicht nur die Meinung von „den Umwelt-NGO’s“, sondern von der Welt-Gesundheitsorganisation WHO.
      Aber dank IQ-Support der Chemie-Lobbyisten ist unser „Bundesinstitut für Risikobewertung“ natürlich schlauer als die WHO, klar. Dem BfR glaube ich kein Wort.

  5. Ich bin froh, dass dieses wichtige Thema jetzt auch hier aufgenommen wird und vielen Dank auch an Monika Krüger. Wir brauchen solche kompetenten Menschen in der Wissenschaft wie überall, die sich nicht kaufen lassen, weil sie wissen, dass wir der globalen Totalvernichtung nur mit Wahrhaftigkeit und Redlichkeit noch etwas entgegen setzen können.

    • Was ich noch fragen wollte: Enttäuschung meint doch EntTäuschung. Nicht wahr?

      „Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der EntTäuschung.“
      Erich Fromm

    • Ja, ich meinte es im Doppelsinn. Passt doch gut in die Zeit. Eigentlich ist Ent-Täuschung ja etwas Gutes. Das habe ich aber mal nicht von Fromm, das stammt aus meinem eigenen Logik-Repertoire. 🙂

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