KenFM am Telefon: Prinz Chaos II. zum US-Wahlkampf 2016

Zum Ende des Jahres hat Barack Obama Feierabend. Er verlässt nach zwei Amtsperioden das Weiße Haus. Was hat er versprochen? Was hat er erreicht? Selbst seine größten Fans müssen, wenn sie Bilanz ziehen, zugeben: Das war vor allem viel heiße Luft. Der Mann, der als Hoffnungsträger der Mittelschicht antrat, war vor allem ein Präsident, der sich dem Willen der Wall Street, der Öl-Industrie und dem Militärisch-Industriellen-Komplex beugte. Obama wurde zu einem George W. Bush 2.0. Zugegeben, er kam smarter rüber.

Wie geht es weiter mit den USA? Wer wird Obama beerben? Bis zu den Wahlen im November 2016 sind es noch ein paar Monate, und den Wahlkampf machen wohl die Demokraten Hillary Clinton und Bernie Sanders, und der Republikaner Donald Trump unter sich aus.

Trump und Sanders haben etwas gemeinsam: Sie zeigen einen politischen Trend auf. Extreme Kandidaten und extreme Positionen verdrängen zunehmend das, was man die politische Mitte nennt. Hillary Clinton gehört dieser Mitte an. Sie ist ein Chamäleon, voll finanziert von den üblichen Verdächtigen. Die daraus erwachsenden politischen Abhängigkeiten lassen ihre Wahlversprechen wie eine Märchenstunde erscheinen. Dennoch hat sie eine Chance, es bis ins Weiße Haus zu schaffen, denn der Wähler will belogen werden, solange sich diese Lügen gut anfühlen. Diese Erkenntnis trifft auch auf Deutschland zu. In drei Bundesländern wurde gewählt, und der große Abräumer heißt AfD.

Im Gespräch mit Prinz Chaos spannt KenFM den großen politischen Bogen. Wir analysieren sehr detailliert die Politiker Clinton, Trump und Sanders, die ihre Erfolge vor allem dem Umstand verdanken, dass die USA ein Land der unbegrenzten Ungerechtigkeiten sind, ein Land, dessen DNA der Rassismus ist. Ein Land, das zunehmend innerlich zerreißt.

Die Vereinigten Staaten von Amerika weigern sich, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Das zugrunde liegende Wirtschaftssystem und der Verteilerschlüssel des Wohlstands sind eine Handgranate, deren Splint längst gezogen wurde.

Es wird knallen.

Das selbe gilt für Deutschland. Auch hier wurde am Sonntag in drei Bundesländern vor allem eines gewählt: Verdrängung der Realität. Wer seine Wähler im Vorfeld am besten einseifen konnte, ihnen das Blaue vom Himmel versprach, räumte entsprechend ab. And the Winner is: Die „Alternative für Deutschland“.

Nur welche grundsätzlich neuen Antworten auf dem nicht mehr aufzuhaltenden Systemkollaps hat die AfD wirklich im Gepäck?

Ist sie im Kern nicht auch nur eine neue Verpackung von alten Machtstrukturen, die den Eliten, dem Geldadel die Herrschaft sichern sollen?

Auch die AfD hinterfragt weder das Geldsystem und den dahinterstehenden global operierenden Bankensektor, noch prangert sie die US-geführten Ressourcenkriege mit deutscher Beteiligung an. Auch die AfD meidet es, sich öffentlich über die Totalüberwachung der NSA zu echauffieren oder sich der Frage zu stellen, wie unendliches Wirtschaftswachstum in einem endlichen Raum auf Dauer funktionieren soll. IWF, Weltbank und Troika-Terror sind ebenfalls kein Thema für die Alternative für Deutschland. Wir werden erleben, dass auch diese Partei auf dem Weg zur Spitze der Macht vor allem eines tun wird – sie wird ihren Kotau vor denen machen, die mit Posten und Cash locken.

Es ist absurd, von einem System, das von Reichen installiert und bis heute minutiös kontrolliert wird, zu erwarten, es wäre daran interessiert, die Massen fair zu entlohnen und an echter Macht zu beteiligen. Der Umstand, dass der gefrustete Wähler immer noch davon ausgeht, mit einer „neuen“ Partei würde sich alles ändern, zeigt, wie perfekt die politische Unbildung sich als DNA der Demokratie etabliert hat. Es ist eine Demokratie des Kapitals. Im Kern geht es immer nur um den Erhalt des Status quo. Arm muss ärmer werden, damit reich reicher werden kann.

Parteien sind wie schwarze Löcher – ihr Job besteht vor allem darin, die Energie der politischen Wut der Straße zu absorbieren und unschädlich zu machen.

Mit jedem Kreuz wird die Stimme eines Individuums begraben. Globale Ohnmacht wird nach den selben Spielregeln organisiert. Ob im Weißen Haus oder im Kanzleramt.

20 Kommentare zu: “KenFM am Telefon: Prinz Chaos II. zum US-Wahlkampf 2016

  1. Da war es wieder!
    Ein BGE von 1500 Euro pro Monat will Prinz Chaos II haben.

    Wenn man 1500 Euro fürs Nichtstun bekommt, dann geht man nicht mehr für 1000 Euro obendrauf 40 Stunden pro Woche arbeiten. Das Personal in der Kneipe tut das auch nicht. Dann kostet das Bier in der Kneipe zehn Euro und das Taxi, mit dem man drei Kilometer weit nach Hause fährt, kostet 30 Euro.

    Ich halte 500 Euro pro Monat für realistisch. Wenn man es höher ansetzt, bekommt man Preissteigerung und wird wieder bei einer Kaufkraft von heute 500 Euro ankommen.

  2. Danke für die Informationen zur Wahl in den USA!
    Wo ist der „Deutsche“ Bernie Sanders?

    Prinz Chaos hat es auf den Punkt gebracht: „Die Linkspartei ist Teil des Establishments!
    Sie ist der Arzt am Krankenbett des Kapitalismus.“ – der nicht reformierbar ist.

  3. habt ihr euch eigentlich mal darüber gedanken gemacht,warum man das wort afro-amerikaner benutzt, aber nie von euro-amerikanern redet? wir reden hier von amerikanern..niemanden interessiert es mehr,wo die herkommen..aber scheinbar interessiert jeden,wie die aussehen……wenn ein schwarzer engländer in die u.s.a. auswandert,wird er als afro-amerikaner bezeichnet…vielleicht sogar von euch

  4. Ken würde eine Partei wählen, die gegen das Bargeldverbot ist?
    Ich dachte, du gehst überhaupt nicht wählen???

    Aber wenn nun doch – dann lies doch mal hier:

    https://www.alternativefuer.de/tag/bargeld/

    – Weidel: Bargeld erhalten!

    – „Bargeld lacht!“ – AfD startet bundesweite Kampagne für den Erhalt des Bargeldes

    – AfD fordert Erhalt der Bargeldnutzung als bürgerliches Freiheitsrecht

    – Petry: Keine Obergrenze mit der AfD – Bargeld ist gelebte Freiheit!

    Oder war die Aussage auch nur eine Lüge wie die Wahlversprechen von Obama, Merkel und den anderen Vasallen??

  5. So interessant die Ausführungen von Prinz Chaos über Amerika waren – in Bezug auf die Gründe für das gute Abschneiden der AFD hat auch er um den heißen Brei herumgeredet. Seine diesbezügliche Analyse ist nicht treffend. Gestern Abend, nach Anne Will wurden im ARD die Analysen der Wählerbefragung ausgewertet: Man hatte offenbar die Wähler gefragt, was ihre Befürchtungen seien und da kamen zwei Hauptthemen zur Sprache, die die Leute bewegen: das Anwachsen der Kriminalität und die Islamisierung.
    Hier liegen meiner Ansicht nach die Hauptgründe für das gute Abschneiden der AFD – die ich selbst nicht wählen würde.
    Prinz Chaos und KenFm übergehen diese beiden Hauptthemen, die die Leute in ihren Herzen bewegen. Es macht Prinz Chaos und Ken Jebsen aber irgendwie unwahrhaftig, wenn sie diese beiden Punkte nicht ansprechen und stattdessen nur sozialökonomische, materialistische, linke Gründe finden für das Wahldebakel. Nein. Die Hauptgründe sind Sorge vor mehr Kriminalität und Islamisierung. Was heißt das, das so viele keine Islamisierung Deutschlands wünschen? Sind islamische Gesellschaften nicht Kollektivgesellschaften, in denen Individualismus unerwünscht ist? Beruhen islamische Gesellschaften nicht auf tribalen Gruppen – einer uralten Gesellschaftsform, die auf Unfreiheit und Unterwerfung beruht und die für den modernen Europäer das Falscheste ist, was man denken kann, denn es hieße, auf eine Kulturstufe zur Zeit Abrahams zurückzufallen. Christliche Gesellschaften sind Gesellschaften einzelnder Individuen geworden, und das ist gut so.
    Die Menschen hier spüren, dass es um ihr „Ich“ um ihre Identität geht. Die wird angegriffen dadurch, dass – von welcher Stelle ausgehend auch immer – die eigenen politischen Eliten und Medien es richtig finden, dass ganz viele Menschen aus dem muslimischen Kulturkreis kommen und es wird billigend in Kauf genommen, dass dann noch mehr Moscheen gebaut werden – also geistige Zentren des Islams, von denen dann geistige Kraft ausgehen wird – aber eine andere geistige Kraft, als von einer Universität oder einem christlichen Zentrum aus ausgehen würde. Und was als Verrat empfunden wird, ist, dass es innerhalb der Deutschen so viele gibt, die sich ducken und sich dem Islam anbiedern und der Ansicht sind, Deutsche, seien irgendwie „nicht richtig“ und müssten mit muslimischen und islamischen Menschen zwangsweise vermischt oder „verdünnt“ werden… (Angela Merkel ??, Joschka Fischer, Grüne, manche Linke, andere)

  6. Top Interview, super informativ. Vielen Dank!

    Abschied vom Zentralismus !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    führt zu
    Abschied von EU !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!(hier ist nicht Europa gemeint, Europa muss umgebaut werden)
    führt zu
    Abschied von NWO !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    • um ehrlich zu sein…..ich würde eher ventura wählen,als trump oder clinton…..ventura ist ähnlich wie trump..und damit meine ich,ehrlich..und er denkt mehr in meine richtung…..

    • @ Dominic Pattberg

      😉 Ob die beiden nun ehrlich sind oder nicht;)
      Ich finde die Information aus dem Video ganz interessant was Ventura über sein Treffen mit Sanders erzählt.
      https://www.youtube.com/watch?v=DQ39qGSb2r0 5:23min.
      Der Wahlkampf von Trump erinnert mich sehr an den Film „Machete“. Hoffentlich hat er bei seinem Spiel mit dem Feuer einen Eimer Wasser parat.
      Mit Ventura gibt es wenigstens auch eine Mauer im Norden der USA, wenn die US Bevölkerung unbedingt eine Mauer im Süden bauen möchten.

  7. Wow. Unglaublich informativ und aufschlussreich bzgl. des amerikanischen und deutschen Wahlsystems. Und ich habe leichte Bauchschmerzen, wenn ich bedenke, dass Amerika wenigstens Bernie Sanders als Kandidaten hat, dem man beinahe nur beipflichten kann als sozial-intelligenter Mensch, wir in Europa, zumindest in den nördlicheren Ländern, scheinbar keine brauchbare Alternative haben.
    Auch im Süden haben sich die aufkommenden sozialistischen Regierungen nicht beweisen konnen, was fraglos mit dem Konstrukt der EU zusammenhängt.

    Und, wenn ich mal Bezug auf Ken´s neues „NachdenKen“ nehmen darf: Es wäre ein dickes fettes unübersehbares Zeichen, wenn genügend Menschen NICHT wählen gingen… aber die Meisten werden es doch fraglos weiterhin tun. Und damit für die Nichtwähler entscheiden, welches Übel nun regiert. Und es ist mit Sicherheit nicht egal, welches Übel das tut, denn jedes Übel fährt einen anderen Kurs und ich möchte schon mitbestimmen, welcher das sein wird.

    Ach, es ist alles recht trostlos, wenn man die Entwicklungen betrachtet. Wo sind denn die Sander´s Europas? Wo sind die verantwortungsvollen Reichen, die aus eigener Erfahrung genau wissen, woher die weltweite Armut rühert? Und sich nicht gegen die Unter- und Mittel-Schicht abkapseln, sondern an ihrer Seite kämpfen? Ich bin nach wie vor dagegen, einen Kult um einzelne Menschen zu veranstalten, doch man muss sich fragen: Wer, wenn nicht Bernie Sanders? Vielleicht, wenn er erfolgreich sein sollte und das Vertrauen der Wähler bestätigt, könnte er sich als blueprint für zukünftige europäische Bewegungen erweisen. Bittet die milliardenschweren Spekulanten zu Kasse, nicht die Armen und Hungrigen!
    Denn, auch wenn man entgegnet, „Dann gehen die mit dem Kapital eben woanders hin und machen von dort aus weiter“, kann das nicht das letzte Wort sein. Wenn ein Kind alle Anderen ständig vermöbelt, kann ich auch nicht tatenlos zusehen, mit der Begründung „Naja, sobald ich mich umdrehe macht ers ja eh wieder“.
    Diese asozialen, skrupellosen Oligarchen, Spekulanten und egomanischen Profiteure des globalen Handels mit den verrücktesten Dingen, müssen direkt angesprochen werden, und zu verantwortungsvollen Bürgern erzogen werden.
    Ich weis, das klingt alles extrem Lehrerhaft, da schlägt der Sozialpädagoge in mir durch^^

    • ich muss leider zugeben,dass ich auch hoffe,dass sanders gewinnt…wobei die chance schon fast weg ist….er wäre das geringere übel und er hat ideen zur reformation….aber er denkt wie ein SJW.und das ist schlimm…..aber darüber kann man ja reden…..ich zweifele aber von stunde zu stunde mehr und mehr…..wen hätte ich also lieber?trump oder clinton?…….keine ahnung

    • @ Lutz Lehnhardt

      Ich hab‘ mir mal die Mühe gemacht und die gelinkte Pressenotiz gelesen. Eine Äußerung darin verdient Beachtung:

      „[…] Diese Maßnahme ermöglicht es, einen Negativzins als Strafsteuer für Sparer unmittelbar durchzusetzen und falls dies nicht genügen sollte, neue Vermögensabgaben per Zwangsabbuchung von Konten direkt umzusetzen. “

      Die Debatte mit „Negativzins“ als Strafsteuer wird seit circa 2010 von Ken Rogoff, Lautsprecher vom IWF und gekaufter Professor für Makroökonomie der Harvard Universität, ventiliert. Dahinter wird suggeriert, dass bei einer Niedrigzinspolitik vor allem die armen Sparer leiden müssen. Ausgeblendet wird, dass die Niedrigzinsen Folgen einer strukturllen Wachstumsschwäche der kapitalistischen Ökonomien nach der Finanzkrise 2008/2009 und Eurokrise 2010 sind. Draghis hilfloser Versuch immer neues Geld in den Zahlungskreislauf zu pumpen ist eben Ausdruck der Tatsache, dass vor allem deutsche Unternehmen keine Schulden zwecks Investitionen mehr machen (andere Nord-Euroländer wie die Niederlande treten hinzu, aber Deutschland hat hier eine Agenda-Setting-Funktion). Aktienbesitzer bleiben davon übrigens verschont – und diese haben überproportional das Vermögen, dass die AfD immer schützen will, wenn sie vor einer Vermögensabgabe warnt.

      Eine Vermögensabgabe war im Wahlkampf 2013 schon Thema und wurde von der Mainstream-Presse runtergeschrieben als Griff in die sozialistische Mottenkiste. Mir leuchtet ein, dass AfD als Privilegienschützern hier dieselbe Position GEGEN eine Vermögensabgabe einnimmt wie CDU, CSU und FDP und Alfa, der Wurmfortsatz der FDP im Europaparlament.

      Achso, „bürgerliches Freiheitsrecht“ bringt es auf den Punkt. Der gut situierte Privatbürger, nennen wir ihn gern Kapitalist, soll vor einer unzulässigen Einflussnahme des Staates bewahrt werden. Die Bankenrettungsprogramme von 2008/2009 sind schon vergessen. Teil der Meldung sind konsensfähig, aber die AfD zieht die falschen Schlussfolgerungen daraus und will vor allem nur ihre Klientel schützen, sicher nicht Otto Normal mit seinen 3,50 € auf dem Sparkonto.

      Norbert Häring hatte dazu unlängst ein aufklärendes Stück: http://norberthaering.de/de/27-german/news/575-nachdenkseiten

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